Hans-Georg Gadamer, Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan: „Wer ist dieses Du? Es klingt fast, als wisse da einer, wieviel er dem Ich aufladen kann, wieviel das hoffende Herz des Menschen erträgt, ohne daß es die Hoffnung sinken läßt. Ein unbestimmtes Du, das viel­leicht in dem Du des Nächsten, vielleicht in dem Du des Fernsten seine Konkretion findet, oder gar in dem Du, das ich mir selbst bin, wenn ich meiner eigenen Zuversichtlichkeit die Grenzen des Wirklichen fühl­bar mache. In jedem Fall ist das Zusammenspiel von Ich und Du, das den Fang verheißt, das, was in diesen Versen eigentlich präsent ist und dem Ich seine Wirklichkeit verleiht.“

Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan

Von Hans-Georg Gadamer

In den späteren Gedichtbänden Paul Celans nähert sich der Dichter mehr und mehr der atemlosen Stille des Verstummens im kryptisch gewor­denen Wort. Im folgenden soll ein kurzes Gedicht aus dem Zyklus ‚Atem-Kristall‘ betrachtet werden, das in dem Gedichtband ‚Atemwende‘ steht. Das Gedicht hat seinen Ort in einer Folge, und es wächst ihm von da aus gewiß etwas an Bestimmtheit zu – aber die ganze Folge dieser Ge­dichte ist hermetisch verschlüsselt. Wovon ist die Rede? Wer redet?

Gleichwohl ist jedes der Gedichte dieser Folge ein Gebilde von ein­deutiger Bestimmtheit, zwar nicht durchsichtig und von unmittelbar sprechender Klarheit, aber doch nicht so, daß es etwa ganz verhüllt bliebe oder Beliebiges zu bedeuten vermöchte. Das ist die Erfahrung des Lesens, die sich dem geduldigen Leser ergibt. Gewiß darf es kein eiliger Leser sein, der hermetische Lyrik verstehen und entschlüsseln will. Aber es muß keineswegs ein gelehrter oder besonders belehrter Leser sein.

Die besonderen Belehrungen, die ein Dichter über seine verschlüssel­ten Schöpfungen zu geben vermag – auch Paul Celan sagt man nach, daß solches Verlangen gelegentlich an ihn gerichtet wird und daß er es freund­lich zu befriedigen sucht -, haben stets etwas Mißliches. Bedarf es der Auskunft über das, was ein Dichter sich bei seinem Gedicht gedacht hat? Es kommt doch wohl allein darauf an, was ein Gedicht wirklich sagt – und nicht, was sein Verfasser meinte und vielleicht nicht zu sagen ver­stand. Gewiß kann der Wink des Verfassers, der auf den unverwandelten Zustand des „Stoffes“ weist, auch bei einem in sich vollendeten Gedicht von Nutzen sein und vor Fehlversuchen des Verstehens bewahren. Aber es bleibt eine gefährliche Hilfe. Wenn der Dichter seine privaten und okkasionellen Motive mitteilt, verschiebt er damit nicht im Grunde das, was sich als dichterisches Gebilde ausbalanciert hat, nach der Seite des Privaten und Kontingenten – das jedenfalls nicht dasteht? Sicherlich ist man gegenüber hermetisch verschlüsselten Gedichten mit der Aufgabe der Deutung oft in großer Verlegenheit. Aber auch wenn man in die Irre geht, in wiederholendem Verweilen bei einem Gedicht wird man seines eigenen Versagens doch immer wieder inne, und wenn das Verständnis im Ungewissen oder im Ungefähren bleibt, ist es doch immer noch das Gedicht, das im Ungefähren und im Ungewissen zu einem spricht, und nicht ein einzelner in der Privatheit seiner Erlebnisse oder Empfindun­gen. Ein Gedicht, das sich verweigert und weitergehende Klarheit nicht gewährt, scheint mir immer noch bedeutungsvoller als alle Klarheit, die einem durch die bloße Versicherung zuwachsen kann, die ein Dichter über das, was er meinte, abgibt.

So ist es offenkundig sehr im Ungewissen, wer in diesen Gedichten Celans Ich und Du sind, und doch soll man nicht den Dichter fragen. Eher schon mag man sich durch die Methoden der vergleichenden Li­teraturforschung, insbesondere durch die Heranziehung von gattungs­mäßig Verwandtem, Aufklärung versprechen – aber man wird sic doch nur unter Bedingungen finden: nur dann, wenn kein sachfremdes Gat­tungsschema benutzt wird und wenn wirklich Vergleichbares verglichen wird. Um dessen sicher zu sein, bedarf es aber gewiß nicht nur der Be­herrschung der Methoden der Literaturforschung. Das gegebene Ge­bilde muß in der Polyvalenz seiner Struktur darüber entscheiden, welche von den Subsumtionsmöglichkeiten, die sich im Vergleichen bieten, angemessen ist und ob sie eine begrenzte Aufschlußkraft gewährt. So erwarte ich für die Gedichte Paul Celans im Grunde nicht viel von einer gattungstheoretischen Zurüstung für die hier gestellte Frage, wer hier Ich ist und wer Du. Alles Verstehen setzt die Antwort auf diese Frage, oder besser eine dieser Fragestellung überlegene vorgängige Einsicht schon voraus.

Wer ein lyrisches Gedicht versteht, versteht im Grunde schon immer, wer hier Ich ist. Nicht in dem trivialen Sinne allein, daß er weiß, daß immer nur der Dichter spricht und keine von ihm eingeführte sprechen­de Person. Er weiß vielmehr, wer das Dichter-Ich ist. Das Ich, das in einem lyrischen Gedicht gesagt wird, läßt sich nämlich nicht mit Aus­schließlichkeit auf das Ich des Dichters beziehen, das ein anderes wäre als der ichsagende Leser. Selbst wenn der Dichter sich „in Gestalten wiegt“ und sich ausdrücklich von der Menge scheidet, die „gleich ver­höhnet“, ist es, als ob er den Leser in seine Ich-Gestalt selbst hineinzöge und von der Menge ebenso schiede, wie er sich selbst geschieden weiß. Und gar hier bei Celan, wo ganz unvermittelt und schattenhaft-unbe­stimmt das Ich „spricht“. Dies Ich ist nicht nur der Dichter, sondern viel eher „jener Einzelne“, wie ihn Kierkegaard genannt hat, der ein jeder von uns ist.

Enthält diese Überlegung nun eine Antwort auf die Frage, wer hier Du ist, der in fast allen Gedichten dieses Zyklus ebenso unvermittelt und unbestimmt angeredet wird, wie der Redende „Ich“ ist? Das Du ist der Angeredete schlechthin. Das ist die allgemeine semantische Funktion, und man wird sich fragen müssen, wie die Sinnbewegung der dichteri­schen Rede diese Funktion ausfüllt. Ist die Frage sinnvoll, wer dieses Du ist? Etwa in dem Sinne: ist es ein mir naher Mensch? Mein Nächster? Oder gar der Allernächste und Allerfernste: Gott? Es ist deshalb nicht auszumachen, wer jenes Du ist, weil es nicht ausgemacht ist. Die Anrede zielt, aber sie hat keinen Gegenstand – es sei denn den, der sich der Anrede offenbart, indem er antwortet. Auch bei dem christlichen Liebes­gebot ist es ja nicht ausgemacht, wie weit der Nächste Gott ist oder Gott der Nächste. Das Du ist so sehr und so wenig Ich, wie das Ich Ich ist.

Damit ist nicht etwa gemeint, daß in der Gedichtfolge, die hier Ich und Du sagt, der Unterschied zwischen dem Ich, das spricht, und dem Du, das angeredet wird, sich verwischte, und auch nicht, daß das Ich nicht eine gewisse Bestimmtheit im Fortgang der Gedichtfolge erhielte. So ist zum Beispiel von 40 Lebensbäumen die Rede und damit auf das Alter des Ich angespielt. Aber entscheidend bleibt, daß an der Stelle des Dichter-Ichs jedes Leser-Ich willig eintritt und sich mitgemeint weiß, und daß sich von da aus jeweils das Du ausfüllt. In der ganzen Folge scheint nur eine Ausnahme zu bestehen, und das ist in jenen vier Versen, die der Dichter in Klammern gesetzt hat und die auch metrisch durch ihre fast epische Diktion herausfallen. Sie scheinen deswegen wie beiläufig gegeben, weil sie sich nicht, wie die anderen alle, allwillig verallgemei­nern. – So bleibt alles offen, wenn wir jetzt erprobend an ein Gedicht aus der Celanschen Folge herantreten. Wir wissen nicht vorher und nicht aus einem distanzierten Überblick oder Vorausblick, was Ich oder Du hier meint und ob das Ich des Dichters sich selbst meint oder einen jeden. Wir haben es zu lernen.

Ich wähle ein ganz kurzes Gedicht:

In den Flüssen nördlich der Zukunft
werf ich das Netz, das Du
Zögernd beschwerst
mit von Steinen geschriebenen
Schatten.

Man muß das Gedicht in seinem Zeilenbruch nicht nur genau lesen, man muß es so auch hören. Celans meist sehr kurzzeilige Gedichte neh­men es damit sehr genau. Bei breiter strömenden Versen, wie etwa den Duineser Elegien, die ohnehin viel technischen Zeilenbruch, insbeson­dere in den der Erstauflage folgenden Drucken, nicht vermeiden können, sind nur sehr deutliche Verszäsuren von so siegelhafter Prägnanz wie die Schlußzeilen dieser Gedichte Celans. In unserem Falle ist der Schlußvers ein einziges Wort: „Schatten“ – ein Wort, das so schwer sich senkt wie das, was es bedeutet. Indessen, es ist ein Schluß, und wie jeder Schluß rückt er die Maße des Ganzen fest. Auch der evozierten Bedeutung nach: ‚Schatten fallen‘ heißt immer auch: sie werden geworfen. Wo Schatten fallen und verdunkeln, ist immer auch Licht mit da und das Lichte, und wirklich, es wird hell in diesem Gedicht. Was es evoziert, ist Klarheit und Kälte eisnahen Gewässers. Die Sonne durchscheint das Wasser bis auf den Grund. Die Steine, die das Netz beschweren, sind es, die die Schatten werfen. Das ist alles höchst sinnlich und konkret: Ein Fischer wirft das Netz aus und ein anderer hilft ihm dabei, indem er das Netz beschwert. Wer bin Ich? Und wer bist Du?

Das Ich ist ein Fischer, der das Netz auswirft. Auswerfen des Netzes ist eine Handlung reiner Erwartung. Wer das Netz ausgeworfen hat, hat alles getan, was er tun konnte, und muß warten, ob etwas sich fangt. Es wird nicht gesagt, wann diese Handlung vollzogen wird. Es ist eine Art gnomischer Gegenwart, d. h., es geschieht immer wieder. Das wird durch das pluralische „in den Flüssen“ unterstrichen, das nicht wie das nahe­liegende „Gewässern“ eine unbestimmte Ortsangabe bedeutet, sondern sehr bestimmte Plätze, die man aufsucht, weil sie Fang verheißen. Diese Plätze liegen alle „nördlich der Zukunft“, d. h. noch weiter draußen, außerhalb der gewohnten Wege und Fahrten, dort, wo keiner sonst fischt. Es ist offenbar eine Aussage über das Ich, nämlich daß es ein Ich solcher besonderer Erwartung ist. Es erwartet das Zukünftige dort, wo keine Erwartung der Erfahrung hinreicht. Aber ist nicht jedes Ich ein Ich solcher Erwartung? Ist nicht in jedem Ich etwas, das in eine Zukunft ausgreift, die hinausliegt über das, womit man zukünftig rechnen kann? Das Ich, das so anders ist als die anderen, ist gerade das Ich eines jeden.

Nun beruht der kunstvoll gespannte Bogen dieses Gedichtes, das ein einziger schlichter Satz ist, darauf, daß das Ich nicht alleine ist und nicht allein den Fischfang durchführen kann. Es bedarf des Du. Betont steht das Du am Ende der zweiten Zeile, wie angehalten, wie eine unbestimmte Frage, die sich erst durch den Fortgang des dritten Verses oder besser der zweiten Hälfte des Gedichts mit ihrem Sinn erfüllt. Hier wird ein Tun sehr genau beschrieben. Zögernd beschweren meint nicht ein inneres Zögern der Unentschiedenheit oder des Zweifels, das das Du, wer es auch sei, die Zuversicht des fischenden Ich nicht ganz teilen läßt. Es wäre völlig mißverstanden, wenn man in das Zögern diesen Sinn legen würde. Was beschrieben wird, ist vielmehr das Beschweren des Netzes. Wer das Netz beschwert, darf nicht zuviel tun und nicht zuwenig, nicht zuviel, damit das Netz nicht absinkt, und nicht zuwenig, damit es nicht obenhin treibt. Das Netz muß, wie der Fischer sagt, „stehen“. Von liier bestimmt sich das Zögern des Beschwerens. Wer das Netz beschwert, der muß vorsichtig Stein auf Stein hinzutun wie auf eine Waagschale, in der man das Gewicht von etwas wägt. Denn es kommt darauf an, den richtigen Augenblick des Gleichgewichts zu treffen. Wer das beim Beschweren des Netzes tut, hilft, daß der Fang überhaupt möglich wird.

Die sinnliche Konkretion des Vorgangs ist aber kunstvoll ins Ima­ginäre und Spirituelle gehoben. Schon die erste Zeile nötigte durch die sinnlich uneinlösbare Fügung „nördlich der Zukunft“, die Aussage in ihrer Allgemeinheit zu verstehen. Die gleiche Funktion übt in der zwei­ten Hälfte die nicht minder uneinlösbare Fügung einer Beschwerung mit Schatten, und gar mit von Steinen geschriebenen Schatten aus. Wie dort der Mensch als das Wesen der Erwartung in der sinnlichen Gebärde des Fischers sichtbar wurde, so bestimmt sich hier, was Erwartung ist und möglich macht, näher. Denn offenbar sind hier zwei Handlungen in ihrem Zusammenspiel gezeigt: das Auswerfen und das Beschweren des Netzes. Zwischen ihnen ist eine geheime Spannung, und doch sind sie das einheitliche Tun, das allein Fang verheißt. Gerade der geheime Ge­gensatz zwischen Werfen und Beschweren ist es, auf den es ankommt. Man würde mißverstehen, wenn man die Beschwerung als eine Hem­mung des reinen Wurfs in die Zukunft verstünde, als eine Trübung der reinen Erwartung durch die beschwerende Einsicht in das, was nach unten zieht. Der Sinn der Spannung ist vielmehr, daß nur durch sic die Leere des Erwartens und die Eitelkeit des Hoffens Bestimmtheit von Zu­kunft gewinnt. Die kühne Metapher der „geschriebenen Schatten“ läßt nicht nur das Imaginäre und Spirituelle der gan­zen Handlung hervor­treten, sondern bezeugt so etwas wie Sinn. Was geschrieben ist, läßt sich entziffern. Es bedeutet etwas und ist nicht einfach der dumpfe Wider­stand des Schweren. Soll man übertragen: Wie der Akt des Fischens nur aussichtsreich ist durch Zusammenspiel von Wurf und Beschwerung, so ist auch alle Zukünftigkeit, in die das menschliche Leben hineinlebt, keine bloße unbestimmte Offenheit für das Kommende, sondern be­stimmt sich durch das, was war und wie es aufbewahrt ist wie in einem von Erfahrungen und Enttäuschungen geschriebenen Buch.

Aber wer ist dieses Du? Es klingt fast, als wisse da einer, wieviel er dem Ich aufladen kann, wieviel das hoffende Herz des Menschen erträgt, ohne daß es die Hoffnung sinken läßt. Ein unbestimmtes Du, das viel­leicht in dem Du des Nächsten, vielleicht in dem Du des Fernsten seine Konkretion findet, oder gar in dem Du, das ich mir selbst bin, wenn ich meiner eigenen Zuversichtlichkeit die Grenzen des Wirklichen fühl­bar mache. In jedem Fall ist das Zusammenspiel von Ich und Du, das den Fang verheißt, das, was in diesen Versen eigentlich präsent ist und dem Ich seine Wirklichkeit verleiht.

Was ist es aber nun, was da Fang heißen soll? Der flutende Austausch zwischen dem Dichter und Ich erlaubt, es in einem besonderen wie in einem allgemeineren Sinne zu verstehen, oder besser: im besonderen den allgemeinen Sinn zu erkennen. Der Fang, der glücken soll, mag das Ge­dicht selbst sein. Der Dichter mag sich selbst darin meinen, daß er das Netz dort auswirft, wo Klarheit und Unberührtheit die Gewässer der Sprache ungetrübt findet und ihn erwarten läßt, daß das über alles Her­kömmliche Hinausgehende seiner Kühnheit ihm einen Fang gewährt. Daß der Dichter sich selbst meint, wenn er in dieser Weise sich als ein fischendes Ich darstellt, läßt sich auch durch den Zusammenhang stüt­zen – nicht nur den großen weltliterarischen Zusammenhang, der den dichterischen Fund gern aus dunkler Tiefe, eines Brunnens oder eines Sees, hervorholen läßt. Man denke an die bekannten Gedichte Stefan Georges: „Der Spiegel“ und „Das Wort“. Auch der besondere Zusam­menhang der vorliegenden Gedichtfolge läßt das wahre Gedicht, das kein „Meingedicht“, kein täuschender Schwur der Angeblichkeit ist, gegenüber dem eitlen Worttreiben, in dem die Sprache hin- und hergezerrt wird, zur Abhebung kommen. So ist es durchaus berechtigt, auch in unserem Gedicht das ganze Geschehen vom Dichter und seiner Er­wartung des Wortes, das ihm gelingt, her zu verstehen. Und doch ist das, was hier beschrieben wird, so, daß es weit über das Besondere des Dich­ters hinausgeht. Und das nicht nur hier. Es ist eine der großen Grund­metaphern der gesamten Neuzeit, daß das Tun des Dichters wie ein Exempel des Menschseins selber ist. Das Wort, das dem Dichter gelingt und dem er Bestand verleiht, ist nicht sein spezielles artistisches Gelingen, sondern ein Inbegriff menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten überhaupt, der dem Leser erlaubt, das Ich zu sein, das der Dichter ist. In unseren Versen sind Ich und Du in einer geheimen Kameradschaft des Gelingens beschrieben, die nicht nur die des Dichters und seines Genius oder Got­tes ist. Da ist nicht ein beschwerendes Wesen, Mensch oder Gott, das da Wortschatten auflädt, die die Freiheit beengen. In diesem Gedicht, das ein eigenes Gelingen dichterischer Existenz meinen mag, kommt in Wahrheit zur Aussage, wer Ich ist, indem deutlich wird, wer Du ist. Wenn diese Verse uns dieses Zueinander präsent machen, dann rückt ein jeder von uns in eben den Bezug ein, den der Dichter als den seinen aus­sagt. Wer bin ich und wer bist Du? Das ist eine Frage, auf die das Ge­dicht seine eigene Antwort dadurch gibt, daß es die Frage offenhält.

Quelle: Die Zeit Jesu. Festschrift für Heinrich Schlier, hrsg. v. Günther Bornkamm und Karl Rahner, Freiburg-Basel-Wien: Herder, 1970, S. 306-312.

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