Jochen Klepper, Trostlied am Morgen (1941): „Wenn ihr stille bliebet, / wo dem Herzen graut; / wo euch Angst betrübet, / daß kein Heil ihr schaut: / so wäret ihr in Sorgen, / wie sie keiner sah, / stark und fest geborgen / und der Hilfe nah.“

TROSTLIED AM MORGEN

„Wenn ihr stille bliebet, so würde euch geholfen;
durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein.“
Jesaja 30,15

Wenn ihr stille bliebet,
wo dem Herzen graut;
wo euch Angst betrübet,
daß kein Heil ihr schaut:
so wäret ihr in Sorgen,
wie sie keiner sah,
stark und fest geborgen
und der Hilfe nah.

Wenn ihr stille würdet,
nun ihr nicht ertragt,
was euch aufgebürdet,
ohne Maß euch plagt:
so würdet ihr errettet –
sei kein Weg, kein Licht, –
dem im Schoß gebettet,
dem das Herze bricht.

Seid ihr hoffend stille,
strömt die Kraft euch zu.
Stets bleibt Gottes Wille,
daß er Wunder tu.
Durch Stillesein und Hoffen
werdet stark und fest,
seht den Himmel offen,
der euch nicht verläßt.

Jochen Klepper

Dazu Kleppers Tagebucheintrag vom Freitag, 1. August 1941 aus dem ukrainischen Dorf Oljgopolj:

Über unserem Bus, unserem Eßplatz, Sitzplatz, Waschplatz reift der große Birnbaum. Einmal, irgendwo und irgendwann werden wir ja auch Ernte halten dürfen.

Goldener Glanz, leuchtendes Grün, Bienensummen des ersten Augustmorgens. Licht- und Schattenspiel auf meinem Schreibblock. Von früh an die „auswärtigen Gäste“ um meinen Schreibplatz im grünen, stillen Winkel; aber sie wissen, daß ich mich nur bei den Mahlzeiten und nach dem Dunkelwerden unterhalten kann. Täglich durchsuchen die Landser die Gärten nach Gurken; Gurken mit dem schon so raren Zucker sind ihr höchster Genuß. In ihren Freuden so bescheiden. Hühner und Eier gibt es nicht mehr. Aber Gemüse. Und ein wenig reinen Bienenhonig.

Dieses Dorf hat auffallend wenige Hunde.

Ich bin so gesund und sehe so wohl aus; aber so müde, immer. Daher rauche ich bei der Arbeit auch viel mehr, als ich möchte.

In der Küche dieses Häuschens neben dem blauen Ofen hängt von der Decke die Korbwiege des Babys.

„Leserbesuche“ an meinem Gartenzaunwinkel. – Immer wieder. Ich schreibe ein Lied über Jesaja 30, 15 „Wenn ihr stille bliebet“ -. So recht eigentlich für Hanni, Renerle und mich. Es sagt genug, daß mein erstes Kirchenlied als Soldat die häusliche Situation so viel mehr meint als die soldatische.

Quelle: Jochen Klepper, Überwindung. Tagebücher und Aufzeichnungen aus dem Kriege, Stuttgart: DVA, 1958, S. 119f.

Hier der Text als pdf.

Und hier Detlef Korsens Vertonung nach der Melodie“Freiheit die ich meine“ (Karl August Groos 1817) zum Anhören.

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