Wilhelm Löhe, Drei Bücher von der Kirche: „Wir geben zu, dass die sogenannte lutherische Kirche nur eine Partikularkirche, eine Abteilung der sichtbaren Kirche, ist, aber wir behaupten, dass sie bei manchem Mangel, der ihr anklebt, nichtsdestoweniger vor allen andern Kirchen das Kennzeichen der reinen Partikularkirche, der Kirche katexochen, habe.“

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Immer noch lesenswert sind Wilhelm Löhes „Drei Bücher von der Kirche“, die 1845 erschienen sind. Wer die Originalausgabe online lesen will, darf sich bei Wikisource bedanken. Das Buch kann auch als pdf runtergeladen werden und ist mit 5 MB im erträglichen Rahmen gehalten. Hier ein Auszug:

Drei Bücher von der Kirche

Von Johann Konrad Wilhelm Löhe (1808-1872)

Die lutherische Kirche

Wir geben zu, dass die sogenannte lutherische Kirche nur eine Partikularkirche, eine Abteilung der sichtbaren Kirche, ist, aber wir behaupten, dass sie bei manchem Mangel, der ihr anklebt, nichtsdestoweniger vor allen andern Kirchen das Kennzeichen der reinen Partikularkirche, der Kirche katexochen, habe. Wir gestehen, dass der Name „lutherisch“ neben dem hehren Namen „Kirche“ eine üble contradictio in adjecto sei; aber wir behaupten auch, dass er geschichtlich nichts anderes sei als ein ungeschicktes Pronomen für alle schöneren Ehrentitel der Kirche. Wir behaupten selbst, dass sich die Kirche von keinem Menschen nennen solle; aber wir behaupten daneben, dass der Tadel, welcher die Korinther wegen ihrer Parteinamen „kephisch“, „paulisch“, „apollisch“ traf, auf die lutherische Kirche gar nicht passe. Denn jene Namen bezeichnen Parteien, welche bei völlig einigem Lehrgehalte der Vorträge Petri, Pauli und Apollos aus kränkelndem Wohlgefallen an der verschiedenen Lehrart Petri, Pauli und Apollos hervorgegangen waren. Der Name „lutherisch“ hingegen geht auf den Lehrgehalt selber und ist unserer Partikularkirche von seiten der Feinde deshalb angehängt worden, weil sie den besseren Namen „christlich“, „katholisch“, „apostolisch“ in eitler Anmaßung sich selbst zuschrieben, ihn also einer anderen Kirche aus Gründen der Selbstsucht nicht zugestehen konnten. Von seiten der Freunde tolerierte man den Namen und toleriert ihn noch, weil man die wohlgegründete Überzeugung hatte und hat, dass einesteils kein Protest dagegen helfen würde, andernteils aber eine richtige Würdigung der Umstände leicht beweisen konnte und kann, dass er zwar nicht gleichlautend, aber gleichbedeutend ist mit „christlich“, „katholisch“, „apostolisch“. Darum ärgert sich auch unter uns kein Vernünftiger an diesem Namen, denn er ist durch die göttliche Wahrheit, an die er, wie das Pronomen ans Nomen erinnert, zu Ehren gekommen, gleichwie es die Gegner ihrerseits an nichts fehlen ließen, die schöneren Namen der Kirche durch verkehrte Anwendung zu Unehren zu bringen. Hier nennt sich die wahre Kirche einstweilen noch lutherisch, bis ihr die besseren Namen wieder zufallen, im Himmel aber hat sie je und je die besseren Namen getragen und trägt sie noch.

Doch das alles ist nur beiläufig gesagt. Es ist etwas anderes, was wir sagen wollten. Wir wollten sagen, dass unsere Gegner gegen die bessere Sitte früherer Zeiten und im Gegensatz der reineren Zugeständnisse von seiten so mancher aus ihrer Mitte nur darum oder doch hauptsächlich darum leugnen, dass die Schrift klar und deshalb über das richtige Bekenntnis aus der Hl. Schrift das Urteil leicht zu gewinnen sei, weil, dies zugestanden, die Wahrheit und der Ruhm der wahren Kirche, der Kirche katexochen, unwidersprechlich unserer verachteten lutherischen Kirche zufällt. Denn das hat noch nie jemand bewiesen, dass unsere Bekenntnisse auch nur in einem einzigen Punkte irren. Noch immer steht es so, dass jeder einfache Leser, welcher unsre Unterscheidungslehren mit den klaren Worten der Hl. Schrift vergleicht, unsre Bekenntnisse rechtfertigen muss – dass die Augustana zwar aus den sich nicht gleichbleibenden Schriften der Väter, aber nicht aus Gottes Worten widerlegt werden kann.

Hat nun die lutherische Kirche reines Wort und reines Sakrament in reinem Bekenntnis, so hat sie offenbar die höchsten Güter der Kirche ungefälscht, so ist bei ihr Gottes lebendige Fülle und Quelle, aus welcher sie allen ihren Mängeln abhelfen und alle Vorzüge, deren sich andere Partikularkirchen mit Recht etwa rühmen können, entnehmen kann. Was liegt für die Hauptsache daran, dass man dieser Kirche so manchen Vorwurf macht, solange man ihr die höchsten Güter und Kennzeichen der Kirche zugestehen muss? Und was liegt daran, dass sich andere Partikularkirchen so manches wahren oder eingebildeten Vorzugs rühmen, solange sie Mangel an den größten Gütern leiden, solange nicht widerstritten werden kann, dass die lutherische Kirche, so wie sie sich nur ihrer selbst bewusst sein wird, aus der Fülle, die sie hat, alle Mängel erstatten und an jeder Tugend die andern Kirchen übertreffen kann? Wer Wort und Sakrament recht würdigen kann, den blendet kein Strahl des Lichtes, der auf andern Kirchen ruht; er geht doch nur von dem Herde unsrer vollkommenen Wahrheit aus. Viel weniger blendet ihn eitler Schimmer menschlicher Werke und Gedanken. Im Besitze der höchsten Güter kann man untergeordnete Dinge leichtlich missen, bis man sie gefahrlos ergreifen kann.

Wir wissen wohl, was die Gegner im Munde führen. Sie sprechen: „Wann waret ihr einig? Ihr habt immer gestritten – und seit wie lange her ist es, dass ihr euch überhaupt wieder einer Kirche rühmt? Es ist noch nicht lange, dass ihr so sprechet, und noch vor einer ganz kurzen Zeit hattet ihr selber euer Bekenntnis verlassen und waret selber die Kirche nicht, die zu sein ihr euch jetzt wieder rühmet.“ – Wir erkennen aber in diesem Hohn unsrer Gegner nichts Schreckliches. Wir haben Mut genug, die volle Wahrheit zu sagen – wir haben den Mut der Buße und in diesem Mute ein frisches Leben, das unsre Gegner nicht ertöten werden, vor dessen Schwingen sie sich selber fürchten mögen. Es ist wahr, dass unsre Väter gestritten haben: bei dem hellen Lichte unsrer Kirche sah man auch kleine Unebenheiten des Weges, ja Stäublein in der Luft; darüber stritt man. Aber unsre Väter haben für uns gestritten. Nun ist’s Ruhe. Wir sind einig, und unsre Einigkeit wächst fort und fort. Wir sind fertig miteinander. Wir können einmütig fürbass ziehen. – Es ist wahr! Viel Untreue war in unsern Grenzen. Fast waren wir unsichtbar geworden. Aber ausgestorben waren wir nicht, wo kämen wir denn her, die wider euch streiten? An uns hat sich’s bewiesen, was wir lernen, dass die Kirche klein werden kann, aber auch, dass sie unsterblich ist; dass sie abnehmen kann wie der Mond, aber auch, dass sie zunehmen kann wie der Mond. – Oder wollt ihr lieber, dass wir vollends ausgestorben waren? So wollen wir eure eigene Behauptung benützen. Denn dann hat sich unser neues Leben an der Schrift entzündet, die da klar ist, wie es auch jedenfalls zum Teil nicht anders ist. Und dann ist’s ja an einem glänzenden Beispiel offenbar, dass ihr irret, wenn ihr die Schrift dunkel nennet. – Oder wollt ihr lieber, dass sich unser neues Leben an den Schriften unsrer Väter entzündet habe? Gut! dann mag euch vor diesen unsern Reliquien bange werden, vor diesen von uns erst wieder zum geringsten Teile erkannten stummen Worten der entschlafenen Väter, an denen wir beides lernen, wie man streiten müsse und wie man nicht streiten müsse. – Genug! Hier ist eine lutherische Kirche. Siehe, sie war tot, und sie lebt nun wieder. Ganz das alte Bekenntnis, aber andre Zeiten und Kräfte sind da!
Erlaubet uns, die Sprache höher zu erheben, wir wollen uns deshalb nicht erlauben zu lügen.

Diese lutherische Kirche ist, weil sie Wort und Sakrament in reinem Bekenntnis hält, die Brunnenstube der Wahrheit – und von ihren Wassern werden in allen ändern Kirchen gesättigt, die gesättigt werden! – Die Kinder dieser Kirche stehen in heiterer Ruhe mit leuchtenden Angesichtern und scharfen Schwertern um die Quelle, von welcher alle selig werden, die da selig werden. – Hier ist Israels Zeug und in seiner Mitte die Lade des Worts und Sakraments, und über der Lade der Herr. Ja, hier ist das Allerheiligste des Hauses Gottes, und wenn man spricht: „Gott sende dir Hilfe vom Heiligtum und stärke dich aus Zion“, so ist Heiligtum und Zion hier bei der Kirche des reinen Bekenntnisses, bei deren Wort und Sakrament der Herr wohnt herrlicher als im Tempel des Alten Testaments! Von hier aus geht alles Heil; denn hier ist unverhüllt, nicht stückweise, sondern völlig, wie es nur immer diesseits des Grabes möglich ist, die klare Wahrheit des Evangeliums. Was andere Gemeinschaften an Wahrheiten besitzen, vereinigt sich hier zur Wahrheit. Die vollkommene, im Feuer der Jahrhunderte bewährte, die Welt überwindende Wahrheit befindet sich hier! Hier wird sie bekannt, Protest eingelegt gegen jede Fälschung, kein Wörtlein wird aufgegeben! So ist es gewesen, so ist’s wieder. Der Herr wird’s ferner verleihen, der mit uns ist! – Darum ist doch hier die Kirche katexochen. Sie widersprechen? Mögen sie uns erst die Fahnen und Zeichen der Kirche rauben! Mögen sie erst beweisen, .was sie nie beweisen konnten, dass unser Bekenntnis vom Worte weiche! Solange sie das nicht tun, ist bei uns der Herr, und wir sind es, von deren vollkommener Fülle alle anderen Kirchen leben l Bis dahin freuen wir uns des Besitzes, segnen alle andern Kirchen, weigern uns ihres Irrtums, freuen uns jeder ihrer Wahrheiten – streiten wider ihr Unrecht, fühlen uns einig mit ihnen in all ihrem Recht.

Die Lutherische Kirche ist die einigende Mitte der Konfessionen

Eine unbefangene und unparteiische Vergleichung der lutherischen Lehre mit den Lehren der andern Kirchen, namentlich mit den Lehren der römischen und reformierten Partikularkirche, ergibt, dass sie in allen Unterscheidungslehren zwischen beiden die gerechte Mitte hält, dass sie die Mitte der Konfessionen ist. In keiner einzigen Lehre verteidigt sie ein Extrem, sondern überall bietet ihre Lehre die allein mögliche Vereinigung und Union der in den verschiedenen Partikularkirchen sich ausprägenden extremen Gegensätze. Und zwar ist gerade in dem letzten symbolischen Buche, in der Konkordienformel, das zur Vollendung gekommen. Man nehme die Lehre vom heiligen Mahle, so wird man finden, dass beim Abendmahl des Römers das himmlische Gut das Element, beim Abendmahl des Reformierten das Element das himmlische Gut verdrängt, dass aber im Abendmahl der wahren Kirche beides in schönster Vereinigung erscheint, wie es Christus eingesetzt hat. Man nehme die Lehre vom freien Willen und der Notwendigkeit, so wird man finden, dass der Prädestinatianer dem Willen des Menschen, der Pelagianer dem Ratschluss des Allerhöchsten zu nahe tritt; dagegen lehrt die Kondordienformel, fern von vernünftelnder Konsequenz und Einseitigkeit, wie der Ratschluss des Allerhöchsten und der Wille des Menschen ohne Prädestinatianismus und Pelagianismus zusammengehen. Und wie in diesen beiden Unterscheidungslehren, so in allen-, überall trennen die andern Konfessionen, wo die unsrige die schöne Verbindung und Versöhnung dessen zeigt, was in den Gegensätzen Wahres liegt. Nirgends hat unsre Lehre einzelne Worte der Schrift auf die Spitze getrieben, sondern überall ist ihr durch Vergleich der scheinbar widerstrebenden Sprüche die Wahrheit Gottes in schöner Form und Begrenzung zugekommen. Gleichwie sie gegenüber dem Altertum nicht buchstäbelnd alles wegwarf, was nicht eben im oberflächlichsten Betrachten sich als schriftmäßig erwies, so hat sie auch nie für einseitige Auffassung von Schriftworten sich bestimmt, sondern Streben nach Harmonie der einzelnen Lehren, nach möglichster Vollendung der Erkenntnis ist von Gottes Gnade mit einer allerseits genügenden Fassung der einzelnen Lehren gekrönt worden. Dies treue, geduldige, unerschrockene Zeugnis benützt denn der Herr, welcher die Herzen der Menschen in seiner Gewalt hat, zur Union. Denn Er uniert, das ist kein Zweifel, und zwar auf Grund der Wahrheit und durch die Wahrheit.

Darum lebe das Zeugnis der heiligen Kirche, durch welches der Herr Seine Herde uniert! Der Eifer des Herrn wird’s tun! Sein Weg wird hoch über den Siechbetten gehen, auf welche Unionsfieber und Liebesphantasien die Träumer und Seher des Tages hingestreckt haben. Oder meinst du, es müsse gehen, wie die Kranken fabeln? Es geht nicht so, du wirst es erkennen! Aber Seine Herde wird vereinigt werden zu der Wahrheit, und es wird dann gleichviel sein, ob diese Herde „lutherisch“ gescholten oder anerkannt war als das, was sie ist, als das Salz der Erde, als das Feuer auf dem Berge, als die priesterliche Schar, welche die Lade trägt und des Tempels hütet, als die wahre, reine Kirche unter vielen!

Die Liturgie der Lutherischen Kirche

Die Kirche ist nicht bloß eine lernende, sondern auch eine betende. Sie betet nicht bloß in ihren einzelnen Gliedern in den Kammern, sondern zusammen in Haufen in ihren Versammlungshäusern. Sie betet sprechend, sie betet singend an. Und der Herr wohnt unter ihren Lobgesängen mit Seinen Sakramenten. Ihr Nahen zu Ihm, Sein Nahen zu ihr – die heiligen Formen ihres Nahens, Seines Kommens nennen wir die Liturgie. – Diese Formen sind frei, wenige Stücke sind gebotene Sache. Aber trotz der Freiheit hat sich die Kirche von Anfang her für gewisse Formen mit Wohlgefallen erklärt. Eine heilige Mannigfaltigkeit des Singens und Betens hat sich gebildet und ein lieblicher Gedankengang des Nahens und Fernens von dem Herrn hat sich beliebt gemacht. Wie die Sterne um die Sonne, so wandelt die Gemeine in Gottesdiensten voll Lieblichkeit und Würde um ihren Herrn. In heiliger, kindlicher Unschuld, die auch nur ein kindliches, unschuldiges Herz recht versteht, bewegt sich die Schar erlöster, geheiligter Gotteskinder feiernd um den allgemeinen Vater und um das Lamm, und der Geist des Herrn führt ihren Reigen. Es ist nicht auszusagen, welch eine Seelenlust und welche Himmelswonne für diejenigen, die so etwas genießen können, in der Teilnahme an der Liturgie liegt; auch spricht sie, von frommen Herzen gefeiert, den minder Frommen mächtig an, und keine lieblichere Gestalt, keine lockendere Freundlichkeit beweist das reine Bekenntnis, als wenn es anbetend und lobsingend vernommen wird.

Das hat man zur Zeit der Reformation wohl erkannt. Man hat deshalb die überlieferten, uralten, schönen Formen mitnichten abgetan, sondern nur von Sünde und Unzier gereinigt. Es gibt eine große Schar von lutherischen Liturgien, welche Mannigfaltigkeit und Einfalt vereinen. Dazu werde der herrlichen Menge schöner, unnachahmlicher Lieder gedacht, welche seit dreihundert Jahren Gott zu Ehr und Preis gesungen wurden. Unsere Kirche hat einen großen liturgischen Reichtum in ihren Vorratskammern, und es fehlt nur, dass sie ihn recht gebrauche. Aber freilich, das war’s, woran es ihr in den Tagen ihrer tiefen Schmach, die nun eben untergehen, gebrach. Ihre Kinder verloren mit dem Glauben Gebet und Lied, Schmuck und Zier der Gottesdienste, und nun ist es der Mutter nicht leichte Arbeit, die alten Kinder zu dem alten Glauben, die jungen Kinder zum Bekenntnis der Vorväter, alle zusammen zu jener Unschuld und dem kindlichen Wesen zurückzubringen, das sich singend und betend vor Gott freuen kann. Es muss auch hier erst wieder eine Gewöhnung eintreten, und was unnatürlich geworden ist, muss natürlich werden durch Gebrauch. Darum scheue man sich doch nicht, den Anfang zu machen! Wer seine Lust schauen will an den Gottesdiensten des Herrn, der eile, auf dass er erquickt werde, ehe er hinfährt aus der Zeit. Zwar ist die Liturgie eine Frucht des inwendigen Lebens, aber gleich einer süßen Frucht des guten Baumes kann sie auch zur Speise dienen, die nach mehr verlangend macht. Man scheue sich nicht, die Liturgie zu lehren! Sie wird gelehrt wie der Katechismus; sie kann Lippenwerk sein wie dieser, aber muss es nicht! Man kann vorsehn, dass sie es nicht wird, und ungelehrige Seelen zieht man nicht herbei.

Man hüte sich jedoch, die liturgische Freiheit zur Erzeugung neuer Liturgien zu missbrauchen. Man gebrauche sie viel lieber, am Alten erst Verstand und Geschmack der Sache zu lernen, ehe man sich für fähig hält, Neues und Besseres zu geben. Wer das Alte nicht erprobt hat, kann nichts Neues geben. Es ist ein Jammer, wenn jeder sich so seine eigenen Gedanken über Lied und Liturgie macht, ohne je der Sache gründlich auf den Boden gesehen zu haben. Man lerne doch erst in der Stille und tue nicht, als ob sich’s von selbst verstünde, dass man alles verstehe! Hat man erst am Alten gelernt, so kann man den Gewinn der neuen Zeit (Sprache und Sprachform) zum Besten der Liturgie anwenden.
Dabei protestiere man aber feierlich gegen, das opus operatum und die Überschätzung des Äußern. Die Kirche bleibt, was sie ist, auch ohne Liturgie. Sie bleibt Königin auch im Bettlergewande. Es ist besser, dass alles dahinfalle und nur die reine Lehre ungefährdet bleibe, als dass man im Schmuck und in der Zier herrlicher Gottesdienste wandele, denen Licht und Leben mangelt, weil die Lehre unrein geworden ist. – Jedoch es werde nur der Protest oft und feierlich eingelegt, so wird man nicht nötig haben, Kirche im Bettlergewande gehen zu lassen! Vielmehr nebenbei werden sich dann ihre Gebete, ihre Lieder, ihre heilige Ordnung, die heiligen Gedanken ihrer Liturgie dem Volke auf unschuldige Weise einprägen und in Predigt und Katechese wie ein lebendiges Buch zu Beweis und Nachweis brauchen lassen. Der wahre Glaube wird nicht allein in der Predigt laut werden, sondern er wird durch Gebet eingebetet, durch Gesang eingesungen werden. Die Liturgie wird alsdann der Kirche zu neuer Befestigung gegen ihre Feinde dienen. Sie wird eine heilige Schutz- und Trutzwaffe in des Herrn Kriegen sein.

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