Martin Widmann über Paul Schempp: „Der berufliche Weg Schempps war von Anfang an gepflastert mit Konflikten. Eine Stelle als Stadtpfarrer in Waiblingen gab er 1931 auf, weil er die zwangs­weise Einziehung der Kir­chensteuer ablehnte.“

Der unerbittlichste und leidenschaftlichste Kritiker bischöflicher Kirchenpolitik während der NS-Diktatur dürfte der Iptinger Pfarrer Paul Schempp (1900-1959) gewesen sein. Martin Widmann hat ihn vorgestellt:

Paul Schempp und die Sozietät

Von Martin Widmann

Paul Schempp, geboren am 4. Januar 1900, war schon in seiner Repetentenzeit im Tübinger Stift 1925 bis 1929 der geistig führende Kopf für die Studenten und jüngeren Pfarrer, welche von der »Theologie des Wortes« ergriffen waren. Sein fundamentales Werk »Luthers Stellung zur Heiligen Schrift« war eine Studie zum Kern reformatorischer Theologie. Hier legte er die Grundlinien des eige­nen Denkens und Predigens verbindlich fest. Luther wurde dargestellt als der Evangelist des einen Wortes Gottes, er wurde verstanden als der prophetische Kritiker je­der Ideologie, insbesondere der religiösen und kirchlichen Selbstbe­hauptungen. Fortan lehrt Schempp: Der Weg des Theologen – und ebenso der Weg der Kirche! – führt ins Freie, wenn sie unbekümmert und ehrlich nur aus dem Worte leben.

Der berufliche Weg Schempps war von Anfang an gepflastert mit Konflikten. Eine Stelle als Stadtpfarrer in Waiblingen gab er 1931 auf, weil er die zwangs­weise Einziehung der Kir­chensteuer ablehnte. »Die Kirche des Neuen Testa­ments kennt nur die Waffen des Wortes.« Aus einer Religionslehrerstelle am Stuttgarter Olgastift wurde er als »politisch untragbar« ent­lassen, weil er nach dem 30. Januar 1933 im Lehrerzimmer gesagt hatte: »Jetzt gehe ich zu meinen künftigen Kriegerwitwen.«

Nun übertrug ihm die Württembergische Landeskirche das Pfarramt in dem Dorfe Iptingen. Zehn Jahre stand Schempp in der praktischen Gemeindearbeit. Als Dokumente seines seelsor­gerlichen Wirkens haben wir die Grabreden und die Traureden, einen Katechismusentwurf »Christenlehre in Frage und Ant­wort«, viele Predigten und Bibelauslegungen, zahlreiche beratende und trö­stende Briefe (hrg. von Ernst Bizer 1966). Wer Schempp würdigen will, muß wissen: Die späteren Negationen des Kirchenkritikers wurzeln in den frühen Positionen des Iptinger Gemeindepastors.

In Württemberg hatten sich die später in der Bekennenden Kirche aktiven Pfarrer schon vor 1933 in den Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaften gesammelt. Durch die Initiative von Wolfgang Metzger, Heinrich Fausel, Paul Schempp und anderen kam es seit 1929 zu freien Studienkreisen, wo man um eine gemeinsame Erkenntnis- und Willensbildung für eine rechte Ausrichtung des ganzen kirchlichen Dienstes rang. Die in den KTAs Sensibilisierten führten von Anfang an unter Berufung auf Schrift und Bekenntnis den Kampf gegen die Irr­lehre der Deutschen Christen. Ende April 1933 erschien unter dem Titel »Kirche und Staat« ein »Wort württembergischer Pfarrer zur (=gegen!) kirchli­chen Gleichschaltung«, von Wolf­gang Metzger zusammen mit Hermann Diem, Heinrich Fausel, Wilhelm Gohl, Martin Haug, Heinrich Lang und Paul Schempp hinausgegeben, von 220 Pfarren unterschrieben. Aus den KTAs wuch­sen die zwei wesentlichen Gruppierungen der württembergischen Bekenntnis­pfarrer heraus: die »Bekenntnisgemeinschaft«, deren Vorsitzender Theodor Dipper war, und die »Kirchlich-Theologische Sozietät«, deren Vorsitzender Her­mann Diem war. Beide gehör­ten von Anfang an zum Pfarrernotbund und zur Bekennenden Kirche.

Demgegenüber verlief der kirchenpolitische Kurs von Kirchenpräsident Theophil Wurm im Jahre 1933 noch ganz in der Nähe des deutsch-christlichen Programms. Am 12.9.1933 sagte Wurm vor der Synode, er könne in dem Ver­such der DC, evangelisches Christentum mit nationalsozialistischem Denken zu verbinden, nichts finden, was irgendwie vom Worte Gottes zu beanstanden wäre. Im Sog des Führerprinzips der neuen Zeit hatte der Kirchenpräsident den autoritären Titel Landesbischof angenommen. Und wie alle sogenannten Kir­chenführer begrüßte Wurm, der in Dekanszeiten Landtagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspar­tei gewesen war, freudig die nationale Wende und den Regierungsantritt von Nationalsoziali­sten und Deutschnationalen. Schon bei der ersten Reichsbischofswahl wählte Wurm nicht Bodelschwingh, sondern Ludwig Müller.

Doch im Frühjahr 1934 wurde offenkundig, daß der Reichsbischof Ludwig Müller eine ein­heitliche Reichskirche schaffen und die landeskirchliche Ord­nung zerstören wollte. Als Be­auftragter der Reichskirchenregierung betrieb der sogenannte Rechtswalter August Jäger die nahtlose Eingliederung aller Landes­kirchen, zuerst durch willkürliche Rechtsverordnun­gen, schließlich durch bru­tale Absetzung der rechtsmäßigen Landesbischöfe Meiser in Mün­chen und Wurm in Stuttgart.

Da wachte der Widerstand der süddeutschen Bischöfe auf. In der Protest­kundgebung in Ulm am 22. April 1934 fanden sich die Bekenntnispfarrer des Pfarrernotbundes und die freien Synoden im Rheinland, in Westfalen und in Brandenburg sowie die süddeutschen Bischöfe zusammen zur »Bekenntnisge­meinschaft der Deutschen Evangelischen Kirche«. Auf den Bekenntnissynoden von Barmen (29. bis 31. Mai 1934) und Berlin-Dahlem (7. bis 20. Okto­ber 1934) stellte sich »Die Bekennende Kirche« als die von Schrift und Bekenntnis her allein rechtmäßige Deutsche Evangelische Kirche gegen die Reichskirchenre­gierung. Sie verwarf im Barmer Bekenntnis die Irrlehren der Deutschen Chri­sten. Sie rief die Gemeinden auf, nur noch die Bruderräte als Kirchenleitung anzuerkennen.

Dieses Halbjahr, April bis Oktober 1934, nennt Schempp im »Weg der Kirche« das Erwachen der Bekennenden Kirche. In Württemberg waren insbe­sondere die Monate September und Oktober die frohgemute Zeit des gemeinsa­men Frontmachens von Pfarrern, Gemeinden und Bischof gegen die DC-Irr- lehre und die am Alten Postplatz (Gebäude des Oberkirchenrates) kommissa­risch eingesetzte DC-Kirchenleitung. Wie sich Bischof Wurm zur Bekennenden Kirche stellte, so stellte sich die ganze Bekennende Kirche im Reich zu ihm und vor ihn!

Doch die Eingliederungspolitik der Reichskirchenregierung scheiterte. Am 30. Oktober 1934 wurden die Bischöfe Marahrens, Meiser und Wurm nach Ber­lin in die Reichskanzlei gerufen, sie wurden von Hitler persönlich empfangen. Die süddeutschen Bischöfe, die schon durch ihre Berufung zum Führer als rechtmäßige Kirchenführer anerkannt worden waren, wurden er­mächtigt, ihr Amt wieder zu übernehmen. Fortan fühlten sie sich als auch von der Staatsregie­rung wieder rechtmäßig eingesetzte Bischöfe. In ihren »intakten Landeskir­chen« wurde künf­tig wieder Kirchenpolitik auf der Basis der staatsrechtlichen Anerkennung gemacht. Die Be­schlüsse der Bekenntnissynode von Dahlem über die alleinige Rechtmäßigkeit der Bruderräte als Leitungsorgane der Bekennenden Kirche wurden in Württemberg den Gemeinden nicht einmal bekanntgegeben. Die Sammlung von bekennenden Gemeinden, wie zum Bei­spiel im Rheinland, wo jeder und jede persönlich aufgefordert wurden, die »Rote Karte« der Beken­nenden Kirche zu unterschreiben, unterblieb in Würt­temberg! Im Laufe des Jahres 1935 be­traten die Bischöfe der sogenannten in­takten Kirchen sogar den »lutherischen Sonderweg« im Lutherischen Rat, wobei man sich unter konfessionellem Vorwand von der angeblich unioni­stischen Bekennenden Kirche distanzierte.

Für Paul Schempp und die Sozietät stellt sich der 30. Oktober 1934 als der Dies ater dar. Hier begann »Verrat, Sabotage und Zusammenbruch der Beken­nenden Kirche«, wie er im »Weg der Kirche« schreibt. Hermann Diem hat im Rückblick diese Jahre November 1934 bis 1939 charakterisiert als »die Selbstli­quidation der Bekennenden Kirche« (H. Diem, Ja oder Nein, 1974, S. 83-120). Die wesentlichen Kritikpunkte Paul Schempps an Bischof Wurms Kirchen­poli­tik und am landeskirchlichen System sind bereits vorhanden in dem langen per­sönlichen Brief des Iptinger Pfarrers an Bischof Wurm vom 21. November 1934, mitunterschrieben von Hermann Diem, Helmut Goes, Heinrich Fausel, Ernst Fuchs, Wilhelm Link, Adolf Sannwald, Richard Widmann, aber damals nicht veröffentlicht. »So wenig der Staat und das profane Recht die Grundlage der Kirche sind, – beide haben nach Schrift und Reformation in der Kir­che restlos keine Funktion – so wenig sind sie die kirchlich interessierten Kreise, der Rest­be­stand der Kirchgänger und der Neuzuzug der vom Pathos ausgegebener und nicht eingehalte­ner Kampfparolen Beeindruckter. Es ist eine Restauration der Kirche am Werk, die nicht vom ‚Glauben allein‘, aus dem ‚Worte Gottes allein‘, zur ‚Ehre Gottes allein‘ anhebt, und noch weniger dabei bleibt, sondern das Blendwerk ‚einer machtvollen Kirche‘ erstrebt… Menschen, die sich des Evan­geliums bemächtigen, sind schlimmer als die, die sich ohne das Evangelium der Kirche bemächtigen« (Brief vom 21.11.1934).

Schempp und die Sozietät wollten entschieden auf dem von Barmen und Dahlem vorgezeich­neten Weg bleiben. Sie hielten sich an die Bruderräte der sogenannten zerstörten Kirchen. Die Sozietät verfaßte 1935 bis 1938 mehrere theologische Memoranden und Protestschreiben, vor allem gegen Zoellners Kirchenausschüsse und gegen den am 11. März 1936 gegründeten Lutherischen Rat; am 30. August 1936 verlasen die Sozietätspfarrer das »Wort der Vorläufi­gen Leitung der BK« zur Denkschrift der BK an Hitler – trotz dem Verbot des Ober­kirchen­rats. Alle Klage und Anklage faßte Schempp im Brief an Bischof Wurm vom 8. September 1936 zusammen, »weil mich die Dinge so quälen, daß ich noch einmal schreiben muß … Ich bin zu der Ansicht gelangt, daß Sie nach drei Jahren des Kampfes um eine allein ihrem Herrn Christus nach dem Zeugnis der Apostel und Propheten dienende Kirche nun zu jener deutsch-christlichen Grundhaltung zurückgefunden haben… Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man den Kurs der württembergischen Kirchenleitung in den drei letzten Jahren als einen unklaren Zick-Zack-Kurs bezeichnet. Die Lehre der DC wurde in der Zeit Ihrer Inhaftierung als be­kenntniswidrig verworfen, ihre Lehrer aber im Amt gelassen ohne Warnung der betreffenden Gemeinde vor ihrer Verführung … Ihre ganze schroffe Opposition gegen unsere kirchlich-theologische Opposition ist eben getragen von der tiefen Sehnsucht, daß das reibungslose Ab­laufen der Verwaltungsmaschinerie endlich wieder einsetzen möchte, weil es nur noch drau­ßen bei den bösen Thüringern Irrlehre gibt … Das ist diese Tyrannei der falschen Kirche, daß sie tausend Dinge, die in der Freiheit stehen, wie Unterstützung von allerlei angeblich evange­lischen Werken, die ganze Sintflut von Verord­nungen und Verwaltungsgesetzen, zum Zwang erhebt und für unentbehrlich er­klärt, und das Allereinzigste, was der Kirche unentbehrlich ist und nicht in der Freiheit steht, die Botschaft ihres Herrn, zur Zeit oder Unzeit, in Kirchen oder Ställen, mit oder ohne Agende, frei oder verboten, auszurichten, – das wird in die unkontrol­lierte Freiheit gestellt… Gott möge Sie erleuchten und uns allen gnädig den Trost seines Wor­tes lassen. Paul Schempp, minister verbi divini.«

Schempps Briefe wurden als überheblich, maßlos im Ton, als beleidigend und gehässig zu­rückgewiesen. 1938 gehörte Schempp zu den 80 Sozietätspfarrem, die den von der Kirchen­leitung geforderten Eid auf Hitler verweigerten. Am 28. Mai 1938 schrieb Paul Schempp an seinen Dekan: »Ich halte das Gesetz, durch das die Kirche den Beamteneid übernimmt, für ein unmißverständliches Zeichen dafür, daß nun ohne Scham der Weg der DC eingeschlagen ist, daß nun die Liquidation des Evangeliums in der Kirche unwiderruflich seinen Lauf nimmt … Auf dem Papier läßt sich das Amtsgelöbnis und dieser staatlich-kirch­liche Treueid, für den nicht einmal ein Befehl des Staates vorliegt, schön verkop­peln, in Wirklichkeit hat man sich damit für die öffentliche Neutralität des Wor­tes Gottes entschieden oder aber die staatliche Beschneidung zur Bedingung für das christliche Hirtenamt gemacht. ‚Sie schwören bei dem Herrn und zugleich bei Milkom‘, Zeph. 1,5. Was für eine Lakaienkirche, die von Freiheit redet, was für eine Hurenkirche, die von Hingabe an Christus predigt, was für eine Diplo­matenkirche, die von Einfalt predigt, was für eine Pantheonskirche, die von Bekenntnis pre­digt!«

Zunehmend verärgert war Schempp über das bürokratische System der lan­deskirchlichen Ordnungen und Erlasse, welches wichtiger schien als die Verkün­digung des Evangeliums. Ein im Mai 1938 begonnenes Disziplinarverfahren des Oberkirchenrats endete im März 1939 mit dem Urteil: Schempp ist als Pfarrer abzusetzen und zu entlassen. Auf Wunsch der Gemeinde Iptingen konnte er jedoch sein Pfarramt weiterführen, ohne Einbindung in den Apparat der landes­kirchlichen Verwaltung. Selbst in den ersten Kriegsjahren kam der zur Wehr­macht eingezogene Schempp so oft als möglich zum Predigen in die Gemeinde. Doch seit Sommer 1941 gab es neue Schwierigkeiten und heftige Zusammen­stöße mit der »Verwaltungskirche«, bis Schempp Ende 1943 resignierte, sein Pfarramt niederlegte und aus der Landeskirche aus­trat. Die Vorgänge im einzelnen sind dargelegt in dem Buch des Freundes Ernst Bizer »Ein Kampf um die Kirche – Der ‚Fall Schempp‘ nach den Akten erzählt«, Tübingen 1965.

Seit 1943 lebte Paul Schempp mit Familie in Kirchheim/Teck, zuerst als kauf­männischer Angestellter. Die Verbundenheit mit der Bekennenden Kirche und der Sozietät blieb immer erhalten, so daß Paul und Erika Schempp sich 1944 beim vom Büro Grüber der BK organi­sierten Beherbergen von untergetauchten Juden beteiligten.

Die am 29. Mai 1945 fertiggestellte Schrift »Der Weg der Kirche« zeigt, wie er für die Beken­nende Kirche einen Neubeginn nach ehrlichem Schuldeinge­ständnis aus der Kraft der Verge­bung erhofft. Seines Zeichens nunmehr ein freier Schriftsteller, bringt er mehrere kleine Schriften heraus, zum Beispiel »Frei und verantwortlich«, »Wir fangen an«, »Ein Ruf an die Jugend«. Er übernimmt neben Kurt Müller die Predigtaufgabe an der Reformierten Gemeinde in Stutt­gart. Er arbeitet mit in der SPD, in den Gewerkschaften (Reden zum 1. Mai), in Volks­bildungswerken.

Nach der Rückkehr Hermann Diems aus der Kriegsgefangenschaft nimmt die württembergi­sche Sozietät mit neuem Elan ihre kirchlich-theologische Arbeit auf. 1946 erscheint die von Hermann Diem gemeinsam mit Paul Schempp verfaßte Schrift »Restauration oder Neuanfang in der Evangelischen Kirche?«, worin dem kritischen Rückblick auf den Weg der Landeskir­che in der Vergangenheit ein »Entwurf einer Ordnung für die Evangelische Landeskirche Württembergs« hinzugefügt wird. Die »Erklärung der Kirchlich-Theologischen Sozietät in Württemberg vom 9. April 1946« sucht die allgemeinen Sätze des Stuttgarter Schuld- und Neubeginn-Bekenntnisses des Rates der EKiD persön­lich aufzunehmen (»Wir bekennen insonderheit unsere Schuld als Prediger und Glieder der Gemeinde Christi.«) und konkrete Konsequenzen für die kirchliche, diakonische, berufliche, politische und gesellschaftliche Arbeit zu formulieren. Wohl als einzige kirchliche Gruppe hat die Sozietät »die vorbildlich durchzufüh­rende Entnazifizierung gemäß den allgemein gültigen Verordnungen« als kirch­liche Pflichtaufgabe angemahnt und in einem »Wort an die Gemeinden zum Entnazifizie­rungsgesetz« vertreten. (Kirche und Entnazifizierung. Denkschrift der Kirchlich-Theologi­schen Sozietät in Württemberg, hg. mit Paul Schempp und Kurt Müller von Hermann Diem, Stuttgart 1946.)

Die Sozietätler sind über Württemberg hinaus beteiligt in den Gruppierun­gen, welche das Erbe von Barmen und Dahlem als kritisches Potential einer in den Kalten Krieg hineinschlit­ternden Kirche und Gesellschaft zu vermitteln suchten, nämlich in der »Gesellschaft für Evan­gelische Theologie«, in den »Kirchlich-Theologischen Arbeitsgemeinschaften für Deutsch­land« (Paul Schempp langjähriger Vorsitzender in BRD und DDR), im Bruderrat der EKiD, insofern maßgeblich beteiligt an der Entstehung des Darmstädter Worts des Bruderrats zum politischen Weg unseres Volkes vom 8. August 1947, – und in den Kirchlichen Bruderschaf­ten, welche den evangelischen Widerstand gegen die Adenauer-Aufrüstung trugen. Schempp beteiligt sich sofort an der Denk­schrift von Vertretern Kirchlicher Bruderschaften an die Gemeinden zur Wie­deraufrüstung vom 4. Oktober 1950 »An die Gewehre? Nein!«

Schempp schreibt biblische Auslegungen und Lutheraufsätze, welche immer konzentriert sind auf den Anruf der freien Gnade. Zeiten der Verbitterung, der Skepsis und des Müdewerdens bleiben ihm nicht erspart. Seine Verärgerung über die Kirchentümer, die sich unbußfertig in den alten Formen restaurieren, und über die unbußfertige westdeutsche Gesellschaft, die sich dem CDU-Deutschnationalismus, der Lüge des Antikommunismus und der Wiederaufrü­stung ergibt, wird immer größer.

Aber das persönliche Verhältnis zum greisen Landesbischof Wurm entspannt sich; 1948 be­kommt Paul Schempp, minister verbi divini, wieder das Predigt­recht auf landeskirchlichen Kanzeln. Mit Zustimmung des Oberkirchenrats wird ihm eine Studienratsstelle am Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium über­tragen, die er von 1949 bis 1958 wahrnimmt. Als Theo­logieprofessor an die Uni­versität Bonn berufen, kann er dort nur ein Semester lesen. Nach schwerem Lei­den stirbt Paul Schempp am 4. Juni 1959.

Quelle: Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (Hg.), Paul Schempp: Der Weg der Kirche. Dokumentation über einen unerledigten Streit, Berlin 1985, Seiten 29-33.

Hier Widmanns Text als pdf.

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