Über den Heiligen Christophorus
Von Martin Luther
Doktor Martin Luther predigte am Gedenktag des heiligen Christophorus und sagte, dass dessen Geschichte keine Historie sei. Vielmehr hätten die Griechen, als weise, gelehrte und einfallsreiche Menschen, sie erfunden, um darzustellen, wie ein Christ sein sollte und welchen Weg er gehen müsse.
Die Figur des Christophorus sei ein sehr großer, starker Mann, der ein kleines Kind – das Jesuskind – auf der Schulter trägt. Doch das Kind sei so schwer, dass er sich unter seiner Last beugen und krümmen müsse, während er durch das tobende, wilde Meer schreitet. Dieses Meer stehe für die Welt, in der Wellen und Strudel – die Tyrannen, Banden und alle Teufel – ihn bedrängen und verfolgen. Sie wollten ihn um Leib und Leben, Besitz und Ehre bringen. Doch Christophorus hält sich an einem großen Baum fest, der wie ein Stab ist – das ist das Wort Gottes.
Auf der anderen Seite des Meeres steht ein alter Mann mit einer Laterne, in der ein brennendes Licht leuchtet – das sind die Schriften der Propheten. Daran orientiert sich Christophorus und erreicht so sicher das Ufer, das für das ewige Leben steht.
Er trägt außerdem eine Reisetasche an seiner Seite, in der sich Fische und Brote befinden – ein Zeichen dafür, dass Gott seine Christen auch hier auf Erden, inmitten von Verfolgung, Leid und Unglück, ernährt und für ihren Leib sorgt. Er wird sie nicht verhungern lassen, so sehr es die Welt auch wünschen würde.
Quelle: Colloquia oder Tischreden D. Martin Luthers, Eisleben: Glaubisch 1570, S. 461.
In seinem Sermon vom Leiden und Kreuz nimmt Luther ebenfalls Bezug auf den Heiligen Christophorus.