Predigt über Lukas 5,1-11: „So wie das Spiel mit einem Ball erst in einer Spielgemeinschaft erfüllend wird, wird mir Gottes Wort in der Kirche als der Gemeinschaft der Gläubigen zum Lebensgrund.“

In Sachen Gemeinschaft und Nähe sind wir durch die Corona-Pandemie entwöhnt worden. Manches wird weiterhin vermisst, bei anderem hat man mittlerweile festgestellt, dass man auch ohne es zurechtkommt. Also die Frage: Wer vermisst nun die Kirche bzw. die Gemeinde mit deren Gottesdiensten? Möglicherweise ist ja die Entwöhnung so weit fortgeschritten, dass wir uns sagen: Es geht auch ohne sie. Und wenn einem danach ist, kann man sich einen gutgemachten und ansprechenden Fernsehgottesdienst vom Sofa aus gönnen.

Noch weiß ich nicht, wie es unserer Gemeinde gelingen wird, kirchenentwöhnte Menschen wieder ins Boot zu bringen. Denn alle in einem Boot, darum geht es beim Christsein. Dies führt uns Jesus mit der Berufung seiner ersten Jünger vor Augen:

Es begab sich aber, als sich die Menge zu Jesus drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach. (Lukas 5,1-11)

Wo Jesus Gottes Wort zuspricht, zeigt es Wirkung, so auch bei dem wundersamen Fischzug: „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen“ antwortet ihm Simon Petrus. Nur weil du es sagst, werfe ich am helllichten Tag die Netze noch einmal aus und fische im Trüben. Aber Gottes Wort hat so eine tiefe Wirkung, dass es unzählige Fische ans Tageslicht bringt. „Von nun an wirst du Menschen fangen“ heißt nun Jesu Auftrag für Petrus. Menschen fangen – befremdlich mögen die Worte in unseren Ohren klingen. Und auch der naheliegende Vergleich mit einer zappelnden Fischmenge in einem Netz ist kaum verheißungsvoll.

Und doch lässt sich im geknoteten Netz die Wirkung des Gotteswortes erkennen: Es bringt uns mit Leib und Seele zueinander, versammelt uns in der Kirche, macht uns zu einer besonderen Christusgemeinschaft. „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen“ sagt Jesus (Matthäus 18,20). Er ist „das Wort des Lebens“ (1.Johannes 1,1), das uns ewiges Leben beim dreieinigen Gott erwirkt. Wo wir selbst verlieren und auch schon verloren haben, gilt die göttliche Zusage: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5). So ist uns Gottes Wort Lebenserneuerung, nicht nur Seelentrost. Nur wo Gottes Wort verändert, bleibt es gegenwärtig.

Damit mein Leben vom Wort Gottes nachhaltig bewegt wird, braucht es die beständige Gemeinschaft, wo mir Jesus Christus immer wieder neu zugesprochen wird und ich ihn im Abendmahl leiblich empfange, wo ich mich mit anderen zu Christus bekenne (was ich mir selbst alleine nicht zutraue), wo Glauben wie auch der Zweifel auf Hoffnung hin zur Sprache kommen, wo wir begeistert in das große Gotteslob neu einstimmen, wo ich mit anderen eigene Seelennöte und Lebensbedürfnisse ins Gebet nehme, wo gemeinsam Gutes für andere getan wird und auch mir von anderen Gutes widerfährt. Die Sprache des christlichen Glaubens lebt dort auf, wo sie vertrauensvoll eingeübt und ausgesprochen wird.

So wie das Spiel mit einem Ball erst in einer Spielgemeinschaft erfüllend wird, wird mir Gottes Wort in der Kirche als der Gemeinschaft der Gläubigen zum Lebensgrund. Von diesem Lebensgrund spricht der Beter in Psalm 73:

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil. Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.“ (VV 23-26.28)

So bete ich: Himmlischer Vater, Du unser Gott, Dein Sohn Jesus Christus sucht uns. Gieß Deinen Heiligen Geist in unsere Herzen, damit Dein Wort uns neu gewinnt. Erhalte uns die Gemeinschaft der Gläubigen, damit unser Glaube Rückhalt und Hoffnung hat. Durch Jesus Christus. Amen.

Hier meine Predigt als pdf.

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