„Der Schwermut Erbe ward mir übermacht“ – Reinhold Schneiders Sonett „An meinen Vater“ von 1928

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Photo by Ian Espinosa on Unsplash

Nachdem sich der 19jährige Schneider 1922 in der Nachfolge seines Vaters an einer eigenen Selbsttötung versucht hatte, schrieb er 1928 folgendes Sonett:

Der Schwermut Erbe ward mir übermacht,
Es ist mein Untergang und ist mein Lohn;
Wohl fühlte ichs in frühen Tagen schon,
Doch kommts aus frühern, aus des Anfangs Nacht.

Du hast als letzter mir die schwere Fracht
Der Väter auferlegt zu Not und Fron,
Ich will sie tragen, bis zuletzt dein Sohn,
Doch sei in mir das Leid zur Ruh gebracht.

Denn ich will es verzehren und befrein.
Das Erbe, das in ferne Zeiten zielt,
Sei mein als Letztem einer großen Schar.

Es wird so leicht wie deine Asche sein,
Die eines Morgens ich in Händen hielt,
Und niemand wird empfinden, was ich war.

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