Paul Gerhard Schoenborn über Kaj Munk – Märtyrer um des offenen Wortes willen: „Kaj Munk ist von der Unbedingtheit Gottes und seiner Ewigkeit, von der Wahrheit der Heiligen Schrift und der irdischen Gültigkeit des Wortes Gottes durchdrungen. Seine Identität als Verkündiger würde zerbrechen, müsste er hier Abstriche machen. Er erinnert an Gestalten der Bibel, die reden müssen und nicht schweigen dürfen. Gottes Unbedingtheit fuhrt ihn zu prophetischer Unbedingtheit.“

Kaj Munk – Märtyrer um des offenen Wortes willen

Von Paul Gerhard Schoenborn

»Die Wahrheit kann man nicht konservieren. Sie existiert nur in lebendigem Zustand. Und sie muß gerade in dem Augenblick benutzt werden, in dem sie sich kundtut. Denn die gefährlichste von allen Lügen ist die tote Wahrheit.« (Kaj Munk, 1943)

Der Mord

Am frühen Morgen des 5. Januar 1944 wurde der dänische Pfarrer und Dichter Kaj Munk1 bei Hoerbylunde Banke in der Nähe von Silkeborg erschossen aufgefunden. In seiner Manteltasche steckte ein Zettel in fehlerhaftem Dänisch: »Du Schwein hast doch für die Deut­schen gearbeitet.« Ging der Mord zu Lasten der dänischen Wider­standsbewegung? Jedenfalls sollte dieser Anschein erweckt werden. In Wirklichkeit war Kaj Munk am Abend zuvor in seinem Pfarrhaus in Vedersoe – bei Ulfborg, unmittelbar an der Nordsee – von Deut­schen verhaftet worden. Einige der fünf SS-Männer2 gehörten zur Gruppe Skorzeny, die im Jahr zuvor Mussolini in einer spekta­kulären Aktion befreit hatte. Zu dieser Mordtat, die von höchster Stelle angeordnet wurde, waren sie eigens aus Berlin angereist. Es gibt nur Spekulationen darüber, warum die SS-Leute ihr Opfer so weit von seinem Heimatort wegbrachten, ihm unterwegs eine Beru­higungsspritze gaben und dann in der Nacht des 4. Januar 1944 erschossen.

Der dänische Widerstand sollte mit diesem Mord getroffen wer­den. Kaj Munk war das Symbol der dänischen Opposition gegen die deutsche Besatzung und ein scharfer Kritiker der Kollaboration seiner Landsleute mit den Feinden. Was er öffentlich sagte, war Aus­druck des politischen Protestes und stärkte den Widerstandswillen der anderen Dänen, die sich mit dem Zustand der Unterwerfung nicht abfinden wollten. Seine Stimme sollte endgültig zum Schwei­gen gebracht werden. Der Terror sollte auch die Widerstandsgrup­pen im Lande einschüchtern.

Der Ermordete wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung neben seiner Kirche in Vedersoe begraben. Im Land wehten die däni­schen Fahnen auf halbmast. Im Königlichen Theater in Kopenha­gen wurde zum Gedenken an seinen Tod die Vorstellung unter­brochen.

Eine kleine Ausstellung im alten Schulhaus neben der Kirche, eine Gedenktafel in dem Seitenschiff der Kirche und ein Denkmal mit seiner Büste nahe der Kirche in Vedersoe erinnern noch heute an ihn. An der Stelle der Straße bei Hoerbylunde Banke, wo man den Ermordeten fand, steht als Mahnmal ein granitenes Kreuz ohne Namen oder sonstige Inschrift. Stets sieht man frische Blumen davor. In seinem Vaterland gedenkt man Kaj Munks noch heute als eines Märtyrers des dänischen Widerstands. Als Dichter, Schriftstel­ler und Dramatiker wird er in Dänemark weniger erwähnt, weil For­men und Inhalte seines literarischen Schaffens stark zeitgebunden waren.

Kaj Munk wurde am 13. Januar 1898 in Maribo auf Lolland gebo­ren. Zwanzig Jahre war er mit Leib und Seele Dorfpfarrer in Jütland. Seit im Jahre 1928 das Königliche Theater in Kopenhagen sein Büh­nenstück »En Idealist« aufgeführt hatte, galt er zugleich als einer der angesehensten Dichter und Dramatiker Dänemarks. Sein umfang­reiches Werk umfaßt über zwanzig Schauspiele, Lyrik, Kirchenlie­der, vaterländische Gedichte, Erzählungen, Presseberichte, Kom­mentare und Essays zum Zeitgeschehen, eine Selbstbiographie, eini­ge Filmskripte und Predigtbände. Seine Theaterstücke wurden in ganz Skandinavien häufig aufgeführt, seine Gedichte und Betrach­tungen gern in den dänischen Zeitungen abgedruckt. Die königli­che Regierung ehrte ihn seit den dreißiger Jahren durch einen jähr­lichen »Dichtersold«. 1948/49 erschien eine neunbändige Gedächt­nisausgabe seiner Werke.

Kaj Munk und die starken Führer

Das Milieu, in dem Munk aufwuchs, war das von Handwerkern und Kleinbauern. Als Kind prägten ihn die dänische Erweckungsbewe­gung der »Indre Mission« wie auch Pastoren und Lehrer in der Tra­dition des christlichen Volkserziehers Grundtvig. Zwanzig Jahre war Kaj Munk sowohl im alltäglichen Umfeld seiner Dorfgemeinde Vedersoe als auch in der Welt der dänischen Volksbildung und des Theaters zuhause. Es ging ihm – ob auf der Bühne oder der Kan­zel, ob in seinen Zeitungskommentaren, ob ausdrücklich benannt oder zwischen den Zeilen – stets um die Aktualisierung der christ­lichen Werte – wie er sie als Nachfolger Jesu und als Lutheraner ver­stand.

Er liebte Deutschland, das er einigemal bereiste, und bewunder­te dessen kulturelle Tradition. Aber mehr noch war er stolz darauf, ein Däne, ein Skandinavier zu sein.

Bis in die dreißiger Jahre hat Kaj Munk, wie so viele europäische Intellektuelle, den Faschismus Mussolinis und die Faszination, die von Hitler und der scheinbaren Erneuerung Deutschlands ausging, öffentlich positiv beurteilt. In Dänemark wird noch heute unter Fachleuten diskutiert, wieso das bei einem Mann geschehen konn­te, der später so eindeutig zum Widerstand gegen Hitler aufrief. War es die Anziehungskraft starker Charaktere auf den Dichter? Oder politische Naivität, die sich positive Folgen von der Konzentration der Macht in der Hand eines charismatischen Führers versprach? Oder kleinbürgerlicher Protest gegen die vielen Kompromisse einer Demokratie? Oder gar romantische Stilisierung der »Führer« zu ein­samen Gerechten, die leidend ihr Kreuz tragen, um ihre Völker zu erlösen? Von all dem findet man etwas bei Kaj Munk? Aber er hatte auch eine solide, an Jesus von Nazaret orientierte, biblische Fun­dierung. So mußte er schließlich erkennen, daß eine große Kluft besteht zwischen dem Geist Jesu und dem Charisma politischer Füh­rer. Und daß man dem Teufel widerstehen muß. So zog er die Kon­sequenzen.

Bestürzt berichtete er noch nach Jahren in einer Predigt, wie schrecklich der Enthusiasmus eines dänischen Arztes auf ihn gewirkt habe. Dieser habe bei einer Versammlung einen Toast auf Hitler ausbringen wollen und mit glänzenden Augen gesagt, Hunderttausen­de seien bereit, für den »Führer« ihr Leben hinzugeben, und dann noch spöttisch hinzugefügt, aber offenbar keiner der Christen für Jesus und seine Sache.4

Protest des Dichters

Als Mussolini einen mörderischen Eroberungskrieg gegen den Negus Heile Selassi von Äthiopien begann, schlugen die Sympa­thien Kaj Munks in ihr Gegenteil um. Es empörte ihn, daß ein zivi­lisiertes, hochgerüstetes Land ein schwächeres, unterentwickeltes Volk überfiel und daß wegen wirtschaftlicher Interessen Weniger das Leben Tausender unschuldiger Menschen ausgelöscht wurde. Er ver­faßte im Januar 1936 das Theaterstück »Sejren« – »Der Sieg«, in des­sen Hauptfigur man unschwer den Duce erkennen kann. Wegen der überdeutlichen Kritik an der verantwortungslosen Machtpolitik des Faschistenführers wurden die Aufführungen sowohl in Dänemark wie in Schweden von den Behörden wie von den italienischen Bot­schaften beargwöhnt und behindert.

Der antisemitische Rassenhaß und die Judenpolitik im national­sozialistischen Deutschland, aber auch die Versuche gewisser deut­scher Christen, ein angeblich germanisches Christentum an Stelle des an der Bibel orientierten Glaubens zu setzen, ließen ihn in zahl­reichen Zeitungskolumnen zum bissig-ironischen Kommentator der herrschenden deutschen Rassenideologie und deren kirchlichen Hel­fershelfer werden:

»Für uns Nordländer ist die deutsche Apotheose des Nordischen etwas Unerträgliches. Wir fragen mit spöttischem Lächeln, ob der Ariergeist etwas so Bemerkenswertes sein kann, da er sich fünfzehn Jahrhunderte lang von einem grünen Jungen wie Jehova tyrannisie­ren ließ. Wir zweifeln an der Kraft des deutschen Blutes, wenn wir hören, daß es ganz und gar verdorben sein soll bei einem Indivi­duum, bei dessen Großmutter es vermutlich ein wenig nichtarischen Zusatz hatte. … Und wir sind höchst erstaunt darüber, daß ein so stolzer und erhabener Stamm wie der germanische einen Bund mit den Italienern und Japanern suchen muß, um sich in der Welt zu behaupten. Schließlich notieren wir, daß ein germanisches Volk die Erde regiert, aber nicht das deutsche, sondern das englische, das es sich immer leisten konnte, auf eine Betonung der eigenen Vortreff­lichkeit zu verzichten und es nie nötig hat, sich einen pfarramt­lichen Ausweis über die Abstammung der Großmutter zu be­schaffen.«5

Folgerichtig wurde er zum schroffen Kritiker Hitlers und der poli­tischen Entwicklung im Deutschen Reich. Als die »Schleswig-Hol­steinische Landeszeitung« Kaj Munk 1936 wegen eines kritischen Zeitungsartikels zum 400. Jahrestag der lutherischen Reformation in Dänemark rügte und den dänischen Theologen und Dichter als Beweis für die Einflüsse des »Asphaltjudentums« auch in dem skan­dinavischen Nachbarland vorführte – Munks Geschmiere stünde jüdischen Schmierereien nicht nach, wurde gegen ihn polemisiert –, verlangten die dänischen Kirchenbehörden von ihm eine Stellung­nahme zu diesem Vorwurf der deutschen Presse. Voll sarkastischem Zom schrieb Kaj Munk daraufhin seinem Ministerium:

»Ich bin ein geborener Petersen6 und alles an mir ist, soweit ich es übersehe, »nordisch«. Nun aber wird mir also auf dem Dienstweg von Deutschland mitgeteilt, daß der munksche Geist jüdischer Asphaltliteratur gleichkomme, von diesem Deutschland, das sich – mit Herrn Streicher an der Spitze – in Ausdrücken gefällt, für die »Lokusschmierereien« noch ein zahmer Ausdruck ist. Von einem gewissen Zimmermann (Gott verzeih ihm, er war nur ein Jude!) habe ich das Asphalt-Auftreten gelernt, und weiter, daß es beim Kampf um den Geist in vielerlei Fällen unvorsichtig, herausfordernd und verletzend aufzutreten gilt, so daß man sowohl von denen mißverstanden werden kann, denen Gott das Verständnis verwehrt hat, wie auch von denen, die der Teufel mit gutem Willen zum Mißverständnis ausgestattet hat. In dieser Lehre gedenke ich zu verharren – in seiner Kirche – und auch außerhalb dieser, wenn es den darin Etablierten eines schönen Tages gefallen sollte, mich hinauszu­werfen.«7

Sein Versuch im Jahre 1938 mutete schon damals hilflos an, durch einen offenen Brief Mussolini dazu zu bewegen, Hitler von den sich steigernden Judenverfolgungen abzubringen. Aber Kaj Munk ver­suchte – und er gehört damit zu der winzig-kleinen Zahl derer, die etwas gegen die Verbrechen an den Juden unternahmen – mit sei­nem Mittel des veröffentlichten Wortes, gegen die unmenschlichen Leiden zu protestieren.

Im gleichen Jahr 1938 verfaßte Kaj Munk – übrigens bei einem Aufenthalt in Berlin – ein Bühnenstück gegen den Rassenwahn in Deutschland und den vergeblichen Versuch einiger nationalsoziali­stischer christlicher Gelehrter, Jesus von Nazaret zu arisieren: »Han sidder ved Smeltediglen« – »Er sitzt am Schmelztiegel«. Der Titel verdankt sich einem dänischen Kirchenlied, in dem es heißt, Jesus verändere die Menschenherzen; sein Bildnis solle den Men­schenherzen eingeprägt sein. Der Konflikt, auf dem das Theaterstück aufbaut, entsteht dadurch, daß eine antike jüdische Tonskulptur ein­deutig als die früheste Abbildung Jesu, des Juden aus Nazaret iden­tifiziert wird, und das von einer deutschen jüdischen Archäologin. Für den nationalsozialistisch ausgerichteten Wissenschaftsbetrieb entsteht das Dilemma: Soll man entsprechend dem Ethos der intel­lektuellen Redlichkeit und der Verpflichtung zur Wahrheit in der Forschung diese wissenschaftliche Entdeckung bekannt machen – ohne Rücksicht auf die Folgen? Oder soll man dem nationalsozia­listischen Staat einschließlich seiner Rassenlehre auch auf einem so abseitigen Gebiet wie der Archäologie und Orientalistik dienen, den Fund unterschlagen oder gar vernichten? Adolf Hitler, der in der Hauptszene in Person auftritt, ist glücklich, daß der Leiter des For­schungsprojektes, Professor Mensch, schließlich das tönerne Abbild des Juden Jesus vor seinen Augen zerstört. Denn höher als die wis­senschaftlich dokumentierte Wahrheit steht dem Führer der politi­sche Kampf um Deutschland. Die archäologische Widerlegung der Theorie vom arischen Jesus würde seine rassepolitischen Ziele und wesentliche Teile der Ideologie seiner Partei lächerlich machen.

Mit bloßstellender Ironie kontert ein tapferer Kirchenmann – Bischof Beugel – die platte antisemitische Propaganda, die ein opportunistischer nationalsozialistischer Gelehrter – Professor Dom – äußert, der Hitlers Kultusminister werden möchte:

»Professor Dorn: Die Juden! Der Kehricht im Rinnstein der Völker! Diese vaterlandslosen Gesellen, die uns hassen, weil wir ein Vater­land haben! Diese aus allen Zusammenhängen Herausgerissenen, vom Glauben und von Idealen Entblößten – sie haben ihren widerwärtigen Zusammenhalt nur wie Ratten mit Krebsgeschwüren, denen die Schwänze zusammenwachsen. Alles Unglück kommt von ihnen: die Geldgier der Männer, die Liederlichkeit der Frauen, die Auflösung der Familien …

Bischof Beugel: Und dann regnet es immer genau an den Tagen, an denen meine Frau Wäsche trocknen will! Ja ja, es ist schon eine verdammte Nation.«8

Der stille Gelehrte, Professor Mensch, aber fordert Hitler und die Rassenpolitik des NS-Regimes frontal heraus. Er habe, sagt er dem Führer, seinem Volk ein Opfer gebracht, indem er das – für ihn als Archäologen unendlich wertvolle, weil einmalige – tönerne Bildwerk zerschmetterte, das den Juden Jesus wiedergibt. Aber er schulde auch der Menschheit ein Zeichen, denn das Bild Jesu lebe unauslöschlich in ihm. Deswegen – man bedenke: am 15. September 1935 waren die Nürnberger Gesetze » zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« in Kraft getreten – werde er seine jüdische Mitar­beiterin heiraten, der er die Hälfte seiner Forschungsergebnisse, nicht nur die Identifizierung der tönernen Jesusdarstellung ver­danke:

»Sie hat den Gedankenreichtum und die Ausdauer des deutschen Geistes, ist jedoch Jüdin. Ihr Name ist Sara Levi.«

Und zu Sara gewandt, die einwilligt, seine Lebensgefährtin zu werden:

»Du sollst mir einen Sohn gebären in meinem Alter, Sara, und der soll ein guter Deutscher und auch ein wahrer Mensch werden.«9

Es fand sich zunächst keine dänische Bühne, die »Han sidder ved Smeltediglen« aufzuführen wagte. Bei der Erstaufführung in Nor­wegen protestierten Anhänger der Partei des nationalsozialistischen Quisling. In Dänemark wurde das Schauspiel dann doch ein großer Erfolg, aber die deutsche Presse protestierte gegen diese Verächt­lichmachung des Dritten Reiches, unterstellte Kaj Munk Ignoranz in Rassefragen und fragte: »Wie lange noch soll sich die Grenz­landbevölkerung mit einem solchen Stück abfinden?«

Die Gegnerschaft Munks gegenüber Hitler und dem Nationalso­zialismus verschärfte sich seit der sogenannten Tschechenkrise und dem Überfall auf Polen. Zum Rassenhaß und den Judenverfolgun­gen kamen die Großmachtpolitik und die machtbesessenen, unzählige Menschenopfer einkalkulierenden Eroberungsfeldzüge des nationalsozialistischen Deutschlands, unter denen seit dem 9. April 1940 – dem Tag der Besetzung durch die großdeutsche Wehrmacht – auch Dänemark zu leiden hatte.

Der Schock des 9. April 1940

Kaj Munk trug schwer an dem Verlust der Unabhängigkeit und Frei­heit seines Vaterlandes. Ihn empörte der Kurs der dänischen Regie­rung, die allzu willfährig mit den Invasoren kooperierte, »um Schlimmeres zu verhüten«, und hatte kein Verständnis dafür, daß viele Dänen das akzeptierten.

Am 28. Juli 1940 rechnete Munk in Ollerup auf Einladung einer Volkshochschule vor einer riesigen Zuhörerschar mit der Politik von Ministerpräsident Thorvald Stauning ab. Vor Jahresfrist habe der gesagt, die Diktatur käme nur über viele Leichen ins Land. Nun sei die Diktatur hier; morgens zwischen 3 und 5 Uhr sei sie eingeführt worden. Es habe auch Tote gegeben, aber Stauning lebe noch. Er habe die dänische Demokratie an Hitler ausgeliefert und im Parla­ment dem Deutschen Reich sogar »Verständnis und Sympathie« aus­gesprochen. Offensichtlich rechtfertige der Erfolg alles. Die Danebrog – die dänische Fahne – sei eingeknickt, als die Hakenkreuzflagge auf sie zu kam. Hitler habe ein wehrloses Volk überfallen, des­sen einziger Fehler gewesen sei, einem Nichtangriffspakt zu ver­trauen. Dänemark werde nicht untergehen. Das dänische Volk solle die Besatzer nicht hassen, das sei nicht dänische Art und entspräche nicht christlicher Gesinnung. Aber mit mehr als mit Korrektheit und kalter Ablehnung könnten sie nicht rechnen.10 Eine Mitschrift die­ser Rede zirkulierte als illegales Flugblatt im Lande.

Daß aus politischer Verantwortung eine gewisse Zusammenarbeit mit der deutschen Besatzungsmacht erfolgen mußte, nahm Munk hin, und er orientierte sich dabei an der kritischen Distanz des däni­schen Königs Christian X. zur deutschen Politik. Dieser mißbilligte in demonstrativen, öffentlichen Äußerungen Übergriffe gegenüber den dänischen Juden und verhinderte die Durchführung der soge­nannten Judensternverordnung in Dänemark.11

Was Kaj Munk vor allem erzürnte, war die Würdelosigkeit vieler Landsleute, die um ihres persönlichen Gewinns willen mit der Besat­zungsmacht einträgliche Geschäfte machten. Bitter stellte er fest, während des Ersten Weltkriegs hätten manche Dänen am Hunger der Fremden profitiert; die Exporteure, die damals minderwertige Fleischkonserven nach Deutschland verkauften und mit dem Hun­ger dort Riesengewinne machten, nannte man abschätzig »Gulasch­barone«. Aber jetzt mache es vielen Dänen nichts aus, sogar am Elend des eigenen Vaterlandes reich zu werden.

Das kritisierte er permanent und in aller Öffentlichkeit, sogar noch in der denkwürdigen Neujahrspredigt in Vedersoe kurz vor sei­ner Ermordung. Ohne Talar, nur im Mantel und mit einem roten Schal um den Hals und an der Treppe zur Kanzel stehend, nicht von der Kanzel herab, hatte er da seiner Gemeinde ins Gewissen geredet: Viele hier aus der Umgebung hülfen ohne materielle Not, nur um den Geldes willen, den Deutschen beim Bau der Atlan­tikwall-Bunker. Sie wollten wohl damit verhindern, daß sie vorzei­tig von den Alliierten befreit werden könnten.

Während der Zeit der Besetzung Dänemarks wurde Munks öffent­liche Wirksamkeit durch die Zensur stark behindert. Es gab Hem­mungen, Schriften von ihm zu drucken. Ein neues Stück konnte in dieser Zeit nur unter fremden Namen aufgeführt werden – ein befreundeter Schau­spieler gab sich als Autor aus. Größere öffentli­che Auftritte wurden ihm ab 1941 untersagt wegen seiner kritischen Kommentierung der politischen Situation, die er bei einem Vortrag in der Kathedrale zu Aalborg zu äußern gewagt hatte.12 Doch hielt er, solange es nicht verhindert wurde, landauf, landab Lesungen und Vorträge zur Lage: »Übrig blieben ihm nur Schulen, Gymnasien, Pädagogische Hochschulen, Gemeindeversammlungen und derglei­chen, in denen er sich durch Vortrag auf Vortrag, Rede auf Rede buchstäblich aufrieb.«13 Der dänische Pfarrer Joergen Glenthoej erin­nert sich, wie Kaj Munk am 7. November 1942 einen solchen Vor­trag vor der christlich-akademischen Vereinigung mit den Worten schloß: »Alles können sie uns nehmen, aber nicht das Recht auf das Martyrium!«14

Prophetische Predigt

Vor allem redete Kaj Munk fortan zu den »inneren und äußeren Feinden« seines Vaterlandes von der Kanzel seiner kleinen Dorfkir­che in Vedersoe aus. Er wurde zu einem weithin beachteten politi­schen Prediger, zu dessen Gottesdiensten die Menschen von nah und fern kamen, denn er sprach konkret und mit Zivilcourage:

»Es gibt Leute, die sich einbilden, man könne die Wahrheit ein­salzen; einsalzen, glauben sie, in einem Bottich mit Salzlauge hal­ten und dann bei Bedarf, wenn es einem paßt, etwas davon herausholen und verbrauchen. Die irren sich. Die Wahrheit kann man nicht konservieren. Sie existiert nur in lebendigem Zustand. Und sie muß gerade in dem Augenblick benutzt werden, in dem sie sich kundtut. Wenn das nicht geschieht, so stirbt sic; sie verwest und erweist sich sehr bald als Verderben. Denn die gefährlichste von allen Lügen ist die tote Wahrheit.«15

Vorher hatte er sein Pfarr- und Predigtamt eher in der Weise des großen dänischen Theologen und Pädagogen Grundtvig aus dem 19. Jahrhundert, volksnah und erbaulich, ausgeübt. Er konnte frei­lich auch seit seiner Frühzeit scharfe Kirchen- und Christentumskritik in der geistigen Nachfolge Kierkegaards üben.

Eine halbherzige, unentschlossene Haltung war ihm stets zuwi­der gewesen, sowohl in christlicher wie in moralischer Hinsicht.16 Es kam ihm von Anfang seines Predigerdienstes auf einen aktiven Glauben an, auf einen Glauben, der an mehr interessiert ist als nur an sich selber:

»Mein Zuhörer, ich könnte mir denken, daß du einwenden möch­test: »Welche unruhigen Predigten! Wir bekommen immer zu hören, daß wir kämpfen sollen und mancherlei, was wir ohnehin müssen; wir dürfen nie vom Frieden des Glaubens hören.« Aber wenn ich nicht mehr von ihm spreche, als ich es tue, so deshalb, weil ich weiß, welche Gefahren dies in sich birgt. Es gibt Menschen, die ich »Frie­denstrinker« nennen möchte. Sie trinken sich voll Gottesfrieden. Es ist schön für uns Christen zu wissen, daß wir unser Vertrauen auf Gott setzen können, aber es ist nur gut, wenn dieses Wissen uns aktiv macht. Den Gottesfrieden dürfen wir besitzen, nicht um uns darin zu sonnen, sondern damit wir durch die Ruhe, die er uns gewährt, Kräfte zum Kampf holen können. Wenn ich mich dem Altar zuwende und den Herrn bitte, daß er dir sein Antlitz zukeh­ren und Frieden geben möge, so bedeutet das: daß er dir den Überschuß an Kraft schenken möge, der vonnöten ist, damit du für mehr als nur für dich selbst kämpfen kannst.«17

Zu Beginn einer Sammlung deutscher Übersetzungen von Pre­digten aus den Jahren 1941 bis 1943 – viele der dänischen Urfas­sungen mit ihren politischen Anspielungen wurden tatsächlich erst in der »Nationaltidende« abgedruckt, dann in zwei Bänden in Däne­mark veröffentlicht, trotz der Zensur – gibt er Rechenschaft darü­ber, warum er nun solche politischen Predigten hält:

»Du grundgütiger Heiliger Geist! Trockne mir die Tränen von meinen Augen, damit ich den Erlöser erblicke, den Erlöser, klar genug, daß ich meinem Volke jetzt in seiner Schicksalsstunde von ihm zu erzählen vermag.« So beten wir dänischen Pastoren im Jahre 1941. Die Kanzel ist uns eine Stätte solcher Verantwortung gewor­den, daß wir unter unserem Talar schlottern, wenn wir ihre Stufen betreten. Denn hier, in Gottes Haus, ist das Wort frei; aber nicht frei in dem Sinne, daß wir selbst darüber gebieten, sondern in dem Sinne, daß das Wort über uns gebietet. Hier drinnen gilt nur des Heiligen Geistes Zensur, und das ist die Zensur, die uns nicht zwingt zu schweigen, sondern zu reden! Welche Angst erfüllt uns, daß wir nicht ihre gehorsamen Diener sein könnten! Und wie verpflichtend ist für uns das Neue, das hinzugekommen ist. Früher war es der Ein­zelne, an den wir uns wandten, die Gemeinde (die ist es natürlich auch jetzt noch, und um unseres Lebens, unseres Todes, unserer Ewigkeit willen ist es wichtig, daß dieses Anliegen nicht zurückge­setzt wird), aber jetzt begreifen wir besser als je zuvor, daß Gott auch Dänemarks Gott, daß Jesus nicht nur der Erlöser eines jeden Ein­zelnen, sondern auch der Erlöser unseres Volkes ist. Und ist die Kir­che nicht der Ort für die Einführung … des »neuen Europa« und einer Staatsideologie, so ist und bleibt sie doch der Ort, wo das Unrecht in den Bann getan, wo die Lüge entlarvt, die giftige Bos­heit angeprangert werden muß – der Ort, wo Barmherzigkeit geübt werden soll als der Quell des Lebens, als der Herzschlag der Mensch­heit. Und wo man etwas anderes lehrt als diesen Glauben, da lehrt man Dschungel und Tod.«18

Kaj Munk sagt hier selbst, erst in dem neuen, mit dem deutschen Überfall gegebenen Kontext der scharfen Zensur, der behördlichen Sprachregelungen und nationalsozialistischen Propaganda habe er angefangen, politisch zu predigen. Aber ihm ist bewußt, daß es nicht eine freigewählte Aufgabe ist, sondern daß er so handeln muß – und eigentlich alle anderen Pastoren seines Landes so handeln müßten – als »Diener am Wort«. Es ist für ihn eine unabdingbare, prophe­tische Verpflichtung. Dem Bekenntnis zu seinem Dienst fügt er des­halb ein regelrechtes Anathema hinzu. Wie ein Prophet droht er, wo man etwas anderes lehre und nicht die politischen Sünden wider die Humanität anprangere, da lehre man »Dschungel und Tod«. Das Wort Gottes treibt ihn in die Verantwortung für sein dänisches Vater­land. Er handelt am gegebenen Ort und in der konkreten Situation als christlicher, dänischer Patriot und, wie man an vielen Stellen sei­ner Predigten bemerkt, als solidarischer Skandinavier, der starken Anteil nimmt am Kirchenkampf und der Resistance in Norwegen.

Was seit dem 9. April 1940 um ihn herum politisch geschah, in einem Land, das sich als ein christliches verstand, vertrug sich für Kaj Munk nicht mit den politischen Perspektiven, die er in seinen Predigttexten fand. Und das waren, der Tradition seiner lutherischen Staatskirche entsprechend, ausschließlich die vorgeschriebenen sonntäglichen Evangelientexte der in Deutschland sogenannten, »alten« Evangelienreihe! Sie zwangen ihn zu deutlichen Kampfan­sagen an den Zeitgeist und an den Tyrannen, an alle, die in seinem Heimatland mit den deutschen Besatzern kollaborierten, aber auch an die, die einfach so weiter Christen sein, predigen und glauben wollten, als sei nichts geschehen.

Im November 1941, am dreiundzwanzigsten Sonntag nach Trinitatis hielt Kaj Munk eine Predigt über die Perikope vom Zinsgro­schen (Matthäus 22,15-22). In ihr äußert er sich klar und grundsätz­lich darüber, wie politisch christliches Leben und christliche Ver­kündigung sind:

»Es ist uns Christen zur Pflicht gemacht worden, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und wir haben dem Befehl gehorcht; wir waren die gesetzestreuesten Bürger des Staates. Aber – wenn der Kai­ser mehr förderte, als ihm zukam, so war niemand aufrührerischer als wir. Nicht zu unterdrücken waren wir, Jahr um Jahr, Jahrzehnt um Jahrzehnt, Jahrhundert um Jahrhundert, bis wir siegten. Der Kai­ser konnte von uns unser Geld, unsere Arbeitskraft, unserer Jugend beste Jahre, unsere Gesundheit, ja unser Leben verlangen. Wenn er jedoch von uns forderte, daß wir schwarz als weiß, Tyrannei als Frei­heit, Lüge als Wahrheit, Übergriff und Gewalt als Gerechtigkeit bezeichnen sollten, so antworteten wir ihm: ›Du sollst keine ande­ren Götter neben mir haben.‹ Und verlangte er es abermals und drin­gender, so entgegneten wir: ›Es steht geschrieben: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.‹ Laß ihn nur kommen mit seinen Löwen und Tigern, seinen Galgen und Schei­terhaufen. ›Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche‹, hieß es schon in der Urkirche. Wir siegen durch unsern Tod. Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Gib dem Kaiser, was des Kai­sers ist, und Gott, was Gottes ist. Der Christ hat seine Heimat in beiden mächtigen Reichen. Aber sollte es geschehen, daß beide in Konflikt kommen, dann weiß er genau, wem er am meisten ver­pflichtet ist.

›Das tönt alles sehr schön; aber das Christentum soll unpolitisch sein‹, behauptet man. Die Kirche dürfe sich mit nichts anderem befassen als mit der Erlösung unserer Seele…. Das ist mir eine nette Religion. Wenn nur der kleine Jensen sich einrichten und in den Himmel kommen kann, was in aller Welt geht ihn die Welt sonst an? Laß sie zur Hölle fahren. Das ist Religion, die dem Kaiser gefällt; er will ihr gerne staatliche Unterstützung gewähren. Diese Religion wird ihm nie in die Quere kommen. Es ist eine Religion, die Got­teslästerung heißt. …

Die Wahrheit ist nicht ruhig und würdevoll und erhaben; sie beißt und reibt und schlägt drein. Die Wahrheit ist nichts für vor­sichtige Menschen; die brauchen nicht die Wahrheit, sondern ein Sofa. Was ist das für eine sinnlose Forderung, daß die Kirche vor­sichtig sein soll? War Christus etwa vorsichtig? Waren etwa die Märtyrer vorsichtig? ›Pst, pst, pst‹, heißt die Losung des Tages, »sonst kann es die ernstesten Folgen für Land und Volk haben‹. Dies ist völlig richtig. Aber Verstellung und Doppelspiel können noch ernstere Folgen haben. … Es wird hier in Dänemark nicht besser werden, bevor das dänische Volk nicht von Christus Mut gelernt hat. Dieses Volk wird nicht würdig sein, als Volk zu leben, bevor es nicht seine Ängstlichkeit ablegt. Es ist im Begriff, vor lau­ter Vorsicht zu sterben.«19

Über die Korrumpierung und Verführung der Menschen – leider auch in Dänemark – durch machtvolles Auftreten der Diktatoren sagt er:

»Es gibt gar nichts, das die Gemeinheit des Menschen so offen zeigt, wie sein Verhalten gegenüber der Macht. Weder Begier­de noch Sinneslust entblößen auf so düstere Art seine verachtungs­würdige Natur. Die Macht droht, und schon schleicht sich die Feig­heit ihr zu Füßen. Die Macht lockt, und schon kommt schwanzwe­delnd die Gier. Und was den Idealismus betrifft – o, mit nichts hat die Macht ein leichteres Spiel als mit dem Idealismus. Der Idealis­mus hat keine Zeit zu fragen, ob das recht sei, was jetzt geschieht, nein, es genügt, daß es groß sei – auch wenn dabei göttliche und menschliche Gesetze mit Füßen getreten werden. Was macht das aus, wenn nur das Große vollendet wird! Die Macht diskutiert nicht, sie zeigt nur auf ihre Resultate, und siehe, junge Herzen strahlen und heiße Herzen schlagen im Takt. Über all das wußte unser Herr vollkommen Bescheid. Er lebte in einem Land, wo er das jeden Tag sehen konnte. Er wußte, wie sehr die Macht mit der Chance rech­net, die Resultat heißt.«20

Parallelen zu Dietrich Bonhoeffers Denkschrift: »Nach zehn Jah­ren« werden sichtbar, und zugleich wird deutlich, wie sehr man damals in Dänemark mit Hitlers Erfolgen einverstanden war und in welchem Maße man sich mit dem Großdeutschen Reich gleich­schalten ließ.

Und die Kirche, die Pastoren? In seiner Neujahrspredigt 1943 warnt Kaj Munk:

»Und glaubt den Pastoren nicht zu sehr. … Sie sind im Geist des Humanismus erzogen. Sie haben entweder ver­gessen oder niemals erfahren, was Christentum ist. Sie haben sich schon als Flaschenkinder an ›Liiicbe‹ besoffen…. Sie ›enthalten sich der Politik‹. Sie predigen Frieden um jeden Preis zum Ergötzen des Teufels, der mehr als gerne sieht, daß das Böse in Ruhe gelassen wird, damit es sich nur noch mehr ausbreiten kann. Das Wort der Schrift lautet nicht: ›Wenn dein Nächster einen Streich auf eine Backe bekommt, dann ist es deine Pflicht, mitzuhelfen und ihn fest­zuhalten, damit er auch einen auf die andere Backe bekommt!‹ Glaubt den Pastoren nicht zu sehr, bevor sie erwachen und sich daran erinnern, daß sie die Diener des ganzen Evangeliums sind, die Diener des Friedensfürsten, der da kam – nicht um den Frieden zubringen, sondern das Schwert; die Diener dessen, der Petrus ver­zieh und Judas sich erhängen ließ; dessen, der sanftmütig und demütig von Herzen war und gleichwohl die Tempelschänder ver­trieb.«21

Trotz der Menschenfurcht, die in ihm steckt und deren er sich bewußt ist, muß Kaj Munk sprechen. »Warum? Darum, daß ich ein Christ bin, daß ich auf der Kanzel stehe; darum, daß das Evangeli­um heute den Namen Jesus nennt. Er ist’s, der mich aufstehen heißt.«22

Alle seine Predigten zeigen seine starke persönliche Bindung an Jesus, den menschgewordenen Gott, den Heiland und Befreier, den Lehrer, der zur Nachahmung aufruft, und das Glaubensvorbild, dem die Nachfolge bis ins Martyrium entspricht:

»Das teuerste Kleinod der Kirche – das ist Christus selber; aber das nächst teuerste, das ist der Märtyrermut der Christen. Nicht daß sie Helden sein wollen und der Ehrgeiz sie plage, nicht daß sie sich krankhafter Befriedigung in Selbstquälereien hingeben – aber daß sie Christus so lieben, daß ihnen kein Opfer zu groß wäre für ihn! Mit diesem Märtyrermut haben wir einmal die Welt überwunden, und ohne ihn wird die Welt uns überwinden. … Christus war ein Streiter, er stand in vorderster Front, aber er scheute sich auch nicht, die Seinen dorthin mit sich zuziehen, wo Tod und Qual und Ver­stümmelung der Lohn der Helden waren. Und sie folgten ihm ohne Zögern. … dahin müssen wir wieder gelangen! … Wie laue und ver­schlafene Christen wir auch sein mögen, so sind wir doch Christen, das Reich ist uns anvertraut.«23

Es ist ein todesmutiger Glaube aufgrund einer gläubigen Lebenshoffnung, die in Christus gegründet ist. Christus ist auferweckt wor­den, er ist die Brücke zu dem ewigen, unerforschlichen Geheimnis Gottes. Zeit seines Lebens – und erst recht als Seelsorger einer Gemeinde – hat Kaj Munk sich mit der Gewalt des zu frühen, zer­störenden, sinnlosen Todes auseinandersetzen müssen, der weder rational noch theologisch erklärbar ist. Er fand persönlich ein Gegen­gewicht in seinem starken, wenngleich auch oft angefochtenen Glau­ben an den auferweckten Jesus. Darüber hatte er schon 1925 ein ergreifendes Bauerndrama geschrieben: »Ordet« (Das Wort), das spä­ter von dem dänischen Regisseur Carl Theodor Dreyer verfilmt wurde.

In »Han sidder ved Smeltediglen« läßt Kaj Munk Bischof von Beu­gel, einen Gegner des Hitlerregimes aus christlicher Verantwortung, lächelnd sagen – und darin spiegelt sich ein Stück seiner eigenen Lebens- und Glaubenshaltung: ». … dann begegnete ich Martin Luther. Er lehrte mich, daß ein Christ »guten Humor« hat. Und dann traf ich Christus selbst – er war noch besser. Er flüsterte mir ins Ohr: Sie sollen uns am Karfreitag nur totschlagen, am Ostermorgen halten wir sie zum Narren.«24

Die Orientierung an Jesus Christus und der Bergpredigt, aber auch die Sorge um sein Vaterland und eine stark entwickelte christliche Verantwortung für das öffentliche Wohl lassen ihn immer wieder prophetisch an die Seite der Opfer der politischen Repression tre­ten:

»Aber diejenigen, die Protest erheben; diejenigen, die da wissen, daß die Jugend ins Verderben gerät, wenn man sie zwingt, untätig zu sein, und daß das Land um seine Zukunft bestohlen wird, wenn man immer nur an seine Gegenwart denkt; diejenigen, die sich gegen Nachgiebigkeit und Doppelspiel auflehnen – wie geht es denen? Gegen die Verfassung des Landes, gegen das Rechtsgefühl des Volkes, gegen Recht und Gerechtigkeit selber schleifen auf den Wunsch von Fremden hin Landsleute ihre Landsleute ins Gefängnis. So viele von Dänemarks besten Männern und Frauen sind mittlerweile überfal­len, deportiert oder ins Exil getrieben worden, daß man mit vollem Recht sagen kann: wir leben im Bürgerkrieg.«25

Darum ist jetzt Politik und Protest auf der Kanzel notwendig; denn Glauben heißt, nach dem Willen Gottes zu fragen und ihn zu tun – und dem Teufel zu widerstehen, der nichts lieber will, als daß die Sünde verschwiegen wird. »Wer Gott untreu wird, stellt sich unter den Schutz des Teufels!« konnte er sagen.26 Kaj Munk sieht, darin ist er ein treuer und nüchterner Schüler Martin Luthers, auf der Erde einen dramatischen Kampf zwischen Gott und dem Teufel toben, den letzterer verlieren wird, bei dem die Christen aber auf der rich­tigen Seite mitkämpfen müssen:

»Die weltlichen Machthaber sind mit den sogenannten frommen Christen darin einig, daß keine Politik in der Kirche getrieben wer­den soll, und darin kommt die Kirche ihnen auch gerne solange ent­gegen, wie sie eine Politik fuhren, die Christus nicht fremd ist. Aber schlagen sie Wege ein, die Christus als Wege gegen Gottes Willen bezeichnet hat, Wege, die für die Völker in den Abgrund fuhren – dann wäre die Kirche, die dazu schweigt, nicht Jesu Christi Kirche! Denn die Sünde zu verschweigen, ist die Sprache des Teufels. Als Christus gegen die Reichen wetterte, als er die Pharisäer anpranger­te, ging er ja auf ökonomische und juristische Gebiete ein. Wenn die ersten Christen sich weigerten, dem Bildnis des Kaisers Opfer darzubringen, begingen sie offenen Aufruhr. Gnade Gott uns, wenn wir nicht verstehen, daß die Kirche gerade dazu geschaffen ist, in jedem gegebenen Augenblick die Ewigkeit zu vergegenwärtigen.«27

Die Vergegenwärtigung der Ewigkeit führt die Kirche geradewegs zum Widerspruch durch das verkündigte Wort und zur politischen Widersetzlichkeit. Darin weiß Munk sich mit den norwegischen Lutheranern und ihrem Widerstand gegen die ihnen aufgezwunge­ne nationalsozialistische Obrigkeit einig. Bereits am 27. April 1941 hatte Bischof Eivind Berggrav von Oslo in einem als Privatbrief getarnten Rundschreiben seinen Pfarrern eingeschärft: »Für Luther war Gottes Wort aktuell und in gegebenen Situationen alles andere als bloß »erbaulich«. Mit Gottes Wort meinte Luther auch nicht die Bibel an und für sich, sondern die gesamte Verkündigung, verbum vocale. Will man mich durch den Hinweis auf die Ewigkeitswerte daran hindern, mit diesen Ewigkeitsworten eine aktuelle Situation zu beleuchten, hat man dann nicht das Ewigkeitswort zum Museumsgegenstand gemacht?… Luther betont stark, daß das Wort Gottes sowohl Evangelium als auch Gesetz ist. … Es ist eine Ver­suchung: Durch die Lockung »zentral« den Gekreuzigten und seine Sühne für uns zu verkündigen, soll man verführt werden, diesen gekreuzigten Herrn in seiner rügenden Rede an die gegenwärtigen Sünder zu verraten.«28

Als die dänischen Pastoren auf Veranlassung des Außenministeri­ums durch eine Verfügung des Kirchenministeriums angewiesen wurden, nichts über den norwegischen Kirchenkampf gegen das Quisling-Regime verlauten zu lassen, um die Beziehungen Däne­marks zur deut­schen Besatzungsmacht nicht zu belasten, weigerte sich Kaj Munk. Er schrieb dem Kirchenministerium – und in einer Zweitausfertigung dem Ministerpräsidenten und gleichzeitigen Außenminister Erik Scavenius – im März 1943:

»An das Kirchenministerium in Kopenhagen

Heute habe ich ein Rundschreiben erhalten, das die Stellung der dänischen Geistlichen zu den Verhältnissen in Norwegen betrifft. Ich gestalte mir, dem hohen Ministerium hiermit ergebenst mitzuteilen, daß ich dieses Rund­schreiben nicht nur nicht zu beachten, sondern strikt zu übertreten gedenke.

Anstatt das Außenministerium anzuhalten, die eigenen Angelegenheiten wahrzunehmen und die Kirche an die ihren zu erinnern (wozu Herr Scavenius kaum der rechte Mann sein dürfte), hat das Kirchenministerium in entgegengesetzter Richtung Front gemacht.

Die dänischen Pfarrer legen einen Eid auf die lutherischen Bekenntnis­schriften und vieles andere Gute ab, aber nun doch wohl nicht auf den höchst­geehrten Herrn Außenminister. Und gerade auf dieses mein Amtsgelöbnis als Pfarrer berufe ich mich hier.

Ich fühle mich auf das engste mit meinen norwegischen Glaubensbrüdern verbunden, sowohl weil sie Norweger sind, wie auch weil ich sie für meine Brüder im Glauben ansehe. Sie kämpfen den Kampf für dieselben Ideale, für die auch ich zu kämpfen geschworen habe. Wenn ich mich aus Menschenfurcht als passiver Zuschauer hinsetzen würde, dann würde ich mir wie ein Verbrecher gegen meinen christlichen Glauben, meine dänische (das heißt: nordische) Gesinnung und meinen Eid als Pfarrer vorkommen.

Es ist besser, Dänemark in seinem Verhältnis zu Deutschland zu schaden als in seinem Verhältnis zum Herrn Jesus.

Vielleicht sollte man Klage gegen das Ministerium erheben. Rechtlich gese­hen liegt ja hier der Fall vor, daß Vorgesetzte ihre Untergebenen zum Amtsmißbrauch verleiten wollen. Denn wir Pfarrer sind dazu eingesetzt, das Wort zu verkündigen, nicht dazu, es zu verschweigen. Sich mit dem Unrecht zu verbünden – das allein würde die ernstesten Folgen für Land und Volk haben. Das hat uns Christus gelehrt.

Falls das Kirchenministerium nicht umgehend Schritte unternimmt, die­ses unbedachte Rundschreiben zurückzunehmen, sehe ich mich gezwungen, mich an alle meine Amtsbrüder zu wenden, um an einem Sonntag in unse­ren Kirchen eine gemeinsame christliche Demonstration für unsere liebe und tapfere Bruderkirche in Norwegen zu veranstalten.

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Denn es ist nicht ratsam für einen Menschen, gegen sein Gewissen zu handeln.

Hochachtungsvoll
K. H. L. Munk, Gemeindepfarrer in Vedersoe«.29

Sq bezog er sich in seinen Predigten und sonstigen öffentlichen Äußerungen nun gerade auf das mutige Verhalten der skandinavi­schen Mitchristen.

Der Widerstand der norwegischen Kirche

Seit dem Überfall der Deutschen auf Norwegen am 9. April 1940 übte dort der norwegische Nationalsozialist Vidkun Quisling als Ministerpräsident – unter dem »Reichsstatthalter« Josef Terboven – die Macht aus und versuchte, das Volk ideologisch mit dem deut­schen Nationalsozialismus gleichzuschalten. Es formierte sich sogleich breiter politischer Widerstand dagegen. Parallel setzte ein an Geschlossenheit beispielloser Kirchenkampf der gesamten luthe­rischen Staatskirche in enger Verbindung mit den überaus starken Kräften der norwegischen Erweckungsbewegung gegen das Nazire­gime ein.30 In dessen Verlauf legten 92,9 Prozent der Pfarrer ihr Amt in der Staatskirche nieder, erklärten sich aber weiter an ihr Ordina­tionsgelübde gebunden und unterstellten sich einer vorläufigen, vom Staat unabhängigen Kirchenleitung!31 Elftausend, das sind 90 Prozent, der norwegischen Lehrer traten aus dem norwegischen Leh­rerverband aus. In persönlichen Erklärungen begründeten sie vor ihren Klassen diesen Schritt: sie hätten die Pflicht zur christlichen Erziehung ihrer Schüler in Gerechtigkeit und Wahrheit, das sei unter der neuen Obrigkeit nicht mehr gewährleistet.32 Gegen diese nor­wegische Kirche im Widerstand waren die harten Repressionsmaß­nahmen der Quisling-Regierung wie der deutschen Besatzungs­macht machtlos.

Bischof Eivind Berggrav von Oslo, der theologische und strategi­sche Kopf des norwegischen Kirchenkampfes, hielt ab 1941 an vie­len Orten seiner Heimat einen Vortrag über das Thema: »Wenn der Kutscher trunken ist – Luther über die Pflicht zum Ungehorsam gegen die Obrigkeit«. Darin begründet er in der gegebenen Situati­on die Pflicht der norwegischen lutherischen Kirche zum Wider­stand gegen die Quisling-Regierung theologisch und zwar – in deut­schen lutherischen Landeskirchen undenkbar – von Martin Luther her. Er beschreibt mit Luthertexten das offene Wort als Waffe des Christen im Widerstand: Sünde sei es, zu seinem Wort nicht zu ste­hen und sich vor Unannehmlichkeiten zu verkriechen. Dann wür­den wir, sagt Berggrav, »zu Mördern unseres eigenen Rechts«. Luther mahne, auch mit Vertretern einer Obrigkeit, die Unrecht tut, offen zu sprechen: »Du sollst Gottes Wort sein zu ihm. Laß deinen Mund einen Mund sein des Geistes Christi« (WA 8, 682, 31-36). Unrecht durch die Obrigkeit zu erleiden und zu ihrem Unrecht zu schwei­gen, sei für Luther zweierlei: »Wir sollen und wollen von jenen lei­den, was sie an uns tun. Aber dazu stille schweigen und sie lassen recht haben, wenn sie unrecht tun, das können und sollen wir nicht tun. Denn die Wahrheit soll man bekennen und das Unrecht stra­fen. Es ist ein großer Unterschied zwischen diesen beiden, Unrecht oder Gewalt leiden und zu Unrecht und Gewalt schweigen« (Predigt über Johannes 19,10-11, 1529. WA 28, 361). Und: »Deines Wider­sachers Sünde sollst du nicht billigen, sondern ihn warnen und stra­fen; das heißt eine große Barmherzigkeit getan mitten im Bösen. Also errettest du dein Gewissen, und ist dennoch da kein Rächen, sondern eitel lauter Wohltat« (Predigt über Johannes 16, 1529. WA 28, 361). Berggrav folgert daraus für den Widerstand seiner Kirche gegen das Unrecht der Quislingregierung, wer schweige, mache sich mitschuldig und er verrate Gottes Gerechtigkeit. »Wenn sie die Macht über uns haben, darf uns das nicht hindern.« Eine Regierung, die nicht der Gerechtigkeit allen Menschen gegenüber verpflichtet ist, ist für Berggrav eine gottlose, das Recht brechende Obrigkeit, der man widerstehen und die man mit dem Wort und der Wahrheit bekämpfen muß.33

Abschriften des Vortragsmanuskriptes kursierten in ganz Skandi­navien. Kaj Munk war durch Didrik Arup Seip, den Schwager Berggravs und Rektor der Osloer Universität, ausgezeichnet über den Widerstand im skandinavischen Bruderland informiert und kannte Berggravs Ausführungen. Als Berggrav am 7. April 1942 zusammen mit den anderen norwegischen Bischöfen verhaftet wurde und später unter Hausarrest stand, schrieb er eine christliche Staatslehre: »Der Staat und der Mensch«, die mit dem Kapitel: »Das Recht zum Aufruhr« schließt?34

Die beiden Predigtbände Kaj Munks »Ved Babylons Floder« – »An den Flüssen Babylons« und »Med Ordets Svaerd« – »Mit dem Schwert des Wortes« gelangten auch nach Norwegen. Ihr Inhalt ermutigte viele Christen im Widerstand. Als Rektor Seip verhaftet wurde, schickte ihm Kaj Munk »Ved Babylons Floder« ins Gestapo-Gefängnis Grini mit der Widmung »Apostelgeschichte 5,41!« Der Bibeltext lautet: »Sie gingen aber fröhlich von dem Hohen Rat fort, weil sie würdig gewesen waren, um seines Namens willen Schmach zu leiden.« Das Buch passierte die Kontrollen, die nicht ahnten, wie subversiv sein Inhalt war. Munks Predigten wurden in Grini vorge­lesen, wenn Gefangenengruppen zusammengeschlossen wurden. Einige Blätter des Buches begleiteten Seip, als er nach Fuhlsbüttel verlegt wurde?35

Kaj Munk und der dänische Widerstand

Kaj Munks Protest gegen die Knechtung Dänemarks durch die Deut­schen wurde noch schärfer, als nach einer Welle von Sabotageakten am 29. August 1943 der militärische Ausnahmezustand über das Land verhängt wurde und man – neben anderen Terrormaßnahmen – auch Dänemark mit Gewalt »judenfrei« machen wollte. Für ihn wie für viele Dänen befand sich sein Vaterland nun im Kriegszu­stand mit Deutschland.

Der »Status confessionis et resistentiae« war für die dänischen Lutheraner mit der Verfolgung dänischer Juden durch das national­sozialistische Regime gegeben. Ende September – Anfang Oktober 1943 versuchten die Deutschen, sämtliche dänischen Juden in die Vernichtungslager im Osten zu bringen. In Nacht- und Nebelaktio­nen dänischer Widerstandskreise, mit großer Beteiligung der Kirche, wurden mehr als 7000 der Verfolgten über den Öresund nach Schwe­den hinübergerettet. Der Bevollmächtigte des Deutschen Reiches, Dr. Werner Best, hatte durch den Marineattaché an der deutschen Botschaft, Georg Ferdinand Duckwitz, der Resistance Warnungen zukommen lassen, wohl um größere Unruhen in Dänemark zu ver­meiden.36 Einige Hundert dänischer Juden wurden allerdings unter entwürdigenden Umständen von den deutschen Sicherheitskräften gefangen genommen und nach Theresienstadt verbracht; die mei­sten von ihnen überlebten. Die Empörung über diesen Akt der Rechtlosigkeit und Inhumanität markierte in dem besetzten Land den Übergang von passivem zu aktivem Widerstand eines größeren Teils der Bevölkerung. Am 29. September 1943 ließen die Bischöfe der dänischen Staatskirche durch die dänische Regierung den Ver­tretern der Besatzungsmacht folgende Erklärung übergeben:

»Die Haltung der dänischen Kirche zur Judenfrage

Wenn eine Verfolgung von Juden aus rassischen oder religiösen Gründen erfolgt, ist es die Pflicht der christlichen Kirche, dagegen zu protestieren.

Erstens: Weil wir niemals vergessen dürfen, daß der Herr der Kirche, Jesus Christus, in Bethlehem von der Jungfrau Maria geboren wurde gemäß der Verheißungen Gottes an sein auserwähltes Volk Israel. Die Geschichte des jüdi­schen Volkes bis zur Geburt Christi enthält die Vorbereitung auf das Heil in sich, das Gott für die ganze Menschheit in Christus bereitet hat. Das wird durch die Tatsache verdeutlicht, daß das Alle Testament Teil unserer Bibel ist.

Zweitens: Weil eine Verfolgung von Juden in krassem Gegensatz zu den Werten der Humanität und der Nächstenliebe steht, die sich aus der Bot­schaft herleiten, die die Kirche Jesu Christi zu verkündigen hat. Es gilt kein Ansehen der Person vor Christus, und Er hat uns zu sehen gelehrt, daß jedes einzelne menschliche Leben vor Gottes Angesicht wertvoll ist (Galater 3,28).

Drittens: Weil es gegen das Rechtsbewußtsein verstößt, das im dänischen Volk gilt und das fest eingewurzelt wurde in den Jahrhunderten dänisch- christlicher Kultur. Auf Grund dessen wird in der Verfassung festgestellt, daß alle dänischen Bürger die gleichen Rechte und Pflichten vor dem Gesetz haben sowie eine garantierte Religionsfreiheit als das Recht, Gott zu verehren ent­sprechend ihrer Berufung und ihres Gewissens. Diese (Religions-) Freiheit garantiert, daß Rasse und Religion als solche niemals der Grund sein dür­fen für die Beraubung der Bürgerrechte, der Freiheit oder des Eigentums. Trotz divergierender religiöser Anschauungen werden wir für unsere jüdi­schen Brüder und Schwestern kämpfen, daß sie dieselbe Freiheit behalten, die wir höher schätzen als das Leben.

Wir Leiter der dänischen Kirche besitzen ein klares Verständnis unserer Verpflichtung, gesetzestreue Bürger zu sein, die sich nicht unbedacht gegen die erheben, die die Macht über uns ausüben. Aber zur selben Zeit sind wir in unserm Gewissen gebunden, Gerechtigkeit zu verlangen und zu protestie­ren gegen jegliche Verletzung der bürgerlichen Rechte. Deswegen, sollte der Augenblick der Entscheidung kommen, werden wir unzweideutig das Wort befolgen, daß wir Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen.

Im Namen der Bischöfe: H. Fuglsang-Damgaard37

Diese Protesterklärung, die weitsichtig eine ganze Zeit zuvor von einer Gruppierung politisch bewußter, kritischer Pfarrer – PUF = »Praestemes uofficielle Forening« – zusammen mit Bischof Fuglsang-Damgaard erarbeitet worden war, wurde am 3. Oktober, gera­de zur Zeit der Judenverhaftungen und der Rettungsaktionen, von allen Kanzeln der lutherischen Staatskirche als Hirtenbrief verlesen38 – auch in Vedersoe. In einer Predigt über das alte Evangelium von den klugen und den törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-13) ver­schärfte Kaj Munk diesen Protest seiner Kirche hinsichtlich der Kon­sequenzen:

»Nur eins will ich sagen: Wenn man hier im Lande mit der Ver­folgung einer gewissen Gruppe unserer Landsleute anfängt, nur um ihrer Abstammung willen, dann ist es christliche Pflicht der Kirche zu rufen: Das ist gegen das Grundgesetz im Reiche Christi, die Barm­herzigkeit, und das ist verabscheuungswürdig für jedes freie nordi­sche Denken. Und die Kirche muß weitergehen, ohne sich beirren zu lassen. Geschieht das noch einmal, dann wollen wir mit Gottes Hilfe versuchen, das Volk zum Aufruhr zu bringen. Denn ein christ­liches Volk, das tatenlos zusieht, wenn seine Ideale mit Füßen getre­ten werden, gibt dem tödlichen Keim der Verwesung Einlaß in sei­nen Sinn, und Gottes Zorn wird es treffen.«39

Ein dänischer lutherischer Pfarrer erwägt öffentlich, zum Aufruhr gegen die Obrigkeit aufzurufen! Kaj Munk hielt in der gegebenen politischen Situation nichts von einem grundsätzlichen, einem Radikalpazifismus.40 Er war davon überzeugt, daß auch die Dänen etwas tun müßten, um die tyrannische Herrschaft abzuschütteln – und das ging in dieser Lage nur durch Gewalt. Darum hat er die Widerstandsgruppen in seinem Heimatland materiell und ideell unter­stützt und öffentlich gesagt, es sei eine propagandistisch motivierte Diffamierung, zu behaupten, die Freiheitskämpfer seien Kommu­nisten im Dienste des Weltbolschewismus. Er hat über seine Lands­leute gespottet, die für die Befreiung »bis zum letzten Engländer«41 kämpfen, aber selbst nichts tun wollten. Daß die deutschen Solda­ten zwar durchweg anständige Menschen seien, heiße nicht, daß man sie als Feinde jetzt schonen müsse. Weil sie im Dienst des Dik­tators stünden, sei es Pflicht, sie zu bekämpfen. Das war Kaj Munks Überzeugung erst recht, als nach einer Welle von Sabotageakten am 29. August 1943 der militärische Ausnahmezustand über das Land verhängt wurde.

So finden sich in seinen Predigten unmißverständliche verschlüsselt-unverschlüsselte Aufrufe zum Sturz Hitlers. »Denn Ver­brecher können die Macht über ganze Völker an sich reißen und alle bestehende Werte umstürzen und soviel Schändlichkeiten und Leiden verursachen, daß der Tempelritter in uns aufgerufen wird. Und da geschieht es, daß wir Christi Wort als einen Befehl verneh­men: Hängt Mühlsteine um den Hals derer, die den Kleineren und Schwächeren ans Leben wollen.«42

Die Dänen sollten sich nach Kaj Munks Willen auf die eigenen Befreiungstraditionen besinnen, einschließlich der früheren gewalt­samen Beseitigung von Tyrannen, die das Land unterjochten. Seit der Besetzung Dänemarks führte er das an dem Beispiel des jütländischen Großbauern Niels Ebbesen aus, das jedem Dänen geläufig war. Dieser, ein durch und durch friedfertiger und friedensbereiter Mann, erschlug – trotz seiner Skrupel – am 10. April 1340 den Gra­fen Geert, einen deutschen Eindringling, der sich ganz Skandinavi­ens bemächtigen wollte und Niels Ebbesens Gefolgsleute deswegen zwangsverpflichtete.

Kaj Munk schrieb im Frühsommer 1940 ein Bühnenstück darüber, das 1942 in Kopenhagen im Druck erscheinen konnte, aber sogleich verboten wurde.43 »Als die dänische Polizei am 9. April 1942 auf eine deutsche Forderung hin im Nyt Nordisk Forlag Arnold Busck in Kopenhagen erschien, um die gesamte Auflage des »Niels Ebbesen« zu beschlagnahmen, fand sie nur noch 1.000 Exemplare, die restlichen 15.000 waren in der Nacht vorher schon »verteilt« worden!«44 Kaj Munk widmete das Werk den dänischen Truppen, die sich gegen den Einmarsch der Deutschen gewehrt hatten: »Unserer jungen Mannschaft vom 9. April«. Das Stück wurde 1943 in Schwe­den uraufgeführt. Kaj Munk las und interpretierte Teile des Schau­spiels trotz der Verbote vom Herbst 1940 an in zahlreichen däni­schen Städten. »Niels Ebbesen« ist der dramatische hermeneutische Schlüssel zu seinem Widerstand und seinem Tod. Als Kaj Munk an Lesungen und Vorträgen gehindert wurde, fanden sich viele andere, die diese Protestaktion fortsetzten und Lesungen des Freiheitsdra­mas veranstalteten.

In einer Predigt über den barmherzigen Samariter (Lukas 10,23-37) nannte Kaj Munk die Tat des Bauern Niels Ebbesen sogar eine barmherzige Tat: »Es gibt Mitmenschen, … denen man am besten einen Dienst erweist, indem man sie totschlägt. Dies meine ich buch­stäblich. Niels Ebbesen gegen den Grafen Geert zum Beispiel. Der kahlköpfige Graf hätte sich ein paar Jahre mehr Hölle erworben, wenn seine Verbrechen am 10. April 1340 nicht gestoppt worden wären. Und wenn es nicht aus Rücksicht auf den Grafen geschehen war, so war es doch eine barmherzige Samaritertat gegenüber dem mit Füßen getretenen, leidenden Volk. … »Du sollst deinen Feind lieben« bedeutet nicht: >Du sollst dich auf ihn einstellen und ihm recht geben«. Ganz im Gegenteil. Du sollst ihn lieben, so daß du eher in sein Gesicht spuckst, als daß du das Verbrechen ihm gegen­über begehst, ihn glauben zu lassen, daß du schweigst und seine Vorhaben und Methoden billigst. Du sollst ihn lieben, weil er dein Mitmensch ist, aber du sollst ihn hassen in dem Maße, wie er das Böse ausübt und er um der Wahrheit willen, und nicht nur deinet­wegen, dein Feind ist. … Gottes Güte ist sanftmütig und geduldig, aber sie schließt nie mit dem Bösen einen Kompromiß.«45

Daß er sich mit solchen Predigten und seinen alltäglichen offen kritischen Äußerungen zur Lage in Lebensgefahr brachte, war Kaj Munk wohl bewußt. Von Anfang der deutschen Besetzung an wurde sein Auftreten vom deutschen Sicherheitsdienst genauestens ver­folgt.46 Auf wohlmeinende Warnungen und die Bitte, vorsichtiger aufzutreten, soll er geantwortet haben, er sei doch kein feiger Hund, der den Schwanz einzöge und sich davon schliche, wenn er von einem Stärkeren bedroht würde. Er wolle eher sterben, als die Wahrheit zu verschweigen, er stehe in der christlichen Verantwortung eines dänischen Pfarrers. Auch die Möglichkeit, über Schweden nach England zu gehen und über die BBC sein Wort im Widerstand noch wirksamer einzusetzen, schlug er aus. Sein Martyrium war deshalb abzusehen. Aber er hat, wie seine Gedichte und Predigten und seine 1942 verfaßte Autobiographie »Foraaret saa sagte kommet« – »Der Frühling wird sachte kommen«47 – vielfach ausweisen, sein eigenes und das volle, blühende Leben um ihn herum geliebt und den Mär­tyrertod keinesfalls gesucht.

Dänische Widerstandskreise brachten 1944 illegal einen Druck mit den letzten Gedichten Kaj Munks heraus.48 Im Vorwort werden die deutschen Mörder und ihre dänischen Komplizen angeklagt, vor allem aber wird dankbar vor Gott des »Märtyrers für die dänische Sache« gedacht: Auf der Rückseite des Umschlags steht ein Gedicht mit der Unterschrift: »Vedersoe, den 29. December 1943«. Es stammt aber schon aus dem Jahre 1921, als Munk noch Theologie studier­te und um seinen künftigen Weg rang. Im Wissen um seinen Lebens­weg erkennen wir, wie sehr er seinem Wesen von Anfang an ent­sprach:

»Meister mit der schweren Dornenkrone,
ich kann dir nicht folgen, wie ich bin;
Frau und Pfarrhof, die ich einst bewohne,
und zwei Buben liegen mir im Sinn.

Meister mit der schweren Dornenkrone,
wärst du nur gekommen wie ein Gast,
daß er heile, rette und versöhne –
Pfarrer werden wäre keine Last.

Aber nun die schwere Dornenkrone
und die dunkle Blutspur bis zum Grab,
deine Rede, Wort im Schmerzenstone:
Du beanspruchst, was ich dir nie gab.

Meister mit der schweren Dornenkrone,
›Auf, mir nach!‹ war dein Gebot, dein Ruf.
Ja – doch sieh von deinem Ehrenthrone,
wie so schön Gott seine Erde schuf.

Meister mit der schweren Dornenkrone,
›Wer sein Leben liebt, hat’s schon vertan‹.
Hilf, daß ich trotz Pfarrhaus, Amt, Gemahlin,
ja der Buben selbst, dir folgen kann.«49

Buchstaben im neuen Alphabet des Märtyrers Kaj Munk

Welche »Buchstaben eines neuen Alphabets« zum Entziffern der christlichen Wahrheit verwendet Kaj Munk? Was kennzeichnet die­sen Märtyrer und wozu bekennt er sich im Leben und im Sterben?

Unbedingtheit: Kaj Munk ist von der Unbedingtheit Gottes und seiner Ewigkeit, von der Wahrheit der Heiligen Schrift und der irdi­schen Gültigkeit des Wortes Gottes durchdrungen. Seine Identität als Verkündiger würde zerbrechen, müßte er hier Abstriche machen. Er erinnert an Gestalten der Bibel, die reden müssen und nicht schweigen dürfen. Gottes Unbedingtheit fuhrt ihn zu prophetischer Unbedingtheit.

Jesusnachfolge: Ihn trägt eine große, persönliche Liebe zu Jesus, dem Juden.50 Gott wäre und bliebe ihm ein unauflösliches Rätsel, wenn er sich nicht an Jesus Christus halten könnte. Jesu Bergpredigt stellt für ihn die gültige Handlungsanweisung Gottes an die Men­schen dar. Seine eigene Radikalität rührt von der Radikalität des Mannes aus Nazaret her.

Auferstehungsglaube: Kaj Munk hat den Tod nicht gefürchtet. Er glaubte dem von Gott auferweckten Jesus Christus und gab sein Leben in dessen Hand. Er liebte das diesseitige Leben – in der Gewißheit des ewigen Lebens. Weil er im Ewigen verankert war, trat er auf der Erde für den Willen des himmlischen Vaters ein.

Kontextualität: Christsein und Pfarrersein kann Kaj Munk nur in der konkreten Situation realisieren, Die Wahrheit ist für ihn immer konkret. Und darum ist sie auch kämpferisch. Kaj Munk ist, mit heutigen Begriffen geurteilt, ein kontextueller, politischer Theologe.

Politische Existenz: Kaj Munk ist ein politisch bewußter Mensch. Er nimmt analysierend auf, was sich politisch und gesellschaftlich um ihn herum in Dänemark, im übrigen Skandinavien und in der Welt ereignet, und beurteilt es kompromißlos vom Standpunkt eines Christen, der seine öffentliche Verantwortung wahrnimmt. Impe­rialistische Großmachtpolitik, Antisemitismus, inhumane Rassen­diskriminierung und Verbrechen gegen die Menschenwürde nimmt er nicht hin.

Liebe zum Vaterland: Kaj Munk ist ein dänischer, man muß auch sagen, ein skandinavischer Patriot, aber kein Nationalist. Er bedenkt und beurteilt die politische, weithin vom Deutschen Reich beherrsch­te Realität Europas als – heute würden wir sagen – »wertkonservati­ver«, verantwortungsbewußter christlicher Staatsbürger, nicht als Tra­ditionalist und erst recht nicht als Vertreter der Idee eines Christlichen Abendlandes. Er denkt als politischer Mensch über den Tag hinaus.

Eintreten für die Opfer: Stets sind ihm die Opfer der politischen Entwicklung, des faschistischen Imperialismus, bewußt. Ihnen zugute, den Juden, den Zwangsarbeitern, den Zivilopfern der Kriegs­handlungen, den verfolgten Oppositionellen, klagt er christliche Barmherzigkeit und solidarische Aktionen ein. Weil er von der »Poli­tik des Reiches Gottes« weiß, stellt er die gegenwärtige politische Lage mit ihrer Inhumanität ins Licht der biblischen Botschaft. Das Wort Gottes zu verkündigen heißt selbstverständlich auch, politisch zugunsten der Opfer, in Opposition zu den Gewalttätern und Rechtsbrechern zu predigen.

Kampf gegen den Teufel: Kaj Munk ist ein nüchterner Theologe, der sich keine Illusionen macht über den Zustand der gegenwärti­gen Welt. Deutlich sieht er bei seinen Zeitgenossen die Versuchung, den eigenen Vorteil über das Gesamtwohl zu stellen. Er hat den Mut, das öffentlich zu benennen. Ebenso deckt er christliche und humanistische Versuche, Egoismen zu verschleiern, als Täuschun­gen auf. Munk hat keinerlei Hemmungen – und damit ist er fähig, Tiefenschichten der Wirklichkeitserkenntnis aussagbar zu machen – hierfür mythologische Sprache zu gebrauchen. Für ihn sind – in der Nachfolge Luthers – diese Taten und Unterlassungen allesamt Aktionen des Teufels. Er wird nicht müde, dazu aufzurufen, dem Widersacher Gottes zu widerstehen.

Elementare ethische Empörung: Kaj Munk empört sich über Ver­stöße gegen elementare menschliche Rechte, über den Verfall jegli­cher am Wohlergehen des Nächsten wie der Gesellschaft orientier­ten Moral, die Bedrohung der Gerechtigkeit durch willkürliche Machtausübung, über Egoismen jeglicher Art. Weil er in der Predigt Anwalt der christlichen Barmherzigkeit sein muß, artikuliert er hier seinen in der Humanität begründeten Protest.

Zivilcourage: Es schert Kaj Munk nicht, aus der Minderheiten­position heraus zu agieren. Er nutzt die Öffentlichkeit, wo und wie er nur kann. Die prophetische Aufgabe, das Wort Gottes zu ver­kündigen und die Verantwortung des Dichters, die konkrete Wahr­heit auszusprechen verpflichten ihn. Er weiß, daß viele Menschen auf ihn und seine Haltung in Wort und Leben achten.

Liebe zum Leben: Er weiß um seine Verbundenheit mit den Lebendigen und Toten. Wie liebevoll und dankbar spricht er vor seiner Gemeinde – der er sonst harte Brocken seiner politischen Predigt zumutet – nach dem Tode seiner Pflegemutter.51 Wie kann er in der Predigt zum Allerheiligentag der Toten gedenken, an deren Gräbern man vorbeigeht, wenn man am Gottesdienst in der Vedersoeer Kirche teilnimmt.52 Wie weiß er alle Eheleute, die ein Leben lang manchen Strauß gegeneinander ausgefochten und sich dennoch geliebt, zusammen ausgehalten und einander geholfen haben, zu preisen53, aber auch die dänische Heimat, den Segen auf Feldern und Wiesen, die Blumen, das Land, das Meer und die Wolken darüber.54

Man kann das Alphabet dieses Märtyrers zusammenfassend so beschreiben: Es ist die Erfahrung eines ungeheuren Widerspruchs, die Kaj Munk zum öffentlichen Protest, zum politischen Predigen, zum Aufruf zum Widerstand nötigt. Er kann die Diskrepanz zwi­schen Gottes Willen und irdischer Realität nicht ignorieren oder für unwichtig ansehen. Letztlich ist es die Erfahrung des unauflösbaren, zur Entscheidung zwingenden Widerspruchs zwischen dem Maß­stab der biblischen Tradition und den Werten des Christentums auf der einen Seite und der Unterdrückung der Freiheit durch die deut­sche Besatzung, der Judenverfolgung, der Feigheit der dänischen Kollaborateure sowie der Selbstzufriedenheit der Unbeteiligten auf der anderen Seite.

Er wird zum Repräsentanten des befreienden und anklagenden Christus und damit zugleich ein Symbol des nationalen dänischen Widerstands gegen die Deutschen. Die Trennung zwischen einem »reinen Christusbekenntnis« und einem »patriotischen politischen Engagement« ist bei Kaj Munk nicht herzustellen. Beide zusammen sind der Grund, weswegen er ermordet wurde. Und in der Nach­folge Jesu erleidet er seinen Tod auch stellvertretend für andere. Weil seine Beseitigung als ein politischer Terrorakt zur Einschüchterung der dänischen Freiheitskämpfer erfolgte, besitzt sein Märtyrertod auch die Dimension der Stellvertretung.

Anmerkungen

Erweiterte Fassung eines Aufsatzes, der in TRANSPARENT – Zeitschrift für die kritische Masse in der Rheinischen Kirche – 9. Jahrgang, Heft 37, Duisburg 1995, erschien.

1 Bücher von und über Kaj Munk auf deutsch:

  • Kaj Munk, Fragment eines Lebens (Erinnerungen, autobiographische Reflexionen), übersetzt von Maria Bachmann-Isler, Artemis Verlag, Zürich 1944
  • Kaj Munk, Bekenntnis zur Wahrheit. Predigten (Auswahl von 12 Predigten des Jahres 1941), Evangelischer Verlag A. G. Zollikon-Zürich
  • Kaj Munk, Dänische Predigten, Neuer Verlag Stockholm (Esselte Aktiebolag Stockholm), o. J. (1945)
  • Kaj Munk, Niels Ebbesen – Schauspiel in fünf Akten, Artemis Verlag, Zürich 1944
  • Kaj Munk, Glückhafte Tage – Jagderzählungen. Artemis Verlag, Zürich 1946
  • Kaj Munk, Jesus-Geschichten, wiedererzählt für die Kleinen, Editions Rocailles, Genève 1949
  • Ebbe Neergaard, Kaj Munk – Ein Dichter zwischen zwei Weltkriegen, (Übersetzung: Maria Bachmann-Isler), Artemis Verlag, Zürich 1945
  • Alfred Otto Schwede, Verankert im Unsichtbaren. Das Leben Kaj Munks, Evangelische Verlagsanstalt, Berlin, zweite Auflage 1971
  • Christian Eisenberg, Die politische Predigt Kaj Munks, Verlag Peter D. Lang, Frankfurt am Main, Bern, Cirenchester/UK 1980
  • Arne Munk: Kaj Munk – 4. Januar 1944 – 4. Januar 1994 (Predigt im Gedächtnisgottesdienst am 8. Januar 1994 im Dom zu Maribo – deutsche Ausgabe), hg. von Joergen Glenthoej

Eine Internationale Biographie zu Kaj Munk in: Kaj Munk – Dansk rebel og international Inspirator, Akademisk Forlag, Kopenhagen 1995, S. 243-256

2 Bjarne Nielsen Brovst nennt in seinem Buch: Kaj Munk – krigen og mordet, Centrum Verlag, Aarhus, 2. Auflage 1994, die Namen: Peter Schwerdt (SS-Obersturmführer), Adam Gföller, Louis Nebel, Otto Söhnlein, Kurt Carstensen. Adam Gföller fiel an der Ostfront. Die übrigen vier Männer wurden nach 1945 in Dänemark vor Gericht gestellt. Kurt Carstensen wurde von der Anklage des Mordes freigesprochen und ausgewiesen, die anderen drei des Mordes überführt und zum Tode verurteilt, später aber zu langen Freiheitsstrafen verurteilt (a.a.O., S. 465).

3 vgl. hierzu Bjarne Nielsen Brovst, Kaj Munk – liv og dod, Centrum Verlag, Aarhus 1984; ders., Kaj Munk og den staerke mand, Centrum Verlag, Aarhus 1992

4 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 33

5 Zitat bei Ebbe Neergaard, Kaj Munk – Ein Dichter zwischen zwei Welt­kriegen, S. 252f.

6 Den Nachnamen »Munk« erhielt er von seinen Adoptiveltern Peter und Marie Munk, nahen Verwandten seiner Eltern Carl Emanuel, der 1899, und Ana Mathilde Petersen, die 1903 verstarb.

7 Alfred Otto Schwede, Verankert im Unsichtbaren. Das Leben Kaj Munks, S. 212f.

8 Übersetzung: Alfred Otto Schwede, a.a.O. S. 220

9 Übersetzung: Alfred Otto Schwede, a.a.O. S. 222

10 Bjarne Nielsen Brovst, Kaj Munk – krigen og mordet, S. 49-58 – Brovst stellt auch dar, wie verfälscht die Rede in der Presse wiedergegeben wurde; die »Gleichschaltung« hatte bereits eingesetzt.

11 Daß Christian X. androhte, auch er und die Minister seiner Regierung würden den Judenstern tragen, falls die entsprechende Verordnung nicht zurückgenommen werde, ist wohl nur eine im Kern richtige Legende. Das Diktum läßt sich – so Joergen Glenthoej – nicht durch einen Zeugen oder ein Dokument belegen; vgl.: Joergen Glenthoej, The Little Dunkerque: The Danish Rescue of the Jews in Oct. 1943, in: Lausanne Consultation on Jewish Evangelism Bulletin, Nr. 34, November 1993, S. 15

12 Henrik Fossing, Die Haltung der dänischen Kirche gegenüber der Obrig­keit während der deutschen Besetzung (1940-1945), S. 97-118, hier S. 101; in: Ulrich Duchrow (Hg.), Zwei Reiche und Regimente: Ideologie oder evangelische Orientierung? Internationale Fallbeispiele zur Theorie und Praxis lutherischer Kirchen im 20. Jahrhundert, Gütersloher Verlagshaus Mohn 1977

13 Arne Munk, Sohn Kaj Munks, in einem Brief vom 3.10.1994

14 Joergen Glenthoej, Martyria – Kaj Munks kirkelige og politiske stilling under anden verdenskrig, in: Kaj Munk – Dansk rebel og international inspirator. Akademisk Foriag, Kopenhagen 1995, S 141-155, hier: S. 153

15 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 84

16 Joergen Glenthoej stellt in seinem Aufsatz: Martyria – Kaj Munks kirkelige og politiske stilling under anden verdenskrig, Kaj Munks Leben und Engagement insgesamt unter den neutestamcntlichen Begriff »martyria«. Vgl. auch die Predigt von Arne Munk aus Anlaß des 50. Jahrestags der Ermordung seines Vaters in einem Gedenkgottesdienst im Dom zu Maribo, in: Arne Munk: Kaj Munk – 4. Januar 1944 – 4. Januar 1994 (deut­sche Ausgabe), hg. von Joergen Glenthoej

17 Zitat nach: Ebbe Neergaard, Kaj Munk – Ein Dichter zwischen zwei Welt­kriegen, S. 308f.

18 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 5f.

19 Kaj Munk, Mindcudgave, Praedikemer, Nyt Nordisk Foriag Arnold Busck, Kjoebenhavn 1948, S. 2O4ff. – Ebbe Neergaard, der in »Kaj Munk – Ein Dichter zwischen zwei Weltkriegen«, S. 314ff. kürzere Auszüge bringt, bezeichnet diese Predigt als eine der bedeutendsten und schärf­sten Kaj Munks.

20 Kaj Munk, Bekenntnis zur Wahrheit, S. 43ff. (Predigt über Markus 8,1-9: Die Speisung der Viertausend)

21 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 43

22 ebda., S. 42

23 ebda., S. 34f.

24 Übersetzung: Alfred Otto Schwede, a.a.O. S. 221

25 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 46

26 ebda., S. 42

27 ebda., S. 37

28 Arnd Helling, Die Theologie Eivind Berggravs im norwegischen Kir­chenkampf – Ein Beitrag zur politischen Theologie im Luthertum, Neukirchener Verlag 1992, S. 162. Kaj Munk richtet sich ganz nach die­sem Theologumenon aus dem norwegischen Kirchenkampf – ob er es kannte?

29 Der Brief ist abgedruckt in: Joergen Glenthoej, Kirkelige Dokumenter fra Besaettelsestiden, Selbstverlag des Herausgebers 1985, S. 18f; deutsche Übersetzung: Alfred Otto Schwede, a.a.O., S. 264

30 Umfassende Informationen hierzu in: Arnd Helling, a.a.O.

31 Arnd Helling, a.a.O., S. 189 et passim

32 Arnd Helling, a.a.O., S. 166ff.

33 »Wenn der Kutscher trunken ist« ist abgedruckt in: Eivind Berggrav, Der Staat und der Mensch, Claasen Verlag, Hamburg o. J. S.301-320. Vgl. hier­zu auch: Torleiv Austad, Die Lehre von den zwei Rcgimenten im nor­wegischen Kirchenkampf 1940-1945 – Fünfzehn Thesen, in: Ulrich Duchrow a.a.O., S. 87-96

34 Das Manuskript wurde im Juli 1944 außer Landes geschmuggelt. Die deut­sche Übersetzung erschien 1946 im Neuen Verlag in Stockholm.

35 Torleiv Austad, Kaj Munk sett i lys av den norske kirkekamp, S. 171 ff., hier: S. 179f., in: Kaj Munk – Dansk rebel og international inspirator. Dieser Aufsatz gibt auch Auskunft über das Verhältnis von Berggrav und Munk

36 Johannes Dose, Georg Ferdinand Duckwitz in Dänemark 1943-1945, 2., erweiterte Auflage, Reihe: Berichte und Dokumentationen, hg. vom Auswärtigem Amt, Bonn 1992; Königlich Dänisches Ministerium des Äuße­ren und das Museum des dänischen Widerstandes 1940-1945 (Hg.), Okto­ber 1943 – Die dänischen Juden – Rettung vor der Vernichtung, Kopen­hagen 1993, S. 12ff; Süddeutsche Zeitung 2./3. Oktober 1993, S. 9 »Stil­ler Volksaufstand gegen den Holocaust«; Joergen Glenthoej, The Little Dunkerque, S. 14-27

37 Text in: Joergen Glenthoej, Kirkelige Dokumenter fra Besaettelsestiden, S. 10f, vgl. ferner ders.: The Little Dunkerque, S. 19. Ferner: Henrik Fossing, a.a.O.» S. 97-118, bes. S. 108-113

38 vgl. Henrik Fossing a.a.O., S. 108

39 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 37f. – Kaj Munk hielt diese Predigt am 5. Dezember 1943 in der Frue Kirke in Kopenhagen (Kaj Munk, Mindeudgave, Praedikemer, S. 349ff).

40 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 71 ff. – Predigt über den Hauptmann von Kapernaum (Matthäus 8,1-13)

41 ebda., S. 79

42 ebda., S. 79

43 Erik Thorstrup Jacobsen, Som om intet var haendt – Den danske folkekirke under besaettelsen, Odense Universitetsforlag 1991, S. 170

44 Joergen Glenthoj, Brief vom 17.2.1995

45 Kaj Munk, Bekenntnis zur Wahrheit, S. 76f.

46 Bjarne Nielsen Brovst zeigt in seinem Buch: Kaj Munk – krigen og mor­det, Centrum Verlag, Aarhus 1994 (2. Auf].), den unausweichlich auf die gewaltsame Beseitigung des Dichter-Pfarrers zustrebenden Konflikt zwi­schen dem deutschen Sicherheitsdienst und Kaj Munk. Die Vorträge über Niels Ebbesen wurden peinlich genau registriert: S. 72ff.

47 So lautet der Anfang des ersten Gedichtes, das er als Achtjähriger schrieb – eine 1942 aber auch politisch zu verstehende Hoffnungsbotschaft!

48 Kaj Munk’s sidste digte, Nordens Friheds Forlag, Kopenhagen 1944

49 Übersetzung von Jürgen Henkys

50 vgl. hierzu Christian Eisenberg, Die politische Predigt Kaj Munks, S. 65ff.

51 Kaj Munk, Dänische Predigten, S. 52ff.

52 ebda., S. 24ff.

53 ebda., S. 63ff. (Predigt über die Hochzeit zu Kana, Johannes 2, 1-11)

54 Kaj Munk, Bekenntnis zur Wahrheit, S.78 ff. (Predigt zum Erntedankfest, Matthäus 6,24-34)

Quelle: Paul Gerhard Schoenborn, Alphabete der Nachfolge. Märtyrer des politischen Christus, Wuppertal: Peter Hammer, 1996, S. 48-78. 193-196.

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