Noch ist das Schicksal um Dein Kreuz gewunden
Und Deines Sieges Herrlichkeit verhangen
Von dieser Tage ungeheurem Bangen,
Da Tod und Frevel wider Dich verbunden.
Noch ist die Trauer nicht von mir geschwunden,
Nicht von der Seele sehnlichstem Verlangen,
Das heilige Licht, das in Dir aufgegangen.
Hat nicht durch meines Lebens Nacht gefunden.
Doch brennt die Glorie Deiner Todesschmach
Schon auf der Wolke, die Dein Bild beschwert,
Tief in der Zeit erstehst Du siegend wieder.
Dann sinkt des Lebens dunkle Hülle nach,
Und wie das Kreuz das Innerste verzehrt,
Strahlt auch das Kreuz von oben mächtig nieder.
Quelle: Reinhold Schneider, Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte, Köln und Olten: Jakob Hegner, 1955, S. 187.