Wenn 1.Korinther 15,27f im Schatten des Lateinischen ’subjektiv‘ bzw. ‚unterwürfig‘ übersetzt wird: „Ob ‚unterwerfen‘ für das Verhältnis von Jesus Christus als Sohn zu seinem Vater angebracht ist, muss hinterfragt werden. Bei Unterwerfen ist jedenfalls ein Zwangs- bzw. Gewaltverhältnis konnotiert.“

Wenn 1.Korinther 15,27f im Schatten des Lateinischen ’subjektiv‘ bzw. ‚unterwürfig‘ übersetzt wird

Konkordant übersetzen ist für mich ein Gebot der Bibelübersetzung, d.h. für jeden Begriff in der Ursprache ist nach Möglichkeit immer das gleiche Wort der Zielsprache verwenden. Die Einheitsübersetzung sucht dies in 1.Korinther 15,27f zu beherzigen, wenn sie das griechische Verb hypotássō einheitlich mit „unterwerfen“ wiedergibt:

„Denn: Alles hat er seinen Füßen unterworfen. Wenn es aber heißt, alles sei unterworfen, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterwirft. Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.“

Ob „unterwerfen“ für das Verhältnis von Jesus Christus als Sohn zu seinem Vater angebracht ist, muss hinterfragt werden. Bei „Unterwerfen“ ist schließlich ein Zwangs- bzw. Gewaltverhältnis konnotiert.

Die Luther-Bibel 2017 gibt hypotássō in 1.Korinther 15,27f mit drei verschiedenen Verben wieder:

„Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.“

Damit folgt sie jedoch nicht Luther 1545, wo (fast) konkordant hypotássō mit untertan sein übersetzt wird:

„Denn er hat jm alles vnter seine Füsse gethan. Wenn er aber saget / das es alles vnterthan sey / ists offenbar / das ausgenomen ist / der jm alles vnterthan hat. Wenn aber alles jm vnterthan sein wird / als denn wird auch der Son selbs vnterthan sein / dem / der jm alles vnterthan hat / Auff das Gott sey alles in allen“.

Das Problem bei der Übersetzung von hypotássō ist der Einfluss der Vulgata, die wie folgt übersetzt:

„omnia subiecta sunt
sine dubio praeter eum qui subiecit ei omnia
cum autem subiecta fuerint illi omnia
tunc ipse Filius subiectus erit
illi qui sibi subiecit
omnia
ut sit Deus omnia in omnibus“

Im Lateinischen ist hypotássō mit subicio wiedergegeben, dem die Unterwerfung von Völkern und Provinzen unter imperialem Anspruch konnotiert ist. Das griechische tássō mit der Bedeutung „anordnen“ bzw. „aufstellen“ wird durch iacio mit der Grundbedeutung „werfen“ ersetzt.

Der Schatten des Lateinischen wird bei deutschen Bibelübersetzungen meist unterschätzt. Folgt man der eigentlichen Bedeutung von hypotássō lässt sich im Deutschen konkordant und – wie ich meine – stimmig mit „unterstellen“ übersetzen:

„Denn: Alles hat er seinen Füßen unterstellt. Wenn es aber heißt, alles sei unterstellt, ist offenbar der ausgenommen, der ihm alles unterstellt. Wenn ihm dann alles unterstellt ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterstellen, der ihm alles unterstellt, damit Gott alles in allem sei.“

Unterstellen begründet sich in einer bereits vorhandenen Position. Wenn Jesus Christus Mächte, ja auch den Tod sich selbst unterstellt, hat dies den Grund in dessen stellvertretenden Sühnetod und in dessen Auferweckung von den Toten. Wäre von Unterwerfung die Rede, müsste zusätzlich eine agonale Handlung angenommen werden, schließlich müssen Unterworfene ja zuerst besiegt werden.

Hier der Text als pdf.

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