Ein Nachtgebet von Gregor von Narek: „Glätte jede Falte der Decke meines Betts. Erhalte unversehrt den Atem, den du meinem Körper vermacht hast.“

Eine besondere Poesie zeigen die hymnischen Dichtungen aus der Armenischen Apostolischen Kirche, allen voran das Buch der Klagelieder (Narek) von Gregor von Narek (951-1003), so beispielsweise im 12. Gebet, das auf die Nacht zielt:

[…]
Grabe mit dem Kreuzeszeichen deinen Namen
auf den Türbalken meines Hauses.
Bedecke mit deiner Hand
das Dach meiner Behausung.
Bezeichne mit deinem Blut
Vorhang und Treppenstufen meiner Zellentür.
Drücke dein Siegel
auf die Fußspuren deines Bittstellers.
Schütze mit deiner Rechten
das Bett, auf dem ich ruhe.
Glätte jede Falte
der Decke meines Betts.
Erhalte unversehrt
den Atem, den du meinem Körper vermacht hast.
Stelle rund um mich auf
die Truppen deiner himmlischen Armee.
Ordne sie zu einer Schlachtlinie
gegen die Dämonenbande.
Gib mir eine süße Ruh’
in meinem Schlaf, der dem Tod so ähnlich ist,
längs dieser ganzen tiefen Nacht
durch die Fürbitte deiner heiligen und göttlichen Mutter
und aller deiner Erwählten.
Versetze in voller innerer Sammlung meinen Gesichtssinn
wie in einen Schutzraum,
diese Fähigkeit, die mir Kenntnis vermittelt.
Wolle sie mir friedlich bewahren und frei von allem Erschrecken
[…]

Quelle: Friedrich Heyer (Hrsg.), Kirche Armeniens. Eine Volkskirche zwischen Ost und West, Stuttgart: Evangelisches Verlagswerk, 1978, S. 100.

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