Fridolin Stier, Vom Dasein Gottes in den Psalmen: „Hier gewährt JHWH, der König der Herrlichkeit seine Nähe, sein Da, den Menschen, die seine Hilfe brauchen, Verfolgten, die seinen Schutz, Kranken die Genesung, Angeklagten, die ihr Recht suchen und finden. Denn er ist da.“

Vom Dasein Gottes in den Psalmen

Von Fridolin Stier

Wie erfahren die Psalmisten die Wirklichkeit Gottes?
Er ist da, er ist der Ich-bin-da-Gott. So hat er sich Mose aus dem brennenden Dornbusch zugesprochen. Genauer: „Ich bin da wo ich je bin“ – das ist Daseinszusage an Israel, und „wo ich je bin“ zugleich Vorbehalt der Freiheit. Ich habe das Stöhnen meines Volkes in Ägypten gehört. Ich bin gekommen, um es zu befreien.
Es gibt Orte seines Daseins: Das auf dem Berg Zion von Salomo im 10. Jahrhundert v. Chr. erbaute Heiligtum. Im Allerheiligsten ist der Ort seiner Gegenwart, sein „Wohnsitz“, seine Ruhestatt, sein Thron. Über der Bundeslade, über den weitgespannten Flügeln der Kerube. Darum ist der Zion, der „heilige Berg“, Jerusalem die „heilige Stadt“, denn JHWH ist ihr Mitinnen (Ps 46,6). Um der Präsenz der Gottheit willen wird das Heiligtum überschwänglich gepriesen: „Krone der Schönheit“ (Ps 50,2), „Wonne der ganzen Welt“ (Ps 48,3) „Bergung und Macht“ (Ps 46,1), unantastbar, unverletzbar. Hier gewährt JHWH, der König der Herrlichkeit seine Nähe, sein Da, den Menschen, die seine Hilfe brauchen, Verfolgten, die seinen Schutz, Kranken die Genesung, Angeklagten, die ihr Recht suchen und finden. Denn er ist da.

Quelle: Fridolin Stier, Mit Psalmen beten, hrsg. von Eleonore Beck, Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk, 2001, S. 76.

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