Friedrich Mildenberger über Martin Kähler (1835-1912): „Christus, die Bibel und die Kirche gehören also untrennbar zusammen. Miteinander bilden sie die Voraussetzung des persönlichen Glaubens, wie sie umgekehrt wieder durch solchen persönlichen Glauben in ihrer besonderen Qualität bestätigt werden. Diese besondere Qualität aber ist zugleich in der geschichtlichen Wirksamkeit der Bibel als göttliche Wirkung kenntlich.“

Martin Kähler Von Friedrich Mildenberger Man pflegt Martin Kähler zusammen mit seinem Freund Hermann Cremer, der durch das »Biblisch-theologische Wörterbuch … Mehr

Greti Caprez-Roffler, Die Pfarrerin. Lebenserinnerungen der ersten Bündner Theologin (1980): „Gestern wurde ich ins Kantonsspital gerufen zu einer Frau, die am Morgen in einem Anfall von Schwermut Salzsäure getrunken hatte und nicht mehr zu retten war. Nie werde ich dieses Sterben vergessen. Eine junge Frau, erst 33 Jah­re alt, eine schöne Frau, mit wunderbaren dunk­len Augen, krausem schwarzem Haar, schön ge­wachsen, geliebt von Mann und Kind. «Es ist niemand schuld, mein Mann war immer, immer lieb zu mir», das waren ihre ersten Worte. Sie war ganz gelöst vom Leben, es war keine Reue über ihre Tat da, nichts vom Willen, ins Leben zurückzukehren. Nur die Schuld ihrer Tat lag auf ihr, das Verlangen nach Vergebung. Sie litt furchtbare Schmerzen und quälenden Durst und konnte nicht mehr trinken. Ich nahm sie in meine Arme. So beteten wir, bald sie, bald ich; sprachen wir, bald sie, bald ich. Meine Tränen hinderten mich oft am Sprechen. Sie weinte nicht. Sie freute sich zu gehen.“

Die Pfarrerin. Lebenserinnerungen der ersten Bündner Theologin von Greti Caprez-Roffler Vom Hüschergada zur Universität «Im Sommer 1906 gingen meine Eltern … Mehr

Walter Benjamins Wiedergabe einer Gesprächserinnerung Max Brods an Franz Kafka in Sachen Hoffnung: „›Oh nein‹, meinte er, ›unsere Welt ist nur eine schlechte Laune Gottes, ein schlechter Tag.‹ – ›So gäbe es außerhalb dieser Erscheinungsform Welt, die wir kennen, Hoffnung?‹ – Er lächelte: ›Oh, Hoffnung genug, unendlich viel Hoffnung – nur nicht für uns.‹«“

Franz Kafka über die Hoffnung Aus dem »Prozeß« läßt sich entnehmen, daß dieses Verfahren hoffnungslos für die Angeklagten zu sein … Mehr

Philipp Melanchthon, Warum die christliche Kirche unter das Kreuz gelegt sei? (Examen ordinandorum, 1552): „Unser Elend kommt nicht ohne Gottes Rat, wie die blinde Vernunft der Heiden dichtet. Und es ist Gottes ernstlicher Wille, dass wir ihm in der Strafe oder Übung gehorsam sind – nicht wider ihn zürnen, sondern unsere Herzen dazu neigen, dass sie diese Last mit göttlicher Hilfe tragen wollen. Also spricht Petrus: ‚Ihr sollt euch demütigen unter die gewaltige Hand Gottes‘ – verstehe: die gewaltig strafen kann und wiederum gewaltig alle retten kann, die bekehrt werden und ihn anrufen – wie in Davids Strafe und Rettung zu sehen ist. Und solche Beispiele soll man anschauen.“

Warum die christliche Kirche unter das Kreuz gelegt sei? (Examen ordinandorum, 1552) Von Philipp Melanchthon Dieser Schein macht die Vernunft … Mehr

Helmut Gollwitzer, Krieg und Christentum: „Der Begriff des »gerechten Krieges« ist ein integrierender Bestandteil der christli­chen Kriegsethik. Ihr unverzichtbarer Kern besagt subjektiv, dass jeder seine Teilnahme am Waf­fengang in jedem Falle vor seinem göttlichen Herrn verantworten muss. Objektiv besagt jener Begriff, dass Krieg und Kriegsdienst christlich nur als Handlung im Dienste der Erhaltung oder Wiederherstellung der lebensnotwendigen Rechtsordnung vertreten werden kann (was übri­gens das Vorhandensein zweier gegensätzlicher Rechtsinteressen nicht ausschließt).“

Krieg und Christentum Von Helmut Gollwitzer 1. Geschichtlich a) Alte Kirche bis Konstantin: Die eschatologische Naherwartung, die Einflußlosigkeit der Christen … Mehr

Karl Barth, „So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer 1938: „Der neudeutsche Führereid ist ein Totalitätseid, mit wel­chem sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele dem unerforschlichen Willen einer ihm gänzlich unübersichtlichen anderen Instanz ver­schreibt. Treue und Gehorsam gegen Adolf Hitler be­deutet eo ipso (und eo ipso ohne jede Möglichkeit ir­gend eines Vorbehaltes!) die Inanspruchnahme des ganzen Menschen für den Dienst dieser mit allen Merkmalen einer Gottheit ausgestatteten Persönlichkeit.“

„So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer … Mehr

Eduard Thurneysen, Pfarrer Samuel Dieterle zum Gedenken (1950): „Es ist ja nicht ganz selbstverständlich, dass zwei Pfarrer an der gleichen Gemeinde es immer leicht haben, miteinander Schritt zu halten und der Gemeinde in wirklicher Eintracht zu dienen. Ich erinnere mich noch eines Gespräches, das ich mit einem Altersgenossen und Studienfreund von Samuel Dieterle hatte, bald nachdem ich nach Brüg­gen gewählt worden war. Er meinte, mir voraussagen zu müssen, dass ich neben einem Prediger von Format wie Dieterle durchaus im Schatten werde zu leben haben. Aber davon war nun wirklich keine Rede. Ich durfte mich selber sein und bleiben, ohne von Dieterles «Format» mich erdrückt zu fühlen.“

Pfarrer Samuel Dieterle zum Gedenken (1950) Von Eduard Thurneysen Ob ich der rechte Mann bin, um dem so plötzlich unter … Mehr

Die Erfindung des Esstisches aus dem Geist der Eucharistie: „Weil Jesus sich an seinem Tisch als Diener und Herr zugleich hingibt, sind in seinem Reich für alle, die an seinem Leben und Sterben Anteil haben, Würdesitze vorgesehen. Das Essen am gemeinsamen Tisch in Jesu Namen, bei denen die Teilnehmer auf Stühlen sitzen, wird zur Vorwegnahme der eschatologischen Heilsgemeinschaft.“

Die Erfindung des Esstisches aus dem Geist des Abendmahls Jesu Das Abendmahl Jesu stellen wir uns gewöhnlich als Tischmahlzeit vor. … Mehr

Johannes Cochläus, Ein kurzer Begriff von Aufruhren und Rotten der Bauern in hohem Deutschland [Süddeutschland] (1525): „Doch die Frauen, die so lutherisch waren und ihre Männer zur Rebellion anstachelten, müssen ihr Leben lang ein Ulmer Schild in den Farben Weiß und Schwarz an all ihren Kleidern tragen als Zeichen ihrer Streitsucht. In anderen Ortschaften und Dörfern dieser Stadt wurden ebenfalls die aufrührerischen und lutherischen Amtspersonen abgesetzt, die Häuser wurden mit einer Brandschatzung belegt, Waffen und Wehr wurden verboten, und alle Versammlungen, die ohne Wissen der Obrigkeit stattfinden, wurden untersagt. Auch bei Kirchweihen dürfen keine Waffen getragen oder Ratschläge und Versammlungen abgehalten werden.“

Ein kurzer Begriff von Aufruhren und Rotten der Bauern in hohem Deutschland [Süddeutschland] Von Johannes Cochläus In Schwaben Kempten: Am … Mehr