Karl Barth, Predigt über Johannes 14,1 (1936): „Lassen wir uns gesagt sein, dass dieses Wort: Euer Herz erschrecke nicht! gerade auch in diese unsere letzten und tiefsten Nöte hinein gesagt ist. Wir dürfen sie ausbreiten vor Ihm, der das zu uns gesagt hat: wir dürfen und sollen ihm gestehen: Da bin ich, und kann nicht fromm sein, kann nicht beten, kann nicht glauben, weiß nicht, wie man das alles macht. Ich weiß nur das Eine, daß du der Herr, auch mein Herr, bist. Meine Freunde, wenn wir nur das wissen und gestehen, dann haben wir schon gehorcht und geglaubt, dann ist es schon geschehen, was geschehen muß, dann ist der Glaube schon da in unseren Herzen in seiner ganzen Kraft gegen alles Erschrecken.“

Das Wort sie sollen lassen stahn.

Jesus sprach zu seinen Jüngern:
Euer Herz erschrecke nicht!
Glaubet an Gott uns glaubet an mich!
Joh. 14,1

Predigt
gehalten in der Reformierten Kirche zu Großwardein (Rumänien)
am 7. Oktober 1936,
von Karl Barth.

Euer Herz erschrecke nicht! Nicht wahr, das sind liebe, freund­liche, wohltuende Worte, die wir gern hören und gerne richtig hören möch­ten in unseren Herzen, daß es wahr würde in uns, daß unser Herz nicht mehr erschrecke? Wir wissen es ja nur zu gut, was das heißt, ein erschrecktes Herz haben. Wir sind erschrocken vor den großen und schweren Aufgaben, die das Leben uns Allen, den Alten und den Jungen, den Männern und den Frauen stellt. Wir sind erschrocken vor den Fragen und Sorgen und Nöten, die das Leben uns nun täglich bringt. Wir sind wohl alle er­schrocken vor dem Tod, der uns einen lieben Menschen weggenommen hat. Wir sind erschrocken angesichts der Tatsache, daß wir älter werden und krank werden können und dem Tod entgegengehen müssen. Wir sind er­schrocken vor der Finsternis der Welt, dieser Finsternis, die uns denken lassen möchte, sie nehme von Jahr zu Jahr zu, vor der Macht der Lüge, der Gewalt und des Unrechts, von der wir alle beherrscht sind. Und wir sind wohl auch erschrocken vor der Tatsache unserer eigenen großen Un­wissenheit und Hilflosigkeit, vor der Erkenntnis, daß wir Alle, jeder in seiner Weise, Sünder sind, die nicht das Rechte tun und die in der Not und Qual des Lebens ernten müssen, was sie gesät haben und die endlich dem Tod entgegengehen müssen als solche, die den Tod verdient haben. Müssen wir nicht erschrecken vor dem Allem? Stehen wir nicht Alle in Gottes Hand und in Gottes Gericht? Wie sollten wir das leugnen können?

Aber nun ertönt in diese unsere Lage hinein, in diese Erschrockenheit un­serer Herzen hinein eine Stimme und spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Nicht wahr, da lauschen wir, da horchen wir auf, da hören wir eine gute Botschaft, da fragen wir uns wohl: Hat diese Stimme recht, ist das denn möglich, nicht zu erschrecken mitten im Gericht Gottes? Und da fragen wir uns wohl: Hat denn diese Stimme Macht, uns herauszurufen, herauszureißen aus der Erschrockenheit unseres Herzens? Gibt es das, eine Ge­walt gegenüber der Macht des Schreckens, unter der wir stehen? Gibt es das, einen Sieg über die Welt, in der wir Angst haben? — Wenn es nun so wäre, daß die Stimme, die uns das sagt: Euer Herz erschrecke nicht! nicht etwa bloß die Stimme unseres eigenen Herzens wäre oder die Stimme eines guten, wohlmeinenden Menschen, sondern die Stimme des ewigen Gottes selber, müßten wir uns dann nicht sagen: Wenn Gott mir das sagt: Euer Herz erschrecke nicht! dann gilt es, dann ist es einfach wahr, dann ist dem Erschrecken meines Herzens Einhalt geboten, dann ist dem Menschen ein Ende gesetzt und wenn mein Herz noch zittert und wenn meine Seele noch unruhig ist und wenn ich in meinem ganzen Wesen noch bebe und er­schrocken bin vor dem, was mir Angst macht, vor Gottes Gericht, so sehe ich doch schon das Licht, das hineinleuchtet in diese meine Dunkelheit und weiß: Es gibt eine Gewalt, es gibt einen Sieg über Alles, was mich er­schrocken machen will. Es gibt ein Ende dieser meiner Not. Wenn Gott es mir sagt: Euer Herz erschrecke nicht! dann ist es wahr und dann hat es Kraft, dann kann ich im letzten tiefsten Grund nicht mehr erschrecken. Oh, liebe Freunde, wenn wir sie jetzt hören könnten, diese Stimme, in aller Ein­falt und Offenheit und Freudigkeit, wenn wir sie hören könnten als Got­tes Stimme, diese Stimme, die hineinruft in unser Leben, in das Leben der Großen und der Kleinen, in das Leben jedes Einzelnen und unser Aller, in das Leben der Völker und der Menschheit hinein: Euer Herz erschrecke nicht! Was wäre das für ein Trost! Und mehr als Trost: Was wäre das für diese Gottesstimme, die uns auch heute und hier das zu sagen hat, was wir hören sollen: Euer Herz erschrecke nicht!

Eine Hilfe! Und mehr als Hilfe: Was wäre das für eine Erlösung von den Übeln, die uns quälen! Und mehr als Erlösung: Was wäre das für ein Beginn eines neuen Lebens, das Leben von Menschen, die leben dürfen mit einem unerschrockenen Herzen. Können wir sie hören, werden wir sie hören?

Liebe Freunde, wie kommt es dazu, daß wir diese Stimme hören, wirklich hören können: Euer Herz erschrecke nicht! wir fühlen es wohl: es ist eine gute, liebe, tröstliche Stimme und wir lassen es uns auch wohl sagen: sie ist Gottes Stimme und doch erreicht sie uns nicht. Und doch sind wir immer noch erschrocken und doch gleitet dieses Wort immer noch ab an unseren Herzen und wir bleiben zurück als die, die wir waren. Und wir müssen uns schämen und müssen leiden und müssen dastehen als die, die hören und doch nicht hören, wirklich, dieses Wort ist von einem großen Geheimnis umgeben! Euer Herz erschrecke nicht! Das ist nicht ein Wort, das von irgend Jemandem zu irgendwelchen Menschen gesagt ist. Jesus sprach zu seinen Jüngern. Mit diesen beiden Worten: Jesus und seine Jünger wird uns gesagt, daß dieses Wort in einem ganz bestimmten geschlossenen Kreis gesprochen ist und in diesem Kreis und nur in diesem Kreis gehört, wirklich gehört wird in seiner Kraft und mit der ganzen seligmachenden Gewalt, die ihm innewohnt. Es kommt darauf an, liebe Freunde, daß Jesus das sagt: Euer Herz erschrecke nicht! und es kommt darauf an, daß wir seine Jünger, unter seinen Jüngern seien, um es von ihm zu hören: Euer Herz erschrecke nicht! Dann, wenn wir in diesem Kreis stehen, wenn Jesus zu uns redet und wenn wir unter seinen Jüngern sind, dann hören wir diese Stimme und hören sie als Gottes­stimme, als die Stimme der Erlösung und des Lebens.

Jesus hat es gesagt: Euer Herz erschrecke nicht! Das heißt: Der hat es gesagt, der mit göttlicher Autorität, mit Gewalt und in der Wahrheit geredet hat wie keiner vor und keiner nach ihm. Der hat es gesagt, der es sagen durfte zu uns so vielfach gequälten und bedrängten und betrübten Menschen, in dessen Mund es keine billige Tröstung, sondern trostvolle, friedevolle Wahrheit ist. Der hat es gesagt: Euer Herz erschrecke nicht, der selber der ewige Gott war, selber der göttliche Richter, der uns sün­dige Menschen vor seinen Richterstuhl ruft, vor dem wir als Angeklagte erscheinen müssen, vor dessen Augen wir Alle uns erkennen und bekennen müssen als solche, die in Not und Drangsal ihres Lebens, die den Tod tau­sendmal verdient haben. Der ewige, der heilige, der allmächtige Gott hat hier gesprochen. Denn das ist Jesus Christus, Gottes eingeborener Sohn, dem Vater gleich von Ewigkeit und eines Wesens mit ihm, mit ihm der Schöpfer, mit ihm der Versöhner, mit ihm der Erlöser unseres Lebens. Dieser ewige Gottessohn ist Mensch geworden und eingegangen in die ganze Qual und Not unseres Lebens, ist unser Bruder geworden in der An­fechtung und Not des Fleisches, unser Genosse geworden bis in den Tod hinein, teilhaftig geworden jenes Schreckens, der unser Herz erfüllt, sich beugend unter Gottes Gericht. Jawohl, Gott selber trägt an unserer Stelle die Strafe, die wir tragen sollten. Er, dieser Jesus, hat gesprochen: Euer Herz erschrecke nicht! Er hat es gesprochen, ein für allemal: er, gestern, heute und in Ewigkeit. Er redet auch jetzt und hier, er sagt es jedem von uns: Hier bin ich für dich Mensch geworden und nun höre! Kannst du nicht hören, wenn ich es dir sage?

Die andere Bedingung, die erfüllt sein muß, damit wir wirklich hören können, ist die, daß wir dieses Jesus Jünger seien. Können wir hier mit der gleichen Gewißheit sagen: die Bedingung ist erfüllt? Wir sind Jesu Jünger? Die Verheißung, daß wir es sein sollen, ist ausnahmslos einem jeden von uns gegeben. Wir sind alle im Bund der Taufe ausgenommen worden in die Verheißung der Gnade und das heißt: in die Verheißung der Teilnahme an der Jüngerschaft dieses Jesus, des Gottessohnes im Fleisch, wir gehören ihm, er hat uns gerufen, wie sollten wir nicht seine Jünger sein? Sind wir es? Sind wir nicht alle Glieder an feinem Leib, Glieder seiner heiligen Kirche? Haben wir nicht Anteil am Wort, am Sakrament, haben wir nicht Anteil an der Gnade der Verkündigung? An der Gnade des Glaubens? Wie sollten wir seine Jünger nicht sein? Ist nicht Alles in Ordnung von ihm aus? Was braucht es noch, als daß wir fröhlich, zuversichtlich, gehorsam das seien, was wir sind: Christen? Hat er uns nicht genannt nach seinem Namen? Ist er nicht für uns gestorben und auferstanden? Auf was warten wir noch, um unser Recht als seine Jünger anzutreten? Um einzugehen in jenen heiligen Kreis und also sein Wort, das Wort des ewigen Gottessohnes im Fleisch zu hören als tröstliche Gottesstimme: Euer Herz erschrecke nicht! –

Wie steht es mit dieser zweiten Bedingung? Ist sie erfüllt oder zögern wir hier? Weichen wir hier zurück? Haben wir hier etwas zu fragen? Aber, liebe Freunde, was sollte hier zu fragen sein? was gibt es hier für eine andere Möglichkeit, als daß wir erkennen und bekennen: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens! wie sollten wir etwas Anderes tun und denken als das: wir sind tausendmal ungehorsam gewesen, tausendmal schlechte Jünger Jesu, tausendmal schlechte Glieder unserer christlichen Kirche. Aber Gott sei Dank: Ich weiß nichts Anderes, als daß dies mein einziger Trost im Leben und im Sterben ist, daß ich meinem Heiland angehören darf, der zwischen mir und Gott, zwischen Gott und mir Frieden gestiftet hat in alle Ewigkeit. Wirklich, der Kreis, der heilige Kreis, in welchem das Wort gesprochen ist und zu hören ist, das Wort: Euer Herz erschrecke nicht! – dieser Kreis ist geschlossen. Sag du jetzt auch Ja dazu, gewiß aus einem demütigen und verzagten Herzen, nicht aus dem stolzen Bewußtsein, ein frommer Christ zu sein, sondern eingedenk dessen, daß du der Letzte bist, der dessen würdig ist. Aber sage Ja zu Gottes Gnade und schon stehst du in dem Kreis und hörst das Wort und das Wort darf seinen Segen und seinen Frieden und seine Kraft auch an dir, es wird es heute Abend hier an uns Allen bewähren: Euer Herz erschrecke nicht! Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat in Jesus Christus, der uns erlaubt hat, einzutreten und zu hören, was er uns ge­sagt hat.

In unseren Herzen ist jetzt ganz gewiß die Frage: wie soll denn das zu­gehen, daß wir durch die Kraft des Wortes Jesu als seine Jünger nicht mehr erschrecken? Ja, wie soll das zugehen? Wir haben in unserem Text­wort noch etwas Anderes gehört und darauf laßt uns jetzt zum Schluß noch achten: Es heißt: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubet an Gott und glaubet an mich! Dieses Wort vom Glauben, das ist die rechte Er­innerung, wie es dazu kommen soll, daß unsere Herzen wirklich nicht mehr erschrecken. Glaubet an Gott und glaubet an mich! heißt es. Das ist nicht so zu verstehen, als sollten wir zuerst an Gott glauben und dann auch an Jesus. Der rechte Glaube an Gott ist der Glaube an Jesus Christus. – Ja, da haben wir Alle uns schon oft gefragt und fragen uns immer wieder: Was ist denn eigentlich damit gemeint, wenn uns gesagt wird, daß wir glauben sollen? Glauben dürfen? Was ist der Glaube? Unser Text gibt uns die Antwort, daß wir, was Glauben ist, nur verstehen können aus dem an das, nein an den wir glauben dürfen und glauben sollen. Es ist merk­würdig, aber es ist so: wir können nicht zuerst erkennen und sagen, was Glaube an sich ist. Sondern wir müssen, was Glaube ist, verstehen ler­nen, daraus, daß der Glaube Glaube an Jesus Christus ist. Auch dies, daß wir an Gott glauben dürfen und sollen, können wir nur da verstehen, wo wir erkennen, daß wir aufgerufen sind, an Jesus Christus zu glauben. Glaubet an mich! Und nun denken wir an Alles, was wir eben gehört haben von Jesus Christus, dem Gottessohn im Fleisch, dem Richter, der sich selber unter das Gericht gebeugt hat, dem Heiligen, der für unsere Sünde genug getan hat. An ihn glauben, das heißt: in unserem Leben an ihn, an die Tatsache dieses Lebens des Gottessohnes gebunden sein. An ihn glauben, das heißt davon leben, daß er unser armes sündiges Fleisch sich zu eigen gemacht, daß er Mensch geworden ist wie wir und daß er in diesem unserem menschlichen Wesen gelebt und gelitten hat, gestorben ist und auferstanden und aufgefahren ist gen Himmel. Wenn diese Tatsache das Licht ist, das unser Leben erleuchtet, wenn wir uns selber sehen und ver­stehen dürfen in diesem Licht, wenn wir lernen und einsehen: was wir jetzt leiden als Menschen in unserer Armseligkeit und notvollen Existenz, das ist in Jesus Christus aufgenommen in die Gemeinschaft mit Gott, das ist von ihm getragen, das ist in seiner Verkehrtheit und in seiner Not auch sein Wesen gewesen, das hat er aber auch gut gemacht, das hat er in seiner Auferstehung von den Toten und in seiner Himmelfahrt überbracht zu seinem Vater im Himmel, so daß unser armes Leben jetzt schon richtig und heilig ist und in ihm in der Herrlichkeit Gottes – seht, wenn dieses Licht von Jesus Christus hineinfällt in unser Leben, wenn das gilt, wenn das das Gesetz unseres Lebens ist, dann glauben wir an Jesus Christus. Glauben an Jesus Christus, das heißt unter der Ordnung stehen, die er nach dem Willen Gottes aufgerichtet hat. Wenn wir das einsehen, dann können wir auch verstehen, was es heißt: an Gott glauben. An Gott glauben, das heißt gelten lassen, was in Jesus Christus wahr geworden ist. An Gott glauben, das heißt einen Herrn haben, der größer ist als wir selber, größer als unser Herz, größer als unsere guten und unsere bösen Werke. Unendlich viel größer als das Beste, was wir Menschen jemals auf den Plan stellen könnten. Aber, ihm sei Dank, auch unendlich viel größer als der Schatten und die Finsternis und die Gemeinheit, die in unseren Herzen möglich und wirklich sind. Wenn er der Herr ist in unserem Leben, wenn sein Wort die Macht ist, unter der unser Leben gelebt wird, wenn sein Gebot als das Gebot dieses strengen und heiligen und gütigen Herrn, des Herrn, der Sünden vergibt und ein neues Leben in uns schafft, aufgerichtet steht in unserem Leben, dann glauben wir an Gott. Wir glauben wirklich an Gott, wenn und indem wir an Jesus Christus glauben.

Und wenn wir verstehen, was es heißt, an Jesus Christus und – weil an ihn – darum an Gott glauben, dann können wir jetzt vielleicht noch ein Wort sagen darüber, was Glauben an sich und als solches heißt. Glauben ist eine ernste und strenge Sache. Glauben heißt gehorchen. Aber eben in dem der Glaube ganz schlicht – aber gründlich Gehorsam gegen den Herrn ist, kann es nicht anders sein, als daß er unser Herz erfüllt mit einem un­bedingten und grenzenlosen Vertrauen, mit einem Vertrauen, in welchem wir nun auch tatsächlich leben dürfen. Unser Leben hat nun aufgehört, unsere eigene Sache zu sein. Wir haben es nun in die Hände des Herrn gelegt. Nicht wahr, wir möchten ja alle so gern vertrauen? Ach, wenn wir es doch könnten! Aber all unser Vertrauen, das Vertrauen des Men­schen auf sich selbst und auf Andere, auf seine Kunst und Wissenschaft und Frömmigkeit, auf das, was er innerlich und äußerlich zustande zu bringen vermag, dieses Vertrauen pflegt immer wieder zuschanden zu werden. Es gibt nur ein wirkliches und mögliches Vertrauen. Dieses aber hat in aller Not und Enttäuschung unseres Lebens ganze Kraft. Es ist das Vertrauen auf Gott und das heißt auf Jesus Christus, das Vertrauen des Glaubens, das Vertrauen jenes Gehorsams, das Vertrauen in jenem Gebundensein an ihn, der für uns der Unsrige, unser Bruder, ist, für uns gekreuzigt wurde und für uns auferstanden und zum Vater gegangen ist. Vertrauen, das ist das Gegenteil von allem Erschrecken. Vertrauen, das heißt endlich, end­lich Sicherheit haben. Endlich, endlich gewisse Tritte tun dürfen inmitten der großen Anfechtung des Lebens. Vertrauen, das heißt in der Finsternis das Licht sehen und leuchten lassen. Eben darum kann nur Gottvertrauen und in keiner Weise Selbstvertrauen das wirkliche und mögliche Vertrauen sein, nach dem wir alle uns sehnen. Als Gottvertrauen aber wird es wirk­lich jene Zuversicht sein, die sagen darf: „Ich will gehn in Angst und Not, ich will gehn bis in den Tod, ich will gehn ins Grab hinein und doch immer fröhlich sein!“ Jawohl: Vertrauen heißt Fröhlichkeit. Meine Freunde, nicht jene Fröhlichkeit, die darauf beruht, daß wir das Leben leicht nehmen können, daß wir uns zu helfen wissen, daß es uns eben bisher gut gegangen ist und daß uns von allerhand Menschen geholfen werde. Nein, Vertrauen ist die Fröhlichkeit derer, die verloren sind, die Fröhlichkeit der Traurigen, die Fröhlichkeit derer, die ohne Rettung dem Tod gegenüberstehen. Aber gerade so ist Vertrauen echte Fröhlichkeit, das Standhalten im Gehaltensein durch Gott, wo Alles wirklich Alles uns verläßt und alle wirklich alle Freude uns vergehen müßte.

Glaubet an Gott und glaubet an mich! Glaubet an mich und darum glaubet an Gott! Gehorchet und darum vertrauet! Und darum seid fröhlich und darum: euer Herz erschrecke nicht! So ist es gemeint, so haben wir ihn zu verstehen, diesen gewaltigen, in unser Leben hineingerufenen Befehl, dieses so freundliche und tröstliche Wort: euer Herz erschrecke nicht! – Haben wir es uns jetzt zu eigen gemacht? Ach, nicht wahr, wie armselig stehen wir immer noch da gegenüber diesem Wort? Wie wenig wissen wir immer noch damit anzufangen! So wollen wir es uns denn gerade in dieser unserer Armselig­keit gesagt sein lassen, damit es etwas mit uns anfange: Euer Herz erschrecke nicht! wir möchten wohl fragen: Ach, wer bin ich, daß ich mir das gesagt sein lassen dürfte? Wir möchten wohl wieder und wieder fragen, ob wir denn Leute sind, die glauben können. Lassen wir uns gesagt sein, daß dieses Wort: Euer Herz erschrecke nicht! gerade auch in diese unsere letzten und tiefsten Nöte hinein gesagt ist. Wir dürfen sie ausbreiten vor Ihm, der das zu uns gesagt hat: wir dürfen und sollen ihm gestehen: Da bin ich, und kann nicht fromm sein, kann nicht beten, kann nicht glauben, weiß nicht, wie man das alles macht. Ich weiß nur das Eine, daß du der Herr, auch mein Herr, bist. Meine Freunde, wenn wir nur das wissen und gestehen, dann haben wir schon gehorcht und geglaubt, dann ist es schon geschehen, was geschehen muß, dann ist der Glaube schon da in unseren Herzen in seiner ganzen Kraft gegen alles Erschrecken. Gott gebe uns allen die Macht seines Wortes, daß wir es hören in seiner ganzen Tiefe, wie es uns gesagt ist! Komm, heiliger Geist, und erleuchte die Herzen deiner Gläubigen! So dürfen wir bitten, und so werden wir nicht umsonst bitten. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Amen.

Gedruckt im Auftrage des Presbyteriums der evang.-reform. Gemeinde Barmen-Gemarke.

Druck: Montanus & Ehrenstein, Wuppertal-Wichl.

Hier der Text als pdf.

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