Predigt zu Apostelgeschichte 10,1-11,18: Es war aber ein Mann zu Cäsarea, mit Namen Kornelius
Von Walter Lüthi
In dieser Geschichte, von der Luther sagt, «sie stehe wie die schöne Sonne uns vor Augen», sehen wir den Geist am Werk, jenen Heiligen Geist, von dem Christus sagt, «er weht, wo er will». Und um das gleich vorweg zu sagen, Petrus und Kornelius, diese beiden hier menschlicherweise Hauptbeteiligten, interessieren hier nicht persönlich-erbaulich, nicht als Privatpersonen, sondern als Vertreter von Welten. Hinter Kornelius steht die Welt des Heidentums, der Völker; hinter Petrus steht Christus und seine Gemeinde. Es handelt sich hier nämlich um nichts Geringeres als um den längst geplanten und nun unmittelbar bevorstehenden Einbruch Christi und seiner Kirche in den Raum der Heidenwelt, im Reiche Gottes ein Ereignis ersten Ranges. Dabei sind Petrus und Kornelius nichts mehr, aber auch nichts weniger als Werkzeuge in Gottes Hand, Gefäße des Heiligen Geistes.
Kornelius ist Stadtrömer, von Beruf Soldat, Offizier im Hauptmannsgrad, jener Garnison zugeteilt, die in der befestigten Hafenstadt Cäsarea an der östlichen Mittelmeerküste stationiert ist. Von hier aus hält Rom die unterworfenen Völker des Vorderen Orients in Schach, unter anderem und vor allem die stets zu Aufständen geneigten Juden. Seiner Herkunft nach gehört Kornelius also zu jenem furchtbaren «Abfall der Jahrtausende, den man kurz Heidentum zu nennen pflegt» (Zündel). Aber Kornelius ist im Heidentum nicht mehr daheim. Er ist ein Suchender, weil Gott ihn sucht. Die angestammte geistige Heimat ist ihm zur Fremde geworden. Eingeschlossen ins Bollwerk des Heidentums, fühlt er sich als Gefangener, der an den Gitterstäben rüttelt. Auf seiner Suche nach Gott findet er ihn bei den Juden, das heißt, ausgerechnet bei dem Volk, das zu unterdrücken und zu bewachen er hergesendet ist. «Fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Haus», erweist er dem Gottesvolk Wohltaten, sein öfteres Fasten ist ein Ausdruck seines Hungerns und Dürstens, und er betet viel. Um diesen seltsamen Offizier einer Besetzungsmacht weht das Geheimnis Gottes. So hat ihn Gott eingereiht in jene beachtliche Schar begnadeter Heiden — in seinem Reiche gibt es begnadete Heiden! —, die er zum Wohl und Nutzen seiner Kinder je und je zurüstet. Mit jenem geheimnisumwobenen Melchisedek, König von Salem, dem Abraham den Zehnten bringt, und der seinerseits Abraham segnet, fängt diese Reihe an. Dann weiß die Bibel von einem Bileam, der Israel fluchen soll und der statt dessen Israel segnet, oder von jener Hure Rahab, die den Kundschaftern «Barmherzigkeit erweist», oder von der Moabiterin Ruth, die ihrer israelitischen Schwiegermutter Treue hält. Hiram, der König von Tyrus, hilft Salomo beim Tempelbau, und die Königin von Saba bringt von fernher ihre Gaben. Naeman, der syrische General, errichtet Gott in seinem Hause einen Altar, und Kyros, der Perserkönig, wird Israels Befreier. Die Weisen aus dem Morgenland bringen dem Christkind ihre Gaben, und der Hauptmann von Kapernaum stiftet eine Synagoge. Eben einer von diesen gottesfürchtigen Heiden, an denen Gottes vorlaufende Gnade sichtbar wird, ist unser Kornelius.
Heute nun, es heißt hier nach einem mehrtägigen Fasten, sieht Kornelius den Engel Gottes, jenen Sonderbeauftragten, den wir schon von Philippus her kennen, in sein Haus eintreten. Dieser meldet ihm, man habe im Himmel ein Auge auf ihn, seine Gebete und seine Almosen seien bis zu Gottes Thron gelangt. Drauf gibt ihm der Engel eine Adresse, er solle sich mit einem gewissen Petrus in Verbindung setzen, der zurzeit sich in Joppe, fünfzig Kilometer südlich von Cäsarea, aufhält, bei einem Gerber Simon, dessen Haus draußen am Strand des Meeres liege. Nachdem der Jenseitige ihn verlassen hat, ruft Kornelius zwei seiner Hausknechte und seine gleichgesinnte Ordonnanz herbei, weiht sie in die eben erfahrene Begegnung ein und sendet sie, ausgerüstet mit den erhaltenen Angaben, nach Joppe. Kornelius verhält sich dabei wie ein Soldat, der den Befehl des Vorgesetzten ausführt, ohne ihn vorerst ganz zu begreifen; aber daß es ein richtiger, ein seriöser Befehl ist, daran zweifelt er keinen Augenblick, davon ist er so sehr überzeugt, daß er sich unverzüglich anschickt, auf den schätzungsweisen Zeitpunkt, da der Gast aus Joppe eintreffen wird, eine großangelegte Einladung seiner Verwandten und Freunde zu veranstalten. Und nun hält dieser römische Offizier in seinem heidnischen Kerker Ausschau nach dem Befreier, wie ein Belagerter nach dem Entsatzheer; er weiß nun, die Stunde der Befreiung ist nah und hat geschlagen. Ach, geschlagen hat sie ja nicht erst jetzt! Schon lang ist es her, seitdem die Engel verkündigten: «Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.» Und nun sind doch auch schon etliche Jahre vergangen, seitdem an jenem Karfreitag die entscheidenden Worte fielen: «Es ist vollbracht.» Was ist vollbracht, wenn nicht eben die Befreiung! die Befreiung des Kornelius ist vollbracht, die Erlösung aller Völker, der ganzen Welt — sie weiß es nur noch nicht, so wie es auch Kornelius noch nicht weiß. Es wird nötig sein, daß ein Bote kommt, es ihm zu sagen. Und siehe, der Bote ist unterwegs; aber wo hält er sich auf? warum säumt er? „ist er am Ende auch — gefangen?
In der Tat, Petrus, der Bote der Freiheit und des Friedens, ist in einem gewissen Sinn auch seinerseits ein Gefangener; zwar nicht in seiner heidnischen, wohl aber in seiner jüdischen Vergangenheit; wie kann man doch in seinem Herkommen befangen und festgelegt, blockiert sein! Zwar hat Petrus die Stunde der großen, einmaligen Befreiung schlagen hören, wie sollte er nicht? War er doch dabei! Zwar hat er vernommen, daß Gott sein Freiheitsangebot auf die ganze Welt ausgedehnt hat: «Gebet hin in alle Welt . . .!» So unmißverständlich umfassend hat der Marschbefehl gelautet. Aber wir können uns kaum eine Vorstellung davon machen, wie unfaßbar diese weltweite Botschaft den Zeugen, die sie zuerst vernahmen, sein mußte. Sie wagen es ganz einfach nicht, zu glauben, daß Christus tatsächlich der Retter der Welt ist. Sie haben schon Mühe genug zu glauben, daß er der Retter Israels ist — wie ungerettet sieht doch dies Volk immer wieder aus! Und nun gar Retter der Welt! Zuviel für ein menschliches Fassungsvermögen. Aber Christus ist nun offenbar entschlossen, die Straße der Heiden zu betreten und das Haus des Heidentums der göttlichen Weltrevolution zu erschließen. Es darf uns nicht wundern, daß es dabei für die erstbeteiligten Menschen wie durch Geburtswehen geht. Sozusagen Handbreite um Handbreite muß ihnen der Blick in die weite Welt geöffnet werden. Zuerst erfolgt der Ausbruch in die Samariterstädte, dann, überfallartig, greift die große Befreiung über auf jenen Kämmerer aus Mohrenland, einen jüdischen Proselyten. Und nun steht der Einbruch in das Haus der Heiden unmittelbar bevor.
Für Petrus ist dies Ereignis derart ungeheuerlich, daß Christus auch ihn vorbereiten und zurüsten muß; und mit welch bemerkenswerter Geduld tut er das! Schon die Reise nach Samarien, als Petrus dem Philippus zu Hilfe eilen mußte, war ein erster Anfang. Die Heilung des gelähmten Äneas in Lydda war ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Und als in Joppe die verstorbene Tabitha dem Tod entrissen wurde, da war das unter anderem und nicht zuletzt ein Volltreffer auf die Befangenheit des Petrus selber, wollte Christus seinem Apostel doch damit bedeuten: Wenn ich ins Reich des Todes einzubrechen vermag, sollte es mir nicht auch möglich sein, die Bollwerke heidnischer Finsternis zu erobern? Und schließlich sieht sich Petrus nun an einem sonderbaren Ort. Das Metier des Gerbers zwingt zum Umgang mit Tierleichen. Darum ist das Gerben nach jüdischem Empfinden ein unreines Gewerbe. Das wird wohl auch der Grund sein, warum das Haus des Gerbers Simon abgesondert am Meer draußen steht. Und ausgerechnet ins Haus eines Gerbers wird nun Petrus vom Heiligen Geist einquartiert. Und da sitzt er nun auf dem Flachdach, beschäftigt mit all den Ereignissen der letzten Wochen. Eine Tote ist aufgestanden — was will der Herr damit? Und wie Petrus um die Mittagszeit betend und fastend in der Stille seiner Freilufteinsamkeit verweilt, hat er, am heiterhellen Tag, bei Wachzustand — nüchterner als er in diesem Augenblick kann man ja gar nicht mehr sein — ein Gesicht. Er sieht sich vom Himmel her eine seltsame Tafel gedeckt, ein Tischtuch mit allerlei greulichen, nicht nur unappetitlichen, sondern für den Juden unreinen Tieren sieht er vom Himmel vor sich niedergelassen, und eine Stimme fordert ihn auf: «Schlachte und iß!» Darauf kann Petrus nur mit einer Gebärde des Entsetzens abwehren: «Niemals!» Aber das Gesicht wiederholt sich. Und wie sich der Apostel wieder weigert, bekommt er den Verweis: «Was Gott gereinigt hat, das mache du nicht gemein!» Und wie das Gesicht ein drittes Mal erscheint und Petrus sich in die furchtbarste Verwirrung versetzt sieht, da hört er von unten Stimmen. Am Hoftor wird gefragt, ob hier ein Mann mit Namen Simon Petrus zu Gast wohne. Es sind die drei Abgesandten des Kornelius, die ihn eben jetzt bitten, nach Cäsarea hinüberzukommen und dort am Wort zu dienen.
Petrus verreist daraufhin nicht sofort. Er wartet einen halben Tag und dann noch eine Nacht. Er hat offenbar Zeit nötig, um das Unfaßbare zu verdauen, das ihm widerfahren ist. Gott hat die Welt als rein erklärt, die unreine, die abgefallene, die gottlose Welt! Auf Grund der am Kreuz erfolgten Reinigung hat Gott das getan. Da am Kreuz ist die Welt reingewaschen, die Welt auch wo sie schmutzig ist, und wo ist sie es nicht? Und nun erlaubt und gebietet Gott seinem Apostel, gestattet und befiehlt es damit allen Gläubigen und auch uns heute morgen, im Glauben die Welt als gewaschen und als rein zu betrachten, und zwar jetzt schon, gleich, ohne Zögern und ohne Ansehen der Person. Das letzte Buch der Bibel redet von jenen Menschen aus allen Völkern, Sprachen und Heiden, von denen es heißt: «Diese sind es, die ihre Kleider gewaschen haben im Blut des Lammes», und es heißt ebendort, daß es eine Schar sei, so groß, daß niemand sie zählen kann. Und von nun an soll Petrus die Völkerwelt mit diesem Glaubensblick anschauen. Das ist es, was ihm in jenem Gesicht angeboten wird. Und damit ist der Weg nach Cäsarea für ihn freigelegt. Freilich wagt er es nicht, dies völlige Neuland ohne Begleitung zu betreten. Er bittet sechs Glaubensbrüder aus Joppe, mit ihm zu kommen. Wie es den zehn Männern (den drei Boten, den sechs Begleitern und Petrus) unterwegs zumute ist, wie sie in Cäsarea erwartet werden, der herzbewegende Empfang durch den Hauptmann und dann die Begegnung mit der harrenden Hausgemeinde, das alles wird man menschlich nur schwer nachempfinden können.
Die Botschaft des Petrus ist schlichtes Christuszeugnis, wie wir es auch aus anderen Petrusreden kennen. Er beginnt mit dem Hinweis auf die Zeugen des Alten Testamentes, wozu er auch das Zeugnis des Täufers rechnet. Dann beschreibt er mit bewegten Worten, wie Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes umhergezogen ist, wohlgetan und gesund gemacht hat alle, die vom Teufel niedergetreten sind, wie man ihn dann ans Holz gehängt und getötet hat; aber sie, die Apostel, sind Zeugen dafür, daß er am dritten Tag auferstanden ist, haben sie doch, und zwar nach seiner Auferstehung, «mit ihm zusammen gegessen und getrunken». Und was Petrus damit bezeugt, ist nicht einfach passe, der Vergangenheit angehörend, es ist sowohl Gegenwart wie auch Zukunft, denn Christus «wird kommen zu richten die Lebendigen und die Toten». Und das alles bedeutet nichts Geringeres, als daß durch diesen Christus die Reinigung der Welt vollbracht ist. Nicht nur sie, die Apostel, sondern mit ihnen zusammen bezeugen schon alle Propheten, daß «durch den Namen Jesu alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen».
Vergebung der Sünden für alle, die an ihn glauben, ausnahmslos, ohne Ansehen der Person: der Himmel sieht uns Menschen an als solche, denen Vergebung widerfahren ist. Vergebung — damit ist das entscheidende Wort gefallen. Es ist, wie wenn der Heilige Geist nur auf dieses Stichwort gewartet hätte, nun aber kann er nicht mehr länger an sich halten, Petrus wird mitten in seiner Rede unterbrochen, indem der Geist auf die ganze versammelte Hausgemeinde fällt. Die sechs aus Joppe mitgenommenen Judenchristen sind maßlos beeindruckt durch die Tatsache, daß «auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wird». Darauf ordnet Petrus kurzentschlossen die Taufe der Anwesenden an. Zum erstenmal ist damit im Raum des Heidentums gepredigt und getauft worden. Wir aber haben wenig Recht, uns über jene Jünger und Judenchristen in Jerusalem aufzuhalten, die, wie es heißt, mit Petrus zankten, als er einige Tage nach diesem Ereignis nach Jerusalem hinaufkam, vorsorglich in Begleitung der sechs Augenzeugen. Petrus verhält sich dabei durchaus nicht wie ein «erster Papst»; ganz hilflos kann er nur einfach erzählen, was Gott durch den Heiligen Geist, der weht, wo er will, in Cäsarea, zum eigenen anfänglichen Entsetzen des Apostels, gewirkt hat: «Da sie das hörten, schwiegen sie still und lobten Gott und sprachen: So hat Gott auch den Heiden Buße gegeben zum Leben» (Kap. 11,18).
So wirkt der Heilige Geist in dieser Geschichte, die «wie die schöne Sonne uns vor Augen steht». Ja, hier ist nun ein großes Licht, eine Sonne aufgegangen allen, die im Hause sind, und den Draußenstehenden zugleich. Wir beachten, auf welch eigentümliche Weise wir hier den Heiligen Geist am Werk sehen. So wie man eine Kerze an ihren beiden Enden anzünden kann, so wie eine Festungsmauer von innen unterhöhlt und von außen angerannt wird, so wie man einen Tunnel von beiden Seiten des Berges anbohrt, so wirkt der Heilige Geist hier gleichzeitig an der Befreiung des Petrus von seinem Judentum und des Heiden Kornelius. Wo aber wie hier der Heilige Geist die Kirche gegen die Welt hin öffnet und die Welt nach der Kirche hin aufstößt, da fallen die Mauern, jene Mauern, die oft massiver und uneinnehmbarer scheinen als die von Jericho, die Trennungsmauern zwischen Kirche und Welt. Und eben da drum geht es heute: Daß die Christenheit bereit werde, hinzugehen in alle Welt und alle Völker zu Jüngern zu machen, und daß die Welt und die Völker ihrerseits willig werden, sich die «Buße zum Leben schenken zu lassen».
Und nun fehlt es gottlob heute nicht an kräftigen Anzeichen dafür, daß der Heilige Geist nicht nur damals, sondern auch heute in dieser eigentümlichen Zweiseitigkeit am Werk ist. Die Zahl der Kirchenchristen ist im Wachsen, denen es nicht mehr wohl ist hinter den Kirchenmauern. Nicht wenige empfinden heute die totale Isolierung der Kirche von der Welt und leiden darunter. In der ganzen Welt ist innerhalb der Kirchen ein merkbares Suchen und hörbares Fragen erwacht; das Thema «Die Kirche und ihre Entfremdeten» steht immer neu wieder auf den Traktanden kirchlicher Tagungen. Ja dieses Empfinden, im Ghetto der Kirchen gefangen zu sein, erzeugt bei den lebendigsten Gemeindegliedern ein regelrechtes Heimweh nach dem draußenstehenden Bruder, ein Heimweh nach der Straße hin: Bald tritt einer auf und redet das Evangelium in der Art und Sprache des Sportplatzes oder der Jazzbude; hier geht ein Christ in die Dancings, dort sucht einer Kontakt mit dem Kinopublikum, mit der Geschäftswelt oder mit den Politikern. Die ganze Aktion «Zürich wohin?», die in der Woche vor Pfingsten stattfand, ist doch wohl auch im Zeichen dieses Heimwehs der Kirche nach der Straße zu beurteilen. Auf den Deutschen Evangelischen Kirchentagen ereignete sich ein hoffnungsvolles Aufgehen der Kirchtüren nach der Straße hin. So ist der Heilige Geist heute in der Christenheit merkbar am Werk. Wir halten Ausschau nach dem Tag, da dies Heimweh des «Petrus» nach «Kornelius» so stark wird, daß wir alle miteinander es nicht mehr aushalten in unserer kirchlichen Abgeschlossenheit. Und wir dürfen sicher sein, er ist gleichzeitig auch am Werk in der Welt. Manch ein Zeitgenosse ist ein heimlicher «Kornelius», der längst angefangen hat, seine Fühler auszustrecken und seine Boten auszusenden nach einem «Petrus». Es ist ein untrügliches Zeichen des Heiligen Geistes, der außerhalb der Kirchen weht, wenn Gott heute Theaterdichter erweckt, die darauf bedacht sind, daß auf den Brettern der Bühne, wenn auch in anderen Zungen, das gleiche Sünderevangelium verkündigt wird wie auf den Kanzeln der Kirche. So ist der Heilige Geist heute mächtig am Werk auch auf der anderen Seite, an Orten, wo man es nicht ohne weiteres erwartet hätte.
Und wo er beidseitig wirkt, da geht es auch ohne die menschliche Kunst der Anknüpfung; nein, nein, es ist nicht so, wie mancher Kirchenchrist meint: Hier sind wir und wir haben es — dort ist die arme Welt und die hat es nicht. Weder wir noch sie verfügen darüber. Beide, sowohl Petrus wie Kornelius, sind drauf angewiesen, daß der Heilige Geist es ihnen gibt. Wo der Heilige Geist drinnen Fernweh wirkt und draußen Heimweh, da wird heute hier drinnen das Wunder geschehen, daß ein Kornelius mit seinem ganzen Hause Christus findet, sich seines Getauftseins erinnert und den Weg zum Abendmahl findet. Mit Fernweh im Herzen, mit Augen des Glaubens, die nach Bruder Kornelius Ausschau halten, gehen wir jetzt zu jenem Tisch, der so mächtig unvergleichlich dort vorn in der Kirche steht. Wir tun es im Ausblick auf jenes letzte große Abendmahl, bei dem die von der Landstraße und von hinter den Zäunen dabeisein werden. Sie alle sind gerufen, die Heiden und die Juden, zusammen mit uns Christen zu diesem Tisch zu gehen. Der Tisch ist gedeckt. Kommt, liebe Christen, laßt uns jetzt mit Glaubensblick, in der Hoffnung für den fernen Bruder, gemeinsam mit dem Auferstandenen essen und trinken.
Quelle: Walter Lüthi, Die Apostelgeschichte ausgelegt für die Gemeinde, Basel: Verlag Friedrich Reinhardt, 1958, S. 163-173.