Johannes Brenzs Luther-Lob in der Vorrede seines Kommentars zum Galaterbrief (1546): „Ich wollte hier öffentlich bezeugen, daß ich diesen Mann als Gottes Werkzeug anerkenne und zugleich als meinen Lehrer und an seiner Lehre festhalte.“

Über Martin Luther

Von Johannes Brenz

Es ist der christlichen Kirche bekannt, daß Gott den verehrten Vater Dr. Martin Luther erweckt hat, daß er die Lehre von der Rechtfertigung wiederhergestellt und von der gottlosen Entstellung der Papisten, Mönche und Scholastiker gereinigt hat. Ich wollte hier öffentlich bezeugen, daß ich diesen Mann als Gottes Werkzeug anerkenne und zugleich als meinen Lehrer und an seiner Lehre festhalte. Ich danke Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, daß er in diesen unseren so überaus schweren Zeiten einen solchen Helden gegeben hat, durch den die rechte Lehre, die in dunkelster Finsternis verborgen und versteckt war, wieder ans Licht gebracht worden ist.

Denn ich will sagen, wie es sich tatsächlich verhält: In welchen Lebensbereich ich auch blicke, man stößt überall auf Wohltaten, die Gott uns in seiner Milde durch diesen Mann zukommen ließ. In der Kirche wird nach Abschaffung der gottlosen Opfer Gesetz und Evangelium, d. h. die gesamte zum Heil notwendige Lehre, recht ausgelegt. Die Sakramente werden dem Willen Gottes gemäß recht verwal­tet. Gottes Name wird angerufen, die Psalmen werden sinnvoll gesungen. Daß dem so ist, das ist Wohltat Gottes, uns durch Luther erwiesen gegen den Willen aller Papisten und Mönche. In der Universität sind die unreinen und gottlosen Spekulationen der spitzfindigen Lehrer abgeschafft. Die heilige Schrift, auf deren rechte Erkenntnis in unserem Studium alles ankommt, wird rein und lauter dargeboten. Das verdanken wir Gott durch den Dienst unseres Lehrers Luther. Wenn in der Politik mit gutem Gewissen die Gesetze durchgeführt werden und das Schwert gebraucht wird, so hängt das zusammen mit Luthers Lehre vom politischen Amt. Wieviel Wirrnis würde auch im Bereich von Beruf, Haus und Wirtschaft herrschen, was Ehe, Ackerbau, Handel und anderes anbetrifft, wären wir nicht belehrt durch Luther, den treuen Knecht Christi. Wohin wir blicken im öffentlichen oder privaten Bereich, überall begegnen uns die Gaben, mit denen uns der Sohn Gottes durch Luther bedacht hat.

Vorrede des Kommentars zum Galaterbrief, 1546.

Hier der Text als pdf.

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