Martin Heideggers Todtnauberg-Orakel über die Gott-Notwendigkeit (SPIEGEL-Gespräch 1966): „Nur noch ein Gott kann uns retten. Wir können ihn nicht herbeidenken, wir vermögen höchstens die Bereitschaft der Erwartung zu wecken.“

Nur noch ein Gott kann uns retten

Von Martin Heidegger

Die Philosophie wird keine unmittelbare Veränderung des jetzigen Weltzustandes bewirken können. Dies gilt nicht nur von der Philosophie, sondern von allem bloß menschlichen Sinnen und Trachten. Nur noch ein Gott kann uns retten. Uns bleibt die einzige Möglichkeit, im Denken und im Dichten eine Bereitschaft vorzubereiten, für die Erscheinung des Gottes oder für die Abwesenheit des Gottes im Untergang; dass wir im Angesicht des abwesenden Gottes untergehen. Wir können ihn nicht herbeidenken, wir vermögen höchstens die Bereitschaft der Erwartung zu wecken.

Aus dem SPIEGEL-Gespräch vom vom 23. September 1966 mit Rudolf Augstein und Georg Wolff.

Quelle: Nur noch ein Gott kann uns retten (Interview), DER SPIEGEL, Nr. 23, 31. Mai 1976, 193-219, S. 209.

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