Je kindlicher ich an den Vater glaube, desto unverständlicher wird mir die Väterlichkeit des „Willens“, der den Kindern kollektiv und individuell allerhand „Unwürden“ (E. Bloch), Elend und Marter verfügt. Dem Glaubenden bereitet der Vaterglaube unsägliche Beschwer. – gibs auf, es begreifen zu wollen! Oder: laß den Vatergott und halt es mit Mark Aurel: Leugne das Leiden, deute es um, bagatellisier und ertrag es! Oder: Bastle dir eine Theodizee, kommst du mit der theologischen Notlüge zurecht! Oder: sei ein Christ, vielleicht schaffst du es, dein unheilbares, dich langsam fressendes Karzinom in das Streicheln der „väterlichen“ Hand zu verwandeln.
Quelle: Fridolin Stier, Mit Psalmen beten, hrsg. von Eleonore Beck, Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, 2001, S. 32.