Fridolin Stier über die Unerträglichkeit des Glaubens angesichts der eigenen Krebserkrankung: „Bastle dir eine Theo­dizee, kommst du mit der theologischen Notlüge zu­recht! Oder: sei ein Christ, vielleicht schaffst du es, dein unheilbares, dich langsam fressendes Karzinom in das Streicheln der „väterlichen“ Hand zu verwandeln.“

Je kindlicher ich an den Vater glaube, desto unver­ständlicher wird mir die Väterlichkeit des „Willens“, der den Kindern kollektiv und individuell allerhand „Unwürden“ (E. Bloch), Elend und Marter verfügt. Dem Glaubenden bereitet der Vaterglaube unsägliche Beschwer. – gibs auf, es begreifen zu wollen! Oder: laß den Vatergott und halt es mit Mark Aurel: Leugne das Leiden, deute es um, bagatellisier und ertrag es! Oder: Bastle dir eine Theo­dizee, kommst du mit der theologischen Notlüge zu­recht! Oder: sei ein Christ, vielleicht schaffst du es, dein unheilbares, dich langsam fressendes Karzinom in das Streicheln der „väterlichen“ Hand zu verwandeln.

Quelle: Fridolin Stier, Mit Psalmen beten, hrsg. von Eleonore Beck, Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, 2001, S. 32.

Hinterlasse einen Kommentar