Lob des Handwerks: „Was das Handwerk ausmacht, trägt es bereits in seinem Namen: das eigene Werk. Wer mit Geschick und Sachverstand arbeitet, schafft etwas, das sichtbar, greifbar und in der Regel von bleibendem Wert ist. Ein gelungenes Werk spricht für sich. In den Psalmen wird Gott wiederholt auf sein Handwerk angesprochen. So dürfen auch wir im Sinne Gottes für unser eigenes Handwerk beten: ‚Die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns, / gib dem Werk unserer Hände Bestand, ja, gib dem Werk unserer Hände Bestand.‘ (Psalm 90,17).“

Lob des Handwerks

Die Geringschätzung handwerklicher Tätigkeiten ist kein neues Phänomen. Schon in der Antike äußerten sich Denker herablassend über die Arbeit mit den Händen. So schreibt der römische Rhetor und Philosoph Cicero: „Alle Handwerker befassen sich mit einer schmutzigen Tätigkeit, denn eine Werkstätte kann nichts Edles an sich haben“ (Opificesque omnes in sordida arte versantur; nec enim quicquam ingenuum habere potest officina, De officiis I,42,150). Nach Ansicht Platons (Nomoi 846d) und Aristoteles (Politik 1328b) sollten Handwerker nicht einmal zur Bürgerschaft einer Stadt gehören. Der Begriff „Banause“ stammt entsprechend aus dem Griechischen (βάναυσος) und bezeichnete ursprünglich schlicht den Handwerker – nicht selten mit abwertendem Unterton.

Auch heute haben handwerkliche Berufe bei vielen Schulabgängern keinen besonders hohen Stellenwert. Ein Studium oder eine vermeintlich kreative Tätigkeit am Bildschirm erscheinen attraktiver. Dabei zeichnet sich längst ein akuter Fachkräftemangel im Handwerk ab – mit Folgen, die den gewohnten Komfort unseres Alltags ernsthaft infrage stellen könnten.

Was das Handwerk ausmacht, trägt es bereits in seinem Namen: das eigene Werk. Wer mit Geschick und Sachverstand arbeitet, schafft etwas, das sichtbar, greifbar und in der Regel von bleibendem Wert ist. Ein gelungenes Werk spricht für sich – so wie es auch am Ende der biblischen Schöpfungsgeschichte heißt: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. […] Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er gemacht hatte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken.“ (Genesis 1,31 und 2,2)

In den Psalmen wird Gottes Wirken wiederholt als Handwerk beschrieben: „Du hast vorzeiten die Erde gegründet, / und die Himmel sind deiner Hände Werk.“ (Psalm 102,26) Und: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes / und das Firmament kündet das Werk seiner Hände.“ (Psalm 19,2)

So dürfen auch wir, im Sinne dieser biblischen Wertschätzung, für unser eigenes Schaffen beten: „Die Freundlichkeit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns, / gib dem Werk unserer Hände Bestand, / ja, gib dem Werk unserer Hände Bestand.“ (Psalm 90,17) Amen.

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1 Kommentar

  1. Danke für den schön kurzen Text.
    Es geht um das Handwerk und darum, dass Gott die ganze Welt wunderbar erschaffen hat.

    Und doch beunruhigt mich der Text ein wenig. Gott ruht am siebten Tag und schaut nur noch an, was er geschaffen hat. Und es ist nicht die Rede davon, dass er am achten Tag die Arbeit wieder aufgenommen hätte. Nein, er bleibt im Ruhemodus.

    Meine Anmerkung:
    Gott darf nicht ruhen. Wir brauchen ihn dauerhaft, jeden Tag bis in alle Zukunft. Gott schaut an, was er gemacht hat? Das reicht nicht. Wir erwarten, dass er korrigierend eingreift. Er soll uns ja lenken.

    Vielleicht ist Gott schon längst im achten Tag. Die ganze Welt entwickelt sich unaufhörlich weiter. Im Universum vergehen alte Sterne und neue entstehen. Ganze Galaxien verändern sich laufend. Und unsere Erde ist heute eine andere als vor Jahrtausenden. Sie ist erst recht anders als in der Saurierzeit. Und wer weiß, wohin sie sich in ferner Zukunft entwickelt. Die Schöpfung ist noch lange nicht zu Ende.

    Ich bitte darum, dass der Schöpfungsbericht in diesem Punkt nicht zutrifft. Mit dem siebten Tag bin ich nicht einverstanden. Gott muss wieder in die Gänge kommen.

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