Stewart W. Herman über die Evangelisch-lutherische Kirchen in Bayern 1945: „Das kirchliche Leben scheint gesünder zu sein als in vielen anderen Teilen des Landes, aber es gibt keine Anzeichen für einen stark evangelischen (evangelical) Trend, der in den kommenden Jahren für das ganze Land führend sein könnte. Bayern bleibt die Hochburg des Konservatismus, der sich radikalen Veränderungen in jeder Richtung widersetzt.“

Stewart Winfield Herman, Jr. (1909-2006), US-amerikanischer lutherischer Pastor im Dienst des Office of Strategic Services (OSS) über seine Gespräche vom Oktober 1945 mit leitenden Kirchenleuten der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern:

Ich habe den Eindruck, dass die bayerische Kirche weniger geneigt ist, sich von ihren NS-Parteipfarrern zu trennen, als dies in anderen deutschen Kirchen der Fall ist. Einer der triftigen Gründe mag darin liegen, dass es in Bayern vergleichsweise weniger Deutsche Christen gibt als in anderen Ländern (provinces), vor allem wegen der strengen lutherischen Disziplin, in deren Mittelpunkt der Bischof steht, der sich während des Krieges einmal im Monat mit seinen Kreisdekanen traf. Das kirchliche Leben scheint gesünder zu sein als in vielen anderen Teilen des Landes, aber es gibt keine Anzeichen für einen stark evangelischen (evangelical) Trend, der in den kommenden Jahren für das ganze Land führend sein könnte. Bayern bleibt die Hochburg des Konservatismus, der sich radikalen Veränderungen in jeder Richtung widersetzt. Mit anderen Worten: Die Zukunft der bayerischen Kirche wird ebenso wenig von der bekennenden Bewegung geprägt sein, wie sie in der Vergangenheit von den Deutschen Christen geprägt wurde. Dass Bischof Meiser Mitglied der neuen Kirchenregierung ist, mag für die Kirchenregierung von Vorteil sein, dürfte aber vor allem für ihn und die bayerische Kirche von Vorteil sein.

Quelle: Clemens Vollnhals (Hrsg.), Die Evangelische Kirche nach dem Zusammenbruch. Berichte ausländischer Beobachter aus dem Jahre 1945, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1988, S. 178.

Hinterlasse einen Kommentar