„Das Ziel ist die Erneuerung der Familie Jesu auf Erden“ – Dietrich Meyer über Nikolaus Ludwig von Zinzendorf

‚Erstlingsbild‘ von Johann Valentin Haidt (1748)
‚Erstlingsbild‘ von Johann Valentin Haidt (1748 gemalt) zeigt die ersten verstorbenen Christen aus den Missionsgebieten der Herrnhuter Brüdergemeine

Trotz einiger lehrmäßigen Wirrungen – nicht nur in der Sichtungszeit – weiß das Lebenswerk Nikolaus Ludwig von Zinzendorfs mit brüderlicher Christusinnigkeit und ökumenischer Weite auch 300 Jahre später zu beeindrucken. In seinem Porträt von 1983 schreibt Dietrich Meyer dazu:

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760)

Von Dietrich Meyer

Der Reichsgraf und Herr von Zinzendorf und Pottendorf hat nicht Theologie studiert und war zu seinen Lebzeiten eine umstrittene Persönlichkeit, die in Zeitungen und Streitschriften viel­fältig angegriffen und bespöttelt wurde. Wenn er hier Aufnahme unter die Klassiker der Theo­logie findet, so mag man an die Originalität seiner Gedanken, die oft eigentümlich modern sind, und an die mit seiner Gestalt verbundene einzige Kirchenbildung, die der deutsche Pie­tismus hervorgebracht hat, die Herrnhuter Brüdergemeine, denken. Zinzendorfs Bedeutung für die Theologie kann nur im Zusammenhang mit der Entstehung dieser Gemeinde, die ein völlig neuartiges Modell eines ökumenischen Christentums darstellt, geschildert werden. So viel Ausstrahlungskraft von der Person Zinzendorfs ausgegangen ist, seine Leistung liegt weniger in seiner theologischen Denkweise als in den Anregungen, die er für die kirchliche Praxis und evangelische Laienfrömmigkeit gegeben hat. In der folgenden Darstellung geht es darum, die Zinzendorf eigentümliche Spiritualität und sein Verständnis von Gemeinde darzu­stellen.

I. Leben

Am 26. Mai 1700 wurde den Eltern Georg Ludwig von Zinzendorf, Minister am sächsischen Hof in Dresden, und seiner zweiten Ehefrau Charlotte Justine geb. von Gersdorf der Sohn Nikolaus Ludwig geboren. Der Vater rechnete sich zu den Anhängern des von 1686 bis 1691 in Dresden weilenden Oberhofpredigers Philipp Jakob Spener (1635-1705), starb aber erst achtunddreißigjährig an einer Lungenkrankheit wenige Wochen nach der Geburt seines Soh­nes. Das Kind wuchs bei seiner Mutter und nach deren Wiederverheiratung mit dem preußi­schen Generalfeldmarschall Dubislav Gneomar von Natzmer 1703 bei seiner Großmutter Henriette Katharina von Gersdorf auf ihrem Besitz in Großhennersdorf bei Zittau/Oberlausitz auf. Diese künstlerisch begabte, durch eigene Lieder hervorgetretene, vielseitig gebildete Frau, die in Kontakt mit Spener und August Hermann Francke (1663-1727) in Halle stand, aber auch Jakob Böhme (1575-1624), den Görlitzer Mystiker, las, hat auf den Knaben einen starken Einfluß gehabt. „Ich habe meine Principia von ihr her“, sagte Zinzendorf später.[1] [23]

Von 1710 bis 1716 weilte der Knabe auf Wunsch seiner Eltern auf dem Pädagogium in Halle und erhielt dort nicht nur eine für seine Zeit fortschrittliche und gründliche Ausbildung, son­dern lernte auch Franckes lebendige, auf Bekehrung drängende Frömmigkeit, seine weltwei­ten Beziehungen und Missionsunternehmungen kennen. Der aus dem Hochadel kommende, feinnervige und selbstbewußte Schüler, der sich durch seinen Hofmeister Daniel Crisenius eingeengt fühlte, fiel durch sein brennendes Verlangen auf, mit seinen Altersgenossen christli­che Gemeinschaften, die er auch „Sozietäten“ nannte, zu gründen. Mit seinem Schweizer Freund Friedrich von Wattewille wollte er für Christus Mission treiben. Als einen „Durch­bruch“, so nannte man in Halle die Bekehrung, verstand er damals seinen ersten Abend­mahls­gang in St. Ulrich am 23. Juni 1715 bei August Hermann Francke.

Auf Wunsch der Familie, insbesondere seines weltoffenen und lebensfreudigen Vormundes Otto Christian von Zinzendorf, Generalfeldzeugmeister auf Gavernitz, sollte der junge Zin­zendorf nicht in Halle, sondern in Wittenberg studieren, das dem Geist des Pietismus abhold war, und zwar Jura, um ihn auf den Staatsdienst vorzubereiten. Der junge Student fügte sich, obwohl sein Herz ganz an den theologischen Fragen und der Fortführung des erweckten Krei­ses von Schülern in Halle hing. Auch in Wittenberg kann er schließlich eine Sozietät mit dem Namen „Bekenner Christi“ gründen, die sich eine bewußt christliche Lebensführung zum Ziel setzt. Den Grafen schmerzte die Feindseligkeit, die zwischen den orthodoxen Theologen in Wittenberg und der pietistischen Fakultät in Halle bestand, tief, und er versuchte, ein Ge­spräch zwischen beiden Parteien zu arrangieren. Doch die Familie, die um seine Karriere fürchtete, hinderte ihn daran, und ein Gespräch, das ohne seine Beteiligung schließlich 1719 in Merseburg zustande kam, brachte keinen Fortschritt. Er aber schreibt an einem Aufsatz: Friedensgedanken an die streitende Kirche.

Auf seiner Bildungsreise von 1719 bis 1720 durch Holland und Frankreich kam er in engeren Kontakt mit reformierten und katholischen Christen. Er wird in Den Haag mit dem Theologen und Historiographen Jacques Basnage (1653-1723), dem Freund des Philosophen Pierre Bayle (1647-1706), bekannt. Zinzendorf schätzte Bayles Dictionnaire historique et critique mit sei­ner scharfen Kritik an Orthodoxie und Rationalismus. Insbesondere wurde die Freundschaft mit Kardinal Louis-Antoine de Noailles (1651-1729), Erzbischof von Paris, der sich zu den Neujansenisten zählte, bedeutsam. Nachdem beide den Versuch, den anderen für die eigene Kirche zu gewinnen, aufgegeben hatten, lernten sie einander als Glieder der einen apostoli­schen Kirche, die sich in der „union des coeurs“ verbunden wissen, schätzen und wechselten bis zum Tode des Kardinals 1729 Briefe. Die Gemeinschaft mit dem gekreuzigten Christus, der Zinzendorf in Düsseldorf bei der Betrachtung eines Bildes in der dortigen Gemäldegalerie neu lebendig wurde, erweist sich als eine die Konfessionen umgreifende Klammer. So sehr es Zinzendorf um die religiöse Frage auch auf seiner Bildungsreise ging und die Gespräche mit den verschiedensten Menschen auf diesen Punkt zusteuerten, so daß er wegen seiner pieti­stisch strengen [24] Einstellung überall auffiel, – er nahm als Glied des Adels durchaus das Bildungsgut seines Standes auf. Er lernte tanzen, auch wenn er den Tanz mit den Damen ablehnte, war ein leidenschaftlicher Reiter, spielte Billard und Schach, ging ins Theater, um Racine, Moliere und Corneille zu sehen. Er hatte in Paris auch Verbindungen zu der Mutter des Regenten Elisabeth Charlotte, der „Liselotte“ von der Pfalz.

Nach seiner Rückkehr von Paris stand er vor der Frage seiner zukünftigen Tätigkeit. Er hatte manches Angebot, hoffte zunächst, die Nachfolge des verstorbenen Grafen von Canstein in Halle antreten zu können, und hätte am liebsten für Gottes Reich geworben, nahm aber schließlich auf Druck seiner Großmutter hin die Stelle eines Hof- und Justizrates in Dresden an. Ein begeisterter Jurist wurde er nicht und versuchte, sich in seinem Beruf der Armen und mit dem Gesetz in Konflikt Gekommenen anzunehmen. Mit innerer Anteilnahme dagegen übernahm er einen bestehenden Hauskreis und leitete diesen Konventikel, bis er 1726 verbo­ten und in anderer Form fortgesetzt wurde. 1722 heiratete Zinzendorf die Gräfin Erdmuth Dorothea von Reuß und kam in Verbindung mit dem Grafenhof in Ebersdorf/Thüringen. Hier lernte er eine philadelphisch gesinnte Schloßgemeinde kennen, die sich nicht an die konfessio­nellen Grenzen hielt, von dem Spiritualisten Hochmann von Hochenau beeinflußt war und auf den gesetzlichen Zinzendorf durch ihre in der Erlösung Jesu begründete freie und freudige Frömmigkeit Eindruck machte.

In demselben Jahr 1722 trat ein ganz unscheinbares und doch für die Zukunft des Grafen ent­scheidendes Ereignis ein. Zinzendorf hatte soeben das Gut Berthelsdorf von seiner Großmut­ter erworben und die Huldigung seiner Untertanen entgegen genommen. Als Pfarrer von Ber­thelsdorf gewann er den als Liederdichter bekannt gewordenen Johann Andreas Rothe, einen gewissenhaften Seelsorger und lebendigen Prediger. Dieser stellte ihm den Zimmermann Christian David aus Senftleben in Mähren vor, der für einige seiner Landsleute eine neue Hei­mat suchte. Zinzendorf versprach, ihm zu helfen, und Christi an· David machte sich sofort auf. Etwa einen Monat später erschienen zehn Mähren und baten in Großhennersdorf um Auf­nahme. Der Gutsverwalter Johann Georg Heitz und der Hauslehrer Christian Gottfried Mar­che brachten sie in einem Lehngut unter und wiesen ihnen einen Platz zum Bau von Häusern an. Zinzendorf, der nach Dresden zurückgekehrt war, wurde kurz in einem Brief über den Vorgang unterrichtet.

Zinzendorf wußte durchaus, daß die Aufnahme von mährischen Exulanten vom Kaiser nicht gern gesehen wurde. Er hatte in Dresden die Eingaben wegen Religionsunterdrückungen in Schlesien zu bearbeiten und wußte, welchen Zulauf Pfarrer Adam Steinmetz (1689-1762) in Teschen an der 1709 errichteten Gnadenkirche mit seiner Predigt besaß. Durch ihn und seine Mitarbeiter entstand unter den heimlichen Evangelischen in Schlesien und Böhmen neues Leben. Gegen diesen Einfluß hatte Kaiser Karl VI. die Religionspatente von 1721 erlassen, die das Bekenntnis zum evangelischen Glauben in Böhmen mit harten Maßnahmen wie Zwangsarbeit und Deportation bedrohten. [25/26] Darum machte sich Zinzendorf zur Krö­nung Kaiser Karls VI. als böhmischer König am 3.9. 1723 in Prag auf und setzte sich für die Evangelischen ein. Immer wieder reiste er nach Schlesien (1723, 1725, 1726, 1727) und knüpfte Kontakte. Zugleich gab er ein ökumenisches Liederbuch, das sog. Christ-Catholische Singe- und Bet-Büchlein im Frühjahr 1728 heraus, das vor allem die Jesuslieder des Konver­titen Johann Scheffler aus dessen Heiliger Seelen-Lust enthält. Das Gesangbuch war für die Katholiken in Schlesien bestimmt. Zinzendorf entwarf sogar einen Brief an den Papst, um ihm das Büchlein zu dedizieren, sandte ihn dann aber wegen Fragen der Titulatur nicht ab. In sei­nem Brief empfiehlt er die Lieder der „Privat-Andacht“ des Papstes, denn er ist der Meinung, daß sie, „wenn sie mit dero Segen begleitet werden, die gantze Römische Kirche in geistliches Feuer und Flammen setzen werden“.[2]

In diesen Jahren arbeitete Zinzendorf an zwei für seine Entwicklung wichtigen Büchern. In Dresden gab er 1725/26 wöchentlich eine Flugschrift unter dem Titel Der Dresdnische Sokra­tes anonym heraus. Der Verfasser nannte sich einen „christlichen Philosophen“ und nahm kritisch zu der Situation und Haltung der Kirche seiner Zeit Stellung. Vor allem möchte er ein „Vertheidiger der Religion“ sein und ihre Wahrheit mit einer „weltweisen Art“ den Men­schen, die den Katechismus nicht mehr ernst nehmen, bezeugen. Hier findet sich der für sein Religionsverständnis charakteristische Satz: „Die Religion muß eine Sache seyen, die sich ohne alle Begriffe, durch blosse Empfindung erlangen lässet“.[3]

Daneben steht bedeutsam die Edition der Ebersdorfer Bibel. Zinzendorf war in erster Linie ein Bibelleser und strebte religiöse Erneuerung durch das Wort der Schrift an. Der Text bot die Übersetzung Martin Luthers, erregte aber die Geistlichkeit, weil die Beigaben, die Sum­marien und die von Pfarrer Rothe verfaßten Übersetzungsvarianten nach einer Korrektur Luthers aussahen. Auch der Katechismus, den er unter dem Titel Gewisser Grund christlicher Lehre im Jahr 1725 herausgab, besteht nur aus Bibelsprüchen und belegt wie seine späteren Übersetzungsversuche die zentrale Stellung, die er der Bibel als Grundlage bei seinen kirch­lich-philadelphischen Bemühungen zuschrieb.

Unterdessen wuchs die Siedlung in Herrnhut und zählte 1727 ca. 300 Einwohner, davon über die Hälfte Mähren. Unter den Kolonisten kam es zu mancherlei religiösen Spannungen, die durch den Zufluß von Separatisten 1726 ihren Höhepunkt erreichten. Zinzendorf sah sich genötigt, 1727 sein Amt in Dresden aufzugeben und sich stärker seiner Herrschaft anzuneh­men. Seinem auf Bibelauslegung und geordnete Seelsorge drängenden Einfluß ist es wesent­lich zu danken, daß die Ansiedler zu einer Gemeinde zusammenfanden. Neben den in ähnli­chen Herrschaften der Oberlausitz auch sonst üblichen herrschaftlichen Geboten und Verbo­ten legte der Graf am 12. Mai 1727 die sog. „Statuten der Gemeine Herrnhut“ zur freiwilligen Unterschrift vor, die seinem Plan der Einrichtung einer lebendigen Sozietät oder eines „brü­derlichen Vereines“, wie er jetzt sagt, innerhalb der lutherischen Landeskirche entsprach. Im § 2 der Statuten wird der ökumenische Charakter der Gemeine [27] festgelegt: „Herrnhut mit seinen eigentlichen alten Einwohnern soll in beständiger Liebe mit allen Brüdern und Kindern Gottes in allen Religionen stehen, kein Beurteilen, Zanken oder etwas Ungebührliches gegen Andersgesinnte vornehmen, wohl aber sich selbst und die evangelische Lauterkeit, Einfalt und Gnade unter sich zu bewahren suchen.“ Bei einer Abendmahlsfeier am 13. August 1727 unter dem lutherischen Pfarrer J. A. Rothe machte die ganze Gemeinde die sie für die Zukunft prä­gende Erfahrung, daß Gottes Geist die Einheit in Christus unter ihren verschiedenen Gliedern wahr mache. „Wir lernten lieben“, heißt es im Diarium unter diesem Tag. Erst nachträglich entdeckte Zinzendorf die eigentümliche Nähe der Statuten zu den Ordnungen der böhmischen Brüder anhand von Comenius’ Historiola und Ratio Disciplinae, erkennt in den Brüdern aber keine Sonderkirche an, sondern bindet sie auch im Notariatsinstrument (1729) als ecclesiola in die lutherische Landeskirche ein.

Zinzendorf hat die in sich gefestigte Gemeine von Anfang an zu „Botendienst“ und missiona­rischer Aktivität angeregt und eingesetzt. 1732 bot sich die Gelegenheit zur Aussendung der beiden ersten Missionare (Leonhard Dober und David Nitschmann) zu den westindischen Inseln; damit begann die Brüdermission. In den Jahren von 1729 bis 1733 findet Zinzendorfs entscheidende Auseinandersetzung mit Pietismus, Mystik und Spiritualismus statt. Der halle­sche Prediger Johannes Mischke spricht ihm 1729 eine wahre Bekehrung ab, und Zinzendorf ringt um die Gewißheit der Gotteskindschaft. 1730 fährt er auf Einladung zu den Inspirierten nach Berleburg und Schwarzenau, kann aber dort trotz herzlicher Aufnahme keine bleibende Gemeineinrichtung schaffen. Die Auseinandersetzung mit dem Spiritualisten Johann Konrad Dippel (1673-1734) über die Bedeutung des Zornes Gottes und Versöhnungstodes Christi führt ihn zu der Entdeckung der Kreuzestheologie Martin Luthers und seiner Rechtfertigungs­lehre. Während für Dippel Jesu Weg der Heiligung und Vergottung nur Vorbild und histori­sches Beispiel (causa instrumentalis) für den Weg des Menschen zu neuem Leben ist, die Zurechnung seines Verdienstes aber nicht helfen könne, sieht Zinzendorf gerade in dem Ver­dienst Christi das entscheidende Heilmittel für den Menschen, der immer ein Sünder bleibt. „Seit 1734 wurde das Versöhn-Opfer Jesu unsre eigne, und öffentliche und einige Materie, unser Universal wieder alles Böse in Lehr und Praxi.“[4] Mit dieser Entdeckung der umfassen­den Bedeutung des Todes Christi gewinnt Zinzendorf seine theologisch selbständige Position gegenüber Halle und gegenüber der Aufklärung oder, wie er sagt, gegenüber der Philosophie. Diese Erkenntnis spricht er in einem Lied von 1734 anläßlich des Todes von Dippel so aus: „Du unser auserwehltes Haupt, an welches unsre Seele glaubt! Laß uns in deiner Nägelmahl erblicken die Genaden-Wahl.“[5] Ausführlicher sind diese Gedanken in den Berliner Reden von 1738 dargestellt, die unter all seinen Schriften die höchste Auflagenziffer erlebten und am häufigsten übersetzt wurden. [28]

Es gehört zu den betrüblichen Erfahrungen Zinzendorfs, daß seit eben dieser Zeit ein erhebli­cher Widerstand gegen seine Person entstand, der vor allem von Halle, insbesondere dem Grafen Christian Ernst von Stolberg-Wernigerode (1691-1771), aber auch von dem Oberlau­sitzer Adel und der sächsischen Regierung ausging. Auf Anstoß von Kaiser Karl VI. beschäf­tigte sich 1732 eine sächsische Untersuchungskommission mit Herrnhut, 1736 ein zweites Mal und erteilte Zinzendorf das consilium abeundi. Da Zinzendorf bei dem Versuch, eine Anstellung bei König Christian VI. von Dänemark zu finden, scheiterte, entschied er sich ganz für die geistliche Laufbahn. 1734 legte er vor einer Prüfungskommission in dem schwe­dischen Stralsund ein theologisches Examen ab und trat am 19. Dezember 1734 in Tübingen mit Einverständnis der theologischen Fakultät und des württembergischen Kirchendirekto­ri­ums in den geistlichen Stand ein, als freier Evangelist, ohne an eine Gemeinde gebunden zu sein.

Die Ausweisung aus Sachsen machte Zinzendorf seit 1736 zum Pilger, der mit seinen engsten Mitarbeitern die „Pilgergemeine“ oder das „Jüngerhaus“ bildete und von hier aus, ständig unterwegs, die Leitung der Gemeine wahrnahm. Dies führte zur Gründung von immer neuen Stützpunkten und Gemeinen in den verschiedensten Territorien und Ländern. Als Wohnsitz pachtete er zunächst die Ronneburg bei Büdingen, von wo aus später die Gemeinen Marien­born und Herrnhaag innerhalb einer reformierten Landeskirche zur „Rettung“ der Separatisten entstanden. Ende Juli 1736 brach Zinzendorf nach Riga und Reval auf, wo sich ihm durch Verbindung zur Generalin Magdalene Elisabeth von Hallart Wege öffneten und die weitere Arbeit der brüderischen Boten zu einer Erweckung unter den Esten und Letten von bleibender Wirkung innerhalb der lutherischen Landeskirche führte.

Auf dieser Reise wurde ihm am 30./31. August in Königsberg im Blick auf die ungewisse Zukunft der Gemeine deutlich: „Man kan nicht länger so fort laviren, sondern es muß dahin kommen, daß die mährischen Brüder einen öffentlichen Durchbruch krigen … Sie sollen in allen Kirchen ein Salz sein und sich vermengen, ohne ihre Salzkraft zu verlieren.“[6] Zinzendorf stellte sich damit hinter das Selbständigkeits streben der Mähren und die äußere Erhaltung dieser Kirche, so lange sie sich seiner philadelphischen Gemeinidee unterordneten. Darum strebte er nun selbst nach dem mährischen Bischofsamt, das David Nitschmann schon 1735 erhalten hatte, um es in seinem Sinn zu gebrauchen. In Herrnhaag aber sollte eine Gemeine für die Mähren entstehen. Auf der Rückreise gewann er in Berlin die Gunst und Freundschaft des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. Ein Jahr später wurde der Graf nach einer Prüfung seiner Theologie in Berlin im Auftrag des Königs, der sich vergewissert hatte, daß damit keine vierte Konfession eingeführt werde, durch den Hofprediger und Bischof der polnischen Brüderkirche Daniel Ernst Jablonski (1660-1741) zum Bischof geweiht.

Schon zu Beginn des Jahres war er nach London gereist, um sich der positiven Einstellung des Erzbischofs von Canterbury, Johann Potter, zum mähri-[29]schen Bischofsamt zu vergewis­sern. In England betrieb er auch die Ansiedlung von Brüdern in der Kolonie von Georgia in Amerika und lernte Charles Wesley kennen. Mit John Wesley hatte er bereits 1736 Briefe gewechselt, bevor er ihn auf dessen Reise nach Herrnhut 1738 in Marienborn persönlich ken­nenlernte. Vor allem durch Peter Böhler und August Gottlieb Spangenberg war die selb­stän­dige englische Erweckungsbewegung in Berührung mit Herrnhut gekommen, das durch seine lutherisch geprägte Frömmigkeit und seine straffe Gemeinordnung Anziehung ausübte. John Wesley wollte sich der Brüdergemeine, die bei seiner Bekehrung Pate gestanden hatte, an­schließen. Es kam zu leidenschaftlichen theologischen Auseinandersetzungen, die in dem Gespräch Zinzendorfs mit John Wesley am 3. September 1741 in London gipfelten. Zinzen­dorf verstand nicht, warum sich Wesley von der „herrlichen Sünderschaft“ lossage und auf christliche Vollkommenheit oder Heiligkeit dränge. Nach der Tagebuchnotiz von Wesley sagte Zinzendorf: „Ich erkenne keine innewohnende Vollkommenheit in diesem Leben an. Das ist der Irrtum aller Irrtümer … Wer eine innewohnende Vollkommenheit lehrt, der leugnet Christus.“[7] Wesley dagegen wollte die Vollkommenheit des Christen aus seiner Liebe zu Gott und dem Nächsten als der Erfüllung der Gebote ablesen. Zinzendorf argumentierte von Luther her, während Wesley „mit dem 18. Jahrhundert psychologisch“ (M. Schmidt) denkt. So teilte sich die englische Erweckungsbewegung fortan in die Gruppe um John Wesley und George Whitefield, die sog. Methodisten, und die Gruppe der Herrnhuter.

Zinzendorfs Äußerung, daß die Welt seine „Parochie“ sei, gewann zunehmend an Wahrheit. Ende 1738 reiste er zu den Westindischen Inseln, um die Arbeit unter den Schwarzen am Ort zu studieren und zu fördern. Im Frühjahr 1741 begab er sich mit zahlreicher Begleitung nach Genf in der Hoffnung, den Genfer Theologen einen besseren Begriff von der Brüdergemeine zu geben und in nähere Verbindung zu den Schweizer Freunden, vor allem in Montmirail, dem Sitz der von Wattewilles, zu treten. Wie Hans Ruh beobachtet hat, betont Zinzendorf seit seinem Schweizer Aufenthalt stärker die Gottheit Jesu und entdeckt in dem Satz: „Der Hei­land ist der Schöpfer“ ein Leitmotiv seiner Theologie.

Auf einer Synode in London im September 1741 wählten die Anwesenden, inspiriert von der Tageslosung, als Nachfolger des Ältesten Leonhard Dober, der von seinem Amt zurücktreten wollte, Jesus Christus zum Generalältesten der Gemeine. Dieser Schritt entsprach ganz der Christusfrömmigkeit des Grafen, die damit zum tragenden Grund der Gemeinverfassung wird, richtete sich doch die Wahl Jesu auch gegen eine Überordnung des mährischen Bischofamtes. Zinzendorf befand sich auf der Abreise nach Amerika, wo er von November 1741 bis Januar 1743 blieb. In Philadelphia wurde Zinzendorf die treibende Kraft von sieben ökumenischen Konferenzen mit Vertretern der dortigen Kirchen, die er in einer „Gemeine Gottes im Geist“ zu einigen hoffte. Er selbst hatte das Bischofsamt niedergelegt und trat als Bruder Ludwig auf, der sich zur lutherischen Gemeinde hielt. Zugleich unternahm er mehrere Reisen zu [30] den Indianern und legte auf diese Weise den Grund für die brüderische Indianermission.

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland fand er die „Generalkonzession zu den Etablissements der mährischen Brüder“ in Preußen von 1742 vor und war empört über das eigenmächtige Vorgehen seiner Mitarbeiter. Er sah die Gefahr, daß seine „ökumenischen“ Pläne durch die Bildung einer selbständigen mährischen Kirche als gleichberechtigt neben anderen vereitelt würden, und nahm mit dem Amt eines „vollmächtigen Dieners“ die Zügel wieder fester in die Hand. Er faßte sein ökumenisches Konzept in der Tropenlehre zusammen und legte vor Stu­denten des 1739 gegründeten theologischen Seminars in Marienborn in 21 Discoursen über die Augsburger Konfession sein Verständnis dieses Bekenntnisses dar. Es gelang ihm, zu erreichen, daß die unveränderte Confessio Augustana von der ganzen Brüderkirche auf einem Synodus von 1748 als ökumenisches Bekenntnis angenommen wurde. Auch wurde die Gemeine Herrnhut in dem gleichen Jahr von einer erneuten sächsischen Untersuchungskom­mission als lutherische Konfessionsverwandte toleriert, und Zinzendorf durfte nach Sachsen zurückkehren.

Die Jahre von 1743 bis 1750 stellen zugleich Höhepunkt und Krise in der theologischen Ent­wicklung Zinzendorfs dar. In bewußtem Unterschied zu den verfaßten Kirchen und dem Zeit­geist entfaltet er seine Blut- und Wundentheologie mit einer geradezu expressionistisch anmu­tenden Sprache und Übersteigerung biblischer Bilder. Die Gemeine soll einfältig wie Kinder in den Wunden Christi spielen und im Gegensatz zu dem Heiligkeitsstreben der Pietisten die Seligkeit seines Verdienstes ausleben. Die Christusgemeinschaft wird einseitig als „Ehe-Reli­gion“ ausgelegt und mit sich überstürzenden Bildern erläutert, so daß das Geheimnis der ver­borgenen Gegenwart Jesu gefährdet ist. Hat Zinzendorf insbesondere durch seine improvisier­ten Lieder solch schwärmerischer Frömmigkeit Vorschub geleistet, so erkennt er zu spät die Auswirkungen seiner Bildersprache in den Gemeinen der Wetterau, wo sein weicher, phan­tasiebegabter Sohn Christi an Renatus in den Einfluß schwärmerischer Kräfte gerät. Erst 1749 hat er in einem Strafbrief von London aus die schlimmsten Auswüchse bekämpft, und rück­blickend spricht er mit Luk 22,31 von der „Sichtungszeit“. Der Regierungswechsel in Büdin­gen führt 1750 zur Preisgabe der Gemeinen in der Wetterau und hat damit die schwärmerische Periode, die verständlicherweise zu einer Flut von Streitschriften Anlaß gab, jäh abgeschnit­ten.

Zinzendorf weilte von 1751 bis 1755 in England, meist in London, und lebte zurückgezogen als der „Ordinarius“ seines „Jüngerhauses“, stärker mit literarischen Arbeiten, etwa seiner ökumenischen Liedersammlung, dem Londoner Gesangbuch, oder den Losungs- und Text­büchlein beschäftigt. Die mannigfachen Gemeingründungen und Missionsaufgaben stellten Zinzendorf in London vor erhebliche finanzielle Probleme, die eine Trennung des Privatver­mögens von der nun selbständiger organisierten Finanzverwaltung der Brüderkirche notwen-dig machte. Theologisch fand Zinzendorf jetzt zu stärkerer Ausge-[31]wogenheit und faßte die Motive seiner christozentrischen Frömmigkeit in dem Thema der „personellen Kon­nexion mit dem Heiland“ zusammen. Seine Frau Erdmuth Dorothea starb 1756 in Herrn­hut, er selbst folgte ihr nach einer kurzen zweiten Ehe mit Anna Nitschmann am 9. Mai 1760.

II. Das Werk

Zinzendorfs literarischem Werk haftet etwas Fragmentarisches und Unabgeschlossenes an. Vieles war ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Seine Statuten und Instruk­tionen, seine Briefe und Bedenken sind weitgehend nachträglich zur Rechtfertigung seines Handelns in Sammelwerken wie der Freiwilligen Nachlese, den Theologischen Bedenken und den Büdingischen Sammlungen erschienen. Die Nachschriften seiner Reden ebenso wie die Lieder und liturgischen Formulare waren eigentlich für den internen Gebrauch in der Brüder­gemeine bestimmt und wurden mehrfach durch Neuauflagen verbessert oder für eine verän­derte Situation umgearbeitet. Die Menge des nur handschriftlich vorliegenden und als Jünger­haus-Diarium an die Gemeinen versandten Materials ist um vieles größer als das gedruckte Werk. Will man seine theologische Leistung würdigen, so müssen wir zunächst die am Bei­spiel Herrnhuts faßbare „Gemeinidee“ oder „Gemeinsache“ umreißen.

Zinzendorf knüpft an Speners Gedanken der „ecclesiola in ecclesia“ an. In diesem Sinne ist sein Drang zur Bildung von christlichen „Gesellschaften“ oder „Sozietäten“ zu verstehen. Das Ziel ist die „Erneuerung der Familie Jesu auf Erden“. Im kleinen Kreis will er mit Christus in einer „personellen“, lebendigen Verbindung und Konnexion leben.[8] Um die Bewährung der Jüngerschaft Jesu, wie sie in der Schrift abgebildet wird – seit 1751 nennt er sich der „Jünger“ – ringt er sein Leben lang. Doch zwingen ihn die Kolonisten in Herrnhut, die in den ersten Jahren auf separatistische, kirchenkritische Anschauungen verfallen, einen Schritt weiter zu gehen. Durch die von Rothe durchgeführte Einrichtung von „apostolischen“ Ämtern sollen die einzelnen Gruppen fester an die Schrift und die Herrschaft Christi, d. h. die eine Kirche gebunden werden. In den „Statuten“ von 1727 gelingt Zinzendorf mit den Kolonisten der bedeutsame Schritt zu einer durch Ordnungen und Ämter gegliederten Gemeine im Unter­schied zu den darauf verzichtenden Konventikeln.

Eine für die Gemeinidee weitere Wurzel ist Zinzendorfs philadelphische Neigung, wie sie sich bei dem Studenten und auf seiner Bil­dungsreise ausgebildet hat. Er drängt darauf, die Verbun­denheit der Kinder Gottes in aller Welt zeichenhaft in einzelnen „Dörfern“ zu verwirklichen. „Die unsichtbare Kirche kann der Welt sichtbar werden durch verbundene Glieder.“[9] Die Gemeine in Herrnhut stellt ein ökumenisches Modell dar, das nicht etwa mit der „allgemei­nen“ und unsichtbaren Kirche identisch ist, aber trotz aller Unvollkommenheit auf diese eine Kirche hinweist und an ihr teilhat. Zinzendorfs Lebens-[32]gang zeigt, daß die Gemeine um ihrer äußeren Existenz willen auf die mährische Kirche als ihr Gehäuse angewiesen ist. Die Brüderkirche ist aber mehr als die mährische Kirche und will nicht an die Stelle der Konfes­sionskirchen treten. So wie sich Zinzendorf immer zur lutherischen Kirche bekannt hat, nimmt er die verfaßten Kirchen als eine geschichtliche Gestalt an und sieht in ihnen jeweils ein Kleinod verborgen, das ihnen Christus zur Verwahrung anvertraut hat. Freilich leidet er unter der Zerspaltenheit der Christenheit und erblickt in dieser Tatsache einen Beweis für die „Kreuzgestalt“ der Kirche und ihren gegenwärtig unvollkommenen und vorläufigen Charak­ter. Aber diese Gestalt gehört zur Kondeszendenz und Menschwerdung Christi.

Beides, das relative Recht der Konfessionskirchen und seine Gemeinidee suchte er in der „Tropenlehre“ zu vereinen. Danach sind die Konfessionskirchen verschiedene Erziehungs­weisen Gottes (tropos paideias), wie er mit Christoph Matthäus Pfaff (1686-1760) sagte, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, daß die luthe­rische, reformierte und mährische Kirche ihre eigentliche Mitte in Christus haben und sie darum in ihrem Zentrum verbunden sind. Die Brüderkirche erkennt die unterschiedliche kon­fessionelle Ausprägung ihrer Glieder an, und Zinzendorf setzte „Tropenbischöfe“ für die lutherische und reformierte Konfession in Parallele zu dem mährischen Bischoftum ein, damit die einzelnen Glieder nicht den Kontakt zu ihren Kirchen verlieren und sich etwa in einer indifferenten Gefühlsfrömmigkeit verirren. In der Tropenlehre ist der ökumenische Charakter der Gemeine am deutlichsten formuliert.

Nun war die Gemeine für Zinzendorf weit mehr als eine Idee oder ein „Plan“. Gemeine existiert nur als Bruderschaft durch die Verbundenheit der Glieder. Neben der in der ersten Beschreibung von Herrnhut durch Christian David an erster Stelle genannten Einteilung der Ämter und Dienste[10] ist auf die konkreten Gemeinschaftsformen, die Gliederung der Gemei­ne, zu achten. In den Statuten von 1727 empfiehlt Zinzendorf die Bildung von kleinen Seel­sorgegruppen, den „Banden“ (§ 17). Ihr Zweck ist die regelmäßige, offene Aussprache und das Gebet über persönliche Probleme mit dem Ziel, gemeinsam in der Nähe Jesu zu bleiben. Sie werden nicht angeordnet oder organisiert, sondern es bleibt offen, „wer sich am besten zum andern schickt“. Jede Bande wählte einen Bandenleiter, und diese trafen sich wöchent­lich mit Zinzendorf zur Besprechung. 1730 bestanden in Herrnhut dreißig Banden, 1734 einhundert Banden. Doch werden sie verdrängt durch die für die Brüdergemeine bis ins 20. Jahrhundert gültige Choreinteilung. Die „Chöre“ bezeichnen die Gliederung der Gemeine nach Geschlecht und Alter. Es gab also das Chor der kleinen Knaben, der großen Knaben, der ledigen Brüder usw. Dies Einteilungsprinzip zog Zinzendorf deshalb vor, weil es die Gemein­schaft weder auf Sympathie noch auf geistliche Erkenntnisstufen, wie bei den böhmischen Brüdern und im Pietismus vielfach üblich, sondern auf die natürlichen Entwicklungsstufen des Menschen gründet. Die Chorgliederung wurde besonders wirksam durch die Errichtung von Chorhäusern, womit die ledigen Brüder [33] 1728 einen Anfang machten. Sie haben das Zusammenleben in geistlicher und wirtschaftlicher Hinsicht durch die Einrichtung von Chor­hausbetrieben geprägt. Zinzendorf nahm das Amt der Seelsorge in den sonntäglichen Chor­versammlungen wahr, indem er jedem Chor verschiedene Aufgaben zuwies und dessen besondere Beziehung zu Christus erläuterte. Nach Chören getrennt versammelte sich die Gemeine zum Gottesdienst, nach Chören getrennt sind die Gräber auf dem „Gottesacker“ angelegt.

Die geistliche Mitte der Gemeine, aus der sie ihre Kraft empfängt, sind die täglichen Ver­sammlungen. Durch die Anbetung Christi, durch Schriftlesung und Sakrament wird sie zu der Einheit des Leibes Christi geformt, wird sie eins mit ihrem Haupt, so daß die Vielzahl der Individuen durch den einen „Gemeingeist“ regiert wird. Zinzendorf unterscheidet sich durch sein Verständnis für Liturgie von der pietistischen Gleichgültigkeit gegenüber der Agende und hat einen Reichtum an neuen Formen entwickelt wie das Liebesmahl, die Fußwaschung, die Ostermorgenfeier und die ursprünglich tägliche Singstunde. Aus der lutherischen Litanei entwickelte er einen liturgischen Gebetsgottesdienst, wie er überhaupt die rein liturgische Versammlung zu einer Eigentümlichkeit der Brüdergemeine machte.

In diesen Zusammen­hang gehört auch Zinzendorfs Bedeutung für die Geschichte des Kir­chenliedes. Ein großer Teil seiner Lieder sind Gelegenheitsgedichte, die Verwandten, Freun­den und engen Mitarbei­tern zugedacht waren. Andere sind in den Singstunden entstanden und reflektieren das Thema einer solchen Versammlung. Zinzendorf bewertete die Lieder am höchsten, die „aus dem Herzen gesungen“, d. h. spontan in der Versammlung improvisiert wurden, weil er in ihnen ein Wirken des Heiligen Geistes wahrnahm. Dem Singen schrieb er in der Gemeine eine hervorragende Stellung zu, weil es in besonderer Weise mit Gott in Ver­bindung bringe. Darum hat er zeit seines Lebens die verschiedensten Gesangbücher heraus­gegeben und das Lied zur „Erweckung“ der Gemeine eingesetzt. Unter der Fülle seiner eige­nen Dichtungen sind vor allem die Jesuslieder („Christi Blut und Gerechtigkeit“ außer Stro­phe 1; „Jesu, geh voran“ urspr.: „Seelenbräutigam, O du Gotteslamm“) und die Gemeine- und Streiter(Missions)lieder („Herz und Herz vereint zusammen“) ein Beitrag zum evangeli­schen Kirchenlied.

Zinzendorfs Werk will praktische Einübung der Heiligen Schrift sein. Übertragungsversuche des Bibeltextes in die Sprache seiner Zeit unternimmt er bis ins Alter und richtet 1733 ein collegium biblicum unter Leitung von Magister Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782) ein, um die Bibel in der Ursprache zu lesen. Aus der in Halle gelegentlich geübten Form, Bibelworte mit den Mitschülern auszutauschen, entsteht das Losungsbuch. Am 3. Mai 1728 gibt er der Gemeine in der abendlichen Singstunde ein Bibelwort als „Losung für den künf­tigen Tag“ mit, und seitdem wurde für jeden Tag ein Schriftwort zunächst ausgewählt, dann ausgelost und am Morgen in jedes Haus in Herrnhut durch einen Boten herumgetragen. Ab 1731 erschien das Losungsbuch mit den täglichen Bibelworten und dazugehörigen Liedversen für das ganze Jahr [34] im Druck, um in Verbindung mit den abwesenden Gliedern zu bleiben. Die Absicht war, daß die Gemeine und ihre Glieder zu „lebendigen Bibeln“ werden.[11] Zin­zendorf hat neben den Losungsbüchern die Bibel zu einzelnen Themen ausgewertet und diese Textbüchlein als tägliche Lektüre der Gemeine vorgelegt. Gerade diese Arbeit an Losungs- und Textbüchern hat er bis zuletzt selbst übernommen und nicht an andere delegiert.

In den Homilien und Gemeinreden Zinzendorfs wird seine Christozentrik am anschaulichsten. Denn sie kreisen um das eine Thema der Gemeinschaft des Christen mit dem Gekreuzigten oder, wie er sagte, um den „täglichen Umgang mit dem Heiland“.

Nach der objektiven Seite hin besagt diese Kurzformel, daß der allmächtige, verborgene Gott nur in Christus zu erken­nen ist. Gott hat sich herabgelassen und in einem geringen Kind offenbart. Zinzendorf lehnt die Spekulation über Gottes Wesen und jede Form einer christli­chen Philosophie als schwär­merisch ab. Christus ist der „Amtsgott, durch den alles erfunden, gemacht, erhalten und wiedergebracht wird“.[12] Schöpfung und Erlösung werden ganz eng miteinander verknüpft. In dem Satz, daß Christus der Schöpfer ist, konnte man das entschei­dende Charakteristikum der Brüdertheologie erblicken, das die radikale Abhängigkeit des Menschen von Christus zum Ausdruck bringen will.

Christus wird bei Zinzendorf immer als der „Schmerzensmann“, der „Heiland“, der für uns „Verwundete“ vorgestellt. In seinem Leiden und Tod gipfelt Gottes Kondeszendenz. Seine Wunden, sein Blut, das Lamm sind Symbolbegriffe dafür, daß der Christ allein aus Jesu „Ver­dienst“ und „Opfer“ lebt. Dabei sieht Zinzendorf die ganze Menschheit Christi als verdienst­lich an, d. h. durch sein Leben ist das Leben seiner Nachfolger von Kindesalter an geheiligt. Mit dieser Vorstellung richtet er sich gegen alles pietistische Heiligkeitsstreben und gegen jede Form von Selbstrechtfertigung. So glaubte er Luthers Rechtfertigungslehre für seine Zeit anschaulich und lebendig zu machen. Wer aus dem Verdienst Christi lebt, erkennt seine „Sün­derschaft“, sein „Elend“, erfährt die „Sünderscham“. Aus der Entdeckung des Evangeli­ums folgt also erst der Abscheu vor der Sünde. Die Formel vom „Umgang mit dem Heiland“ will das gänzliche Angewiesensein auf Christi Opfertod ausdrücken, das er als ein tägliches Sich-Bergen in der Gnade versteht. Damit hat er gegenüber der Nachfolgeethik seiner Jugendjahre eine legitime Form protestantischer „Christusmystik“ entdeckt, die in Christi Leiden weder das Vorbild des stillen Dulders noch das Prinzip der Selbstverleugnung sah.

Nach der subjektiven Seite der Christusgemeinschaft hin drängt Zinzendorf im Sinne des 18. Jahrhunderts und seiner neuen Wertung des Individuums und der geschichtlichen Entwick­lung auf persönliche, „personelle“ Konnexion mit dem Heiland. Christus führt jeden auf sei­ne, ihm besondere Weise, und Zinzendorf achtet genau auf die unterschiedlichen Führun­gen, auf das punctum temporis, auf den Wink Jesu, den rechten Augenblick des Tuns oder Ruhens. Von hier aus muß man den häufigen Gebrauch des Loses als ein Mittel verste-[35]hen, von Jesus einen Fingerzeig für das rechte Verhalten zu empfangen. Je enger und achtsamer die Freundschaft mit Christus ist, desto besser kann sein Werk in dieser Welt geför­dert werden. Im Umgang mit dem Heiland wurzeln die Dienstbereitschaft, Kindlichkeit, Demut, der Jün­gersinn und Zeugengeist der Boten.

Zinzendorf war überzeugt, daß solche Christusgemeinschaft keine Sache des Verstandes und Kopfes sei, die viel Nachdenken erfordere, sondern, wenn sie echt ist, das Herz, die Empfin­dungen, das Gefühl des Menschen ergreift. Christi „selbst erwehlte Marter“, seine Liebe zum Sünder, die „noblesse seines Gemüths“, seine „Generosität“ gewinnt das stolze Herz des in sich selbst verliebten Menschen.[13] Damit wird bei Zinzendorf nicht ein neuer Religionsbegriff in die Theologie eingeführt, denn Empfindung und Gefühl des Menschen sind fest eingebun­den in die Christusgemeinschaft, sind Einfühlung in Jesu Art und Tun, sind Reaktion auf Christi Liebesopfer. Aber Bettermanns Urteil, daß Zinzendorf „das Gefühl als Erkenntnis­prinzip in die Theologie eingeführt“ habe[14], deutet auf die Wegscheide hin, an der Zinzendorf steht. Glaube und Liebe sind folglich kaum noch zu trennen, sie werden identisch. Die Liebe zu, das „Verliebtsein“ in Christus ist aber immer auf den Gekreuzigten bezogen und bedeutet das Sich-Bergen in seinem Verdienst. Zinzendorf spricht ebenso gern von der „Anschauung“, der „Imagination“, der „Repräsentation“ des Heilandes. Anschauung und Imagination sind aber nicht als schöpferische religiöse Entfaltung des Christen zu verstehen, sondern als Mittel zur Vergegenwärtigung der Realität seines Sterbens. „Unsere Phantasie muß würcklich ge­schwängert, das Herz in Bewegung, und das Gefühl mit Bildern und Vorstellungen dessen, was geschehen ist, angefüllet seyn, beim Wachen und beim Schlafen.“[15] Aus dieser Liebes­begeisterung erhält die Dienstbereitschaft und der Zeugentrieb der Gemeine ihre Dynamik.

Das Besondere von Zinzendorfs Christozentrik besteht nun darin, daß er immer die Gemeine im Blick hat. S. Eberhard geht in seinem für Zinzendorfs Kreuzestheologie grundlegenden Buch von der These aus, „daß alles zusammen genommen, sein [Zinzendorfs] Plan in Lehr und Anstalten bey Christen, Juden und Heyden, auf die Inthronisirung des Lammes Gottes, als eigentlichen Schöpfers, Erhalters, Erlösers und Heiligmachers, der gantzen Welt, und die Catholizität seiner Leidenslehre, als einer in theoria et praxi universal-theologie“ gerichtet sei.[16] Zinzendorfs Kreuzestheologie ist von Anfang an ökumenische Theologie, ist ihm die durch alle Religionen hindurchgehende Universalreligion. Aber man hätte Zinzendorf falsch verstanden, wenn man darin nur ein theologisches Prinzip erblickte. Vielmehr folgt aus dieser Einsicht seine Leidenschaft für die Gemeinschaft der Kinder Gottes. „Ich statuire kein Chri­stentum ohne Gemeinschaft“, hält er dem Leutnant von Peistel vor.[17] Zinzendorf wehrt jede Form einer Mystik, die nur Gott und die Seele in den Blick nimmt, ab. In den Wunden Jesu, in seiner Seitenhöhle wird die Kirche geboren. Die Dreieinigkeit ist die „einige eigentliche Ori­ginal-Kirche“. Zinzendorfs Bedeutung für die evangelische Theologie liegt darin, daß er nicht einen [36] abstrakten Begriff von Kirche entwickelte, sondern das Modell einer Gemeinschaft verbundener Glieder und der durch den Leib Christi geeinten Bruderschaft darstellte. Darum bekommen bei ihm alle Bilder, die die Verbundenheit Christi mit seinen Gliedern beleuchten, einen besonderen Klang. Er ist das Haupt, wir seine Glieder. Er ist der Weinstock, wir die Reben. Er ist der Bräutigam, die Gemeine seine Braut. Er ist der „Älteste“ seiner Mitarbeiter. Der Heilige Geist ist die „Mutter“, die ihre Kinder pflegt und erzieht. Sehr anschaulich und faßbar wird Zinzendorfs Spiritualität in seiner Wertung und Deutung des Abendmahls. So wie die Gemeine durch die Abendmahlsfeier am 13. August 1727 begründet wurde, galt das Abendmahl als Höhepunkt der liturgischen Versammlungen und wurde zu einem eigenen Gottesdienst ausgestaltet. Zinzendorf sagt, daß er „keine Gemeine Jesu ohne Abendmahl sta­tuire“, und seine Blut- und Wundenlehre hat hier ihren Sitz im Leben.[18] Das Abendmahl ist ihm die „allerinnigste Konnexion mit der Person des Heilandes“[19], die „sakramentliche Umar­mung“ Jesu.

III. Bedeutung

Innerhalb der evangelischen Kirche war die an philadelphischen Bestrebungen anknüpfende Ausgestaltung einer interkonfessionellen Gemeine, die die bestehenden Konfessionen aner­kannte und voraussetzte und, wie in Sachsen, innerhalb der lutherischen Landeskirche arbei­tete, ein neuartiges Modell, das nicht so sehr als Vorläufer der Unionsversuche des 19. Jahr­hunderts, sondern eher als ein mit den Mitteln des 18. Jahrhunderts erstelltes Modell einer ökumenischen Kirchengemeinschaft zu verstehen ist. Diese philadelphisch-ökumenische Tätigkeit der Brüdergemeine verstand Zinzendorf nicht seinerseits „konfessionell“ als Samm­lungsbewegung der Erweckten im Sinne ihrer Heimholung in die Brüderkirche, sondern als „Diasporaarbeit“ unter und in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kirchen. Die zu diesem Zweck ausgesandten Boten sollten die Verbindung und Gemeinschaft unter den Kindern Got­tes stärken, aber nicht Mission treiben. Zwar kann Zinzendorf gelegentlich optimistisch sagen, „den Zusammenfluß der zerstreuten Kinder Gottes fang ich an zu glauben und zu sehen“,[20] doch lehnt er einen organisatorischen Zusammenschluß aller Kinder Gottes ab. Die brüderi­sche Diasporapflege, die im 19. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung erreichte, lebte von den guten Kontakten zu anderen Kirchen und hat nicht zu einer Vergrößerung der Bruderkirche in Europa geführt. Sie wirkte auf Intensivierung einer schlichten biblischen Christusfrömmigkeit hin gegenüber dem seit Mitte des 18. Jahrhunderts in die Landeskirchen eindringenden Auf­klärungschristentum und hat so einen wichtigen Einfluß auf die Erweckungs- und Gemein­schaftsbewegung des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Holland, Skandinavien und der Schweiz ausgeübt. Außerhalb Europas und der Konfessionskirchen hat Zinzendorf die Brüder [37] zu dem bedeutendsten Missionswerk der evangelischen Kirche im 18. Jahrhundert, das bald die hallesche Mission überflügelte, angespornt. In der als selbstver­ständlich bejahten kirchlichen Verpflichtung zur Mission und in seiner missionarischen Leidenschaft erweist er sich als Schüler A. H. Franckes, und die Anfänge der Brüdermission sind nicht ohne die Hilfestellung Halles und Dänemarks zu denken. Doch von den Voraussetzungen Herrnhuts und dem Vorhandensein einer lebendigen Gemeine her kam es zu einem neuen theologischen Ansatz. Zinzendorf verstand die Aufgabe der Mission als Auftrag der ganzen Gemeine und machte sie damit von den Instanzen der kolonialen Herrschaft weitgehend unabhängig. Die Gemeine sorgte für die Missionare, soweit das möglich war, und nahm laufend, etwa an den Gemeintagen, an ihrem Ergehen teil. Luthers Erkenntnis vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen wurde jetzt verwirklicht, indem Laien als Prediger in die Welt zogen und der Mis­sionsauftrag nicht wie noch in Halle an ordinierte Geistliche gebunden blieb. Daß die Brüder­mission ein pietistisches „Privatunternehmen“ gewesen sei, kann man für Zinzendorf im Ernst nicht behaupten, vielmehr liegen hier die Ansätze zu einer aus ökumenischem Geist betriebe­nen Arbeit, die stellvertretend für alle Kirchen geschah, sich aber angesichts der politischen und konfessionellen Schranken des 18. Jahrhunderts zur Brüdermission verengte. Zinzendorf wollte den Spuren Jesu zu allen Völkern in der Welt folgen und nur dort, wo Christus den Boden bereitet hat, die „Erstlinge“ aus allen Völkern zu der einen Gemeine Gottes rufen. Von Massenbekehrung, der „Nationalbekehrung“ eines ganzen Stammes oder Volkes hielt er nichts, sondern erblickte in der auf den einzelnen gerichteten Arbeit die Methode des Heilan­des. Seine theologischen Fundamentalartikel vom Schöpferamt Christi und dem Sühnopfer Christi für alle Welt müssen im Zusammenhang seiner missionarischen Tätigkeit gesehen werden. Sie sind die Leitsätze seiner Missionspredigt und bewährten sich in ihrer theologi­schen Konzentration und bildhaften Eindringlichkeit auf dem Missionsfeld. Doch wirkten die brüderischen Laienmissionare vielleicht noch mehr durch ihre auf der Missionsstation prakti­zierte Gemeinschaft, die sobald wie möglich als geordnete Gemeine eingerichtet wurde, durch ihren brüderlichen Umgang mit den Einheimischen in weitgehender Anpassung an ihre Lebensweise, um so Christi Liebesregiment zu verdeutlichen.

IV. Wirkung

Die Wirkung von Zinzendorfs theologischen Anstößen ist nicht zu trennen von der weiteren Geschichte der Brüdergemeine. Freilich sind viele seiner originellen Bilder und Kernsätze nach seinem Tod zugunsten eines schlichten biblisch-kirchlichen Christentums abgeschliffen oder aufgegeben worden, und August Gottlieb Spangenberg (1704-1792), die prägende Ge­stalt der folgenden Jahre, hat in seinen idea fidei fratrum, einer Zusammenfassung der brüde­rischen [38] Lehre, zwar noch von Christus als dem Schöpfer gesprochen, sich aber um trini­tarische Ausgewogenheit und Anpassung an das kirchliche Lehrschema bemüht. Aber das theologische Seminar der Brüdergemeine bildete bis zu seinem Ende 1945 eine For­schungsstätte, die sich mit den Gedanken Zinzendorfs auseinandergesetzt und sein Erbe kommenden Generationen vermittelt hat. Es ist zugleich ein Spiegel der Zeitsituation, denn während Hermann Plitt (1821-1900) seine dreibändige Theologie Zinzendorfs aus der Sicht der gläubigen Vermittlungstheologie schrieb, legte Bernhard Becker (1843-1894), ein Schüler Albrecht Ritschls, seine Darstellung historisch beschreibend an. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat durch Heinz Renkewitz, Wilhelm Bettermann und Samuel Eberhard vor allem das lutherische Erbe des Grafen gewirkt, während nach 1945 durch Otto Uttendörfer in Herrnhut und Leiv Aalen, Professor für Theologie in Oslo, demgegenüber Zinzendorfs kriti­sche Nähe zu Mystik und Neuprotestantismus in den Blick genommen wurde. Die Beschäf­tigung mit Zinzendorfs Theologie geschieht heute zunehmend auf dem 1807 gegründeten theologischen Seminar in Bethlehem/USA und den theologischen Ausbildungsstätten in Süd­afrika, Tansania und Jamaica. Die Wirkungsgeschichte Zinzendorfs ist aber nicht auf die Brüdergemeine beschränkt geblieben. Zu den Schülern des theologischen Seminars gehören Friedrich Schleiermacher (1768-1834), der sich als Herrnhuter höherer Ordnung bezeichnete, und der Philosoph Jakob Fries (1773–1843). Die Herrnhuter-Predigerkonferenzen des 19. Jahrhunderts haben bis weit in die Landeskirchen ausgestrahlt und wurden unter anderen von Baron Hans Ernst von Kottwitz (1757-1843), Johannes Friedrich Oberlin (1740-1826) und Johannes Evangelista Goßner (1773-1858) besucht. Zinzendorfs Lieder haben Eingang in die Gesangbücher der Landeskirchen gefunden, und die Losungsbücher sind zu einem in ganz Europa verbreiteten Andachtsbuch geworden.

[406] Literatur

1. Quellen

  • Hauptschriften, hrsg. von E. Beyreuther/G. Meyer, 6 Bde. u. Erg.bde. Hildesheim 1962-1978. [407]
  • Materialien und Dokumente, hrsg. von E. Beyreuther/G. Meyer/A. Molmir, Hildesheim 1970ff. (Reihe 1-4).
  • Texte zur Mission, hrsg. von H. Bintz, Hamburg 1979.
  • Zinzendorf und die Herrnhuter Brüder. Quellen zur Geschichte der Brüder-Unität von 1722-1760, hrsg. von H.-C. Hahn/H. Reichel, Hamburg 1977.

2. Zur Bibliographie

Lepel, Wilhelm Heinrich Ferdinand Karl Graf von: Verzeichnis der Schriften des Grafen Ludwig von Zinzendorf. Stettin 1824.

3. Zur Biographie

Beyreuther, Erich: Zinzendorf-Biographie Bd. 1-3. Marburg a. d. Lahn 1957-1961. Bd. 1: Der junge Zinzendorf. 1957. Bd. 2: Zinzendorf und die sich allhier beisammen finden. 1959. Bd. 3: Zinzendorf und die Christenheit. 1961.

Erbe, Hans-Walter: Zinzendorf und der fromme hohe Adel seiner Zeit. Leipzig 1928.

Reichel, Gerhard: Die Anfänge Herrnhuts. Ein Buch vom Werden der Brüdergemeine. Herrnhut 1922.

— Der „Senfkornorden“ Zinzendorfs. Ein Beitrag zur Kenntnis seiner Jugendentwicklung und seines Charakters. T. 1: Bis zu Zinzendorfs Austritt aus dem Pädagogium zu Halle 1716. Leipzig 1914 (Berichte des theol. Seminars der Brüdergemeine in Gnadenfeld. H. 9).

Schrautenbach, Ludwig Carl Freiherr von: Der Graf von Zinzendorf und die Brüdergemeine seiner Zeit. Hrsg. von F. W. Kölbing. Gnadau und Leipzig 1851.

Spangenberg, August Gottlieb: Leben des Herrn Nicolaus Ludwig Grafen und Herrn von Zinzendorf und Pottendorf. 8 Theile. Barby 1773-1775.

4. Zur Theologie

Aalen, Leiv: Die Theologie des jungen Zinzendorf. Berlin und Hamburg 1966 (Arbeiten zur Geschichte und Theologie des Luthertums. Bd. 16).

Becker, Bernhard: Zinzendorf im Verhältnis zu Philosophie und Kirchentum seiner Zeit. Geschichtliche Studien. Leipzig 1886.

Bettermann, Wilhelm: Theologie und Sprache bei Zinzendorf. Gotha 1935.

Beyreuther, Erich: Studien zur Theologie Zinzendorfs. Gesammelte Aufsätze. Neukirchen-Vluyn 1962.

Dose, Kai: Die Bedeutung der Schrift für Zinzendorfs Denken und Handeln. Theol. Diss. Bonn 1971 (Masch.).

Eberhard, Samuel: Kreuzes-Theologie. Das reformatorische Anliegen in Zinzendorfs Verkündigung. München 1937.

Hickel, Helmut: Das Abendmahl zu Zinzendorfs Zeiten. Hamburg 1956 (Herrnhuter Hefte 9).

Meyer, Dietrich: Der Christozentrismus des späten Zinzendorf. Eine Studie zu dem Begriff „täglicher Umgang mit dem Heiland“. Bern und Frankfurt/M. 1973 (Europ. Hochschul­schriften. Reihe 23. Theologie Bd. 25).

Motel, Heinz: Zinzendorf als ökumenischer Theologe. Herrnhut 1942.

Müller, Joseph Theodor: Zinzendorf als Erneuerer der alten Brüderkirche. Festschrift des [408] theologischen Seminariums der Brüdergemeine in Gnadenfeld zum Gedächtnis der Geburt Zinzendorfs am 26. Mai 1700. Leipzig 1900.

Renkewitz, Heinz: Zinzendorf. Herrnhut 1935.

— Im Gespräch mit Zinzendorfs Theologie. Vorträge aus dem Nachlaß. Hamburg 1980.

Ruh, Hans: Die christologische Begründung des ersten Artikels bei Zinzendorf. Zürich 1967 (Basler Studien zur Historischen und Systematischen Theologie. Bd. 7).

Unitas Fratrum. Hrsg. von Mari P. van Buijtenen, Cornelius Decker, Huib Leeuwenberg. Utrecht 1975.

Uttendörfer, Otto: Zinzendorf und die Mystik. Berlin (1950).

Wettach, Theodor: Kirche bei Zinzendorf. Wuppertal1971.

Wollstadt, Hanns-Joachim: Geordnetes Dienen in der christlichen Gemeinde. Dargestellt an den Lebensformen der Herrnhuter Brüdergemeine in ihren Anfängen. Göttingen 1966 (Arbeiten zur Pastoraltheologie. Hrsg. von Martin Fischer und Robert Frick. Bd.4).

Quelle: Heinrich Fries/Georg Kretschmar (Hg.), Klassiker der Theologie, Zweiter Band: Von Richard Simon bis Dietrich Bonhoeffer, C.H. Beck, München 1983, Seiten 22-38.406-408.441.


[1] Otto Ustendörfer, Mystik, 23.

[2] N. L. v. Zinzendorf, Hauptschriften Erg.Bd. 10, CX.

[3] 5. Discurs, 40.

[4] Büdingische Sammlung, Bd. I, Vorrede.

[5] Teutsche Gedichte, 1. Aufl., 305.

[6] Jüngerhaus-Diarium 30. 9. 1749.

[7] Zinzendorf und die Herrnhuter Brüder, 425.

[8] Unitas Fratrum. Beiträge aus der Brüdergemeine. Hamburg 1977. Heft 2, 75ff.

[9] Büdingische Sammlung, Bd. 1, 41.

[10] Hans Joachim Wollstadt, Geordnetes Dienen, 123ff.

[11] Kai Dose, Die Bedeutung der Schrift, 266ff.

[12] Samuel Eberhard, Kreuzes-Theologie, 23, Anm. 13.

[13] Apologetische Schlußschrift, 553.

[14] Wilhelm Bettermann, Theologie und Sprache, 12.

[15] Jüngerhaus-Diarium 2. 9. 1751.

[16] Siegfrieds Bescheidene Beleuchtung, 88f.

[17] Zinzendorf und die Herrnhuter Brüder, 265.

[18] Bernhard Becker, Zinzendorf, 366ff.

[19] Londoner Predigten I, 215.

[20] Heinz Motel, Zinzendorf als ökumenischer Theologe, 91ff.

Hier der Text als pdf.

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