Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens (1531-1533)
Von Martin Luther
Allen frommen Christen Gnade und Friede in Christus. Wir haben um diese Ostern des Jahres 1531 unseren deutschen Psalter wiederum überprüft und zum letzten Mal gebessert. Dabei gedenken wir es hinfort bleiben zu lassen. Wie nun derselbige Psalter den Besserwissern1 gefallen werde, da liegt uns nichts dran. Aber weil vielleicht etliche zu unserer Zeit, und noch mehr, so nach uns kommen werden, gute, fromme Herzen, die auch der Sprache kundig und doch des Übersetzens ungeübt sind, sich (daran) stoßen und ärgern möchten, dass wir an vielen Orten so frei von den Buchstaben abgegangen, zuweilen auch anderem Verständnis gefolgt sind, als der Juden Rabbiner und Grammatiker lehren, wollen wir hiermit (dafür die) Ursachen anzeigen, und (sie) mit etlichen Beispielen erklären, auf dass sie sehen, wie wir nicht aus Unverständnis der Sprache, noch aus Unkenntnis der Anmerkungen der Rabbinen, sondern wissentlich und williglich so zu übersetzen uns vorgenommen haben.
Z.B. im 58. Psalm haben wir den 10. Vers so übersetzt: »Ehe eure Dornen reif werden am Dornstrauch, wird sie ein Zorn so frisch wegreißen« usw. Wir wissen gut, dass die jüdischen Rabbinen anders lesen und deuten. Sie machen aus dem hebräischen Wort „sir“ Töpfe, und aus dem Wort „Zorn“ Feuer, und das soll die Bedeutung haben: Ehe denn eure Töpfe der Dornen gewahr werden, und das Fleisch drinnen noch roh ist, so wird sie der Zorn (das Feuer) verbrannt haben; das heißt, wenn die Gottlosen toben, sind sie gleich wie Dornen, die man unter Töpfe legt, und welche das Fleisch gar machen sollen (das ist, die Frommen verderben), dennoch verbrennen sie in sich selbst, ehe solches Fleisch gar wird. Diese Meinung lassen wir gut sein, und ist auch die unsere, haben sie aber so wiedergegeben: Ehe die Dornen reif werden, oder am Dornstrauch zu beachten sind, so kommt der Zorn, das ist, ein Beil oder Axt, und hauet drein, solange sie noch so grün und frisch sind. So sind die Gottlosen mit ihrem Toben wie junge Dornen am Strauche. Die wachsen daher und drohen zu stechen, aber es kommt ein Bauer mit einem Beil drein, ehe sie hart und reif werden zu stechen, und wirft sie nieder wie ein Wetter. Denn Gott läßt die Gottlosen wohl toben, aber sie können ihr Drohen und Toben nicht ausführen; er schickts so, dass sie untergehen müssen, ehe sie es ausrichten, wie (es) Saul, Absalom, Pharao und allen Tyrannen gegangen ist.
Psalm 68 Vers 31 haben wir so übersetzt: »Die da Lust zu Geld haben«;3 wissen wohl, dass die Rabbinen hier das Wort „raze“ (um des Punkts Dagesch willen) anders deuten, obwohl wir in der Meinung fast eins sind, nämlich: dass der Psalm bittet, Gott wolle schelten und wehren dem Tier im Rohr, das da Lust zu Geld hat, das heißt, das um des Geldes willen alles läuft und tut wider Gottes Wort. Was aber solches Tier sei, sagt er selbst: Die Rotte oder der Haufe der Ochsen unter den Kälbern; das heißt, es sind die feisten, reichen Rotten der großen Hansen, die sich im Lande weiden wie die Ochsen in guter Weide oder großem Grase, und haben viel Anhang, wie die Ochsen viel Kühe und Kälber neben sich haben, und die sich auch mit weiden. Solche Tyrannen (und insbesondere meinet er die Priester im jüdischen Volk) fechten und laufen nur um Geldes willen wider Gottes Wort, denn sie besorgen: wo Gottes Wort aufgehen sollte, müßte ihre Pracht und Reichtum zu Boden gehen. Das meinen wir, wenn wir so übersetzen: „Die da Lust zu Geld haben“; die Rabbinen so: „Das da läuft mit den Zertretern um Geldes willen“; das heißt: solch Tier läuft mit den Tyrannen, welche die Frommen zertreten um des Geldes willen.
Psalm 63 Vers 6, da wir vorher den Worten nach so übersetzt haben: „Laß meine Seele voll werden, wie mit Schmalz und Fett, dass mein Mund mit fröhlichen Lippen rühme“, haben wir die hebräischen Worte fahren lassen, weil das kein Deutscher versteht, („Schmalz“ und „Fett“, womit sie „Freude“ meinen: gleichwie ein gesundes, fettes Tier fröhlich, und umgekehrt ein fröhliches Tier fett wird, ein trauriges Tier abnimmt und mager wird, und ein mageres Tier traurig ist), und haben so ein klares Deutsch gegeben: „Das wäre meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben sollte.“ Denn das ist doch Davids Meinung, da er außerhalb der Stadt bleiben und vor Saul fliehen mußte, dass er nicht bei dem Gottesdienst sein konnte, noch das fröhliche Gotteswort hören, welches alle betrübten Herzen tröstet usw.
Psalm 65 Vers 9, da wir zuvor übersetzt haben: „Du machest fröhlich, die ausgehen, beide früh und spät“ haben wir so klar verständlich gemacht: „Du machst fröhlich, was da webet (d.h. sich bewegt), gegen Morgen und gegen Abend.“ Das heißt: Es ist deine Gabe, dass alle Tiere, sowohl Menschen und Vieh morgens früh in gutem Frieden aufstehen, und ein jeglicher fröhlich dahingehet nach seiner Nahrung und zu seiner Arbeit. Da singen die Vögel, da blökt das Vieh, Knecht und Magd gehen zu Felde mit einem Liedlein; desgleichen kommt zum Abend alles wieder heim mit Singen und Blöken. In summa: der Psalm lobt Gott um Frieden und guter Zeit willen. Denn wo Friede und gute Zeit ist, da singt alles und ist fröhlich, und stehen Berg und Tal üppig. Das ist ein großer Segen und Gabe Gottes, der solche Freude gibt. Denn zur Kriegszeit und anderer böser Zeit kann niemand solche Freude geben noch haben.
Dass wir nun hierin und (bei) dergleichen Stellen zuweilen von den Grammatikern und Rabbinen abweichen, soll sich niemand wundern. Denn wir haben (uns an) die Regel gehalten: Wo es die Worte erlaubt haben und ein besseres Verständnis ergeben, da haben wir uns nicht durch die von den Rabbinen gemachte Grammatik zur schlechteren oder anderen Bedeutung zwingen lassen. Wie denn alle Schulmeister lehren: dass nicht der Sinn den Worten, sondern die Worte dem Sinn dienen und folgen sollen.
Was ists Not, über alle Worte solche Rechenschaft zu geben? Wir haben fürwahr keinen Fleiß noch Mühe gespart. Wer’s besser machen kann, dem ists wohl gegönnet. Aber ich nehme an: wenn er unsern Psalter dazu nicht gebraucht, werde er den Psalter so verdeutschen, dass weder viel Deutsch noch Hebräisch darinnen bleibt. Das wirst du daran merken, wenn du unsern Psalter mit dem seinen vergleichen und seine eigene Kunst, d.h. die bei uns gestohlenen Worte, finden wirst. Es ist ein schändlicher, widerwärtiger Mann, Meister Klügling. Wenn er ein Wörtlein finden kann, das wir versehen hätten, (denn wer will so vermessen sein, dass er, gleich als wäre er Christus und der heilige Geist selbst, bei keinem Wort wollte gefehlt haben?) da ist er Meister und »Licht der Welt«, obwohl er weiß, dass wir den ganzen Psalter sonst richtig verdeutscht haben, und er (selbst) nicht einen Vers im ganzen Psalter recht verdeutschen könnte. Es sind Lästerer und Verleumder, das bleiben sie.
Und wie gehet’s doch zu, dass man uns allein so genau untersucht, so doch der alte Psalter, auch Hieronymus und viele andere über die Maßen viel mehr gefehlt haben als wir, sowohl im Griechischen und Lateinischen? Oder, können sie dort so geduldig und gütig sein, wo sie viele Fehler finden, warum sind sie denn hier so giftig und unbarmherzig, wo sie doch viel Gutes finden, welches sie sonst nirgends gefunden haben? Aber es ist die leidige Hoffart und der große Neid Meister Klüglings. Weil derselbe siehet, dass er nichts Gutes machen kann, will er doch damit Ehre erjagen und Meister sein, dass er fremde gute Arbeit lästern und schänden kann. Aber die Zeit wirds bringen. Und was Gott pflanzt, wird bleiben.
So werden sie ihre Kunst ohne Zweifel auch an dem versuchen, da wir als Regel gerühmt haben, dass wir zuweilen die Worte genau beibehalten, zuweilen (aber) allein den Sinn wiedergegeben haben. Hier werden sie zu allererst klügeln und hadern, wie wir solcher Regel nicht recht noch zur rechten Zeit gebraucht haben, obwohl sie vorher von solcher Regel nie etwas gewußt haben, sondern, wie es ihre Art ist: was sie hören, das können sie flugs besser als jedermann.
Ich wollte aber, wenn sie ja so hoch und tief gelehrt wären und ihre Kunst beweisen wollten, sie nähmen das einzige und doch ganz allgemeine Wort »ken« für sich, und gäben mir eine gute deutsche Übersetzung dafür. Fünfzig Gulden will ich dem zahlen, der mir solch ein Wort in der Schrift durch und durch treffend und sicher verdeutscht. Und laßt alle Meister und Klüglinge alle ihre Kunst zusammentun, auf dass sie doch sehen, wie selbst Übersetzen eine sehr viel andere Kunst und Arbeit ist als eines andern Übersetzung tadeln und schulmeistern. Wer unser Dolmetschen nicht haben will, der lasse es; wir dienen damit den Unsern, und die es gerne haben.
Das sei genug vom Dolmetschen. Wir wollen nun den Psalter und die Summarien vornehmen, um den Einfältigen und denjenigen, welche weniger können als wir, anzuzeigen, was ein jeglicher Psalm will und vermag. Es ist darauf zu achten, dass der ganze Psalter fünferlei behandelt, darum wir ihn in fünf Teile teilen:
Erstlich: etliche Psalmen weissagen, z.B. von Christus und der Kirche oder den Heiligen, wie es ihnen gehen soll usw., und hier herein gehören alle Psalmen, da Verheißungen für die Frommen und Drohungen über die Gottlosen drinnen sind.
Zum zweiten sind etliche Lehrpsalmen, die uns lehren, was wir tun und lassen sollen nach dem Gesetz Gottes. Und hierher gehören alle Psalmen, die Menschenlehre verdammen und Gottes Wort preisen.
Zum dritten sind etliche Trostpsalmen, welche die betrübten und leidenden Heiligen stärken und trösten, (und) umgekehrt die Tyrannen schelten und schrecken. Und hier gehören her alle Psalmen, die da trösten, vermahnen, zur Geduld reizen und die Tyrannen schelten.
Zum vierten sind etliche Betpsalmen, darinnen man Gott anruft und (zu ihm) betet in allerlei Not. Und hier gehören her alle Psalmen, die da klagen und trauern und über die Feinde schreien.
Zum fünften sind etliche Dankpsalmen, darinnen man Gott lobt und preiset für allerlei Wohltat und Hilfe. Dahin gehören alle Psalmen, die Gott loben in seinen Werken; und dies sind die vornehmsten, und um derselben willen ist der Psalter gemacht, weshalb er auch im Hebräischen „Sepher Tehillim“ heißt, das ist ein „Lobbuch“ oder „Dankbuch“.
Doch soll man wissen, dass die Psalmen nicht so glatt und genau mit allen Versen in solche Teile geteilt werden können. Denn zuweilen werden in einem Psalm dieser Stücke zwei, drei oder wohl alle fünf gefunden, und gehöret ein Psalm in alle fünf Teile, dass man sowohl Weissagung, Lehre, Trost, Gebet und Dank nebeneinander hat. Sondern das ist die Absicht, dass man wisse, wie der Psalter solche fünf Stücke treibet. Das dienet dazu, dass man den Psalter desto leichter verstehe, und sich drein schicken, ihn auch desto besser lernen und behalten kann.
Der 1. Psalm
ist ein Trostpsalm, der vermahnet uns, dass wir Gottes Wort gern hören und lernen sollen. Und tröstet uns, dass wir groß und viel Gutes davon haben, nämlich, dass alle unsere Worte und Werke sollen glückselig sein wider alle Feinde, gleichwie ein Palmbaum am Wasser grünet und Frucht bringet wider alle Hitze und Frost usw., welches Menschenlehre nicht tut. Sondern wie der Wind die Spreu verweht, so vergehen sie auch. Denn Gott hat auch Gefallen an solchen Schülern seines Wortes (sagt er), aber die andern läßt er untergehen. Und dieser Psalm fließt aus dem dritten Gebot, ja, gehöret auch hinein. Denn daselbst wird geboten, den Sabbat zu feiern, das heißt, Gottes Wort gern hören und lernen. Er wird im Vaterunser in der zweiten und dritten Bitte inbegriffen, da wir um das Reich Gottes und seinen Willen bitten, welches beides durch sein Wort gefordert wird.
Der 2. Psalm
ist eine Weissagung von Christus, wie er leiden und dadurch ein König und Herr der ganzen Welt werden sollte. Und stehen auch drinnen Drohungen wider die weltlichen Könige und Herrn, wie sie zugrunde gehen sollen, wo sie diesem König nicht huldigen und dienen, sondern (ihn) verfolgen und vertilgen wollen; und Verheißung, dass die selig sein sollen, welche an ihn glauben. Und dieser Psalm fließt aus dem ersten Gebot, da Gott verheißt, unser Gott zu sein, der uns aus aller Not helfen und alles Gute tun will; wie er denn durch Christus uns von Sünden, Tod und Hölle erlöset und zum ewigen Leben gebracht hat. Solches bitten wir im Vaterunser in der zweiten Bitte, dass sein Reich komme.
Der 3. Psalm
ist ein Betpsalm, darin uns das Exempel Davids vor Augen gestellt wird, wie derselbe in seiner Not gebetet hat und erhört worden ist, da er von seinem Sohn Absalom verjagt ward. Er preiset am Ende Gott, dass er ein treuer Helfer und Bewahrer aller der Seinen sei, die ihn in allen Nöten anrufen. Er gehöret ins erste Gebot, da Gott unser Gott sein und helfen will, und wird in der siebenten Bitte im Vaterunser inbegriffen, da wir Erlösung von allem Übel erbitten.
Der 4. Psalm
ist ein Trostpsalm. Und daneben betet und lehret er auch. Denn er lehret auf Gott vertrauen, wenns übel gehet, und schilt die Gottlosen, die sich zu den unnützen Göttern und fleischlichem Trost kehren, und nichts leiden, noch auf Gott mit Geduld harren wollen, so er doch der höchste Trost ist; obwohl er solches wunderlich tut bei seinen Heiligen, dass er sie zuvor verläßt, und ihren Glauben und Geduld damit versucht. Aber die Gottlosen wollen den Bauch voll und sicher haben. Wer ihnen von Glauben und Geduld redet, den verspotten und verachten sie, und sagen: Wie sollte uns der Narr sagen, was gut ist? Ja warte, bis dir ein gebratenes Huhn ins Maul fliege, verlasse dich darauf, und mühe dich nicht. Er gehöret auch in das erste Gebot. Denn er lehret und vermahnet, mit Geduld auf Gott zu hoffen und zu vertrauen, wo es an etwas mangelt, und straft die Ungläubigen und Ungeduldigen. Er wird in der dritten und siebenten Bitte (des Vaterunsers) inbegriffen, da wir bitten, dass Gottes Wille geschehe, und wir des Übels los werden (er kann aber auch in die vierte Bitte gehören, da wir um »täglich Brot« bitten, das ist, um Friede und alle Notdurft dieses Lebens, wider allerlei Mangel auf Erden).
Der 5. Psalm
ist ein Betpsalm wider die falschen Lehrer und Rottengeister, darin er beides, ihre gleißende Lehre und (ihr) Werk, womit sie unter dem Namen Gottes dem reinen Wort Gottes und dem rechten Gottesdienst großen Schaden tun, nachdrücklich verklagt. Er bittet für die Frommen, das heißt, für das reine Wort Gottes und rechten Gottesdienst. Er verheißt im letzten Vers Erhörung solchen Gebets und der Rottengeister Verwerfung. Er gehöret in das zweite und dritte Gebot, darin Gottes Name und Wort zu heiligen geboten wird, und in die erste und zweite Bitte im Vaterunser, da auch Gottes Name, Ehre und seines Reiches Besserung erbeten wird.
Der 6. Psalm
ist ein Betpsalm, und klagt über das hohe und rechte heimliche Leiden des Gewissens, das um seiner Sünde willen in Glauben und Hoffnung mit dem Gesetz und Zorn Gottes gemartert und zur Verzweiflung oder Irrglauben getrieben wird; was sonst im Psalter hin und wieder »des Todes Bande« und »der Hölle Stricke«, oder »Todesnot« und »Höllenangst« genannt wird. Aber am Ende zeigt er an, dass solch Gebet erhöret werde, zum tröstlichen Exempel allen, die in solcher Anfechtung sind, dass sie nicht drinnen bleiben sollen, und straft die Übeltäter, das ist, die falschen Heiligen, die im allgemeinen solch betrübte Leute hassen und verfolgen. Denn ihr Trost stehet auf ihrer eigenen Heiligkeit, sie wissen auch nichts von solcher Anfechtung, weshalb sie des reinen Glaubens ärgste Feinde sind. Er gehöret aber in das erste und zweite Gebot; denn er preiset den Kampf des Glaubens an Gott, und betet wider die Sünde und Tod, und ist in der ersten Bitte des Vaterunsers, wie alle andern Betpsalmen; denn beten ist Gottes Namen anrufen und ehren.
Der 7. Psalm
ist auch ein Betpsalm, und klagt über die Lästermäuler, die den Heiligen und ihrer Lehre Schuld geben, dass sie aufrührerisch und Zerstörer der Obrigkeit und des Friedens sein sollen; wie Simei, der Jeminiter, den frommen David in seinem Elende lästert, als hätte er das Reich des Königs Saul eingenommen (2. Sam. 16, 8 ff.), wie die Juden Christus vor Pilatus auch beschuldigten, und jetzt die Lästerer das Evangelium auch schelten. Wider solche Anfechtung ficht er hier mit Beten und klagt Gott seine Unschuld, und zeigt hernach an seinem eigenen Beispiel, wie solches Gebet erhöret sei, uns zum Trost. Und drohet den Lästerern und Tyrannen greulich, und hält ihnen das Exempel des Absalom vor, wie derselbe umkam, ehe er das Böse ausrichtete, das er im Sinn und angefangen hatte. Er gehöret aber auch in das zweite Gebot und in die erste Bitte, wie der 6. Psalm.
Der 8. Psalm
ist eine Weissagung von Christus, seinem Leiden, Auferstehen und Königreich über alle Kreaturen. Und solch Reich solle gestiftet werden durch den Mund der Unmündigen, das heißt: ohne Schwert und Harnisch, allein durchs Wort und den Glauben. Er gehöret in das erste Gebot, da Gott unser Gott sein will, und ist in der zweiten Bitte, wie droben im zweiten Psalm gesagt.
Der 9. Psalm
ist auch eine Weissagung von der Jugend, das heißt, von den neuen Kindern, und von dem Volk Christi, welches die heilige Christenheit ist, wie dieselbe auch nach dem Vorbild Christi leiden und immerdar ihr Blut vergießen muß. Er behandelt aber solche Weissagung in der Form des Dankes und Trosts; so dass er auch wohl ein Dankpsalm und Trostpsalm heißen kann. Denn die Christen, und besonders die heiligen Märtyrer, danken hier Gott und trösten sich, dass sie Gott nicht verläßt, sondern mehret sie immerfort, je mehr sie verfolgt werden, bis von den Verfolgern etliche bekehret und Christen werden, und die andern untergehen. Er gehöret aber in das erste Gebot und in die zweite Bitte, wie droben im achten Psalm gesagt.
Der 10. Psalm
ist ein Betpsalm, und klagt über den Erzfeind solches Reiches Christi, das ist, über den Antichrist, der die Christenheit mit Gewalt und List verstöret, um seines Geizes und seiner Hoffart willen. Er führet beides, das Schwert weltlicher Tyrannei über den Leib und das Netz falscher Lehre über die Seelen, und kann nicht mehr als fluchen, (wie er hier sagt; »sein Mund ist voll Fluchens, Falschheit und Trugs«), das ist: in den Bann tun und verdammen, ferner lügen, das ist: falsche Lehre und Gottesdienst stiften, und betrügen, das ist: alle Welt um Gut, Ehre, Gewalt, Leib und Seele betrügen und prellen. Aber am Ende zeigt er den Trost, dass solcher Greuel mit der Welt Ende ausgerottet werden solle. Er gehöret aber in das zweite Gebot und in die erste Bitte, wie alle Betpsalmen.
Der 11. Psalm
ist ein Betpsalm, der klagt über die Ketzer und falschen Ausleger der Schrift, welche die Leute vom rechten Grund des Glaubens auf ihre Berge, das heißt auf ihre hohe, große Heiligkeit der Werke wegführen, und dazu der rechten Lehrer spotten und sagen: »Was sollte der Gerechte tun?« Aber er tröstet zuletzt damit, dass Gott gewißlich drein sehen werde, damit die falschen Lehrer verdammt und die rechten bleiben sollen, und dass also das Gebet uns zum Vorbild erhöret sei. Er gehöret in das zweite Gebot und in die erste Bitte usw.
Der 12. Psalm
ist ein Betpsalm, und klagt über die Menschenlehrer, die immer neue Fündlein erdenken, und das Reich Gottes mit solchen Gottesdiensten allenthalben erfüllen, wie der letzte Vers klagt. Denn wo Menschenlehre einmal anfängt, da ist kein Aufhören, noch Ende, noch Maß, breitet sich immer mehr und mehr aus, und (die Menschenlehrer) beschweren über alle Maßen die armen Gewissen und machen, dass wenig rechte Heilige bleiben. Dagegen tröstet er, dass Gott sein Heil, das ist sein Wort, erwecken will, welches gar getrost unter solch wertloses Werk menschlicher Lehre stürmet und die gefangenen Gewissen frei machet. Obwohl das ohne Kreuz und Marter nicht zugehet, sondern wie Silber im Feuer geläutert wird, so müssen (die Christen) auch drüber leiden und dadurch immer lauterer werden und die Wahrheit desto klarer erkennen. Er gehöret in das zweite und dritte Gebot und in die erste und zweite Bitte.
Der 13. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Traurigkeit oder Schwermut des Geistes, welche zuweilen vom Teufel selbst kommt, zuweilen auch von Menschen, die wider uns mit bösen Tücken und Praktiken handeln, so dass wir betrübt werden müssen, wenn wir solche große Bosheit wider uns sehen. Aber das Gebet ist stärker als alles Unglück, wie dieser Psalm hier ein Beispiel gibt. Damit sollen wir ja getröstet sein und lernen, uns in allerlei Unfall nicht zu bekümmern und zu betrüben, noch damit uns im Herzen zu quälen und zu plagen, sondern uns zum Gebet zu halten, und solches alles Gott zu klagen, dessen gewiß, dass wir erhöret und endlich erlöset werden, wie Jak. 5, 13 auch sagt: »Leidet jemand unter euch, der bete.« Er gehöret in das zweite Gebot und in die erste und letzte Bitte, da wir vom Übel loszuwerden bitten.
Der 14. Psalm
ist eine Weissagung und ein Lehrpsalm. Der lehret, wie aller Menschen Lehren und Leben ohne Glauben vor Gott eitel Greuel sei, und ihr bester Gottesdienst sei ein reiner Bauchdienst, den sie damit mästen und der Leute Güter fressen. Aber keiner weiß noch verstehet den rechten Gottesdienst, obwohl sie das Gesetz Gottes lehren und rühmen. Ja, sie schänden und lästern das Wort Gottes, wenn man sie straft, wollen von der Zuversicht oder dem Glauben auf Gott nichts hören. Da muß auch mit Beten Widerstand geschehen, dass das Evangelium Christi kommen soll, welches erhöret sein soll, wie der letzte Vers sagt. Denn dieser Psalm straft sonderlich die Juden vor Christi Geburt, welche die Leute mit dem Gesetze marterten. Er verheißt oder weissagt das Kommen Christi, da er von der Hilfe aus Zion spricht. Denn aus Zion ist das Evangelium und der Geist gekommen. Er gehöret in das erste und dritte Gebot, denn er preiset Gottes Wort und verheißt Christus, straft auch die Heuchler und Freßlehrer oder Bauchlehrer, und ist in der ersten und zweiten Bitte inbegriffen, da wir um seinen Namen, sein Reich bitten.
Der 15. Psalm
ist ein Lehrpsalm und lehret das Gesetz recht verstehen und ein rechtes gutes Leben, und rechte gute Werke, die Früchte des Geistes und Glaubens, nämlich vor Gott ohne Tadel sein durch rechten Glauben, und recht tun gegen den Nächsten, und der Gottlosen böses Wesen und ihre Heuchelei meiden, da sie mit Gaukelwerken Gott dienen und die rechten Werke unterlassen. Er gehöret in das dritte Gebot, vom Feiertag, darin man Gottes Wort hören und lernen soll, und gehört in die dritte Bitte.
Der 16. Psalm
ist eine Weissagung von Christi Leiden und Auferstehen; wie die Apostel Apg. 2, 25 und 13, 35 diesen Psalm gewaltiglich gebraucht haben. Und bezeuget klar, dass er das alte Gesetz mit seinen Opfern und Gottesdienst als eine Abgötterei usw. verwerfen, und andere Heilige und (ein anderes) Volk zum schönen Erbe erwählen wolle. Er gehöret in das erste, zweite und dritte Gebot, denn er verkündigt Gottes neue Ehre, Werk, Wort und Dienst, so in Christus nach dem alten Gottesdienst in die Welt kommen sollte, und ist in der ersten und zweite Bitte usw. enthalten,
Der 17. Psalm
ist ein Betpsalm, und klagt über die falschen Lehrer und sauberen Heiligen, die mit Menschenlehren und Werken vom Wort Gottes wegführen, und die rechten Lehrer verfolgen, auch das Kreuz Christi hassen, mit ihren Lehren und Werken suchen, wie sie nur hier auf Erden Gut, Ehre und Friede haben mögen, und ja nichts zu leiden noch zu entbehren brauchen. Er gehöret in das zweite und dritte Gebot und in die erste Bitte, dass sein Wort und Name geheiliget werde.
Der 18. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin David Gott dankt (wie die Überschrift anzeigt), dass er von allen seinen Feinden erlöst ist. Und ich teile ihn in vier Teile nach seinen viererlei Feinden: Saul, die Heiden, Absalom und die Aufrührer. Im Anfang, in den ersten sechs Versen, erzählet er, wie ihm in seinen Nöten so wehe gewesen sei, daraus ihm Gott geholfen habe. Darauf, im siebenten Vers, nimmt er auf das Exempel Bezug, (nach der Propheten Weise), wie Gott zu helfen pflegt, wie er es z.B. in Ägypten getan hat usw. Danach, im achtzehnten Vers, fängt er an vom ersten Feinde, nämlich Saul, der ihm viel Leides tat um Gottes Worts willen, durch das er zum Könige erwählt war. Im dreißigsten Vers lobet er Gott der andern Feinde, des hoffärtigen Goliath, der Philister, Amalekiter und anderer Heiden halber. Im vierunddreißigsten Vers berührt er den dritten Feind, seinen Sohn Absalom mit seinem Anhang. Und zuletzt, im vierundvierzigsten Vers, danket er wider die Ungehorsamkeit und Aufrührer, wie es Ziba (2. Sam. 16) und fast das ganze Israel war; denn er hatte viel neidische und gehässige Untertanen, so dass auch die fremden Heiden (wie er hier sagt) gehorsamer waren als sein eigenes Volk.
So mag ein jeglicher diesen Psalm zum Exempel brauchen, Gott zu danken für die Hilfe, wenn ihn Gott aus seinen Nöten errettet hat. Wer es aber geistlich deuten will, mag aus David Christus machen, aus Saul die Juden, aus den Heiden die Tyrannen, aus Absalom die Ketzer, aus den Ungehorsamen die falschen Christen, von welchen allen Christus und die Seinen endlich doch erlöset werden. Er gehört in das zweite Gebot und in die erste Bitte, denn er danket Gott und preiset seinen heiligen Namen.
Der 19. Psalm
ist eine Weissagung vom Evangelium, wie das in alle Welt ausgehen sollte, soweit der Himmel ist, und alle Tage und Nacht getrieben werden, dazu nicht allein in der jüdischen, sondern in allen Sprachen. Gleichwie die Sonne, (die er zum Vergleich anführet), an allen Orten scheinet und wärmet um und um, ebenso solle auch das neue Gesetz des Evangeliums leuchten, alle alles lehren, erleuchten, trösten, reinigen usw. Und damit hebt er zugleich das alte Gesetz auf, welches nicht so rein, helle, lieblich und unvergänglich war usw. Er gehöret in das dritte Gebot, denn er verkündigt den rechten Sabbat, da Gottes Wort gelehret und geglaubt werden soll.
Der 20. Psalm
ist ein Betpsalm, und betet eigentlich für Kaiser, Könige, Fürsten, Herrn und alle, die zu weltlicher Obrigkeit gehören, dass ihnen Gott Gnade verleihen wollte, friedlich und recht zu regieren, und Glück und Sieg wider ihre Feinde zu haben. Denn wenn ein gutes weltliches Regiment in der Fürsten und Herrn Vernunft und Macht stünde, brauchte man nicht so ernstlich und herzlich für sie zu beten. Dass man aber so für sie bitten muß, zeiget an, dass das die größten Narren und ganz blind sind, die sich vermessen, Land und Leute aus ihrem eigenen Kopf zu regieren. Er gehöret in das zweite Gebot, wie alle Betpsalmen; denn da ruft man Gottes Namen an. Er gehört zur dritten Bitte, dass Gottes Wille, und nicht des Teufels geschehen solle.
Der 21. Psalm
ist eine Weissagung von Christi Königreich, das da ewiglich und geistlich vor Gott sein und bleiben soll. Daneben verkündiget er auch, dass der Juden Reich zerstört werden sollte, deshalb weil sie solchem Willen Gottes widerstrebten und den König kreuzigten. Daher sind sie nun in die Flucht geschlagen, die immer leiden und nichts damit gewinnen.11 Er gehöret in das erste Gebot und in die zweite Bitte, denn er verkündigt einen neuen Gottesdienst und (ein neues) Reich.
Der 22. Psalm
ist eine Weissagung vom Leiden, Auferstehen Christi und vom Evangelium, das die ganze Welt hören und annehmen sollte. Und vor aller anderen Schrift deutet er klar auf Christi Marter am Kreuz hin, wie ihm Hände und Füße durchbohrt und seine Glieder ausgereckt sind, dass man sie (durch die Haut hindurch) hätte zählen können. Solchesgleichen findet man nirgends in den anderen Propheten so klar, und (deshalb) ist er auch der Hauptpsalmen einer. Er gehöret in das erste Gebot, denn er verkündigt neuen Gottesdienst und ist in der ersten und zweiten Bitte inbegriffen.
Der 23. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin ein christliches Herz Gott lobet und dankt, dass er es lehret und auf rechtem Wege erhält, und es in aller Not durch sein heiliges Wort tröstet und schützt. Es vergleicht sich einem Schaf, das ein treuer Hirte in frischem Grase und am kühlen Wasser recht weidet. Es zieht den Tisch, Kelch und Öl auch aus dem Alten Testament und dem Gottesdienst zum Vergleich heran und nennt es alles Gottes Wort, wie ers auch Stecken, Stab, Gras, Wasser und rechten Weg nennt. Er gehöret in das dritte Gebot und in die zweite Bitte.
Der 24. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi, für alle Welt zukünftig, und vermahnet die Pforten der Welt, das ist, Könige und Fürsten, dass sie dem Reich Christi Raum geben sollen; denn sie sinds, die am meisten dawider toben (Psalm 2, 12) und sprechen: »Wer ist dieser König der Ehren?« Als wollten sie sagen: Der Bettler, ja, der Ketzer, der Schächer, sollte der ein König sein, und wir sollten ihm weichen und gehorchen? Wir wollens nicht tun usw. So verkündigt er gleichzeitig mit, dass Gottes Wort verdammt und verfolgt sein müsse. Er gehöret in das erste Gebot und wohl in alle drei Gebote und Bitten.
Der 25. Psalm
ist ein Betpsalm. Darin bittet der Gerechte, dass ihn Gott fromm machen, ihm alle Sünde vergeben und ihn vor Sünde und Schande behüten, ihn auch zuletzt von allen Feinden und Übel erlösen wollte. Gleichzeitig greift er die falschen sichern Geister und Lehrer an. Er gehöret in das zweite Gebot und in die zweite Bitte.
Der 26. Psalm
ist ein Betpsalm, und klagt über die falschen Heiligen, die durch des Gesetzes Werk fromm sein wollen, und die Heiligen verdammen, welche allein durch Gottes Güte und Gnade fromm werden, und beschuldigt sie daneben, dass sie gern Geschenke nehmen. Denn solche Heiligen sind gewißlich alle eitel Geizhälse, und ihr Bauch ist ihr Gott, wie Paulus Phil. 3, 19 sagt. Sie sind aber schädlich mit ihrem geistlichen, betrügerischen Schein und weltlicher Ehre. Darum ist wohl zu bitten, dass sie uns nicht betrügen. Er gehöret in das dritte Gebot und in die erste und zweite Bitte, denn er redet von Gottes Dienst und Reich.
Der 27. Psalm
ist ein Dankpsalm. Doch daneben betet und tröstet er auch viel wider die falschen Lehrer, welche er falsche Zeugen nennet, die ohne alle Scheu freveln. Denn es sind gar tolle, vermessene Heilige, zeugen gar sicher und frech von Gott, wozu sie doch keinen Auftrag haben. Wie wir täglich sehen: je toller und ungelehrter die Leute sind, desto kühner und frecher sind sie zu predigen und alle Welt zu lehren. Niemand kann etwas, sie allein wissen alles; richten auch wohl Krieg und Aufruhr an wider die rechten Heiligen und Gottesfürchtigen. Er gehöret in das zweite und erste Gebot und in die erste und zweite Bitte.
Der 28. Psalm
ist ein Betpsalm, welchen David zu seiner Zeit wider Saul und dergleichen gebetet haben mag, insbesondere gegen die Bosheit, da sie ihm zuweilen gute Worte gaben und sich freundlich stellten, und ihm doch nach dem Leben trachteten. Wie hernach Absalom auch tat (2. Sam. 15 ff.), und Joab gegen Amasa (2. Sam. 20, 10) und Abner (2. Sam. 3, 27), so dass sich David sorget, Gott möchte es ihm zurechnen, und darum bittet, dass er ihn nicht mit den Gottlosen hinraffe. Wir können zu ihm beten sowohl wider die Tyrannen wie gegen die Rottengeister. Denn die Tyrannen stellen sich freundlich und sinnen doch täglich darauf, wie sie morden und schaden wollen. Die Rottengeister rühmen Gottes Ehre, Wort und Dienst über die Maßen hoch, wollen aller Welt helfen, und sind sehr demütig; suchen aber gleichwohl die Seelen zu verderben und sind die reißenden Wölfe unter den Schafskleidern. Er gehöret in das dritte und zweite Gebot und in die erste und zweite Bitte.
Der 29. Psalm
ist eine Weissagung von dem Evangelium, wie das gewaltig in aller Welt erschallen, und aller Könige, Fürsten, Herren, Völker Weisheit, Heiligkeit und Ruhm zuschanden machen sollte. Und allein Christus sollte der einzige König sein, dem man mit rechter Weisheit und Heiligkeit dienen und (ihn) ehren müßte; wozu er auch die Sintflut der Taufe anrichtet, darinnen der alte Adam ersäuft und der neue Mensch erstehet. Die Wüsten, die Wälder, die Hirschkühe nennt er die Länder in der Welt, die unter den Juden und den Heiden waren. Die hat er alle geöffnet und zum Evangelium bekehret. Er gehöret ins dritte Gebot und in die zweite Bitte.
Der 30. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er dankt, dass Gott ihn von der großen geistlichen Anfechtung des Teufels erlöset, welche ist Traurigkeit, Schwermut, Erschrecken, Verzagen, Zweifeln, Todesnot und dergleichen vergiftete, feurige Pfeile des Teufels. Er tröstet daneben zugleich fein, wie Gott (zwar) einen Augenblick zürne, (aber doch) nicht Lust noch Willen an unserm Tode noch Trübsal hat, sondern uns lieber lebendig und fröhlich siehet usw. Er gehöret in das dritte Gebot und in die erste Bitte.
Der 31. Psalm
ist zugleich ein allgemeiner Dankpsalm, Betpsalm und Trostpsalm und wird in der Person (und im Namen) Christi und seiner Heiligen gesprochen, welche ihr Leben lang inwendig mit Zagen und Schrecken, auswendig mit Verfolgung, Lästerung und Verachtung um des Wortes Gottes willen geplagt sind und doch von Gott aus dem allen erlöset und getröstet werden. Er gehöret in das zweite und dritte Gebot und in die erste und dritte Bitte.
Und hier wollen wir damit aufhören anzugeben, in welches Gebot und Bitte ein jeglicher Psalm gehöret. Denn an den vorigen Psalmen hat man Beispiele genug, daran ein jeglicher hinfort selbst leicht erkennen kann, wohin ein jeglicher Psalm gehöret. Nämlich z.B.: die Betpsalmen gehören in das zweite Gebot und in die erste Bitte; denn sie ehren und rufen Gottes Namen an. Die Lehrpsalmen, Trostpsalmen, Dankpsalmen gehören alle in das dritte Gebot, und vielleicht auch in das zweite, und in die erste und dritte Bitte; denn sie heiligen den rechten Sabbat mit rechtem Opfer und Gottesdienst. Und oft gehören viele Psalmen in alle drei Gebote und Bitten.
Wir aber haben solches angezeigt, dass wir lernen sollen, die Gebote Gottes und das Vaterunser wohl zu üben und zu verstehen, wenn wir sehen, wie die lieben Heiligen und Propheten so reichlich und mannigfaltig die ersten drei Gebote und Bitten geredet und getrieben und immer aufs Neue davon gehandelt, und doch nichts Neues gelehret haben und über die Tafeln Mose und das Vaterunser nicht hinausgegangen sind. So dass man begreifen muß, wie alle Schrift und heiliges Leben der Propheten aus den Geboten Gottes geflossen sind und auch darinnen bleiben, und wie sie gar keine neue, andere Lehre aufbringen (wie die falschen Geister und Menschenlehrer tun, wider welche sie am härtesten klagen und auch streiten), sondern die Menschen bei dem Gebot und Wort Gottes lauter und rein behalten und den Irrlehren und andern neuen Irrwegen allezeit wehren wollen.
Der 32. Psalm
ist ein ausbundiger Lehrpsalm, der uns lehrt, was Sünde sei, wie man der Sünde los werde, und wie Gott gerecht sein müsse. Denn die Vernunft weiß nicht, was Sünde ist, und meint mit Werken da mit genug zu tun. Über die sagt er, dass auch alle Heiligen Sünder sind und nicht anders heilig noch selig sein können, denn dass sie sich vor Gott Sünder erkennen und wissen, dass sie ohne Verdienst und Werk, allein aus Gnaden gerecht werden von Gott geachtet. Darum heißt ihre Gerechtigkeit vor Gott die Vergebung unserer Sünde, oder wie er hier sagt: „Sünde nicht zu rechnen, Sünde zu bedecken, Sünde nicht sehen wollen.“ Da stehen die hellen, dürren Worte: „Dass alle Heiligen sind Sünder, leben und bleiben Sünder.“ Aber davon sind sie heilig, dass Gott aus Gnaden solche Sünde nicht anrechnen noch rächen, sondern verzeihen, vergeben und bedeckt haben will. Dass also kein Unterschied sei zwischen Heiligen und Unheiligen. Sie sind alle gleich Sünder und sündigen alle täglich. Nur dass der Heiligen Sünde nicht gerechnet, sondern zugedeckt, der Unheiligen aber gerechnet und ungedeckt bleiben. Eben wie Wunden, die verbunden und sind unverbunden. Dennoch sind sie beide seits wahrhaftig wund, wahrhaftig Sünder. Davon wir in unseren Büchern anderswo reichlich gezeugt haben.
Der 33. Psalm
ist ein Dankpsalm, der in gemein Gott danket für die Wohltat, dass er seinen Gläubigen hilft in allerlei Not und sie nicht lässt stecken. Denn er kann helfen, sintemal er alles geschaffen hat, und nach allem schafft mit einem Wort, als dem nichts unmöglich ist. Dazu ist er auch gütig und treu, dass er helfen will und gerne hilft, wie er verheißen hat im ersten Gebot: „Ich will dein Gott sein.“ Das ist: „Ich will dein Trost, Hilfe, Heil, Leben und alles Gutes sein wider alles, das dir böse sein will.“ Denn das heißt Gott sein. Insonderheit aber danket und rühmet er die gewaltige Wohltat Gottes, dass er aller Welt, auch der Könige, Fürsten etc., Herzen, Gedanken, Sinnen, Zorn und Toben lenket, nicht wie sie wollen, sondern wie er will, und macht auch alle ihre Anschläge endlich zunichte, dass sie nicht ausrichten können, was sie gern wollen, und was sie vorhaben wider die Gerechten zu tun. Das lehret er strack und macht sie zu Knechten. Welches ist eine sonderliche Freude und Trost seiner Heiligen wider das brünstige und unnütze Drohen, Trotzen und Pochen der zornigen Junkerherren und willigen Tyrannen, die da meinen, sie wollen wohl allein mit Drohen alle Heiligen Gottes anrühren und Gott selbst vom Himmel stürzen. Aber ehe sie es zur Hälfte bringen, so liegen sie im Tod.
Siehe an, die da wider Israel stritten, den König Benhadab etc. Und ist unser Trost, wie gar unselig viel Anschläge sie bisher haben verloren.
Der 34. Psalm
ist auch ein Dankpsalm, fast desselbigen Schlages mit dem vorigen, und zieht (wie der Titel und sechste Vers meldet) die Geschichte Davids zum gemeinen Exempel für alle Gerechten, dass sie daran lernen sollen, wie Gott seiner Heiligen Rufen nicht verachtet. Er leret auch daneben, wie wir sollen Gott fürchten und sonst niemand. Danach auch uns hüten vor falscher Lehre, vor Fluchen, Murren und Lästern. Dafür sollen wir Geduld haben und die Sünde viel mehr fliehen denn fluchen, in allem Guten wachsen und das Böse meiden, und also friedlich leben mit allen Leuten (so viel an uns ist), sie seien böse oder fromm. Denn es ist beschlossen (spricht er), dass der Gerechte muss viel leiden, da wird nicht anders aus. Willst du gerecht sein, so schicke dich auch zum Kreuz und leide, da muss sein. Aber wiederum ist’s auch beschlossen, dass der Herr aus dem allen hilft (spricht er), also treulich, dass auch nicht ein Bein verloren noch ausbleiben muss. Ja auch die Haare sind dem Haupte alle gezählet. Denn obwohl der Heiligen Gebeine viel in der Marter zerbrochen sind, etliche auch zu Asche verbrannt, viel auch in den Gräbern verwesen etc., doch müssen sie wieder kommen, und nicht ewiglich zerbrochen sein oder heißen, sondern eine Zeit zerbrochen werden und hernach alle wieder ganz und schöner werden, denn sie gewest sind.
Und merke, dass dies der erste Psalm ist, der von den Engeln sagt, wie sie der Gerechten pflegen und warten, dass sie nicht schlicht bei und um uns sind, sondern wie ein Heer und gerüstete Krieger sich um uns legen (spricht er), ihr Geselle aufs Schlagen, Wachen und Streiten für uns wider den Teufel und seine Glieder. Welches ein großer herrlicher Trost ist allen, die es glauben, wie der Prophet Elisa diesen Vers hernach mit seinem Exempel war und klar macht etc.
Aber dieser Vers zieht genommen aus 1. Mose 32, da die Engel dem Großvater Jakob begegneten, davon er die Stätte nennet „Mahanaim“ oder „Lager“. Denn sie waren seine Geleitleute und lagerten sich um ihn her zum Schutz, wie hier der Psalm sagt.
Der 35. Psalm
ist ein Betpsalm, darin David klagt wider die und über das scheinliche Volk, die zu Hofe den grauen Rock verdienen, nämlich die Heuchelei, so um ihres Genießes und Nutzens willen Heuchelei treiben und reden, was die Herrn gerne hören, die Verunglimpfer der Unschuldigen, verheben die Herrn und verbittern sie aufs härteste, verdrücken aber die Wahrheit und haben also das Herzeleid anzurichten. (Gleichwie David geschah bei seinem König Saul auch durch die, denen er alles Gute getan hatte und um ihr Übel sich hoch bekümmert, wie er hier anzeigt.) Solches mögen wir wohl zum Exempel brauchen zu unserem Gut, da man unser Evangelium bei den Fürsten und allenthalben so schändlich verunglimpft mit ungeschwungenen Lügen, dass’s überaus ist, beide, in Büchern und Predigen. Und tun’s wohl die am meisten, an denen wir billig alle Ehre und Liebe verdienet haben, auf dass sie zu Ehren und hoch kommen, wir aber unterliegen und zu Boden gehen, solcher schändlicher, undankbarer, böser Unflat zu leiden. Der leidige Bauch mit seinen Dienern. Summa, es gehet (wie Christus von seinem Verräter saget): „Der mein Brot isst, tritt mich mit Füßen.“ Und tut’s dann um dreißig Silberlinge. Das sind die Heuchler, so um Fressens willen die Gerechten auffressen, wie er hier klagt.
Der 36. Psalm
ist ein Lehrpsalm, der warnt und lehret uns zu halten vor den falschen Lehrern, Heuchlern und Rottengeistern, dann er auch bittet am Ende. Und mitten im Psalm daneben tröstet, dass dennoch Gottes Wort und Reich durch ihre Natterei nicht soll umgestoßen, sondern in alter Welt fest bleiben, wie die Berge, so Gott selbst siehet, und wie die tiefen Abgründe, die unerschöpflich sind, und soll doch im Hause Gottes bleiben das lebendige und trostreiche Wort etc.
Er malet sie aber fast meisterlich, spricht: Sie sind böse, gültige Leute, die erstlich Gottes Wort gar verächtlich achten und gar keinen Schein vor Gott haben, sind stolz, frech und sicher in Lehren. Machen sie gut dünken, ja andern Leben und Rühmen sie nichts, denn sich selbst, alle andere Lehrer schänden und verunglimpfen sie aufs bitterste. Und in dem Stücke sind sie Meister, kennen sie sich selbst allein, und muss sonst nirgend kein Geist, kein Gott, kein Priester sein.
Zum dritten ist ihre Lehre streitsüchtig und eitel Lügen. Denn sie wider den Glauben und Lehre von der Gnade streiten und betrügen die Leute mit ihrem falschen Schein und Lügen. Zum vierten sind sie fleißig und starrsinnig, leiden keine Unterweisung noch Vermahnung, störrischer denn kein Amboss ist ihr Kopf. Da wenn sie fühlen, dass man sie strafen und nicht loben will, so entbrennen sie und werden wütig, wie der Teufel. Zum fünften sagen sie immer fort und nehmen zu, breiten ihr Ding aus und wachsen wie der Krebs (spricht Sankt Paulus). Denn sie treiben ihr Ding zehnmal stärker und fleißiger, denn die reinen Lehrer tun, als wollten sie alles gerne in einem Tage umkehren, und ist da kein Feiern noch Ausruhen. Zum sechsten verfolgen und plagen sie, wo sie nur können, alle, die es nicht wollen mit ihnen halten, und tun solch Übel (sagt er) mit Schein, mit aller Dürste und Sicherheit, als täten sie Gott einen Dienst daran.
Der 37. Psalm
ist ein Trostpsalm, der uns lehret und vermahnet, Geduld zu haben in der Welt, und warnt uns sonderlich wider den Neid. Denn es ist ja jämmerlich und tut schwachgläubigen wehe, wenn es den Gottlosen so wohl geht und den Gottfürchtigen alles widersinnisch übel. Es ist eine geistliche große Tugend, wenn einer siehet den großen Mutwillen, so Bauern, Bürger, Adel, Fürsten und jedermann, der etwas vermag, übet, dass er nicht soll fluchen und wünschen im Herzen dies und jenes, sondern muss täglich noch leiden und sehen, dass ihnen alles glücklich ausgehet, ungestraft bleibt, ja gelobet und geehret wird. Über das müssen die Gottfürchtigen von ihnen so jämmerlich verachtet, gehasst, geneidet, gehindert, geplaget und verfolget werden. Das heißt, nie lernen Geduld haben.
„Siehe, halte dein Herz in Gott und lass dich nicht verdrießen, lass dich den Neid nicht bewegen zu fluchen, bösen Wünschen, Murren und Schelten. Lass es immer gehen, befehl es Gott, der wird sie wohl finden.“ Das leret dieser Psalm.
Und tröstet mit allerlei Weise, mit reichem Verheißen, mit Exempeln, mit Drohen. Denn es ist eine schwere große Kunst, solche Geduld zu erzeigen, so doch die Vernunft und alle Heiden solchen Neid für tödlich achten. Denn es siehet, als sei es billig, leiden und vergönnen den Gottlosen ihren Mutwillen, Glück und Reichtum.
Der 38. Psalm
ist ein Betpsalm, darin er klagt über seine Sünde, die ihm sein Gewissen verzehrt und betrübt macht und nichts denn Gottes Pfeil, das ist, Zorn, Drohen, Tod und Hölle sehen lässt. Welche Traurigkeit vergeht währet, zehrt und fasst und verstellt Gesicht, Farbe, alle Sinne und Gebärde. Denn die rechte Sünde fühlen und im bösen Gewissen verzagen, ist Marter über alle Marter. Dazu heißen geizig die äußerlichen Verfolger. Denn sie jagen den Menschen ins Gewissen, rühmen, wie Gott bei ihnen sei wider die Gerechten. Und weil denn Gott hier den Trost verzieht, muss solch Schrecken folgen im Herzen, als zürne Gott wider sie um ihrer Sünde willen.
Aber doch lehret er fest halten und nicht verzweifeln und wehrt sich mit Beten wider ihre Lügen und erhebt sich in Gottes Verheißung und ergreift seine Sache bei dem rechten Hefte, nämlich dass sie göttlich und recht sei vor Gott. Da folget denn wieder Trost im Glauben etc. Also sollen wir auch beten und in keiner Angst verzweifeln, ob wir gleich Sünder sind und der Wind lasst und Sturm heftiglich fühlen.
Der 39. Psalm
ist ein Trostpsalm und bettet auch daneben, dass ihn Gott nicht lasse murren und ungeduldig werden über die Gottlosen, die so sicher leben und guter Dinge sind, als würden sie nicht sterben. Dagegen aber die Frommen immer so geplaget und um ihre Sünde gestraft werden. Und begehrt viel lieber, dass ihm Gott verleihe zu denken, wie kurz und unsicher dies Leben sei, denn dass er mit den Gottlosen so sicher, ohne Sorge des Todes gehen und prangen sollte. Denn es ein groß Ärgernis ist und viel Herzen bewegt, dass die Bösen im Sausen und so sicher leben, und die Frommen betrübt und elend sein müssen.
Aber am Ende findet sich’s, wie das allerbeste sei Vergebung der Sünden und gnädigen Gott haben, der aus allem Elende hilft, wie er hier sagt und bittet.
Der 40. Psalm
ist ein schöner Betpsalm, darin Christus selbst sein Leiden anzeigt und um desselben Erlösung vom Tode. Er weissaget auch klärlich, dass er allein Gutes tut und das Gesetz erfülle, und solches von ihm geschrieben sei im Buch Mose. Und verwirft und hebt auf das alte Gesetz mit seinen Opfern und Heiligkeit, als damit Gottes Wille nicht erfüllet sei, und nicht unser Werk und Opfer, sondern er selbst und allein müsse es für uns alle tun. Verheißet also und stifftet das Neue Testament, da die Gerechtigkeit des Glaubens in großer Gemeine, das ist, in aller Welt, soll gepredigt werden und nicht die Gerechtigkeit der Opfer oder unser Werk. Welche (spricht er im neunten Vers) nur die falschen Heiligen machen, als die großen Heuchler, die nicht auf Gott noch auf seine Gnade setzen, sondern auf ihre Lügen und falsche Heiligkeit.
Der 41. Psalm
ist ein Betpsalm, darin Christus selbst weissaget und klagt über seinen Verräter Judas samt seinen Gesellen, von denen er gekreuzigt soll werden. Und bittet, dass er vom Tode auferwecket und zur Gottes Angesichte zur rechten Hand erhöbet werde. Aber aus der Maßen ist’s tröstlich, dass er sich gar Sünder macht im vierten Vers, so er doch ohne alle Sünde war. Denn er stellt und redet da in unserer Person und trägt unsere Sünde, als wären sie sein, und als hätte er sie selbst getan.
Er preiset aber vornehmlich selig die, so sich des Elenden annehmen. Das ist, die sich an dem elenden, gekreuzigten Sünder Christo nicht ärgern, sondern fest an ihm bleiben. Denn es ärgerlich ist, zu glauben, dass solcher armer, verdammter Sünder soll so hoch kommen, dass er auch zur Rechten Gottes sitzen müsste. Daran sich das ganze Judentum also zerstoßen hat, dass sie noch da liegen zerrissen und zerstreuet, oder, wie er im zehnten Vers sagt, voll Grimm wider ihn bemälet sind.
Der 42. Psalm
ist ein Betpsalm, darinnen er klaget über die Traurigkeit des Herzens, als zürne Gott mit ihm und plage ihn, und muss dazu von den Gottlosen gespottet werden: „Wo ist nun dein Gott?“ Denn die Gottlosen könnens nicht lassen, wenn sie sehen, dass den Frommen übel gehet, so müssen sie dazu pfeifen, lachen und spotten. „Ach, wie recht geschieht dem“, sagen sie, „So solls gehen den Ketzern.“ Und meinen nicht anders, denn wer geplagt wird, das sei ein geistlich, göttlich Zorn. Aber wenn sie geplaget werden, so müssen sie’s beißen, um Gottes willen leiden und heilige Märtyrer werden. Die verkehrten, blinden und gültigen Blindleiter wollen nicht wissen, dass Gott die seinen straft, doch wiederum auch tröstet und nicht verläßt.
Er begehrt aber, zum Hause Gottes zu kommen und von dem Angesichte Gottes Trost zu haben. Das ist: Er wollte gerne Gottes Wort hören, das ihn tröstet. Denn Gottes Haus heißt, da Gottes Wort ist, und sein Angesicht ist seine Gegenwärtigkeit, da er sich einfindet und durch sein Wort seine Gnade offenbaret. Das heißt auch anderswo in der Schrift nicht den Rücken, sondern das Angesicht zu uns kehren.
Der 43. Psalm
ist eben des vorigen Psalms Schlag und fast einerlei Wort mit ihm. Denn er will auch durch Licht und Wahrheit zum Hause Gottes gehen, das ist, mit Gottes Wort sich trösten lassen in seiner Traurigkeit.
Der 44. Psalm
ist ein gemeiner Betpsalm, darum alle Heiligen, sonderlich im Neuen Testament, klagen, wie sie von den Heiden und Tyrannen verfolget und erwürget werden, und Gott sie so dahin gibt, als hätte er sie verworfen, so er doch vorzeiten durch große Wunder ihnen geholfen hat. Zu dem, dass sie keine böse Sache haben, sondern eben um ihrer guten Sache, das ist, um Gottes willen werden sie also versucht, als hätten sie alles Übel getan.
Summa: Es ist der Geist des Fleisches, welcher murret wider Gott, dass er so gar unrecht urteilet und übel regieret (nach der Vernunft), lässt die Frommen leiden, die er heißen sollte, und erhöhet die Bösen, die er straffen sollte etc.
Der 45. Psalm
ist eine Weissagung vom Evangelium und Königreich Christi, mit herrlichen, prächtigen und gewaltigen Worten geschmückt. Denn er malet Christum daher als einen König, mit aller königlicher Pracht geziert, dass er sehr schön sei, wohl beredt, wohl geschmückt, wohl gerüstet, glückselig im Krieg, gerecht, sanft, gnädig. Ebenso habe schöne Schlösser, herrliche Frauen-Zimmer, eine schöne Königin und Kinder ewiglich. Welches alles eitel Geist ist von Christi Evangelium, Geist, Gaben, Streben und ewigem Leben, vom Sieg wider die Sünde, Tod, Gesetz, Teufel, Fleisch, Welt und alles Übel etc.
Er verkündigt aber auch klärlich, wie das alte Testament soll aufhören. Denn er heißt die Tochter vergessen ihres Vaters Haus und Volk (das ist, die Synagoge) und diesen König anbeten für einen Gott, dass außer ihm kein anderer Gott sei. Gibt ihm also die Ehre des ersten Gebots. Ziemlich, das Anbeten, nennt ihn deutlich den rechten Gott. Im sechsten und siebenten Vers macht einen ewigen König aus ihm, der in Gerechtigkeit regiere und die Sünde wegnehme. Ewiger König aber muss Gott selber sein, davon jetzt nicht gut ist, weiter zu reden.
Der 46. Psalm
ist ein Dankpsalm, zu der Zeit vom Volk Israel gesungen für die Wundertaten Gottes, dass er die Stadt Jerusalem, da seine Wohnung war, schützet und bewahret wider aller Könige und Heiden Wüten und Toben, und Frieden erhielt wider alle Kriege und Wasser. Und nennet nach der Schriftweise das Wesen der Stadt ein Brünnlein, als ein kleines Wasserlein, das nicht versiegen soll gegen die großen Wasser, Seen und Meer der Heiden, das ist große Königreiche, Fürstentümer und Herrschaften, die versiegen und vergehen müssen.
Wir aber singen ihn Gott zu Lobe, dass er bei uns ist, und sein Wort und die Christenheit wunderbarlich erhält wider die heidnischen Herren, wider das Wüten aller Teufel, der Rottengeister, der Welt, des Fleisches, der Sünden, des Todes etc. Dass unser Brünnlein nicht bleibt eine lebendige Quelle, da jene Sümpfe, Tümpfel und Kolke stinkend werden und versiegen müssen.
Der 47. Psalm
ist eine Weissagung von Christo, wie er soll auferstehen und ein König werden über alle Welt, ohne alle Schwertschlag, allein durch Jauchzen, Singen und Posaunen. Das ist, durch die fröhliche Predigt des Evangeliums, gleich wie die Mauern Jerichos fielen durch Posaunen und Jauchzen, ohne alle Waffen.
Der 48. Psalm
ist ein Dankpsalm fast gleich dem siebenundvierzigsten Psalm. Denn er auch Gott lobet für die Stadt Jerusalem, von Gott wider Könige und Fürsten geschützt und verteidigt, welche mit Schanden haben müssen abziehen und den Tempel, Gottesdienst und sein Wort wider recht lassen stehen. Damit er seine Verheißung gehalten hat, wie der achte Vers singet, nämlich dass er wolle ihr Gott sein nach dem ersten Gebot. Wie wir’s gehöret haben und geglaubet, also sehen und erfahren wir’s an der Stadt mit der Tat etc.
Wir singen ihn auch für die Christenheit und Evangelium wider das Toben der Könige und Fürsten. Welche auch mit Schanden müssen abstehen und das Wort stehen lassen.
Der 49. Psalm
ist ein Lehrpsalm wider den großen Gott der Welt, der da heißt Mammon, und maßet die als große Narren, die aus Reichtum trachten und achten keinen, dass sie doch damit sich vom Tode nicht können retten. Darum es ja besser ist, auf Gott allein verlassen, der vom Tode erlöset und ewiges Leben gibt, da jene wie das Vieh hinsterben und alles hinter sich lassen müssen und nicht wissen, wer es kriegt.
Der 50. Psalm
ist ein Lehrpsalm und erklärt, welches der rechte Gottesdienst und Opfer sind, wider die falschen Heiligen, welche ihr Opfer und Verdienst so köstlich achten, als müsste Gott danach bauchen und schuldig sein. Da er doch das nicht begehret und will seine Wohltat und Güte so köstlich geachtet haben, dass man ihm danken und schuldig sein solle. Und merke hier wohl, dass dieser Psalm mit vollen Worten schließt und lehret, dass Gott in Nöten anrufen und danken sei der rechte Gottesdienst, das liebste Opfer und der richtige Weg zur Seligkeit, wie der letzte Vers singet. Nämlich, dass es heißt: „Gelübde bezahlen“ im vierzehnten Vers, nicht die tollen selbst erwählten Gelübde, sondern die geboten sind im ersten und andern Gebot, da wir Gott geloben, dass wir an ihn glauben, ihn anrufen, loben und danken wollen, als unsern einigen Gott etc. Davon wissen die tollen Heiligen und falschen Gleisner nichts.
Der 51. Psalm
ist der sonderbarste Lehrpsalm einer, darin David uns recht lehret, was Sünde sei, wo sie herkomme, was sie schadet, wie man ihr los wird. Denn in diesem Psalm, und sonst nirgend, wird die Sünde so klärlich angezeigt, dass sie ein Erbsünde und nun angeboren sei, darüber kein Werk, sondern alleine Gottes Gnade und Vergebung hilft. Er muss uns durch seinen Geist wieder neu schaffen in einen neuen Wandel und Gebärde, sonst ist sie so mächtig, dass sie auch die Gebeine (spricht er) zerschmachtet, mit Schrecken, Verzagen, bis in seine Gnade zu Trost käme. Danach, wenn wir aus Gnaden wiederum mit Werken anfangen, denn da man recht zu loben, danken, predigen und auch leiden und Freude tragen soll über allerlei Übel, da leret er auch die rechten Opfer und Gottesdienst anzeigen und verwirft die anderen Opfer von den tollen Heiligen geschehen. Und bittet am Ende, dass er zu solchem Opfer und Gottesdienst die Stadt Jerusalem bauen und erhalten wolle.
Der 52. Psalm
ist ein Trostpsalm, und der Titel zeiget genugsam, von wem er rede, nämlich von Doeg, der David verriet und viel unschuldig Blut vergoss (1. Sam. 22). Das sind die Verräter und unschuldigen Blutbunde, die mit Gottes Wort lästern und seine Diener verunglimpfen, derer Menge und Fürsten unschuldig Blut zu vergießen pflegen. Wider welche Blutschänder tröstet dieser Psalm und verkündigt ihnen ihren Tun, dass die tollen von Leib, Gut, Haus und Land kommen. Aber dennoch sollen die Frommen bleiben und Gottes Haus und Wort behalten.
Der 53. Psalm
ist ein Lehrpsalm und Weissagung, wie der vorige Psalm. Denn sie beide fast einerlei Vers und Wort haben. Summa: Sie strafen alle beide die gottlosen Werkheiligen, so da versuchen die rechte Lehre und Lehrer. Und am Ende verkündigt er das Evangelium und Reich Christi, wie aus Zion kommen soll.
Der 54. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Verfolger, so den Frommen nach dem Leben stehen um Gottes Worts willen. Wie Saul und die zu Gibea David nach dem Leben trachten um Gottes Worts willen, damit er zum Könige berufen und geweiht war. Und bittet um Hilfe und Rache über seine Feinde.
Der 55. Psalm
ist ein Betpsalm. Und wiewohl er möchte in der Person geredet werden wider seinen Verräter Ahithophel und die dreiste Verräterei, so lass ich ihn doch bleiben ein gemein Gebet wider die falschen Kunst, dar sind die bösen Freunde, die einem lecken und binden traben. Von Angesicht sind sie so treue Freunde, Vater, Bruder, Schwäger, wollen Leib und Leben für uns setzen. Da wohl ihr Mund glatter ist denn Butter und Öl. Aber hinterwärts ist’s eitel Mord, Schwert, Krieg und alles Verderben. Wie er hier saget, das ist, dass er im geistlichen Sinn klaget, dass sie können mit am Tisch, in Gassen, in Kammern, auf der Gassen gehen und die bestellten Gesellen sein. Darum liebt er ihn auch, dass sie der Teufel wider Tod und Hölle regiere. Denn sie arge Herzeleid und betrübte Leute machen. Solcher Fluch aber ist eine Weissagung, dass gewisslich ein Urteil geben wird, weil sie keine Besserung annehmen. Siehe, wie der neunzehnte Vers saget: „Sie werden nicht anders und fürchten Gott nicht.“
Der 56. Psalm
ist ein Betpsalm, darin David klaget über Saul und die seinen, dass er vor ihnen fliehen muss aus dem Lande zu den Philistern, so hart stunden ihm nach, dass er nirgend sicher konnte sein. Er tröstet sich aber, dass er Gottes Wort und Verheißung und recht zum Königreich hatte, wiewohl sie es täglich anfechten und verkehreten oder auch verleugneten, dass er nicht soll König sein, sondern Saul und seine Erben.
Wir mögen ihn beten wider unsere Tyrannen, die uns aufhören Gottes Wort und Amt versuchen und nirgend keinen Frieden lassen. Aber wir trösten uns auch, dass wir Gottes Wort für uns haben, ob sie wohl dasselbige uns täglich verkehren, auslöschen und absprechen, dass wir Ketzer, und sie alleine die rechte Kirche sein sollen.
Der 57. Psalm
ist ein Betpsalm, darin abermal David klaget über Saul und sein Volk, zu welchen er in die Höhle kroch. Und ist fast einer Meinung mit dem nächsten vorigen Psalmen. Darum er auch gleich dem selbigen uns zu brauchen ist wider die Tyrannen und ihre geistlichen Buben und Treubleiber, die wider Gottes Wort verkehren und haben zu solchem Werk Zungen und Spieße (spricht er), Spieße und Schärfe der Verderber. Aber Gott sei Dank, der uns nicht lässt und stürzt sie in die Gruben, die sie uns bereiten, und ihr Rat geht über ihren eigenen Kopf.
Der 58. Psalm
ist ein Trostpsalm wider die halsstarrigen Lehrer, so ihren Irrtum mit Lügen stützen, stopfen die Ohren zu und lassen sich nicht weisen, ob sie gleich drehen und wollen die Frommen ausfressen. Aber er tröstet sich mit diesem Gleichnis, dass sie es nicht sollen ausführen, ja nicht zur Hälfte bringen, peinlich. Es kommt zuweilen ein groß Wasser und rauschet wohl, als wollte es alles umkreisen. Aber gehet hin und tut nichts. Ein Armbrust drehet wohl, aber ohne Pfeil, Sehnen und Bogen ist’s nichts. Eine Hirschkuh reckt ihre Hörner aus, aber ehe der Hirsch ist, verschmachtet oder gehet sie ein. Ein unzeitig Kind macht der Mutter Weh groß, als wollt‘ es etwas werden. Aber stirbt, ehe es ans Licht kommt. Ein Dornbusch schießet aus mit viel Stacheln und gibt Stechen und Trotzen in sich. Aber ehe sie hart und rein werden, kommt ein zornig Beil über sie und dämpft sie in den Ofen, und werden zu Asche. Habens diese auch groß im Sinn, und ihr Ding soll gelten, und wird doch nichts daraus.
Der 59. Psalm
ist ein Betpsalm und kann auch sein geredet werden in der Person Christi, dass er über die Heiden schreit und weissaget, wie sie nicht vertilget, sondern zerstreuet sollen sein in aller Welt und eitel Suchen und Widersprechen lehren, wie sie denn bisher immer tun und alle ihre Lehre wider Christum richten und versuchen und verleugnen. Das haben sie auch ihren Lohn, dass sie des Abends in der Stadt, wie die hungrigen Hunde umherlaufen und doch nichts finden, das ist, am Ende der Welt und der Apostel Zeit her werden sie unter den Heiden gejagt aus einem Lande ins andere, suchen begierig und hungrig, wo sie wieder ein Königreich oder Herrschaft könnten anrichten. Aber es will nicht werden. Sie müssen hungrige Hunde bleiben und umherlaufen, bis sie sich ungegessen legen und ohne Königreich begraben und zur Hölle verstoßen werden.
Er kann aber auch wohl nach der Historie von David verstanden werden wider seine Sauliten, die zuletzt auch um Königreich, wie hungrige Hunde umherlaufen mussten, bis sie gar ausgerottet wurden. Denn Sauls Stamm kam nicht wieder zum Königreich, wiewohl sie ging und fleißig danach strebten.
Der 60. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin David Gott dankt, dass er ihm ein feines Königreich gegeben hat, darin Gottes Wort gelehrt und gut Regiment war. Welches wahrlich ein edles Kleinod ist. Denn vor David, zu Sauls Zeiten, war es ein zerrissenes, wüstes Regiment, wie die ersten drei Verse klagen, durch die Philister übel geplagt, dass sie auch der Archen Gottes nicht viel achteten (1. Chron. 13) und auch sonst übel zuging, mit viel Unrecht, wie es sein und gehen musst, wo Gott nicht heim ist. Und Davids Exempel wohl anzeigt, wie Saul böse Buben zu Hofe gehabt hat etc.
Doch (spricht er) ließ Gott ein Zeichen bleiben den seinen, dass sie aufwerfen, rühmen und damit sich und gewiss werden seiner Gnaden. Nämlich die alten Propheten und die Lade des Bundes mit dem Gnadenstuhl, welche er auch mit großen Wundern aus der Philister Land bracht und vor welcher sie beteten und anriefen und also erlöset wurden aus ihren Nöten.
Danach rechnet er sein Land und Auen. Erstlich das Heiligtum und Schattenwerk. Danach liebes Gilead, Manasse, Ephraim, Juda, Moab, Edom, Philister, Amalekiter. Und zuletzt bekennet er: Es sei nicht Menschen Kunst, ein gut Regiment haben (Dan ist eine gute Stadt) und Edom (das ist) Leute und Land gewinnen und im Streit Sieg haben. Sondern Gott müsse es geben. Warum er aber nicht mehr Land oder Stämme nennet, denn die obengenannten neune, gehört in ein Komment, nicht in Summaria.
Wir mögen den Psalmen singen Gott zu Lobe, dem er die Kirche weit in der Welt ausgebreitet und viel Pfarrherrn und Stifte, da Gottes Wort und ein jegliche ihre sonderliche Gabe hat.
Der 61. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Feinde und sonderlich für den König und Obrigkeit, dass sie Gott fürchten und tauglich wohl regieren, und auf dass gut Regiment durch Feind und Krieg nicht zerstöret werde. Denn auch Salomo sagt, dass um Landes Friede willen viel und mancherlei Fürsten kommen. Aber wo viel Herren sind, da fehlt’s selten: was einer bauet, das zerbricht der ander, nach dem Sprichwort: „Neue Herren, neue Lehren.“ Und sind doch Veränderung der Regiment allezeit schädlich und schädlich gewesen. Wohl aber, wo es bleibt in einem langen, alten, guten Wesen?
Der 62. Psalm
ist ein Lehrpsalm von dem falschen Vertrauen auf Menschen und rechtem Vertrauen auf Gott. Viel sind, wenn sie eines Fürsten oder Herrn Gnade oder eines reichen Gewaltigen Gunst haben, meinen, sie dürften nichts mehr, und üben daraus manchen Mutwillen. Sonderlich, wo sie eine hangende Wand sehen, das ist, wo sie merken, dass einer nicht gute Luft zu Hofe hat oder sonst dürftig und von andern verfolget ist, dass er sich nicht wehren kann, da werden sie alle mit an die Wand und nagen den großen Mann.
Aber wer auf Menschen vertraut, ist eitel nichts, und glauben ihm nicht bis aufs Hemd, wenn er’s selber ist. Darum heißt’s: „Traun, Gott und niemand, der bestehet für Gott und Menschen.“
Der 63. Psalm
ist ein Betpsalm, darin David begehrt, als er in der Wüste vor Saul fliehen musste, dass er auch wieder zum Heiligtum und Gottes Wort kommen möchte. Und klaget über seine Feinde, die ihm nach dem Leben trachten, darum er nicht konnte dahin kommen und also fern von Gottes Wort bleiben musste, wiewohl er sich dennoch König nennt um Gottes Verheißung und Erweckung willen, damit er sich dieweil tröstet.
Nun aber mögen diesen Psalm beten, die unter den Tyrannen Gottes Wort gern halten und müssen doch darum bluten, doch sich Gottes Kinder und Erben rühmen sollen, weil sie den Glauben und Liebe in seinem Wort haben, bis der Saul sein Ende kriege.
Der 64. Psalm
ist ein Betpsalm, darin David betet wider seine Verleumder und Ankläger, die ihm eine Sache aufs ärgste machten mit giftigen Worten und bösen Tücken, als Absalom, Ahithophel und dergleichen, und vormals am Hofe Saul der Doeg etc. Aber er tröstet sich, dass es über sie selber ausgehen wird, und ihr Ende wird nicht sein, sondern sie selber selten, wie Absalom, Ahithophel und auch Doeg geschah.
Also beten wir auch wider unsere Verräter zu Fürsten, Bischöfen und Königen Höfen, die allerlei Tücke, Ränke und Praktiken vornehmen. Es soll aber auch (wie bereit oft geschehen) über sie selber ausgehen, dass man sagen muss: „Gott habe sie gestraft.“
Der 65. Psalm
ist ein Dankpsalm, darum man Gott lobet, dass er sein Wort und Gottesdienst, dazu auch gütlichen Frieden gibt und steuert den Willen der Feinde und des Kriegs im Lande, welche brausen und toben wie das Meer, und segnet den Acker, dass alles wohl gerät, wohl trägt, wohl wächst.
Der 66. Psalm
ist ein Dankpsalm für die gemeine Wohltat, dass er sein Volk von der Feinde Händen erlöset und erhalten hat, wie er im Roten Meer tat. Es sind wohl die Geschichten in der Richter und Könige Bücher, welches er uns täglich auch tut: errettet und erhält die Seinen bei rechtem Glauben wider Teufel, Sünde etc.
Der 67. Psalm
ist eine Weissagung von Christo, wie er soll König werden, so weit die Welt ist, und die Völker recht richten (das ist) mit dem Evangelium regieren, dass sie von Sünden los, zum gerechten Leben und mit freudigem Danken sitzen. Welches der neue und rechte Gottesdienst ist, wie oft gesagt ist. Denn er sagt nicht, dass die Heiden sich beschneiden und gen Jerusalem laufen sollen, sondern in der Heidenschaft bleiben und gleichwohl Gott danken, fröhlich sein und ihn fürchten, das ist, ihm dienen.
Der 68. Psalm
ist eine schöne, gewaltige Weissagung von Christo, wie er auferstehen, gen Himmel fahren, seinen Geist herab geben, Apostel aussenden, das Evangelium predigen lassen, den Armen Sünder aus dem Löwen Rachen reißen, die Betrübten trösten, die Juden Reich und Priestertum zerstören und sie zerstreuen, und ein neues Himmelreich, darin man ihn täglich loben und predigen würde, und nicht das alte Mose etc. anrichten sollte. Und nennet die Apostel Könige und große Fürsten wider Schlangengift, darum dass sie kriegen mit dem Evangelium wider den Tod, Sünde, Teufel, wider der Welt Weisheit und Heiligkeit.
Ebenso nennt er sie Berge, fruchtbare Berge, Gottes Erbe, Gottes Lämmer mit viel Tausenden etc. Wiederum nennet er sie auch seliger und spielende unter den Jungfrauen im Singen, Tanzen etc. Darum, dass sie Gott fröhlich preisen, loben und danken. Und hat also sein süßes Spiel über dem seligen Reich der Gnaden und des Himmels. Und betet am Ende, dass Gott solch Reich wohl erhalten und bis in Ewigkeit segnen und bestätigen. Er ist gar lustig im Geist gewesen, da er diesen schönen, reichen Psalm gemacht hat.
Der 69. Psalm
ist ein Betpsalm in der Person Christi, als in seinem Leiden gesprochen. Darin er an unserer Statt sich einen argen Sünder (im siebenten Vers) nennt und klaget über seine Verfolger und Lästerer, die ihm nicht Galle und Essig in seinem großen Durst zu trinken gaben. (So klar im Geistigen redet er von seinem künftigen Leiden.) Danach weissagt er der Juden gräuliche Verblendung und Verstoßung und endliche Verwerfung, dass das alles geschehen ist, als wir sehen und greifen.
Am letzten verkündigt er auch den neuen Gottesdienst: „Dass Gott Loben (spricht er) und mit Danken ihn ehren.“ Dieser Gottesdienst soll den alten aufheben, denn er gesellet Gott das Leder aller Farren und was man dort aufs beste opfern könnte, wie er hier singet.
Der 70. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Verfolger und Feinde der Frommen um Gottes Worts willen, welchen sie mit der Faust und Tat (spricht er) mit Zähnen und Wünschen im Herzen, mit Warten und Schreien, das ist, mit Ernst und allem Vermögen nach dem Leben stehen etc.
Der 71. Psalm
ist ein Betpsalm (meines Verstandes) in der Person der ganzen Christenheit, von Anfang bis ans Ende, gesprochen wider alle Winde und Anfechtungen. Denn er sonderlich bittet für sein Alter, wenn er schwach und grau wird, das ist, für die letzten Christen, da schreckliche Leid sein und der Glaube mit dem Evangelium niedergeschlagen werden sollen, wie auch Daniel verkündigt, dass die Wahrheit soll niedergeschlagen werden und die Ungerechtigkeit siegen, welches wir unter dem Mahomet und Papst wohl erfahren haben. Darum preiset er (im fünften, sechsten, siebenten Vers) alleine Gottes Gerechtigkeit, die er von Jugend oder von Anfang gelernt habe von Gott.
Und mag uns wohl eine tröstliche Weissagung sein, dass Gottes Wort vor der Welt Ende hat müssen wieder kommen, damit er uns wiederum (sagt er) aus der Erde hole und herrlich tröste, wie denn darum lautet die gemeine Rede bei den Christen, dass Elias und Henoch sollen kommen und dem Antichrist Lügen offenbaren und alles Lügen-Recht bringen.
Der 72. Psalm
ist eine Weissagung, fast herrlich und schöne, von Christo und seinem Reich in der ganzen Welt, da nicht die Sünde und böse Gewissen (wie unter dem Gesetz), sondern eitel Gerechtigkeit, Friede und Freude des Gewissens soll üben und regieren. Doch will er’s nicht ohne Blut lassen müssen, welches aber gar teuer für ihn gelten soll. Und verkündigt auch den neuen Gottesdienst im letzten Vers: „Dass man ihn anrufen und danken.“ Denn (spricht er) in allen Landen wird man ihn loben. Das ist unser tägliches Loben unter allen Heiden, die ihn hören und von keiner Beschneidung noch Gesetz wissen, dass die Heiden und Leute selber annehmen, sondern Könige und Fürsten ihn in einem rechten, natürlichen Gott halten, ihn anrufen, preisen und ihn ehren. Denn in Nöten anrufen und für dieselben auch danken, ist Gottesdienst und gebührt Gott alleine, der ist allein ein wahrer Helfer und Heiland, von welchem alles andere nichts ist noch hilft.
Der 73. Psalm
ist ein Lehrpsalm wider das große Ärgernis, da die Gottlosen reich sind und es ihnen wohl geht, dass sie der armen und betrübten Heiligen gleich spotten, als kennten oder achteten sie Gottes derselben nichts, sie aber und ihr heilig Werk, was sie lehren und sagen, sei köstlich Ding und ganz himmlisch, göttliche Weisheit und Heiligkeit. Das tut denn wehe, und ich muss (spricht er) ein Narr in dir sein, das ist ein Gottloser, der Gottes nicht achtet. Aber doch halt fest (spricht er), gib uns Heiligtum des Gotteswortes. Was der von ihnen sagt, siehe die alten Exempel an in den Historien, so wirst du finden, wie sie plötzlich umkommen. Denn es ist kein Fels noch Grund da, sondern eitel schlüpfriger Boden etc.
Der 74. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Feinde, so Jerusalem, das Heiligtum und alle Schulen Gottes im Lande samt dem Tempel verwüsten und Gott dabei lästern, als der nicht helfen könne seinem Volk. Es scheint aber, als sei es ein Gebet wider die gräuliche Verstörung von den Chaldäern, und hernach durch Antiochus Epiphanes geschehen. Denn nur die fünfmal der Tempel zu Jerusalem und das Land so verstöret ist. Danach beten wir ihn wider den Mohammed und unsern Antiochus, welche die Christenheit verjagen, Gottes Wort, Sakrament und alle Gottes Ordnung niederrissen, und dafür ihr Gräuel und Lästern gepredigt und gehalten haben an allen Orten.
Der 75. Psalm
ist ein Trostpsalm wider die halsstarrigen, stolzen Gotteslehrer, die so sicher und stolz auf ihr Amt pochen, dass sie nichts fürchten noch achten, weder Drohen noch Strafen, wie droben Ps. 58. „Wer soll uns lehren? Wir sind die Lehrer. Wir sitzen im Amt. Wir haben Gewalt. Uns soll man gehorchen, oder muss in Bann und Acht sein.“
Also sitzen auch jetzt unsere sichern Junker, beide, geistliche und weltliche Tyrannen, die Rottengeister auch, dass sie meinen, es könne sie Gott selbst nicht ausheben noch stürzen. Aber dieser Psalm saget anders und tröstet uns, dass wir des Gerichts erharren sollen, so will er also richten und das Recht gehen lassen, dass die Erde beben und zittern samt ihren Einwohnern. Denn er will die Säulen erhalten, dass die Frommen, welche die Welt tragen und erhalten (wie Sankt Paulus die Kirche nennet einen Pfeiler und Säule der Wahrheit), gleich wie er wohl erhalten, da er Sodom versenkte und die Gläubigen fanden mit den Aposteln, da er das jüdisch Volk ausrottete. Denn er weiß die Seinen wohl zu erhalten, wenn er ein Land verderbet.
Der 76. Psalm
ist ein Dankpsalm des Schlags, wie der 75. Psalm. Denn er danket das, was seine Wohnung, Stadt und Dienst zu Jerusalem gar herrlich daselbst sein Volk schützt wider die Könige und zornigen Krieger, die es mit ihrem Walten versehen, wie Sanherib. Denn er weiß, am ersten den Mut zu nehmen und sie verzagt zu machen.
Solcherweise streitet er wider unsere Sünde. Es ist aber böse, sich zu wehren gegen dem, der einem den Mut nimmt. Es sei einer so mächtig und toll, als er wolle. Der Teufel muss selbst schweigen, wenn ihm der Mut genommen wird. Was sollten denn Menschen tun? Solche Krieger und Trotz soll man loben, die also mit Königen rumoren und den ihren lassen laufen mit schwerem Schwert, allein mit Schrecken und Blöde machen.
Der 77. Psalm
ist ein Lehrpsalm. Denn er gibt sich zum Exempel, wie man sich trösten solle, wenn das Herzeleid kommt und das Gewissen betrübt ist, als zürne Gott mit ihm etc. Und spricht im vierten Vers, er sei so betrübt gewesen, dass er dazu nicht habe schlafen und auch nicht reden mögen. Und erzählet dieselbigen schweren Gedanken davon im 6., 7., 8. Vers. Aber das ist der Trost dagegen, dass man solche Gedanken ausschlage, damit man sich selbst nicht vergeblich kränke, und fasse dafür ins Herz die Gedanken, die Wunderwerke Gottes in den alten Geschichten. Da findet man, dass allezeit sein Werk gewesen ist, den Elenden, Betrübten, Verlassenen zu helfen und die Sichern, Stolzen zu verachten.
Wie die Kinder Israel aus Ägypten erlöset wurden. Darum heißen seine Wege verborgen, dass er da ist und hilft, da man meine, es sei alles verloren. Das soll man wohl lernen. Und also will uns dieser Psalm Gott zeigen und seine Weise zu vertrauen lehren. Nämlich, dass wir nicht verzagen an Gott, wenn Not und Gebet da ist, sondern also dann am allergewissesten der Hilfe erwarten und nicht unseren Gedanken glauben.
Der 78. Psalm
ist ein Lehrpsalm, darin er uns durch die Exempel und Geschichte des ganzen Volkes Israel von Anbeginn bis auf David lehrt, Gott vertrauen und glauben. Und warnt uns für Misstrauen und Unglauben, zeiget an die Strafe, so über die Misstrauenden gangen, und die Gnade, so den Trauenden widerfahren ist.
Der 79. Psalm
ist ein Betpsalm wider die göttliche Zerstörung, von den Heiden und Antiochus Epiphanes geschehen, allerdinge gleich wie der 74. Psalm. Darum ist’s einerlei Thema. Also betet auch Jesaja (Kap. 63) für die künftige Zerstörung etc.
Der 80. Psalm
ist ein Betpsalm wider die täglichen Feinde, die Nachbarn, so rings um das Volk Israel zotteten und rissen, als die Philister, Tyrer, Moabiter, Edomiter etc. Wie uns unsere Feinde und Nachbarn jetzt tun, die Roten (Römer) und geistlichen Herren und Orden, und vorzeiten die Ketzer der Kirche.
Der 81. Psalm
ist ein Betpsalm und ein Lied, gemacht, dass man im Herbst auf das Fest der Laubhütten gesungen und gepredigt hat, das Volk zu erinnern an das erste Gebot, dass sie allein den Gott, der sie aus Ägyptenland geführt hatte, und keinen andern ehren oder anrufen sollten. Aber sie hieltens nicht, sondern aller Mund und Herz war voll Abgötterei, so doch der rechte Gott allein zwei Munde voll sein und immer von ihm allein reden sollte. Und lehret der Psalm, allein an Christo glauben und hangen und keine Werke preisen zur Gerechtigkeit vor Gott. Wir sollen auch den Mund voll haben allein von Christo. Aber wir tun’s auch nicht. Ein jeglicher folget seinem Dünkel und Abgott.
Der 82. Psalm
ist ein Trostpsalm wider die Tyrannen, so die Elenden unterdrücken. Aber er hat seine Auslegung von uns letzthin ausgegangen.
Der 83. Psalm
ist ein Betpsalm eben des Schlags mit dem 74. Psalm wider die Feinde des Volks Anfang. Darum bleibet er dabei, des heiligen Themas.
Der 84. Psalm
ist ein Trostpsalm, der preiset Gottes Wort herrlich über alle Ding und lehret uns, dass wir gerne alles Heil, Ehre, Gewalt, Freude und Lust mangeln sollen, damit wir allein Gottes Wort haben. Und haben wir gleich der Sperlinge Hütten, das ist, die geringsten sein im Tempel, nach mir ist’s besser, denn in aller Heiden Heiligtümer sitzen und ein Tag der Diener, denn tausend böse Tage in der Welt. Denn Gottes Wort verleihet Sieg, Segen, Gnade, Ehre und alles Guts. Wohl sind sie selig, die es glauben und also sich trösten. Ja, wo sind sie? Wenn man lästert und verachtet, da findet man die Gnade wohl voll und bereit dazu.
Der 85. Psalm
ist ein Betpsalm, darin er Gottes Zorn abbittet und Gnade sucht. Der Zorn aber, meines Achtens, ist gewesen, dass gemangelt hat an Gottes Wort und treuen Predigern, dann auch an gutem Regiment, Frieden und frommem Oberteil und zuletzt an Früchten und guter Zeit. Denn solche Plage hängt gemeiniglich aneinander.
Darum bittet er, dass Gott wiederum reden wolle, damit die Seinen nicht in Irrtum müssen fallen und lästern aus Ungeduld oder andere Götter suchen. Und dass unter den Leuten Friede, Einigkeit, Wahrheit und Liebe wachse, und das Land fruchtbar wäre, auf dass sie in gotteseligem Wesen ein fein ehrbares Leben in Stille und Ruhe führen möchten. Wie auch St. Paulus 1. Timoth. 2. auch lehret beten.
Der 86. Psalm
ist ein Betpsalm, und der Titel nennet ihn selbst ein Gebet Davids. Er ist leicht und klar zu verstehen, dass David in seiner Not anruft inniglich Gott wider seine Feinde, die ihn tot haben wollen, es sei Saul, Absalom oder wer sie sind. Aber siehe, wie reichlich und männlich preiset er Gott an seiner Güte, Treue und Macht, auf dass er seinen Glauben wohl erwärme und sein Gebet erhitze. So sollen wir auch tun.
Das Zeichen, so er begehrt, ist, dass ihm Gott zuletzt solle helfen, dass man sagen müsse: Gott habe ihm geholfen und seine Sache recht gesprochen, wider den Ruhm seiner Feinde, welche ihm sein Recht schändeten etc.
Der 87. Psalm
ist eine Weissagung von der heiligen christlichen Kirche, dass sie solle eine Stadt werden, in welcher die Welt ist, und darinnen sollen geboren werden Söhne. Heiden, Babylonier, Assyrer, Philister und allerlei Land und Sprachen Leute sind da also im Evangelium, welche gar herrlich Ding von Gott predigen sollen. Nämlich, die rechte Erkenntnis, da ist, wie man zu Gott kommen, von Sünden los, vom Tode selig werden müsse, nämlich durch Christum etc. Und der Gottesdienst in dieser Stadt soll auch sein Singen und Springen, das ist, mit Freuden Gottes Gnade predigen, loben und danken. Und soll kein Böses darinnen mit seinem Gesetz plagen und martern.
Der 88. Psalm
ist ein Betpsalm, der in Christi Person und aller anderen großen Heiligen gebetet wird und gesagt über das höchste geistliche Leiden, das über alle Leiden ist, nämlich das Schrecken Gottes, welches er den Tod, das Grab und die Hölle nennet, wie es denn auch in der Wahrheit ist, und macht jämmerlich und eilende Gestalt. S. Paulus nennts des Satans Engel, der ihn da schlägt, und einen Pfahl seines Leibs, daran er aufgespießt sei, wie man in Griechenland die Übeltäter spießte und die Heiden unser Herrn lästerten und ihn den Gespießten nannten und die Juden den Erhängten. Denn Christus und die Seinen getan haben in der Welt der Wut in ihrem Teil, wie dieser Psalm reich saget, dass seine Freunde und Verwandten, die ihn klagen und Mitleiden haben sollen, ferne von ihm sind.
Der 89. Psalm
ist eine Weissagung voll Christi und seinem Reich, dass er ein himmlisches Reich nennt (wie er selbst im Evangelium nennt). Und nimmt auf sich die Verheißung, David von Christo geschehen, und streicht sie an mit reichem Geiste. Und sonderlich, dass sie so gewiss soll sein, dass es um keiner Sünde willen soll aufhören oder nachbleiben, auf dass also unser Seligkeit nicht lebe auf unser Frömmigkeit. Wie der Staub gleich verblasen stellet und aller Welt Reich nicht länger noch weiter, denn sie fromm sind.
Aber im Vers 39 sieht er an und weissagt, wie solch herrlich Reich soll durch den Antichrist zertreten, zerrissen und zerschlagen werden. Daher scheinet, als habe er anstatt der vorigen Reichen Verheißung vergessen und dass die Welt wieder spielet seine eigenen Worte. Aber uns tröstet in dieser elenden Zeit, dass solches alles zuvor verkündiget ist, auf dass wir nicht verzagen fallen, ob uns dünket, dass kein Christenglaube mehr auf Erden lebe. Denn unter dem Mahomet und Papsttum ist kein Schein der Kirche mehr blieben, so man ihr Regiment ansieht. Und hat doch unter beiden müssen bleiben, wiewohl jämmerlich zerrissen und verachtet.
Der 90. Psalm
ist ein Lehrpsalm, darin Mose lehret, wo der Tod herkommt. Nämlich von der Sünde, die allein stattlich und aller Welt verborgen ist, und doch von Adam uns allen angeboren. Und zeiget an, wie ein kurz, dazu elend Leben hie ist, das wohl mag ein täglich Sterben heißen.
Doch, spricht er, ist’s dazu gut, dass wir dadurch vermahnet werden, Gottes Gnade und Hilfe zu suchen, der uns von dem allen erlöse. Denn die nicht an den Tod denken und kein Elend sehen, bleiben tolle Narren, fragen nichts nach Gottes Gnade oder Hilfe. Und beschließet den Psalm mit der Bitte, dass er uns sein Werk, das ist, Hilfe von Sünden und Tod, erzeige, das ist, Christum sende. Und wie wir hier leben, unser Werk fördere, das ist, beide, geistlich und weltlich Regiment gnädiglich bestätige und erhalte. Ein kurz, fein, reich und voll Gebetlein.
Der 91. Psalm
ist ein Trostpsalm und reißt uns zum Vertrauen anstatt für aller Not und Anfechtung und ist voll reicher tröstlicher Verheißung, aus dem ersten Gebot gesponnen und gezogen. Und ist der andere Psalm, darin die lieben Engel unser Schirmer und Geleitsleute werden verkündigt, welche tröstlich und wohl zu merken ist. Draußen habe ich aber meine Meinung gesagt von den vier Anfechtungen, im fünften und sechsten Vers genennet.
Der 92. Psalm
ist ein Trostpsalm, der fast hoch Gottes Wort rühmet. Wie ein edel, köstlich Gabe es sei wider die falschen Heiligen, so es anfechten. Welche blühen wohl eine Zeit lang, sind von Ehren und Gewalt. Aber zuletzt geben sie unter. Die Gerechten bleiben immer fort, und wenn sie gleich ins Alter kommen, werden sie doch nicht immer mehr alt, sondern verjüngen sich täglich durchs lebendige Wort Gottes, das da ewig grünet und Früchte trägt. Aber die Narren verstehen und achten solches nicht, wie jetzt zu unserer Zeit auch geschieht.
Der 93. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi, so weit die Welt ist, und ewiglich bleiben soll. Wiewohl die Ströme und Wasser brausen, das ist, der Welt Toben und Wüten da wider ist und viel erwürget, hilft sie es doch nicht, denn er ist höher und größer wider die Welt und ihr Fürst dazu.
Solch Reich und alles wird ausgerichtet durch sein Wort oder Schwert und Harnisch, und dasselb schmückt und macht sein Haus heilig. Denn das ist der rechte Gottesdienst, der in diesem Hause pranget und leuchtet, nämlich predigen, loben und danken, da kein Moses noch Altes Testament hingehört.
Der 94 Psalm
ist ein Betpsalm, und meines Verstandes klagt er nicht über die Heiden, sondern über die Könige und Fürsten, Priester und Propheten und nennet sie Narren des Volks, das ist, die das Volk närrisch und übel lehrten und regierten. Diese sind’s, die alle frommen Propheten und ihre Schüler töten und verfolgten. Und wie er sagt, trotzten sie an Gott, der ihnen die Gewalt gegeben hätte und stünde ihnen bei, und achteten noch sähen die nicht an, so von ihnen erwürget wurden als verdammte Ketzer und Aufrührer wider alle beide Obrigkeit. Wider die bettet er und begehret Bestand und Hilfe. Weil er aber keine findet, tröstet er sich seines Glaubens, dass sein Wort und Sache recht sei, und Gott werde kein schädlich Tück ihm nicht gefallen lassen, sondern wird ihnen ihre Lügen und Mord vergelten. Amen.
Der 95. Psalm
ist eine Weissagung von Christo, welchen die Epistel zu den Hebräern reichlich handelt, dass er weissage von der Zeit des Neuen Testaments und von der Stimme des Evangeliums. Denn er lehret und locket uns zu Christo und zu dem Wort Gottes als zum rechten Gottesdienst. Und warnet uns für dem Exempel der ungläubigen Väter in der Wüste, die auch nicht ins verheißene Land kamen um ihres Unglaubens und Verachtung willen.
Du musst aber den ganzen Psalm mit Christo sehen, dass der sei derselbe Gott, dem er zu dienen vermahnet, der hat uns geschaffen und ist unser Hirte, und wir sind seine Schafe. Siehe! Der ist’s, den die ungläubigen Väter versuchten, wie Paulus 1. Korinther 10 auch saget. Der will nun kein mosaischen Gottesdienst, sondern Glauben, fröhlich predigen, loben und danken an seiner Statt haben.
Der 96. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi in aller Welt, darin eitel Freude und Loben sein soll. Und ist ja der Text an ihm wohl klar genug. Hier wird allen Heiden, Landen, Leuten, Weiden, Wäldern bewiesen, was der rechte Gottesdienst sei, dass sie loben und danken sollten. Darum, dass er richtet und regieret mit Gerechtigkeit und Wahrheit. Das ist, er bringt Hilfe von Sünden und allem, was Sünde mitbringet, als Tod, Hölle, Teufels Gewalt und alles Übel. Das ist das neue Lied vom neuen Reich, von neuen Kreaturen, von neuen Menschen, nicht aus dem Gesetz noch Werken, sondern aus Gott und Geist geboren, und die eitel Wunder sind und tun in Christo, unserm Herrn.
Der 97. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi, eben wie der nächst vorige. Und ist immer die Meinung, dass er solch Reich anricht und erhält durchs Evangelium, damit donnert und bleibt er, und verbrennet seine Feinde und zerschmelzet Berge etc. Das ist: Er demütiget alle Heiligkeit, Weisheit, Gewalt und was groß ist, dass sie allein durch ihn müssen heilig, weise, groß und mächtig werden und sonst nicht. Mit diesen Feinden und Bergen geben unter auch der Juden Reich und Gottesdienst und alles, was nicht Christus ist. Denn er soll allein sein, und alles andere nichts, wie der Stein im Daniel vom Berge gerissen, die ganze Welt zerschmettert und alles zu Staub und zu nichts machet, und er ein Berg wird in aller Welt etc.
Der 98. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi in aller Welt, ausgebreitet wie der vorige Psalm. Und heißt auch fröhlich sein und Gott loben um sein Heil, das ist: predigen und danken für die Erlösung, durch Christum uns gegeben. Hier ist auch der Gottesdienst nicht Opfern zu Jerusalem, sondern predigen und danken, dass er König ist in Gerechtigkeit in aller Welt, das ist: der von Sünden und Tod erlöset durch sich selbst ohne unser Verdienst.
Der 99. Psalm
ist ein Lehrpsalm, der vermahnet das Volk Israel, ihren Gott zu loben zu Zion, obwohl die Heiden darum toben, dass sie ein sonderlich Volk Gottes vor andern sein sollten und viel darüber leiden müssen. Denn er rühmet Mose, Aaron und Samuel, die im Volk Israel die Häupter gewesen waren. Er lehret aber (wie die Worte dastehen) auch das Volk Israel selbst, dass sie wissen sollen: Der rechte Gottesdienst sei nicht im viel Vieh opfern, sondern seine Wunder erkennen und danken etc., dass er sie fromm macht und von Sünden erlöset (im vierten Vers).
Und aber ist eine Weissagung von Christus, der das Recht in aller Welt regieret und seinen Gnadenstuhl und Fußschemel im Himmel gesetzt hat, darüber alle Welt zürnet, toll und töricht wird und die Priester verfolget und tötet.
Der 100. Psalm
ist eine Weissagung von Christo und heißt alle Welt fröhlich sein, loben und danken, das ist: Gott dienen und in seinen Toren und Vorhöfen eingehen, ihn anrufen mit aller Zuversicht etc. Denn seine Gnade ist ein einig Reich, das bleibt gewiss für und für.
Der 101. Psalm
ist ein Lehrpsalm, darin David sich zum Exempel stellet, wie man fromm Haushalten haben und böse Diener nicht leiden soll, wie er denn daher zählet die Lästern und Untugend eines bösen Gesindes, welches gehöret in einen eigenen Komment zu verklären. Das heißt er „von Gnaden und Recht gesungen“, das ist: wie er gnädig sei den Frommen und strafe die Bösen, und wie ein Gesinde soll wohltätig sein und das Böse meiden. Wie es für auch darüber gegangen sei, siehe wohl an Absalom, Ahitophel, Joab etc. Denn wer die Teilung will fromm machen und halten, muss allen Hass und Neid auf sich laden. Darum mag er Gott wohl singen und danken, der ihm solch Gnade und Recht gegeben hat. Denn wo es Gott nicht gibt, wird solch Lied wohl ungesungen bleiben, und dafür eitel Fluchen und Schelten im Hause sein und am Hofe eitel Henken und Köpfen gehen etc.
Der 102. Psalm
ist ein Betpsalm, darin die lieben alten Beter des Gesetzes, der Sünden und des Sterbens müde, sich so herrlich sehnen und rufen nach dem Reich der Gnaden in Christo verheißen, bitten, er wolle es bauen und doch Stein und Kalk zurichten, dass doch ein Mal angehe, und er in allen Königreichen seine Ehre sehen ließe und Hilfe den Gefangenen aus Sünden und Tod, dafür sie beisammen rufen und ihm danken, das ist: im rechten Gott dienen möchten und das Alte Testament aushören. Denn außer Christo ist doch ja nichts, kein Kraft, die Sünde demütigen aus dem Weg und Tage vertreiben. Das ist ein elend, kurz, jämmerlich Leben, darin er nicht gerne wollte weggerafft werden. Aber in seinem Reich ist einig Leben und der hat kein Ende. Denn er ist, der vor Himmel und Erden gewest und die selbigen gemacht hat und sie auch wiederum enden und erneuern wird. Darum ist er außer und über alle Zeit, und seine Jahre haben kein Ende, und ist da kein Sterben. Das Reich wollten sie nur gerne haben. „Es spricht erst: Solch dein Reich komme, Amen.“
Der 103. Psalm
ist ein Dankpsalm, fein und lieblich gemacht, darin er Gott dankt für alle Wohltat, als da ist: Vergebung der Sünden, Leib und Seele gesund machen, allerlei Gut und Genug geben, fröhlich und getrost machen, von Feinden und Übel erlösen. Denn der sich gegen uns, die wir ein gebrechlich und loses Gemächte oder Geschöpf sind, als ein gnädiger, barmherziger, lieber Vater hält und nicht mit uns umgehet nach unsern Sünden und Verdienst, sondern nach seiner Gnaden und Güte. Das sollen wir auch also erkennen und seinen Bund halten, das ist: an ihn glauben und gerne fromm werden und nicht stolz nach halsstarrig sein in unserer Heiligkeit und Gerechtigkeit, welche doch ja hart wider den Bund, sonderlich im ersten Gebot, strebet. Solches alles geschieht in Christo, so damals verheißen und nun gekommen ist, des Reich herrschet über alles etc. Denn am Ende, da er die Engel, Felder, Diener, Heerscharen heißt loben, die sein Wort laut machen, achte ich, ziehe und deute er den Psalm auf Christum, seine Apostel, Evangelium und Kirche, darin solche Gnade regieret. Denn es muss alles in Christo und nichts außer ihm geschehen, was uns selig und Not ist.
Der 104. Psalm
ist ein Dankpsalm für alle anderen Werke außer dem Menschen, die Gott geschaffen hat in Himmel und Erden, wie die selbigen so ordentlich, gewiss und weislich gehen in ihren Werken, Früchten und Bewegungen. Wie er sie denn daher nacheinander zählet: dass der Himmel ohne Säulen und Balken stehet als ein ausgebreiteter Teppich, die Wolken wie ein Gewölbe ohne Grund und Pfeiler, die Winde fliegen wie mit Federn, die Blitze ausgehen, kommen wie ein Wind und Flammen Gestalt etc. Er spielet also und hat seine Lust und Freude an Gottes Kreaturen, so wunderlich geschaffen und so schön untereinander geordnet. Aber wer achtet oder sieht sie also an? Allein der Glaube und Geist.
Der 105. Psalm
ist ein Dankpsalm, dem Volk Israel gemacht, zu danken für alle die alten Wunderwerke, die er ihnen getan hat von Abraham an, bis sie ins Land Kanaan gebracht worden. Wie er sie denn alle nacheinander zählet. Und beschließt mit Mose (5. Mose 9), dass Gott solche Wunder ihnen nicht getan hat um ihrer Frömmigkeit oder Verdienst willen, sondern um seines Bundes und Verheißung willen, die er Abraham zugesagt hatte. Denn wie fromm sie gewesen, und was sie wohl verdienet hätten, singet der folgende Psalm.
Der 106. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er bekennet alle die Sünde, so das Volk Israel wider Gott getan und sich damit aller Gnaden und Wohltaten unwürdig gemacht hatten. Darum er immer rühmet, er habe es um seines Namens willen alles getan und an seinen Bund gedacht etc. Wie denn Mose auch saget (5. Mose 9). Darum sie sich nichts rühmen können, denn allein seiner Gnaden, wie auch wir alle keinen andern Ruhm haben können.
Der 107. Psalm
ist ein Dankpsalm für allerlei Hilfe, so Gott allen Menschen in ihren Nöten erzeiget, sie sind Heiden oder Juden. Welche sonst die Heiden vielerlei Abgöttern, und wir (die Christen) den Türken mancherlei Heiligen bisher und noch viel mehr gesucht haben. Sankt Leonhard hat die Gefangenen erlöset, Sankt Sebastian die Pestilenz vertrieben, Sankt Georg im Krieg geholfen, Sankt Erasmus reich gemacht, Sankt Christophorus im Meer und Wasser Gott gewest etc. Haben also alle Gottes Hülfe unter die Heiligen, wie die Heiden unter ihre Abgötter, geleitet und sie Gott gestohlen und beraubet, dem sie dieser Psalm allein zueignet und dafür danken heißt.
Der 108. Psalm
ist ein Dankpsalm, fällt auch mit Worten aus dem 57. Psalm, darin er danket für sein Königreich etc. Aber doch zeigen die ersten Verse den Psalm an auf Christi Reich und bitten, dass Gott wolle das Reich in aller Welt anrichten und also Davids Reich zu seinem rechten, endlichen, vollen Stand bringen. Denn es war gar ein gering, unvollkommen Stück gegen die ganze Welt zu rechnen, dahin es doch verheißen war zu kommen. Wie Jesaja 9 auch saget: „Auf dem Stuhl Davids und seinem Reich wird er sitzen etc.“
Der 109. Psalm
ist ein Betpsalm, in Christi Person gebetet wider seine Verräter Judas und die Sünden, Seele (Heuchler). Über die klaget er heftig und weissaget zu, wie sie untergehen und von Gottes Zorn verstricket gräulich verderben müssen. Wie wir das alles zu unseren Augen sehen erfüllt.
Der 110. Psalm
ist eine Weissagung von Christo, wie er ein einiger König und Priester sein soll, darum heißt er Gott, zur rechten Hand Gottes sitzend, verklärt und geehrt werden. Und ist des Psalmen nichts gleich in der ganzen Schrift, und wird billig als der vornehmste angezogen, christlichen Glauben zu bestätigen. Denn Christus wird nirgend so mit hellen, klaren Worten ein Priester und ewiger Priester geweissagt, und damit das Priestertum Aarons ausgehoben wird. Wie denn der Psalm weiter und herrlicher in der Epistel zu den Hebräern ausgestrichen wird. Denn es schade wäre, dass solcher Psalm nicht sollte bei den Christen reichlich und gewaltiglich ausgestrichen sein.
Der 111. Psalm
ist ein Dankpsalm, dem Volk Israel gemacht zu singen auf das Osterfest bei dem Passahlamm, darin sie lernten Gott loben und danken in einem kurzen, feinen Lied für alle seine Wunderwerke, sonderlich für das geistliche Regiment, Priestertum, Passahfest, Gesetz, Gottes Wort, Friede, Recht im Lande, Hilfe und allerlei Gnade etc. Wie wir das weiter in unserm Kommentar ausgelegt haben.
Der 112. Psalm
ist ein Trostpsalm, darin die Gottesfürchtigen und Frommen gelobt werden in ihrem guten Leben, und einiger Trost verheißen wird wider alles Übel. Und sonderlich preiset er an ihnen die herrliche Zuversicht und Treue auf Gottes Gnaden, dass sie unverzagt und unerschrocken sind. Welches ist der rechte, wahrhaftige Glaube, dabei sie sehen die Gottlosen und ihre Feinde untergehen.
Der 113. Psalm
ist eine Weissagung vom Reich Christi, das von Aufgang der Sonnen bis zum Niedergang über alle Heiden gehen soll. Und heißt sie Gott loben und seine Gnade predigen. Denn er ist ein Gott der Elenden und Betrübten, ein lieblicher und löblicher Gott, der so hoch sitzt und die Niedrigen liebet und erhöhet. Denn das ist Christi Amt und Werk in seinem Reich: die Hohen erniedrigen, die Klugen zu Narren machen, die Heiligen verdammen, die Fruchtbaren vertrocknen. Und wiederum die Niedrigen erhöhen, die Narren erleuchten, die Sünder heiligen und die Unfruchtbaren fröhliche Mütter machen.
Der 114. Psalm
ist ein Dankpsalm, dem Volk Israel gemacht, damit Gott zu loben aufs Osterfest, um die Wunderwerke Gottes, da sie aus Ägypten durchs Rote Meer, durch die dürre Wüste, Gebirge und Jordan geführt worden ins gelobte Land. Wir singen ihn täglich, Christo zu lobe, der uns aus dem Tod und dürren Wüstenland durch den Wirbel der Welt führt ins ewige Leben etc.
Der 115. Psalm
ist ein Dankpsalm, darinnen Gott gelobet wird, dass er der rechte Helfergott ist und alle ihre Götzen eitel Götzen sind, die nicht helfen können. Darum bittet er im ersten Vers: Nicht uns, HERR etc.“ Siehe nicht an, wie form und würdig wir sind, sonst wirst du uns nimmermehr helfen müssen, und wir würden ebenso wohl wie die Heiden ein Volk sein ohne Gott, oder als welche gelten, die einen hilflosen Gott hätten, wie sie uns schelten. Sondern sieh deine Ehre und deinen Namen an, dass du heißest und gerühmet wirst ein rechter, lebendiger, hilfsreicher Gott. Deinem Namen nach wolltest du mit uns umgehen und nicht nach unserem Namen, da wir Gottes Diener, Opferer, Priester, Beter und Wohltäter heißen. Denn solche Namen können die Heiden auch haben, und hilft es ihnen dennoch nichts.
Der 116. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er fröhlich ist und danket, dass Gott sein Gebet erhöret und aus Todesnöten und der Heiden Angst errettet hat. Wie denn etliche andere Psalmen eben von solcher schwerer geistlicher Anfechtung sagen, wenig Leuten bekannt.
Er klaget auch darinnen, wie es ihm übel geht. Darum dass er seinen Glauben und die Wahrheit Gottes bekennet, und dass er aller Menschen Heiligkeit, Tugend und Werke für falsch und nichtig achtet, da Will und Sinn der Welt nicht wahrhaben noch leiden kann. Darum müssen die Frommen leiden, zittern und zagen in allerlei Unglück.
Aber in dem allen tröstet er sich damit, dass sein Wort recht ist: „Und wenn sie mich noch mehr treiben, schelten sie mir einen aus dem Kelch des Heils, so nehme ich den Kelch der Gnaden und des Heils und trinke mich seliglich trunken und schenke durchs Predigen daraus, wer mit mir trinken und fröhlich Trost an dem Wort der Wahrheit schöpfen will.“ Das ist unser Kelch, und damit dienen wir dazu Gott und preisen seinen Namen und lösen unser Gelübde. Nämlich der ersten Gebote, da wir ihn für einen Gott zu ehren, zu predigen und anzurufen gelobet haben. Und sind eben die Opfer, da das Danksagen, Predigen, Gottes Namen bekennen für allem Volk sei der rechte Gottesdienst etc.
Der 117. Psalm
ist eine Weissagung von Christo, dass alle Welt ihn preisen und dienen soll in seinem Reich, da eitel Gnade und Wahrheit ist, das ist: Vergebung der Sünden, ewiges Leben und alle Not und Leid regiert über Sünde, Tod, Teufel und alles Übel. Er ist von uns ausführlich genug mit einem Kommentar erklärt.
Der 118. Psalm
ist ein Dankpsalm und mein lieber, schönes Confitemini. Was des Summarium sei, mag ein jeglicher aus seinem Kommentar lesen. Er dankt. Er weissaget aber auch von den Christen und von Christo, dem verworfenen Eckstein etc.
Der 119. Psalm
ist ein langer Psalm, darin ist Beten, Trösten, Lehren, Danken mit großem Haufen. Er ist aber vornehmlich gemacht, uns zu treiben zum Wort Gottes. Das selbe preiset er durch und durch und warnet uns vor falschen Lehrern, auch vor dem Überdruss und Verachtung etc. Darum ist er das meiste unter den Trostpsalmen zu rechnen. Denn es liegt auch wahrlich am meisten daran, dass man Gottes Wort rein habe und gerne höre. Daraus folget denn wohl und gewaltiglich: Beten, Lehren, Trösten, Danken, Weissagen, Gott dienen, Leiden und alles, was Gott gefället und den Menschen verdrießet. Wo man’s aber verachtet und satt wird, da bleibet solches alles nichts. Und wo es nicht rein gelehrt wird, da ist wohl viel, aber eitel falsch und verloren Beten, Lehren, Trösten, Danken, Gott dienen, Leiden, Weissagen. Denn es ist doch alles dem Teufel gedienet, der es also verunreiniget mit seiner Ketzerei.
Der 120. Psalm
ist ein Betpsalm, der klagt und schreiet über die falschen Lehrer, die mörderlichen Schaden tun, und ihre Lehre dringet durch wie scharfe Pfeil, mit Gewalt geschossen, und breitet sich aus wie Sturm in Wachholderbüschen, die da leichtlich und sehr brennen, denn sie sind fett und dicht und fangen leicht Feuer. Also ist der Pöbel auch viel mehr geneigt der falschen Lehre, denn sie reimet sich mit der Vernunft wider der rechten Wahrheit. Wie Paulus auch saget von den juckenden Ohren etc.
Mesech sind die Völker gegen Mitternacht [Norden] von Jerusalem, da jetzt die Tataren sind. Kedar sind die Araber gegen Morgen [Osten]. Sie bedeuten aber alle Nachbarn und falschen Lehrer, wie jetzt der Türke der Christen Mesech ist (denn er von Tataren hergekommen ist), und der Mohammed oder Sarazenen, die Kedar sind (denn aus Arabien sind sie gekommen) – und mit ihrem Koran das Evangelium gedämpft und ihre Lehre weit um sich gebrannt, gefressen und getrieben etc.
Der 121. Psalm
ist ein Trostpsalm, darin er mit seinem Exempel tröstet, dass man im Glauben fest bleiben und Gottes Hilfe und Schutz erwarten soll. Denn ob es wohl scheinet, als schlüge oder stäche uns beides – die Sonne des Tags und der Mond des Nachts –, so ist’s doch nicht also, wie wir fühlen und uns dünken lassen. Denn er wachet und hütet unser gewiss und lässt uns von der Sonne nicht zu Tod stechen. Das werden wir zuletzt erfahren gewiss, wo wir’s nur erharren können.
Der 122. Psalm
ist ein Dankpsalm, der mit Freuden dankt für das Wort Gottes, so an gewisser Stätte, als zu Jerusalem, zu hören, und durch gewisse Personen, als die Leviten und Könige, von gewissen Schülern, als die Stämme Israel, gegeben ist. Denn was zum Jammer ist: Gottes Wort allenthalben suchen und an keinem Orte finden können, erfuhren die Kinder Israel wohl mit ihrem Laufen zu den Abgöttern, und wir mit unserem Rennen zu den Wallfahrten und Klöstern etc.
Aber unser Jerusalem ist die heilige Kirche, Christus unser Tempel, Altar, Gnadenstuhl, auf dem und von dem und bei dem wir sein Wort suchen und hören sollen.
Der 123. Psalm
ist ein Betpsalm wider die Stolzen und Hoffärtigen, so Gottes Wort und sein Völklein verachten und verspotten. Welches nicht allein die Heiden täten, die der Kinder Israel Gott und Gottesdienst für ein Narrenwerk, ja für Irrtum und Aufruhr hielten, sondern auch sie selbst untereinander – die Abgöttischen, Götzen- und falschen Lehrer – mit ihrem Lästern gar stolzlich und sicher verachteten und spotteten des kleinen Häufleins und der rechten Lehre. Wie droben der zwölfte und vierzehnte Psalm auch klagen.
Und jetzt unsere Dunkelmänner und Abtgeister, die beide heiliger sind denn das Evangelium selber ist, gar höhnisch und andächtiglich der armen Prediger und treuen Diener Christi spotten und mit Füßen treten. Was unsere Heiden, die geistlichen Herren samt ihrem Lästern tun, und wir müssen also allenthalben voll Verachtung sein. Aber Gott ist und wird uns gnädig sein. Amen.
Der 124. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er Gott dankt, dass er das selbe arme Häuflein schützet wider die Tyrannen und Wüterichen und rettet aus den Stricken der geistlichen Lästerer und Verleumder. Welcher beider so viel ist und so groß sind, als große, tiefe Wasser und Sündflut gegen dem kleinen Häuflein. Aber wenn ihre Zähne noch so böse und zornig, und ihre Stricke noch so listig und geistig wären, ist doch Gott noch größer und schlägt Zähne aus und zerreißt Stricke und hilft den Seinen davon, wie wir das noch täglich bei uns selber erfahren.
Der 125. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er dankt, dass Gott endlich der Gottlosen Lehrer und Regierer Gewalt nicht leidet über die, so recht glauben, lehren und auf ihn hoffen. Auf dass sie zuletzt nicht auch müde würden und von dem Wort abweichen möchten, sondern wird diesen, so aus Hass alles Gutes tun, die Abtrünnigen aber mit ihrem krummen Weg, wird er beide, Meister und Schüler, auf einen Haufen ausstoßen und vertreiben. Da haben wir auch zu unserer Zeit etliche Exempel an den Rottengeistern erlebt und gesehen.
Der 126. Psalm
ist ein Dankpsalm für die Erlösung aus der Gefangenschaft zu Babylon. Er sei gemacht hernach, oder zuvor als eine Weissagung, zum Trost und Hoffnung der künftigen Erlösung, damit sie nicht verzweifelten, ist gleich viel. Am Ende beschließt er: Es gehe und müsse den Heiligen also gehen, dass sie zuvor ausleiden, ehe sie sich freuen, gleich wie die Welt muss sich zuvor ängsten, ehe sie ihr Leiden kriegt. Darum müssen die Heiligen mit Tränen säen, danach mit Freuden ernten. „Aber edel ist und köstlich“ (spricht er) „solcher Same, der solche Früchte bringet.“ Aber zum Weinen kann man nicht sehen, dass er so edel und wert sei vor Gott, welcher Heiligtum gar lieb hat, dass er nach dem Tod oder doch der schändlichste, verfluchteste Same ist vor aller Welt – seiner Heiligen teurer achtet denn aller Welt Schatz und Gut.
Der 127. Psalm
ist ein Lehrpsalm, denn er lehret, dass weltlich Regiment und Haushalten eitel Gottesgaben sind und allein in seiner Hand stehet. Denn wo er nicht Friede und gut Regiment gibt, da hilft keine Weisheit, Ordnung, Streit noch Rüstung Friede erhalten. Wo er nicht Glück mit Weib und Gesinde gibt, da ist alle Sorge und Arbeit umsonst etc. Davon weiter in den Kommentaren, darin er wohl aus Licht gebracht ist.
Der 128. Psalm
ist ein Trostpsalm, darin der eheliche Stand herrlich gepriesen und die Eheleute höchlich getröstet werden. Dass sie nicht allein sehen sollen die Mühe, Arbeit, Unlust und anderer Ungemach, so sie darinnen leiden und erfahren müssen, sondern den gnädigen Willen Gottes über sie, dass ihr Stand und Wesen sein gnädig Geschöpf und von ihm gesegnet ist. Darum er ihm lieb ist, viel mehr Heil, Glück und Frieden dabei gibt, denn des Ungemachs jemals sein kann, wo man es nur glaubt und sich recht darein schicket und fromm darinnen bleibt. Darum er „Fürchte und zittern“ hineinspricht: „Wer den HERRN fürchtet, dem geht’s wohl; den Gottlosen übel gehet, ist kein Wunder.“
Der 129. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin das Volk Israel danket für die mancherlei Erlösungen, so er oft getan hat von Anbeginn, wie im Buch der Richter und Könige stehet. Dass sie fast von den Heiden unterdrückt waren, welche sie lange gar hart unter sich hielten, und also „die langen Furchen aus ihrem Rücken“ machten und in dem Joch und Seilen gesponnen übertrieben, bis dass ihr Gott einen Heiland erweckte und sie von ihren Pflügern samt dem Joch und Seilen ledig machte.
Am Ende wünscht er ihnen (das ist: weissagt ihnen), dass alle ihre Feinde verdorren und versiegen sollten, wie denn geschehen. Denn alle Völker sind vergangen, Israel ist aber geblieben. Also sind noch alle Heiden und Feinde der Frommen wie das Gras auf den Dächern, das wächst und grünet, als wollt’s viel tun. Aber es verdorret, ehe es reif wird und bringet keine Frucht und ist kein Segen darinnen. Und die Heiden und Übeltäter und allerlei Feinde, wenn sie hoch trotzen und toben, verschwinden sie zuletzt, dass sie keinen Samen noch Güte hinter sich lassen. Christen aber bleiben für und für.
Der 130. Psalm
ist ein Betpsalm, der geht von rechter Davidischer Andacht und Verstand. Denn er bekennet, dass vor Gott niemand gerecht sei noch sein möge durch eigen Werk und Gerechtigkeit, sondern allein durch Gnade und Vergebung der Sünden, die Gott verheißen habe. Auf solche Verheißung und Wort bauet und tröstet er sich und vermahnet ganz Israel, es solle auch also tun und lernen, dass bei Gott sei der Gnadenstuhl und Erlösung, und Israel müsse durch ihn allein, und sonst nicht, von neuen Sünden ledig werden. Das ist: durch Vergebung. Wär’s nicht Gnade, gerecht und selig werden, sonst würde er wohl in der Tiefe bleiben und vor Gott nimmermehr bestehen. Siehe, das ist ein rechter Meister und Doktor der heiligen Schrift. Der hat verstanden, was da heiße: „Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten“ (1. Mose 3,15). Und: „Durch deinen Samen sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden“ (1. Mose 12,3; 22,18). Darum stehen solche beide Verheißungen und Weissagungen von Christo in diesem Vers: „Er wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.“ Auf und aus diesem Vers geht der ganze Psalm.
Der 131. Psalm
ist ein Lehrpsalm wider die stolzen, hoffärtigen Heiligen, so sich trösten und vermessen ihrer großen Gottesdienste und Heiligkeit und nicht auf die Vergebung, wie der vorige Psalm saget. Als sollt er sagen: »Ich kann nicht so hoch herfahren und pochen mit meiner Heiligkeit, als die Leute tun, so aus sich selber bauen. Denn so oft ich’s habe wollen tun und mein Herz nicht auf Gottes Gnade gründete und stillete, das ist, ruhen ließ, so geschah mir als einem entwöhnten Kinde: Ich verlor den Zitzen der Verheißung und Gnade, schrie Tag und Nacht und hatte keine Ruhe in meinem Gewissen.« Darum schließe ich also: Dass Israel und jedermann traue und hoffe auf Gott und verlasse sich bloß auf seine Gnade. Diesen Zitzen lass dir nicht nehmen, das rate ich dir. Denn der verheißene und künftige Christus ist darinnen.
Der 132. Psalm
ist ein Betpsalm, darin Salomo oder das Volk Israel betet um Erhaltung des Priestertums und Königreichs. Das ist: Er betet für das geistliche und weltliche Regiment, um Gottes Wort und zeitlichen Friede. Denn wo die beiden wohl stehen, da geht’s wohl. Und sehet an im letzten Vers zu erzählen, wie solch Gebet nicht allein erhört sei, sondern wie es Gott auch zuvor beides mit einem Eid verheißen und wolle beide, Königreich und Priestertum zu Jerusalem erhalten und selbst da wohnen und allen Segen und Gnade daselbst geben und ihre Feinde zu Schanden machen, so fern sie auch seine Gebote halten und ihm gehorsam sind. Warum er aber im sechsten Vers den Ort der Wohnung Gottes Ephrata und seit des Walds nennt, ist zu lang und gehöret ins Kommentar.
Der 133. Psalm
ist ein Lehrpsalm, dass man soll einträchtig und freundlich untereinander leben, beide im geistlichen und weltlichen Stände: einerlei Lehre, einerlei Recht. Und dass einer dem andern helfe tragen, wie die zwei Gleichnisse geben: eines von dem Balsam, der aus Aarons Haupt herabfließt in seinen Bart und Kleider, und der Tau von den Bergen Hermon auf die Berge Zion. Wo es so zugehet, da wohnet Gott gerne mit aller Gnade, Segen und Leben. Wo aber Uneinigkeit und Rotten sind, da wohnet der Teufel und der Tod mit allem Unglück.
Der 134. Psalm
ist ein Lehrpsalm, darin er lehret und vermahnet die Priester und Geistlichen, ihr Amt, dass sie sollen treulich und fleißig Gott dienen, Tag und Nacht Gott loben, predigen und sein Wort treiben. Wie auch Paulus zu Timotheus sagt (1. Tim. 4), er solle anhalten mit seinem Amt treulich, unangesehen, dass viele verachten und sich davon kehren, zu fabeln etc. Denn wo man Gottes Wort sitzen lässt, da muss beides, geistlich und weltlich Regiment, dahin fallen, aufs wenigst in Irrtum und von Gott verloren werden in des Teufels Gewalt. Wo man aber fleißig ist mit Predigen, da gibt der, so Himmel und Erde geschaffen hat, immer Segen zu, und um seines Wortes willen bleibt und gibt er auch den Unwürdigen und Undankbaren alles Gute. Dieser Psalm lasst euch Pfarrherrn, Predigern, Bischöfen und allen, die im geistlichen Amt sitzen, gesungen sein.
Der 135. Psalm
ist ein Dankpsalm und heißt die Priester danken, predigen und loben Gott in seinen Wundern, dem Volk in Ägypten und anderswo erzeiget, auf dass sie Gottes nicht vergessen und Götzen oder andere Götter suchen. Wie es auch gebet und gehen muss, wo man nicht immer treibt und fleißig umgeht mit Predigen und Gottloben, wie im nächsten Psalm gefügt ist. Wenn aber Gott richtet (im vierzehnten Vers) sein Volk, das ist: prediget, lehret und strafet, so ist er gern seinen Dienern gnädig. Wo aber sein Wort geschwiegen ist, und er nicht richtet noch lehret, da muss gewisslich großer Zorn und Ungnade sein. Darum denket ihr Diener im Hause des HERRN und prediget fleißig von Gott und seinen Werken etc.
Der 136. Psalm
ist ein Dankpsalm, und ist fast der Text, den er den Priestern anzeiget, wovon sie singen und predigen sollen. Nämlich von Gott und seinen Wundertaten, wie er sei gnädig und barmherzig und ein rechter Heiland. Darum er in jeglichem Vers wiederholet das Stück „Deine Güte währet ewiglich“, damit er sie gleich überschüttet, dass sie in eitel Gnade und nicht Menschenwerk noch Lehre predigen sollen. Denn Menschenwerk und Wort haben solche Wunder an ihnen nicht getan, und war auch ihres Verdienstes Schuld nicht, sondern seine bloße Gnade und lauter Güte, die alles gibt, gibt, gibt (spricht er) und umsonst gibt. Und steckt auch der Christus in dem Stück verborgen. Solche Lehre behält im Volk reinen Glauben und rechten Verstand von der Gnaden und Vergebung der Sünde, wider die Rotten und hoffärtigen Werkheiligen etc.
Der 137. Psalm
ist ein Betpsalm in der Person der Gefangenen zu Babylon für Jerusalem, das ist, für Gottes Wort und geistlich Regiment, das so gar zerstöret darnieder lag. Des sich wohl billig aufs höchste und für allen Dingen bei den Gottesfürchtigen anzunehmen ist, wie dieser Psalm zeigt. Wiewohl sich solcher Zerstörung Babylon und Edom höchlich freuen und ihr Gespött daraus treiben, welches Wehe tut. Aber sie sollens ungebüßt und ungestraft nicht davon tragen, sondern wiederum also zerrissen werden, dass auch ihre Kinder zerschmettert und sie keine Nachkommen haben sollen, und Israel und Gottes Wort dennoch für und für bleiben. Wie denn Babylon geschehen ist, und auch unsern Edomitern und Babyloniern geschehen wird, die jetzt sich freuen und spotten der armen zerrissenen Kirche und zerstörten Gottes Wort und Dienst.
Der 138. Psalm
ist ein Dankpsalm in gemein für allerlei Hilfe von den Feinden. Und wünschet, dass Christi Reich käme. Und auch Könige sollen sein Wort und Lehre annehmen und dafür danken und rechten Gottesdienst tun und lernen, dass Christi Reich sei: die Hohen sitzen und die Niedrigen heißen, die in Not und Angst stecken, trösten, die Sünder und Elenden erretten. Und beschließt mit Bitten, Gott wolle solch angefangenes Reich und Werk nicht lassen, sondern vollbringen in Ewigkeit.
Der 139. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er Gott preiset, dass er ihn so wunderlich versehen hat und noch regieret in allen seinen Werken, Worten, Gedanken. Und wo er stehet, gehet, schläft oder wacht, ja auch im Mutterleib, ehe er geschaffen ward, bei ihm war, wie er gebildet werden und wie lange er leben soll. Er soll sagen: Es stehet ja in keines Menschen Kunst noch Macht, wie er leben, tun, reden, denken, wo und wenn, woher und wohin er kommen sol. Sondern ist alles eitel lauter Gottes Werk und Kunst.
Was machen denn die leidigen Gottlosen, die solches nicht glauben, sondern wollen mit ihren verdrießlichen Werken selber fromm sein? Sie wollens getan haben, was sie tun, und wollen Verdienst, Ruhm und Ehre bei Gott davon haben. So sie doch nicht ein Wort aus ihnen selber machen, nicht einen Gedanken aus eigen Kräften fassen können. Wissen dazu nicht, was sie machen, wie sie geschaffen, wie sie leben, reden und denken.
So denn alles, was wir sind und tun, Gottes Werk und Kunst ist, was vermessen sich denn Menschen des hohen Werks, dass sie sich fromm machen, freien Willen rühmen und von Sünden und Tod sich erretten wollen etc.? Solche können nicht recht von Gott und seinen Werken reden. „Behüte du mich, HERR, dafür und prüfe mich und fege mein Herz, auf dass ich auf dem rechten Wege bleibe, der ewiglich bestehet etc.“
Der 140. Psalm
ist ein Betpsalm wider die stolzen, frevelhaften Heiligen, die nicht allein viel Stricke und Ärgernis in den rechten Weg, wider Gottes Wort stellen, sondern drohen dazu und toben mit Gewalt wider alle die, so ihren Irrtum nicht preisen und folgen. Da bittet er, dass ihr Vorhaben nicht fortgehe, sondern über ihren eigenen Kopf komme und geschehe ihnen, wie Pharao im Roten Meer, den das Wasser ins Meer schlug und ersäufte. Also werden alle solche Trugmenschen gestürzt werden und Rechtgläubige für Gott ewiglich bleiben.
Der 141. Psalm
ist ein Betpsalm und bittet, dass er behütet werde vor den Gottlosen Lehrern, die sich freundlich stellen und glatte Worte geben, wo Drohen nicht hilft. „Es ist mir lieber“ (spricht er), „die rechten Lehrer straffen mich und verdammen meine Gerechtigkeit, denn dass sie mich loben. Und ob mir’s gleich übel darüber geht, Kreuz und Tod leide und zerrissen und zunichtewerde, will ich doch lieber auf den HERRN trauen. Denn ihr Heucheln wird zuletzt dennoch über einen selber brechen, dass sie plötzlich gestürzt, ein böses Ende nehmen.“ „Dann wird man sehen, wie bitter ihre süße Lehre und wie lieblich meine saure Lehre sei. Da wird sie bringen für eigene Lehre, darin sie also im eigenen Netz gefangen werden. Ich aber frei entkommen.“
Der 142. Psalm
ist ein Betpsalm als eines Gefangenen unter den falschen Lehrern, die ihn mit Gewalt vom rechten Glauben und Leben dringen. Denn solches ist bei dem Volk Israel täglich gemein gewesen, dass sie die rechten Propheten verfolget und verdammt haben um des rechten Gottesdienstes und Wortes willen, wie die aller Historien zeigen. Und Christus Matth. 23 und Apg. 7, Stephanus, zeugen. Darum ist nicht Wunder, dass viel Psalmen wider solche falsche Propheten und Lehrer gemacht sind, weil es so gar gemein gewesen ist. Und in der Kirchen von uns auch immerdar geübt ist, dass wir Gott bitten dürfen vor falschen Lehrern und Irrtum zu behüten. Die Geschichte von Ahab und Isebel zeiget ein Exempel an diesem Psalm, da alle Propheten sich müssen verstecken und verkriechen. Und in Arius Zeiten auch alle rechtgläubigen Bischöfe müssen weichen. Denn der Teufel will Gottes Wort und seine Diener nicht leiden.
Der 143. Psalm
ist ein Betpsalm, darin er um Gnade und Vergebung der Sünde bittet in den Ängsten seines Gewissens. Zu welchem Unglück treiben die Feinde der Gnade, die Gesetzeslehrer, welche allermeist plagen die betrübten, blöden Gewissen und treiben sie in Finsternis, das ist, in Verzweifeln und Tod, mit ihren schweren Lasten und untragbaren Werklehren, die sie doch kein einziges mit einem Finger selbst anrühren, wie Christus Matthäus 23 fügt.
Aber hier zeigt der Psalm: Gott müsse die Gnade tun und nicht das Recht, vor welchem kein lebendiger Mensch bestehen kann, wie auch alle alte Geschichte und Werke des Herrn zeugen. Denn allen heiligen Vätern hat er geholfen aus Liebe und Gnaden und nicht aus Recht. Wie auch Petrus sagt (Apg. 4): »Gott haben weder wir noch unsere Väter solche Last tragen können, sondern wir hoffen durch die Gnade Christi selig zu werden, gleich wie sie geworden sind.«
Solche Werke und alte Exempel (spricht er hier) sehe ich an und tröste mich. Denn sie ebenso wohl aus lauter Gnade (wie auch Abraham selbst aus Werken und Abgötterei) berufen sind. Jene sind getröstet und errettet von Sünden als ich, und sind so wohl Sünder gewesen als ich. Und gilt hier keines Rühmens der Gerechtigkeit oder Heiligkeit, wie die falschen Propheten uns plagen.
Der 144. Psalm
ist ein Dankpsalm für die Obrigkeit zu sprechen. Denn David dankt Gott hiermit als ein König, der kriegen und regieren musste, und bekennt, dass aller Sieg, Glück und Heil im Streit und Regiment Gottes Gabe sei und nicht Menschenkraft noch Kunst. Da wenig auch Menschenweisheit ist, Volk unter sich zu halten im Zwang, Land und Leute wohl zu regieren. Denn was soll ein Mensch solch großes Werk vermögen, so er doch nichts ist und wie ein Schatten dahinschwebt?
Aber der Herr tut’s, der blitzt und gibt verjagte, erschrockene Herzen im Heer und demütige Herzen im Volk. Wenn er also die Berge und große Haufen anrührt, dass sie sich vor ihm massenweise fürchten, so ist gut kriegen und regieren, so folget Sieg und Glück. Und solche Furcht – wie kann sie sonst ein Mensch in Wegen bringen?
Danach bittet er wider sein eigen Volk und strafft ihren Unglauben. Denn das Volk Israel, weil es den Ruhm hatte, dass es Gottes Volk hieß, war es über alle Maßen stolz, halsstarrig, ungehorsam, aufrührerisch, geizig, neidisch, ungläubig. Wie sie beide gegen Mose und David und andern Königen wohl bewiesen. Und ob sie wohl sahen, dass David mit Wundertaten kriegte und regierte, gleich wie Mose, doch wurden sie nicht desto besser und fragten nicht nach Gott oder Glauben. »Was Gottes? Was Glaubens? Teilen wir schöne Kinder, Häuser, Vieh, groß Gut und gute Tage, das wär’ ein selig Volk!« Und hatten auch Propheten genug, die solches lehrten, dass die Gottesvolk wären, denen es wohl ginge; welchen es übel ginge, wären vor Gott nichts – wie es denn allen Heiligen übel geht, darum dass sie Gott vertrauen.
Hast du mich nicht erlöst von des Mörders Goliath Schwert und mir, wie andern Heiligen, viel Sieg gegeben, so behüte mich auch vor diesem gottlosen, bösen, falschen Volk, das weder Gott noch Könige achtet und nichts danach fragt, was einem Regiment im Krieg und Friede not ist. Es sind Bauern und Rohlinge, ja rechte Säue, die nichts denn ihren Bauch suchen. Und ist schwerer und gefährlicher, sie zu regieren, denn Krieg je gewesen mag.
Er heißt sie fremde Kinder, gleich als wären sie die frommsten Kinder Gottes – und sind doch fremde und ärger denn Heiden. Gaukler sind sie, die Gott mit dem Munde ehren, und ihr Herz ist fern von ihm etc.
Der 145. Psalm
ist ein Dankpsalm für das Königreich Christi, so herrlich war, und treibet fest das hohe Werk, Gott zu loben, seine Macht und Reich zu rühmen. Denn Christi Reich und Macht ist unter dem Kreuz verborgen, bliebe man’s nicht durch Predigen, Lehren und Bekennen rühmen, wer könnte etwas davon denken? Schweige denn niemand! Er ist aber seine Macht und Reich der Art, dass er auferweckt die Gefallenen, sich annimmt der Elenden, die Sünder fromm, die Toten lebendig macht. Er ist’s, der alles erneuert, der seiner Heiligen Anrufen erhört, tut, was sie begehren, sie behütet etc.
Der 146. Psalm
ist ein Dankpsalm und lehret gleichwohl daneben, dass man auf Gott und nicht auf Fürsten oder Menschen trauen soll, wie die leidige Welt, Fleisch und Blut pflegt. Denn Gott ist’s allein, der aus allerlei Not treulich befreien kann und hilft. Das gelobte Heischen menschlicher Hilfe ist misslich und hält die Länge nicht. Denn er selbst seines Lebens keine Stunde gewiss ist.
Der 147. Psalm
ist ein Dankpsalm für mancherlei Wohltat und Wunderwerk Gottes, erstlich an Israel und Jerusalem, danach an allen Dürstigen. Der auch Regen und Gewächs gibt allen Tieren, und kein Vöglein hungert, auch die jungen Raben nicht. Aber viel mehr den Menschen, sonderlich, die aus seiner Güte und nicht auf Mann und Rosse trauen.
Er gibt aber für allen Jerusalem, da sein Wort und Wohnung ist, Frieden, Korn und alles Genug. Denn Jerusalem und Israel haben das Vorteil, dass sie Gottes Wort und Gottesdienst haben vor allen Heiden. Darum er auch mehr Wunder bei ihnen tut, und werden auch daselbst die erlaubten täglichen Wunder, als Regen, Schnee, Eis etc., denn bei den Ungläubigen, die Gottes Wort nicht haben oder nicht achten. Darum können sie auch kein Werk noch Wunder Gottes sehen, ob sie gleich mit allen fünf Sinnen täglich darinnen sich weiden, wühlen und schweigen wie die Säue. Sie hören nichts von Gott, weil sie nicht hören noch achten sein Wort.
Der 148. Psalm
ist ein Dankpsalm, darin er Gott zu loben reizet und vermahnt alle Kreaturen im Himmel und auf Erden, sonderlich aber seine Heiligen, die Kinder Israel, die ihm dienen, das ist, sein Wort und Gottesdienst haben, und im übrigen. Dass dieser Psalm bestätigt alle Stände von Gott geschaffen, dass sie gut und löblich sind als Könige, Richter, alt, jung. Denn wo König und Richter Amt böse wären und Gott ungenehm, so könnte man Gott nicht drinnen loben. Wo aber Könige und Richter sind, da sind auch Untertanen, Knechte, Henker, Krieger, Handwerker, Bauern, Bürger etc. Wo alt und jung sind, da sind Eheleute, Kinder und Hausgesinde. Alles ist löblich und gut, und zeigen an, dass ihr Schöpfer gut sei. Und sollen alle billig eitel Zungen sein und alle immerdar predigen solche große Güte Gottes. Willst du aber wissen, wie gut ein jegliches Ding ist, so nimm für dich, welchs du willst, und sprich: Wenn kein Säure wäre? Wenn keine Sonne wäre? Wenn kein Henker wäre? Wenn kein Weib wäre? etc. So wirst du sehen, warum man Gott danken solle.
Der 149. Psalm
ist ein Dankpsalm für die Wohltat, dass Gott seinem Volk gnädig und barmherzig ist und sie wissen, wie sie einen gnädigen Gott haben, des sie sich billig freuen. Und ist die Wohltat oder Gnade, die da heißt Vergebung der Sünde. Dass Gott nicht will rächen, wie böse und sündig sie sind. Darum gehört dieser Psalm eigentlich ins Neue Testament, und er nennt’s selber ein neu Lied, dem König Zion zu singen, den sie rühmen sollen auf freien Lagern, das ist, in freien Kirchen, da man zu singen kommt, wie Jesaja die Kirchen und Altarlager oder Betten heißt, darin Israel Hurerei, das ist, Abgötterei, trieb.
Item, das ist auch des Neuen Testaments, dass sie scharfe Schwerter haben sollen in Händen, die Heiden zu strafen, die Könige in Stock und Türme legen und die Rache üben, wie geschrieben steht. Denn das lautet jüdisch, ja viel mehr mohammedanisch und türkisch. Das ist aber die Rache, so in der Christenheit verheißen ist, dass Abrahams Same wird durchs Evangelion, das geistliche Schwert, in aller Welt die Abgötterei niederschlagen, aller Könige und Weisen Heiligkeit und Weisheit gefangen nehmen und Christo unterwerfen, wie Paulus sagt 1. Kor. 10.
Der 150. Psalm
ist ein Dankpsalm, erstlich dem Volk Israel gemacht, Gott damit zu loben, dass sie sein Heiligtum, die Feste seiner Macht, das ist seine Wohnung, Himmel und Schloss zu Jerusalem, da er seine Macht mit Wundertaten erzeiget. Und nennet daher die jüdischen Saitenspiel und Musica, damit ihr Lob und Gottesdienst ward ausgerichtet. Aber bei den Christen ist das Predigen und Evangelion solches Saitenspiel und Gottesdienst alle.
Und merke, dass alle Dankpsalmen sind eitel Verheißung den betrübten, elenden Gewissen und sagen also viel, dass Gott gnädig sei und alle Sünde gerne vergebe und allen Trost geben wolle, dass man sich alles Gutes und alles Trostes zu ihm versehen soll. Darum ist ein öffentlicher Dankpsalm zugleich auch heimlich ein Trostpsalm, ja auch ein Lehrpsalm und eine Weissagung, als der mit einem Exempel Gottes Gnade verkündigt und lehrt aufs Vertrauen und Glauben. Das heiße uns der selbige barmherzige Gott, unser Heiland und Herr Jesus Christus, mit dem Vater und heiligen Geist gelobt in Ewigkeit.
AMEN.
Ich bitte, so jemand mein armer Dienst, diese Summarien gefallen würde, dass er sie nicht in den Psalter, zwischen die Psalmen menge. Denn ich den Text für sich selbst gerne allein, unvermischt sehe. So steht es auch nicht fein, dass die Summarien (welcher etliche schier ein Kommentar sind) größer denn die Psalmen selber da zwischen dem Text stehen sollen. Hiermit Gott befohlen.
AMEN.
WA 38, 9-69.