Er wird sich kleiden in des Herrn Gestalt,
Und seine heilige Sprache wird er sprechen
Und seines Richteramtes sich erfrechen
Und übers Volk erlangen die Gewalt.
Und Priester werden, wenn sein Ruf erschallt,
zu seinen Füßen ihr Gerät zerbrechen,
Die Künstler und die Weisen mit ihm zechen,
Um den sein Lob aus Künstlermunde hallt.
Und niemand ahnt, daß Satan aus ihm spricht
Und seines Tempels Wunderbau zum Preis
Die Seelen fordert, die er eingefangen;
Erst wenn er aufwärts fahren will ins Licht,
Wird ihn der Blitzstahl aus dem höchsten Kreis
Ins Dunkel schleudern, wo er ausgegangen.
(1938)
Quelle: Reinhold Schneider, Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte, Köln und Olten: Jakob Hegner, 1955, S. 87.