Mit den Zehn Geboten anderen keine moralischen Vorhaltungen machen. Warum man bei dem Projekt „Zehn Gebote entfaltet“ zu den einzelnen Geboten zu stehen hat.

Mit den Zehn Geboten anderen keine moralische Vorhaltungen machen

Was jüngst mit der anstößigen INSM-Anzeigen-Kampagne in Sachen „Zehn Gebote von Annalena Baerbock“ vorgeführt werden sollte, ist eine vermeintlich „mosaische“ Attitüde, anderen Menschen moralische Vorhaltungen zu machen. In Lucas Cranachs plakativem Gemälde „Gesetz und Gnade“ (1529, Herzogliches Museum Gotha) wird der sündige Mensch von Tod und Teufel ins Höllenfeuer gejagt, während er zu Mose (mit Hermelinkragen) blickt, der auf die beiden Gebotstafeln in seiner linken Hand verweist. Was in Cranachs Gemälde mit den zwei Bildhälften „Gesetz“ und „Gnade“ auf einen rettenden Transitus zu Christus hin angelegt ist, kann in einer säkularisierten Gesellschaft nicht länger nachvollzogen werden. Es bleibt bei den Vorhaltungen, denen man sich zu entziehen sucht.

Das ist in der Tat problematisch, wenn die Gebotstafeln in der eigenen Hand anderen vorgehalten werden. Als „Vorhaltender“ bemächtigt man sich der Autorität der Zehn Gebote in selbstgerechter Weise, um über andere in moralischer Weise zu urteilen – wider Jesu Mahnung: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“ (Matthäus 7,1).

Bei unserem Projekt „Zehn Gebote entfaltet“ wird moralisierenden Vorhaltungen begegnet. Vor der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen/Iller werden nach einem Entwurf des Landschaftsarchitekten Manfred Rauh zehn Stelen zu den Zehn Geboten in einer Reihe entlang des Wegs zum Kirchenportal aufgestellt. Jede Stele mit einer Höhe von zwei Metern besteht aus zwei 30 cm breiten Hälften, die in einem Winkel von 120 Grad angestellt sind. Auf der rechten Hälfte aus spaltrauhem Gneis ist der Wortlaut des jeweiligen Gebots in Stein gemeißelt. Und auf der linken Hälfte aus gebürstetem Edelstahlblech sind positive Grundworte aus Luthers Erklärung zu dem jeweiligen Gebot aus dem Kleinen Katechismus mittels Laser eingelassen. Beispielweise heißt es da zum fünften Gebot „unserm Nächsten helfen und beistehen in allen Nöten“ und zum sechsten „in der Ehe einander lieben und ehren“. Die Schriftbilder der einzelnen Stelen werden von Matthias Bumiller (Finken & Bumiller, Stuttgart) entworfen, der Gestaltung und Satz für das katholische Gotteslob bzw. für Die Bibel. Einheitsübersetzung verantwortet hat.

Zu jedem der Zehn Gebote hat man also selbständig zu stehen. Fest in den Boden eingelassen kann keiner anderen damit Vorhaltungen machen. So wollen die zehn Gebotsstelen im öffentlichen Raum vor Augen führen, was für den christlichen Lebensweg wie auch für das Zusammenleben in der Gesellschaft im Hinblick auf eine „Nächsten-Gerechtigkeit“ wesentlich ist.

Hier mein Text als pdf.

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