Gunda Schneider–Flume, Hoffnung: „Wo es scheint, als käme nichts mehr, / tut sich neue Hoffnung auf, / wider Erwarten / und wider Kalenderansage, / denn Gott kommt da, / wo vermeintlich / nichts mehr kommt.“

Hoffnung[1]

Wo es scheint, als käme nichts mehr,
tut sich neue Hoffnung auf,
wider Erwarten
und wider Kalenderansage,
denn Gott kommt da,
wo vermeintlich
nichts mehr kommt.

Weinen darfst du und klagen
über den Tod des geliebten Menschen,
über Verlust, Zerstörung und Abbruch.
Wissen darfst du,
dass Gottes Liebe
ihn
so wie dich
umfängt.

Und wo das Herz verzagt
und nicht zu hoffen wagt,
wo der Mut fehlt,
auf Zukunft zu setzen,
kommt doch ein Wort dir zu:
Verheißung erwartet dich,
sie wartet auf dich,
bis du einstimmen kannst.
Das ist der Vorschein
des neuen Himmels
der Gerechtigkeit.

Gunda Schneider-Flume

Quelle: Gunda Schneider–Flume, Grundkurs Dogmatik. Nachdenken über Gottes Geschichte, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2. A., 2008, S. 387.


[1] Die folgenden Zeilen wurden angeregt vom Widerspruch zu Ingeborg Bachmanns (1926–1973) Gedicht „Enigma“.

Hier der Text als pdf.

1 Kommentar

  1. Nach deinem gestrigen Beitrag (ich habe ihn ganz gelesen und keine Worte mehr gefunden, nicht einmal zu denken war ich mehr fähig)
    tut mir dieses Gedicht im Herzen wohl, tröstet und lässt mich tief durchatmen.
    Man möchte es allen Menschen zurufen, und ich tue es auch! Ganz besonders im Gedenken an alle, die ihres Lebens, ihrer Liebe und ihrer Hoffnung beraubt wurden. Gott kommt da, wo vermeintlich nichts mehr kommt.

    Danke fürs Teilen und komm gut in den Tag
    Liebe Grüsse Brig

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