Gerhard von Rad über den Lobpreis im Alten Testament: „Loben ist die dem Menschen eigentümlichste Form des Existierens. Loben und nicht mehr Loben stehen einander gegenüber wie Leben und Tod.“

Über den Lobpreis im Alten Testament

Von Gerhard von Rad

Loben ist die dem Menschen eigentümlichste Form des Existierens. Loben und nicht mehr Loben stehen einander gegenüber wie Leben und Tod. Der Lobpreis wird zum elementarsten „Merkmal der Lebendigkeit“ schlechthin. Von Geschlecht zu Geschlecht strömen („sprudeln“!) die Hymnen der dankenden Gemeinde (Psalm 145,4ff). Wie einseitig der Lobpreis seinen Sitz im Leben und nur im Leben hat, wird daran deutlich, daß sich das lobpreisende Gottesvolk Schulter an Schulter neben der Gemeinde der Elohimwesen vor JHWHs Thron stehen sah; es befand sich im Wechselgesang mit der obern Gemeinde, derart, daß die Aufforderung, den Lobpreis anzustimmen, auch von unten nach oben ergehen konnte. In diesem anmaßenden Gebieten des Lobpreises erscheint die irdische Kultgemeinde als die „Chorführerin des Weltalls“.

Quelle: Gerhard von Rad, Theologie des Alten Testaments, Bd. 1, München: Chr. Kaiser, 1957, S. 367.

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