„Unser ganzes Leben ist eine Fahrt über das Wasser. Wir leben ständig am Rande des Chaos und des Todes“ Aus Helmut Merkleins letzter Predigt

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Da weiß der katholische Professor für die Exegese des Neuen Testaments Helmut Merklein (1940-1999), dass die Krebserkrankung ihn an das eigene Sterben herangebracht hat.  Zum letzten Mal predigt er vor der eigenen Gemeinde und stellt sich dazu dem Evangelium vom Seewandel Jesu (Mt 14,22-33):

„Unser ganzes Leben ist eine Fahrt über das Wasser. Wir leben ständig am Rande des Chaos und des Todes. Wir bemerken das meistens nur nicht. Aber hin und wieder wird uns unser Grenzgang zwischen Tod und Leben bewußt. Wenn unsere Welt, die wir uns so schön zurecht­ gelegt haben, zerbricht. Wenn Krisen in den Beziehungen auftreten. Wenn wir hilflos und machtlos unser Leben nicht mehr gestalten können, wie wir es eigentlich wollen. Wenn schwere Krankheit uns überfällt.

Die meisten Menschen verdrängen die Grenzsituation, wollen nicht wahrnehmen, daß sich ihr Leben am Rande des Abgrunds bewegt. Geben der Illusion des Bootes nach, das sie scheinbar sicher über die Wasser trägt. Wir Christen haben das nicht nötig. Davon spricht das Evangelium. Wir wissen, daß der, der die Schöpfung aus dem Chaos herausgeholt hat, sie nicht weder im Chaos versinken läßt … Das Beispiel des Petrus lehrt uns …, daß es gar nicht einfach ist, übers Wasser zu gehen. Sobald wir uns wirklich in der Situation befinden, in den Abgrund blicken und das Unbegehbare begehen müssen, stehen wir in Gefahr, den Mut zu verlieren. Wir werden zu Kleingläubigen und beginnen zu sinken wie Petrus. Es ist tröstlich zu wissen, daß es auch dann noch Hilfe gibt: die Hand, die der Herr uns entgegenstreckt. Das ist kei­neswegs nur schöne Theorie. Der Herr hat viele Hände, die uns ergreifen und halten: Eigene Erfahrungen, gute Erinnerungen, Menschen, die zu uns halten. Dies alles kann uns ermutigen, der unsichtbaren Hand zu trauen, die uns letztendlich hält.“

Seinen Beerdigungsgottesdienst, der am 5. Oktober 1999 in Ebensfeld stattfand, hatte Merklein selbst vorbereitet. Er begann mit allen sieben Strophen des Liedes „O Haupt voll Blut und Wunden“. Und am Schluß stand dann das österliche Lied „Freu dich, erlöste Christenheit“.

Quelle: Franz-Josef Ortkemper, Zum Gedenken an Prof. Dr. Helmut Merklein, Bibel und Kirche 54, Nr. 4/1999, S. 212.

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