Von Bernhard Waldenfels
1. Allgemeine Umrisse
a) Entstehung und Eigenart. Der Terminus Phänomenologie taucht seit dem 18. Jh. wiederholt in philosophischen und wissenschaftlichen Zusammenhängen auf, doch erst bei Edmund Husserl (1859-1938) können wir von einer Philosophie sprechen, die sich selber als Phänomenologie darstellt. Die Parole „Zurück zu den Sachen selbst“, die er seit der Jahrhundertwende ausgibt, bedeutet zunächst einen methodischen Appell. Gegenüber den konstruktivistischen Überbauten des Neukantianismus, den positivistischen Verkürzungen der Erfahrung und der historistischen Zerfaserung der Vernunft pocht Husserl auf die Eigenart und Vielfalt unserer Erfahrungen, die in anschaulichem Aufweis des Gegebenen zu ihrem Recht kommen sollen. Doch die daraus resultierende Blickschulung und Beschreibungskunst wäre über eine Erneuerung des wissenschaftlichen Forschungsethos kaum hinausgelangt und im Intuitionismus und Deskriptivismus einer „Bilderbuchphänomenologie“ steckengeblieben, hätte sie nicht eine theoretische Verankerung gefunden in der Verklammerung des methodischen Wie mit dem sachhaltigen Was. Die „Wissenschaft von Phänomenen“ (Husserl, Ideen I, Einl.) hat es nicht geradewegs mit der Sache an sich zu tun, aber auch nicht mit bloßer Erscheinung oder gar mit bloßem Schein, sondern mit der Art und Weise, wie etwas gegeben und gemeint ist, oder in der Formulierung Μ. Heideggers (Sein und Zeit § 7): wie sich etwas an sich selbst zeigt. Die phänomenale Welt ist keine Welt bloßen Augenscheins, sondern die Welt selber, wie sie unter bestimmten Umständen diesem oder jenem so oder so erscheint. Subjektivität und Objektivität sind eingelassen in ein einziges „welterfahrendes Leben“.
b) Kategorien und Methoden. Das Erfahrungsgeschehen findet seine Artikulation in einer Reihe durchgängiger Bestimmungen. An erster Stelle steht die Doppelheit von Sinn und Intention. In unserer Erfahrung haben wir es weder mit rohen Sinnesdaten zu tun noch mit fertigen Verstandesformen, vielmehr begegnet uns jeweils etwas als etwas, in einem bestimmten Sinn, einer typischen Gestalt, einer Regelstruktur. Umgekehrt ist unser Erleben und Verhalten niemals ein bloßes psychisches Ereignis oder eine physische Reaktion, sondern als Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern, Entscheiden, Hantieren, Billigen oder Lieben ist es in sich selbst auf anderes gerichtet, das es in spezifischem Sinne „meint“. Dieses intentionale Geschehen zeigt ein Gefälle von Sachnähe und Sachferne und kulminiert in der leibhaftigen Gegenwart des Gemeinten, die unsere Wahrheitsansprüche erfüllt oder enttäuscht. Der gemeinte Sinn läßt sich durch Variation der faktischen Erfahrungsbedingungen auf invariante Wesensstrukturen reduzieren, die einerseits einen formal-ontologischen Rahmen, andererseits materiale Sinnregionen umschreiben. Zudem ist jeder Sinn eingebettet in Sinnhorizonte, die sich zu räumlichen, zeitlichen, thematischen, sprachlichen, praktischen und kommunikativen Zusammenhängen ausweiten und auf den umfassenden Horizont der Lebenswelt verweisen. Schließlich weist jeder Sinn zurück auf eine Sinngenesis, d. h. eine innere Geschichte aus Sinnstiftung, Sinnerwerb, Sinnverwandlung, Sinnverdunkelung und Sinnerneuerung.
Den genannten Artikulationsformen entspricht ein Gefüge verschiedener Methoden. Die phänomenologische Reduktion oder Epoche reduziert alles Gegebene auf seine pure Phänomenalität, indem sie alle transzendierenden Vorannahmen suspendiert. Die eidetische Reduktion versetzt das Tatsächliche durch imaginative Variation in seine Wesensgestalt. Die intentionale Analyse legt den Sinn der Erfahrungen kontextuell aus, während die genetische Analyse die statischen Zuordnungen in Konstitutionsprozesse zurückverwandelt.
c) Spielarten. Die weltweite Ausbreitung der phänomenologischen Bewegung führte zu mannigfaltigen Abwandlungen und Umbildungen, an denen vor allem Μ. Scheler und Heidegger in Deutschland, Jean-Paul Sartre, Maurice Merleau-Ponty, Emmanuel Levinas, Paul Ricœur und Jacques Derrida in Frankreich und Alfred Schütz sowie Aron Gurwitsch in den USA ihren prägenden Anteil haben. Insgesamt läßt sich die Phänomenologie mit Merleau-Ponty charakterisieren als Suche nach dem Sinn von Welt und Geschichte in statu nascendi. Den offenen Horizonten der Erfahrung entspricht eine Welt, die nie fertig, und ein Ausdruck, der nie abgeschlossen ist. Doch tun sich bedeutsame Unterschiede auf je nachdem, wie Art und Ort der Phänomenalität bestimmt werden. Man kann grob unterscheiden zwischen einer ontologischen Phänomenologie, die den Sinn in den Strukturen der Wirklichkeit sucht (Göttinger und Münchener Kreis), einer transzendentalen Phänomenologie, die auf konstitutive Leistungen des Bewußtseins zurückgreift (Husserl, Gurwitsch) und den verschiedenen Formen einer existentialen Phänomenologie, die den Sinn im Seinsverständnis des Daseins (Heidegger), in den freien Entwürfen der Existenz (Sartre), in den anonymen Vorgaben des Leibes (Merleau-Ponty) oder im leibhaftigen „face-à-face“ (Lévinas) verankert sieht, verwandt darin der phänomenologisch angeleiteten Anthropologie eines Scheler und Helmuth Plessner und im Falle der französischen Autoren vielfach verquickt mit G.W.F. Hegels „Phänomenologie des Geistes“ (in der Lesart von A. Kojève). Allerdings zielen die letztgenannten Versuche durchweg über eine reine Phänomenologie hinaus, sei es in Richtung auf ein Seinsdenken (Heidegger), eine marxistische Anthropologie (Sartre), eine strukturelle Ontologie (Merleau-Ponty), eine am Andern orientierte Ethik (Lévinas). Ähnliches gilt für die Mischform einer hermeneutischen Phänomenologie, die den Sinn aus der Entzifferung von Texten, Symbolen und Metaphern gewinnt (Hans-Georg Gadamer, der späte Ricœur) oder ihn gänzlich einer Textualität anheimstellt (Derrida). Die Grenzen zur Existenzphilosophie, zur Hermeneutik, zum Marxismus und zum sog. (Post-)Strukturalismus sind vielfach fließend.
2. Thematische Leitfäden für Ethik und Sozialphilosophie
a) Ethische Werte und Gemeinschaftsformen. Schon Husserl ergänzt die theoretische Einstellung auf pure Sachen durch sachlich fundierte, aber eigenständige und eigengesetzliche Einstellungen des Handelns und Wertens. Alexander Pfänder und später Ricœur sind ihm darin in ihrer Philosophie des Wollens gefolgt. Bei Scheler verbindet sich der Rückgang auf ein originäres „Wertfühlen“ mit der eidetischen Herauspräparierung reiner Wesenheiten und Wesenszusammenhänge. Daraus resultiert eine materiale Wertethik, die in ihre hierarchische Gliederung auch intime und öffentliche Gemeinschaftsformen bis hin zu Staat und Kirche einbezieht. Daß dieser Versuch, der sich bei Dietrich v. Hildebrand und Nicolai Hartmann auf verschiedene Weise fortsetzt, bei aller Belebung und Verfeinerung des ethischen Gespürs wenig dauerhaft war, hat verschiedene Gründe. Man hat bemängelt, daß es dieser Werterfassung an verbindlichen Kriterien fehlt, oder daß die Werte von ihrem natürlichen und historischen Wurzelboden abgelöst werden, oder man wendet mit Heidegger ein, daß Werte überhaupt nur ein Kompensat sind für die neuzeitliche Verflachung des Seins zur bloßen Vorhandenheit.
b) Leiblichkeit – Intersubjektivität – Sozialität. Ein weiterer Leitfaden, der vor allem von den Vertretern einer existentialen Phänomenologie aufgegriffen wurde, heftet sich an die Leiblichkeit, durch die sich das Subjekt der Welt, die es erfährt und bearbeitet, zugehörig weiß. Diese Konkretisierung des Subjekts weitet sich bei Husserl aus zu einer Intersubjektivität wechselseitiger Fremderfahrung und gemeinsamer Welterfahrung, die ihrerseits eingebettet ist in anonyme Formen der Sozialität. Eine Schwierigkeit, die auch in den Nachlaß-Reflexionen (s. Husserliana Bd. 13-15. 1973) nicht behoben wird, liegt in der Zentrierung der Sozialwelt auf ein konstitutives „Ur-Ich“ (Krisis, S. 188) ein „transzendentaler Solipsismus“, der in Heideggers „existenzialem Solipsismus“ (Sein und Zeit, § 40) nochmals anklingt und sich dort in einer schroffen Entgegensetzung von „eigentlicher“ Existenz und „uneigentlichem“ Man auswirkt. Doch fehlt es auch nicht an Gegenmotiven. So die Instanz des Andern, dessen Blick schon bei Sartre die konstitutiven Leistungen des Ich überschreitet und der bei Lévinas eine noch radikalere Form annimmt: Im Antlitz des Andern erhebt sich ein Anspruch, der alle ontologischen und sozialen Ordnungen sprengt und zum Brennpunkt einer neuartigen Verantwortungs-Ethik wird. Hinzu kommt bei Scheler die Verankerung des Zwischenmenschlichen in einer affektiven Symbiose und bei Merleau-Ponty die Verwandlung der Intersubjektivität in eine Zwischenleiblichkeit, die sich zu einer institutionellen Zwischenwelt verdichtet. Die mitmenschlichen Begegnungen laufen über variable Milieus (Scheler, Gurwitsch) und verstricken den Einzelnen in Geschichten (Wilhelm Schapp). Die Einbettung der „Werte“ in offen-vieldeutige Situationen und Handlungsfelder nötigen schließlich zur Annahme einer gesellschaftlichen Einbildungskraft (Cornelius Castoriadis), die ebenso erfinderisch ist wie die theoretische.
c) Lebenswelt und Geschichte. Besondere Wirkung hat bis heute das Motiv der Lebenswelt, das erstmals in Husserls „Krisis“-Schrift (1936, postum 1954) in vollen Tönen anklingt. Die Lebenswelt wird von Husserl eingeführt als unentbehrliches Fundament aller wissenschaftlichen Konstruktionen und – wie manche hinzufügen – aller institutionellen Regelungen. Dieser befreiende Rückgriff auf ein vorwissenschaftliches und vorinstitutionelles Leben wird bei Husserl am Ende doch wieder aufgefangen in einer teleologisch ausgerichteten Vernunftgeschichte. Hier fragt es sich, ob nicht die Selektivität und Exklusivität einer jeden Ordnung zur Annahme konkurrierender Lebenswelten zwingt und ob nicht deren Heterogenität ein Ethos erfordert, das mit der Unaufhebbarkeit des Fremdartigen und einem Bodensatz an pensée sauvage (Merleau-Ponty, Claude Lévi-Strauss) rechnet. Die Frage nach den Ordnungen der Lebenswelt, die es gibt (Heidegger, Merlau-Ponty, Michel Foucault), mündet ein in die Debatte um Grenzen und Differenzen jeglicher Rationalität.
3. Auswirkungen auf Rechts- und Sozialwissenschaften
a) Allgemeine wissenschaftstheoretische Perspektiven. Von ihrer Herkunft her gehören Phänomenologen weder zu den Verächtern noch zu den Nachbetern der Wissenschaften. Die Ansprüche der „Sache selbst“ haben ihre eigene Strenge, die dem Methodenzwang und der Einebnung heterogener Erkenntnisweisen ebenso zuwiderläuft wie dem Kult subjektiver Meinungen. Gegen die Selbstvergessenheit eines Wissenschaftlers, der sich in seinen eigenen Konstruktionen einnistet, setzt Husserl eine Genealogie der Wissenschaften, die neben der wissenschaftlichen Erfindungskraft auch der außerwissenschaftlichen Bewährung und der philosophischen Besinnung Raum läßt. Im übrigen entsprechen den Spielarten der Phänomenologie verschiedene Beziehungen zu den Wissenschaften. Bei den Phänomenologen, die dem frühen Husserl folgen, überwiegt die Suche nach Wesensformen und Wesensgesetzen, die der empirischen Forschung zugrunde liegen, während Husserl selber mehr und mehr die transzendental-historische Genese der Wissenschaften berücksichtigt. Aufs Ganze gesehen hält er an dem alten Anspruch philosophischer Fundierung fest, während Scheler und Heidegger auf verschiedene Weise die Differenz von Denken und Forschen betonen. Bei Merleau-Ponty dagegen kommt es zu einem wechselseitigen Austausch, der durch das Sinnkontinuum leiblicher Erfahrung gewährleistet, durch wechselseitige Antizipationen in Gang gehalten wird und sich vorwiegend auf der mittleren Ebene von Paradigmenbildung und Paradigmenwechsel abspielt.
b) Ordnung von Recht, Staat und Gesellschaft. Für frühe Phänomenologen wie Adolf Reinach, Edith Stein und Gerda Walther legte sich der Versuch nahe, Husserls Grundlegung der Logik in einer Wesenslehre von Recht, Staat und Gesellschaft zu erproben. Der wichtigste Versuch dieser Art, Reinachs „Apriorische Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft“ (1913), findet heute noch Beachtung wegen der Analyse von Anspruch, Verbindlichkeit und Versprechen, die in der Verflechtung von sozialem Akt und Rede auf die Sprechakttheorie vorausdeutet. Im übrigen geht die Rechts-P. andere Wege. Bei Felix Kaufmann und Fritz Schreier führt dies in die Nähe von H. Kelsens reiner Rechtslogik. Gerhart Husserl zeigt sich in seinen Analysen zur Zeitstruktur des Rechts oder zur Körperhaftigkeit des Eigentums besonders empfänglich für die alltägliche Rechtsverwirklichung. Bei Helmut Coing verquickt sich die Wertlehre Schelers und Hartmanns mit einem erneuten Naturrechts-Denken. Die langsam versickernden Wirkungen treten nochmals gesammelt an die Oberfläche im Frankreich der 60er oder 70er Jahre bei Autoren wie Paul Amselek und Suzanne Goyard-Fabre. Epistemologische Schulung und lebensweltliche Orientierung bahnen einen Weg zwischen Logizismus, Naturrechtsdenken und Positivismus; das Juridische schöpft aus präjurid. Quellen, und Normen verbinden sich mit Tatsachen, ohne sich ihnen auszuliefern.
c) Theorie der sozialen Welt. Auch in den Debatten um den Status der neu entstandenen Soziologie, die im Deutschland der Weimarer Zeit geführt wurden, sind Husserl und Scheler höchst gegenwärtig. Doch die einseitige Orientierung am eidetischen Verfahren der Phänomenologie schafft zunächst eine Distanz zur empirischen Forschung. Das führt teils zur Vermengung mit einer Geist- und Lebensmetaphysik (Theodor Litt), teils zur Anlehnung an die formale Soziologie (A. Vierkandt), und wo, wie in Siegfried Kracauers früher phänomenologisch orientierter Studie zur „Soziologie als Wissenschaft“, die Grenzen einer apriorischen Orientierung betont werden, erfolgt der Überschritt zur Empirie in Form direkter Materialstudien, die sich in Kracauers späten Reflexionen zur Geschichte in einer Sympathie für Husserls Konzeption der Lebenswelt auszahlen. Die Kontakte zwischen früher Kritischer Theorie und Phänomenologie knüpfen teils schon an den späten Husserl und an Heidegger an.
Sieht man von diesen sporadischen Anfangsversuchen ab, so war es Alfred Schütz (1899-1959), der – geschult an Henri Bergson, Kelsen, Μ. Weber und Husserl – mit seinem „Sinnhaften Aufbau der sozialen Welt“ (1932) einen wirklichen Durchbruch erzielte. Schütz gelang es, Alltagsverständnis, soziologische Konstruktionen und philosophische Reflexionen in ein fruchtbares Spannungsverhältnis zu bringen. Die Früchte dieses Versuchs reiften während der gemeinsam mit Gurwitsch (1901-73) in den USA durchlebten Emigrantenjahre. Der zunehmende Einfluß berührte nicht nur verwandte Strömungen wie Pragmatismus und Interaktionismus (so etwa bei Anselm Strauss), er förderte auch das Aufkommen neuer Forschungszweige wie der kognitiven Soziologie von Aaron Cicourel und der Ethnométhodologie von Harald Garfinkel. Inzwischen ist vieles davon in die deutschsprachigen Länder zurückgekehrt. In Vereinigung mit den älteren wissenssoziologischen und anthropologischen Forschungen von Scheler, K. Mannheim und Plessner und den gestalttheoretisch angeleiteten Feldtheorien von Gurwitsch und Kurt Lewin und in Verstärkung durch die Erträge der frz. Phänomenologie ist eine bestimmte Art der Sozialforschung entstanden, die auch im Methodenstreit ihren Platz behauptet.
d) Phänomenologisch orientierte Sozialforschung. Der entscheidende Gesichtspunkt einer sozialphänomenologischen Forschung liegt darin, daß das subjektive und intersubjektive Erleben und Verhalten in seiner sinngenerierenden Funktion in die objektive Forschung miteinbezogen wird. Die Rede von einer „Sozialphänomenologie“ ist allerdings nicht unumstritten. Den Vertretern einer phänomenologischen Proto-Soziologie (Thomas Luckmann) stehen andere gegenüber, die – so etwa im Kreis der Ethnomethodologen – einer spezifisch phänomenologischen Soziologie das Wort reden, während wieder andere auf eine phänomenologische Sozialtheorie hinarbeiten, die phänomenologische Aspekte in die empirische Forschung einbringt und eben dadurch den Charakter des „Empirischen“ verändert (Richard Grathoff). In Zusammenarbeit mit Nachbardisziplinen wie Sozialpsychologie, Psychiatrie und Pädagogik entwickelt sich ein Forschungsstil, der einen besonderen Sinn verrät für perspektivische Brechungen, Vieldeutigkeiten, Bruchstellen, Übergänge, Schattierungen und Randzonen. Es bilden sich Forschungsschwerpunkte: so die Ausdifferenzierung der Lebenswelt in Alltagsmilieus, Berufsfelder und Sinnprovinzen; die Ausbildung variabler Ordnungen durch Typisierung und Normalisierung; die leibliche Verankerung von Sinn- und Selbstbildung diesseits sprachlicher Verständigung; die Anonymität sozialer Prozesse, die sich einer eindeutigen subjektiven Zurechnung entziehen u.ä. Die Absage an eine Logozentrik, wie sie in der Rede von „vielfältigen Wirklichkeiten“, verschiedenen „Lebensformen“ oder heterogenen „Diskursen“ durchklingt, wirft freilich Geltungsfragen auf, die auf die Position des Forschers zurückschlagen; denn hors de série ist auch er nicht, es sei denn, er maßt sich selber die schwindende Rolle des großen Weltbetrachters an.
LITERATUR
Zu 1:
Quellentexte:
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Einführungen und Sammelwerke:
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Zu 2 a:
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Zu 2b-c:
W. Schapp, In Geschichten verstrickt. Hamburg 1953, Frankfurt/M. 31985. – Ders., Philosophie der Geschichten. Leer (Ostfriesland) 1959, Neuausg. Frankfurt/M. 1981. – P. L. Entralgo, Teoria y realidad del otro. 2 Bde. Madrid 1961. – Μ. Theunissen, Der Andere. Berlin 1965, 21977. – G. Brand, Die Lebenswelt. Berlin 1971. – B. Waldenfels, Das Zwischenreich des Dialogs. Den Haag 1971. – Lebenswelt und Wissenschaft in der Philosophie E. Husserls. Hg. E. Ströker. Frankfurt/M. 1979. – F. Jacques, Dialogiques. Paris 1979. – B. Waldenfels, In den Netzen der Lebenswelt. Frankfurt/M. 1985. – J. Patoëka, Ausgewählte Sehr. Stuttgart 1987 ff.
Zu 3 b:
F. Kaufmann, Logik und Rechtswissenschaften. Tübingen 1922. – F. Schreier, Grundbegriffe und Grundformen des Rechts. Wien 1924. – E. Stein, Eine Untersuchung über den Staat, in: Jb. für Philosophie und phänomenologische Forschung 7 (1925) 1 ff. – F. Kaufmann, Methodenlehre der Sozialwissenschaften. Wien 1936. – H. Coing, Grundzüge der Rechtsphilosophie. Berlin 1950. – A. Reinach, Zur Phänomenologie des Rechts. München 1953 (Erstdruck 1913). – G. Husserl, Recht und Zeit. Frankfurt/M. 1955. – Ders., Recht und Welt. Frankfurt/M. 1964. – P. Amselek, Méthode phénoménologique et le droit. Paris 1964 (Lit.). – G. Husserl, Person, Sache, Verhalten. Frankfurt/M. 1969. – S. Goyard-Fabre, Essai de critique phénoménologique du droit. Paris 1972 (Lit.). – K. Schuhmann, Husserls Staatsphilosophie. Freiburg i. Br. 1988.
Zu 3c-d:
Quellentexte:
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Weiterführungen:
P. Berger, Th. Luckmann, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Frankfurt/M. 1969. – Phenomenology and the Social Sciences. Hg. Μ. Natanson. 2 Bde. Evanston (Ill.) 1973. – Phenomenological Sociology. Hg. G. Psathas. New York 1973. – Phenomenology and Sociology. Hg. Th. Luckmann. New York 1978. – Intersubjektivität und Sozialität. Hg. R. Grathoff, B. Waldenfels. München 1983 [Int. Forschungsberichte]. – K. Meyer-Drawe, Leiblichkeit und Sozialität. München 1984, 21987. – H. Coenen, Diesseits von subjektivem Sinn und kollektivem Zwang. Schütz, Durkheim, Merleau-Ponty. München 1985. – Leibhaftige Vernunft. Spuren von Merleau-Pontys Denken. Hg. A. Métraux, B. Waldenfels. München 1986. – R. Grathoff, Schütz-Studien. München 1988.
Schriftenreihe:
Phänomenologische Forschungen. Hg. E.W. Orth im Auftrag der Dt. Gesellschaft für phänomenologische Forschung. Freiburg i. Br. 1975 ff.
Quelle: StL7, Bd. 4 (1988), Sp. 378-384.