Gemeinsam auf dem Teppich bleiben – warum unser Glaube das „Wir“ braucht

Jeder hat seinen eigenen Glauben – wie wahr, und doch nicht die letzte Wahrheit. Andernfalls könnte man sich die Gemeinschaft der Glaubenden und damit auch die Kirchengemeinde schenken. Wer den eigenen Glauben für sich behalten will, tut schwer daran, diesen Glauben sich selbst zu erhalten. Dem privaten Glauben fehlt nämlich die Resonanz – der Rückhalt im Glauben der anderen. Ein stummer Glaube ist die Ansammlung eigener Gedanken, die sich mit der Zeit von selbst erübrigen.

So wirbt der Apostel Paulus für das „Wir“ des Glaubens: „In geschwisterlicher Liebe sind wir einander zugetan, in gegenseitiger Achtung kommen wir einander zuvor. In der Hingabe zögern wir nicht, im Geist brennen wir, dem Herrn dienen wir. In der Hoffnung freuen wir uns, in der Bedrängnis üben wir Geduld, am Gebet halten wir fest.“ (Römer 12,10-12 Zürcher Bibel) Im Glauben an Christus haben wir gemeinsam Hoffnung und sind im Gebet miteinander verbunden.

Um es mit einem Bild zu veranschaulichen: Mitgeteilter Glaube ist wie ein Faden, der in einen gemeinsamen Teppich eingewebt oder eingeknüpft worden ist. Da mag mein Glaube mir selbst nicht besonders fest erscheinen. Aber wenn ein (noch so) dünner Glaubensfaden im gemeinsamen Glaubensteppich anknüpft, bestärkt er den Glauben anderer und wird umgekehrt von deren Glauben aufrecht gehalten. So verdichtet und vergewissert sich unser Glaube in Gottesdiensten, im Gebet füreinander sowie in Gesprächen. Selbst Zweifel lässt sich in der Gemeinschaft des Glaubens heilsam zur Sprache bringen.

Das „Wir“ in der Kirche mag manchem vereinnahmend klingen. Wenn jedoch Worte und Blicke des Glaubens andere Menschen miteinbeziehen, werden diese damit nicht auf die eigene Seite gezogen. Der Glaubensteppich ist groß genug, dass in der Gemeinschaft auch gegenseitig Abstand gewahrt werden kann. Nur so kann ja der Teppich ein filigranes und farbenreiches Glaubensmuster erhalten.

In der Kirchengemeinde bleiben wir im Glauben an Jesus Christus gemeinsam auf dem Teppich. Schließlich hält sich unser Glaube nicht an einem fliegenden Teppich aus 1001 Nacht fest. „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, welches gelegt ist: Jesus Christus“ heißt es beim Apostel Paulus (1Korinther 3,11). Unser Glaubensteppich mit all seiner Vielfalt gründet auf dem, was Jesus Christus mit seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung für unser Heil gewirkt hat. Und es ist der Heilige Geist, der uns über uns selbst hinaushebt und unserem Glauben Flügel verleiht – damit wir mit unserem Leben in der Gemeinschaft des dreieinen Gottes ankommen.

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