Hans G. Ulrich – Die Ehe im Zeugnis der Christen und das Recht (aus Confessio Augustana)

Auch wer Professor Hans G. Ulrichs Einspruch zur „Ehe für alle“ nicht zustimmen kann, sollte sich mit dessen grundlegenden ethischen Argumenten zur christlichen Ehe auseinandersetzen, die dieser in seinem Text „Die Ehe im Zeugnis der Christen und das Recht“ (Confessio Augustana, Nr. 4/2017) zur Diskussion gestellt hat.

EHE UNTER GOTTES SEGEN

Christen bezeugen die Ehe als besondere Lebensform, als in die Geschichte Gottes mit den Menschen eingeschrieben und so auch unter den ausdrücklichen Segen Gottes gestellt. Es ist bedeutungsvoll, dass im Schöpfungsbericht den Menschen gesagt wird, dass ihnen der „Se­gen“ Gottes gilt und sie sich vermehren und die Erde füllen sollen. Es geht nicht um Frucht­barkeit als solche, sondern um diese besondere Bestimmung, mit dem Segen Gottes als Menschheit die Erde zu füllen. Gott will eine Menschheit haben, er will – so wie er eine Schöpfung haben will – mit den Menschen auf Dauer eine Geschichte eingehen. Das wird „säkular“, für diese Welt als „Reproduktion“ verstanden und als solche geschützt.

Hans Jonas hat davon gesprochen, dass wir Menschen ohne den Imperativ „Es soll eine Menschheit sein!“ längst in verantwortungsloser Selbstsucht verloren wären. Wenn heute für das Leben künftiger Generationen geworben wird, so entspricht dies dem besonderen Schutz der Ehe, die Kinder hervorbringt. Es ist der Schutz dieser so bestimmten Lebensform aus diesem besonderen Grund, dass das Leben von Menschen auf dieser Erde weitergehen und weitergegeben werden soll. Ein direkt daran anschließendes Kapitel ist dann konsequenter Weise, inwiefern die eheliche „Reproduktion“ – wenn sie denn so verstanden wird – auch gegenüber „Reproduktionstechniken“ im Blick auf die Wahrung dessen, was „Gezeugt wer­den“, „Geboren werden“, „Elternschaft“ und „Kindsein“ heißt, zu schützen ist.

UMDEFINITION SCHAFFT NICHT GERECHTIGKEIT

Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit, dass Gleiches gleich und Analoges analog behandelt wird. So müssen aus Gründen der Gerechtigkeit, verbindliche Formen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften mit Rechten versehen werden, die diese als der Ehe analoge und inso­fern auch analog zu schützende Verantwortungsgemeinschaften zur Geltung bringen. Dass sich Lebensgemeinschaften als „gleichgeschlechtliche“ identifizieren, macht den Unterschied zu [36] der Lebensgemeinschaft „Ehe“ aus, die als Reproduktionsgemeinschaft erscheint und deshalb zu schützen ist.

Die Gleichsetzung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften mit der Ehe, die über ihre gerechte Gleichstellung bei gegebener Verschiedenheit hinausgeht, bedeutet zugleich eine Umdefinition dieser zu schützenden Lebensgemeinschaften. Die Kennzeichnung dieser Le­bensgemeinschaften wird – reduziert – auf ihre „sexuelle“ Bestimmtheit bezogen. So wird auch die „sexuelle Bestimmtheit“, die für die „Ehe“ und die „gleichgeschlechtliche Lebensge­meinschaft“ eine je verschiedene Bedeutung hat, umdefiniert. Die allgemein gefasste so oder so „sexuell“ bestimmte „Lebensgemeinschaft“ wird nun als solche unter die gesetzlich fixierte Norm einer „Ehe“ gestellt, die damit auch faktisch umdefiniert wird. Dies widerspricht jenem Grundsatz, nach dem der Gesetzgeber nicht so definitorisch in die Lebensform von Menschen eingreifen soll, dass er das dem Recht Vorgegebene in seiner Bedeutung verändert. Im Fall dieser Gesetzgebung hat dies nun nach beiden Seiten hin stattgefunden, beide Lebensgemein­schaften sind der gesetzgeberischen Definition unterworfen. Insofern wird der Gesetzgeber zu prüfen haben, ob dies begründbar ist.

Was „Ehe“ heißt, bleibt freilich dennoch unantastbar, sofern eine Umdefinition keine andere Gegebenheit schaffen kann. Dafür steht denn auch die kirchliche Trauung, in der die gegebene und unter Gottes Segen gestellte „Ehe“ immer neu bezeugt wird.

Hier der vollständige Text als pdf.

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