Nun darfst du ruhn. Es wird das heilige Licht
Von dir sich nimmer scheiden und den Deinen.
Wenn einst des Richters Boten dir erscheinen,
Verzage nicht! Um deinen Glauben nicht!
Die Schuld ist aller. Unser das Gericht.
Wer all sein Leben opferte dem Reinen,
sühnt auch im Dunkel, da durch haltlos Weinen
Des Abgrunds mächtige Todesstimme spricht.
Dir war dein Wort genommen und der Ort,
Wo deines Herzens Treue durfte dauern,
So lang beschützt mit ritterlichen Armen.
Da machtest du den Tod zu deinem Wort.
Es bricht gewaltig aus den Kerkermauern
Und klagt und sühnt – und Gott wird sich erbarmen.
(1943)
Quelle: Reinhold Schneider, Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte, Köln und Olten: Jakob Hegner, 1955, S. 117.