Von Martin Luther
Es ist Sache eines guten Menschen, die Verleumdung des Nächsten nicht anzunehmen, sie zu widerlegen, das Gegenteil zu behaupten, ihn zu verteidigen und, wenn er ihn nicht verteidigen kann, ihn zu entschuldigen oder wenigstens mit Schmerz und Mitgefühl selbst dem Feind und dem Schlechten gegenüber zu begegnen; denn so möchte jeder selbst behandelt werden. Daher wird man dem Nächsten nicht nur keinen Schaden zufügen oder Böses antun, sondern ihm auch Gutes tun, sei er Freund oder Feind, wie es die Lehre Christi in Evangelium nach Matthäus Kapitel 6 [Matthäus 5,44] ist. Man wird weder nachforschen noch anzeigen, sondern dem Anzeigenden widerstehen und den Verleumder zum Schweigen bringen.
Im lateinischen Original:
boni viri est opprobrium proximi non admittere, extinguere, contraria praedicare, tueri, et si non potest tueri, excusare aut saltem dolore et compati etiam inimico et malo, sic enim sibi quisque fieri vellet. Ita non modo non nocebit aut malum faciet proximo, sed etiam bene faciet, sive sit amicus sive inimicus, ut est sententia Christi Matt. vi. Nec explorabit nec deferet, sed deferenti resistet, susurronem compescet.
WA 5, 435, 23-29 (Operationes in Psalmos, zu Psalm 15,3)