Martin Luther, Predigt über Matthäus 11,25–30 (1527): „Christus lehrt von der Sanftmut, dass sie nicht Böses für Böses gibt. Denn Christi Joch hat die Art an sich, dass die Feinde uns das Unsre nehmen; dadurch werden wir zornig, und wird uns übel zu Mute, wir wollen uns rächen, fluchen, schelten und sind ungeduldig darüber. Christus aber spricht: hierher, lerne von mir, nicht zornig noch rachgierig zu sein, wenn es dir übel geht, dir das Deine genommen wird oder du irgendwie beleidigt wirst; sei nicht zornig noch ungeduldig, sei sanftmütig und gutes Muts, tue wie ich; denn ich lass mich schelten und verachten und bleibe gleichwohl fröhlich; tue du desgleichen, weil du mich im Glauben hast; so wirst du Freude und Friede genug und vollauf haben; es schadet nichts, wenn’s auch dem alten Adam nicht nach seinem Willen geht; denn ich muss seine Vernunft dämpfen und seine Klugheit zur Torheit machen; wen ich liebe, den pflege ich wie mein liebes Kind zu stäupen; ich nehme ihm die Kreaturen weg, damit er recht lerne, dass in den Kreaturen kein Bestand ist und man sich drum auch nicht auf sie verlassen soll.“

Predigt über Matthäus 11,25–30 (1527)

Von Martin Luther

Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret. Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir.
Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater, und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren.
Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Dies ist ein tröstlich Evangelium, in welchem sich der Herr erstlich selbst tröstet und darnach uns in ihm. Dieser Trost ist uns hoch vonnöten, weil wir noch unter des Teufels Reich sind. Lukas sagt, daß sich der Herr im Geist gefreut habe und vor Freude aufgesprungen sei. Die Ursache dieses Evangeliums aber ist, daß der Herr schier drei Jahre in Galiläa gepredigt und seine Predigt mit Wunderzeichen bestätigt und doch nichts ausgerichtet hatte. Ja, die Weisen hielten’s für Narrheit und spotteten drüber, wie es denn noch heutigen Tages geht und gehen soll: die Klügsten dieser Welt sollen die Predigt des Evangeliums verachten, verspotten und verdammen.

Drum schreibt Matthäus hier vorher, wie der Herr die Städte gestraft und gescholten habe, in denen er gepredigt und Wunder getan und doch nichts bei ihnen ausgerichtet hatte: weh dir, Chorazin, weh dir, Bethsaida usw. Auf diese Worte folgt das heutige Evangelium, in welchem Christus zu Gott seinem himmlischen Vater erstlich sagt: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erden, daß du solches den Weisen und Verständigen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart.

Sehet zu, ob wir nicht auch wie Christus hier tun und ihm die Worte aus dem Mund nehmen, Gott loben und preisen müssen, daß er auch jetzt sein Wort den Klugen und Weisen, den Frommen und Heiligen in dieser Welt entzieht und es den Unmündigen und den Sündern offenbart. Wir predigen und schreien, daß Christus allein unsre Seligkeit, Erlösung und Genugtuung sei und daß der Glaube allein selig mache. Aber die weisen und heiligen Leute fechten dagegen, und je mehr wir so predigen und die Wahrheit an den Tag bringen, je zorniger werden sie. Droht man ihnen mit dem Gericht Gottes, so verachten sie es: ihr Herz ist härter als ein Amboß, der frägt auch nach keinem Schlag, man schlage ihn, wie sehr man auch wolle. So tun die klügsten, hochgelehrtesten und heiligsten Leute in der Welt auch, desgleichen die Schwärmer: wenn einer irgendeinen Dünkel in seinem Herzen hat, so läßt er ihn sich nicht vertreiben; wie man auch mit ihm umgeht, er bleibt bei seinem Starrkopf.

Was tut nun Christus hier? Er läßt sie fahren und wendet sich von den Verstockten zu Gott, seinem himmlischen Vater, lobt und preist ihn und hat Freude genug daran, daß er es den Kleinen offenbart. Er will eben nicht, daß wir uns auf Menschen verlassen oder auch auf uns selber bauen, sondern allein auf Gott sollen wir stehen und auf ihn allein traun. Wenn unser Gott lacht, was fürchten wir die Menschen, was fragen wir darnach, daß die Leute zürnen? Tue, was Christus hier tut, lobe den Vater und predige nur immer fort: wer es annimmt, der nimmt’s; es ist Gottes Werk, wem er’s gibt, der hat’s; wem er’s gibt, der darf nicht mit ihm darüber rechten, denn er ist niemand verpflichtet oder etwas schuldig. Gott will seine Weise nicht lassen um der Klugen willen: seine Art ist, aus nichts etwas zu machen, aus Tod Leben, aus Sünde Gerechtigkeit, aus Schmach Ehre, aus Armut Reichtum. Summa summarum: was da gering ist, damit will er zu schaffen haben. Einen solchen Gott haben wir. Der Teufel aber tut das Gegenteil, macht aus Leben Tod, aus Gerechtigkeit Sünde, aus Ehre Schmach, und summa summarum: was da groß ist vor Gott, das will er klein machen.

Weil wir nun wissen, daß unser Gott denen helfen will, die der Hilfe bedürfen, was sollen wir uns sorgen, warum sind wir nicht getrost und fröhlich? Wenn er lauter kluge Engel, heilige und fromme Leute haben wollte, wo blieben wir armen Narren und elenden Sünder? Denn Gott ist ja, wie auch die Heiden sagen, einer, der da helfen kann in den Nöten. Wenn nun das Gottes Art ist, zu helfen, so muß er folglich da helfen, wo keine Hilfe ist. Das wissen die Weisen und Klugen in der Welt nicht.

Klug aber und verständig heißt der Herr die, die feine geschickte Leute sind, die da andre zu regieren, Geld und Gut mit Kunst zu erwerben wissen, sodaß sie sich allein auf ihre Weisheit verlassen und auch in göttlichen Dingen und geistlichen Sachen kein Haar breit von ihrer Klugheit weichen wollen. Ihr Ding wollen sie nicht verdammt haben und wollen von Gott nicht für unweise gehalten sein. Sie meinen, es gerate ihnen allein nach ihrer Weisheit wohl, und kurzum, sie wollen keine Narren sein, sondern klug. Gott aber will allein Meister sein und gerecht bleiben. Das verträgt sich nicht, und so laufen sie denn gegeneinander. Sie wollen sich nicht zuschanden machen lassen, und darum kommen sie nicht zu dem Herrn.

Drum spricht Christus hier: ach Vater, ich preise und lobe dich, du bist ein feiner Gott, weil du allein weise sein willst; denn wenn schon eine Weisheit untergehen soll, so gehe ihre Weisheit unter; es ist besser, wenn du die Armen annimmst, die dich allein weise sein lassen, und die Weisen fahren lässest; o Vater, du tust recht daran, daß du ihr Ding nicht preisest, als wär es recht und wohlgetan, und daß du auch dies Geheimnis vor ihrer Klugheit verbirgst. Das ist, wie gesagt, sehr tröstlich, denn wo wollten sonst wir Narren und Unverständigen bleiben? Solches sagt auch Paulus 1. Kor. 1,21 ff.: dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, die daran glauben, sintemal die Juden Zeichen fordern und die Griechen nach Weisheit fragen. So sind die klugen und weisen, die heiligen und frommen Leute: sie gaffen hinauf, sperren Maul und Ohren auf und wollten das Evangelium gerne hören, wenn ihnen Gott predigte, daß ihr Ding auch gälte und recht wäre. So tun auch die Papisten: sie wollten ihre Kappen und Platten, Messen und andres Gaukelwerk auch gerne etwas gelten lassen. Das sind die Weisen.

Gott aber kommt daher und will allein die Armen, Elenden, Unmündigen, Albernen und Unverständigen annehmen. Das ist dann eine eiserne Mauer vor den Augen der Weisen, sie können’s nicht verstehen. So taten die Arianerketzer auch, und so tun heute unsre Schwärmer: sie haben ihre eigene Meinung und sprechen: ei, sollt man Christi Leib im Brot und sein Blut im Wein essen? sollt Christus im Brot und Wein sein? wie reimt sich das? ist das nötig? – und dergleichen spitzige, giftige, gehässige Worte mehr. So fahren sie in ihrer Meinung daher und sind darum nicht würdig, die Worte Christi zu sehen und zu verstehen. Wenn sie drum wegen ihrer verstockten Meinung und Halsstarrigkeit verdammt werden, weil sie sich nichts sagen lassen wollen, so sollen wir nichts anderes dazu tun als was hier Christus tut: sollen die Sache Gott befehlen, ihn preisen und sagen: er tut recht, daß er dies Geheimnis den Geringen, Albernen und Unmündigen offenbart und es vor den Weisen und Klugen in der Welt verborgen hat.

Es sind zwei Stücke, an denen sich Christus freut: erstlich, daß Gott solch Geheimnis vor den Weisen und Klugen verborgen hat, sodann, daß er’s den Kleinen, Albernen und Unmündigen offenbart hat. Das letztere macht erst die rechte Freude. Als wollt Christus sagen: wollen’s die Klugen und Weisen nicht, so wollen’s doch die Albernen und Unmündigen. Die Kinder und Unmündigen aber sind die, die nicht wider Gottes Wort reden und nicht wider Gottes Willen murren, sondern denen’s wohlgefällt, wie er’s mit ihnen schafft und macht, die nicht bei sich selbst klug und verständig sind und nicht mit ihrer Vernunft Gott ins Werk und Wort fallen. Sie sind nicht Schwätzer und Wäscher, wie der Schwärmer Art ist, die sich selbst zum Predigen drängen, ohne berufen und gefordert zu sein, und meinen, der Geist treibe sie. Das ist gewiß ein Zeichen, daß sie der Teufel predigen heißt. Wenn du einen solchen findest und ihn belehren und den rechten Weg weisen willst, so tut er das Maul auf und redet hundert Wort, ehe du eins redest.

Ein rechter Prediger ist nicht so geschwätzig und bricht nicht herein, als sei er voller Kunst, sondern stellt sich, als könne er nichts, wie er sich denn auch gewiß dafür hält, daß er es am wenigsten kann und weiß. Solche Leute heißt der Herr hier Unmündige: denn die hören viel lieber zu und wollten selbst viel lieber Schüler sein, als daß sie den andern predigen; sie wollen nicht klug sein wie die Wäscher, deren Sinnen und Herz nur darauf steht, andre Leute zu lehren, die aber selber niemand hören wollen. Und wiewohl sie sich zuweilen vor den Leuten gering zeigen, so haben sie doch einen diamantenen Kopf und einen trotzigen Geist, der niemand weichen will: ihre Meinung muß die beste sein, so und nicht andere. Die aber, die rechtschaffen gering sind, die weichen gern und lassen sich das rechte Verständnis zeigen, ja sie sind froh und danken dafür. St. Augustin wurde mit Gewalt hervorgezogen, er wäre viel lieber unmündig und Schüler geblieben, als daß er andre lehrte; aber er mußte hervortreten und der Gemeinde predigen. Darum ist er auch zu seiner Zeit der beste Doktor gewesen und hat mit seiner Lehre und Predigten auch etwas ausgerichtet, mehr als irgendein Schwärmer.

Die Schwätzer und die Unmündigen können nicht übereinkommen, die Geringen und Unverständigen werden von den Weisen und Klugen verachtet und bitterlich verfolgt. Was sollen wir da tun? Da ist kein anderer Trost noch Trotz, als daß wir wissen: es gefällt Gott, daß er solch Geheimnis vor den Klugen und Weisen, vor den Schwätzern und Meistern verbirgt. Zum andern tröstet und erfreut uns auch, daß wir wissen: unsre Predigt geht nicht ohne Frucht ab, die Unmündigen nehmen’s gern an, denn denen offenbart’s der Vater. Wir lehren freilich die Herzen nicht, da ist Gott Meister; der offenbart es, wem er will und wie und wann er will; doch tut er’s durch das äußerliche Wort, das er als Mittel und Rohr dazu verordnet hat, um solches dadurch ins Herz hineinzubringen.

Es liegt nicht viel daran, wenn du auch diese Schüler nicht siehst und nicht viel von den Sachen reden hörst; du hörst ja hier, daß sie unmündig sind: drum brechen sie nicht bald hervor, pochen nicht groß mit ihrem Geist und ihrer großen Kunst. Gott hat sich aber seine Schüler vorbehalten, er weiß sie auch wohl zu finden, wie er ja auch zu Elia sagte, der da meinte, es wäre kein frommer Mensch mehr im ganzen Land und er wäre allein übrig geblieben: ich habe mir – sprach das göttliche Wort – lassen überbleiben 7000 Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Abgott Baal (1. Kön. 19,18). So tut Gott noch heutigen Tages: wenn wir meinen, es sei geschehen um das Evangelium, wenn sich so viele Rotten erheben, – ei Lieber, fürchte dich nicht, erschrecke nicht, Gott hat seine Schüler an vielen Orten zerstreut, wir sehen und kennen sie nicht. Drum sollen wir die Sache nur lauter Gott heimstellen und sprechen, wie Christus hier: ja, Vater, es ist also wohlgefällig gewesen vor dir.

Es ist, als wollt der Herr sagen: ach Vater, daß es dir wohlgefällt, das ist die einzige Ursache, daß es so ist. Was ist aber das für ein Gott? gefällt es ihm denn, daß die Leute verblendet werden? ist er nicht ein Gott, der den Tod des Sünders nicht will? Doch. Aber die Schrift sagt (2. Mose 33,19): welchem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich. Gott ist niemand nichts schuldig, darum tut er auch niemand unrecht, wenn jene Leute in ihrer Verstockung bleiben. Aber Gott hat die Art, daß er den Geringen hilft und nicht viel nach den Großen und Weisen fragt, wie sehr sie auch deswegen wüten. Er läßt sie in ihrer Verstockung. Wenn du sie darüber zürnen, toben und wüten siehst, so befehl es drum Gott und sprich, so sei es Gottes Wohlgefallen, der ohn Verdienst und ohn alle Werk aus lauter Gnade dies Geheimnis dem armen verachteten Häuflein offenbart. So sprach auch Christus zu seinen Jüngern (Lk. 12,32): fürchte dich nicht, du kleine Herde, es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.

Die aber äußerlich im Leben und Wandel gering und arm sind oder die da unverständig in der Schrift sind, das sind nicht die Kleinen. Wenn die groben Klötze bleiben, nichts lernen und sich dann als Ungelehrte für die Kleinen, Geringen, Unmündigen ausgeben und die, die in der Schrift erfahren sind, verachten wollten, das wäre nichts geredet. Ja, diese hoffärtigen stolzen Rülpse sind die rechten Klugen, heben sich inwendig hoch empor und halten viel von sich selbst, verachten andre und meinen, sie wüßten’s allein. Darum verbirgt Gott sein Geheimnis auch vor ihnen und will es solch hochmütigen Stümpern nicht offenbaren. Es kann nämlich wohl einmal sein, daß ein Bettler in einem grauen Filz und langen Bart einen hoffärtigeren Geist hat als zehn Fürsten in goldenen Kleidern. Gott sieht das recht innerlich demütige Herz an, das sich selbst für verdammenswert ansieht und allein aus Gnade Gottes Hilfe begehrt; denen allein auch eröffnet Gott seinen Willen. Die aber vor Gott klug sein und ihr Ding nicht verdammen lassen wollen, die verwirft er, und gegen die braucht er große Gewalt. Denn wenn er das Herz der Klugen verstockt und in seiner Hand hat und hält, so kann er noch viel mehr ihre Faust und all ihre Anschläge verhindern. Gott will ihre Werke und Weisheit nicht loben, er will ihnen gar keinen Ruhm lassen …

Es ist ein großer Ruhm, den Christus hier in Anspruch nimmt, daß er sich rühmt, er sei wahrhaftiger Gott und ein natürlicher Sohn Gottes, indem er spricht, ihm seien alle Dinge untergeben. Hier schließt er nichts aus. Was nicht Gott ist, das ist unter ihm. Das lehrt uns auch unser Glaubensbekenntnis. Es ist hier nichts ausgenommen, weder Engel noch Teufel, weder Sünde noch Gerechtigkeit, weder Tod noch Leben, weder Schande noch Ehre – alles, was man nur nennen kann, das ist unter Christus und muß ihm unterliegen. Wenn nun Christus über alle Dinge gesetzt wird und alle Dinge sein sind, so muß er etwas Höheres sein als eine Kreatur oder ein geschaffen Ding; sonst könnt nicht alle Kreatur sein eigen sein und unter seinen Füßen liegen. Keine Kreatur darf sich das zueignen, nur Christus allein, Gottes wahrhaftiger Sohn. Ihm sind alle Dinge übergeben, auch nach seiner Menschheit, denn nach seiner Gottheit war er schon vorher über alles und alles sein eigen.

Diese Ehre ist Gottes Ehre gleich. Darum ist er wahrhaftiger Gott und Gottes natürlicher Sohn. Denn so spricht Gott im Propheten Jesajas (42,8): meine Ehre will ich keinem andern geben. So ist denn Gottes Ehre nichts anderes als über allen Kreaturen zu sein, allem das Leben zu geben, den Teufel unter sich zu werfen, Tod und Sünde mit Füßen zu treten. Das sind göttliche Werke, die allein Gott zustehen; diese Ehre hat Gott, die will er auch allein behalten und sie niemand mitteilen; wem er sie aber mitteilt, der muß auch wahrhaftig Gott sein. Der Teufel ist wohl ein Herr des Todes und der Sünde in den Ungläubigen, aber er kann nichts lebendig machen.

Wiewohl nun Christus von Ewigkeit her alle Dinge unter sich gehabt hat, so ist er doch nicht von Ewigkeit her ein Mensch gewesen, sondern ist in der bestimmten Zeit, wie es in den Propheten verheißen war, Mensch geworden und ist ihm durch den Heiligen Geist unsertwegen offenbart worden, daß ihm alle Dinge unterworfen seien. Das Wort gilt uns; denn wir müssen einen Ort wissen, wo wir Gott und alle Dinge finden. Drum spricht Christus zu mir: willst du alle Dinge haben, so such’s in mir! Denn in Christus sind alle Dinge, und ihm sind alle unterworfen, dazu steckt alles Gute in ihm, auch wohnt in ihm die Gottheit leibhaftig. Außer in ihm wirst du nichts Gutes finden, in Christus allein müssen alle Gläubigen gerechtfertigt und selig werden.

Drum spricht der Herr weiter im Evangelium: niemand kennet den Sohn usw. O Herre Gott, wer hätte das gemeint, daß dieser verachtete Christus Gottes Sohn sein sollte. Denn mit dem Wörtlein „niemand“ schließt er alle Dinge aus, die nicht Christus sind. Das kann die Vernunft nicht verstehen, daß alle Dinge unter diesem Christus liegen sollen und er doch so schändlich und verächtlich am Kreuz sterben soll: was ist das für ein Herr des Lebens und des Todes! Es sieht doch aus, als könnt er sich selber das Leben nicht erhalten, da er so schändlich stirbt; er sinkt dem Tod in den Rachen hinein, daß alle Welt meint, er hab ihn verschlungen und es sei nun aus mit ihm. Dennoch ist er Gottes Sohn, der allein den Vater erkennt; und sonst erkennt ihn keiner, wenn es der Sohn nicht offenbaren will. Wem er’s nicht im Herzen offenbart, dem hilft in Ewigkeit kein Werk, kein Verdienst und keine Bereitung dazu. Es ist nur Gottes Art und Werk, sich der Elenden zu erbarmen und die Unverständigen zu lehren.

Der christliche Glaube und das christliche Leben steht in dem einen Wörtlein: offenbaren von Gott. Wo das nicht vorhanden ist, da faßt kein Herz je dies Geheimnis, das von Anbeginn der Welt verborgen gewesen ist. Gott offenbart’s allein seinen von Ewigkeit auserwählten Heiligen, denen er’s kundtun will; sonst wird’s jedermann verborgen und ein rechtes Geheimnis bleiben. Was will da der freie oder vielmehr der knechtische gefangene Wille Gutes dazu tun oder sagen? Wie will er aus eigenem Vermögen zu diesem Licht oder Geheimnis kommen? Wenn der allmächtige starke Gott es ihm verbirgt, so wird er sich mit keiner Bereitung und keinem guten Werk dazu schicken können. Keine Kreatur kann zu dieser Erkenntnis kommen, wenn nicht Christus allein es ihr im Herzen offenbart. Da gehen alles Verdienst, alle Kräfte und alles Vermögen der Vernunft zu Ende und gelten nichts vor Gott. Christus muß es allein geben.

Es folgt nun weiter im Evangelium: kommt zu mir alle usw. Ei, was für ein seltsames Laden ist das? Warum beruft er nicht die Starken, Reichen, Gesunden, Gelehrten, Könige, Fürsten und Herren? Was will er mit den armen, mühseligen und beladenen Menschen? So gefällt es ihm wohl. Ficht dich nun dein Unglaube, Hunger, Armut, Schand oder andre Trübsal an, wo anders willst du dann hinlaufen? Christus hat zuvor gesagt, er habe alle Dinge in seiner Hand. Jetzt ruft er dich Elenden zu sich. Er verspricht, daß er’s tun kann, und will dir’s auch gern tun. Dir, dir verheißt er’s, komm du nur zu ihm! Pfui der großen Sünd und Schand, die Sonne sollt uns nicht mehr anscheinen, weil wir solch süße väterliche tröstliche Worte übergehen und anderswohin gaffen, wo nichts Beständiges und Gutes ist. Alles Gute ist allein in Christus zu suchen; denn in ihn hat Gott alle Schätze aller Weisheit und alles Guten überreichlich geschüttet und verborgen. Selbst auf lauter Schermessern sollten wir zu einem solch freundlichen Helfer laufen, der die schwachen, betrübten und mühseligen Leute zu sich fordert und lockt. Ohne Ermahnung und Forderung sollten wir zu ihm eilen, er aber muß uns armselige Leute erst noch zu sich locken, rufen und fordern.

Warum schlagen wir solche Worte in den Wind und sehen uns nicht nach ihm um Hilfe um und laufen nicht zu ihm, der doch alle Dinge in seiner Hand hat und alles Gute genug uns geben will? Der Grund ist: die Person Christi ist zu gering, niemand glaubt’s ihm, niemand traut’s ihm zu, daß er solches geben könne und wolle. Unser verfluchter Unglaube tut ihm die Ehre nicht, zu glauben, daß er’s tun könne. Drum erlangen wir auch nichts. Und es geschieht uns recht, daß wir arme Stümper an Leib und Seele bleiben. Gott hat alles leibliche Gut, auch die wahre Gottheit in diesen Christus gelegt: wer da etwas bedarf an Leib und Seele, der komme zu ihm, er findet’s viel reichlicher bei ihm, als wir bitten oder denken können. Wer diesen Christus verachtet und Vergebung der Sünde, gutes Gewissen, ewiges Leben, Gesundheit, Gerechtigkeit, Seligkeit oder was es auch sein mag im Kloster, zu Rom, im heiligen Grab oder anderswo in Werken suchen will, der verleugnet Christus als einen ohnmächtigen Erlöser und verspottet sein Blut, Sterben und Auferstehen, dem wird auch mit Recht weder hier noch dort geholfen; denn er geht Christus aus dem Weg, durch den allein wir zum Vater und zu allem Guten kommen sollen.

Allein um dieser Undankbarkeit willen wäre es recht, wenn Gott uns Tag und Nacht kratzen und scharren ließe im Schweiße unsers Angesichts und dennoch umsonst, sodaß das Erdreich uns nichts brächte als lauter Disteln und Dornen. Das wird er auch gewiß tun, nicht allein mit der leiblichen Nahrung, sondern auch mit dem Wort. Es sehe nur ein jeder auf sich selber, wie wir uns so wild und verzagt stellen, wenn wir nur einen Groschen um Gottes willen in den gemeinen Kasten geben oder einem armen Menschen ins Haus bringen sollen: da will’s uns gar nicht vom Herzen gehen und noch viel weniger aus dem Kasten. Warum? Geld ist unser Abgott, darum ist unser Herz stets bei dem Geld; wäre der ewige rechte natürliche Gott in uns durch den Glauben, o wie würde ein Backofen voll christlicher Liebe in uns brennen! Wenn wir glaubten, daß der milde gütige reiche mächtige Christus in allen unsern Anliegen, worin wir ihn anrufen, uns nicht allein helfen kann nach seinem Wort „alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater“, sondern daß er auch mild und reichlich uns mitteilen und gern geben will, dann würd es bald besser mit uns werden.

Denn er spricht ja: kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, – als wollt er sagen: kommt nur her ohne Verdienst umsonst, ihr braucht nicht viel fasten oder arbeiten, nicht viele Werke tun oder große Verdienste mit euch bringen, kommt nur mit dem Glauben des Herzens zu mir, haltet mich für einen gütigen gnädigen Erlöser, wie ich’s euch sage, so hat’s keine Not, kommt nur, ich will euch erquicken, es soll bald besser mit euch werden; es wird keine Heuchelei sein, ich will euch das Herz und den Geist mutig machen wider Hölle, Sünde, Tod und Teufel, daß ihr’s fühlen werdet; ihr habt jetzt ein böses Gewissen, seid verzagt und verschmachtet, elend arm, mühselig und bekümmert, und ist niemand da, der euch Rat, Trost und Hilfe geben kann, Gottes Zorn über die Sünde ist zu gewaltig, vor seiner Gerechtigkeit muß sich Himmel und Erde biegen, und niemand kann vor ihm gerechtfertigt werden außer durch mich; darum zeige ich euch den nächsten Weg, kommt nur her, erkennt euer armselig böses Leben, in dem ihr verdammt und Sünder seid; aber solche Schüler begehre ich grade zu haben, solche Leute fordre ich zu mir, mit den Gesunden hab ich nichts zu tun, mit den Gerechten und Frommen hab ich keine Gemeinschaft, mein Reich ist ein Spital von Siechen, da bin ich Arzt; darum wer da begehrt Gesundheit, ein friedsam Gewissen und ein ruhig Herz, der laufe nicht weit hin und her an diesen und an jenen Ort, sondern komme zu mir; denn der ist mir ein rechter Gast in meinem Spital, der seine Krankheit erkennt und den Sündenzwang fühlt und dazu herzlich Hilfe und Trost von mir begehrt und mir glaubt, daß ich ihm helfen will; den will ich auch fröhlich machen und beständig erquicken, sodaß er nimmermehr des Todes sterben soll.

Ferner sagt Christus im Evangelium: nehmt auf euch mein Joch. Das ist der Grund, warum man nicht zu Christus läuft: er legt dem alten Esel ein Joch, d. h. Kreuz und mancherlei Trübsal auf den Hals. Da will der alte Adam murren und sich nicht anspornen lassen und die Tötung seines Willens nicht dulden. Ja, wenn ihm Christus eine Tasche mit roten Gulden gäbe und ihm einen Kasten voll Geldes verspräche, dann würde er leicht, willig und gern zu Christus laufen. Aber Christus spricht hier: laß dich solches nicht betrüben, bekümmere dich nicht verwegen, nimm du mein Joch auf dich, ich will dir wohl aus dem Unglück helfen; laß dir daran genügen, daß ich deiner Seele Mühe und Arbeit hinwegnehme, dazu dein böses Gewissen, sei nur geduldig, wenn ich den alten Esel fege; er muß ja getötet sein, wenn ich euch erquicken soll; das ist die Art und Weise meines Königreichs, daß die, die darin sind oder sein wollen, stets den Lüsten des alten Adam absterben und im Geist durch Zunahme des Glaubens erneuert werden müssen; das enthält auch die Taufe in sich.

Daß uns Christus ein geringeres Gesetz gebe als Mose, das ist mit dem Joch nicht gemeint. Das Joch ist nichts anderes als die Erwürgung der Begierden des alten Menschen. Wenn wir uns nur daran genügen ließen, im Gewissen gereinigt durch Christus vor Gott im Frieden zu stehen, dann würd uns das Joch auf dem alten Adam nicht weh tun. Und wenn uns der Fürst oder Kaiser den Kopf abhauen wollte, so würd es uns wenig zu schaffen machen; denn in Christus ist das Leben auch mitten im Tode. Ja, wir würden’s gerne tun und den Tod mit Freuden annehmen, wenn wir Christus für den Mann hielten, als den ihn uns dies Evangelium abmalt.

Und lernet von mir usw. Das ist ein lieblicher und sehr tröstlicher Text, sodaß wir uns nicht entschuldigen und sagen brauchen: ja, ich wollt gern zu Christus kommen, ich weiß nur nicht, wie ich ihm gefallen soll, ich weiß nicht, was er von mir haben will. Höre zu, hier eröffnet er, was er von seinen frommen Schülern fordert. Er legt dir nicht eine schwere lange große unverständliche Lektion vor, glaub ihm nur hier und brauche deine Vernunft, um dies zu verstehen. Denn das ist die rechte Kunst, zu lernen, was er uns hier vorhält, nämlich, daß er bei den Geringsten und Verachtetsten sein will, die nichts Gutes auf sich bauen, sondern nur auf Christus trauen, und daß wir sanftmütig sein sollen, aber nicht wie etliche, die da äußerlich sanftmütig sind, inwendig aber bissig, giftig, neidisch und die größten Schalke. Hüt dich vor den Heuchlern!

Christus lehrt von der Sanftmut, daß sie nicht Böses für Böses gibt. Denn Christi Joch hat die Art an sich, daß die Feinde uns das Unsre nehmen; dadurch werden wir zornig, und wird uns übel zu Mute, wir wollen uns rächen, fluchen, schelten und sind ungeduldig darüber. Christus aber spricht: hierher, lerne von mir, nicht zornig noch rachgierig zu sein, wenn es dir übel geht, dir das Deine genommen wird oder du irgendwie beleidigt wirst; sei nicht zornig noch ungeduldig, sei sanftmütig und gutes Muts, tue wie ich; denn ich laß mich schelten und verachten und bleibe gleichwohl fröhlich; tue du desgleichen, weil du mich im Glauben hast; so wirst du Freude und Friede genug und vollauf haben; es schadet nichts, wenn’s auch dem alten Adam nicht nach seinem Willen geht; denn ich muß seine Vernunft dämpfen und seine Klugheit zur Torheit machen; wen ich liebe, den pflege ich wie mein liebes Kind zu stäupen; ich nehme ihm die Kreaturen weg, damit er recht lerne, daß in den Kreaturen kein Bestand ist und man sich drum auch nicht auf sie verlassen soll.

Und dann ist noch eins, was die Welt unruhig macht. Das ist die Hoffart, daß sich einer immer höher hinstellt und aufsteigt, als von Gott gewollt ist. Drum lehrt Christus hier auch das andre Stücklein und sagt: lernet von mir, denn ich bin demütig. Nicht den äußerlich verachteten Wandel in grauen Röcken und langem Bart sollt ihr von mir lernen, denn nach solchem Ding frag ich gar nicht, spricht Christus, lernt aber, von Herzen inwendig demütig zu sein, nicht höher emporzufahren, als dem Stand gebührt, in den ich dich stelle; dann wirst du auch äußerlich in der rechten Demut wandeln und dich nicht über deinen Nächsten erheben, sondern ihn allezeit höher achten als dich selbst und ihm von Herzen gönnen, was ihm Gott gönnt und was du dir selbst auch von jedermann gern gegönnt haben möchtest. Das kann nun die Welt nicht, sie will immer empor und läßt sich nicht genügen an dem, was Gott ihr gibt. Ist einer ein Bürgermeister, so will er ein Graf werden. Ist einer ein Graf, so will er ein Fürst werden. Ist einer ein Fürst, so will er ein König werden. Ei, ein König will ein Kaiser werden. Hat einer ein Land, so wollt er gerne noch zwei, drei, vier dazu haben. So ist kein Sattwerden und Genügen in der Welt.

Aber Christus lehrt hier und spricht: wer da will Erquickung von mir erlangen, der sei sanftmütig und demütig von Herzen; wenn er beleidigt wird, so gebe er’s Gott anheim, der wird’s zu seiner Zeit schon rächen, wie Christus selbst in seinem Leiden und seiner Schmach auch getan hat: da ist er still und demütig gewesen und hat kein Wort dawider geredet und ist doch zuletzt, zuletzt zu großen Ehren gekommen und aufs höchste gepriesen worden. Dieser Gestalt Christi müssen wir auch ähnlich werden, müssen auch von Herzen sanftmütig und demütig sein, so werden wir erquickt werden und Ruhe finden für unsre Seelen. St. Peter ermahnt uns auch hoch, diesem Exempel und Vorbild nachzufolgen, indem er in seiner ersten Epistel im 2. Kapitel (V. 19ff.) sagt: das ist Gnade, wenn jemand um des Gewissens willen zu Gott Traurigkeit erträgt und Unrecht leidet; denn was ist es für ein Ruhm, wenn ihr um Missetat willen Streiche leidet? Aber wenn ihr um Wohltat willen leidet und duldet, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr auch berufen, sintemalen auch Christus gelitten hat für uns und uns ein Vorbild gelassen, daß ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen, welcher keine Sünde getan hat, ist auch kein Betrug in seinem Munde erfunden, welcher nicht widerschalt, da er gescholten ward, nicht drohte, da er litt; er stellte es aber dem anheim, der da recht richtet, welcher unsre Sünde selber getragen hat an seinem Leibe auf das Holz, auf daß wir die Sünden los seien und der Gerechtigkeit leben, durch welches Striemen ihr heil geworden seid; denn ihr wart wie die irrenden Schafe, aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Die aber nicht diesem Exempel und Vorbild Christi nach leiden, sich auch nicht verachten lassen noch sich an ihrem Stande genügen lassen wollen, die werden ewig unruhig und nimmermehr zufrieden sein, es wird ihnen aber auch kein Sorgen noch Rächen noch Wüten noch Toben helfen. Darum kann die Welt Christi Joch und Last nicht tragen, sie ist zornig und in sich selbst unzufrieden, läßt sich nicht genügen an dem, was ihr vor die Hand kommt, will immerdar emporsteigen. Darum kann sie nicht zufrieden sein noch guten Mut haben und will darum dies Joch Christi nicht annehmen. Sie verachtet Christus und alles, was er hat und ihr anbietet; darum kann sie auch weder hier noch dort Frieden haben. Denn allein Christus kann und will das Gewissen fröhlich und friedlich machen und die betrübten Geister erquicken.

So haben wir nun in diesem Evangelium drei Dinge und drei Hauptstücke. Erstlich, wozu uns Christus vom Vater geschenkt ist und was wir von ihm erwarten sollen: er will uns zu sich locken und bringen, nicht mit Reisigen noch mit Harnisch und Schwertern, sondern mit freundlichen lieblichen Worten, wie der 147. Psalm sagt.

Zum andern zeigt er an, wer die Schüler sind, die er fordert und lockt: nämlich die mühseligen armen und beladenen Sünder, die ihr Gewissen und Gottes Zorn drückt und die die Sünde gern los wären. Die, die so hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, die ruft er hier zu sich und heißt sie selig. Aber die da satt und voll sind, die ruft er gar nicht zu sich. Willst du also gesättigt und erquickt werden, so erkenne deinen Jammer und deine Beschwernis und komme zu Christus, glaube ihm; denn er ruft dich nicht umsonst, er will dir mächtig hinaushelfen, er will dich, wie er sagt, erquicken. Fürchte dich nicht, er kann’s und will’s tun, brauchst auch nicht denken, daß er dich erst nach Rom um Absolution schickt oder dich stäupen und erwürgen wolle. Er will dir auch nicht eine schwere Buße auflegen mit Fasten, Beten, Almosengeben, Betteln, Wallfahren, Geld und Gut an Kirchen und Klöster geben – nein, das alles will er nicht, sondern spricht: ich will dich erquicken, will dich fröhlich machen, deine Seele soll Frieden haben und guten Muts sein, ruhig und frei von Sünden werden.

Zum dritten sollen wir nur von Christus lernen, nicht von Menschen, nicht von der Vernunft. Was aber sollen wir lernen? Nicht das, was die Welt hochhebt, nicht das, was von alters her geachtet gewesen ist. Denn Hesekiel sagt im 20. Kapitel (V. 18): wandelt nicht in den Fußtapfen eurer Väter, die euch beflecken werden. Ihr sollt von mir lernen, spricht Christus, sanftmütig und von Herzen demütig zu sein, aber nicht bloß mit äußerlichen Gebärden: es bleibe ein jeder in seinem Stand und Beruf und warte desselben, bis ich ihm ein andres auflege, und tue alles in einem bescheidenen Geist, der sich nicht wegen meiner Gaben überhebt und nicht seinen eigenen Ruhm sucht und andre verachtet.

Wer nun Ruhe für seine Seele finden will, der lerne diese Lektion von Christus, nämlich sanftmütig und von Herzen demütig zu sein. Denn Christus selbst spricht Matth. 5,5: selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen. Mit Hader gewinnt man nicht viel Land noch Leute. Es hat auch keinen Bestand: wenn es auch eine Zeitlang währt, so geht doch bald zugrunde, was mit Zank und Hader oder mit dem Schwert erobert wird. Selig sind die Milden, Sanftmütigen und Friedfertigen. Auch in Jes. 66,2 spricht Gott so: in dem demütigen und zerschlagenen Geist, der da mit Zittern und Furcht mein Wort annimmt, will ich wohnen. Auch David sagt im 51. Psalm (V. 19): die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist, ein zerbrochen und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Wer nun diese zwei Stücke nicht lernen will, sondern rachgierig sein, niemand nichts nachgeben, stolzieren und pochen, hochmütig, frech und gefeiert sein und sich allezeit überheben will, der wirft Christi süßes Joch und leichte Last weg, welche den Frommen leicht und süß sind. Denn wenn sie sich willig im Glauben darein ergeben und ihren Willen brechen, dann wird’s ihnen leicht und süß, sie tragen’s auch gern. Denn Christus hilft ihnen solches Joch und solche Last tragen, ja er trägt den schwersten und größten Teil; denn er hat alles erfüllt, was sie tun und erfüllen sollen. Wer einen solchen Helfer hat, dem ist auch eine große Bürde leicht, und, wie man sagt, mit einem guten Kumpan ist gut wandern; denn einer hilft dem andern seine Bürde tragen.

Wer aber diesen Helfer nicht annehmen will, der soll Unglück, Angst, Not, Unfrieden und Bekümmernis des Gewissens haben. Darum spricht Christus: kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, begehrt nur Hilfe und Trost, ihr sollt erquickt werden, ungetröstet und unerquickt sollt ihr nicht von mir gehen, sondern sollt auch mitten im Tode und Kreuz fröhlich bleiben. Das sei von diesem Evangelium gesagt, Gott gebe uns seine Gnade, daß wir’s lernen, fassen und glauben.

Predigt gehalten am 10. Februar 1527

WA 23, 682–695.

Quelle: Erwin Mühlhaupt (Hrsg.), D. Martin Luthers Evangelien-Auslegung, Zweiter Teil: Das Matthäusevangelium (Kap. 3-25), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 41973, S. 407-421.

Hier der Text als pdf.

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