Über das Lesen des Alten Testaments
Wir beginnen als eifrige Biber,
teils in Freude über neue Aufgaben,
teils in Angst vor der vielen Arbeit, die vor uns liegt,
teils in Angst vor all dem Ungelernten, dem wir uns nun stellen müssen.
Wir beginnen wieder einmal einen neuen Anfang
wie es unser Lernen immer tut –
nur um wieder einmal zu entdecken
dass unsere Anfänge inmitten deines Fortgangs liegen,
deiner fortwährenden souveränen Forderung,
deiner fortwährenden gnädigen Barmherzigkeit,
deiner fortwährenden, von Furcht erfüllten Gegenwart.
So legen wir unseren Anfang in dein Fortbestehen hinein,
im Vertrauen auf die Grenzen unseres Glaubens,
und so frei für die großen Dinge, die jetzt
zu lernen und zu empfangen und zu verwirklichen sind.
Als Klasse im Alten Testament beten wir wie die Freizeitklasse
mit viel freier, unbelasteter Zeit, die uns anvertraut ist,
stellen wir uns vor, dass wir sehr belastet sind,
aber in Wirklichkeit sind wir zutiefst privilegiert.
Wir beten an diesem Tag, den wir von dir empfangen haben,
dass wir ihn dir zurückgeben können
in Staunen, Liebe und Lobpreis. Amen.
Walter Brueggemann
6. September 2002
Quelle: Inscribing the Text. Sermons and Prayers of Walter Brueggemann, hrsg. v.
Anna Carter Florence, Fortress Press, 2004, S. 20.