„Lass uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe“ – Was am dritten Fastensonntag in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland heillos werkgerecht hergebet werden soll.

Fasten und leiblich sich bereiten ist zwar eine feine äußerliche Zucht(1)

Da ist wohl etwas gründlich schief gegangen im deutschsprachigen Messbuch der römisch-katholischen Kirche, wenn das Tagesgebet für den 3. Fastensonntag wie folgt lautet:

Gott, unser Vater,
du bist der Quell des Erbarmens und der Güte,
wir stehen als Sünder vor dir,
und unser Gewissen klagt uns an.
Sieh auf unsere Not und laß uns Vergebung finden
durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

„Lass uns Vergebung finden durch Fasten, Gebet und Werke der Liebe“ besagt ja nichts anderes, als dass das Heil der Sündenvergebung durch eigene menschliche Werke zu erlangen ist, was der Gottesprädikation „Quell des Erbarmens“ in der Einleitung zum Gebet und auch der römisch-katholischen Heilslehre widerspricht.

In der verbindlichen lateinischen Fassung heißt es ganz anders:

Deus,
omnium misericordiarum et totius bonitatis auctor,
qui peccatorum remedia in ieiuniis, orationibus et eleemosynis demonstrasti,
hanc humilitatis nostrae confessionem propitius intuere,
ut, qui inclinamur conscientia nostra,
tua semper misericordia sublevemur.

In der lateinischen Fassung sind also Fasten, Beten und Almosengeben als göttlich vorgesehene remedia peccatorum, d.h. als menschenmögliche Gegenmittel gegen die Sünden (zur Sündenvermeidung) genannt, während in der missglückten deutschsprachigen Fassung Fasten, Beten und Almosengeben zu media salutis, also zu eigenmöglichen Heilsmittel zur Erlangung der Sündenvergebung umgemünzt werden.

Alex Stock hat daher in Orationen. Die Tagesgebete der Festzeiten. Neu übersetzt und erklärt (Regensburg: Friedrich Pustet 2014, S. 63) die lateinische Urfassung korrekterweise wie folgt übersetzt:

Gott,
Urheber allen Erbarmens und der Güte schlechthin,
als Heilmittel gegen die Sünden hast du Fasten, Beten, Almosengeben vorgesehn.
Sieh dies Bekenntnis unserer Schwäche gütig an.
Unser Gewissen bedrückt uns.
Erhebe uns durch dein Erbarmen.

Das lässt auch ein evangelisches Amen finden.

Hier mein Text als pdf.

 

1 Kommentar

  1. „Wie ick den Laden so kenne …“ Da ich die ersten 40 Jahre meines Lebens selber „streng“ röm.-kath. war, wundert mich das garnicht. Diese Irrlehre steckt da – wohl unausrottbar – tief drin. Ich musste nach meinem Ausscheiden selber erst umlernen.

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