Franz Overbeck über die Theologen: „Dass die Theologen die Dümmlinge der menschlichen Gesellschaft sind, ist in dieser öffentliches Geheimnis“

Maximilian Vanselow: Professor Hampelmann (= Adolf von Harnack), in: Der Wahre Jacob [Stuttgart] Nr. 656 (19), 12. September 1911,

In seinem aus dem Nachlass veröffentlichten Kirchenlexicon findet sich von Franz Overbeck folgender Eintrag:

Theologen (Dummheit)

Einen Schriftgelehrten von so steifer Selbstgewissheit wie A. Ritschl hat es nicht wenig »gestochen« als ihm einmal als eine in einer Privatdocentengruppe herrschende Meing kund wurde, dass man um Theologie zu studiren »ein dummer Mensch sein müsse«. Ihm fiel es nicht ein, dieser Meinung ernstlich nachzudenken, sie erschien ihm wohl von vornherein als eine undiscutirbare Majestätsbeleidigung gegen seine Zunft, von der er nicht einmal überlegte, ob sie nicht einige Volksthümlichkeit besässe und »im Volke« überh. ab und zu laut werde, und hier zwar bisweilen von Leuten wie Schopenhauer verkündet worden sei. Ihm verstand es sich von selbst, dass sie nur in allerneuesten Versäumnissen der Kirchen und des Staates und ihrer Institutionen begründet sein könne, und er liess sich jene ihm mitgetheilte Meing einmal einfallen, als er dem preussi. Cultusminister einen Rapport über die Mängel des öffentli. Religionsunterichts zu erstatten hatte, (s. O. Ritschl Albr. Ritschl’s Leben II,427f.) Dazu war R. aber durch jene Privatdocentenlästerg vollends zu »ernst« gestimmt um sich zu fragen, ob denn die behauptete »Dummheit« ein so unbedingtes Unglück sei und die Theologen nicht mit ihr ein nothwendiger und als nothwendig geschätzter Ballast in der menschli. Gesellschaft seien. In der That mit Ritschl sich zu entrüsten geneigte Kirchenleuchter mögen sich beruhigen: dass die Theologen die Dümmlinge der menschli. Ge¬sellschaft sind, ist in dieser öffentli Geheimniss, und da kann keine Entrüstung der Zunftgenossen und auch kein ihnen noch so gewogner Cultusminister dagegen. Das Geheimniss wälzt sich eben weiter, wie es dgl. Geheimnisse thun, die lassen sich im Munde der Menschen je nach Umständen und Bedürfnissen zu Tage fördern oder auch verläugnen und verhüllen [lassen]. Nur die Theologen selbst haben unter ihren übrigen Dogmen, auf die sie eingeschworen sind, auch eines darüber.

Auch sie haben ihren Ehrgeiz wie andere Leute, und begnügen sich nicht damit nützlich zu sein, sie wollen nicht nur wärmen sondern auch leuchten. Sind sie doch einmal wirklich die Sonne gewesen!

Quelle: Franz Overbeck, Werke und Nachlaß, Bd. 5: Kirchenlexicon. Texte. Ausgewählte Artikel J-Z, hrsg. v. Barbara von Reibnitz, Stuttgart-Weimar: J. B. Metzler, 1995, 468f.

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