Karl Barths Andacht für den Dienstag nach Quasimodogeniti: „Wer Gott sucht, muß schon wissen, daß Gott der Herr ist und daß dieser Herr wirklich ist. Er muß also in gewissem Sinn schon gefunden haben, was er sucht.“

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Image by Arek Socha from Pixabay

Für das von Gerhard Jacobi initiierte Buchprojekt „Erhalt uns, Herr, bei Die­nem Wort! Evangelische Andachten für jeden Tag“, 1932 im Furche-Verlag in Berlin erschienen, steuerte Karl Barth die Texte von Palmsonntag bis zum Samstag vor Misericordias Domini bei, indem er die Herrnhuter Losungen vom 29. März bis 18. April 1931 auslegte. Hier die Andacht für den Dienstag nach Quasimodogeniti:

Dienstag nach Quasimodogeniti

Wirst du Gott suchen, so wirst du ihn finden. 1. Chron. 28, 9

Zweierlei ist bemerkenswert an diesem so einfachen und inhaltsschweren Worte — einmal dies: es ist keine allgemeine Regel und Wahrheit, die da ausgesprochen wird. Zweimal zwei geben vier. Man kann aber nicht fortfahren: Suchen Gottes gibt Finden Gottes. Sondern da ist der König David, der sagt es zu seinem Sohne Salomo; da ist vielleicht noch heute ein Vater, der es zu seinem Sohn sagt; da ist die Bibel und sagt dieses Wort Davids auf irgendeiner ganz bestimmten Station meines Lebensweges zu mir, vielleicht auch zu vielen eines ganzen Geschlechts zu einer bestimmten Zeit; da darf es wohl auch ein Prediger des Evangeliums vielleicht ganz ohne sein Wissen zu einem bestimmten Hörer sagen: Wirst du Gott suchen, so wirst du ihn finden. So und nur so kann dieses Wort wahr sein. Es ist wahr, indem es wahr wird, indem es sich ereignet, daß jemand es als einen Auftrag ausrichtet an einen anderen. In solchem Sagen und Ausrichten, Empfangen und Hören lebt und webt die große Wahrheit der heiligen Schrift: daß Gott gesucht sein will und gefunden werden kann. In lauter solchen Ereignissen baut sich Jesus Christus seine Kirche.

Das andere ist dieses: Wer etwas sucht, der muß wissen, was er sucht und daß es das gibt, was er sucht. Planloses Umhergucken, ob irgend etwas käme und mich mitnähme, ist bei aller Ehrlichkeit kein Suchen. Ein geistreiches Fragen, dem es vielleicht gar nicht um eine Antwort zu tun ist, ist bei aller Ehrlichkeit kein Suchen. Wer Gott sucht, muß schon wissen, daß Gott der Herr ist und daß dieser Herr wirklich ist. Er muß also in gewissem Sinn schon gefunden haben, was er sucht. Eben darum braucht es einen David, einen Vater, eine Bibel, einen Prediger, die mir das zurufen: Wirst du Gott suchen, so wirst du ihn finden. In solcher Begegnung muß ich erfahren, wer Gott ist und daß Gott ist. Gott ist eben wirklich der «Gott unserer Väter». Dann mag und muß das eigene Suchen anheben, die ehrliche Frage: Bist du auch mir, bist du auch mein Gott? Und nun ist der Weg vom Suchen zum Finden schnurgerade. Man darf es ausnahmslos jedem auf den Kopf zusagen: Wirst du — wirklich du! — Gott — wirklich Gott! — suchen, so wirst du ihn finden. Es ist noch keiner gewesen, der von diesem Suchen mit leeren Händen zurückgekehrt wäre.

Herr Jesus Christus! Gib uns die einzige Ehrlichkeit, die etwas taugt: daß wir uns in Deiner Kirche Dein Wort sagen lassen. Hast Du uns gefunden durch Dein Wort, so sind wir reich, und wenn wir Bettler wären. Fange am Morgen an mit uns, so ist uns um den Mittag und den Abend nicht bange. Wir danken Dir, daß Du als der Sieger auf dem Plane bist. Amen.

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