Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation zu Matthäus 15,21–28: „Der tiefsten Tiefe der Anfechtung entspricht die wunderbarste Kraft des Glaubens. Er ‚fängt Jesus in seinen Worten‘. In dem ‚Ja, Herr, aber doch‘ liegt seine große Kraft, er beugt sich unter Gottes Urteil, aber er zerbricht darunter nicht, sondern hält sich an die Hoffnung und das wider allen Augenschein. Das ist die ‚getroste Verzweiflung‘. Das ist die Not, in der uns der ‚Geist vertritt mit unaussprechlichem Seufzen‘. Die Frau demütigt sich bis in den Staub, sie gibt Gott recht – sagt ja, wo alles natürliche Empfinden des Menschen sich empört – aber sie ergreift zugleich damit das Ja unter dem Nein des Herrn: sie bittet um die Brosamen, die vom Tische fallen. ‚Um dieses Wortes willen‘ wird sie erhört. Der Herr redet sie an: ‚O Weib!‘ Nein, sie ist kein Hund, sie darf vor ihm stehen als der Mensch, der durch die Hölle der Anfechtung gegangen ist. Aber mehr noch, er stellt sie heraus als die wahrhaft Glaubende – und mehr noch: was sie nicht aufhörte zu glauben, was sie nicht losgelassen hat, selbst mitten in der Nacht der Verzweiflung, das liegt auf einmal als Geschenk in ihrem Schoß: ‚Dir geschehe, wie du willst‘. Der Dämon, der ihre Tochter bezaubert hat, ist gewichen. Im Glauben hat sie sie neu geschenkt erhalten.“

Predigtmeditation zu Matthäus 15,21–28 (1954) Von Hans Joachim Iwand Es ist bekannt, daß Luther gerade über dieses Evangelium besonders tief … Mehr