Karl Barth „Es gibt zwar eine Gottlosigkeit des Menschen, es gibt aber laut des Wortes von der Versöhnung keine Menschenlosigkeit Gottes“ (Kirchliche Dogmatik IV/3)

Hier die Fortsetzung von Karl Barths Text zur heutigen Herrnhuter Losung des Tages:

Man vergesse nicht: es gibt zwar eine Gottlosigkeit des Menschen, es gibt aber laut des Wortes von der Versöhnung keine Menschenlosigkeit Gottes; es gibt zwar eine Fremdheit und Feindseligkeit des Menschen seinem Evangelium, es gibt aber keine Fremdheit und Feind­seligkeit seines Evangeliums dem Menschen gegenüber. Daß er ihm ver­schlossen ist, ändert nichts daran, daß es für ihn offen ist und bleibt. Und daß er die Souveränität Jesu Christi nicht kennt, und, kennte er sie, seiner «Mündigkeit» gewiß, vermutlich gegen sie rebellieren würde, kann das nicht zur Folge haben, daß sie von ihrer vollen Gültigkeit auch ihm gegen­über auch nur das Geringste einbüßte. Wie sollte es da weniger wahr­scheinlich oder gar unmöglich sein, daß sie sich auch ihm gegenüber fak­tisch durchsetzen und bewähren möchte? Es gibt Jesus Christus gegenüber keinen effektiv sich durchsetzenden Prometheismus. Eben mit ihm hat er als der am Kreuz Unterliegende und Siegende ein für allemal aufgeräumt: mit ihm in allen seinen Gestalten. Das heißt aber: Es gibt in der von Gott in Jesus Christus versöhnten Welt keine von ihm sich selbst überlassene, keine seiner Verfügung entzogene Profanität, auch da nicht, wo sie sich, menschlich gesehen und geredet, der Reinheit, der Absolutheit, der schlechthinigen Gottlosigkeit in der gefährlichsten Weise zu nähern scheint. Man kommt, man denkt und redet nicht von Jesu Christi Auferstehung her, wenn man das Gegenteil behauptet! Unterläßt man es aber, sich hier zu versteifen, dann wird man darauf gefaßt sein und bleiben, auf einmal auch aus solch scheinbar äußerster Finsternis heraus wahre Worte, aus richtigem Bileamsmund die wohlbekannte, ihrer düsteren Herkunft zum Trotz ja nicht zu überhörende Stimme des guten Hirten zu hören.

Karl Barth, Kirchliche Dogmatik IV/3, Erste Hälfte, Zollikon-Zürich 1959, S. 133.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s