Karl Barth im Konflikt mit der Leitung des Instituts für Leibesübungen an der Uni Bonn 1931: „Ich fühle mich durch diese Massnahmen gekränkt und in meiner Tä­tigkeit als Lehrer der systematischen Theologie gestört und ersuche Ew. Magnificenz ehrerbietigst, mich und alle davon mitbetroffenen nicht leibesübenden Kollegen gegen die Uebergriffe jenes Instituts in Schutz zu nehmen.“

Bonn, den 19. Januar 1931

Magnificenz!

Der Unterzeichnete gestattet sich hiemit, Ihnen folgende Beschwerde zu unterbreiten:

Die Leitung des dem Auditorium in der Konviktstrasse benachbarten Instituts für Leibesübungen hat fol­gende Massnahmen ergriffen:

1. Sie hat durch zwei feindselig befe­stigte Schildaufschriften die jenes Auditorium benützenden Dozen­ten aufgefordert, ihren Ausgang und Eingang durch eine unwürdi­ge, mit dem Eingang zu einem Kohlenkeller verbundene Türe zu nehmen.

2. Sie hat ein zwischen dem Institut und dem Auditorium befindliches neu und prunkvoll errichtetes Closett abschliessen lassen und erklärt, wie mir die Aufwartefrau mitteilt, ausschliesslich für dessen Benützung zuständig zu sein.

Ich fühle mich durch diese Massnahmen gekränkt und in meiner Tä­tigkeit als Lehrer der systematischen Theologie gestört und ersuche Ew. Magnificenz ehrerbietigst, mich und alle davon mitbetroffenen nicht leibesübenden Kollegen gegen die Uebergriffe jenes Instituts in Schutz zu nehmen.

In tiefer Verehrung begrüsst Sie Ew. Magnificenz ehrfurchtvollst ergebener

(Barth)

Bonn, den 26. Januar 1931

Hochgeehrter Herr Kollege!

Auf Ihre Beschwerde vom 19. d. Mts. erlaube ich mir Ihnen mitzuteilen, daß ich den Leiter des Instituts für Leibesübungen, Herrn Dr. S. zu mir bestellt und ihn angewiesen habe, den Durchgang durch das Institut für Leibesübungen sowie das Klosett ne­ben dem Dozentenzimmer für dieje­nigen Herren Kollegen frei zu halten, die in dem Hörsaale in der Konviktstraße lesen. Herr Dr. S. hat mir dies zugesagt. Der Schlüssel zum Klosett kann jederzeit im Geschäftszimmer des Instituts für Leibesübungen er­halten werden. Die beiden anstößigen Plakate gelten ausdrücklich nicht für die erwähnten Dozenten, sie sollen aber an der Stelle belassen werden, weil es unerwünscht ist, daß der Durchgang vom Publikum benützt wird. Den Herren Dozenten, die den Durchgang durch das Institut für Leibesübungen benützen, ist überdies Gelegenheit gegeben, sich an den dort ausgestellten Ehrendiplomen und anderen Sportgegenständen zu belehren.

Ich hoffe, daß dadurch ein unge­störter Unterricht in der systemati­schen Theologie gewährleistet ist.

In ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebener

(Richard Siebeck)

Quelle: Mitteilungen des Hochschulverbandes, Nr. 5, 1988, S. 280.

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