Auslegung zu Matthäus 6,24-34 (Evangeliums am fünfzehnten Sonntag nach Trinitatis, 1526)
Von Martin Luther
Matthäus 6, 24–34: Jesus sprach zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?
Wer von euch kann durch Sorgen seiner Lebenslänge auch nur eine Elle hinzufügen? Warum sorgt ihr euch also um die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Feld, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht. Doch ich sage euch, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet war wie eine von ihnen.
Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er euch nicht viel mehr kleiden, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr euch nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach all dem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht.
Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt euch nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.
Zusammenfassung des Evangeliums.
- Man kann nicht Gott dienen und dem Mammon, denn wie Paulus sagt: „Die, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und in eine Falle und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Verdammnis stürzen. Denn Geiz ist die Wurzel allen Übels.“
- Wir sollen arbeiten, aber die Sorge Gott überlassen, so wie ein Bauer, der, nachdem er alles getan hat, auf die Frucht und die Ernte von Gott wartet. Doch darin werden wir alle angefochten.
- Wenn Gott einmal die Kreaturen kleidet und nährt, die er geschaffen hat, wird er uns umso mehr kleiden und nähren, da er auch unser Vater ist.
- Es sind die Heiden und nicht die Christen, die Gott nicht vertrauen, sondern sich auf ihre Klugheit und Vorsicht verlassen.
- Wir sollen allein durch Gebet von Gott fordern, dass wir durch den Glauben seine Kinder sein dürfen. So werden uns zeitliche Dinge in Fülle zufallen und von unserem Vater gegeben werden. Die Kinder sorgen nicht für sich, sondern der Vater sorgt für sie. Das ist eine große Verheißung und Zusage.
Auslegung des Evangeliums.
In diesem Evangelium sehen wir, wie Gott die Christen von den Heiden unterscheidet. Und diese Lehre gibt der Herr nicht den Heiden, denn sie nehmen sie nicht an, sondern sie ist seinen Christen gegeben. Doch er hält diejenigen nicht für seine Christen, die das Wort nur hören, es lernen wollen und es wie die Nonnen den Psalter nachsagen können. So hört auch der Teufel das Evangelium und das Wort Gottes, ja, er kann es besser als wir und könnte es ebenso gut predigen wie wir, wenn er wollte. Aber das Evangelium ist eine solche Lehre, die lebendig sein und in die Tat umgesetzt werden soll. Sie soll die Menschen stärken und trösten, mutig und kühn machen. Darum, diejenigen, die das Evangelium nur hören, um es zu wissen und über die Weisheit Gottes reden zu können, gehören nicht zu den Christen, sondern diejenigen, die so handeln, wie das Evangelium lehrt, das sind die wahren Christen. Doch davon finden wir sehr wenige; viele hören es, aber nicht alle sind Christen.
Nun wollen wir betrachten, welche Lehre der Herr in diesem Evangelium gibt. Zuerst beginnt er mit einem natürlichen Beispiel, das wir alle anerkennen müssen, dass es so ist. Es lehrt auch die Erfahrung eines jeden und spricht also:
„Niemand kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben oder an dem einen hängen und den anderen verachten.“
Wer nun zwei Herren dienen will, wird so dienen, dass es kein echter Dienst ist, denn es muss gewiss so gehen, wie der Herr hier sagt. Man kann wohl einen Knecht zwingen, ein Werk zu tun, das ihm widerstrebt und ihm unangenehm ist, aber gerne tut er es nicht, er meint es auch nicht von Herzen. Er kann es wohl tun, solange sein Herr anwesend ist, aber wenn er weggeht, so eilt er davon und macht nichts Gutes. So will der Herr nun, dass der Dienst aus Liebe und freiwillig geschieht, sonst ist es kein Dienst. Denn die Menschen haben es nicht gern, wenn man ihnen etwas widerwillig tut. Dies geschieht nun auf natürliche Weise, und wir erfahren es auch täglich, dass es so zugeht.
Ist es nun so, dass niemand unter den Menschen zwei Herren dienen kann, dann umso mehr soll es beim Dienst an Gott so sein, dass der Dienst nicht geteilt, sondern willig und von Herzen geschehen muss.
Darum fügt der Herr hinzu und spricht: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Denn Gott kann es nicht ertragen, dass man neben ihm auch einem anderen dient [2. Mose 34, 14]. Er ist ein eifersüchtiger Gott, wie er selbst sagt, und kann es nicht dulden, dass jemand ihm dient und gleichzeitig seinem Feind. Allein mir, spricht er, oder lass es ganz sein.
Sieh nun, wie geschickt Christus hier das Beispiel einführt. „Niemand“, spricht er, „kann zwei Herren dienen; entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen hängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Als wollte er sagen: Wie es unter den Menschen zugeht, so geht es auch vor Gott zu.
Wir werden nur wenige finden, die nicht gegen dieses Evangelium sündigen. Der Herr fällt ein strenges Urteil, das erschrecklich zu hören ist, dass er so etwas von uns sagen soll. Doch niemand will es bekennen, ja, niemand will es ertragen, dass man sagt, dass wir Gott hassen und verachten und dass wir seine Feinde sind.
Niemand würde, wenn man ihn fragte, ob er Gott liebt und ihm anhängt, sagen: „Ja, ich liebe ihn.“ Aber sieh, wie der Text hier schließt, dass wir alle Gott hassen und verachten, den Mammon lieben und an ihm hängen. Doch Gott wird das von uns bis zu seiner Zeit ertragen. Wenn er es erkennt, wird er uns mit voller Härte ins Feuer werfen, bevor wir uns umsehen können.
Es ist unmöglich, dass derjenige, der Geld und Gut liebt und daran hängt, Gott nicht hassen sollte. Denn hier stellt er zwei Dinge einander gegenüber, die Feinde sind, und schließt: Wenn du den einen von beiden liebst und ihm anhängst, so musst du den anderen hassen und verachten. Darum, so gut jemand hier auf Erden lebt und doch am Gut hängt, kann es nicht anders sein, er muss Gott hassen. Umgekehrt, wer nicht am Geld und Gut hängt, der liebt Gott, das ist gewiss.
Aber wo sind sie, die Gott lieben und nicht am Geld und Gut hängen? Sieh dir die ganze Welt an, auch die Christen, ob sie Geld und Gut verachten. Es erfordert Mühe, das Evangelium zu hören und auch danach zu handeln. Wir haben das Evangelium, Gott sei Dank, das kann niemand leugnen. Was tun wir aber damit? Wir denken nur daran, es zu lernen und zu wissen, mehr wird nicht daraus.
Wir meinen, es sei genug, es zu wissen, und machen uns keine Sorgen, dass wir auch einmal danach handeln sollten. Doch wenn jemand einen Gulden oder zwei, ja kaum einen Groschen im Fenster oder in der Stube liegen lässt, dann sorgt er sich und fürchtet, dass ihm das Geld gestohlen wird. Doch das Evangelium könnte ein ganzes Jahr lang unbeachtet bleiben, und solche Leute wollen dennoch für evangelisch gehalten werden.
Hier sehen wir, was und wer sie sind. Wenn wir Christen wären, so würden wir es so machen: Wir würden die Güter verachten und für das Evangelium sorgen, dass wir es auch einmal in die Tat umsetzen und es durch unser Handeln beweisen. Solcher Christen sehen wir wenige, darum müssen wir auch das Urteil hören, dass wir Verächter Gottes sind und Gott hassen um der Reichtümer und Güter willen. Das ist ein feiner Ruhm für uns, wir sollten uns dafür schämen und uns ins Herz greifen. Raus mit uns! Wie gut stehen wir nun da, das heißt, meine ich, gestrichen, was wir für Früchte sind.
Nun, die Welt kann ihren Unglauben nicht in groben äußerlichen Sünden verbergen. Denn ich sehe, dass sie einen Gulden mehr liebt als Christus und alle Apostel, selbst wenn sie hier wären und predigen würden. Ich kann das Evangelium täglich hören, aber es bewirkt nicht täglich Nutzen in mir. Es mag jedoch kommen, wenn ich es ein ganzes Jahr lang höre, dass mir der Heilige Geist in einer Stunde gibt, was ich brauche. Wenn ich nun diese Stunde erreiche, so erlange ich nicht nur fünfhundert Gulden, sondern auch die Reichtümer der ganzen Welt. Denn was hätte ich nicht, wenn ich das Evangelium hätte? Gott hätte ich erlangt, der Silber und Gold schafft, der alles hat, was auf Erden ist. Denn ich habe einen solchen Geist empfangen, durch den ich weiß, dass ich ewig erhalten werde. Das ist viel mehr, als wenn ich die Kirche voller Gulden hätte. Sieh, ob unser Herz nicht ein Schalk ist, voller Bosheit und Unglauben? Wenn ich ein rechter Christ wäre, so spreche ich: Welche Stunde das Evangelium kommt, so kommen mir hunderttausend Gulden, ja viel mehr. Denn wenn ich diesen Schatz habe, so habe ich alles, was im Himmel und auf Erden ist. Aber diesem Schatz muss man allein dienen, denn man kann nicht Gott und dem Mammon dienen. Entweder du musst Gott lieben und das Geld hassen oder du musst Gott hassen und das Geld lieben, das und nichts anderes. Und der Herr gebraucht hier die hebräische Ausdrucksweise, die wir im Deutschen nicht so im Gebrauch haben. Mammon heißt Gut oder Reichtümer, und ein solches Gut, das man nicht gebraucht, sondern als Schatz anhäuft, ist eigentlich das Geld und Gut, das man als Vorrat anlegt. Das tun nun Christen nicht, sie sammeln keinen Schatz, sondern sie bitten Gott um das tägliche Brot. Aber die anderen lassen sich nicht damit genügen, sie machen große Vorräte, auf die sie sich verlassen, wenn unser Herr Gott heute oder morgen sterben würde, dass sie dennoch wüssten, wie es weitergeht. Darum nennt Paulus die Reichtümer und den Geiz einen Gott dieser Welt und eine Abgötterei. Damit stimmt Christus hier überein und nennt es dem Mammon dienen.
Wie kommt es nun, dass das Evangelium und Paulus am meisten den Geiz als Abgötterei bezeichnen und andere Sünden nicht, obwohl Unreinheit, Hurerei, Lüste, böse Begierden, Unkeuschheit und andere Laster noch mehr gegen Gott sind? Es geschieht uns zur großen Schande, weil das Gold unser Gott ist, dem wir dienen, auf den wir vertrauen und auf den wir uns verlassen, der uns doch weder erhalten noch retten kann. Denn auch wenn einer die Reichtümer der ganzen Welt hätte, so ist er doch nicht einen Augenblick sicher vor dem Tod.
Was helfen dem Kaiser seine großen Schätze und Reichtümer, wenn die Stunde kommt, in der er sterben soll? Es ist ein schändlicher, hässlicher, ohnmächtiger Gott, der auch in schwerer Not nicht helfen kann, ja, der sich selbst nicht bewahren kann. Da liegt er im Kasten und lässt sich bewachen, man muss auf ihn achtgeben. Der Herr, der ihn besitzt, muss Tag und Nacht darauf achten, dass ihn die Diebe nicht stehlen, denn der ohnmächtige Gott kann weder ihm noch sonst jemandem helfen. Pfui auf dich, du toter Gott, der auch im Geringsten nicht helfen kann, und doch ist er so kostbar und wertvoll, dass man große Kästen und Schlösser für ihn anfertigen lässt, und sein Herr muss stets darüber wachen und sorgen, dass ihm kein Feuer widerfährt oder ihm kein anderes Unglück zustößt. Wenn dieser Schatz oder Gott in Form von Kleidung existiert, muss man ihn vor den kleinsten Würmchen, vor den Motten schützen, damit sie ihn nicht verderben oder zerfressen.
Eigentlich sollten uns die Wände anspucken, weil wir mehr Vertrauen auf einen Gott setzen, den die Motten fressen und den der Rost zerfrisst, als auf den Gott, der alles erschafft und gibt, ja, der Himmel und Erde und alles, was darin ist, in seiner Hand hält. Ist es nicht eine närrische Sache um die Welt, dass sie sich vom wahren Gott abwendet und auf den schändlichen Mammon vertraut, auf den armen elenden Gott, der sich selbst nicht helfen noch sich vor Rost bewahren kann? O wie närrisch ist das von der Welt. Gott schickt dem Geld und Gut viele Feinde, damit wir unseren Unglauben und gottlosen Zustand sehen und erkennen, dass wir auf einen ohnmächtigen und gebrechlichen Gott vertrauen, während wir doch so leicht zum wahren, mächtigen und starken Gott gelangen könnten, der uns alles gibt: Geld, Gut, Früchte, was immer wir brauchen. Und dennoch sind wir so töricht und machen Götter daraus. Pfui dich, du vermaledeiter Unglaube.
Andere Sünden machen uns doch fröhlich, wir gewinnen etwas davon, wie beim Essen und Trinken oder bei der Unzucht, da hat man doch zumindest zeitweise Freude daran. Ebenso befriedigt auch der Zorn seinen eigenen Genuss, und andere Laster ebenso. Aber bei diesem Laster muss man dienen, geplagt und gemartert sein, ohne Unterlass; es gibt keine Lust oder Freude daran. Da liegt das Geld auf einem Haufen und lässt sich bedienen, obwohl es nicht einmal eine Schale Wein bringen kann; da kommt der Rost und frisst es, doch trotzdem darf man es nicht anrühren, damit man seinen Gott nicht erzürnt. Und wenn seine Diener es lange bewahren, haben sie am Ende nicht mehr davon als irgendein armer Bettler. Ich habe nichts, aber ich esse und trinke genauso gut wie jeder andere. Wenn jener stirbt, nimmt er genauso viel davon mit wie ich. Es ist gewiss so, dass diese Leute niemals so gut und köstlich leben wie oft die armen Leute. Wer richtet das so ein? Gott der Herr sorgt dafür.
Dann haben sie irgendeine Plage am Leib, dass sie nicht essen können, oder sie sind innerlich so krank, dass ihnen das Essen nicht schmeckt. Dann haben sie einen schlechten Magen, die Lunge und die Leber faulen, sie haben diese oder jene Krankheit, sie leiden hier und dort und haben niemals eine fröhliche, gute Stunde; es gelüstet sie weder nach Essen noch nach Trinken. So ergeht es denen, die diesem Gott Mammon dienen. Der wahre Gott lässt sich gebrauchen, er dient den Menschen, aber der Mammon tut es nicht, er will nur still liegen und lässt sich bedienen. Und aus diesem Grund nennt das Neue Testament den Geiz Götzendienst, weil er genauso bedient werden will. Aber lieben und nicht genießen – das könnte sogar den Teufel verärgern – widerfährt allen, die diesen Gott, den Mammon, lieben und ihm dienen. Wer sich nun nicht schämt und rot wird, der hat eine eiserne Stirn.
So hängt alles an dem Wort „dienen“, denn es ist nicht verboten, Geld und Gut zu besitzen, denn wir könnten es nicht entbehren. Abraham, Lot, David, Salomon und andere hatten viel Gut und Geld, und auch heute findet man viele reiche Leute, die dennoch fromm sind. Aber es ist etwas anderes, Gut zu haben und dem Gut zu dienen, Mammon zu haben und den Mammon als Gott zu verehren. Hiob war auch reich, hatte viel Gut und war mächtiger als alle, die gegen Morgen wohnten, wie es im Buch Hiob steht. Dennoch sprach er: „Habe ich das Gold zu meiner Zuversicht gemacht und zu den Goldklumpen gesagt: ‚Mein Trost‘? Habe ich mich gefreut, dass ich großes Gut hätte und meine Hand allerlei erworben hätte?“
Zusammengefasst: Gott will, dass wir dem Geld und Gut nicht dienen und uns nicht sorgen, sondern arbeiten und ihm die Sorge überlassen. Wer Gut hat, der sei ein Herr desselben Guts, wer aber dient, der ist ein Knecht, und er besitzt nicht das Gut, sondern das Gut besitzt ihn, denn er darf es nicht gebrauchen, wenn er will, und kann auch anderen damit nicht dienen, ja, er ist nicht so frei, dass er es anrühren dürfte.
Ist er aber ein Herr über das Gut, so dient das Gut ihm, und er dient nicht dem Gut, dann darf er das Gut gebrauchen wie Abraham, David, Hiob und andere reiche Männer und sorgt allein auf den Herrn, wie der heilige Paulus den Korinthern lehrt. Danach hilft er den Armen von dem Gut und gibt denen, die nichts haben. Wenn er jemanden sieht, der keinen Mantel hat, so spricht er zum Geld: „Heraus, Junker Gulden, dort ist ein armer nackter Mann, der hat keinen Mantel, dem musst du dienen.“ Dort liegt einer krank, der hat keine Labung, „heraus, Junker Annenberger, heraus, Junker Joachimstaler, ihr müsst fort, hin und helft ihm!“ Die, die so mit ihrem Gut umgehen, die sind Herren ihres Gutes, und das tun gewiss alle rechtschaffenen Christen. Die aber viel Geld sparen und immer nur daran denken, wie der Haufen größer und nicht kleiner wird, das sind Knechte.
Der ist ein Herr des Mammons, der ihn anrührt, der für diejenigen sorgt, die ihn brauchen, und lässt Gott walten, der da sagt: „Gibst du, so gebe ich auch. Hast du nichts mehr, so hast du doch noch mich, der ich noch genug habe, ja, ich habe mehr, als ich vergeben habe und noch vergeben kann.“ Wir sehen hier und da viele fromme arme Leute, nur damit die Reichen den Armen helfen und ihnen mit ihrem Reichtum dienen sollen. Tust du es nicht, so hast du ein sicheres Zeichen, dass du Gott hasst.
Wer dieses Urteil nicht schreckt, welches er am Jüngsten Gericht hören wird, den wird nichts bewegen. Denn so wird er von Gott hören müssen: „Siehe, du hast mich gehasst und geliebt den, der sich selbst nicht vor dem Rost und den Motten bewahren konnte.“ O wie gut wirst du dann dastehen!
So ist nun die Meinung: Güter müssen wir haben, aber mit dem Herzen sollen wir nicht daran hängen, wie auch der Psalm sagt: „Wenn euch Reichtum zufällt, so hängt das Herz nicht daran.“ Arbeiten sollen wir, aber uns nicht um die Nahrung sorgen. Das sagt der Herr im Evangelium mit klaren, deutlichen Worten, wo er so schließt und spricht:
„Darum sage ich euch: Sorgt nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet.“
Und gebraucht nun eine vernünftige, natürliche Rede, damit er sie überzeugen will, dass sie sich um die Nahrung nicht sorgen sollen. Denn die Vernunft muss hier zustimmen und zugeben, dass es so ist, wie er sagt. Er gibt den Grund und die Ursache seiner Rede an und fragt:
„Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung?“
Als wollte er sagen: Ihr kehrt es genau um. Die Speise soll dem Leben dienen, doch nun dient das Leben der Speise. Ebenso mit der Kleidung: Die Kleider sollen dem Leib dienen, doch der Leib muss den Kleidern dienen. So blind ist die Welt, dass sie das nicht erkennt.
Nun müssen wir hier gut auf die Worte des Herrn achten. Er sagt: „Sorget nicht“, aber er sagt nicht: „Arbeitet nicht.“ Sorge ist uns verboten, Arbeit jedoch nicht. Ja, es ist uns geboten und auferlegt, so zu arbeiten, dass uns der Schweiß über die Nase fließt. Gott will nicht, dass der Mensch untätig [1. Mose 3, 19] bleibt. Darum sagte er zu Adam: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde wirst, von der du genommen bist.“ [Ps. 104, 23 f.] Und wie es im Psalm steht: „Wenn die Sonne aufgeht, so geht der Mensch auch an seine Arbeit und an sein Tagwerk bis zum Abend.“ Sorgen sollen wir nicht, das ist uns hier verboten, denn wir haben einen reichen Gott, der uns Nahrung und Kleidung zusagt, denn er weiß, was uns fehlt, ehe wir Sorgen machen und bitten.
Warum gibt er es uns dann nicht ohne Arbeit? Weil es ihm so gefällt. Er heißt uns arbeiten, und dann gibt er es, nicht um unserer Arbeit willen, sondern aus seiner Güte und Gnade. Das sehen wir mit eigenen Augen, denn obwohl wir das ganze Jahr über auf den Feldern arbeiten, gibt es dennoch Jahre, die reicher sind als andere. Darum sind wir Narren, ja, wir handeln gegen Gott, wenn wir uns Sorgen machen, wie wir Geld und Gut zusammenbringen sollen, obwohl uns Gott so reichlich versprochen hat, dass er uns alles geben und überreich mit allen notwendigen Dingen versorgen will. Doch könnte einer sagen: Sagt nicht der heilige Paulus, wir [Röm. 12, 8. 11] sollen sorgfältig sein? So heißt es zu den Römern: „Wenn jemand regiert, so sei er sorgfältig“ und bald danach: „Seid nicht träge in eurem Fleiß.“ Ebenso sagt er zu [Phil. 2, 20] den Philippern von Timotheus: „Ich habe keinen, der so ganz meines [2. Kor. 11, 28] Sinnes ist, der so von Natur für euch sorgt.“ Und Paulus selbst rühmt sich, dass er große Sorge für alle Gemeinden trägt. Da seht ihr, dass wir dennoch auch Sorge tragen sollen.
Antwort: Unser Leben und ein christliches Wesen stehen in zwei Teilen, im Glauben und in der Liebe. Der erste Teil betrifft Gott, der andere den Nächsten. Der erste Teil ist unsichtbar, und das ist der Glaube, den sieht nur Gott. Der andere Teil ist sichtbar und das ist die Liebe, die wir unserem Nächsten erweisen sollen. Nun, die Sorge, die aus der Liebe kommt, ist geboten. Wenn ich glaube, dass ich einen Gott habe, dann kann ich für mich selbst nicht sorgenvoll sein. Denn wenn ich glaube, dass Gott für mich sorgt wie ein Vater für sein Kind, warum sollte ich mich fürchten? Warum sollte ich mir viele Sorgen machen? Ich sage schlicht: Bist du mein Vater, so weiß ich, dass mir nichts [Ps. 16, 8] Böses widerfahren kann, wie es im Psalm steht: „Ich habe den Herrn allezeit vor Augen; denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich nicht wanken.“ Auch hat er alles in seiner Hand, darum kann mir nichts fehlen, er sorgt für mich.
Wenn ich aber dazu neige, selbst Sorge zu tragen, ist diese Sorge allezeit gegen den Glauben, und deshalb verbietet er auch diese Sorge. Aber die Sorge der Liebe will er erhalten wissen, da will er, dass wir für andere sorgen, ihnen unser Gut und unsere Gaben mitteilen. Bin ich ein Regent, so soll ich für die Untertanen sorgen. Bin ich ein Hausvater, so muss ich für mein Hausgesinde sorgen, und so weiter, je nachdem jeder seine Gaben von Gott empfangen hat. Gott sorgt für alle, und das ist eine Sorge, die den Glauben betrifft. Wir sollen auch füreinander sorgen, und das ist die Sorge der Liebe, nämlich wenn Gott mir etwas gegeben hat, dass ich sorge, wie auch andere davon profitieren.
Man muss hier darauf achten, dass wir keine Erklärungen hinzufügen, sondern es einfach so verstehen, wie die Worte lauten. Wir sollen uns nicht um Nahrung sorgen. Gott sagt: „Arbeite, und gib du nicht, ich will geben.“ Gibt er es, so sorge du dann, wie du es recht verteilst. Sorge nicht, dass du es bekommst, sondern bemühe dich, wie dein Hausgesinde und andere dasselbe, was dir Gott gegeben hat, auch bekommen, und sorge, dass dein Hausgesinde arbeitet und nicht ungezogen wird.
Bin ich ein Prediger, so soll meine Sorge nicht sein, woher ich das nehme, was ich predige, denn wenn ich es nicht habe, so kann ich es nicht geben, [Luk. 21, 15] denn Christus hat gesagt: „Ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher nicht widerstehen noch widersprechen werden können alle eure Gegner.“ Sondern habe ich das, so soll ich nun sorgen, wie es andere von mir empfangen, und dass ich bestrebt bin, es auf die frömmste Weise weiterzugeben. Wie ich die Unwissenden lehre, die Wissenden ermahne und ermutige, wie ich die betrübten Gewissen tröste, die nachlässigen, schläfrigen Herzen aufwecke, und so weiter, wie es der heilige Paulus getan hat und seinen Jüngern Timotheus und Titus auch zu tun befohlen hat. Das soll meine Sorge sein, nämlich wie es andere von mir empfangen. Ich aber soll studieren und Gott bitten. Studieren ist eine Arbeit, diese Arbeit will er, dass ich tue, und wenn es ihm gefällt, so will er geben. Es kann wohl vorkommen, dass ich lange studiere und er dennoch nichts gibt. Über ein Jahr oder zwei, und wenn es ihm gefällt, gibt er es plötzlich reichlich und überfließend auf eine Stunde.
Ebenso soll es auch ein Hausvater machen, er warte nur auf sein Tun, das ihm befohlen ist, und lasse unseren Herrn Gott sorgen, wie er es gibt. Wenn er es gibt, dann soll er sorgen, wie er es anderen, seinem Hausgesinde gibt, und darauf achten, dass es keinen Mangel hat an Leib und Seele. Das meint der Herr hier, wenn er sagt, wir sollen nicht sorgen um Speise und Kleidung, aber arbeiten will er, das ist kurzum gesagt, denn du müsstest lange hinter dem Ofen liegen, bis dir etwas gegeben wird, wenn du weder pflügst noch arbeitest. Gott könnte dich wohl ohne Arbeit ernähren, könnte dir wohl Gebratenes und Gekochtes, Korn und Wein auf dem Tisch wachsen lassen, aber er will es nicht tun, er will, dass du arbeiten sollst und in diesen Dingen deine Vernunft gebrauchst.
Ebenso verhält es sich mit dem Predigen und mit allen anderen Dingen. Er gibt uns Wolle, die lässt er uns auf den Schafen wachsen, aber es wird nicht sofort Tuch daraus, wir müssen es bearbeiten und Tuch daraus machen. Wenn das Tuch da ist, so wird nicht gleich ein Rock daraus, der Schneider muss ihn erst machen. Und so verhält es sich auch mit allen Dingen. Gott will sorgen und wir sollen arbeiten.
Davon haben wir ein Beispiel vor Augen in Fülle, und besonders erzählt er uns zwei Beispiele, die uns billig schamrot machen sollten, nämlich von den Vögeln und von den Blumen auf dem Feld.
Von den Vögeln spricht er so:
„Seht die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“
Als wollte der Herr sagen: Ihr habt noch nie einen Vogel gesehen, der mit einer Sichel geerntet und in die Scheunen gesammelt hätte. Die Vögel arbeiten auch nicht wie wir, dennoch werden sie ernährt. Damit will der Herr jedoch nicht sagen, dass wir nicht arbeiten sollen, sondern er will uns mit diesem Beispiel die Sorge nehmen. Denn ein Vogel kann keine Feldarbeit treiben wie wir, doch ist er nicht ohne Arbeit, sondern er tut das, wozu er geschaffen ist, nämlich dass er Junge zeugt, sie ernährt und unserem Herrn Gott ein Liedlein dafür singt. Hätte Gott ihm mehr Arbeit aufgetragen, so täte er auch mehr. Er steht früh auf, setzt sich auf einen Zweig und singt das Lied, das er gelernt hat, und weiß nichts von Speise, sorgt sich auch nicht darum. Danach, wenn er hungrig ist, so fliegt er dahin und sucht ein Körnlein, da hat Gott ihm irgendwo eines hingelegt, an das er nie gedacht hat, als er sang, und hätte doch Grund genug gehabt, sich um die Nahrung zu sorgen. Schaut euch nun, wie die Vögel frommer und gläubiger sind als ihr, die fröhlich sind und mit Freuden singen und nicht wissen, was sie zu essen haben.
Das ist uns zu einer mächtigen, großen Schande gesagt, dass wir nicht so handeln können, wie die Vögel es tun. Ein Christ sollte sich vor einem Vogel schämen, weil dieser eine Kunst beherrscht, die er nie gelernt hat. Wenn du ihm im Frühling, wenn die Vögel am schönsten singen, sagen würdest: „Warum singst du so fröhlich, hast du doch noch kein Getreide in den Scheunen?“, er würde dich verspotten. Es ist ein gewaltiges Beispiel, das uns wahrlich ins Herz treffen und uns anspornen sollte, Gott mehr zu vertrauen, als wir es tun. Darum beschließt er auch mit einem heftigen Spruch und sagt: „Seid ihr nicht viel mehr als sie?“
Ist es uns nicht eine große Schande, dass der Herr uns die Vögel zu Meistern macht und vorhält, dass wir erst von ihnen lernen sollen? Pfui über den hässlichen, schändlichen Unglauben, die Vögel tun, was sie sollen, wir aber nicht. [1. Mose 1, 28] Im ersten Buch Mose haben wir ein Gebot, dass wir Herren sind über alle Kreaturen, und die Vögel sollen unsere Herren sein in der Klugheit. Fort mit dem heillosen Unglauben! Gott macht uns zu Narren und stellt uns die Vögel als Lehrer vor, dass sie unsere Meister sein und uns regieren, die wir sie regieren sollten, nur um uns zu zeigen, wie wir dem Mammon dienen und den rechten, wahren Gott verlassen.
Nun folgt das andere Beispiel von den Blumen auf dem Feld, und es lautet so:
„Wer von euch kann durch Sorgen seine Lebenslänge um eine Elle verlängern? Warum sorgt ihr euch dann um die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Feld, wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht, noch spinnen sie, und doch sage ich euch, dass selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht so gekleidet war wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, wird er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?„
Als wollte er sagen: Das Leben gehört nicht euch, auch der Leib nicht. Ihr könnt euch weder um eine Elle verlängern noch verkürzen, noch sorgt ihr dafür, wie ihr euch kleiden mögt. Seht auf die Blumen auf dem Feld, wie sie geschmückt und gekleidet sind, doch tut ihr nichts dazu, sie nähen nicht und weben nicht, dennoch sind sie schön geziert. Der Herr will damit jedoch nicht sagen, dass wir nicht nähen und weben sollen, sondern dass wir arbeiten, spinnen und nähen sollen, aber sorgen sollen wir nicht. Das Übel, das wir haben, ist unsere Arbeit. Wollen wir dazu noch sorgen, so handeln wir sehr töricht. Denn es ist genug, dass jeder Tag sein eigenes Übel hat.
Ich meine, das sei auch eine große Herausforderung, dass die Blümlein da stehen und uns beschämen und unsere Meister werden. Dankt den Blümlein, die von den Kühen gefressen werden, und Gott hat euch so hoch erhoben, dass ihr unsere Meister und Lehrer werdet. Weh uns, wenn das für uns eine Ehre ist, so weiß ich nicht. Wir müssen bekennen, dass das geringste Blümlein, welches eine Kuh oder ein Schaf mit Füßen tritt, unser Schulmeister werden soll. Sind wir nicht feine Leute? Ich meine auch. Und stellt daneben den reichsten, mächtigsten König Salomo, der aufs Kostbarste mit Purpur und Gold bekleidet war, dessen Schmuck dennoch nicht mit dem Blümlein zu vergleichen ist. Ist es nicht ein großes Ding, dass die Zierde der Blümlein auf dem Feld höher geschätzt werden soll als alle edlen Steine, als Gold und Silber?
Wir sind aber so blind und sehen nicht, was Gott damit bezwecken will und wie er es meint. Das Blümlein steht da, damit wir es sehen sollen, es pocht uns und sagt: Auch wenn du den Schmuck der ganzen Welt an dir hättest, so bist du mir noch nicht gleich, denn ich stehe hier und sorge nicht, woher mir dieser Schmuck kommt, ich kümmere mich nicht darum, ich stehe einfach da und tue nichts dazu. Und auch wenn du schön geschmückt bist, so bist du doch ungesund und dienst dem ohnmächtigen Mammon, ich aber bin frisch und hübsch und diene dem wahren, rechten Gott. Seht, so ein hässlich schändliches Ding ist es um den Unglauben. Das sind treffliche, gewaltige Beispiele: zwei, von den Vögeln und den Blumen. Die Vögel beziehen sich auf die Speise, die Blumen auf die Kleidung. Und im ganzen Neuen Testament ist uns unsere Schande nicht so aufgedeckt und vorgehalten wie eben in diesem Evangelium. Aber es gibt wenige, die das verstehen. Aus diesen Beispielen und Gleichnissen schließt nun der Herr und sagt:
„Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach all dem trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für den anderen Morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag sein eigenes Übel hat.“
So ist nun die Summe des Evangeliums: Die Christen sollen sich nicht um Nahrung sorgen, Gott sorgt für sie, noch bevor sie daran denken. Aber arbeiten sollen sie, das ist ihnen geboten. Das sei genug von diesem Evangelium. Gott wolle uns Gnade geben, dass wir eines Tages auch danach handeln und das Evangelium uns nicht nur in den Ohren und auf der Zunge bleibt, sondern ins Herz kommt und frisch mit der Tat hervorspricht. Das gebe Gott. Amen.
WA 10-I-1, S. 370-381 (Roths Sommerpostille von 1526)