Treue Gottesdienst-Besucher leben länger (MMW – Fortschritte der Medizin, 2016): „Es er­gibt sich eine inverse „Dosiswirkungskurve“ zwischen der Sterblichkeit und der Häufigkeit von Gottesdienstbesuchen sowie ihren Ände­rungen im Laufe der Zeit, und die statistische Analyse ist robust.“

Wilhelm Leibl – Drei Frauen in der Kirche (1882)

Das ist doch eine Nachricht wert, wenn es in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift MMW – Fortschritte der Medizin (Jahrgang 158, 2016, Nr. 17, S. 35) heißt:

Treue Gottesdienst-Besucher leben länger. Studien zur Bedeutung der Religiosität für die Gesundheit werden oft methodische Mängel vorge­worfen. Jetzt bestätigt eine anspruchsvolle Langzeitstudie eine positive Verknüpfung.

_ In der prospektiven Nurses‘ Health Study gaben Frauen im Alter von 30-55 Jahren zwischen 1992 und 2012 ausführ­lich zu Lebensstil und medizinischer Vorgeschichte Auskunft. 74.534 Teilneh­merinnen, die anfangs frei von kardio­vaskulären und malignen Erkrankungen waren, berichteten alle vier Jahre auch über die Teilnahme an religiösen, mehr­heitlich christlichen Gottesdiensten. 14.158 besuchten mehrmals pro Woche eine solche Zeremonie, 30.401 einmal pro Woche, 12.103 seltener und 17.872 nie. Innerhalb der Beobachtungszeit verstarben 13.537 Probandinnen, darunter 2.721 an kardiovaskulären und 4.479 an malignen Krankhei­ten.

Die Gesamtmortalität der Frauen, die mehrmals pro Woche einen Gottes­dienst besuchten, lag 33% niedriger als bei den Gottesdienst-Abstinenzlern. Die Sterblichkeit mit kardialer Ursache war um 27% verringert, jene mit maligner Ursache um 21%. Es zeigte sich eine gute Korrela­tion zur Häufigkeit der Besuche, auch Änderungen im Laufe der Jahre bildeten sich ab. Zahl­reiche Einflussfak­toren wie Lebensstil, Risikofaktoren, Be­gleiterkrankungen und ethnische Her­kunft wurden berücksichtigt.

■ Li S et al. Association of religious service attendance with mortality among women. JAMA Intern Med. 2016;176:777-85

KOMMENTAR

Untersuchungen zum Zusammenhang zwi­schen Religiosität und Gesundheit sind me­thodisch schwierig und werden vielfach skeptisch beurteilt. Auch die vorliegende Un­tersuchung hat Schwächen: Es wurden nur Frauen befragt, und nur ein Einzelaspekt der Frömmigkeit, der Gottesdienstbesuch, wurde analysiert. Doch überwiegen die positiven Aspekte: Es ist eine sehr umfangreiche Studie über einen langen Zeitraum mit regelmäßi­gen Zwischenbefragungen. Die Ergebnisse stimmen für Gesamtmortalität und zwei ur­sachenspezifische Todesarten überein, es er­gibt sich eine inverse „Dosiswirkungskurve“ zwischen der Sterblichkeit und der Häufigkeit von Gottesdienstbesuchen sowie ihren Ände­rungen im Laufe der Zeit, und die statistische Analyse ist robust.

Prof. Dr. med. H. Holzgreve

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