Martin Luther in seiner Pfingstpredigt 1534 über Johannes 3,16-21: „Dieses Evangelium ist eine der herrlichsten Predigten, die man im ganzen Neuen Testament finden kann, sodass es wohl billig wäre, wenn es möglich wäre, es mit goldenen Buchstaben ins Herz zu schreiben. Jeder Christ sollte diesen tröstlichen Text wenigstens auswendig können und ihn sich täglich einmal vorsprechen, damit solche Worte uns geläufig werden und wir lernen, sie zum Trost und zur Stärkung des Glaubens zu gebrauchen.“

Dies ist wohl eine der besten Evangeliumspredigten Luthers:

Predigt über Johannes 3,16-21 (Pfingstmontag 1534)

Von Martin Luther

Dieses Evangelium ist eine der herrlichsten Predigten, die man im ganzen Neuen Testament finden kann, sodass es wohl billig wäre, wenn es möglich wäre, es mit goldenen Buchstaben ins Herz zu schreiben. Jeder Christ sollte diesen tröstlichen Text wenigstens auswendig können und ihn sich täglich einmal vorsprechen, damit solche Worte uns geläufig werden und wir lernen, sie zum Trost und zur Stärkung des Glaubens zu gebrauchen. Denn es sind Worte, die ein trauriges Herz fröhlich und einen toten Menschen wieder lebendig machen können, wenn man nur durch den Glauben fest daran halten könnte. Da es aber unmöglich ist, dass man solch eine herrliche Predigt mit Worten vollständig erfassen kann, wollen wir Gott ernsthaft bitten, dass er uns durch seinen Geist diese Worte in unseren Herzen besser erklären möge, als wir es selbst aussprechen können, und dass er sie so klar und kraftvoll macht, dass sie tief in unser Herz dringen.

Die Summe dieser herrlichen, trostreichen und seligen Predigt ist diese: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gegeben hat, damit wir Menschen nicht den ewigen Tod sterben, sondern das ewige Leben haben sollen. Als ob Christus, unser lieber Herr, sagen wollte: „Höre zu, lieber Mensch, ich will dir ein unerhörtes, seltsames Gemälde vor Augen führen, ja, ich will dir einen großen, trefflichen und kostbaren Schatz zeigen, den sich ein Mensch nur wünschen kann, damit du ewig reich und selig seiest. Denn der Geber, der Empfänger, das Geschenk, die Frucht und der Nutzen dieses Geschenks sind so groß, dass man es mit Gedanken nicht erfassen und schon gar nicht mit Worten aussprechen kann.

Schau dir zunächst den Geber an: Hier hörst du nicht von Kaisern, Königen oder anderen hoch angesehenen Menschen, sondern von Gott selbst, der unbegreiflich und allmächtig ist, der alles durch sein Wort erschaffen hat und erhält, der über allem steht und gegen den alle Kreaturen – Himmel und Erde und alles, was darin ist – wie Sandkörner erscheinen. Dieser Gott ist der Geber, und man kann es mit Recht eine große Gabe nennen, sodass wir, wenn wir hören, dass Gott etwas gibt, alle Kaiser und Könige mit ihren Gaben als nichts betrachten sollten. Unsere Herzen sollten vor lauter Freude über diesen Geber anschwellen und sich aufblähen, sodass alles andere, was wir uns nur vorstellen können, im Vergleich dazu klein und unbedeutend erscheint. Denn was könnte größer oder herrlicher sein, als Gott, der Allmächtige selbst?

Und dieser Gott, der unendlich und unaussprechlich ist, gibt auf eine Weise, die über alle Maßen hinausgeht. Denn was er gibt, gibt er nicht als verdienten Lohn oder aus Pflicht, sondern, wie die Worte sagen, aus Liebe. Er ist daher ein solcher Geber, der von Herzen und aus grenzenloser göttlicher Liebe gibt, wie es heißt: „Gott hat die Welt geliebt.“

Nun gibt es keine größere Tugend als die Liebe, wie wir sehen: Was man liebt, dafür setzt man Leib und Leben ein und gibt es gerne und willig hin. Geduld, Keuschheit, Mäßigkeit und andere Tugenden sind zwar auch feine Tugenden, aber keine gleicht der Liebe, die die höchste Tugend ist und alle anderen in sich schließt. Ebenso tut derjenige, der fromm und gerecht ist, niemandem Unrecht oder Schaden, ja, er gibt jedem das Seine. Doch wem du liebst, dem gibst du dich ganz hin und bist bereit, ihm in allem zu helfen, was er braucht. So sagt auch Christus hier, dass unser Herr Gott uns gibt, nicht aus Geduld, Recht oder Verdienst, sondern aus der höchsten Tugend der Liebe. Da sollte uns das Herz aufgehen, und alle Traurigkeit verschwinden, wenn wir diese grenzenlose Liebe Gottes in unserem Herzen fassen und glauben, dass Gott der höchste und größte Geber ist und dass diese Gabe aus der höchsten Tugend kommt.

Wenn eine Gabe aus echter Liebe gegeben wird, macht das Geschenk noch kostbarer und größer. Man sagt, es kommt „aus lieber Hand“, wenn man weiß, dass jemand es von Herzen meint. Wo man jedoch am Herzen zweifelt, achtet man auch das Geschenk nicht besonders. Wenn ein Mensch nur ein Auge oder einen Fuß hätte, aber gewiss wüsste, dass es aus göttlicher, väterlicher Liebe ihm gegeben wurde, sollte ihm dieses eine Auge oder dieser eine Fuß lieber sein als hundert Augen oder Füße, die ohne Liebe wären.

Nun sagt Christus mit klaren Worten, dass Gott uns lieb habe. Darum sollten wir seine Gaben entsprechend dieser Liebe wertschätzen, hoch und herrlich achten, insbesondere das, was uns zur Seligkeit und zur Stärkung unseres Glaubens gegeben ist, wie die heilige Taufe und das hochwürdige Sakrament des Leibes und Blutes Christi. Auch wenn solche Dinge vor der Welt unscheinbar erscheinen mögen, sollten sie uns dennoch wie das Himmelreich sein und uns fröhlich und guten Mutes machen, da sie aus väterlicher Liebe und zu unserem Besten geordnet sind. Darum lehrt uns Christus hier nicht nur, dass sein Vater uns etwas schenken wolle, sondern auch, auf welche Weise er schenken wolle – nämlich aus väterlicher und göttlicher Liebe.

Wie wir bisher gehört haben, dass der Geber und sein Heil groß und unaussprechlich sind, so ist auch die Gabe unaussprechlich. Denn hier hörst du, dass Gott aus solcher Liebe nicht etwa einen Gulden, ein Pferd, eine Kuh, ein Auge, ein Königreich, den Himmel mit Sonne und Sternen oder die ganze Schöpfung gibt, sondern seinen „eingeborenen Sohn“, der so groß ist wie er selbst.

Diese Gabe sollte in unseren Herzen reines Feuer und Licht entfachen, sodass wir vor Freude tanzen und springen. Denn so wie der Geber, Gott selbst, und seine herzliche Liebe unendlich und unaussprechlich sind, so ist auch die Gabe, dass er seinen Sohn gibt. Denn damit gibt er sich selbst mit allem, was er hat, wie es St. Paulus im Römerbrief sagt (Römer 8,32): „Weil uns Gott seinen Sohn gegeben hat, hat er uns mit ihm alles gegeben“, sei es der Teufel, die Sünde, der Tod, die Hölle, der Himmel, die Gerechtigkeit, das Leben – alles, alles muss unser sein, da der Sohn, als Geschenk, unser ist, in dem alles zusammen enthalten ist.

Darum, wenn wir recht glauben und dieses edle Geschenk durch den Glauben empfangen und annehmen, so muss uns die ganze Schöpfung, ob sie gut oder böse ist, das Leben oder der Tod, der Himmel oder die Hölle, zum Besten dienen, wie St. Paulus an anderer Stelle sagt: „Alles ist euer, sei es Paulus oder Apollos, sei es Kephas oder die Welt, sei es das Leben oder der Tod, sei es das Gegenwärtige oder das Zukünftige, alles ist euer. Ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes“ (1. Korinther 3,22). Wenn wir diese Gaben richtig betrachten, müssen wir zugeben, dass dies ein Geschenk ist, das alles im Himmel und auf Erden übertrifft, und dass alle Schätze der Welt dagegen wie ein Mohnkorn gegen einen goldenen Berg sind. Doch da ist der leidige Unglaube und die große und schreckliche Finsternis, dass wir von solch einem edlen Geschenk und Schatz hören und dennoch nicht glauben. Diese tröstlichen Worte rauschen an unseren Ohren vorbei, und dennoch wird das Herz ihrer nicht gewahr. Wenn es um einen günstigen Kauf eines Hauses oder Schlosses geht, läuft man eifrig hinterher, als hinge das Leben nur vom irdischen Gut ab. Doch hier, wo gepredigt wird, dass Gott seinen Sohn aus reiner Liebe der Welt geschenkt hat, sind wir so träge und faul, dass es eine Sünde und Schande ist.

Wer bewirkt es nun, dass wir diese Gabe so gering schätzen und diese Worte nicht zu Herzen nehmen, nicht ständig daran denken und nicht unsere höchste Freude und unser Trost daraus schöpfen? Niemand anderes als der leidige Teufel, der unsere Herzen so verblendet, dass wir diese herrliche Predigt überhören und uns mit anderen zeitlichen Sorgen beschäftigen.

Darum habe ich zu Beginn gesagt, dass man diese Worte täglich im Herzen bewegen sollte, beim Aufstehen und beim Niederlegen, sodass sie sich in unser Herz einprägen und wir Gott für solch unaussprechliche Wohltat zuweilen danken. Denn es ist alles auf das Höchste angelegt: der Geber, die Liebe und die Gabe, die uns aus reiner Liebe gegeben wird, nicht aus Verdienst. Sie bleibt eine Gabe, die weder geliehen noch geborgt oder bezahlt wird, sondern einfach empfangen werden soll, ohne dass wir dafür etwas tun müssten, außer die Hand zu öffnen und diesen Schatz willig und gerne anzunehmen. Doch es ist beklagenswert, dass es nicht genügend Herzen und Hände gibt, die dieses Geschenk annehmen, wie es uns angeboten wird, damit es unser ist und bleibt, bis in das ewige Leben.

Nun überlege, wie die Menschen heißen, von denen man sagt, man könne ihnen nichts gegen ihren Willen geben. Stell dir vor, da wäre ein armer Bettler, der weder Besitz noch Kleidung hätte und sich kaum vor dem Hungertod retten könnte, und ein großer Fürst würde ihm aus Barmherzigkeit ein Schloss mit reichem jährlichem Einkommen schenken, ihn als Herrn einsetzen und sagen: „Das will ich dir alles umsonst geben.“ Und der Bettler würde ihm den Rücken zukehren und antworten, er wolle es nicht. Würde nicht die ganze Welt über den Bettler spotten und sagen, man habe noch nie einen tolleren und unsinnigeren Menschen gesehen? Er sollte nicht ein Mensch, sondern ein Vieh sein. Das täte man vor der Welt. Doch hier wird der Welt nicht ein Schloss, ein Fürstentum, Königreich oder Kaiserreich angeboten, sondern Gottes eigener Sohn. Und Gott sagt, man solle dieses Geschenk annehmen und zu eigen behalten. Doch diejenigen, die es nicht haben wollen und Gott den Rücken zukehren, sind genau wir selbst. Berechne nun, wie groß und schrecklich die Sünde des Unglaubens ist. Denn es ist unmenschlich, sich gegen ein Geschenk zu sperren und es nicht haben zu wollen.

Hier sieht man deutlich, wie töricht die ganze Welt ist, dass sie sich dieser Gabe nicht erfreut und es nur daran scheitert, dass sie nicht zugreift und annimmt, was ihr angeboten wird. Wäre es ein Gulden oder ein neuer Rock, würde man mit beiden Händen zugreifen und fröhlich sein. Aber weil es Gottes eigener Sohn ist, tut jeder so, als hätte er kein Bedürfnis nach ihm.

Darum ist auch der Nehmer hier namentlich benannt und heißt „die Welt“. Das ist nicht nur ein undankbarer, sondern auch ein schändlicher und verdrießlicher Nehmer, besonders wenn man die Welt mit dem Geschenk vergleicht. Denn womit verdient die Welt solch eine Liebe und Gabe Gottes, die doch des Teufels Braut, Gottes Feind und der größte Gotteslästerer ist? Denn nach dem Teufel hat Gott keinen größeren Feind als die Welt. Dennoch steht hier: „Gott hat die Welt also geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“

Dieses Stück schreibe auch in dein Herz. Und weil du gehört hast, was Gott ist und welches Geschenk er aus reiner Liebe gibt, so höre auch und lerne, was die Welt ist – nämlich ein großer Haufen Leute, die gar nichts glauben und Gott in seinem Wort Lügen strafen, ja, die Gottes Namen und Wort lästern, schmähen und verfolgen. Dazu kommen noch diejenigen, die ihren Eltern ungehorsam sind, Mörder, Ehebrecher, Verräter, Diebe und Schurken, und so weiter, wie wir leider täglich sehen und erfahren, dass die Welt voller Untreue und Gotteslästerung ist. Dieser selben geliebten Braut, der „goldenen Tochter“, das heißt dem größten Feind und Lästerer Gottes, schenkt Gott aus reiner Liebe seinen Sohn.

Dieses Stück macht die Gabe umso größer, da unser Herr Gott sich nicht darum schert, dass wir so böse Buben sind, sondern er verschlingt alle Laster und Sünden auf einen Bissen, durch die die Welt seinen Namen und sein Wort schmäht und in allem Ungehorsam gegen Gott lebt. Denn obwohl der Geber so groß und das Geschenk so edel ist, sollte ihn die Untugend eigentlich zurücktreiben. Aber Gott überwindet sich selbst und stellt alle Sünden, sowohl der ersten als auch der zweiten Tafel, hintan und will sie nicht beachten. Ja, gerade um dieser Sünden, dieses Jammers und Elends willen, in dem wir armen Sünder stecken und ohne Gottes Hilfe ewiglich verloren wären, lässt er uns solch eine Liebe und Gabe widerfahren.

Sollte man nun nicht diesen gnädigen Gott von Herzen wieder lieben und sich alle Gaben von ihm erhoffen, der die Sünden vergibt und die arg undankbare Welt, die unzählige Sünden hat, nichts entgelten lässt? Denn da die Sünden eines jeden Menschen unzählig sind, wer wollte die Sünden der ganzen Welt zählen? Dennoch steht hier, dass Gott der Welt alles schenken und verzeihen wolle. Wo Gottes Liebe ist, da muss auch Vergebung der Sünden sein. Unsere Herzen sollten sich öffnen und über diese Liebe nachdenken, da Gott der Welt, seinem natürlichen Feind, so viel geben kann, dass er sich selbst gibt. Es bleibt uns nichts anderes zu erwarten und zu hoffen, als lauter Gnade und Freundlichkeit, ganz gleich, wie es in diesem irdischen Leben geht, ob gut oder schlecht – wir sollen uns dennoch an diese Liebe halten und uns alles Gute von Gott um Christi willen erhoffen.

Solche Gedanken sollten das Herz fröhlich und guten Mutes machen; wie ich und alle Christen bekennen müssen, dass wir im Papsttum in allerlei Gräuel und Abgötterei gelebt und uns mit mancherlei Sünden besudelt haben. Solch gottloses Leben hat Gott nicht nach unserem Verdienst bestraft, sondern seine Liebe aufscheinen lassen und den Sohn, den er der Welt zuvor geschenkt hat, durch das Evangelium wieder offenbart, damit wir diese herrliche Predigt wieder hören und verstehen, dass Gott der Welt nicht zürnt, sondern sie liebt, weil er ihr seinen Sohn schenkt. Aber Gott erbarme sich, dass wir so undankbar sind und solche Freude gar nicht in uns empfinden. Denn wenn wir es recht bedenken könnten und nicht so kalt wären, sollten unsere Herzen vor Freude brennen, sodass wir Gott nicht nur gern dienen, sondern auch alles um seinetwillen gern ertragen und sogar dazu lachen sollten, weil wir einen solchen Schatz von ihm haben. Doch Dank sei dem Unglauben, der solche Freude verhindert und nach anderer Freude in der Welt, im Namen des Teufels, Ausschau hält, die doch allesamt umsonst und verloren ist.

Bisher haben wir diese vier Punkte kurz erläutert: wer der Geber ist, das Geschenk, wie und wem es geschenkt ist. Es ist unmöglich, diese vier Punkte mit Worten vollständig auszudrücken.

Nun folgt die causa finalis [Zweckursache]: Was will Gott mit solch einem Geschenk bezwecken? Er gibt es nicht dazu, dass wir davon essen, trinken, uns kleiden und nähren sollen, viel weniger dazu, dass es uns schädlich oder ein Gift sein soll. So wie er auch sein Wort, die Taufe und das Sakrament nicht zu unserem Schaden gibt, sondern zu unserem Heil und Besten. Es soll vielmehr dazu bestimmt und geschenkt sein, dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Hier hörst du, dass es nicht darum geht, dass wir von diesem Geschenk Reichtum, Ehre, Macht oder die ganze Welt für eine kurze Zeit haben und darüber herrschen sollen. Denn selbst wenn wir all das hätten, wären wir dennoch unter der Gewalt des Teufels. Vielmehr geht es darum, dass wir frei von Sünden, Tod und Hölle und ewig unvergänglich sein sollen. Dies soll das Geschenk, nämlich Gottes Sohn, bewirken, der uns aus reiner Liebe gegeben wurde. Dadurch tritt er dem Teufel auf den Kopf, entwaffnet ihn und nimmt ihm alle Macht, vernichtet die Sünde, verschlingt den Tod für immer und löscht die Hölle aus, sodass sie nun und in Ewigkeit keine Macht mehr über uns hat, uns nicht erschrecken, verschlingen oder verdammen kann. Dies ist eine reiche, herrliche, ja unaussprechliche Gabe. Dafür sei dem großen, barmherzigen Geber Lob und Ehre in Ewigkeit. Amen.

Wer sein Herz nun aufblasen könnte, hätte ja Grund genug dazu, da wir hier aus dem Munde des Herrn Christus selbst hören, dass er uns geschenkt ist, damit die Hölle verschlossen bleibt und wir statt eines furchtsamen, verzagten Herzens ein sicheres, fröhliches Herz haben sollen. Ja, was noch mehr ist: dass das ewige Leben unser ist und bleibt, und dass der Tod nichts anderes mehr ist, als reine Freude, durch die Gewissheit, dass wir einen gnädigen Gott im Himmel haben, der uns liebt und aus reiner Liebe seinen Sohn gibt, damit wir nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben sollen.

Das sind ja Worte, die wir in diesem Leben nicht genügend lernen oder begreifen können. Darum soll ein Christ täglich bitten, dass Gott diese Worte durch seinen Heiligen Geist ihm ins Herz drückt und darin entzündet; so könnten wir wahre Theologen werden, die von Christus richtig sprechen, jede andere Lehre beurteilen und willig alles erleiden könnten, was uns Gott über solchem Glauben zuschickt. Doch weil das nicht geschieht und wir solche Predigten nur schlecht mit den Ohren hören, aber nicht zu Herzen nehmen, damit sie haften und Frucht bringen, bleiben wir heute wie gestern, sodass es ein Schaden und eine Schande ist, dass wir mit sehenden Augen so blind und mit hörenden Ohren so taub sind. Ohne Zweifel werden die Verdammten am Jüngsten Tag darüber klagen und schreien, dass sie solche trostreichen Worte so vergeblich haben predigen lassen und sie nicht angenommen haben.

Aber lassen wir uns weiter ansehen, wie man solch ein Geschenk annehmen soll, was die Tasche oder das Kästlein ist, in welches man diesen teuren und edlen Schatz legen und schließen soll. Denn daran liegt sehr viel. Dasselbe zeigt Christus mit dem Wort, da er sagt: „Damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Das ist ein klares Zeugnis, dass allein der Glaube, das heißt, das Vertrauen auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit durch Christus, der richtige Beutel oder Sack ist, den wir aufhalten und solch ein Geschenk darin empfangen und fassen sollen. Denn so wie Gott durch Liebe und Barmherzigkeit diesen Schatz gibt, so nehmen wir ihn und können ihn allein durch den Glauben nehmen. Da zählen keine Werke oder Verdienste, dass man ins Kloster läuft oder dieses oder jenes tut. Unsere Werke gehören zu solch einem großen Schatz gar nicht. Das Einzige, was dazugehört, ist, dass man durch den Glauben die Hände aufhält: und so wie Gott durch Liebe zum Geber wird, werden wir durch den Glauben an Christus die Nehmer, das heißt, dass wir es glauben, wie wir hören, dass Gott gnädig und barmherzig ist und solch Barmherzigkeit und Liebe gegen uns beweist, indem er seinen eingeborenen Sohn Mensch werden lässt und auf ihn alle unsere Sünden legt, wie Johannes der Täufer aus dem Propheten Jesaja sagt: „Das ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt.“ Wir sollen unser Herz auf solch ein Geschenk und die Liebe Gottes richten, gegen die Sünde und das böse Gewissen; denn Gott lässt keinen Zorn oder Ungnade walten, sondern nur Liebe und Gnade um seines Sohnes Jesu Christi willen. Wer solches glaubt, der ist gewiss selig. Denn dieses Geschenk ist so groß, dass es Tod, Sünde und alles Unglück verschlingt. Denn so wie ein großes Feuer im Vergleich zu einem Tropfen Wasser ist, so sind die Sünden der ganzen Welt im Vergleich zu Christus zu rechnen. Sobald sie Christus berühren und dieser Schatz durch den Glauben erfasst wird, werden sie verschlungen und verzehrt, wie ein Strohhalm durch ein großes Feuer.

Denn hier hörst du von Christus selbst: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er ihr seinen eingeborenen Sohn gegeben hat, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ Er spricht von „denen, die an ihn glauben“; er sagt nicht, dass die, die dieses oder jenes Werk tun, sich dadurch mit Gott versöhnen wollen. Der Glaube soll und muss diesen Schatz allein fassen. Darum lasse unsere Widersacher gegen diese Lehre schreien, wie sie wollen, dennoch heißt es: „Die, die an ihn glauben, sollen nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“ Dabei lasse es bleiben; sonst würdest du den Herrn Christus in seinem Wort übergehen und ihn Lügen strafen.

Das sind ja trostreiche Worte der Gnade und des Lebens. Gott gebe, dass wir sie recht mit dem Herzen fassen. Denn wer sie gefasst hat, den werden weder Teufel, Sünde noch Tod schrecken können, sondern er wird fröhlich sein und mit gewisser Zuversicht sagen: Ich bin unerschrocken, denn ich habe Gottes Sohn, den mir Gott aus Liebe geschenkt hat; das kann nicht schiefgehen, denn da steht Gottes Wort, das heilige Evangelium, das davon zeugt. Dein Wort aber, o Herr, und dein Sohn Jesus Christus, werden mich nicht täuschen, auf sie traue und baue ich. Wo ich aber noch nicht stark genug im Glauben bin, so gib doch Gnade, dass ich es fester glaube. Denn sonst kann ich zu solch einem hohen Geschenk und Liebe nichts beitragen. So soll jeder immer mehr lernen, sich solch eines Geschenks zu trösten, denn es muss geglaubt sein, wie du von Christus selbst hörst. Je fester aber der Glaube ist, desto mehr Freude, Lust und Sicherheit empfindet man im Herzen, sodass man gerne alles tut und leidet, was man weiß, dass Gott fordert und haben will. Alles aber, weil Gott gnädig ist und nichts als Liebe gegen uns walten lassen will.

Ja, sagst du, wenn ich so fromm und heilig wäre wie Petrus, Paulus oder die heilige Jungfrau Maria, so wollte ich gerne glauben und mich solch eines Geschenks trösten; diese sind heilig, und ohne Zweifel ist solch ein Geschenk ihnen zugedacht; aber wie komme ich armer Sünder dazu, dass ich gewiss werde, dass ich solch ein Geschenk annehmen soll, da ich doch Gott auf so viele Arten erzürnt und so oft beleidigt habe? Solche Gedanken bleiben nicht aus, wenn das Herz sich bei solcher Predigt recht ansieht und an sein Fehlverhalten denkt. Da soll man sich hüten, dass man nicht vom Wort Gottes abweicht oder solchen Gedanken zu lange nachhängt; sondern man soll sich bald wieder dem Wort zuwenden und nach ihm urteilen. Denn solche Gedanken sind nichts anderes als der rechte Unglaube, der uns von solch einem Geschenk und trostreichen Predigt abziehen will.

Nun kann man dem Unglauben mit nichts anderem wehren als mit dem Wort Gottes. Dasselbe predigt uns unser lieber Herr Christus selbst, damit wir ja keinen Grund haben, an solcher Predigt und Wort zu zweifeln. Er spricht, dass sein Vater im Himmel, der rechte ewige Gott, „die Welt“ so sehr geliebt habe, dass er ihr seinen eingeborenen Sohn gegeben hat. Nun musst du ja und alle Menschen bekennen, dass „die Welt“ nicht nur Maria, Petrus, Paulus bedeutet, sondern „Welt“ das gesamte menschliche Geschlecht insgesamt heißt. Glaubst du nun, dass du ein Mensch bist: ob du das nun glauben oder wissen kannst, greife dir selbst in die Brust oder an die Nase, ob du nicht ebenso ein Mensch bist wie andere Leute. Warum willst du dich dann aus dem Wort „Welt“ ausschließen, da Christus mit klaren Worten sagt, Gott habe seinen Sohn nicht nur der heiligen Jungfrau Maria, St. Peter oder St. Paul gegeben, sondern „der Welt“, damit sich alles, was Menschenkinder heißt, seiner annehmen soll? Wenn ich mich nun seiner nicht annehmen wollte, als hätte ich keinen Anteil an ihm, und du wolltest dich seiner auch nicht annehmen, so müsste ja folgen, dass diese Worte Christi nicht wahr wären, da er sagt, er sei der Welt gegeben. Darum sollst du aus solchen Worten das Gegenteil schließen: dass du dich dieses Geschenks ebenso annehmen und daran nicht zweifeln sollst, es gehört dir genauso wie St. Peter und St. Paul, weil du ebenso ein Mensch bist wie sie und ein Teil der Welt. Damit du Gott in seinem Wort nicht Lügen strafst oder denkst: Wer weiß, ob ich auch unter denen bin, denen dieser Sohn geschenkt ist und das ewige Leben durch ihn verheißen wurde? Denn das hieße, unseren Herrn Gott zum Lügner zu machen.

Darum, wo solche Gedanken dir einfallen, schlage das Kreuz vor dich, als wäre der Teufel selbst da, und lasse dich von solchen Gedanken nicht betrügen, sondern sprich: Was frage ich danach, dass ich nicht Petrus noch Paulus bin? Wenn Gott diesen Schatz nur ihnen und ihresgleichen geben wollte, die es würdig gewesen wären, würde er ihn den Engeln gegeben haben, die reine und unbefleckte Geister sind, oder der Sonne und dem Mond, die stets ihren gewissen Lauf nach Gottes Ordnung haben. Aber hier steht: „Er habe ihn der Welt gegeben“; dieselbe ist es wert, wie wir oben angezeigt haben. Darum, ob ich gleich weder Paulus noch Petrus bin, will ich dennoch von diesem Geschenk unausgeschlossen sein, ja eben so viel daran haben wie David und alle Apostel. Denn was ist David gewesen? Hat er nicht auch grob und schwer gesündigt? Wer waren die Apostel? Sind sie nicht alle Sünder und unwürdig genug gewesen?

Darum soll niemand diesem Argument folgen: Ich bin ein Sünder, bin nicht heilig noch fromm wie St. Peter; darum darf ich mich dieses Geschenks nicht annehmen noch trösten. Bei Gott, das darf nicht sein; sondern sprich also: Ich sei, was ich wolle, so muss ich dennoch meinen Gott nicht Lügen strafen; denn ich gehöre ja auch in die Welt. Darum, wenn ich mich solchen Geschenks nicht annehmen wollte, so täte ich über alle Sünde auch diese, dass ich Gott Lügen strafte.

Ja, sprichst du, wenn mir Gott es insbesondere zusagte, so wollte ich es glauben, könnte denn auch gewiss sein, dass es mir gälte. Nein, lieber Freund, er spricht im Allgemeinen, dass dieser Sohn und das ewige Leben aller Welt zugesagt und geschenkt sei, damit er gar niemand ausschließe. Wer sich aber selber ausschließt, der muss dann Antwort geben. Ich will sie nicht richten, sondern ihr eigener Mund wird sie richten, weil solch ein Geschenk der ganzen Welt verheißen und gegeben ist, dass sie es aus eigenem Unglauben, wider Gottes Wort, dennoch nicht annehmen wollen. Wiewohl, wenn man es recht bedenken will, so sind die Sakramente der Taufe und des Leibes und Blutes Christi von unserem Herrn Christus eben aus diesem Grund eingesetzt, dass jeder sich insbesondere solch ein Geschenk aneignen und für das Seine halten und brauchen soll.

Dies sei in aller Kürze auf das Einfachste von diesem herrlichen und schönen Text gepredigt, welchen man nimmermehr genügend auslernen kann. Denn es ist die Hauptlehre, worauf wir sterben und selig werden sollen, in welcher uns Christus auf das reinste und lieblichste vorgebildet ist, dass er unser Eigen sei, vom Vater aus lauter Liebe geschenkt, welche Liebe er, als ein gnädiger Gott, gegen die böse und undankbare Welt hat. Das mag nun jedermann lernen, was wir Christen für einen Schatz und Trost haben, was die Welt und Gott sei, und wie wir zu solcher Gnade allein durch den Glauben kommen, wie Christus sagt: „Auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Denn die Predigt von guten Werken, welche nach solchem Glauben durch den Heiligen Geist folgen sollen, gehört an einen anderen Ort. Hier handelt man allein von dem, was wir von Gott empfangen und wie wir es nehmen sollen.

Was aber ein Christ tun soll, damit er ein gehorsames, williges Kind Gottes ist und für solche großen Gaben des ewigen Lebens und der Liebe Gottes dankbar ist, davon predigt Christus hier nicht. Darum wollen wir es auch bei diesem einen Stück belassen, dass wir allein aus Barmherzigkeit selig werden und solche Gnade allein durch den Glauben empfangen mögen, ohne alle unser Zutun und Verdienst; dass es ganz und gar in der Liebe und Barmherzigkeit Gottes, durch Christus, eingeschlossen ist, was zum ewigen Leben und zur Vergebung der Sünden notwendig ist. Gott verleihe seine Gnade, dass wir es so glauben und fröhlich darüber alles leiden, sterben und ewig selig werden. Das helfe uns allen, unser lieber Gott, durch seinen Sohn und unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

WA 37, 409-414.

Gehalten am Pfingstmontag, 25. Mai 1534 in Gegenwart etlicher aus Leipzig vertriebener Bürger im Hause Luthers (Rörer-Nachschrift).

Quelle: Dr. Martin Luther, Ausgewählte Predigten und Casualreden. Mit einer einleitenden Monographie von Johannes Zimmermann, Band 2, Leipzig: Richter, 1888, S. 1-13.

Hier der Text als pdf.

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