Richard Karwehl, Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus (1931): „Die Prophetie der Kirche ist so völlig erloschen, dass selbst protestantische Pfarrer die säkularisierte Eschatologie der völkischen Bewegung mit der legitimen Eschato­logie kirchlicher Verkündigung verwechseln und mit Begeisterung in die Front des Nationalsozialismus einschwenken. Die Kirche hat kein das Einzelne und das Ganze packendes Wort zur Lage mehr. Sie hat ihren Rang verloren, sie hat die geistige Führung abgetreten an das politische Messiastum. Dort ist jetzt Kraft, Leidenschaft und Gläubigkeit. Dort sind Märtyrer, wenn auch Märtyrer des Säkulums. Der Nationalsozialismus ist hemmungs­los eschatologisch, darin nur den Sektierern, Adventisten und „Ernsten Bibelforschern“ vergleichbar. Die Kirche dagegen pflegt ein individua­listisches Seligkeitschristentum in Verbindung mit kleinbürgerlicher Ideologie und kirchlicher Selbstzufriedenheit.“

Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus[1] Von Richard Karwehl Der Vortrag Richard Karwehls (1885-1979), Pfarrer an der Pauluskirche … Mehr

Günther Dehns Vortrag „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu Magdeburg: „Wir sollen uns sodann hüten, von uns aus auch nur das Geringste dazu zu tun, dem Krieg ein romantisches oder gar christliches Gesicht zu geben. Es ist allgemein üblich, dass von der Kirche der Tod fürs Vaterland unter den Gesichtspunkt des reinen Opfertodes gestellt wird, unter das Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lasse für seine Freunde.“ Wir wollen ganz gewiss diesem Tod seine Würde und auch seine Größe lassen, aber ebenso gewiß wollen wir auch die Wahrheit sagen. Es wird bei dieser Darstellung eben außer acht gelassen, dass der, der getötet wurde, eben auch selbst hat töten wollen. Damit wird die Parallelisierung mit dem christlichen Opfertod zu einer Unmöglichkeit.“

Wie kein anderer „Vorfall“ war der Vortrag Günther Dehns „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu … Mehr

Paul Gerhard Schoenborn, Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk: „Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Verfolgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: ‚Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barmherzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordische Denken.'“

Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk Von Paul Gerhard Schoenborn Zweierlei möchte … Mehr

Albrecht Grözinger zur Kontroverse um die Eröffnungsfeier der Olympiade: „Bei der Kritik der ‚Inszenierung‘ im Zusammenhang der olympischen Eröffnungsfeier taucht markant oft der Begriff des ‚Abendlandes‘ oder noch pointierter der Begriff des ‚christlichen Abendlandes‘ auf. Die Inszenierung wird als Angriff darauf verstanden. … Das Offenhalten der Bilderfrage ist eine Konstante der abendländischen Geistesgeschichte. Es war für mich frappierend zu sehen, wie wenig dieses Wissen gerade bei vielen (nicht bei allen!) Kritikern präsent war. Die Verteidiger des Abendlandes haben nicht viel Kenntnis über das, was sie verteidigen wollen. Im Grunde war es ein Desaster.“

Zur Kontroverse um die Eröffnungsfeier der Olympiade Von Albrecht Grözinger Seit meiner Habilitationsschrift zum Thema „Praktische Theologie und Ästhetik“ gehört … Mehr

Martin Bucer über das Volk Israel (1536): „So hat Gott dieses Volk gewiss mit allem ausgezeichnet, bis einmal Christi Zeit ge­kommen ist, auf dass dieser, unter Wahrung derer, die aus diesem Volk übrig sind, sein Reich den Heiden übertrage, und es wieder dem einmal wiederhergestellten Volk darreichen wird. Daher ist es so also nicht ein neues Volk, das Gott im Herrn Jesus aus den Völkern angenommen hat, so dass es ein anderes sei als das alte, sondern es ist dem alten eingepflanzt, auf dass es noch weiter aufblühe im Leben Gottes.“

Über das Volk Israel (1536) Von Martin Bucer So hat Gott dieses Volk gewiss mit allem ausgezeichnet, bis einmal Christi … Mehr

Die Zehn Memminger Artikel der Bauern vom 28. Februar 1525 mit der Antwort des Rats der Stadt Memmingen vom 15. März: „Zum Schluss ist unsre endgültige Meinung und Wille: Wenn wir einen oder mehrere Artikel hier aufgestellt hätten, der dem Wort Gottes nicht gemäß ist, dieselben Artikel sollten für uns nicht gelten. Desgleichen, wo uns schon Artikel zugelassen wür­den und sich nachmals aus dem Wort Gottes klar erfände, dass sie unrecht wären, wollen wir das gar nicht haben.“

Die Zehn Memminger Artikel der Bauern vom 28. Februar 1525 mit der Antwort des Rats der Stadt Memmingen vom 15. … Mehr

Hans Joachim Iwand, Über den Verlust der theologischen Existenz heute (1953): „Wir haben nach 1945 nichts Eiligeres zu tun gehabt (und zwar unter dem Segen der liberalen, der sogenannten ‚freien Wissenschaft‘), als unsere Häuser noch mal mit demselben Stroh zu decken, das uns eben über dem Kopf in Flammen aufging, denn wir sind offenbar nicht gewillt (als Wissenschaftler nicht willens) zu sehen, dass das längst fällige Gericht über den modernen Wissenschaftsbegriff, der kein Wahrheitszeugnis mehr abgibt, von Gott her, d. h. notwendig und nicht durch Zufall erfolgt ist. Gott muß abreißen, ehe er aufbaut. Von ihm her sollten wir begreifen, was durch seine Gerichte niedergelegt worden ist. Wir sollten bereit sein, uns mit dem 19. Jahrhundert kritisch ausein­anderzusetzen, und nicht die Sünden unserer Väter, über die ein solches Gericht ergangen ist, wiederholen.“

Über den Verlust der theologischen Existenz heute Von Hans Joachim Iwand I. Es sind zwei Fragen, oder sagen wir lieber, … Mehr

Hans Joachim Iwands selbstgeschriebener Lebenslauf aus dem Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät Göttingen: „Anno 1934 ab episcopo societatis Germanae-Christianae, cui nomen erat „Deutsche-Christen-Bewegung“, expulsus Rigam fugi. Ibi in schola academica theologiam docebam. Anno 1935 de munere docendi deiectus a fratribus vocatus sum seminarium condere Ecclesiae Confessionalis (Bloestau i. Ostpr.). Hinc anno 1937 cum confratribus meis expulsus et ab amicis et patria decessi. Perrexi munere meo fungi cum multis et magnis periculis. Autumno 1938 seminarium illud existinctum est: benigne exceptus sum a communione fidelium ad Ecclesiam Sanctae Mariae Dortmundensis ut pastor eorum essem.“

Lebenslauf aus dem Fakultätsbuch der Theologischen Fakultät Göttingen Von Hans Joachim Iwand Natus sum anno p. Chr. n. 1899 quinto … Mehr

Statistische Beschreibung der Pfarreien der Evang.-Luth. Kirche in Bayern rechts des Rheins (1929): „Pfarrhaus in Senden. Gottesdienste mit Christenlehre sonntäglich wechselnd zwischen Senden und Weißenhorn. An den hohen Feiertagen und an Neujahr, Karfreitag, Himmelfahrt Doppelgottesdienst. In Ay 1 Konfessionsschule (2 Lehrkräfte) für die Kinder von Ay, Senden und die 2 oberen Jahrgänge von Gerlenhofen. Für die Kinder von Wullenstetten, Illerzell und Gerlenhofen Diasporaunterricht in Senden. Für die Kinder der Tochterkirchengemeinde Weißenhorn Diasporaunterricht in Weißenhorn. Jugendpflege im Jugendheim Senden. Der Pfarrer 2. Vorsitzender in den Ortsfürsorgeausschüssen Senden und Ay. Mitglied der Schulpflegschaft Ay. Gemeindediakonie in Senden. 7 Evangelische Gemeinschaft „Zionskirche“, 7 Methodisten, 13 Neuapostolische, 2 Ernste Bibelforscher, 3 Mennoniten.“

Was eine kirchliche Statistik besagen soll, dazu hatte sich zuerst Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher konzeptionell in seiner Theologischen Enzyklopädie (Kurze … Mehr