Albrecht Grözinger, Karl Barth als Seelsorger: „Seelsorge ist bescheiden, und die Seelsorgerin/der Seelsorger sind keine ‚Gurus‘. Nun stellt sich natürlich die Frage, ob Barth selbst, diesen Anforderungen als Seelsorger gerecht wurde. Diese Frage muss in aller Vorsicht gestellt werden. Am besten könnten dies die beantworten, die Barth selbst in der einen oder anderen Situation als Seelsorger erlebt haben. Wir wissen, dass Barth sehr schroff sein konnte und damit auch nicht wenige Menschen verletzt hat, unabhängig davon, ob es für diese Schroffheit nicht auch Gründe geben mag.“

Karl Barth als Seelsorger Von Albrecht Grözinger Es ist alles andere als selbstverständlich von Karl Barth als Seelsorger zu sprechen. … Mehr

Karl Barth, Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie? Der Fall Dehn und die ‚dialektische‘ Theologie (1932): „Dürfte es nicht möglich sein, dass man auch zur Fort­führung des Falles Dehn nun allseitig an die theologische Ar­beit ginge und daß dabei aus der Fortführung eine Erledigung werden könnte? Dürfte nicht sogar der in dieser Sache offenbar besonders grimmige Kollege Hirsch in Göttingen mit mir einig darin werden, dass es an der Zeit wäre, diesen Streit aus dem Bereich der Straße auf ein unser aller und vor allem der evangelischen Theologie würdiges Niveau zu erheben? Ich fürchte, daß er und ich uns weder theologisch noch politisch je verständigen werden. Ich hoffe aber, dass sein und mein primäres Interesse der Theologie und nicht der Politik gehört.“

Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie? Der Fall Dehn und die ‚dialektische‘ Theologie Von Karl Barth … Mehr

Johannes Rehm über den bayerischen Sozialpfarrer Werner Schanz (1931-2020) in der ZBKG: „Werner Schanz trat über seine aktive Dienstzeit hinaus für die bleibende soziale Verantwortung der evangelischen Kirche gegenüber der Arbeiterschaft auf dem Hintergrund der wechselseitigen Entfremdungserfahrung des 19. Jahrhunderts ein. Ermutigend ist am Lebenszeugnis von Werner Schanz die lebenslange Freude am biblischen Wort sowie das fast kindlich anmutende unbedingte Vertrauen auf das Evangelium als dem rechten Wort für die Zeit.“

Werner Schanz (1931-2020) – Sozialpfarrer und Kirchenreformer von Johannes Rehm Wer sich mit kirchlicher Zeitgeschichte der zweiten Hälfte des 20. … Mehr

Richard Karwehl, Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus (1931): „Die Prophetie der Kirche ist so völlig erloschen, dass selbst protestantische Pfarrer die säkularisierte Eschatologie der völkischen Bewegung mit der legitimen Eschato­logie kirchlicher Verkündigung verwechseln und mit Begeisterung in die Front des Nationalsozialismus einschwenken. Die Kirche hat kein das Einzelne und das Ganze packendes Wort zur Lage mehr. Sie hat ihren Rang verloren, sie hat die geistige Führung abgetreten an das politische Messiastum. Dort ist jetzt Kraft, Leidenschaft und Gläubigkeit. Dort sind Märtyrer, wenn auch Märtyrer des Säkulums. Der Nationalsozialismus ist hemmungs­los eschatologisch, darin nur den Sektierern, Adventisten und „Ernsten Bibelforschern“ vergleichbar. Die Kirche dagegen pflegt ein individua­listisches Seligkeitschristentum in Verbindung mit kleinbürgerlicher Ideologie und kirchlicher Selbstzufriedenheit.“

Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus[1] Von Richard Karwehl Der Vortrag Richard Karwehls (1885-1979), Pfarrer an der Pauluskirche … Mehr

Karl Barth über die Armut: „Der Reichtum ist nicht die Chiffre des Himmelreichs, nicht der Spiegel des ewigen Heils. Die Armut ist es. Denn Christus, in welchem das ewige Heil zu denen gekommen ist, die jetzt Reiche oder Arme sind, ist der arme Christus für uns arme, uns wahrhaft unvermögende und entbehrende Menschen: gerade so der Sieger, der alle Armen reich macht, aber nur so! In tiefer Herablassung ist Gott in der Höhe des Menschen Gott geworden. Der Mensch wird dieser seiner Herablassung schon folgen, er wird sich als Armer bekennen müssen, um in ihm reich zu werden.“

Armut Von Karl Barth Armut ist im bekanntesten Sinn dieses Wortes ein soziologischer Begriff. Er beschreibt den Zustand des Menschen, … Mehr

Günther Dehns Vortrag „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu Magdeburg: „Wir sollen uns sodann hüten, von uns aus auch nur das Geringste dazu zu tun, dem Krieg ein romantisches oder gar christliches Gesicht zu geben. Es ist allgemein üblich, dass von der Kirche der Tod fürs Vaterland unter den Gesichtspunkt des reinen Opfertodes gestellt wird, unter das Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lasse für seine Freunde.“ Wir wollen ganz gewiss diesem Tod seine Würde und auch seine Größe lassen, aber ebenso gewiß wollen wir auch die Wahrheit sagen. Es wird bei dieser Darstellung eben außer acht gelassen, dass der, der getötet wurde, eben auch selbst hat töten wollen. Damit wird die Parallelisierung mit dem christlichen Opfertod zu einer Unmöglichkeit.“

Wie kein anderer „Vorfall“ war der Vortrag Günther Dehns „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu … Mehr

Paul Gerhard Schoenborn, Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk: „Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Verfolgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: ‚Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barmherzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordische Denken.'“

Die Rettung der dänischen Juden 1943 und das prophetische Zeugnis des Dichterpfarrers Kaj Munk Von Paul Gerhard Schoenborn Zweierlei möchte … Mehr

Karl Barth, Der christliche Standpunkt (1948): „Gerade gläubiger, todernster Vertreter eines Standpunktes kann der Christ nicht gut werden. Man ist ja auch nie ein Christ, man kann es nur immer wieder werden: am Abend jedes Tages ziemlich beschämt über sein Christentum von heute und am Morgen jedes neuen Tages zufrieden, dass man es nun eben noch einmal wagen darf: mit dem Trost, mit dem Nächsten, mit der Hoffnung, mit dem Ganzen. Die christliche Gemeinde ist sich einig darin, dass sie aus lauter Anfängern besteht. Es wäre schrecklich, wenn es nur standpunktgläubige Menschen gäbe. Die wenigen Christen haben die schöne Aufgabe, den anderen zu zeigen, dass es auch noch einen anderen Glauben gibt als den Standpunkt-Glauben.“

Der christliche Standpunkt Von Karl Barth Der christliche Standpunkt müßte — wenn es das gäbe — zum Ersten darin bestehen, … Mehr

Ernst Bloch, Was im Alter zu wünschen übrigbleibt (Prinzip Hoffnung): „Der Altgewordene, der, in abendlicher Kühle auf der Bank vor seiner Haustür sitzend, das verbrachte Leben überschlägt und sonst nichts, dieser Zug des Grimmschen Wunschbildes ist wirtschaftlich wie inhaltlich außer Kurs gekommen. Nicht aber außer Kurs ist der tüchtige Wunsch, der dem nach Stille so angemessene, dass der Leerlauf des Lebens ringsum aufhöre. Hier hat das Alter (mit dem die bürgerliche Welt nichts mehr anfangen kann) das Recht, altertümlich zu sein.“

Was im Alter zu wünschen übrigbleibt Vor Ernst Bloch Wir lernen im Alter vergessen. Aufreizende Wünsche treten zurück, obzwar ihre … Mehr