Gerhard Jacobi, Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935): „Wenn der Weg des Brotes für Jesus eine Versuchung war, dann wird er wohl auch eine Versuchung für seine Kirche sein. Das ist er auch, sogar ein höchst verführerischer Weg. Gebt den Menschen Brot, dann werden sie in den Schoß der Kirche kommen. Durch Brot gewinnt man Seelen und Leiber. Die Kirche soll (immer wieder wird es gesagt) nur ordentlich Wohlfahrtspflege treiben, sie soll nicht so viel predigen. Solche Reden sind gerade darum eine Versuchung, weil Liebe, Hilfe, Fürsorge zum Auftrag der Kirche gehören. Der Versucher nimmt Dinge, die zum Glauben gehören. Und doch — wenn die Kirche aus dem Christentum nur Menschenfreundlichkeit machen würde, dann wäre sie nicht mehr Kirche Jesu Christi. Die Kirche hat zu predigen; denn der Glaube kommt aus der Predigt (sagt der Apostel). Sie wird wahrhaftig auch leiblich helfen, so sehr sie kann, und trotzdem hat sie — so hart das klingt — zu sagen: Du Mensch lebst nicht vom Brot allein, und hättest du alles, was diese Erde zu geben vermag, so lebst du deshalb noch lange nicht. Leben, wahrhaft leben kannst du nur von dem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Dieses Wort ist Christus.“

Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935)

Von Pfarrer Gerhard Jacobi, Berlin.

Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, auf daß er von dem Teufel versucht würde. Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. Und der Versucher trat zu ihm und sprach: Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden. Und er antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht.“ Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so laß dich hinab; denn es steht geschrieben: „Er wird seinen Engeln über dir Befehl tun, und sie werden dich auf den Händen tragen, auf daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch geschrieben: „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht versuchen.“ Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir, Satan! denn es steht geschrieben: „Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen.“ Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm.

Jesus Christus im Kampf mit dem Teufel! Das ist für uns, liebe Gemeinde, eine aufwühlende Begebenheit. Selbst an ihn macht sich der Satan heran. Jesus ist nicht erhaben über das Böse, er muß mit dem Bösen kämpfen wie nur irgendein Mensch. Gerade dieses Kämpfenmüssen aber deckt sein volles Menschsein auf. Er, der Sohn des lebendigen Gottes, war wirklich Mensch, „wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren“, und wurde versucht gleichwie wir. Wie sollte uns das nicht im Grunde unserer Seele aufwühlen! — Satan aber verkleidet sich hier, wie so oft, in den Engel des Lichtes, das heißt, er rät nicht zu Schritten, die ohne weiteres als böse anzusprechen wären; er nimmt Dinge, die harmlos aussehen oder sogar gut; er stellt sich scheinbar auf Gottes Seite, er gebraucht Bibelsprüche. Und zwar packt er Jesus bei Dingen des Glaubens, bei Dingen, die zu seinem Beruf als dem Herrn und Retter der Welt gehören. Es ist für Jesus Sache des Glaubens und Sache seines Berufes: Hungrige zu speisen, Not abzuwenden. Darum tritt der Versucher an Jesus heran: Es ist deine Linie, gib ihnen Brot.

Wie kommt es zu dieser Versuchung? Jesus steht am Beginn seines Wirkens. Unermeßlich groß steht die Aufgabe vor ihm: Gott und die Menschen zu verbinden. Aber wie soll das geschehen? Die Menschen leben fern von Gott, getrennt von dem Herrn ihres Lebens, losgelöst von ihrem Schöpfer, wie soll er sie an Gott binden? Was soll er ihnen bringen? Soll er reden, predigen? Da kommt der Versucher: „Nein, das ist zu wenig. Gehe nicht mit leeren Händen zu ihnen, bringe ihnen etwas! Gib ihnen Brot, mache sie satt, und sie werden dir folgen.“

Warum tut Jesus es nicht, warum zieht er nicht auf diese sichere Weise die Menschen zu sich, warum ist es ein satanischer Weg? Die Menschen wären zu Gott gekommen — um des Brotes willen! Sie hätten sich vor Gott gebeugt — um des besseren Daseins willen. Sie hätten auf Gott gehört — um irdischer Dinge willen. Aber zu Gott kommen — das muß geschehen um Gottes willen! Sich unter Gott beugen, das muß allein darum geschehen, weil Gott der übermächtige Herr ist. Gott gehorchen — das hat zu geschehen um seinetwillen, darum, weil er Befehle gibt. Auf Gott hören — das kann nur geschehen um seinetwillen, darum, weil Gott unendliche Güte ist.

Der Weg des Brotes wäre ein satanischer Weg gewesen. Die Menschen wären Jesus gefolgt, um auf Erden glücklicher zu werden, aber nicht, um aus Jesus Gottes Stimme zu hören. Der Mensch lebt aber nicht vom Brote allein, sondern von einem jeglichen Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Bei Jesus Christus ist das Wort zu hören, das aus Gottes Munde geht. Bei ihm allein! Von Gottes Wort leben, von seinem Befehlswort und von seinem Gnadenwort: dazu will Jesus uns bringen. Brüder und Schwestern, nur durch das Wort gibt es Verbindung zwischen Gott und Mensch.

Heute hat die Kirche die Aufgabe, die Menschen für Gott zu gewinnen, richtiger gesagt, sie unter Gottes Herrschaft und unter Gottes Güte zu stellen. Wenn der Weg des Brotes für Jesus eine Versuchung war, dann wird er wohl auch eine Versuchung für seine Kirche sein. Das ist er auch, sogar ein höchst verführerischer Weg. Gebt den Menschen Brot, dann werden sie in den Schoß der Kirche kommen. Durch Brot gewinnt man Seelen und Leiber. Die Kirche soll (immer wieder wird es gesagt) nur ordentlich Wohlfahrtspflege treiben, sie soll nicht so viel predigen. Solche Reden sind gerade darum eine Versuchung, weil Liebe, Hilfe, Fürsorge zum Auftrag der Kirche gehören. Der Versucher nimmt Dinge, die zum Glauben gehören. Und doch — wenn die Kirche aus dem Christentum nur Menschenfreundlichkeit machen würde, dann wäre sie nicht mehr Kirche Jesu Christi. Die Kirche hat zu predigen; denn der Glaube kommt aus der Predigt (sagt der Apostel). Sie wird wahrhaftig auch leiblich helfen, so sehr sie kann, und trotzdem hat sie — so hart das klingt — zu sagen: Du Mensch lebst nicht vom Brot allein, und hättest du alles, was diese Erde zu geben vermag, so lebst du deshalb noch lange nicht. Leben, wahrhaft leben kannst du nur von dem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Dieses Wort ist Christus. Durch Christus lebst du. Durch Christus erfährst du deine Bestimmung, den Sinn deines Lebens. Er ist die Quelle wahren Lebens. Durch Christus erfährst du auch die Heilung der Not. Aber anders heilt er die Not als durch Brot und Sorglosigkeit allein. Durch ihn erhältst du Gott als „Hilfefaust und Trostwort“ (Luther), als Hilfe und Trost mitten in der Not. So heilt er deine Not. Er sagt uns durch die Schrift: Du Einzelner als Kind Gottes und du Kirche als Ganzes, ihr werdet auf dieser Erde keineswegs ein leichtes, sorgloses, satteres Leben führen. Im Gegenteil: Als Bürger zweier Welten werdet ihr auf dieser Erde in Kampf und Not und Sorge hineingestellt und werdet dann doch die Hilfefaust und das Trostwort empfangen.

Die Geschichte der Kirche bestätigt es, sofern es einer Bestätigung bedürfte. Wann hat die Kirche das Größte vollbracht, wann war sie Werkzeug Gottes? Als sie unter Konstantin dem Großen geschützt und gesichert und mit viel Geld versehen war? Als im Mittelalter satte Priester Landesfürsten wurden? Nein, als die Kirche verfolgt war: in der Urchristenheit und im Mittelalter, als Luther unter Acht und Bann stand. Der verfolgte Paul Gerhardt dichtete: „Befiehl du deine Wege.“ In der Not schmiedet Gott sich seine Werkzeuge. In der Not erfährt es der Einzelne und die Kirche: Leben kann man nur von dem Wort, das aus Gottes Munde geht. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Leben können wir nur aus Christus.

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Eine satanische Versuchung ist der Weg des Brotes. Zum zweiten Mal tritt der Versucher an Jesus heran, wieder packt er ihn beim Glauben, diesmal beim Vorsehungsglauben. Jesus hat den Vorsehungsglauben geteilt. Ihr kennt die wunderbaren Stellen: Sehet die Vögel unter dem Himmel, sehet die Lilien auf dem Felde, euer himmlischer Vater weiß, daß ihr Nahrung und Kleidung bedürft. Weil Jesus in diesem Glauben lebte, nimmt der Teufel eine Schriftstelle, die diesen Glauben ausspricht: „Gott wird seinen Engeln befehlen, daß sie dich auf den Händen tragen. So laß dich herab von der Zinne des Tempels.“

Wieder geht es darum: wie soll Jesus die Menschen für Gott gewinnen? Dadurch, daß Gottes Größe sichtbar wird. Die Sichtbarkeit Gottes! O ja, die Menschen würden Gott anbeten, sowie sie seine Herrlichkeit mit leiblichen Augen sehen würden, wenn Jesus vom Tempel herabspränge und Schaden ihm nicht zustieße, so wären sie schnell gewonnen. Sehen wollten die Menschen damals — sehen wollen sie heute.

Jedoch, Gottes Herrlichkeit ist verborgen. Sie kann auf dieser Erde nur geglaubt werden. Zu schauen ist sie nicht. Zweifellos wären die Menschen bestrickt worden, vielleicht wären sie ihm ebenso nachgelaufen wie bei dem Brot; denn der Mensch ist wundersüchtig und begehrt Gott leiblich zu schauen. Aber sie hätten nicht geglaubt. Sie hätten Gott angebetet, solange das Wunder geschah. Doch wenn nachher Not und Tod gekommen wären, so hätte ihnen das vergangene Wunder gar nichts geholfen. Nur der Glaube hilft in Not und Tod, der Glaube an den unsichtbaren und doch wirklichen Gott. Jesus weist die Sichtbarkeit ab. Gott sichtbar machen — das ist vom Teufel, und wenn noch so viele Leute herzulaufen und staunen.

Die gleiche Versuchung bedroht immer die Kirche. Man traut es dem Worte Gottes nicht zu, daß es die Menschen wie ein König unterwirft und sie unter Gottes Macht und Herrlichkeit stellt. Man traut es dem Wort nicht zu, daß es siegreich läuft und in die Welt hineinwirkt. Sowie dieses Zutrauen fehlt, verfällt man auf die Sichtbarkeit. Durch Sichtbares die Menschen für Gott zu gewinnen! Man kann es oft hören und gar nicht nur in der katholischen Kirche: das Volk muß die Kirche sehen, die Kirche muß sich zeigen, es muß von allen glatt verstanden werden, was die Kirche will.

Blickt man in die Geschichte der Kirche, so zeigt sich, daß sie dieser Versuchung allzu oft erlegen ist. Allerhand gibt es da zu sehen: Papst, Kardinäle, Bischöfe als Kurfürsten mit Truppen, Zepter, Kronen, herrliche Gewänder. An so einem Erzbischof von Magdeburg und Mainz war viel zu sehen, und die Leute liefen nur so, wenn er in eine Stadt einzog. Da konnte man sehen, was Kirche ist. Da war Sichtbarkeit vorhanden. Aber wurden die Menschen dadurch vor Gott gestellt? Wurde Gott dadurch der Herr ihres Lebens? Beugten sie sich deshalb vor Gott als dem Richter und Vater? War es nicht gerade jener Mönch in Wittenberg, ausgerechnet ein Bettelmönch, an dem gar nichts zu sehen war, der die Menschen unter Gottes Gericht und Barmherzigkeit, unter Gottes Macht und Herrlichkeit stellte?

Der triumphierenden, sichtbaren Kirche gegenüber steht die Magd des Herrn. Als Magd, die still und treu und unsichtbar ihrem Herrn dient, wollte Luther die Kirche. Die triumphierende Kirche ist eine Versuchung für uns alle. Wer von uns hätte nicht schon manchesmal neidisch auf die katholische Kirche geblickt. Aber laßt euch nicht irre machen, liebe Gemeinde, denkt daran, wer nach dem Neuen Testament zur wahren Kirche gehört. Es ist eine höchst unscheinbare und unsichtbare Schar. Die Armen, Hungernden, Verfolgten preist Jesus selig. Unmündige, Alte, Verachtete, Unedle, Unweise gehören zur ersten Gemeinde Jesu Christi. Fischer, höchst armselige Menschen, an denen nichts zu sehen ist, sind seine Apostel. Die rechte Kirche, die Kirche, die Gott allein als Botin benutzt, ist die, die nach außen gar nicht scheint, die vor der Welt verborgen ist. Und ihre Rede ist so, daß sie vom natürlichen Menschen gar nicht ohne weiteres verstanden werden kann; denn nur die hören, denen der Heilige Geist die Ohren auftut. Zu sehen ist da gar nichts, es muß geglaubt werden, daß Gottes Wort läuft. O Brüder und Schwestern, glaubt es nur felsenfest: Des lebendigen Gottes Wort läuft in die Welt, siegreich, und gestaltet die Welt um. Aber es ist nicht nur des Pfarrers Aufgabe, es ist genau so die eure: das Evangelium zu verkündigen, dem Volk zu sagen: Einer ist Gott allein. Habt ihr Gottes Wort nicht schon als Hilfefaust und Trostwort erfahren? So gebt es nur weiter. Die Menschen hungern darnach. — Das ist der Weg der Kirche.

***

Der Weg des Brotes und der Weg der Sichtbarkeit war eine satanische Versuchung. Auch der dritte Weg ist satanisch: Die Anbetung der Macht, der Reiche der Welt und ihrer Herrlichkeit. Unheimlich, daß auch äußere Macht für Jesus eine Versuchung sein konnte, wie sollen wir das verstehen? Der Versucher faßt Jesus wieder beim Glauben. Jesus ist König, er hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Da tritt die Versuchung an ihn heran: Mit der Macht die Menschen für Gott gewinnen! Unzweifelhaft wären die Menschen Jesus gefolgt, wenn er sich zum Kaiser von Rom gemacht hätte oder römische Legionen hätte hinter sich hermarschieren lassen. Dann brauchte er den Menschen nur zu befehlen, was sie glauben sollten. Und wenn sie nicht glauben wollten, dann konnte er sie zwingen durch das Schwert.

Auch diesen Weg hat Jesus abgelehnt. Wo immer nach Gewalt gegriffen wird, und die Menschen zum Glauben gezwungen werden, da wird der Teufel angebetet. Das sagt die Versuchungsgeschichte. Niemals kann Glaube befohlen werden. In Glaubensdingen ist das Schwert ein Unheil. In freier Entscheidung sollst du dich von Gott rufen lassen. In freier Entscheidung sollst du Gottes Hilfefaust packen und sein Trostwort hören. Nur aus vollem, freiem Herzen heraus kannst du Gott loben, preisen und anbeten. Darum sagt Jesus: Hebe dich weg, Satan. Darum ruft er die Menschen zur Entscheidung auf: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Nun müssen sie sich frei entscheiden. Jesus Christus ruft dich, und nun mußt du dich entscheiden.

Auch diese Versuchung ist eine schwere Versuchung für die Kirche, wie sollte es für sie nicht eine Versuchung sein, da sie es sogar für Jesus war? Wir wissen es aus der Geschichte: Rom nahm das Schwert, ergriff die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit. Priesterherrschaft wurde Weltherrschaft. Und wenn die Menschen nicht glauben konnten, dann gab es Folter und Scheiterhaufen, Reichsacht und Kirchenbann, Ausschluß aus der bürgerlichen Gesellschaft und aus der kirchlichen Gemeinschaft. Heute weiß unsere Nachbarkirche weithin, daß der Heilige Franz von Assisi seinen Protest mit Recht erhoben hat. Wir haben überhaupt keinen Grund, pharisäerhaft auf die katholische Kirche zu blicken, wir wollen uns lieber tiefernst sagen: auch für die evangelische Kirche ist diese Versuchung da. Wer Ohren hat zu hören, der höre: „Hebe dich weg von mir Satan, es steht geschrieben.“ Sowie eine Kirche nicht Gott allein dienen will, sondern die Herrlichkeit der Welt und die Gunst der Masse sucht, ist sie nicht mehr Kirche Christi. Aber Heil der Kirche, die auf die Reiche der Welt verzichtet und Gott allein dient, ihm so dient, wie er es haben will: durch Verkündigung des Wortes!

Das Wort! Seht das doch hier in der Versuchungsgeschichte. Wie weist Jesus die Versuchung ab? Immer durch den strengen Satz: Es steht geschrieben. Streng weist er auf die Schrift, auf das Zeugnis von der Offenbarung Gottes. Daran wollen wir als Kirche uns halten. Es gibt keine andere Richtschnur für das Handeln der Kirche und für das Handeln des Christen. In der Schrift steht der Auftrag der Kirche: predigt vom Reich Gottes an die Welt, Verkündigung der Ewigkeit an die Zeit, Durchdringung des Volkes mit Gottes Gebot, der immer neu zu hörende Anspruch Gottes, der da spricht: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir.

Wenn wir solche Kirche werden — ihr alle seid Kirche und damit aufgerufen zur Verkündigung — dann steht über uns die Verheißung. Wenn aber die Versuchung naht, dann hebt warnend die Hand: Gott allein anbeten! Und, liebe Gemeinde, so allein hilft die Kirche. Wir sehen es doch an Jesus Christus: er hat geholfen durch sein Wort; er hat mitten in der Passion und am Kreuz die Hand Gottes gespürt, die ihn trug; er hat die größte Herrschaft über die Welt, obwohl er als Kind in der Krippe geboren wurde, arm und verachtet über die Erde ging und am Kreuz starb. So und gerade so hat er die Menschen dazu gebracht, daß sie Gott dienten und lobten. Die Kirche, die allein Gottes Wort verkündigt, wird helfen, ganz wirklich und stark. Die Kirche, die nicht auf Welt und Menschen baut, wird auch im Leid fröhlich Gott preisen. Diese Kirche wird bei aller Niedrigkeit und Armut mehr Kraft und Mut wirken als alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, denn sie ist Gottes Werkzeug auf Erden.

Liebe Brüder und Schwestern, um diese Kirche wollen wir kämpfen. Um diese Kirche wollen wir beten, — beten zu dem, der der einzige Herr der Kirche ist: Jesus Christus.

?Gehalten am Sonntag Invokavit, 10. März 1935, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin-Charlottenburg?

Quelle: Bekenntnis Predigten, hrsg. v. Julius Sammetreuther, Heft 6, München: Chr. Kaiser, o.J. [1935], S. 11-18.

Hier der Text als pdf.

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