Balthasar Mentzers Catholisches Handbüchlein (1619) als lutherisches Kompendium der Theologie: „Welches ist die rechte, wahre, uralte katholische Lehre? Die der gnädige und barmherzige Gott selbst den Menschen geoffenbart hat, daß sie Ihn dar­aus recht erkennen und Ihm nach Seinem Wohlgefallen dienen und selig werden sollen.“

Ähnlich wie Leonhard Hutter 1610 mit seinem Compendium Locorum Theologicorum hat auch Balthasar Mentzer (1565-1627) 1619 ein lutherisches Kompendium der Theologie geschrieben, allerdings auf Deutsch: „Katholisches Handbüchlein oder Kurzer Begriff der rechten, wahren, uralten katholischen Lehre“. Eine lateinische Übersetzung wurde von ihm erst nachträglich unter dem Titel „Manuale Catholicum, vel Compendium Verae, antiquissimae & Catholicae Doctrinae“ angefertigt. Mentzer, theologischer Lehrer von Johann Gerhard, gilt gemeinhin als streitbarer Theologe, gerade auch im Hinblick auf den christologischen Kenosis-Krypsis-Streit zwischen den Gießener und Tübinger Theologen (1619-1624). Sein Handbüchlein hingegen erhebt den Anspruch, dass die evangelische Lehre als allumfassende christliche Lehre gilt. Daher ist das Handbüchlein weitgehend polemikfrei gehalten. Interessant ist, dass bei Mentzer die Eschatologie, also die Lehre von den letzten Dingen fehlt. Nur beim letzten Kapitel „Von den guten Werken“ wird sie im Hinblick auf die ewige, himmlische Belohnung angesprochen. Dennoch gibt Mentzers Handbüchlein einen guten Überblick über die lutherische Orthodoxie.

Katholisches Handbüchlein oder Kurzer Begriff der rechten, wahren, uralten katholischen Lehre (1619)

Von Balthasar Mentzer

Auf der Textbasis der deutsch-lateinischen Ausgabe von 1693 (hrsg. v. Caspar Questel, Plön: Tobias Schmidt) bearbeitet von Georg Hoffmann.

Inhalt

Das erste Kapitel. Von der Heiligen Schrift. 1

Das andere Kapitel. Von Gott. 4

Das dritte Kapitel. Von der Schöpfung. 6

Das vierte Kapitel. Von der Vorsehung Gottes. 7

Das fünfte Kapitel. Von den Engeln. 9

Das sechste Kapitel. Von den Menschen. 11

Das siebente Kapitel. Von Gottes Ebenbild. 13

Das achte Kapitel. Von dem Gesetz. 14

Das neunte Kapitel. Von dem Evangelium. 17

Das zehnte Kapitel. Von Christo. 19

Das elfte Kapitel. Von dem Verdienst Christi. 22

Das zwölfte Kapitel. Von der Berufung durch das Evangelium. 24

Das dreizehnte Kapitel. Von dem Glauben. 26

Das vierzehnte Kapitel. Von dem freien Willen. 29

Das fünfzehnte Kapitel. Von den heiligen Sakramenten. 32

Das sechzehnte Kapitel. Von der heiligen Taufe. 32

Das siebzehnte Kapitel. Vom heiligen Abendmahl. 34

Das achtzehnte Kapitel. Von der Gnadenwahl. 36

Das neunzehnte Kapitel. Von der Kirche. 40

Das zwanzigste Kapitel. Vom Kreuz der Frommen. 42

Das einundzwanzigste Kapitel. Von guten Werken. 45

Das erste Kapitel.
Von der Heiligen Schrift.

1. Welches ist die rechte, wahre, uralte katholische Lehre?

Die der gnädige und barmherzige Gott selbst den Menschen geoffenbart hat, daß sie Ihn dar­aus recht erkennen und Ihm nach Seinem Wohlgefallen dienen und selig werden sollen.

2. Wie hat er sie den Menschen geoffenbart?

Anfangs hat Gott mit den ersten Paradies-Eltern und den Erzvätern selbst geredet und ihnen seinen Willen geoffenbart: die hernach ihren Kindern von demselben gepredigt, und ist also auf die Nachkommen diese Lehre fort­gepflanzt und erhalten worden.

3. Ist sie ab er nicht auch beschrieben worden?

Als die Menschen auf Erden sich vielfältig vermehrt hatten und in die Kirche der Erzväter allerhand fremde Menschenlehre eingeschlichen war (Gen.12,1; Jos.24,2), hat der Prophet Moses aus göttlichem Befehl die reine göttliche Lehre zusammen verfaßt und in fünf Büchern beschrieben, deren Namen sind: Genesis, hat 50 Kap.; Exodus 40 Kap.; Leviticus 27 Kap.; Numeri 26 Kap. und Deuteronomium 34 Kap.

4. Ist es einerlei Lehre, der Erzväter und Mosis, oder sind sie unterschieden?

Moses hat eben dieselbe Lehre, die von Anfang den Menschen ist ge­offenbart worden: Eben dieselbe wiederholen auch und erklären alle Pro­pheten, und weiß die Kirche Christi von kei­ner anderen göttlichen Lehre als dieser allein; die auch im Neuen Testament durch die heili­gen Evangelisten und Apostel erstlich zwar im jüdischen Lande, hernach aber in der ganzen Welt gepredigt und endlich in Schriften verfaßt und der Christlichen Kirche zu treuen Händen anbefohlen und durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit wider aller Tyrannen und Verfolger Wüten und Toben erhalten und auf uns gebracht worden ist, dafür wir ihm ewig zu danken schuldig sind.

5. Ist die Kirche älter als die Schrift, oder die Schrift älter als die Kirche?

Wenn wir durch den Namen der Schrift verstehen die göttliche Lehre, die in der Heiligen Schrift begriffen ist, so müssen wir bekennen, daß dieselbe der Ordnung nach vor der Kirche gewesen; zumal Gottes Wort ist der un­sterbliche Same, daraus die Kirche erwachsen ist (1.Petr.1,23). Denn als Adam und Eva in dem Paradies gefallen waren, strafte Gott ihre Sünde durch die Predigt des Gesetzes und richtete sie wieder auf durch die evan­gelische Hauptver­heißung von dem gebenedeiten Weibessamen, der der höllischen Schlange den Kopf zertreten sollte (Gen.3,11.15). Sonst ist zuvor angezeigt, daß die göttliche Lehre erstlich gepredigt, her­nach aber über lange Zeit in gewisse Schriften und Bücher verfaßt und der Kirche zu ver­wahren, zu predigen und fortzupflanzen anbefohlen worden.

6. Steht denn die ganze Göttliche Schrift in denselben Büchern beschrieben?

Alles, was zu Gottes heilsamer Erkenntnis und zum seligmachenden Glauben und zu gottseli­gem Wandel in diesem Leben uns vonnöten ist, das steht vollkommen und ohne Mangel in der Heiligen Schrift, die daher den Namen hat, daß sie ist eine vollkommene Regel und Richt­schnur der selig­machenden Wahrheit (Ps.19,8ff.; Ps.119,98ff.; Gal.6,16; 2.Tim.3,16f.; Phil.3,16).

7. Woher kann ich aber gewiß sein, daß wir die rechten biblischen Bücher haben und daß sie nicht etwa verfälscht seien?

Was die Schriften des Alten Testaments belangt, davon ist kein Zweifel, dieweil Christus selbst und die heiligen Apostel dieselben an­genommen und mit ihrem Zeugnis bestätigt ha­ben, und sind hierin die Juden der Christen Diener, sintemal sie mit großem Fleiß die hebrä­ische Bibel bis auf den heutigen Tag verwahren und eben dieselben kanonischen Bücher brau­chen, die wir Christen auch brauchen. Im Neuen Testament aber hat der Evangelist Johannes, der unter den Aposteln am längsten gelebt, der anderen Evangelisten und Apostel Schriften gesehen und der christlichen Kirche sie gerühmt und anbefohlen, und hat man in der uralten ersten Kirche die Originale selbst vorzeigen können.

8. Ist dann gar kein Unterschied unter den biblischen Büchern?

Im Alten Testament sind etliche Bücher angehängt als: Das Buch der Judith, das Buch der Weisheit, Tobias, Jesus Sirach, Baruch, der Makkabäer, und die Stücke zu Esther und Daniel, die gehören nicht zu den kano­nischen Schriften, jedoch werden sie gelesen in der Kirche und haben ihren Gebrauch. Im Neuen Testament ist anfangs von etlichen Büchern Zweifel vorge­fallen bei etlichen Kirchen, aber durch besseren und völligeren Bericht ist derselbe nachmals aufgehoben, daß nunmehr alle Bücher des Neuen Testaments für göttliche Heilige Schrift er­kannt und geehrt werden.

9. Was ist von den Apostolischen Satzungen zu halten?

Was die heiligen Evangelisten und Apostel aus unmittelbarer Ein­gebung des Heiligen Geistes gelehrt haben, das sind wir schuldig als Gottes Wort anzunehmen und zu glauben. Aber außer ihren Schriften, ohne und wider dieselben, sollen wir nicht glauben, daß sie geheime Satzun­gen hinter­lassen und etlichen wenigen Menschen anvertraut haben sollen, denn hiervon in der Schrift nichts zu finden.

10. Sollte aber nicht die Kirche Gewalt haben, etwas zu befehlen in Glaubenssachen, wenn es schon in der Schrift nicht ausdrücklich steht?

Unser Glaube gründet sich auf Gott, der die Wahrheit ist: und wer in der Kirche redet, der soll Gottes Wort lehren (1.Petr.4,11). Gleichwie nun die Kirche aus dem Samen des Wortes Got­tes erwachsen (1.Petr.1,23), also muß sie anders nichts als Gottes Wort lehren (Joh.10,3ff.), daraus allein und nicht auch aus Menschen-Satzungen andere Christen erzeugt werden kön­nen.

11. Zum wenigsten aber muß die Kirche die Heilige Schrift auslegen und erklären, daß wir den rechten Verstand derselben lernen?

Der Verstand der Heiligen Schrift muß nicht von außen her in die Schrift gebracht, sondern in der Schrift selbst gesucht und daraus erholt werden. Gebührt also einem jeden christlichen treuen Lehrer, nächst An­rufung Gottes um gnädige Erleuchtung, mit großem Fleiß in der Schrift nachzuforschen und aus den klaren Sprüchen, die anderen, so schwer und dunkel scheinen, zu erläutern.

12. Darf ein jeder Christ die Heilige Schrift lesen, oder sollen es nur die Lehrer tun?

Als die Apostel selbst predigten und ihre Schriften den christlichen Ge­meinden zuschickten, da machten sie keinen Unterschied unter den Zuhörern, sondern predigten einem so wohl wie dem anderen, und war ein jeder schuldig, mit großem Fleiß zuzuhören, wie deswegen sonder­lich die zu Beröa gerühmt werden, daß sie in der Bibel nachgesucht, ob es auch alles sich also befände, wie die Apostel predigten (Apg.17,11). Gleichergestalt soll ein jeder Christ, der es kann, die Heilige Schrift lesen, darin die Pro­pheten und Apostel auch heutigen Tages mit uns reden, und wir also Mose und die Propheten hören können und sollen nach dem Spruch Chri­sti (Lk.16,29).

13. Es muß gleichwohl ein Unterschied sein unter Hirten und Schafen?

Derselbe bleibt unverrückt. Denn christliche Zuhörer als verständige Schafe greifen ihren Lehrern und Hirten nicht vor in ihrem Amt, daß sie selbst predigen und Sakramente austeilen. Gleichwohl aber müssen sie den Unterschied wissen unter der Stimme des guten Hirten und des Mietlings (Joh.10,4), und müssen sich vorsehen vor den falschen Propheten (Matth.7,15), müssen alles prüfen, aber das Gute behalten (1.Thess.5,21), und die Geister prüfen, ob sie aus Gott seien (1.Joh.4,1).

14. Wenn aber Streit über der Erklärung der Schrift ent­steht, wer soll da Richter sein?

Dieweil Gott selbst in und durch die Schrift redet und uns lehrt, so muß kein Mensch sich über Gott setzen und über sein Wort richten, sondern da soll und muß allein Gottes Wort reden und alles richten und schlichten.

15. Es kann ja die Schrift selbst nicht reden, viel weniger einem Teil recht, dem andern un­recht geben, sondern da muß ein anderer Richter sein?

Zwar solange die Schrift in dem Buch verschlossen bleibt oder unter die Bank gesteckt wird, redet sie nicht; aber alsdann redet sie oder Gott durch sie, wenn sie abgelesen, gepredigt, ge­hört und betrachtet wird. Das kann ein jeder in seinem Gewissen empfinden, wenn ihm das Gesetz Gottes Zorn verkündigt über die Sünde, wie dann mancher darüber in Verzweiflung gerät, als Kain und Judas. Denn wo Gottes Wort lautet und schallt, da redet Gott selbst mit Nachdruck, daß durch die Stimme des Gesetzes die Herzen niedergeschlagen, hinwiederum aber durch das Evan­gelium aufgerichtet, erquickt und getröstet werden, daher das Evangelium heißt und ist die Kraft Gottes, die da selig macht, alle die daran glauben (Röm.1,16). Und Christus selbst spricht (Joh.12,48): „Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.“

16. Das Wort ist wohl eine Regel oder Richtschnur des Ge­richts, aber nicht der Richter selbst?

Du mußt das Wort nicht absondern von Gott, wie etwa eine Richt­schnur oder Goldwaage allein liegt und niemand ihrer gebraucht. Sondern gleichwie Christus am Jüngsten Tage mit seiner göttlichen Stimme ins­gesamt alle Menschen richten wird, also spricht er selbst in der prophetischen und apostolischen Schrift das Urteil über alle Lehre, Zwiespalt und Meinung, die in Glaubenssachen jemals vorgekommen sind oder künftig entspringen mögen. Und ist daran nichts gelegen, wer diejenigen Menschen seien, durch welche Christus sein Wort aus­spricht, welches Wort nicht fehlen kann, sondern die beständige Wahrheit ist, da sonst alle Menschen Lügner sind und fehlen können (Röm.3,4).

17. Wie, wenn die Ketzer sich auch allein auf Gottes Wort berufen, daß sie dem gemäß leh­ren, wer soll da Richter sein?

Zwar sie berühmen sich dessen wohl, aber mit offenem Ungrund, wie solches aus der leben­digen Praxis genugsam erscheint. Denn als die Phari­säer, ja der Teufel selbst, wider Christum die Schrift anziehen wollten, werden sie aus der Schrift selbst widerlegt. Und also widerlegen die Apostel alle falsche Lehre einzig und allein aus Gottes Wort, deren Exempel alle recht­schaffenen Kirchenlehrer gefolgt, in und außer den Konzilien, so oft sie die Arianische, Euty­chianische, Nestorianische und andere Ketzereien bestritten und überwunden haben. Sollen wir es demnach heutigen Tages auch also praktizieren und durch die Schrift der Ketzer Irrtum erweisen und widerlegen.

18. Sollte es denn unrecht sein, wenn man sagte, daß die Kirche der oberste Richter sei in Glaubenssachen?

Gott ist über die Kirche, und muß also Gottes Wort auch derselben vor­gehen, und ist sie daran gebunden, daß sie die Stimme ihres Bräutigams und Erzhirten hören und ihr folgen soll (Joh.8,31; 10,4). So das geschieht, so ist es recht und billig und lobwürdig, daß man sie höre und ihr gehorsam sei. Denn wer also die Kirche hört, wenn sie ihres Bräutigams Wort führt, der hört Christum selbst, der uns allein zu hören vom Himmel herab be­fohlen ist von Gott dem Vater selbst (Matth.17,5; Lk.10,16).

Das andere Kapitel.
Von Gott.

19. Welches ist der Hauptzweck der ganzen Heiligen Schrift?

Daß wir Gott erkennen lernen, wer er ist, wie er gegen uns gesinnt und was er von uns erfor­dert, auf daß er von uns geehrt und wir durch ihn selig werden.

20. Wer ist Gott?

Er ist in seinem Wesen unbegreiflich und wohnt in einem Licht, dazu niemand kommen kann (1.Tim.6,16), wird aber von uns erkannt, wie er sich selbst in seinem Wort uns geoffenbart hat (Joh.1,18; Röm.16,25; Eph.1,4ff.).

21. Wie hat er sich geoffenbart?

Daß er ein einiger Gott sei und neben ihm keiner mehr, nämlich ein geistliches, ewiges, un­endliches Wesen, gütig, gerecht, weise, wahrhaft und allmächtig (Gen.1; Deut.4,39; 6,4; Jes.43,10f.; 1.Kor.8,6; Eph.4,6).

22. Wie ist sein Name oder wie heißt er?

Zwar viele Namen des einigen wahren Gottes stehen in der Schrift, aber das ist ein sehr hohes Geheimnis, welches keine Kreatur begreifen kann, daß dieser einige Gott ist Vater und Sohn und Heiliger Geist, darauf alle Christen in der heiligen Taufe getauft und durch dieses Be­kenntnis von Juden, Türken und Heiden unterschieden werden (Matth.28,19).

23. Ist aber der Vater von dem Sohn und Heiligen Geist unterschieden, oder sind es nur drei Namen und doch nur ein Gott?

Es sind nicht bloße Namen, sondern der Vater hat von Ewigkeit her in seinem Schoß einen Sohn gezeugt (Ps.2,7; Joh.1,18). Der ist des Vaters Sohn und nicht Vater, gleichwie der Vater ist des Sohnes Vater und nicht Sohn, und von dem Vater und Sohn geht aus von Ewigkeit der Heilige Geist (Joh.15,26; Gal.4,6), der da ist des Vaters und des Sohnes Geist, nicht aber Vater oder Sohn.

24. Daraus scheint zu folgen, daß drei Götter seien?

Zwar die Vernunft läßt sich’s also bedünken und kann es nicht zu­sammenreimen, daß drei eins und eins drei sei. Aber von göttlichen Ge­heimnissen muß man nicht nach der Vernunft und nach dem Maß der er­schaffenen und endlichen oder umschriebenen[1] Kreaturen urteilen, sonst würde es kein Geheimnis mehr bleiben, sondern da heißt es: Nach dem Gesetz und Zeugnis (Jes.8,20). Was Gott selbst von sich in seinem Wort zeugt und uns zu glauben vor­stellt, das sollen wir festiglich glauben, nicht mehr, nicht weniger, auch nicht anders, als er uns selbst gelehrt hat (Deut.4,2; 13,1[12,32]; Matth.28,20).

25. Erkläre mir dies etwas weitläufiger.

Der Vater ist Gott. Der Sohn ist Gott. Der Heilige Geist ist Gott. Und sind doch nicht drei Götter, sondern ein einiger Gott. Denn der Vater ist im Sohn (nicht außer ihm), der Sohn ist im Vater, und der Heilige Geist im Vater und dem Sohne (und nicht außer ihnen) und sind also diese drei wiewohl wahrhaftig unterschieden, jedoch mit Nichten abgesondert einer von dem andern, sondern sie sind eins, nämlich der einige, ewige wahrhaftige Gott: daß, wenn ich Gott nenne, mir so bald vor meinem Herzen schweben der Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und so bald ich diese drei nenne, trenne ich sie nicht in viele Götter, sondern erkenne und ehre den wahren einigen Gott, der da ist hochgelobt in Ewigkeit.

26. Daß der Vater wahrer ewiger Gott sei, leugnet niemand unter den Christen, erweise mir aber, daß auch der Sohn wahrer Gott sei.

Dasselbe ist daher offenbar, weil er ist und heißt Gottes Sohn, der Jehova, Gott, Herr; und alles, was Gott ist, tut und wirkt, und daß wir an ihn glauben, auf ihn getauft werden, ihn eh­ren und preisen, das alles wird auch dem Sohn Gottes in der Schrift zugelegt, deretwegen an seiner wahren Gottheit im geringsten nicht zu zweifeln.

27. Werden doch auch wir gläubige Menschen Gottes Kinder genannt und sind gleichwohl nicht Gott?

Wir werden aus Gnaden zur Kindschaft angenommen und durch Christum zu Kindern Gottes gemacht in der Wiedergeburt (Eph.1,5; Röm.8,15; Gal.4,5; 3,26). Aber Christus ist nicht aus Gnaden Gottes Sohn geworden, sondern er ist des Vaters eingeborener, einiger und eingelieb­ter Sohn, der in seinem Schoß ist (Joh.1,18), und mit dem Vater eins ist (Joh.10,30), und er im Vater und der Vater in ihm (Joh.10,38; 14,10; 3,16; Röm.8,32), und ist des Vaters Ebenbild (Kol.1,15; Hebr.1,3), daß wer den Sohn sieht, der sieht auch den Vater (Joh.14,9), und wer den Sohn nicht kennt und ehrt, der kennt und ehrt auch den Vater nicht (Matth.11,27; Joh.5,23; 6,46), welches von keinem Engel oder Menschen kann gesagt werden.

28. Wie wird die Gottheit des Heiligen Geistes erwiesen?

Dieweil er von Ewigkeit her vom Vater ausgeht (Joh.15,26) und des Vaters und Sohnes Geist ist (Joh.14,26; 15,26; Gal.4,6), und der Vater und der Sohn und der Heilige Geist sind eins (1.Joh.5,7) in dem Wesen, Kraft, Wirkung, Ehre und Herrlichkeit. Und werden wir wie im Namen des Vaters und Sohnes also auch des Heiligen Geistes getauft, an den wir glauben und ihn anbeten und ehren (Matth.28,19).

29. Vielleicht ist der Heilige Geist die Kraft Gottes und keine selbständige Person?

Unser Herr Christus sagt ausdrücklich (Joh.14,146): „Ich will den Vater bitten und er wird euch einen anderen Tröster geben.“ Und Joh.15,26: „Wenn der Tröster kommen wird, wel­chen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird zeugen von mir.“ Und 1.Joh.5,7 steht: „Drei sind, die da zeugen im Himmel: der Vater und das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins.“ Also, da Christus getauft wird von Johannes, da steht der Sohn Gottes im Jordan und über ihm schwebt der Heilige Geist in der leiblichen Gestalt einer Taube und läßt der Vater seine göttliche Stimme hören vom Him­mel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Matth.3,16.17; Mk.1,10f.; Lk.3,22; Joh.1,32). Daher ist klar, daß der Heilige Geist eine selbständige Person ist, nämlich in der Ordnung die dritte, und der Sohn die andere und der Vater die erste: aber im Wesen, Kraft, Wirkung und Ehre sind sie gleich, zugleich Gott, zugleich ewig, zugleich allmächtig, zugleich herrlich.

Das dritte Kapitel.
Von der Schöpfung.

30. Wie hat sich der dreieinige Gott geoffenbart in seinen Werken?

Erstlich in der Schöpfung Himmels und der Erde, danach in der Er­lösung des in Sünde gefallenen menschlichen Geschlechts, zum dritten in der Heiligung der Menschen zum ewigen Leben.

31. Ist die Welt nicht von Ewigkeit her gewesen?

Nein, sondern im Anfang (da außer Gott nichts war, weder Zeit, Raum oder etwas anderes) schuf Gott Himmel und Erde (Gen.1). Und wie die Welt ihren Anfang gehabt, also wird auch Himmel und Erde wieder vergehen am Jüngsten Tage (Matth.24,35; Mk.13,31; 2.Petr.3,7.10; Offb.21,1).

32. Wer hat die Welt erschaffen?

Der einige, wahre, ewige Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist, der in hebräischer Sprache heißt Jehova Elohim, und wir in unserer Sprache nennen ihn den dreieinigen Gott.

33. Warum wird denn im Apostolischen Glaubensbekenntnis Gott der Vater genannt der Schöpfer Himmels und der Erde?

Das geschieht darum: dieweil der Vater ist die erste Person in der Gott­heit, also wird auch ihm der erste Anfang der Schöpfung zugeschrieben, jedoch also, daß der Vater durch den Sohn im Heiligen Geist alles erschafft, regiert und erhält. Denn was Gott wirkt und tut in den Kreaturen, das wirkt und schafft die einige, unendliche göttliche Kraft und Weisheit, die zu­gleich in dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist ist. Und wie die drei Personen ste­hen in ihrer Ordnung, daß der Vater die erste, der Sohn die andere und der Heilige Geist die dritte Person ist in der einigen Gottheit, also wird dieselbe Ordnung auch gehalten in allen Werken Gottes, daß der Vater wirkt durch den Sohn (der da ist die wesentliche Kraft und Weisheit Gottes) in dem Heiligen Geiste. Denn weil der Vater in dem Sohne, und der Sohn im Vater und der Heilige Geist in ihnen beiden ist, mit Nichten aber eine Person außer der an­dern, so können auch die Wirkungen nicht getrennt werden, daß etwas absonderlich einer Per­son allein, außer den andern, zugeschrieben werde. Was es aber mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes für eine besondere Gelegenheit habe, wird an seinem Ort vermeldet wer­den.

34. Woraus hat Gott die Welt erschaffen?

Vor der Welt Anfang ist nichts gewesen, ohne allein der ewige, wahr­hafte Gott, welcher durch seine göttliche Weisheit, Allmacht und Güte Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, aus nichts erschaffen hat nach seinem heiligen Wohlgefallen.

35. Wozu hat er sie erschaffen?

Daß er seine göttliche Kraft, Weisheit und Gütigkeit an seinem Ge­schöpf erklärte und von allen vernünftigen Kreaturen, nämlich den Engeln und Menschen, erkannt und mit Danksa­gung geehrt und gepriesen würde (Röm.1,20).

36. Ist solche Erkenntnis Gottes, die aus der Schöpfung und Regierung des Himmels und der Erde entspringt, ge­nugsam zur Seligkeit?

Sie ist durch den elendigen Sündenfall unserer ersten Eltern dermaßen geschwächt, daß sie zur Seligkeit niemanden bringen kann, weist uns aber dazu an, daß wir ferner nachforschen sollen und Gott den Herrn suchen in seinem Wort (Apg.17,27), und wer das nicht tut, der hat keine Entschuldi­gung (Röm.1,18-20).

Das vierte Kapitel.
Von der Vorsehung Gottes.

37. Nachdem Gott die Welt erschaffen hat, durch wen wird sie jetztregiert und erhalten?

Der allmächtige Schöpfer weicht nicht aus von seinem schönen Gebäu des Himmels und der Erde, daß andere oder fremde Verwalter darüber gesetzt werden sollen, sondern Er selbst er­hält alles nach seinem Wohlgefallen in seinem Stand und Ordnung. Und ob er wohl einem jeden Geschöpf seine natürliche Eigenschaft eingepflanzt und es nach derselben handeln läßt, so regiert er doch alles und richtet’s dahin, daß es seiner Ehre und Herrlich­keit dienen muß (Ps.103.104).

38. Was für Ordnung wird hierin gehalten?

Der Himmel, Sonne, Mond und Sterne werden in ihrem Wesen erhalten, wie sie erschaffen sind, aber auf Erden werden die Gewächse, Kräuter, Bäume und Tiere fortgezeugt nach ihrer von Gott gesetzten Ord­nung (Gen.1), und den lebendigen Tieren gibt er Nahrung, daß sie erhalten werden (Ps.104.147; Apg.17,25).

39. Handelt Gott allzeit nach dem gemeinen Lauf der Natur?

Gott ist und bleibt Herr über die Natur und müssen ihm alle Werke seiner Hände zu Gebot stehen und seinen Willen ausrichten (Ps.103,21f.). Wenn er will, so muß die Sonne am Him­mel still stehen (Jos.10,13), oder etliche Grade wieder zurückgehen (Jes.38,8). Er kann das Meer und den Jordan teilen, daß sein Volk trockenen Fußes hindurch geht (Ex.14,21f.; Jos.3,16f.), dergleichen Wunderwerke viele in der Schrift aus­gezeichnet sind, dadurch seine göttliche Allmacht erwiesen wird (Hiob 23,13). Gott macht alle Dinge wie er will. Ps.115,3: „Unser Gott im Himmel kann schaffen, was er will.“

40. Regiert Gott die Welt abwesend oder gegenwärtig?

Gottes Wesen ist unendlich (Hiob 11,8f.), dem keine Kreatur sich ent­ziehen kann. Darum erfüllt er Himmel und Erde (Jer.23,24) und besteht alles in ihm (Kol.1,17). Ja, keine Kreatur könnte einen Augenblick dauern ohne Gottes wesentliche Gegenwart und Erhaltung. Darum sind es ganz kindische Gedanken, daß Gott in einem räumlichen Himmel seine Wohnung ha­be und von daher, abwesend, durch seine Kraft die Kreaturen beherrsche, wie die weltli­chen Könige ihre gewisse Residenz zu haben pflegen und durch ihre Beamten ihre Untertanen regieren.

41. Ist’s nur einerlei Gegenwart Gottes bei den Kreaturen oder unterschieden?

Der Heilige Geist redet in der Schrift unterschiedlich von der all­gemeinen Gegenwart bei allen Kreaturen, dadurch Gott bei ihnen allen ist und sie erhält in ihrem natürlichen Stand und Wesen, so lang ihm wohlgefällig, wie in Ps.104,27ff. stehet: „Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so ver­gehen sie und werden wieder zu Staub. Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du erneuest die Gestalt der Erde.“ Und diese All­gegen­wärtigkeit gehört zu dem ersten Artikel des Apostolischen Glaubens, nämlich zu der Schöp­fung und Regierung aller Dinge.

42. Ist dann noch eine andere göttliche Gegenwärtigkeit?

Nach seiner gnadenreichen Gegenwart ist Gott bei seiner lieben Kirche und wirkt darin durch das gepredigte Wort und Ausspendung der heiligen Sakramente in den Herzen der Zuhörer kräftiglich, zündet den Glauben an und macht[2] uns zu Kindern Gottes, schenkt uns Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und Seligkeit, tröstet, stärkt und regiert uns in den Wegen und Ge­boten Gottes, steuert und wehrt dem Teufel und allen Feinden des Evangeliums, erhört unser Gebet und gibt uns Beständigkeit im Glauben bis ans Ende, daß wir selig werden (Matth.18,20; 28,20; Joh.14,23; 1.Kor.3,16 usw.). Diese gnadenreiche Gegenwärtigkeit gehört zu dem anderen und dritten Artikel von der Erlösung und Heiligung, darunter die unvernünfti­gen Tiere und andere irdische Kreaturen nicht begriffen, ja auch die gottlosen Menschen nicht, von denen Salomo sagt (Spr.15,29): „Der Herr ist fern von den Gottlosen, aber der Ge­rechten Gebet erhört er.“

43. Ist denn Gott gar nicht bei den Gottlosen?

Zwar nach seiner Allgegenwart ist er bei ihnen und erhält sie in ihrem natürlichen Stande, so­lange er will, wie auch alle anderen Kreaturen. Aber nach der gnadenreichen Gegenwärtig­keit ist er nicht bei ihnen, sondern, dieweil sie Gott verlassen, verläßt sie Gott auch (2.Chron.24,20), und wohnt nicht in ihnen, sondern haßt und straft sie, wenn sie sich nicht be­kehren; zu welcher Bekehrung er ihnen bequeme[3] Mittel verordnet hat, deren sie sich hierzu gebrauchen sollen (Röm.2,4; 2.Petr.3,9).

44. Ist noch eine andere göttliche Gegenwärtigkeit übrig?

Gleichwie Gott seiner Kirche und den Gläubigen in diesem Leben bei­wohnt mit seiner Gnade, also ist er bei seinen Auserwählten gegenwärtig im Himmel mit seiner Herrlichkeit. Und diese Gegenwärtigkeit gehört zu dem Artikel: Ich glaube ein ewiges Leben, da Gott wird alles in allem sein (1.Kor.15,28). Dahingegen die Gottlosen von Christo weichen müssen in die hölli­sche Verdammnis (Matth.25,41) und Pein leiden, das ewige Ver­derben von dem Angesicht des Herrn und von seiner herrlichen Macht (2.Thess.1,9).

45. Geht die göttliche Vorsehung über die Guten oder auch über die Bösen?

Gott regiert alles, es sei Gutes oder Böses, aber mit dem Unterschied, daß er das Gute selbst wirkt, befördert, liebt und belohnt, aber das Böse wirkt er nicht, sondern haßt es und straft oder verhindert es. Wenn er es aber zuläßt, daß es geschehe, so setzt er gewisse Schranken, darüber es nicht schreiten kann, und richtet es zu einem guten Ende nach seiner Allmacht, Güte und Weisheit, nach welcher er alles Böse oder Sünde weiß dahin zu richten, daß es sei­ner Ehre und der Auserwählten Wohlfahrt dienen muß (Röm.8,28). Siehe das Exempel Jo­sephs (Gen.45,8; 50,20).

Das fünfte Kapitel.
Von den Engeln.

46. Welches sind die vornehmsten Kreaturen?

Im Himmel die Engel, auf Erden die Menschen.

47. Wer sind die Engel?

Es sind verständige Geister, von Gott erschaffen und mit herrlichen Gaben geziert zum Dienst und Lobe Gottes.

48. Sind ihrer viel?

Ja, unzählig viel. Dan.7,10: „Tausendmal tausend (Engel) dienten ihm und zehntausendmal zehntausend standen vor ihm“ (Gen.32,1; 2.Kön.6,17; Matth.26,53).

49. Sind sie alle einerlei?

Zwar anfangs sind sie alle von Gott gut erschaffen. Aber etliche aus ihnen sind abgefallen und in der Wahrheit nicht bestanden (Joh.8,44; Judas v.6.9). Daher der Unterschied kommt, daß etliche gute, die anderen böse Engel genannt werden.

50. Was ist der guten Engel Amt und Verrichtung?

Sie stehen vor Gott, loben und preisen ihn und warten fleißig auf, seinen Befehl auszurichten (Dan.7,10; Jes.6,1; Offb.5,2; Ps.103,20). Sie dienen auch den Menschen (Hebr.1,14; Ps.91,11; Matth.18,10), an deren heiligem Wandel sie Lust haben, ja auch über die Bußferti­gen sich erfreuen (Lk.15,7), und tragen der Frommen absterbende Seelen in den Himmel (Lk.16,22), werden auch dem letzten Gericht beiwohnen (Matth.25,31; 13,30.39; 1.Thess.4,16).

51. Da sie es so gut mit uns meinen, soll man sie auch anbeten?

Nein, solche Ehre begehren sie nicht, nehmen sie auch nicht an (Offb.19,10; 22,9), dieweil sie allein Gott gebührt (Matth.4,10), der so wohl ihr als unser Schöpfer und Herr ist. Das aber ge­fällt ihnen wohl, wenn wir gottselig, keusch und züchtig leben, ein jeder seinem Beruf ge­mäß und sie nicht betrüben und von uns treiben durch Sünde und Laster, sondern mit ihnen Gott unserm Herrn dienen, ihn loben, ehren und für alle Guttat ihm danken.

52. Welches sind die bösen Engel?

Die nennt die Schrift die Teufel, die von der Wahrheit, darin sie an­fangs erschaffen, mutwillig abgefallen und ihre Wohnung im Himmel ver­lassen, und Gottes und der Menschen Feinde geworden sind, darum sie auch zur Hölle verstoßen und zum Gericht behalten werden (Joh.8,44; Judas v.6; 2.Petr.2,4).

53. Haben die Teufel auch Gewalt über die Menschen?

Zwar die Schrift vergleicht den Teufel einem starken Gewappneten (Lk.11,21), und einem brüllenden Löwen (1.Petr.5,8), seine große Macht anzuzeigen. Ja, sie nennt ihn einen Fürsten der Welt (Joh.12,31) und einen Gott dieser Welt (2.Kor.4,4). Aber doch sind ihm gewisse Schranken gesetzt, darüber er nicht schreiten darf (Ex.8,18) und ohne Gottes Ver­hängnis nichts tun kann (Matth.8,31; Hiob 1,12; 2,6). Darum ist er zwar kräftig in den Kindern des Unglaubens (Eph.2,2). Aber den Gläubigen in Christo, die da gottselig leben, kann er nichts schaden (2.Thess.3,3; Röm.8,37-39).

54. Wie soll man ihm widerstehen?

Durch inbrünstiges Gebet und stets währende Gottesfurcht, daß man sich vor Sünden und Anlaß zum Sündigen hüte und immerdar Gottes Wort fleißig betrachte und mit demselben sich wehre (Eph.6,10): „Meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Um deswillen ergreift den Harnisch Gottes.“ – Soweit von den Engeln. Es folgt von den Menschen.

Das sechste Kapitel.
Von den Menschen.

55. Was ist der Mensch?

Der Mensch ist Gottes Geschöpf, gemacht aus einem Erdenkloß, dem Gott eine vernünftige Seele eingeblasen hat (Gen.1,27; 2,7), daß er im Paradies zeitlich (Gen.2,15) und hernach im Himmel ewiglich mit Gott leben sollte (Eph.4,23f.; Kol.3,10; Weisheit Salom.2,23).

56. Warum ist er aus dem Paradies verstoßen und sterblich geworden?

Dieweil er sich durch die höllische Schlange betrügen und verführen lassen, daß er sich von Gottes Wort abgewendet und wider sein Verbot von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hat (Gen.2,17; 3,1ff.).

57. Warum hat Gott den Sündenfall nicht gehindert?

Gott hat den ersten Menschen gerecht und heilig erschaffen und ihn nach aller Notdurft ver­se­hen, daß er im Stand der anerschaffenen Voll­kommenheit hätte verbleiben können, zu dem Ende er ihm auch seinen Willen geoffenbart hatte, dem er hätte gehorsam sein sollen und kön­nen. Da aber der Mensch seinen freien Willen hatte, hat ihn Gott nach demselben handeln las­sen, dieweil er nach seiner unendlichen Weisheit und Kraft auch die Sünde kann zu einem gu­ten Ende richten und aus dem Bösen Gutes hervorbringen.

58. Also hat Gott keine Schuld am Fall der ersten Paradies-Eltern?

Gar keine, und ist der Fall wider sein klares Verbot geschehen, welchen er zwar geschehen lassen, aber daran keinen Gefallen hatte (Ps.5,5), sondern nach seiner Gerechtigkeit strafte (Gen.3,14.16.17.23; Röm.2,2).

59. Ist doch Gott allmächtig und kann seinem Willen niemand widerstehen?

Gottes Allmacht oder Wille bringt niemand zum Sündigen. Ja, Gott kann oder will nicht sün­digen, dieweil er allmächtig und deswegen voll­kommen ist und die Gerechtigkeit und Gütig­keit selbst; Sündigen aber ist eine Unvollkommenheit. Also kann Gott nicht lügen (Hebr.6,18), denn er ist die ewige unwandelbare Wahrheit (Joh.14,5), und hält Gottes All­macht den freien Willen nicht auf, den er selbst in den Engeln und Menschen erschaffen und zu dem Ende ihnen seine Gebote gegeben hat, dadurch ihren Gehorsam zu prüfen. Und die­weil Gott die Sünde haßt, verbietet und straft in seinem heiligen Wort, so ist klar, daß die Sün­de geschehe wider seinen Willen, jedoch so, daß er sie zuläßt und ihr gewisse Ziele setzt und sie zum guten Ende richtet und aus dem Bösen Gutes hervorbringt.

60. Es braucht die Schrift gleichwohl solche Art zu reden, daraus fast scheint, als wäre Gott eine Ursache der Sünden?

Dieselben Sprüche sollen und müssen aus der Schrift selbst nach der Ähnlichkeit des Glau­bens fleißig und recht erklärt werden, wie die Art und Eigenschaft der heiligen Sprache und die reine christliche Religion erfordert. Denn dieweil ohne Gottes Verhängnis[4] nichts gesche­hen kann, so werden oftmals solche Wörter, die eine Wirkung bedeuten, von Gott gebraucht und wird doch nicht Gottes selbsteigene Wirkung, sondern seine Zulassung oder Verhängnis angezeigt und gemeint. Nicht zwar eine bloße Zulassung, als wäre Gott allerdings müßig und sehe nur zu, wie man einer Komödie oder Tragödie zusieht, sondern so, daß er Ziel und Maß gebe und alles zu einem guten Ende richte. Diese Erklärung gibt uns der Heilige Geist selber (Ps.81,13): „Ich habe sie gelassen in ihres Herzens Dünkel, daß sie wandeln nach ihrem Rat“; (1.Kor.10,13): „Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen.“ Danach, wenn Gottes gerechte und schwere Gerichte über vorangegangene grobe Sünde und Laster beschrieben werden, so sagt die Schrift, daß Gott die Menschen verhärte, verstocke, ver­blen­de, einen verkehrten Sinn gebe und dergleichen, nicht der Meinung, als mache Gott aus feinen zarten geschmeidigen Menschen harte böse Buben oder aus Sehenden Blinde, oder aus reinen Herzen verkehrte Sinne. Nein, das sei ferne, sondern so, daß Gott den mutwilligen bösen Menschen nach seinem gerechten Urteil seine Gnade entzieht und läßt sie hinfahren in ihrem eigenen Willen unter des Teufels Gewalt, von dem sie gleichsam mit Stricken gebunden und gezogen werden, wie an dem Exempel des Pharao erscheint, dessen Tyrannei gegen die Juden Gott also straft, daß er verhärtet und verstockt wird und endlich mit den Seinigen jämmerlich umkommt. Da merkt erstlich, daß Pharao sich selbst verstockt, indem er seinem Mutwillen folgt, Gottes Wort verachtet und das Volk Gottes tyrannisch unterdrückt (Ex.1,8ff.; 8,32). Zweitens: danach finden sich Pharaos Diener, die mit ihren verkehrten Anschlägen sich selbst und des Königs Herz verhärteten (Ex.9,34). Drittens: über das feiert der Teufel auch nicht, sondern schürt weidlich zu und bläst böse Gedanken und Anschläge ein, zumal da er Gottes gerechtes Urteil als sein Nachrichter vollziehen soll. Auf keine dergleichen Weise soll oder kann man sagen, daß Gott die Menschen verhärte oder ver­stocke, sondern Gott als ein ge­rechter Richter läßt die mutwilligen Verächter seines Wortes hinfahren, dieweil er zuvor von ihnen ist verlassen und ver­worfen worden (2.Chron.15,2) und entzieht ihnen seine Gnade und übergibt sie unter die Gewalt des Satans, daß sie die gerechte wohl verdiente Strafe leiden und den Lohn der Undankbarkeit und Sünden empfangen. Gleichwie nun ein weltlicher Richter, der nach dem Gesetz einen Übeltäter verdammt und dem Nachrichter zu gebührender Strafe übergibt, nicht sündigt, sondern die Sünde nach der Gerechtigkeit straft, also, wenn Gott, der gerechte Richter, die Verächter und Verfolger seines Wortes verhüttet und verstockt nach den ernsten Drohungen in seinem Gesetz, dadurch er sie vor Sünden gewarnt und davon abhalten wollen, so tut er keine Sünde, er reizt nicht dazu an, er billigt sie auch nicht, verteidigt sie auch nicht, sondern, wie er sie haßt und verboten hat, so zürnt er darüber und straft sie. Da man nun also nach dieser Regel die Sprüche der Schrift erklärt, bezeugen dieselben eigentlich, daß Gott nicht der Sünden Ursache, sondern ein gerechter Richter und Rächer sei alles Bösen. Sintemal Gott, die Ge­rechtigkeit und Heiligkeit selbst, die Sünde 1. haßt, 2. verbietet und 3. straft; ist demnach keineswegs der Sünden Ursache, soll auch keineswegs also genannt wer­den.

64. Wie soll ich verstehen, daß Etliche sagen, Gott strafe die Sünde mit Sünden?

Da ist eine behutsame Erklärung vonnöten. Denn eigentlich zu reden, werden die Sünden be­legt und gerächt mit der Strafe, und gerechte Gesetze verordnen oder bestimmen nicht, daß eine Sünde mit einer anderen Sünde gestraft werde (denn so würden die Sünden gemehrt und überhäuft, welches mit der Gerechtigkeit streitet), sondern der Sünde verordnen sie die Strafe, damit der Sünde gewehrt und andere davon abgeschreckt werden sollen. Denn was nach dem Gesetz geschieht und ihm ähnlich ist, das ist nicht Sünde. Nun aber ist alle gerechte Strafe dem Gesetz ähnlich. Darum kann keine gerechte Strafe Sünde sein. Und also wird die Sünde nicht gestraft mit anderen Sünden, denn alle Sünde ist wider das Gesetz, die Strafe aber der Sünden ist dem Gesetz ähnlich. Wenn man deshalb diese Art zu reden zulassen wollte, daß Gott Sünde mit Sünden strafe, so müßte man sie nach der Art der hebräischen Sprache ausle­gen, da oft Sünde so viel heißt als Strafe der Sünde, oder aber müßte sie erklären nach dem Spruch Lev.24,19f.: „Wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat.“ Wie der Prophet Nathan seinem König David eine solche Strafe ankündigt (2.Sam.12,11): „So spricht der Herr: Siehe, ich will Unglück über dich erwecken aus deinem eigenen Hause und will deine Weiber nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, daß er bei deinen Weibern schlafen soll an der lichten Sonne. Denn du hast es heimlich getan; ich aber will dies tun vor dem ganzen Israel und an der Sonne.“ Also geschieht’s oft, worin und womit einer sündigt, darin und damit wird er gestraft.

Das siebente Kapitel.
Von Gottes Ebenbild.

62. Als unsere ersten Eltern gesündigt hatten, haben sie gleichwohl Gottes Ebenbild behalten, nach dem sie an­fangs erschaffen waren?

Gottes Ebenbild in geistlichen Sachen, das ist die anerschaffene Heilig­keit und Gerechtigkeit, wie es Paulus Eph.4,24 erklärt, ist durch den Fall verloren, so daß Adam Kinder gezeugt hat nach seinem (und nicht nach Gottes) Ebenbild (Gen.5,3), und wir allesamt in Sünden empfan­gen und geboren werden (Ps.51,7) und also von Natur und Geburt Kinder des Zornes sind (Eph.2,3; Joh.3,6), ja in Sünden tot (Eph.2,1; Kol.2,13), mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben sollten (Röm.3,23), zu welcher Gerechtigkeit und Heiligkeit wir anders nicht als durch Christum können wieder gebracht werden (Röm.5,45ff.).

Was aber des Leibes und der Seele natürliche Kräfte und Vermögen in äußerlichen weltlichen Dingen anlangt, ob sie schon auch heftig ver­wundet und geringert, dennoch ist übrig geblie­ben ein Strahl und Licht der Erkenntnis, daß die Vernunft weiß, daß Gott sei, den man ehren und (hm danken soll, und den Unterschied versteht, was ehrlich und schändlich ist, und daß man das Gute lieben und annehmen, das Böse hassen und fliehen solle, aus welchem Licht der Natur die guten Künste und heil­same Gesetze im Regiment entsprungen sind, deren dies zeitliche Leben nützlich gebraucht und ihrer nicht entraten kann (Röm.1 u.2).

63. Was können aber die Nachkommen dazu, daß Adam ge­sündigt hat? Denn der Sohn soll ja nicht tragen die Missetat seines Vaters (Hes.18,20).

Adam ist der Hauptstamm und Wurzel des ganzen menschlichen Ge­schlechts, daraus alle anderen Menschen entsprossen sind. Gleichwie wir nun in ihm nach Gottes Ebenbilde er­schaffen waren und dasselbe Eben­bild wäre auf alle Nachkommen fortgepflanzt worden, wenn Adam und wir mit ihm in der Unschuld bestanden wären, also, nachdem er gefallen, sind wir in ihm auch gefallen und pflanzt er nunmehr seine sündhafte Natur fort auf alle seine Kinder, wie St. Paulus stattlich erweist (Röm.5). Daß demnach ein jeder um seiner eigenen Missetat willen gestraft wird und kann niemand sagen, er sei unschuldig und werde für andere gestraft. Es geschieht zwar oft, das in gemeinen Landstrafen auch die Frommen mithingerafft werden, wie man sieht in Kriegen, Wasserfluten, Feuers­brunst usw. Aber in Gottes Gericht muß ein jeder für sich selbst stehen und Rechenschaft geben, da allein die Frommen selig, aber die Gottlosen ver­dammt werden, welches die rechte Meinung ist von Hes.18,20.

64. Wie wird die Sünde fortgepflanzt?

Durch die natürliche Zeugung und Geburt, da mit der menschlichen Natur und in ihr auch die Verderbnis auf die Kinder gebracht wird, und also, was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch (Joh.3,6), das heißt sündhaft und verderbt (Ps.51,7).

65. Wird die Seele auch fortgepflanzt von den Eltern auf die Kinder?

Nach Gottes Einsetzung und Segen ist die Zeugung des Menschen nicht nur allein dem Leib oder allein der Seele zuzuschreiben, sondern dem ganzen Menschen (Gen.1,27) und faßt in sich die ganze Natur des Menschen an Seele und Leib, daß nicht der Leib allein, auch nicht die Seele allein, sondern der ganze Mensch in seinen wesentlichen Stücken von Vater und Mutter gezeugt, im Mutterleib empfangen und geboren wird, wie David von sich bezeugt (Ps.51,7), daß er in Sünden empfangen und geboren sei. Gleichwie nun der Sohn nicht allein des Vaters, sondern auch der Mutter Sohn ist, und die Tochter nicht nur allein der Mutter, sondern auch des Vaters Tochter ist, also muß man auch bekennen nach Gottes Wort, daß Vater und Mutter durch eheliche von Gott verordnete Beiwohnung nicht allein menschliche Leiber oder allein menschliche Seelen, sondern Menschen zeugen und die menschliche Natur fortpflanzen und das menschliche Ge­schlecht erhalten.

66. Wie kann aber die Seele unsterblich sein, wenn sie von Eltern herrührt?

Ein jedes Geschöpf Gottes ist in seiner Art und Gattung, wie es Gott in der Schöpfung verord­net hat (Gen.1,11ff.). Dieweil denn der Mensch zum ewigen Leben erschaffen ist, so ist er nicht allein der Seele nach un­sterblich, sondern es wäre auch der Leib unsterblich geblieben, wenn der Sündenfall nicht geschehen wäre. Und obwohl nunmehr um der Sünden willen wir Menschen sterben müssen, so wird doch am Jüngsten Tage der Leib wiederum zum Leben auferweckt werden, daß er, mit seiner Seele vereinigt, lebe ewiglich, die Frommen zwar in himmlischer Seligkeit, die Gottlosen aber in höllischer Verdammnis.

67. Die Schrift nennt oft Gott einen Vater der Geister oder der Seelen. Darum scheint es glaublich, daß die Seelen ohne Mittel von Gott erschaffen werden?

Das folgt nicht daraus. Denn Gott ist sowohl der Schöpfer unserer Leiber als auch der Seelen, aber durch Mittel, nämlich durch Zeugung der Eltern, wie Hiob sagt (10,8): „Deine Hände haben mich bereitet und ge­macht alles, was ich um und um bin.“

Das achte Kapitel.
Von dem Gesetz.

68. Woraus wird die Verderbnis der menschlichen Natur er­kannt?

Zwar ein jeder kann sie an sich selbst fühlen in mancherlei Schwach­heit und endlich durch den Tod. Aber die rechte Erkenntnis der Sünden kommt durch das Gesetz Gottes, denn die Sünde ist eine Abweichung von demselben (1.Joh.3,4).

69. Was ist dieses Gesetz Gottes?

ES ist die göttliche Lehre von dem Willen Gottes, was er von uns will getan und gelassen haben (Röm.2,14f.), die uns von Natur ein­gepflanzt und deren Summe in den zehn Geboten Gottes verfaßt ist (Ex.20), darin den Gehorsamen reiche Belohnung verheißen, den Übertre­tern aber zeitliche und ewige Strafe gedroht wird (Ex.20,5f.; Deut.27 u.28).

70. Welches ist die Summe des göttlichen Gesetzes?

Gott lieben über alles, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten als sich selbst (Deut.6,5; Matth.22,37-39).

71. Können wir Menschen in diesem Leben solches erfüllen?

Dieweil Gott erfordert vollkommene Reinigkeit der Natur (wie er sie erschaffen hat) und in­nerlichen und äußerlichen Gehorsam aller Kräfte, in Gedanken, Worten und Werken, unsere Natur aber ist durch den Sünden­fall jämmerlich verderbt, so sehr, daß auch in den Wiederge­borenen das Fleisch streitet wider den Geist (Gal.5,17), so wäre es eine große Ver­messenheit, daß auch nur ein Mensch von sich rühmen wollte, daß er das Gesetz erfülle (Gen.8,21; Ps.14,3; Matth.15,19), welches St. Paulus selbst nicht tun können, wie er Röm.7 weitläufig bezeugt. Und alle Christen müssen alle Augenblicke beten: Herr, vergib uns unsere Schuld oder Sünde, wie wir vergeben unsern Schuldigem (Matth.6,12; Lk.11,4; Ps.32,5f.).

72. Bezeugt doch die Schrift, daß etliche Menschen vollkommen und gerecht vor Gott und ohne Wandel gewesen seien, darum haben ja diese das Gesetz erfüllt?

Diese Vollkommenheit und Gerechtigkeit, die an etlichen gerühmt wird, hat ihren Grund in Christo, der durch wahren Glauben ergriffen wird, welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung (1.Kor.1,30), und in der heiligen Sprache wird das vollkommen und ohne Wandel genannt, was aus reinem auf­richtigen Herzen kommt und ohne Heuchelei geschieht. Also wird David genannt ein Mann nach dem Herzen Gottes (Apg.13,22), von welchem doch bekannt ist, daß er sehr schwere Sünden begangen habe. Und den Hiob rühmt Gott selbst, daß seinesgleichen nicht im Lande sei, schlecht und recht, gottesfürchtig und meide das Böse (Hiob 1,8), welcher doch seinen Tag ver­flucht hat (Hiob 3,1). Und Kap.9,2f. spricht er: „Ich weiß gar wohl, daß es also ist und daß ein Mensch nicht Recht behalten mag gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins ant­worten.“ Und Kap.42,6 spricht er abermals: „Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche.“ Also, David getraut sich nicht vor Got­tes Gericht zu stehen (Ps.130,2; 143,2). Und Paulus schreibt 1.Kor.4,4: „Ich bin mir wohl nichts bewußt, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt.“ Dahin die ganze apostolische Disputa­tion gehört, daß der Mensch gerecht werde nicht aus dem Gesetz, sondern durch den Glauben an Christum (Röm.3 und 4; Gal.2 und 3; Eph.2).

73. Warum befiehlt uns dann Gott, zu tun, was wir nicht können? Das scheint, als ob er unser spotte.

Das sei ja ferne von dem allerheiligsten Gott, der uns so hoch geliebt, daß er uns seinen ein­geborenen Sohn geschenkt hat (Joh.3,16), und nicht Lust hat an Jemandes Verderben, son­dern will, daß alle Menschen selig werden (l.Tim.2,4; 4,10; 2.Petr.3,9).

74. Zu welchem Ende hat er dann das Gesetz gegeben?

Er fordert billig von uns, was er in der ersten Erschaffung uns hat beigelegt. Denn wären wir nicht in die Sünde gefallen, so hätten wir das ganze Gesetz mit Lust erfüllt, wie die heiligen Engel mit Freuden Gott dienen. Daß wir aber die anerschaffene Gerechtigkeit verloren, ist unsere eigene Schuld, dadurch Gottes Recht nichts abgeht, sondern er hat gut Fug und Macht, von uns zu fordern, was er uns anvertraut hat (Kol.3,10). Darum können wir auch zum Teil aus dem Gesetz erlernen, was für herr­liche Gaben wir verloren haben (Röm.3,23). Es hat auch seinen Nutzen in dem äußerlichen Leben, die wilden und ruchlosen Menschen im Zaum zu halten (1.Tim.1,9). Und entspringt zugleich daher die rechte Erkenntnis der Sünden (Röm.3,20; 7,7), des Zorns Gottes über die Sünde und der Verdammnis (Röm.4,15). Endlich dient uns das Gesetz dazu, wenn wir durch Gottes Gnade zu Christo bekehrt sind, daß wir eine gewisse Regel oder Richtschnur des Lebens haben und unsere Werke nicht nach unserem Gut­dünken, sondern nach Gottes Willen und Befehl richten sollen (Röm.13,8; Gal.5,14).

75. Wird denn das Gesetz Gottes gar nicht erfüllt?

Christus, der Sohn Gottes, hat sich für uns und an unserer Statt dem Gesetz untergeben und in seinem ganzen Leben und Sterben ihm voll­kommenen Gehorsam geleistet (Gal.4,4; Phil.2,8), daß auch der geringste Punkt nicht darin übrig ist, der nicht erfüllt wäre (Matth.5,17f.). Da­her, wer an Christum glaubt, dem wird sein Gehorsam zugerechnet, und hat dadurch Verge­bung aller seiner Sünden, Gerechtigkeit und das ewige Leben (Röm.3,28; 4,5; 2 Kor.5,19-21).

76. Wie kann ein Mensch gerecht genannt werden von der zu­gerechneten Gerechtigkeit? Denn was uns zugerechnet wird, das ist nicht unser eigen, sondern eines Andern.

Das mag man fein sehen an der Zurechnung unserer Sünden, die in Christo geschehen ist. Denn Christo sind unsere Sünden zugerechnet worden, welche Gott alle auf ihn geworfen hat (2.Kor.5,21; Jes.53,6), daß er wäre das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt (Joh.1,29), und hat uns also versöhnt mit dem Leibe seines Fleisches durch den Tod (Kol.1,22). Soll deswegen diese Zurechnung nicht für einen Wahn oder Einbildung ausgeschrieen werden, sondern sie ist eine göttliche kräftige durchdringende Zurechnung, die da gemacht hat, daß Christus, als ein Sünder und Ver­fluchter, des Todes hat sterben müssen (2.Kor.5,21; Gal.3,13). Gleichwie um Christus unsere Sünde von uns auf sich genommen hat, also schenkt er uns hinwiederum seinen Gehorsam und Gerechtigkeit. Was unser war, das nahm er auf sich, daß er für uns bezahlte und genug täte. Was sein ist, das schenkt er uns, daß wir gerecht und selig werden. Sind also Christi Gehorsam und Gerechtigkeit, dem Gesetz erzeigt, sofern fremd, dieweil wir selbst sie nicht erzeigt haben; sie werden aber unser eigen und werden uns zugerechnet durch den Glauben, dadurch wir Christum mit seinen Wohl­taten ergreifen und halten (Röm.4,2f.5.9.24).

77. So darf ein gläubiger Christ für sich selbst dem Gesetz sich nicht unterwerfen und ge­horsam sein?

Die Meinung hat es gar nicht, sondern vielmehr, wer durch Christum von Sünden erlöst ist, der soll Hinfort der Sünde feind sein und sich nach Gottes Gesetz in allerlei guten Werken üben, seinen Glauben und schuldige Dankbarkeit zu beweisen (Röm.6,11ff.; Phil.1,11).

78. Wie kann aber derselbe Gehorsam Gott gefallen, dieweil er nicht vollkommen ist?

Wer durch den Glauben an Christum mit Gott versöhnt und gerecht­fertigt ist und wandelt nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist in den Geboten Gottes, dessen Leben gefällt Gott wohl (Röm.8,1ff.). Denn was daran mangelhaft, wird alles zugedeckt durch Christi aller­heiligsten und vollkommensten Gehorsam. Darum in der Schrift etliche fromme Leute ge­rühmt werden, daß sie vollkommen, heilig, unsträflich und ohne Wandel gelebt und Gott wohlgefallen haben (Gen.6,9; Lk.1,6). Denn was ein gläubiger Mensch aus reinem Herzen und rechtschaffenem Gemüt tut, das gefällt Gott (l.Tim.1,5; Kol.3,23; 2.Kor.1,12). Gleichwie im widrigen Falle alle Heuchelei vor ihm ein Greuel ist (Ps.5,5-7; 12,3f.).

79. Bei den Juden waren vielerlei Gesetze, was haben die für Nutzen gehabt?

Die zehn Gebote binden zugleich Juden und Heiden und lassen sich nicht ändern (Matth.22,36). Neben denen waren bei den Juden Kirchen­gesetze von Opfern und dem Got­tesdienst (Lev.1 u. ff.), die waren Vor­bilder auf Christum und sind durch seine Zukunft[5] ge­endigt und abgeschafft (Kol.2,17; Hebr.10,1). Desgleichen waren andere Gesetze, die zu Er­hal­tung des Regiments, Gerichts und der Gerechtigkeit den Juden im Lande Kanaan vor­ge­schrieben waren, welche nunmehr, nachdem die jüdische Re­gierung ganz gefallen ist, auch ihre Endschaft genommen haben.

80. Ist man auch schuldig, der weltlichen Obrigkeit Gesetze zu halten?

Die Obrigkeit ist Gottes Dienerin, der man Gehorsam erzeigen muß, auch um des Gewissens willen, in allem, was nicht wider Gott und Ehr­barkeit streitet (Röm.13,5; Apg.4,19; 5,29). Darum ist es recht, daß ein Christ denselben folgt.

Das neunte Kapitel.
Von dem Evangelium.

81. Bisher haben wir von dem ersten Artikel des Apostolischen Glaubens, nämlich von der Schöpfung gehandelt. Nun wird der andere von der Erlösung folgen.

Diese Ordnung soll man jederzeit vor Augen halten, daß wir zwar anfänglich zum ewigen Leben erschaffen sind, dieweil wir aber Gottes Eben­bild in geistlichen Sachen durch die Sün­de verloren haben, müssen wir nun unsere Seligkeit nicht in uns selbst, sondern einzig und allein suchen in Christo, unserem Erlöser und Heiland. Und dies ist das fröhliche Evan­gelium, dessen wir uns von Herzen zu erfreuen haben.

82. Welches ist die Summe und Inhalt des Evangeliums?

Als wir durch die Sünde von Gott abgewichen (Jes.59,2) und dem ewigen Tode unterworfen waren (Röm.5,12), daraus uns keine Kreatur in der Welt helfen konnte, da lehrte uns das Evangelium, daß sich Gott aus lauter Gnade und Liebe über uns erbarmt und diesen Ratschluß ge­macht habe, daß der Sohn Gottes sollte Mensch werden, für uns das Gesetz erfüllen und die Gerechtigkeit und Seligkeit uns wieder bringen und durch das Evangelium diese Schätze uns ankündigen und vortragen, auch durch des heiligen Geistes Kraft den Glauben in unseren Her­zen an­zünden, auf daß alle Gläubigen in Christo selig, die aber nicht glauben, verdammt werden sollen (Eph.1,3ff.; 2.Tim.1,9f.; Joh.3,16.18; Mk.16,16).

83. Wer hat uns diesen göttlichen Ratschluß geoffenbart?

Von Ewigkeit her ist er verborgen gewesen, aber der Sohn Gottes, der in dem Schoß des Vaters ist, hat ihn uns geoffenbart durch das Evangelium (Joh.1,18; Röm.16,25f.; Eph.1,9; 2.Tim.1,9f.; Kol.1,26f.).

84. Was ist das Evangelium?

Es ist die fröhliche Botschaft von Christo, daß er unser Heiland und Erlöser sei und daß alle die sollen selig werden, welche an ihn glauben (Lk.2,11; Joh.3,16).

85. Was erfordert das Evangelium von uns?

Daß wir Christum aus seinem Wort recht erkennen (Joh.17,3), kindlich auf ihn als unseren einigen Heiland trauen und in ihm das ewige Leben ergreifen und haben sollen (Joh.3,16). Darauf dann die schuldige Dank­barkeit erfolgt, daß wir ihn loben und preisen in unserem ganzen Leben und ihm gleichförmig seien, wie er uns gelehrt hat (Kol.3,13.17; Phil.2,5; Röm.8,29; Matth.28,20).

86. Haben die Altväter vor und nach der Sintflut das Evan­gelium auch gehabt?

Die Verheißung von dem gebenedeiten Weibessamen, der der höllischen Schlange den Kopf zertreten sollte, ist unseren Paradies-Eltern bald nach dem Fall gegeben (Gen.3,15) und her­nach je mehr und klarer durch die Erzväter und Propheten ausgelegt, auch durch die Opfer im Alten Testament, die da Vorbilder auf Christum gewesen, erläutert worden (Gen.12,3; 18,18; 26,4; 28,14; 49,10; Apg.10,43; Röm.1,2-4; Kol.2,17; Hebr. Kap.5-10). Also, daß die Gläubi­gen in derselben Verheißung und in den Opfern Christum angeschaut, auf ihn vertraut und durch ihn gerecht und selig geworden sind (Joh.8,5f.; Apg.15,11; Röm.4,23f.; Hebr.11).

87. Gehört dies nicht auch zum Evangelium, daß Christus und die Apostel das Gesetz vorbringen und erklären?

Christus und die Apostel treiben die ganze göttliche Lehre, wie auch ein jeder treue Prediger tun soll. Aber doch soll und muß das Gesetz und Evangelium nicht untereinander gemischt und vermengt werden. Es soll auch Niemand dafür halten, daß in den Büchern Alten Testa­ments allein das Gesetz und in den Schriften Neuen Testaments allein das Evangelium gelehrt werde, denn alles beides, nämlich Gesetz und Evangelium, sollen im Gebrauch mit- und bei­einander stehen. Wenn nun Christus exempelsweise (Matth.5,6 u.7) das Gesetz Gottes er­klärt und säubert von den pharisäischen Verfälschungen, so ist das des Gesetzes Lehre. Und wenn die Propheten im Alten Testament die Verheißung vom Messias vorbringen und erklä­ren, so ist das des Evangeliums Lehre. Deswegen, wo der Glaube an Christum erfordert und gerühmt wird, das gehört zu dem Evangelium. Wo aber die Werke getrieben werden, das gehört zum Gesetz.

88. Erfordert das Evangelium, sofern es vom Gesetz unter­schieden wird, allein den Glauben an Christum oder zu­gleich auch gute Werke, die Seligkeit zu überkommen?

Das Evangelium zeigt uns Christum, führt uns zu ihm und heißt uns an ihn glauben und alle unsere Zuversicht und Vertrauen allein auf ihn als unsern einigen Heiland setzen, darin unsere Gerechtigkeit und Selig­keit besteht (Joh.1,29; 3,15). Danach lehrt uns das Evangelium ferner, daß uns Christus den Heiligen Geist erworben habe und schenke, der uns aufmuntere und wil­lig mache, auch Kraft und Vermögen gebe, daß wir in wahrer Gottseligkeit Gott dienen und seinen Geboten gehorsam sind, die er uns in seinem Gesetze vorgeschrieben hat (Röm.8,14ff.; Kap.12; 1.Kor.12). Es besteht also unsere Rechtfertigung allein in dem Glauben und Ver­trau­en auf Christum (Röm.3,24; Gal.2,16; Eph.2,8). Die Frucht aber und Zeugnis des Glau­bens ist die wahre Gottseligkeit, und Liebe gegen Gott und den Nächsten (Röm.5ff.). Und wo keine guten Werke leuchten, da ist auch kein rechter Glaube, sondern vergeblicher Ruhm und Heu­chelei, daran Gott einen Greuel hat (Jak.2,20.26).

89. Sagen doch etliche, das Evangelium verbiete gute Werke?

Das wäre eben, als ob jemand sagen wolle, die Sonne sollte nicht scheinen, das Feuer sollte nicht brennen, ein edler Baum sollte keine guten Früchte bringen. Denn ebensowenig kann ein rechtschaffener Glaube und kindliches Vertrauen auf Christus ohne gute Werke sein, sich da­durch zu bezeugen. Das aber verbietet das Evangelium, daß Niemand soll sein Ver­trauen set­zen auf seine eigenen guten Werke (1.Kor.1,29; 4,4; 2.Kor.12,1). Denn wer das tut, der ent­zieht Christo seine Ehre und greift ihm in sein Amt und verleugnet, daß allein Christus unser Mittler, Heiland und Er­löser sei, auf welchen all unser Vertrauen und Hoffnung gegründet ist (Gal.2 und 3). Und wie soll oder kann ein Mensch auf sich selbst und seine Werke trauen, die er Gott schuldig ist? (Röm.8,12; Lk.17,10), da wir doch alle vor Gott arme Sünder sind und alle Augenblicke um Ver­gebung der Sünden bitten müssen (Ps.32,5; 130,3; 143,2; Lk.11,4).

90. Das Gesetz und das Evangelium scheinen fast widerein­ander zu sein, wenn St. Paulus sagt, daß wir gerecht werden durch den Glauben, ohne des Gesetzes Werke? (Röm.3,28; Gal.2,16).

Zwar sie sollen fleißig voneinander unterschieden und ein jedes an seinem Ort und zu seinem Zweck getrieben und gerichtet, aber doch mit Nichten voneinander getrennt oder eins durch das andere aufgehoben werden. Denn sie alle beide, Gesetz und Evangelium, rühren von Gott her und sollen alle beide in der Kirche gelehrt und behalten werden, aber, wie gesagt, mit not­wendigem Unterschied. Nämlich, daß durch die Gesetzespredigt die Sünde angezeigt, der Zorn Gottes gedroht und die Sünder mit der Verdammnis geschreckt werden; das Evangelium aber soll man vortragen zerschlagenen und gedemütigten Herzen, die den Zorn Gottes fühlen und Trost und Erquickung für ihre betrübten Gewissen herzlich begehren (Jer.31,25; Matth.11,28). Also sind Gesetz und Evangelium nicht widereinander, sondern eins dient und hilft dem andern, und was das Gesetz von uns fordert, aber keine Kraft gibt zu vollbringen, das zeigt uns das Evangelium in Christo und gibt uns der Heilige Geist neue Kraft, daß wir anfangen, willigen Ge­horsam den Geboten Gottes zu erweisen (Jer.30,21). Daher die guten Werke Früchte des Geistes genannt werden (Gal.5,22) und ist das Gesetz eine Richtschnur des neuen Gehorsams (Röm.13,8; Gal.5,14).

Das zehnte Kapitel.
Von Christo.

91. Dieweil des Evangeliums Hauptzweck Christus ist, so sage mir: Wer ist Christus?

Christus ist der ewige Sohn Gottes, vom Vater in Ewigkeit gezeugt, der in der Fülle der Zeit aus der reinen Jungfrau Maria wahrer Mensch geboren ist, daß er das menschliche Geschlecht von Sünden, Tod, Teufel und Verdammnis erlöste.

92. Wie kann eine Person zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch sein?

Das haben viele Ketzer und Schwärmer mit ihrer Vernunft ausgrübeln wollen, aber nicht fin­den können, daher noch heutigen Tages deren viele sind, die sich hierin hoch bemühen, wie sie dies Geheimnis unter die Ver­nunftregeln bringen mögen, aber alles nicht allein vergeblich, sondern auch Gottes vergessend. Denn es muß und soll ein Geheimnis bleiben, das in der himmlischen hohen Schule dermaleinst uns wird erklärt werden.

93. Wie wird’s aber erwiesen, daß Christus, eine einzige Person, zugleich Gott und Mensch sei?

Die Schrift sagt es mit ausdrücklichen Worten: Das Wort (welches Gott ist) ward Fleisch (Joh.1,14). Gott sandte seinen Sohn, geboren von einem Weibe (Gal.4,4). Des Menschen Sohn ist des lebendigen Gottes Sohn (Matth.16,16). Das Heilige, das aus Maria geboren, wird Gottes Sohn genannt werden (Lk.1,31).

94. Könnte man nicht sagen, daß der Sohn Gottes wohne in Marien Sohn, sodaß zwei Naturen und zwei Personen unter­schieden blieben?

Es ist nur ein Christus und Herr (1.Kor.8,6) und ein Sohn (Jes.9,5), welcher ist Gott und Mensch zugleich in Einigkeit der Person. Darum ist’s nestorianisch, wenn man sagt, der Sohn Gottes nach der Menschwerdung sei für sich eine eigene Person, eine andere Person aber der Sohn der Maria. Denn also wären zwei Söhne und also auch zwei Christi, welches der ganzen Schrift zuwider ist.

95. Warum ist denn Christus zugleich Gott und Mensch?

Das erfordert das Amt unserer Erlösung. Denn dieweil ein Mensch hatte gesündigt, mußte auch ein Mensch die Strafen tragen, und dieweil die unendliche Gerechtigkeit Gottes durch die Sünde war beleidigt worden, konnte ein bloßer Mensch nicht genug tun, sondern ward eine unendliche Person erfordert, nämlich der Sohn Gottes selbst, der in seiner ange­nomme­nen Menschheit gestorben ist und durch seinen Tod den Tod über­wunden hat. Also ist Chri­stus als wahrer Mensch gestorben und hat auch als wahrer Gott den Tod überwunden (Hebr.2,14).

96. Dieweil Gottes Gnade und Liebe unermeßlich ist, damit er uns geliebt hat, was tat dann die Bezahlung des Herrn Christi vonnöten?

Gottes Gnade, Liebe und Barmherzigkeit ist ja unermeßlich, aber seine Gerechtigkeit und Wahrheit läßt sich nicht ändern. Dieweil er uns nun gedroht hatte, wenn unsere ersten Eltern würden von dem verbotenen Baum essen, so sollten sie des Todes sterben (Gen.2,17), läßt sich die Wahr­heit nicht widerrufen, und erfordert die Gerechtigkeit, daß die begangene Sünde gestraft werde. Deswegen hierin die Liebe Gottes gegen uns leuchtet, daß er uns in unserem Jammer nicht hat stecken lassen, sondern hat uns daraus geholfen. Die Gerechtigkeit aber er­scheint daher, daß er uns nicht schlecht und bloß dahin zu Gnaden aufnimmt, sondern sein eingeliebter Sohn stirbt für uns, auf daß wir ewig leben mögen (Joh.3,16; Röm.8,32), welche wunderbare Zusammenfügung und Vereinigung der Barmherzig­keit und Gerechtigkeit Gottes im ganzen Evangelium höchlich gerühmt wird.

97. Die Schrift redet unterschiedlich von Christo: Kann man davon nicht etliche gewisse Re­geln geben?

Gar wohl. Wir wollen derselben vier anmerken, dahin alle Sprüche der Schrift können gezo­gen werden. Denn erstlich finden sich Sprüche, die reden von der Person Christi an und für sich selbst, wie darin die zwei Naturen vereinigt sind und Gemeinschaft haben, als daß Chri­stus Gott ist, daß Christus Mensch ist, daß Gott und Mensch ein Christus ist, daß Gott Mensch und der Mensch Gott ist, daß Gottes Sohn ist Marien Sohn und des Menschen Sohn ist des lebendigen Gottes Sohn und dergleichen. Diese Reden pflegt man insgemein persönliche Reden zu nennen, da­runter aber doch ein Unterschied gezeigt werden kann, wenn man sie eigent­lich erklären soll.

98. Welches ist die andere Regel?

Zum anderen werden dem einigen Christo sowohl göttliche als auch menschliche Eigen­schaften beigelegt, dadurch beides, die Einigkeit der Person und dann auch der wesentliche Unterschied der Naturen, bestätigt wird. Also wird gesagt: Des Menschen Sohn leidet und stirbt (Matth.20,18f.). Der Sohn Gottes wirkt mit dem Vater (Joh.5,17). Des Menschen Sohn, der mit Nikodemus redet auf Erden, ist im Himmel (Joh.3,13). Der Fürst des Lebens wird getötet (Apg.3,15; 1.Kor.2,8). Gott hat seine Kirche erworben mit seinem eigenen Blut (Apg.20,28). Christus hat für uns gelitten im Fleisch (1.Petr.4,1), und dergleichen. Denn die­weil Christus zugleich Gott und Mensch ist in Einigkeit der Person, so wird sowohl von ihm gesagt, was göttlich ist nach der Gottheit als auch was menschlich ist nach seiner Menschheit, und wird alles beides von dieser einigen Person gesagt, dieweil beide Naturen, die göttliche und mensch­liche, an ihrem Wesen und wesentlichen Eigenschaften unversehrt in Einig­keit der Person verbunden sind und nur ein Christus ist.

99. Welches ist die dritte Regel?

Viele Sprüche in der Schrift zeigen an, was Christo als des Menschen Sohn geschenkt sei, da­mit er sein Amt führen könne. Denn die mensch­liche Natur für sich selbst und aus eigenen Kräften konnte das hohe Werk unserer Erlösung nicht verrichten. Darum sagt die Schrift, daß Christo alles gegeben sei von seinem Vater (Matth.11,26f.), alle Gewalt im Himmel und auf Erden (Matth.28,18), die Gewalt, auch das Gericht zu halten (Joh.5,27), und lebendigmachen­de Kraft (Joh.6,35.51.53), Gewalt über alles Fleisch (Joh.17,2), und daß ihm alles unterwor­fen sei (Ps.8,7; 1.Kor.15,27; Eph.1,20; 4,10; Hebr.2,8). Daher die Alten gesagt: Was Christus als Gott hat von Natur, daß hat er als Mensch aus Gnaden der persönlichen Vereinigung.

100. Welches ist die vierte Regel?

Wo das Amt des Herrn Christi beschrieben wird, da werden beide Naturen in Einigkeit der Person zusammengefaßt, daß eine jede Natur das ihrige tut mit Gemeinschaft der andern. Und dahin gehören alle Amtsnamen, als: daß Christus ist unser Prophet, Meister und Lehrer, unser Hoherpriester, unser König, unser Fürsprecher, Hirt, Helfer und dergleichen. Also werden wir auf Christum getauft, glauben an ihn, ehren und beten ihn an, nach beiden Naturen zugleich in Einigkeit der Person als unseren einigen Herrn und König (Matth.28,19; Offb.5,12f.).

101. Findet sich bei den Amtsverrichtungen des Herrn Christi kein Unterschied?

Ja, es findet sich ein Unterschied wegen der unterschiedenen Stände, nämlich der Erniedri­gung und der Erhöhung. Denn im Stande der Erniedrigung hat sich Christus tief herunterge­lassen in Knechtsgestalt und hat sich endlich ans Kreuz heften und töten lassen, seine Gottheit hat er gleichsam verborgen und nichthervorgetan als nur in den Wundem und Zeichen, die er zur Bestätigung seines Amtes und Lehre je zu Zeiten getan hat, wie auch in der Verklärung auf dem heiligen Berge (Matth.17,1f.), welches war gleichsam ein Strahl der göttlichen Maje­stät. Aber unterdes feierten die Juden nicht, Christum zu verfolgen, bis sie ihn ans Kreuz brachten. Aber nachdem er vom Tode aufer­standen, gen Himmel gefahren und sich zur Rech­ten der Kraft Gottes gesetzt hat, erweist er sich herrlich als einen allmächtigen Herren und König in göttlicher Regierung des Himmels und der Erde und in Ver­sammlung, Fort­pflanzung und Erhaltung seiner Kirche durch die ganze Welt, da er auch herrscht mitten unter seinen Feinden (Ps.110; Matth.28; Mk.16; Lk.24; Apg.1; Eph.1; Hebr.1). Gleichwohl aber sehen wir noch nicht, daß ihm alles untertan sei (Hebr.2,8). Wenn er aber am Ende der Welt erscheinen wird in großer Kraft und Herrlichkeit, das Gericht zu halten über alles Fleisch, da werden wir seine Majestät sehen, darüber die Frommen sich herzlich erfreuen, die Gottlosen aber davor erschrecken werden (Matth.16,27; 25,31; 1.Thess.4,16). Denn welche Christum im Stande seiner Erniedrigung nicht haben für einen Heiland erkennen, ehren und annehmen wol­len, die werden ihn im Stande seiner Herrlichkeit als den gerechten Richter über alles Fleisch mit Schrecken ansehen und von ihm verstoßen werden (Matth.25,41; 2.Thess.1,9).

102. Dieweil Christus in seiner Himmelfahrt seinen Leib in den Himmel gebracht, von dannen er zum Gericht wird wiederkommen, so wird er jetzt allein nach seiner Gott­heit bei uns auf Erden sein?

Christus selbst, da er vom Tode erstanden und jetzt gen Himmel auf­fahren wollte, hat er uns diese herrliche Verheißung hinterlassen: „Siehe, ich (Christus, Gott und Mensch, der tot war und jetzt lebt) bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matth.28,20).“ Und haben wir ein Helles Zeugnis dieser gnadenreichen Gegenwärtigkeit im heiligen Abend­mahl, da uns Chri­stus seinen Leib zu essen und sein Blut zu trinken dar­stellt und überreicht. Deswegen muß man nicht die zwei Naturen in der einen Person trennen, daß der Sohn Gottes außer seinem Fleisch irgendwohin gestellt werde, denn das leidet die persönliche Vereinigung nicht, auch das Amt Christi nicht, darin beide Naturen bei- und miteinander sind und wirken. Demnach, wer da sagt, daß Christus allein nach seiner Gottheit bei uns sei, der verleugnet, daß Christus nach seinen beiden Naturen unser Herr und König sei. Und soll man sich hier nicht viel pla­gen mit vielem Spekulieren von der Größe, Länge und Breite eines natürlichen Leibes, von Ort und Raum, von Ausdehnen, Ausspannen und dergleichen. Welche zwar in den leiblichen Dingen auf Erden gelten und mit der Natur und Eigenschaften der Kreaturen Übereinkommen, aber allhier wird gehandelt von der göttlichen Gegenwart, deren Grund und Ursach nicht be­steht in einiger menschlichen Eigenschaft, Kraft oder Vermögen, sondern allein in der un­end­lichen Person des Sohnes Gottes, darin die menschliche Natur angenommen ist und per­sönlich besteht und viel tiefer und fester mit ihr verbunden ist, als in einem Menschen Leib und Seele vereinigt und ver­knüpft sind. Wie es nun nicht sein kann, daß eines lebenden Men­schen Seele außer dem Leibe sei, also soll oder kann man viel weniger zugeben, daß der Sohn Gottes außer seiner menschlichen Natur sei, mit der er eine unzertrennliche Person ist, Gott und Mensch. Deshalb ist Christus, unser Herr und König, in seinen beiden Naturen wahr­haft gegenwärtig in seinem ganzen Reich, dem der Kraft, der Gnade und der Herrlich­keit, und herrscht er also gegenwärtig über alles und regiert alles im Himmel und auf Erden (Eph.1,20-23; 4,10; Offb.5,12-14).

Das elfte Kapitel.
Von dem Verdienst Christi.

103. Christi Wohltaten, die er erworben, gehen sie auf alle Menschen oder allein auf Etliche?

Gott der Vater hat seinen Sohn der ganzen Welt geschenkt (Joh.3,16), also ist auch Christus für der ganzen Welt Sünde gestorben (Joh.1,29; 2.Kor.5,15) und läßt dasselbe durch das Evangelium in der ganzen Welt predigen (Matth.28; Mk.16); und sofern gehen Christi erwor­bene Wohl­taten auf alle Menschen, daß sie ihnen im Evangelium angeboten und vor­getragen werden. Dieweil aber viele Leute das Evangelium nicht hören, nicht glauben und Christo nicht gehorchen wollen, so berauben sie sich selbst durch solche Undankbarkeit und Unglauben der heilsamen Nießung der Wohltaten Christi (Apg.13,46). Und daher kommt es, daß nur Etliche, nämlich die Rechtgläubigen, werden selig, die Ungläubigen aber werden verdammt (Mk.16,16).

Es sagen aber Etliche, Christus sei nur für die Auserwählten gestorben und gehe die Anderen nichts an? Des heiligen Geistes Sprüche sind ganz sonnenklar, darin Christus genannt wird das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt (Joh.1,29) und die Versöhnung, nicht allein für unsere (der gläubigen Christen), sondern auch für der ganzen Welt Sünde (1. Joh.2,12f.). Christus ist für die Sünder gestorben (Röm.5,6.8), auch für die, welche verderben (1.Kor.8,11). Er hat die erkauft, welche ihn verleugnen (2.Petr.2,1), dergleichen viele andere Sprüche in der Schrift zu finden. Und, um von allem andern jetzt zu schweigen, dieweil nach Christi Befehl das Evangelium von Christo durch die ganze Welt allen Menschen soll verkün­digt werden (Matth.28,19; Mk.16,15; Apg.17,30f.), so muß Christus der gemeinsame Heiland aller Menschen sein (1.Tim.1,15; 2,4; 4,10). Wie denn eben darin die unmittelbare Ursache der Verdammnis besteht, daß, die da nicht glauben an Christum, verloren werden (Joh.3,18.36). Welches alles gar ungereimt sein wollte, wenn Christus nur allein für etliche und nicht für alle Menschen gestorben wäre und doch allen Menschen sollte gepredigt wer­den, daß sie an ihn als ihren Seligmacher sollten glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen; denn es kann nicht geleugnet werden, daß viele Menschen getauft werden, die doch nicht auserwählt sind, dieweil sie die in der Taufe emp­fangene Wohltat durch folgende Sünde und Unglauben wegwerfen und sich deren unwürdig machen.

105. Wird Christus das Richteramt auch über alle Menschen führen?

Christus ist verordnet zu einem allgemeinen Richter über alle Menschen, so von Anfang der Welt gelebt und noch bis ans Ende leben werden (Apg.17,31). Und wird die Regel seines Ge­richts sein: Wer an ihn geglaubt und seinen Glauben mit guten Werken erwiesen hat, der soll das ewige Leben ererben. Wer aber ungläubig gewesen und keine Werke der Liebe an den Nächsten geübt hat, der soll ewig verdammt sein (Joh.3,16.18; Matth.25,34.41). Gleichwie er nun in seiner anderen herrlichen Zukunft er­scheinen wird als ein Richter aller Menschen, also ist er auch in seiner ersten Zukunft im Fleisch erschienen als der Heiland aller Menschen. Da­her alle Menschen verpflichtet sind, Christum zu hören und an ihn als ihren Hei­land zu glau­ben, auf daß sie selig werden (Matth.11,28; 20,1ff.; 22,9f.; 28,19).

106. Worin besteht vornehmlich das Amt unseres Heilandes?

Er offenbart und lehrt uns den Willen Gottes (Joh.1,18; Matth. Kap.5-7; Apg.3,22) und be­zahlt für unsere Sünde (Joh.1,29) und ver­tritt uns bei seinem Vater (Röm.8,34; 1.Joh.2,1), gibt uns sein Wort und die heiligen Sakramente und regiert uns durch den Heiligen Geist, zündet in uns an den Glauben, dadurch wir ihm einverleibt und Kinder Gottes und Erben des ewigen Lebens werden (Eph.1,3ff.), erneuert uns auch in der Gottseligkeit und schafft in uns gute Werke zum Lobe seines heiligen Namens, daß wir dem Evangelium würdig wandeln (Kol.1,4.10ff.), und Christo gleichförmig werden in Kreuz und Trübsal dieses Lebens und her­nach in himmlischer Ehre und Herrlichkeit (Röm.8,29).

107. Wie hat Christus für unsere Sünde genug getan und be­zahlt?

Durch seinen allerheiligsten Gehorsam und den schmählichen Tod am Stamm des Kreuzes (Röm.3,24f.; Phil.2,7f.; Kol.1,14; Hebr.9,26-28; 10,12.14). Welcher ganze Gehorsam im Leben und Sterben einen unend­lichen Verdienst auf sich trägt, dieweil ihn der ewige Sohn Gottes selbst in seiner angenommenen und persönlich ihm vereinigten Menschheit ge­leistet hat, denn gleichwie die Sünde ewige Strafe verdient, dieweil sie wider die unendliche Ge­rech­tigkeit Gottes begangen ist, also erlöst Christi Gehorsam und Sterben vom ewigen Tode und bringt die ewige Seligkeit, dieweil der Herr der Herrlichkeit und der Herzog des Lebens selbst für uns gestorben ist (Apg.3,15; 1.Kor.2,8).

108. Ist’s denn daran genug, daß er einmal für uns gestorben ist und darf[6] nicht mehr für uns aufgeopfert werden?

Die Schrift sagt ausdrücklich, das habe er getan einmal, da er sich selbst aufgeopfert (Hebr.7,27). Er ist durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewi­ge Erlösung erfunden (Kap.9,12). Nicht, daß er sich oftmals opfere, gleichwie der Hoheprie­ster geht alle Jahr in das Heilige mit fremdem Blut, sonst hätte er oft müssen leiden von An­fang der Welt her. Nun aber am Ende der Welt ist er einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben. Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht, also ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünde; zum andern­mal aber wird er ohne Sünde erscheinen denen, die auf ihn warten, zur Seligkeit (Hebr.9,25ff.). Er hat ein Opfer für die Sünde geopfert, das ewiglich gilt (Hebr.10,12); Mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden (v.14); Wo der Sünden Verge­bung ist, da ist nicht mehr Opfer für die Sünde (v.18).

109. Wird doch das Abendmahl des Herrn genannt ein Opfer des Leibes und Blutes Christi.

Das wird von den lieben Alten also genannt, weil der aufgeopferte Leib und das vergossene Blut des Herrn Christi mit dem geheiligten Brot und Wein in einem großen Geheimnis uns zu essen und zu trinken gegeben, und hierdurch wir erinnert werden des einigen Opfers am Stamm des Kreuzes, welches wir auch verkündigen bis ans Ende der Welt nach der Lehre und Befehl St. Pauli(1.Kor.11,25f.). Und bleibt’s beständig dabei, daß Christus durch sein einiges Opfer die vollkommene und ewige Erlösung erfunden habe und jetzt, sitzend zur Rechten Gottes als der Herr Himmels und der Erden, nicht mehr aufgeopfert werden könne. Seines Opfers aber sollen wir allzeit im Glauben gedenken und uns daraus stärken und trösten.

110. Weil Christus durch sein Opfer unser Heiland ist, so wird er’s allein und sonst niemand mehr sein?

Allein Christus ist für uns gestorben und ist also auch allein unser Mittler, Heiland und Selig­macher, und ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sol­len selig werden, sintemal in keinem anderen Heil ist (Apg.4,12; 10,43).

Das zwölfte Kapitel.
Von der Berufung durch das Evangelium.

111. Wie lernen wir aber Christum recht erkennen, daß wir an ihn glauben und selig werden?

Da kommen wir nun zu dem dritten Artikel des Apostolischen Glau­bens, von der Heiligung; da wir gelehrt werden, daß der Heilige Geist durch die Predigt des Hl. Evangeliums die Men­schen berufe durch die ganze Welt, welche Berufung bald angefangen im Paradies nach dem Fall, da die erste Verheißung vom HErrn Messias gegeben und hernach je mehr und mehr durch die Erzväter und Propheten ist erklärt worden.

112. Ist aber nicht ein Unterschied unter der Berufung im Alten und Neuen Testament?

Zwar die allererste Berufung im Paradies ist geschehen an das ganze menschliche Geschlecht in Adam und Eva (Gen.3), wie auch nach der Sint­flut in Noah und seinen Kindern (Gen.8 und 9). Aber nach der Zeit hat Gott den Abraham aus Chaldäa berufen (Gen.12; Jos.24,2f.) und mit ihm und seinem Samen einen Bund gemacht (Gen.17) und ihm unter dem jüdischen Volk eine Kirche gesammelt und erhalten (Ps.147), dazu aber auch anderen Völkem, die da wollten, der Zugang unversperrt geblieben, wie denn etliche namhafte Exempel derselben in der Schrift gefunden werden, als Naeman, Nebukadnezar, Evilmerodach, Cyrus, Darius, Ahas­verus usw. Im Neuen Testament aber ist die Berufung auf Christi Befehl ergangen durch die ganze Welt (Matth.28; Mk.16). Und wird daher die Kirche katholisch, das ist allgemein, ge­nannt, weil sie nicht an einen gewissen Ort oder Volk, wie die Kirche im Alten Testament allein unter dem jüdischen Volk im jüdischen Lande, angebunden, sondern durch die ganze Welt hin­durch unter alle Völker ausgebreitet worden ist durch die Apostel, daher sie auch apostolisch genannt wird, und wird nochmals[7] durch der Apostel Schriften, wo sie gepredigt werden, erhalten und fortgepflanzt bis an der Welt Ende (Matth.28,19f.).

113. Sind denn das auch apostolische Kirchen, die auf heutige Zeit in fernen Landen gepflanzt werden?

Eine jede auf den Grund der Propheten und Apostel erbaute Kirche ist apostolisch (Eph.2,19-21). Wo nun die apostolische Lehre getrieben und daraus Christus erkannt und nach derselben ihm gedient wird, da ist wahr­haftig eine apostolische Kirche, wiewohl es geschehen kann und oft geschieht, daß neben der reinen apostolischen Lehre auch Menschensatzungen ein­gefloch­ten werden. Da man fleißig muß unterscheiden lernen unter dem, was Gottes ist, und allen an­dern Menschenfündlein (Jer.15,19). Denn Gottes Wort soll und muß diesen Ehrentitel allein haben, daß es sei das Mittel der Bekehrung zu Gott. Wenn nun in den neuerfundenen Ländern das Evangelium von Christo gepredigt wird, so wird dadurch eine christ­liche Kirche gesam­melt, unangesehen sonst viel Menschentand mit unter­gestreut wird, dadurch zwar Gottes Wort verunreinigt und besudelt, aber doch nicht ganz vernichtet wird, gleichwie eine Perle mit Kot beschmiert, hört nicht auf, eine Perle zu sein, sondern ihre Schöne und Glanz wird verborgen, welche man alsdann recht erkennen kann, wenn man den Un­flat abwäscht und sie dadurch zu ihrem natürlichen Glanz wieder gebracht wird.

114. Wie kann eine Kirche apostolisch heißen, wenn sie nicht von einer anderen apostolischen Kirche als ihrer Mutter erwachsen ist?

Eine apostolische Kirche ist und heißt jede, die entweder von den Aposteln selbst durch die Predigt des Evangeliums ist gepflanzt, deren nach Christi Himmelfahrt sehr viele in der Welt erbaut worden sind, oder aber die sonst andere evangelische Diener durch eben dieselbe Lehre der Apostel pflanzen und sammeln, daß demnach die apostolische Lehre mit ihren an­hängen­den Sakramenten, Taufe und Abendmahl, die eigentliche Ursache ist, deretwegen eine Kirche apostolisch ist und genannt wird. Und wo die­selbe apostolische Lehre und Sakramente nicht sind, da kann auch keine apostolische Kirche sein (Gal.1,8f.; 2.Joh.10f.).

115. Wer beruft aber und sendet die Diener aus zu predigen?

Das tut Gott selber. Darum sind und heißen sie auch Diener Gottes und Knechte Christi. Aber er braucht hierzu ordentliche Mittel, nämlich diejenigen, die der Kirche vorstehen und darauf sehen, daß sie erbaut, er­halten und fortgepflanzt werde (1.Tim.5,17).

116. Wer sind dieselben?

Zwar die Kirche Christi als seine geliebte Braut bestellt selbst die Diener des Evangeliums; damit aber alles fein ordentlich zugehe, werden etliche Älteste verordnet, die neben den Pre­digern im Namen der Kirche solches verrichten, damit bequeme[8] Personen, die mit not­wen­digen Gaben geziert und ein gutes Zeugnis haben, ernannt, erwählt, examiniert und ordi­niert werden zum Predigtamt, wie deren Exempel in der Apostelgeschichte und Briefen viel gefun­den werden (Apg.1,23; 6,5; 13,2f.; 1.Tim.3,1; 2.Tim.2,24; Tit.1,5-7).

117. Könnte dasselbe Amt nicht einem allein als dem obersten Bischof anbefohlen werden?

Unter den Aposteln ist keiner gewesen, der sich einer solchen Gewalt angemaßt hätte, wie es auch an sich selbst nicht möglich ist, daß ein einziger Mensch alle Kirchen auf dem ganzen Erdboden mit Lehrern bestellen könne; deswegen es billig dabei gelassen wird, wie es zu der Apostel Zeit und in den ersten christlichen Kirchen in steter Übung nach der Apostel vorge­schrie­benen Regeln gehalten worden ist.

118. Wenn nun das Evangelium durch die Diener gepredigt wird, was schafft es bei den Menschen für Nutzen?

Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben (Röm.1,16), und der Heilige Geist selbst ist es, der durch das ge­predigte und angehörte Wort kräftiglich in den Herzen der Menschen wirkt (1.Kor.2,10; 12,3), daß sie Christum erkennen als ihren Hei­land und mit kindlicher Zuversicht sich zu ihm wenden, auf ihn fest trauen und ihre Seligkeit in ihm allein suchen und finden (Eph. Kap.1; 2.Kor.3,3; 2. Tim.1,10).

119. Predigt denn das Evangelium allein von Christo?

Gleichwie das Gesetz lehrt, was man tun und lassen solle, also lehrt das Evangelium den seligmachenden Glauben an Christum.

120. Man findet aber gleichwohl in den evangelischen Schriften viele Gebote von guten Werken. Gehören dieselben nicht auch zum Evangelium?

Es ist schon zuvor erinnert, daß die Lehre des Gesetzes und des Evan­geliums in dem Ge­brauch und Übung beieinander stehen, aber doch muß der Unterschied zwischen ihnen mit Fleiß angemerkt werden. Denn was von uns die Liebe gegen Gott und den Nächsten und andere Werke, die Gott zu tun befohlen, erfordert, das gehört zum Gesetz, es werde in dem Alten oder Neuen Testament gefunden, da liegt nichts an. Hinwiederum, was den Glauben an Christum beschreibt und rühmt, das ist Evangelisch[9], es werde in der Propheten oder der Evangelisten und Apostel Büchern be­funden.

Das dreizehnte Kapitel.
Von dem Glauben.

121. Was verstehst du unter dem wahren, seligmachenden Glauben?

Das muß man fleißig anmerken, damit man nicht betrogen werde, denn viele rühmen sich des Glaubens, die nicht wissen, was Glaube ist. Mancher bildet sich dieses und jenes ein und hat davon seine Gedanken, aber das ist kein rechter Glaube.

122. Zeige mir den Grund des Glaubens.

Der Glaube ist eine Gabe Gottes und gründet sich einzig und allein auf Gottes Wort und Ver­heißung (Apg.20,27.32; Röm.1,16f.). Wer nun dasselbe Wort Gottes nicht hat und weiß –, er sage, was er wolle, so kann er den rechten Glauben nicht haben. Darum ist zu allererst nötig eine Erkenntnis und Wissenschaft des Willens Gottes aus seinem Wort (Eph.1,9; Kol.2,2). Danach, daß man demselben Beifall[10] gibt und glaubt, daß alles wahr ist, was in Gottes Wort steht (Apg.24,14). Darauf erfolgt eine kindliche Zuversicht und Vertrauen auf Gott, die sich gründet auf seine Barmherzigkeit und das Verdienst Christi und die gnädige Ver­heißung, darin uns Christus als unser einiger Heiland und Seligmacher vorgestellt, angeboten und ge­schenkt wird (1.Tim.1,15; 2.Tim.1,9-12; Kol.2,6f.).

123. Wie können aber einfältige Leute glauben, die die Bibel nicht haben und darin Gottes Wort lesen können?

Die vornehmsten Hauptstücke der ganzen christlichen Lehre sind fein kurz zusammengefaßt in dem Kinder-Katechismus von den zehn Geboten, dem Apostolischen Glauben, dem Gebet des Herrn, der Taufe und des Herrn Abendmahl. Wer diese Stücke recht gelernt hat und sie in Gottesfurcht mit Anrufung des Heiligen Geistes fleißig erwägt und betrachtet, der findet den Willen Gottes von seiner Seligkeit so klar und vollkommen darin, daß er über keinen Mangel zu klagen hat.

124. Welches ist das rechte Hauptstück im seligmachenden Glauben?

Die historische Wissenschaft der Dinge[11], die in der Bibel beschrieben sind, kann auch einer haben, der nicht wiedergeboren ist, ja der Teufel selbst weiß und glaubt, daß Jesus Christus Gottes Sohn ist und erzittert davor (Jak.2,19). Aber das ist das rechte Hauptstück im selig­machenden Glauben, daß ich gewiß weiß und festiglich glaube, daß Christus sei nicht nur ins­gemein ein Heiland der Welt, sondern sei auch mein Heiland, habe für meine Sünde bezahlt und mir das ewige Leben erworben, wie St. Paulus mit seinem Exempel hierin uns vorleuchtet (Gal.2,20), da er spricht: Ich lebe in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben.

125. Wie kann ich aber dessen aus Gottes Wort gewiß sein, daß ich selig werde, alldieweil mein Name in der Bibel nicht steht?

Gleichwie die Gesetzespredigten diejenigen gewiß binden, die sie treffen, als wenn St. Paulus schreibt: Wer die Werke des Fleisches tut, als da sind Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Un­zucht, Abgötterei, Zauberei usw., der werde das Reich Gottes nicht erben (Gal.5,19– 21). Da ein jeder Schuldiger bei sich selbst die Applikation[12] leicht machen kann, als exempelsweise: David war ein Ehebrecher und Totschläger, daraus kam der Schluß gewiß, er könne das Reich Gottes nicht erben, es sei denn, daß er durch herzliche wahre Buße und Glauben sich zu Gott wieder bekehre. Also kann und soll ein jeder rechtschaffene Christ die Verheißung des Evan­geliums sich auch zueignen und sich darauf steuern[13], nämlich: Christus ist für alle Menschen gestorben, darum ist er auch für mich gestorben und ist also mein Heiland und Erlöser. Wie Hiob sagt (Kap.19,25): Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.

126. Wer sagt aber einem Menschen, ob er recht glaube oder nicht?

Der Glaube ist nicht ein menschlicher Wahn oder Gutdünken (2.Thess.3,2), dabei sich leicht­lich Irrung und Falschheit finden mag, sondern der rechte Glaube ist ein Geschenk Gottes (Eph.1,19; Phil.1,29), der niemanden betrügt und gründet sich auf Gottes Wort, das nicht lügen kann, und wenn dasselbe ins Herz wurzelt, da gibt der Geist Gottes Zeugnis unserem Geist, daß wir Gottes Kinder seien (Röm.8,16f.; 2.Kor.13,5; Eph.1,13f.).

127. Sage mir dies deutlicher.

Ich glaube, daß Gott die Welt geliebt und seinen eingeborenen Sohn gegeben habe, daß er sei das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trage (Joh.3,16; 1,29). Dieweil ich nun auch ein Stück der Welt bin, so glaube ich gewiß und ungezweifelt, daß Gott mich auch geliebt und mir sei­nen Sohn geschenkt hat, und daß derselbe meine Sünde getragen und dafür bezahlt hat. Denn eben dasselbe läßt er mir ankündigen durch das Evan­gelium, und darauf bin ich getauft wor­den, und im heiligen Abendmahl spricht der Sohn Gottes durch den Mund des Dieners zu mir: Nimm hin und iß, das ist mein Leib, der für dich gegeben ist. Nimm hin und trink, das ist mein Blut des Neuen Testaments, das für deine Sünde vergossen ist. – Wer nun das glaubt, der bezeugt, daß Gott wahrhaft ist. Wer aber nicht glaubt, der macht Gott zum Lügner (Joh.3,33; 1.Joh.5,10), welches letztere ja große, schwere Sünde ist, davor mich Gott gnädig be­hüten wolle.

128. Hast du noch etwas weiter hiervon zu berichten?

Zur Befestigung unseres Glaubens dient auch kräftiglich, daß Gott, der die Wahrheit selbst ist (Joh.14,6), mit teurem Eidschwur sich erklärt, daß er nicht Lust habe am Tode des Sünders, sondern wolle, daß sich der Sünder bekehre und lebe (Hes.18,23; 33,11). Dieweil ich denn auch ein armer Sünder bin, so nehme ich meine Zuflucht zu Gottes Barmherzigkeit in Christo und bin gewiß, daß er mich nicht verstößt, wie Christus sagt (Joh.6,37): Wer zu mir kommt, den werde ich nicht Hinausstoßen.

129. Wenn man allein durch den Glauben gerecht und selig wird, so scheint es ein leicht und schlecht Ding, gerecht zu werden?

Also reden die, welche nicht wissen, was Glaube ist und was für starke Kämpfe er ausstehen muß, wie man an dem Erzvater Jakob sieht, da er mit dem Sohn Gottes kämpft (Gen.32,24– 27). Lies das 11. Kapitel an die Hebräer, so wird dir die Wahrheit in die Augen leuchten und wirst beten lernen (Mk.9,24): Ich glaube, lieber Herr, hilf meinem Unglauben. Denn wenn schwere Anfechtungen daher gehen, so lemt man recht, was Glaube ist, wie David sagt (Ps.31,23): „Ich sprach in meinem Jagen: ich bin von deinen Augen verstoßen.“ Davon rohe, sichere Menschen nichts wissen noch verstehen.

130. Warum gedenkst du nicht auch etwas von guten Werken, die durch die ganze Heilige Schrift hoch gerühmt werden?

Gute Werke haben ihr billiges Lob, und muß ein Christ ihrer nicht ver­gessen, denn sie sind von Gott befohlen, entspringen aus dem Glauben und sind dessen Früchte und Zeugnisse. Und wenn jemand sich des Glaubens wollte rühmen, an dem keine guten Werke verspürt werden, so muß man ihm das 2. Kapitel St. Jakobi vorlegen, darin der Ruhm des Glaubens ver­dammt wird, dabei sich keine guten Werke finden. Denn der rechte Glaube ist gewurzelt in Christo und darum empfängt er Saft und Kraft, daß er fröhlich daherwächst wie ein edler Baum, der herrliche Früchte bringt (Matth.7,17f.), und ist tätig durch die Liebe (Gal.5,6) und preist Gott und dient dem Nächsten, wo er kann, damit er seine Dankbarkeit gegen Christo bezeuge (Gal.5,22; Eph.5,9; Kol.1,10).

131. Ist’s nicht recht, wenn man lehrt, wir werden zugleich durch den Glauben und gute Werke gerecht und selig?

St. Paulus redet gar klar und gründlich davon, daß der Mensch gerecht werde ohne des Geset­zes Werke, nur durch den Glauben (Röm.3,28; Gal.2,16), setzt dessen Ursache, dieweil die Werke gehören in das Gesetz, der Glaube aber zum Evangelium, darin uns Christus vorge­stellt wird, der einige Heiland und Seligmacher. Daher er endlich schließt: Wer durch Werke gedenkt selig zu werden, dem nütze Christus nichts (Gal.3,11-13.22; 5,2-4).

132. Was ist’s dann vonnöten, gute Werke tun, wenn sie uns nichts nützen?

Es ist eine feine Klugheit, von unterschiedenen Sachen unterschiedlich reden. Die guten Wer­ke können nichts tun zu unserer Gerechtmachung (Röm.3,28; Gal.2,16), die allein von Christo herrührt(Apg.4,12; 1.Kor.1,30) und durch den Glauben geschieht (Röm.4,5). Aber sie sind nützlich und gut, unseren Glauben und Gehorsam und Dankbarkeit zu bezeugen und dem Nächsten zu dienen in allerlei Stücken der christlichen Liebe (Kol.1,10). Darum muß man nicht sagen, die guten Werke nützen nichts, ob wir schon nicht durch dieselben die Seligkeit verdienen. Denn Christus hat uns den Himmel verdient, dem allein haben wir’s zu danken. Wenn wir aber rechte Christen sein wollen, so müssen wir nicht allein an Christum glauben, sondern auch Christo würdig und dem Evangelium gemäß leben. Summa: gute Werke rühmen ist der Heuchler Art, aber recht­schaffene Christen befleißigen sich, gute Werke zu tun und doch nicht der­selben, sondern des Herrn Christi sich zu rühmen und auf ihn allein zu trauen (1.Kor.1,31; 2.Kor.10,17f.; Eph.1,15; Phil.1,11.27; Kol.1,10). Und das ist die rechte Art und Eigenschaft des wahren Glaubens (Eph.2,10; Phil.1,10f.).

Das vierzehnte Kapitel.
Von dem freien Willen.

133. Kann auch ein Mensch aus eigenen Kräften an Christum glauben?

Der Glaube ist eine Gabe und Geschenk Gottes (Eph.1,19; Phil.1,29) und wird durch das Hören des Wortes Gottes vom Heiligen Geiste in den Herzen der Menschen angezündet (Röm.10,17; Eph.1,13). Der Mensch aber von und aus sich selbst kann weder Christum er­kennen noch an ihn glauben, sintemal sein Verstand ist durch die Sünde verfinstert und sein Herz von Gott abgewendet und all sein Dichten und Trachten nur böse von Jugend auf, ja er ist ganz tot in Sünden (1.Kor.2,14; 2.Kor.3,5; Gen.8,21; Eph.2,1.5; Kol.2,13).

134. Wie kann er gar tot sein, da er doch oft dem Heiligen Geist widerstrebt?

Zwar in der äußerlichen Jucht hat der Mensch sein Vermögen, daß er kann zur Kirche gehen oder, da er nicht will, draußen bleiben, kann fleißig zuhören oder etwas anderes treiben. Aber daß er sich selbst sollte erleuchten und zu Gott bekehren, ist so wenig möglich, als daß ein Verstorbener sich selbst vom Tode auferwecke. Denn die Bekehrung ist Gottes Werk. „Herr, bekehre du mich, so werde ich bekehrt“ (Jer.31,18).

135. Steht doch oft in der Schrift, daß sich der Mensch selbst zu Gott bekehren solle?

In denselben Sprüchen redet der Heilige Geist also, daß er die Menschen aufmuntere, auf daß, wenn sie Gott durch sein Wort beruft und bekehren will, sie derselben Ordnung nicht wider­streben, sondern die vorgezeigten Mittel brauchen sollen, dadurch Gott in ihnen kräftig sein will, damit sie bekehrt werden. Denn der Anfang (wie auch die Vollbringung) alles Guten rührt von Gott her (Jak.1,17; Phil.1,6).

136. Wenn nun Gott den Anfang gemacht hat, so muß danach der Wille des Menschen auch dazu kommen?

Gott, der aus lauter Gnade in uns das gute Werk anfängt, schafft auch in uns das Wollen und Vollbringen (Phil.1,6; 2,13), erleuchtet den Verstand und regiert unsere Herzen und schafft in uns einen neuen Willen, daß das steinerne Herz fleischern wird (Hes.36,26) und sich zu Gott wendet und bekehrt. Also kommt freilich unser Wille dazu, aber nicht aus eigener natürlicher Kraft, sondern durch Gottes Wirkung (Eph.1,19; 1.Kor.12,11).

137. Soll man dann nicht sagen, daß des Menschen Wille auch wirke in der Bekehrung?

Des Menschen Wille, der zuvor von Gott abgewendet war, wird durch Gottes Wirkung ge­lenkt und bekehrt, daß er sich zu Gott wende. Darum wirkt des Menschen Wille für sich in der Bekehrung nicht, sondern Gott wirkt in dem Verstand, daß er erleuchtet, und in dem Willen, daß er be­kehrt werde (Eph.3,9; Lk.2,32; Apg.26,18).

138. Wenn aber ein Mensch bekehrt ist, wie geht es dann zu?

Gleichwie der Verstand durch göttliche Erleuchtung das Gute erkennt, also auch das erneuerte Herz liebt das Gute, und wird der Mensch freudig, in den Geboten Gottes zu wandeln und gute Werke zu tun (Eph.4,22ff.; Röm.12,1; 1.Kor.9,17), welche sind und genannt werden Früchte des Geistes (Gal.5,22; Eph.5,9).

139. Warum heißen sie Früchte des Geistes?

Dieweil sie geschehen aus Anweisung, Trieb und Wirkung des Heiligen Geistes, der des Men­schen Herz also regt und bewegt, daß es Lust hat an dem Gesetz Gottes und sich übt in allerlei guten Werken zu Gottes Ehre und Dienst des Nächsten (1.Kor.12,3.7.11; Eph.1,13ff.; 5,1.20; Phil.1,11).

140. Gehört nicht auch zur Bekehrung des Menschen die Er­kenntnis der Sünden?

In alle Wege. Denn zu allererst muß man die Sünde erkennen aus dem Gesetz und darüber ernstliche Reue und Leid tragen und erschrecken vor dem Jom Gottes über die Sünde, die er zeitlich und ewiglich straft an allen Unbußfertigen. Danach kommt der Trost aus dem Evan­gelium durch den Glauben an Christum, den Sündenträger, in welchem allein wir Vergebung der Sünden suchen sollen und finden können (Matth.3,2; 4,17; Mk.1,15; Apg.20,21).

141. Wenn ein Mensch große Reue hätte und schmerzliche Buße täte, sollte er nicht dadurch von Sünden los werden?

Wenn ein Mensch leiblich verwundet würde und daher große Schmerzen empfände und sich gar übel verhielte, würde er doch dadurch nicht gesund werden, sondern muß einen guten, be­währten Arzt suchen, der ihn heile. Also, wenn Gott durch den Hammer s Gesetzes die Her­zen gleich als harte Felsen zerschlägt (Jer.23,29), daß die Menschen die geistlichen Wun­den ihrer Sünden fühlen und in große Schmerzen, Furcht und Jagen geraten (Jon.2,5-7), wird ih­nen hierdurch allein nicht geholfen, sondern müßten endlich wohl gar verzweifeln, wenn sie nicht in kindlicher Zuversicht zu dem rechten Seelenarzt Christo Jesu, der ein rechter Meister ist zu helfen, Zuflucht nehmen und durch seine Wunden geheilt würden(Ps.6,3f.; 31,23; 38 usw.; Jes.53,5).

142. Muß er aber nicht auch seine Sünde beichten und um Ab­solution bitten?

Alle Heiligen erkennen ihre Sünde vor Gott und bitten um derselben Verzeihung (Ps.32,6; Matth.6,12; Lk.11,4), und dieselbe Beichte vor Gott ist allzeit notwendig. Wo man nun auch einen Diener Gottes haben und demselben seine hochanliegende Sünde[14] beichten und Abso­lution erbitten kann, das ist nützlich und bringt großen Trost und Erquickung armen, be­trüb­ten, reuenden Herzen. Denn Christus sagt: „Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen“ (Joh.20,23), und „was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein“ (Matth.18,18).

143. Wie kann ein Mensch von Sünden lossprechen, welches Gott allein zusteht?

Gott allein hat die Gewalt, Sünde zu verzeihen. Aber er braucht seine Diener im Predigtamt und er redet selbst durch ihren Mund, daß es in Wahrheit ist und heißt eine göttliche Absolu­tion, die Gott selbst durch seinen Diener verrichtet. Wer euch hört, spricht Christus, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich (Lk.10,16, siehe auch 2.Kor.5,20 und 1.Thess.4,8).

144. Muß nicht auch ein reuender Sünder für seine Sünde genug tun?

Dieweil die Sünden begangen werden wider die unendliche Gerechtig­keit Gottes, kann keine bloße Kreatur auch nur für eine einzige Sünde genug tun. Christus aber, das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt, hat für alle unsere und der ganzen Welt Sünde genug getan, und fordert Gott keine doppelte Bezahlung von uns. Das ist aber billig, auch not­wendig: wer Ver­gebung seiner Sünden durch den Glauben an Christum erlangt hat, daß er sich Hinfort vor Sünden hüte und Christum nicht mehr erzürne und seinen Nächsten beleidige oder ärgere, da­mit er nicht durch Überhäufung der Sünden die Strafe vermehre (Joh.5,14). Denn wer nach erlangter Absolution von neuem in Sünden sich umwälzt, der lädt ein schwereres Urteil auf sich (2.Petr.2,20-22).

145. Kann auch ein Mensch nach seiner Bekehrung ganz ohne Sünde leben?

Alle Heiligen Gottes auf Erden beten täglich um Vergebung der Sünden (Ps.32,6; Matth.6,12). Und wer da sagt, er habe keine Sünde, der verführt sich selbst und die Wahrheit ist nicht in ihm (1.Joh.1,8). Wäre deswegen eine große Vermessenheit, wo sich jemand eine solche Voll­kommenheit wollte anmaßen, daß er ganz ohne Sünde leben könnte. Sintemal das Gesetz ist geistlich, ich aber bin fleischlich, spricht St. Paulus von sich selbst als einem Wie­dergebomen (Röm.7,14). Das Fleisch gelüstet wider den Geist (Gal.5,17) und: das Gute, das ich will, das tue ich nicht, spricht St. Paulus (Röm.7,19), sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

146. Werden doch in der Schrift Etliche vollkommen genannt? (1.Kor.2,6; Hebr.5,14).

Die rechte Vollkommenheit gehört in das ewige himmlische Leben. Jetzt aber erkennen wir’s nur stückweise (1. Kor.13,12) und werden von Tag zu Tag erneuert (2.Kor.4,16), und ist ja der Tod ein öffentlicher Zeuge unserer Unvollkommenheit in diesem Leben. Aber in den an­gezeich­neten Sprüchen wird gehandelt von der Vollkommenheit der Lehre durch eine Ver­gleichung, und werden die vollkommen genannt, die in der christ­lichen Lehre gründlich unterrichtet und nicht mehr Kinder oder angehende Lehrjungen und Schüler sind, sondern die da haben geübte Sinne und können Gutes und Böses unterscheiden, wie diese Erklärung aus­drücklich steht Hebr.5,14.

147. Steht aber doch geschrieben (1.Joh.3,9), daß die Wieder­geborenen nicht sündigen?

Das sind sehr wichtige Worte des heiligen Apostels: Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt bei ihm, denn er ist von Gott geboren. Da vergleicht St. Johan­nes miteinander die Kinder Gottes und die Teufelskinder. Diese können nichts als sündigen und Böses tun, jene aber lassen und meiden die Sünde als den Teufel selbst und betrachten stets Gottes Wort, daraus sie als einem unsterblichen Samen geboren sind, und dieweil sie das vor Augen haben und ihr Leben danach richten, so können sie dergestalt nicht sündigen. Denn der sündigt nicht, der der Regel des Göttlichen Gesetzes und der Regierung des Heiligen Gei­stes folgt. Daraus aber folgt gar nicht, wenn man Gottes Wort und das herzliche Gebet aus der Acht und Gebrauch und den fleischlichen Lüsten den Zaum läßt, wie David tat mit der Bath­seba (2.Sam.11), daß man alsdann nicht sündige, denn das streitet ja wider Gottes Gesetz. Ist des­wegen St. Johannis Sinn und Meinung, daß rechtschaffene Christen seien der Sünde feind und hüten sich davor fleißig, so viel ihnen immer möglich ist, und rufen Gott immerdar an, daß er mit ihrer Schwachheit Geduld tragen und mit seiner gnädigen Hilfe ihnen beiwohnen, sie vor Sünden behüten und, wenn sie aus Schwachheit fallen, gnädig wieder aufhelfen wolle (Ps.37,27f.; 41,5).

148. Wie kann ein Mensch seiner Seligkeit gewiß sein bei solcher menschlichen Schwach­heit?

Es hat der barmherzige Gott neben der Predigt des Wortes auch seine heiligen Sakramente eingesetzt, dadurch unsern Glauben zu stärken, zu vermehren, aufzurichten und uns in der Gottseligkeit zu erhalten. Denn alle Gewißheit der Seligkeit nicht auf uns selbst, sondern in Gottes Gnade und Verheißung in Christo gegründet ist (2.Tim.2,19).

Das fünfzehnte Kapitel.
Von den heiligen Sakramenten.

149. Was sind Sakramente?

Es sind heilige, von Gott sonderlich angeordnete Handlungen, darin Gott selbst durch seinen Diener uns namhafte[15] Dinge vermöge der Stiftung darstellt, seine Verheißung dadurch zu versiegeln und unsern Glauben zu stärken.

150. Wieviel sind ihrer?

Im Alten Testament waren die Beschneidung (Gen.17), und das Pascha oder Schlachtung des Osterlamms (Ex.12). In dem Neuen sind die Taufe und das Abendmahl des Herrn. Wir wollen jetzt bei dem Neuen Testament bleiben.

Das sechzehnte Kapitel.
Von der heiligen Taufe.

151. Was ist die Taufe?

Die Taufe ist eine Besprengung eines lebendigen Menschen mit Wasser in dem Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, daß er hierdurch wiedergeboren und er­neuert werde.

152. Wer hat die Taufe eingesetzt?

Gott selbst hat Johannes den Täufer gesandt zu taufen (Joh.1,31), und haben darnach des Herrn Christi Jünger auch getauft im jüdischen Lande (Joh.3,22; 4,2). Aber als Christus wollte gen Himmel fahren, sandte er seine Jünger in die ganze Welt, das Evangelium zu lehren und die Menschen zu taufen (Matth.28,19; Mk.16,15f.).

153. Was hat die Taufe für Kraft und Wirkung?

Die Taufe ist ein Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes (Tit.3,5; Joh.3,5), darin wir durch Christi Blut abgewaschen von Sünden (1.Joh.1,7; Apg.22,16), ihm eingeleibt (Röm.6,4; Gal.3,26f.) und selig werden (1.Petr.3,21).

154. Gott kann allein Sünde vergeben und selig machen, wie kann es dann dem Taufwasser zugeeignet werden?

Gott allein hat die Gewalt, die Sünde zu vergeben, und Christus allein hat uns die Vergebung der Sünden verdient und erworben. Aber es hat der göttlichen Weisheit Wohlgefallen, durch dies heilige Sakrament als ein Mittel uns von Sünden zu reinigen und uns die Gerechtigkeit und das ewige Leben zu schenken und zu versiegeln.

155. Werden alle Getauften gerecht und selig?

Christus spricht Mk.16,16: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Denn der Glaube ist gleichsam die geistliche Hand, damit die in der Taufe uns von Gott vorgestellten und geschenkten Güter ergriffen und behal­ten werden. Wer nun durch den Glauben dieselben hat und bis ans Ende bewahrt, der wird selig. Wer sie aber durch Unglauben von sich stößt, oder aber durch folgende beharrliche Un­bußfertigkeit und Undankbarkeit sich derselben ver­lustig macht, der wird verdammt.

156. Wie können aber die jungen Kinder glauben, dieweil sie das Wort nicht hören noch verstehen? Denn der Glaube kommt aus dem Hören (Röm.10,17).

Von Geburt an sind alle Menschen Fleisch, vom Fleisch geboren (Joh.3,6), und Kinder des Zorns (Eph.2,3) und also ohne Glauben und Zuversicht zu Gott. Wenn aber die Kinder zur heiligen Taufe gebracht und nach Christi Ordnung getauft werden, da hat der Heilige Geist in ihnen seine göttliche Wirkung, daß er sie innerlich erleuchtet und den Glauben an Christum in ihnen anzündet; welches um so viel gewisser ist, weil sich noch keine fleischlichen Lüste in ihnen regen und dem Heiligen Geist in seiner Wirkung nicht widerstehen, wie sich’s bei den Erwachsenen zu finden pflegt, da das Fleisch wider den Geist streitet (Gal.5,17) und die Un­bußfertigen dem Heiligen Geist widerstreben (Apg.7,51).

157. Wenn die Kinder in der Taufe wiedergeboren werden, woher kommt denn ihre Bosheit, wenn sie erwachsen?

Gottes Gnade und Gaben muß man nicht nur empfangen, sondern auch in reinem Herzen be­wahren und erhalten (Luk.8,15; Phil.1,6; 1.Tim.4,14; Offb.3,3). Darum ist’s notwendig, daß die Kinder in der Gottseligkeit auferzogen und fleißig unterrichtet werden, damit sie in dem Gnadenbund mit Gott beständig verharren; denn wo das versäumt wird, so läßt die allzusehr verderbte Natur sich leichtlich verführen zum Bösen (Röm.7,14; 6,12f.). Beherzige wohl die Predigt des Herrn Christi Lk.11,24ff.

158. Wird denn die Sünde nicht ganz und mit der Wurzel aus­gerottet in der Taufe?

Gott wäscht uns in der Taufe rein von allen unseren Sünden (1.Joh.1,7; Apg.22,16) und nimmt uns aus Gnaden zu seinen lieben Kindern an (Gal.3,26f.), aber die angeborene Ver­derbnis der Natur bleibt uns ankleben (Röm.7,14.17f.21), daß wir immerdar müssen dawider kämpfen (Gal.5,17). Daher auch alle Schwachheiten und endlich der Tod selbst kommen (Röm.6,23), davor die jungen Kinder auch nicht gesichert sind, und lebt kein Christ auf Er­den, der nicht die böse Lust in sich empfinde, der er durch den Geist widerstehen muß, daß sie nicht über­hand gewinne. Denn wer nach den Lüsten des Fleisches lebt, der wird sterben (Röm.8,13; Gal.5,16).

159. Wie weit erstreckt sich die Nutzbarkeit der Taufe?

Durch das ganze Leben hindurch. Denn wir machen mit Gott in der Taufe einen Bund (1.Petr.3,21), welchen Gott auf seiner Seite unverbrüch­lich hält (Röm.11,29). Wenn nun wir an unserer Seite durch Sünde wider diesen Gnadenbund handeln, hernach aber die Sünde er­kennen, bereuen und uns zu Gott bekehren, so machen wir nicht einen neuen Bund mit ihm, sondern wir kommen wieder zu dem ersten Bund, davon wir durch die Sünde abgewichen waren. Sobald uns denn Gott unsere Sünde verzeiht, so steht der Bund unserer Taufe in seiner ersten Vollkommenheit, als ob wir niemals gesündigt hätten. Und das ist die Ursache, daß die Taufe nur einmal empfangen und nicht öfter wiederholt wird, wie zwischen Eheleuten, wenn sie uneinig geworden, nicht eine neue Heirat, sondern allein das vonnöten, daß sie miteinan­der sich versöhnen und ihren einmal getroffenen Ehebund beständig erhalten. Soll demnach und kann ein gläubiger Christ zu aller Zeit, in allen Nöten sich seiner Taufe trösten und sich fest darauf gründen, daß er ein Kind Gottes sei und zu Gott aller väterlichen Gnade, Schutz und Hilfe sich zu versehen habe, wie St. Paulus dahin anweist die Korinther (1.Kor.6,11) und die Galater (Gal.3,27), und St. Petrus (1.Petr.3,21) sagt von sich und anderen Gläubigen, die vorlängst getauft waren: die Taufe macht uns selig.

160. Dieweil in der Taufe die Namen den Getauften gegeben werden, wozu dient das?

Es kann und soll eine immerwährende Erinnerung sein der emp­fangenen Taufe, daß, so oft ich meinen Namen nennen höre, ich gedenke an den mit Gott in der Taufe gemachten Bund, daß ich ihm nicht zuwider handle und meinen himmlischen Vater nicht erzürne, oder da ich ihn mit Sünden beleidigt, mich sobald durch wahre Buße und Bekehrung zu ihm wende und herz­lich bitte, daß er mich nicht verstoßen, sondern zu Gnaden wiederum in den Taufbund auf- und annehmen und darin ewiglich erhalten wolle.

Das siebzehnte Kapitel.
Vom heiligen Abendmahl.

161. Was ist das Abendmahl des Herrn?

Es ist eine himmlische Mahlzeit, von Christo selbst kurz vor seinem Tode eingesetzt, darin er uns mit dem gesegneten Brot seinen Leib zu essen und aus dem gesegneten Kelch sein Blut zu trinken gibt, daß wir seinen Tod verkündigen und dadurch in unserem Glauben gestärkt wer­den sollen.

162. Wo steht das geschrieben?

Bei den drei heiligen Evangelisten (Matth.26; Mk.14; Lk.22) und dem Apostel St. Paulus (1.Kor.10 und 11). Die bezeugen einhelliglich, daß die Speise in dieser hochheiligen Mahlzeit sei Brot und der Leib Christi, der Trank sei Wein und das Blut Christi, und daß zuerst die Speise gegessen, hernach auch der Trank getrunken werden solle; welches alles geschieht in einem hohen Geheimnis, das menschliche Vernunft nicht be­greifen kann, sondern aus und nach den Worten der Stiftung mit ein­fältigem Glauben muß gefaßt werden.

163. Wie kann Christi Leib und Blut mit leiblichem Munde empfangen werden, nachdem Christus ist aufgefahren in den Himmel?

Das weiß der, der dies heilige Abendmahl hat eingesetzt, dessen Worten ein gottselig Herz gehorsam glaubt und weiß gewiß, daß er wahrhaftig und allmächtig ist, und was er will, das kann erschaffen (Ps.115,3), und ist ihm nichts unmöglich (Jer.32,17; Sach.8,6; Luk.1,37), und kann alles tun überschwenglich über alles, das wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die da in uns wirkt (Eph.3,20).

164. Vielleicht haben die Worte der Stiftung einen anderen Verstand, daß durch den Leib und das Blut des Leibes und Blutes Zeichen verstanden werden?

Also bilden sich zwar etliche Leute ein und wollen aus den Sakra­menten Gleichnisse machen und wissen es mit Worten herrlich herauszu­streichen, daß nämlich, wie mit dem leiblichen Munde das Brot und der Wein empfangen werde, also müsse man mit der gläubigen Seele den Leib und Blut Christi im Himmel anschauen und genießen. Aber wir lassen uns von Christi Worten nicht abtreiben, der spricht ausdrücklich: Effet, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut.

165. Dieweil aber dies eine geistliche Mahlzeit ist, so wird auch das Essen und Trinken geistlich sein müssen?

Zwar ist es nicht eine leibliche, zur Erhaltung des natürlichen Lebens gehörige, sondern eine geistliche, himmlische Mahlzeit, aber doch ist ein Unterschied unter dem geistlichen Essen und Trinken deS Glaubens, dabei kein Brot und Wein ist, davon Joh. Kap.6 gehandelt wird, und unter dem sakramentlichen Essen und Trinken im Abendmahl, darin mit dem Brot der Leib Christi gegessen und mit dem Wein das Blut Christi ge­trunken wird, da das Essen vor­geht und das Trinken hernach folgt, wo­gegen der Glaube in der geistlichen Nießung das Essen und Trinken nicht unterscheidet; und dasselbe ist allzeit heilsam und gehört allen Gläu­bigen zu im Alten und Neuen Testament, aber das sakramentliche Essen und Trinken ist aller­erst im Neuen Testament angeordnet und ist zwar auch heilsam, wenn der Glaube dazu kommt, aber die ohne Glauben essen und trinken, sind unwürdig und werden schuldig am Leib und Blut des Herrn und essen und trinken sich selbst das Gericht, wie St. Paulus lehrt (1.Kor.11,27.29).

166. Muß das Essen und Trinken allzeit beieinander sein im Abendmahl?

Der Herr Christus hat es beides in der ersten Stiftung gleicher Mei­nung zusammengeheftet: Esset, das ist mein Leib; trinket, das ist mein Blut. Und bei St. Matth.26,27 steht ausdrücklich: „Trinket alle daraus“, nämlich: alle, die ihr mit dem gesegneten Brot den Leib Christi geges­sen habt, sollt auch aus dem gesegneten Kelch sein Blut trinken. Und ebenso hat es St. Paulus in der Kirche zu Korinth angeordnet (1.Kor.10 und 11), und ist in der uralten katholischen Kirche auch so gehalten worden. Denn es sonst nur eine halbe Mahlzeit wäre, wenn man nur essen und nicht auch trinken sollte, zumal, dieweil Christus den Kelch das Neue Testament in seinem Blut nennt (Lk.22,20). Daraus kräftiger Trost kann und soll ge­schöpft werden; dessen die beraubt werden, die da nicht trinken.

167. Wozu dient solch Essen und Trinken?

Wenn wir essen und trinken, sollen wir mit gläubigem Herzen die Worte Christi fassen und erwägen: Esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; trinket, das ist mein Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das heißt recht den Tod Christi verkün­digen und dessen Verdienst durch wahren Glauben sich zueignen. Und das ist die rechte katholische Messe, wie die Alten reden, darin wir durch den Glauben das Opfer des Herrn Christi seliglich anschauen und aus seinen Wunden Ver­gebung der Sünden und das ewige Leben saugen (1.Kor.11,26).

168. Wie soll man sich zubereiten zum heiligen Abendmahl?

Der Mensch soll sich prüfen (1.Kor.11,28), das ist, seine Sünde aus dem göttlichen Gesetz erkennen und darüber ernste Reue und Leid tragen und sich wenden zu Christo und von ihm Vergebung der Sünden herzlich bitten und alsdann zu seines Glaubens Stärkung dies heilige Pfand emp­fangen, dessen Betrachtung ihn leiten wird zu Danksagung gegen Gott für em­pfan­gene Wohltat und Liebe gegen den Nächsten, gleichwie ihn Christus geliebt und sich selbst für ihn in den Tod gegeben hat, und erweisen allerlei gute Werke, damit er Christo und sei­nem Evangelium würdig lebe (Kol.1,10; 3,17; Phil.1,27).

169. Wie soll man das heilige Nachtmahl empfangen?

Mit großer Ehrerbietung, dieweil unser Herr und Erlöser Jesus Christus selbst da gegenwärtig ist und vermittels Brot und Wein uns speist und tränkt mit seinem wahren Leib und Blut. Dar­um ist’s recht und gott­selig, daß man ihn ehrt, nicht nur innerlich im Herzen, sondern auch äußer­lich mit demütigen Gebärden (Phil.2,10).

Das achtzehnte Kapitel.
Von der Gnadenwahl.

170. Ich begehre nun, Bericht von der ewigen Gnadenwahl der Kinder Gottes zum ewigen Leben zu hören.

Dies ist ein hoher Artikel, dabei große Vorsicht vonnöten, denn sich daran viele stoßen und dadurch Ärgernis anrichten, auch wohl das Evan­gelium selbst verleugnen, welches schreck­lich zu hören ist. Und deswegen soll ein Christ hiervon nicht seinen eigenen Gedanken nach­hängen, sondern auf das Evangelium sehen, darin der ewige Ratschluß Gottes uns geoffenbart ist, welcher ist die Richtschnur dieses hohen Geheimnisses.

171. Was ist das für ein Ratschluß?

St. Paulus ist sehr fleißig darin, daß er uns denselben erklärt an vielen Orten, insonderheit aber Eph.1 und 2.Tim.1.

172. Erzähle mir einen kurzen Inhalt desselben.

Gott hat von aller Ewigkeit her einen solchen Schluß gemacht, daß er, dem gefallenen und der Verdammnis unterworfenen menschlichen Ge­schlecht zugute, seinen Sohn wolle lassen Mensch werden, der für die Sünde der Welt bezahle, und dies soll durchs Evangelium den Menschen ange­kündigt werden; wer nun dasselbe hören und durch des Heiligen Geistes kräftige Wirkung an Christum beständig glauben wird, der soll selig werden, über die Ungläu­bigen aber solle der Zorn Gottes bleiben und sie verdammt sein ewiglich (Joh.3,16.18.36; 6,40).

173. Woher wird dieser Ratschluß erwiesen?

Aus dem Evangelium, darin er uns ist geoffenbart, wie St. Paulus zeugt (Röm.16,25; Eph.1,9f.; 2.Tim.1,9f.; Kol.1,26). Und Christus selbst sagt (Joh.6,40): „Das ist der (ewige be­ständige) Wille des, der mich gesandt hat, daß, wer den Sohn siehet und glaubt an ihn, habe das ewige Leben.“ Ist demnach der ewige Ratschluß Gottes eben der und kein anderer, den uns Christus im Evangelium geoffenbart hat.

174. Warum wird er dann genannt ein geheimer, verborgener Rat?

Zwar, daß viele hohe geheime Sachen darin vorkommen, zumal, wenn man von jedem Men­schen insonderheit handelt, soll nicht geleugnet werden. Aber insgemein zu reden, ist der Rat­schluß Gottes von unserer Seligkeit nicht mehr geheim, sondern uns im Evangelium vorge­stellt und geoffenbart, dabei man auch beständig beharren und davon nicht weichen soll.

175. Man findet aber dennoch nirgends mit Namen beschrieben, welche unter den Menschen zum Leben erwählt seien?

Dasselbe ist uns auch nicht eben not zu wissen, ob dieser, jener, und wie ein jeder heißen mag, selig werde oder nicht, sondern wir sollen Gottes ewigen und beständigen Willen und Ratschluß ansehen: Wer an Christum glaubt, soll selig werden. Da wird dann ein jeder selbst bei sich die Appli­kation machen, ob er zu dem Haufen der Gläubigen gehöre oder nicht.

176. Wie kann aber das geschehen?

Also: Ein jeder findet an sich selbst, daß er ein armer Sünder und deswegen unter Gottes Jom sei. Will er davon los werden, so muß er an Christum glauben, welches anders nicht gesche­hen kann als durch das Hören des Evangeliums (Röm.10,17). Wer nun das Evangelium nicht hört und ihm gehorcht, der darf sich keine Rechnung machen, daß er zum Leben aus­erwählt sei.

177. Sind denn die alle auserwählt, die das Evangelium hören?

Nein. Es ist nicht genug, daß man das Wort Gottes hört, sondern man muß auch glauben, denn der Ratschluß Gottes lautet also: Wer an Christum glaubt, soll selig werden (Mk.16,16). Siehe das Gleichnis Matth.13,3ff. (= Lk.8,5ff.).

178. Sind denn alle Gläubigen auserwählt?

Alle, die im Glauben beharren bis ans Ende, werden selig (Matth.10,22; 24,13).

179. Wer kann aber dessen versichert sein, daß er bis ans Ende beharren werde, dieweil wir Menschen schwach, die Welt böse und der Teufel arglistig ist?

Unser Glaube ist nicht gegründet auf uns selbst, sonst wäre es bald mit uns geschehen, son­dern durch Gottes Kraft und die Mittel, die er selbst uns hierzu verordnet, werden wir im Glauben bewahrt und erhalten, näm­lich durch stetige Betrachtung des Wortes Gottes, durch den heilsamen Gebrauch des heiligen Abendmahls, durch herzliches Gebet, durch Ver­mei­dung der Sünden und Anlaß derselben. Wo diese Mittel gebraucht werden, da kann weder der Teufel noch die Welt etwas an uns schaffen und kann uns nichts scheiden von der Liebe Got­tes, die da ist in Christo Jesu, unserm Herrn (Röm.8,39).

Hat denn nicht Gott von einem jeden Menschen insonder­heit beschlossen, ob er selig oder nicht selig werden solle? Gleichwie Gott in Adam alle Menschen erschaffen hat zu seinem Eben­bild, also ist durch Christi Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Men­schen kommen (Röm.5,18), und will also Gott, daß alle Menschen selig werden, jedoch nicht schlecht und bloß dahin, sondern mit diesem Be­scheid und in dieser Ordnung, daß sie auch zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (1.Tim.2,4). Dieweil nun Gott von Ewigkeit her alles weiß (Apg.15,18), sintemal ihm alles gegenwärtig, nichts aber vergangen oder zukünftig ist, so sieht und weiß er auch alle und jeden Menschen, ob sie glauben oder nicht glauben werden. Und das bringt mit sich die Art zu reden, wenn in der Schrift steht: „Die er zuvor ersehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes“ (Röm.8,29). Item, den Erwählten nach der Vorsehung Gottes des Vaters (1.Petr.1,1f.). Das ist, die Gott von Ewigkeit her weiß und sieht, daß sie be­ständig glauben, die erwählt er zum ewi­gen Leben (1.Tim.1,16).

181. Andere wenden die Ordnung um, sagen, die Erwählung zum ewigen Leben sei eine Ursache des Glaubens?

Bleibe du bei dem im Evangelium geoffenbarten Ratschluß und Willen Gottes, so wirst du nicht irren. Da steht klar (Röm.10,17): Der Glaube kommt aus dem Hören des Wortes Gottes. Wer nun das Wort nicht hört, der kann auch nicht glauben und darf doch Gott nicht anklagen, daß er ihm den Glauben nicht geben wolle, sintemal Gott läßt ihm eben darum und zu dem Ende das Wort predigen, daß er es hören und glauben solle. Des­wegen ist’s eine große Got­teslästerung, wenn man unserem Herrn Gott die Schuld zumessen will, daß so viele Menschen nicht glauben und deshalb verdammt werden.

182. Es ist und bleibt gleichwohl Gott allmächtig und darum schafft er alles nach seinem Willen, und hat’s ihm nie­mand vorzuschreiben?

Gottes Allmacht wird nicht geleugnet. Aber man fragt nach seinem Willen: Denselben hat er uns in seinem Wort geoffenbart, davon wir nicht weichen müssen.

183. Wie kann ich aber dessen gewiß versichert sein, daß es Gottes ernster Wille sei, daß ich soll selig werden?

Das lernst du aus seinen Verheißungen, die er mit einem teuren Eid bestätigt und durch die heiligen Sakramente befestigt und durch den Heiligen Geist in den gläubigen Herzen versie­gelt, daß er nämlich alle, die an Christum glauben, wolle selig machen (Hes.18,32; 33,11; Gal.3,26 f.; Eph.1,13f.; 1.Tim.1,15f.).

184. Wer sagt mir aber, ob ich unter derselben Zahl sei?

Dessen kannst du ohne Zweifel versichert sein, erstlich aus deiner Taufe, da dich Gott in sei­nen Gnadenbund ausgenommen hat (1.Petr.3,21), da­nach aus der Ladung des Evangeliums, dadurch du zu Christo berufen wirst (Matth.11,28), desgleichen durch den Gebrauch des heili­gen Abendmahls, darin du gespeist und getränkt wirst mit dem Leib und Blut Christi, der für dich in den Tod gegeben und sein Blut zu Vergebung deiner Sünden vergossen hat (Matth.26,26ff.). Wenn nun dies alles durch das innere Zeugnis des Heiligen Geistes in dem Herzen bestätigt wird (Röm.8,15f.; Eph.1,13f.), so wird aller Zweifel benommen und steht die kindliche Zu­versicht und Glaube unbeweglich.

185. Es machen aber etliche einen Unterschied unter dem äußer­lichen Willen Gottes, der im Evangelium geoffenbart ist, und unter dem geheimen innerlichen Willen seines Wohl­gefallens?

Die sind nicht wert, daß sie Christen heißen sollen, die dem heiligen, gerechten, wahrhaften Gott widerwärtige Willen[16] andichten und dadurch die Kraft und Wahrheit des Evangeliums verleugnen. Gottes väterlichen Willen und Wohlgefallen können wir besser nicht erkennen als von Christo, welchen der Vater selbst zu hören uns anbefohlen hat (Matth.17,5). Wer nun in Christo seine Gnadenwahl durch das Evangelium sucht, der findet sie gewißlich (Eph.1,5; 2.Tim.1,9f.; 2.Thess.2,13f.).

186. Steht es denn bei den Menschen und in ihrer Willkür, zur Seligkeit erwählt zu werden oder nicht?

Die Schrift bezeugt gar ausdrücklich, daß Gott selbst uns zur Selig­keit erwählt habe (Eph.1,3f.). Und so wenig ein Mensch sich selbst kann er­schaffen und selig machen (welches allein Gottes Werk ist), so wenig kann er sich selbst auch zur Seligkeit erwählen. Darum muß man diesem pelagianischen Irrtum keinen Platz geben.

187. Gleichwohl kann ein Mensch durch seine Sünde sich selbst verwerflich machen, warum sollte er dann nicht auch durch Glauben und gute Werke sich selbst erwählen können?

Das sind gar ungleiche Sachen, die sich nicht zusammen reimen. Die Sünden zwar verdienen die Verdammnis, dennoch ist und bleibt Gott allein der höchste Richter (Gen.18,25). Aber weder der Glaube noch gute Werke können die Gnade Gottes verdienen, dadurch wir in Chri­sto, dem einigen Mittler, zur Seligkeit erwählt werden, und dieweil Gottes Gnade nirgends als in Christo zu finden ist (Eph.1; 2.Tim.1,9f.). Christum aber können wir anders nicht als im Evangelium durch wahren Glauben ergreifen (Joh.1,12). Welcher Glaube ist eine Gabe des Heiligen Geistes, durch das Hören des Wortes in uns angezündet (Röm.10,17). So ist sonnen­klar, daß unsere Erwählung zum ewigen Leben ist ein lauter Gnaden­werk Gottes, ohne irgend unser Verdienst und Würdigkeit (Eph.1,6; 2,8; 2.Tim.1,9f.). Denn was die guten Werke an­langt, so sind sie Früchte, die aus dem Glauben erwachsen und folgen also nach der Gerecht­machung, gehen aber mit Nichten weder vor der Gerechtmachung her noch vor der Er­wäh­lung.

188. Ist’s recht geredet, daß wir um des Glaubens willen er­wählt werden zur Seligkeit?

St. Paulus sagt (2.Thess.2,13), daß wir erwählt seien zur Seligkeit in der Heiligung des Gei­stes und im Glauben der Wahrheit. Und St. Petrus (1Petr.1,2), wir seien erwählt nach der Vorsehung Gottes, des Vaters, durch die Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Be­sprengung mit dem Blute Jesu Christi. Das ist, wir sind erwählt nach der Vorsehung Gottes durch das Predigtamt (welches des Hl. Geistes Amt ist (2.Kor.3,6), dadurch wir geheiligt wer­den in Christo, der uns gemacht ist zur Heiligung (1.Kor.1,30), und den wahren Glauben, der daraus entspringt, an Jesum Christum. Also sind wir zwar erwählt durch den Glauben, aber nicht von wegen des Glaubens oder aus Verdienst des Glaubens, welches die Pelagianer ge­lehrt haben, sondern durch den Glauben als das Mittel, dadurch wir Christum im Evangeli­um und in Christo die Gnade Gottes ergreifen, dadurch wir zum Leben erwählt sind. Gleicher­ge­stalt werden wir auch gerecht und selig durch den Glauben, aber nicht aus des Glaubens Ver­dienst, sondern also, daß wir durch den Glauben Christum uns zu­eignen, der uns die Ge­rechtigkeit und Seligkeit verdient und erlangt hat (Röm.3,28; 1.Kor.1,30; 2.Kor.5,21).

189. Zu welchem Artikel des christlichen Glaubens gehört die Gnadenwahl?

Der erste Artikel von der Schöpfung handelt hiervon nichts. Am anderen Artikel wird zwar die Erlösung, durch Christum geschehen, be­schrieben, aber noch nicht die völlige Erwählung, die da eigentlich, wie auch die Gerechtmachung und Seligmachung, zum dritten Artikel ge­hört.

190. Wozu dient diese Anmerkung?

Daß wir lernen, einerlei Ordnung halten in der Lehre von dem ewigen Ratschluß Gottes von unserer Seligkeit und der Vollstreckung desselben. Denn wie uns Gott in der Zeit erschaffen und nach dem Fall erlöst und geheiligt, also in eben derselben Ordnung hat er’s von Ewigkeit zu tun be­schlossen und nicht anders. Sintemal Gottes Ratschluß und dessen Voll­ziehung sind in dem ewigen unwandelbaren Gott der Zeit wegen nicht unterschieden, all dieweil Gott alles gegenwärtig ist. Deswegen unmöglich ist, das auch die allergeringste Ungleichheit darin kön­ne gezeigt werden. Daraus dann schließlich erfolgt, gleichwie Gott uns in der Zeit gerecht und selig macht, also und nicht anders hat er von Ewigkeit beschlossen, daß er uns selig machen wolle; und wer dies in guter Obacht hält, der kann durch Gottes Beistand in diesem hohen Artikel richtig fortkommen, daß es ihm tröstlich und erbaulich sei zur Gottseligkeit und weder zur rohen Sicherheit oder endlicher Verzweiflung Anlaß gebe.

Das neunzehnte Kapitel.
Von der Kirche.

191. Jetzt vermerke ich, daß die Artikel von der Gnadenwahl und von der Kirche nützlich beisammengefügt werden, da­rum wollen wir nun von der Kirche handeln.

Diese beiden Artikel kommen zusammen in dem dritten Artikel des Apostolischen Glaubens von der Heiligung. Und haben die Alten recht gesagt: Wer die Kirche auf Erden nicht zu einer Mutter habe, der könne auch nicht Gott im Himmel zum Vater haben. Denn außer der Kirche ist kein Heil. Und wer ein Auserwählter sein will, der muß auch ein Glied­maß der wahren Kirche sein. Dahin auch der Spruch Christi sieht: Viele sind berufen, aber wenige sind auser­wählt (Matth.20,16; 22,14). Darum müssen die Auserwählten nicht gesucht werden außer dem Haufen der Berufenen.

192. Was ist die Kirche?

Die Kirche ist eine Versammlung der Menschen, die Gott durch sein Wort und Sakramente beruft zu dem Reich seines Sohnes, daß sie ihn recht erkennen und ehren und durch ihn selig werden.

193. Was für Leute sind in der Kirche?

Gute und Böse, wie Christus in seinen Gleichnissen bezeugt (Matth.13.22.24 und 25). Denn obwohl alle, die darinnen sind, sich mit dem Munde zu dem rechten Glauben bekennen, so sind doch unter ihnen auch Heuchler, denen es nicht um den Glauben ernst, sondern um ande­re zeit­liche Gelegenheiten zu tun ist, welche deswegen endlich als Spreu und Un­kraut von dem reinen Weizen abgesondert und ins höllische Feuer geworfen werden (Matth.13,30; 25,41).

194. Kann man denselben Unterschied unter den Leuten wissen?

Zwar Christus lehrt uns die falschen Propheten, davor er uns warnt, erkennen an ihren Früch­ten, sowohl in der Lehre als im Leben (Matth.7,16f.; 16,6.12). Dieweil aber bei vielen Heuch­lern Hoffnung der Bekehrung ist bis zu Ende des Lebens, soll man niemand freventlich aus­stoßen, sondern anhalten mit Strafen, Ermahnen und Lehren, auf daß, die zu bekehren sind, mögen gewonnen werden.

195. Warum hat dann die Kirche so herrliche Titel und Namen in der Schrift, auch sonderbare große Verheißungen? Das alles muß man ziehen auf die Gläubigen und Auserwählten, denen solches eigentlich zusteht. Gleich als wenn man eine Stadt rühmt wegen vornehmer Tugend und guter Ordnung, ob schon in derselben viel böser Buben gefunden werden, die nicht Lo­bens, sondern Scheltens und Strafens wert sind. Also rühmt St. Paulus die Römische Kirche zu seiner Zeit sehr hoch und erzählt doch etliche schändliche Laster, die bei vielen im Schwang gingen (Röm.1,27ff.). Siehe auch 1.Kor.1,11ff.

196. Bleibt die Kirche allzeit in einerlei Stand und Ansehen?

Zu der Apostel Zeit war sie eine zarte Jungfrau (2.Kor.11,2), nicht lange hernach ward sie durch vielfältige Ketzereien übel beschmeißt, das viel Reinigens vonnöten war. Endlich nahmen die Menschensatzungen über­hand und die Philosophie, daß Aristotelis Zeugnisse öfter denn St. Pauli angezogen worden. Jetzt sollen wir dem lieben Gott von Herzen danken, daß er uns die heilige Bibel wieder hervorgebracht und in die Hand ge­geben hat, daß wir daraus seinen väterlichen Willen gegen uns erkennen mögen.

197. Wenn sich so viele fremde Lehren einschleichen, bleibt dann gleichwohl die rechte Kirche?

Wo die heilige Bibel und Taufe und Abendmahl gefunden werden, da muß man bekennen, daß eine Kirche sei. Jedoch bleibt der Unterschied unter der reinen Kirche, darin Gottes Wort allein regiert, und der un­reinen, darin viele fremde Lehren mit untergemischt werden.

198. Kann aber einer in einer unreinen Kirche selig werden?

Das kann alsdann geschehen, wenn er das reine Wort Gottes behält in einem reinen Herzen und die unreine, fremde Lehre und Satzungen end­lich fahren läßt, wie St. Paulus (1.Kor.3,11) den Grund der Seligkeit zeigt, Jesum Christum, darauf etliche Stroh und Stoppeln bauen, das ist Menschenlehre, die nichts taugt und die Probe nicht hält, sondern in dem Feuer der An­fechtung leicht verbrennt. Denn wider des Teufels und der Hölle Anfechtung kann Menschen­lehre nichts ausrichten, sondern da muß Gottes Wort das beste tun, welches ist ein Wort des ewigen Lebens (Joh.6,68; Eph.6,14-17).

199. Dieweil so viel unterschiedene Religionen in der Christen­heit schweben, wo soll ich die rechte, wahre, alte, katho­lische Kirche finden, daß ich mich zu ihr halte?

Hierzu ist kein richtigerer und gewisserer Weg, als daß du nach derjenigen Kirche fragst, dar­in Christus allein mit seinem Wort und heiligen Sakra­menten regiert, die sich der ersten apostolischen Kirche in allen Stücken gleichförmig hält und neben Christo und seinen Apo­steln keine fremde Lehre annimmt.

200. Wo ist aber in vorigen Jahren dieselbe Kirche gewesen?

Des Herrn Christi Kirche ist durch die ganze Welt ausgebreitet, daß ganz unnötig, diese oder jene Stadt oder Land zu nennen, da man sie antreffe. Denn wo das Evangelium von Christo gepredigt und seine Taufe und Abendmahl gehalten wird nach seiner Stiftung, da hat er seine Kirche. Ob nun gleich etwa an einem Ort und zu einer Zeit mehr als der anderen fremde Lehre mit untergemischt worden (wie denn solche Ungleichheit in vorigen Zeiten nicht kann geleug­net werden, und noch auf den heutigen Tag in der Lateinischen, Griechischen und anderen Kirchen dieselbe verspürt wird), so bleibt doch dieser Grund allzeit, daß der Same des göttli­chen Wortes seine Früchte bringt, obschon Unkraut darunter gesät worden (Matth.13,25ff.), das ist, des Herrn Christi Kirche hört nicht auf, obschon die Reinigkeit in der Lehre nicht all­zeit gleich bleibt. Wie St. Paulus an seine Korinther schreibt: Es müssen Rotten unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden (1.Kor.11,19).

201. Schreibt doch St. Paulus Eph.5,27: Die Gemeinde sei herrlich, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas, sondern sei heilig und unsträflich?

Zwar also soll die christliche Kirche sein, aber diese Vollkommenheit er­reicht sie in diesem Leben nicht, sondern allererst in der himmlischen Seligkeit. Auf dieser Erde aber müssen alle Heiligen immerdar beten: Herr, vergib uns unsere Schuld und Sünde (Ps.32,5; Matth.6,12; Lk.11,4), und muß der Geist streiten wider das Fleisch, sowohl in der Lehre (wo dieselbe nicht in allen Dingen richtig) als auch im Leben. War doch unter der Zahl der zwölf Apostel der Verräter Judas. Wie sollte man dann leugnen, daß in großen Gemeinden nicht etliche irri­ge, ja grindige Schafe und stinkende Böcke mit unterlaufen, die am Jüngsten Tage werden ab­gesondert werden? (Matth.25,32f.)

202. Gilt es gleich, zu welcher Kirche man sich halte, wenn man nur die Heilige Schrift und Sakramente hat?

Viele rühmen sich der Heiligen Schrift und Sakramente, aber mit Ungrund. Darum ist fleißi­ges Aufsehen vonnöten, daß man nicht betrogen werde.

203. Wie soll ich aber hierin verfahren?

Wie zuvor gesagt: Wo Christus allein regiert mit seinem Wort und seiner Taufe und Abend­mahl, wie er sie selbst hat eingesetzt, da kannst du sicher bleiben. Wo aber Menschenlehre und Satzungen hochgehalten werden und neben Gottes Wort herrschen, da ist’s sehr gefähr­lich.

Das zwanzigste Kapitel.
Vom Kreuz der Frommen.

204. Ich spüre so viel, daß ein Christ sich wohl vorzusehen hat in diesem Leben?

Der Christen Hof-Art[17] ist Kreuz und Trübsal, und müssen wir durch viel Trübsale ins Reich Gottes eingehen (Apg.14,22). Allein hüte dich vor dem Haufen, der die Christen umbringt. Denn eines rechten Christen Eigenschaft ist nicht andere hassen, verfolgen und töten, sondern lieben, Gutes tun und Verfolgung leiden (Matth.5,11f.; 10,17 usw.).

205. Woher kommt das Kreuz und Trübsal der Frommen?

Wiewohl der Teufel und die gottlose Welt sich bedünken lassen, auch sich dessen wohl be­rühmen, daß sie den Frommen alles Leid antun, so sehen doch die Gottseligen auf Gott den Herrn selbst, ohne dessen Verhängnis ihnen niemand schaden kann, und nehmen es für eine väterliche Züch­tigung an, wenn sie mit Kreuz heimgesucht werden und wissen, daß es ihnen zur Besserung dient.

206. Vielleicht büßen sie durch dasselbe Kreuz für ihre Sünde?

Nein. Christus allein hat der ganzen Welt Sünde getragen und dafür bezahlt (Jes.43,24f.; 53,5; 63,3; Joh.1,29; 1.Joh.2,1if.), und kann keine Kreatur für eine einzige Sünde genug tun (Ps.49,8), dieweil alle Sünden wider die unendliche Gerechtigkeit Gottes streiten (Ps.51,6), zudem werden in der Rechtfertigung des Sünders vor Gott alle Sünden vergeben (Röm.3,25), daß nichts Verdammliches ist an denen, die da sind in Christo Jesu (Röm.8,1). Wo nun die Sünden um Christi willen vergeben sind, da hat die Strafe nicht Raum. Sintemal die Strafe wird um der Sünden willen erfordert. Also steht Matth.18,27 in dem Gleichnis von dem großen Schuldner, der Herr habe ihn selbst losgelassen und die Schuld ihm auch erlassen.

207. Sollte das Kreuz und Trübsal der Frommen keine Strafe sein?

Zwar dieweil alles Kreuz ursprünglich von den Sünden herrührt (Röm.6,23), und die From­men auch noch hinterstellige[18] Sünden haben (Röm.7,7.17.20.23), ja täglich um Verzeihung der Sünden bitten (Ps.32,5; Matth.6,12 und Lk.11,4) und wider das sündhaftige Fleisch immer kämpfen (Gal.5,16f.), so halten sie es selbst billig dafür, daß das Kreuz von ihren Sünden her­rühre, und sehen es anders nicht an als Gottes Rute, damit er sie züchtige, und rufen ihn an um Verzeihung der Sünden und bitten um der Strafe Milderung. Aber wenn wir das rechte Vater­herz ansehen in Gott, der mit seinen Gläubigen nicht zürnt, sondern in Christo ihnen versöhnt ist und alle Sünden verziehen hat und sie liebt als seine Kinder, so sind alle solche Trübsale anders nichts als eine väterliche Züchtigung, dadurch er sie aufmuntert zu ihrer Schwachheit und Sünden Erkenntnis und leitet sie zu fleißiger Anrufung und Geduld und prüft ihren Glau­ben, daß sie alle ihre Hoffnung und Vertrauen auf ihn allein setzen und in Betrachtung ihrer Unvollkommenheit sich sehnen nach dem ewigen Leben, da sie Ruhe haben werden von aller Arbeit in unaussprech­licher Seligkeit (Spr.3,12; Hiob5,17; Hebr.12,5-7.11).

208. Erkläre mir das etwas ausführlicher.

Des Herrn Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus, steht Jes.28,29. Denn wenn er die Frommen straft, so tut er nicht sein eigenes, sondern ein fremdes Werk, daß er sein Werk vollbringe auf eine fremde Weise und daß er seine Arbeit tue auf eine seltsame Weise (v.21). Denn Gottes eigenes Werk ist Gutes tun und Barmherzigkeit seinen Kindern. Daß er sie aber züchtigt, das ist ihm ein fremdes Werk, dessen er lieber wollte überhoben sein. Dieweil es aber der Kinder Notdurft und Heil erfordert, daß sie unter der Zuchtrute gehalten und also vor Sünden bewahrt werden, so braucht er die Rute, nicht wie ein zorniger strenger Richter zu ern­ster Strafe, sondern wie ein herzlieber Vater zur kindlichen Züchtigung und Besserung, wie dies ein jeglicher christlicher Vater und Mutter erkennen können, wenn sie ihre Kinder züchtigen. Wie das Sprich­wort lautet: Je lieber Kind, je schärfer Rut (vgl. Offb.3,19).

209. Dergestalt hätte ein Christ nicht Ursache zu murren, wenn ihm ein Kreuz zukäme, sondern vielmehr Gott zu danken?

Gewißlich ist dem also: Welchen der Herr liebt, den straft er, und hat Wohlgefallen an ihm, wie ein Vater am Sohn (Spr.3,12). Daher St. Paulus (Röm.5,3ff.) schreibt: „Wir rühmen uns auch der Trübsale, die­weil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt, Geduld aber bringt Er­fahrung, Erfahrung aber bringt Hoffnung, Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden.“

210. Wie soll man sich unter dem Kreuz trösten und auf­richten?

Mit Betrachtung des väterlichen Willens Gottes, der es mit uns gut meint (Ps.73,26) und alles zu unserm Besten richtet (Röm.8,28); der uns auch selbst hilft unser Kreuz tragen (Ps.68,20) und mildert es, daß wir es ertragen können (1.Kor.10,13), setzt ihm gewisse Ziel und Maße, darüber es nicht kommen mag, daß es uns Schaden brächte an unserer Seligkeit (Hiob1 und 2). Ja, er macht uns hierin gleichförmig seinem lieben Sohn, dem wir sein Kreuz sollen nach­tragen und uns seiner Hof-Art nicht schämen, auf daß wir auch in der Herrlichkeit ihm gleich­förmig werden (Röm.8,29f.). Sterben wir mit, so werden wir mit leben, dulden wir, so werden wir mit herrschen (2.Tim.2,11f.), und wird uns auch der Tod selbst nicht scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn (Röm.8,38f.). Dieweil auch all unser Kreuz gerichtet ist zu Gottes Ehre und Preis (Joh.21,19), sollen wir dasselbe gern und willig tragen. Ein guter Kreuzträger gibt einen guten Christen.

211. Soll auch einer sich selbst Kreuz und Trübsal verursachen, damit er Christo desto gleich­förmiger werde?

Unser Herr Gott ist unser oberster Feldherr, wo der einen jeden hin verordnet hat, da soll er stehen und seines anbefohlenen Berufes treulich warten. Da wird er so viel Arbeit finden, daß er um fremde Sachen sich nicht zu bekümmern und sich selbst Kreuz und Leiden zu machen habe. Davon lies Jes.Sir.3,19ff. Will jemand freveln und unserm Herrn Gott in sein Amt grei­fen und sich selbst peinigen nach seinem Gefallen, der wird seinen Lohn gewißlich empfan­gen, ob ihm schon eine lange Zeit geborgt wird, und hat ein solcher sich Gottes Gnadengegen­wärtigkeit in seinem selbst zugezogenen Kreuz nicht zu trösten, sondern es wird endlich heißen: „Wer sich gern in Gefahr gibt, der verdirbt darin“ (Jes.Sir.3,27).

212. Wie, wenn es aus guter Andacht geschähe?

Gott ist weiser als alle Menschen. Was dir der vorschreibt, dem folge getrost und treulich. Was er dir nicht befohlen hat, das wird ihm auch nicht gefallen (Deut.4,2; 13,1). Davon lies und betrachte mit Fleiß St. Pauli Spruch Kol.2,18ff.

213. Wie soll man sich halten zur Zeit der Verfolgung?

Christus gibt uns diese Regel (Matth.10,23): „Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere.“ Nehmen sie uns zeitliche Güter, Gott ist reich, der kann alles mildiglich wie­der erstatten, wie an dem ge­duldigen Hiob zu sehen (Hiob42,10); sollte schon auch das Leben drauf gehen, die Seele können sie aus Gottes Hand nicht entreißen oder auch dem Herrn Chri­sto wehren, daß er uns vom Tode wieder auferwecke (Joh.10,28f.; Matth.10,28). Die Erde laß sie hinnehmen, den Himmel müssen sie uns lassen und ihren Lohn in der Hölle haben. Und merke übermal: die Verfolgung anrichten, die haben nicht den Geist Christi, der da ist sanft­mütig und liebt das Heil des Menschen (Lk.9,55f.). Der Teufel aber ist ein Lügner und Mör­der, von dem werden angetrieben, die zu Mord und Blutvergießen Lust haben (Joh.8,44).

Das einundzwanzigste Kapitel.
Von guten Werken.

214. Bisher haben wir vom Glauben gehandelt, dadurch ein Sünder gerecht und selig wird. Nun begehre ich Bericht von den Werken der christlichen Liebe.

Dieselbe notwendige und nützliche Lehre kann man fein kurz fassen nach den zehn Geboten Gottes, daraus sie weitläufiger kann erklärt und mit feinen Exempeln erläutert werden.

215. Fasse du mir’s kurz zusammen.

Die Werke der Liebe gehören entweder insgemein auf alle Menschen oder aber auf gewisse Stände im menschlichen Geschlecht.

216. Welche gehen auf alle Menschen insgemein?

Die Liebe gegen Gott, gegen den Nächsten, gegen uns selbst.

217. Was faßt die Liebe gegen Gott in sich?

Wir sollen Gott über alle Dinge lieben mit reinem Herzen, heiligen Reden und guten Werken (Matth.22,37), sollen das göttliche Wort lieb und wert haben (Ps.119; 2.Tim.3,15), immerdar fleißig betrachten (Ps.1,2; 1.Tim.4,13) und daraus lernen, ihn recht erkennen (2.Tim.3,16), nach seinem Willen ihm dienen (Apg.22,14; 24,14) und ihn ehren (1.Petr.4,11), ihn allein an­rufen (Matth.4,10), für die Erhörung danken (Ps.50,14f.), auf ihn allein trauen (Jer.17,7), ihm gehorsam (2.Kor.10,5) und allzeit geduldig(Spr.14,29)und im Glauben beständig sein (1.Kor.15,58; Kol.2,7) und denselben bekennen öffentlich zu Gottes Ehren und Erbauung der Menschen (Matth.10,32; 1.Tim.6,12).

218. Was faßt die Liebe gegen den Nächsten in sich?

Wir sollen unseren Nächsten lieben als uns selbst in dem Herzen, mit Gedanken, Worten, Ge­bärden und Werken (Matth 22,34; Röm.13,9f.), für ihn Gott anrufen (1.Tim.2,1), gegen ihn holdselig, freundlich und friedlich sein (Gal.6,10), demütig, barmherzig, guttätig, dankbar, aufrichtig und redlich, gerecht und wahrhaftig (Gal.5,13.22), ihn vermahnen, trösten erinnern, warnen, vorsichtig wandeln gegen den Irrenden und Schwachen (Röm.14,1), in allem ihn er­bauen und sein Heil und Wohlfahrt suchen und befördern (Röm.15,14f.; 1.Kor.14,26).

219. Was erfordert die Liebe gegen einen jeden selbst.

Daß er sich selbst in allen Stücken recht prüfe (2.Kor.13,5; Gal.6,4) und nach dem vorge­steckten Ziel mit Ernst trachte (Phil.3,14), zähme und töte die bösen Lüste (Röm.8,13), lebe keusch, nüchtern und mäßig (Tit.1,8), lasse sich genügen an seinem von Gott bescherten Stan­de und Gütern, arbeite und nähre sich redlich (l.Tim.6,6; Ps.37,3; 1.Thess.4,10f.).

220. Wie werden die Stände in dem menschlichen Leben unter­schieden?

Deren sind vornehmlich drei: Der Lehrstand oder das Predigtamt, so vornehmlich zu der Kir­che und Geistlichen gehörig, der Wehrstand oder Regierung oder Obrigkeit, dadurch äußerli­cher Friede und Einigkeit unter den Menschen erhalten wird, der Ehestand oder Hausregi­ment, wie Mann und Weib, Elternm und Kinder, Herrn und Gesinde sich gegeneinander hal­ten sollen.

221. Welches ist der Lehrer Amt?

Gottes Wort predigen (1.Petr.4,11), die Hl. Sakramente, Taufe und Abendmahl, nach Christi Einsetzung ausspenden (Matth.28,19 f.; i.Kor.11,23), über guter Kirchenzucht halten (1.Kor.14,40), für die Zuhörer beten (Röm.1,19ff.; Phil.1,4),mit guten Exempeln ihnen vor­leuchten(Matth.5,16), sie erbauen zu allem Guten (I.Tim.3,2), vor Bösem warnen und davon abhalten(2.Tim.4,2ff.),treue Aufsicht haben auf die Schulen und Hospitäler und in allem Got­tes Ehre und der Kirchen Wohlfahrt befördern (1.Petr.4,10f.).

222. Was gebührt den Zuhörern zu tun?

Den Gottesdienst sollen sie fleißig besuchen mit Zucht und Ehrerbietung (Lk.5,1), fleißig der Predigt zuhören (Matth.13,9), den Predigern gehorsam sein, sie lieben, ehren und fürchten als Gottes Diener (Hebr.13,7), ihre notdürftige[19] Unterhaltung ihnen verschaffen (1.Kor.9,14; Gal.6,6), auch für sie und ihr Amt beten und Gott um milden Segen anrufen (2. Kor.1,10f.; Phil.1,19).

223. Wie soll sich die Obrigkeit verhalten?

Den Gottesdienst mit Rat gottseliger Diener recht bestellen, Predigern und Lehrern in Kirchen und Schulen ihre Notdurft versorgen (1.Chron.27,7; Kap.24ff.), gute Zucht, Ehrbarkeit und Frieden im ganzen Leben erhalten, die Gerechtigkeit handhaben, die Frommen schützen, die Bösen strafen und dem Vaterland in allem fleißig, treulich und wohl vorstehen (Röm.13).

224. Was ist der Untertanen Amt?

Sie sollen ihrer von Gott vorgesetzten Obrigkeit treu und hold sein, sie lieben und ehren und ihr allen Gehorsam nach Gottes Geboten erweisen, ihr williglich geben Geschoß, Zins, Zoll und andere Bürden tragen, die zu des Vaterlandes Erhaltung und Aufkommen vonnöten sind, sollen auch Gott für sie bitten, daß sie gottselig, weislich und wohl regiere und Gottes Segen empfinde (Röm.13,1ff.; 1.Petr.2,13.17).

225. Was ist bei dem Ehestande anzumerken?

Die von Gott mit der sonderbaren[20] Gabe der Keuschheit begabt (Matth.19,12), sollen der­selben zu Gottes Ehre und Erbauung des Nächsten gebrauchen, daß sie am Leib und am Geist keusch und züchtig leben (1.Kor.7,34). Die aber zum Ehestand tüchtig erschaffen und darin sich begeben wollen, sollen ihn anfangen in Gottes Namen (Kol.3,17) und nach seiner Ord­nung, mit der Eltern und Freunde gutem Rat, Wissen und Willen, nicht zu nahe ins Geblüt freien und so viel möglich Gleichförmigkeit oder Ebenmaß halten in Religion, Alter und Stande, daß gute Einigkeit und Friede könne erhofft werden (Gen.24).

226. Wie sollen Eheleute sich gegeneinander verhalten?

Die eheliche Liebe und Treue soll rein, unverfälscht und beständig sein (Eph.5,22ff.) und sol­len beieinander wohnen in der Furcht des Herrn, eins dem anderen holdselig und freundlich sein und in Lieb und Leid fest bei­einander halten (Hebr.13,4), die Kinder in der Furcht Gottes auferziehen, ihrem Hause wohl vorstehen und sich gegen jedermann unverweislich[21] be­zeu­gen.

Der Mann, als das Haupt und Herr, soll dem Weibe ihre Notdurft an Speise und Kleidung schaffen, sie vertreten gegen andere und sie ehrlich[22] halten als sein eigen Fleisch, die von seiner Rippe, nahe bei dem Herzen, genommen ist (Eph.5,25; 1.Petr.3,7; Gen.2,21f.).

Das Weib soll dem Manne untertänig und gehorsam sein, ihn ehren, keusch, züchtig und haushältig sein, daß der Mann sich ihrer zu erfreuen habe (Gen.3,16; Eph.5,22; 1.Petr.3,1; Tit.2,4; Spr.31,10ff; Jes.Sir.26,16ff.).

227. Was ist der Eltern Amt gegen ihre Kinder?

Sie sollen sie nähren und kleiden (1.Tim.5,8.10), in der Furcht Gottes auferziehen (Eph.6,4), in der Zucht halten (Spr.22,15) und anweisen, wie sie sich ehrlich ernähren sollen und ihnen zu bequemer Heirat verhelfen und mit notwendiger Aussteuer versorgen (Jer.29,6; 2.Kor.12,14). In­sonderheit soll die Mutter die Kinder säugen, ihrer pflegen und warten, daß sie wohl auferzogen werden (1.Tim.5,10; Lk.2,7; Tit.2,4).

228. Wie sollen sich die Kinder erweisen gegen ihre Eltern?

Die Kinder sollen ihre Eltern lieben, ehren und sich gegen sie ehr­erbietig erzeigen (Ex.20,12), ihnen gehorsam sein (Eph.6,1), ihnen kindlich dienen, ihnen dankbar sein, und im Alter ihrer pflegen (1.Tim.5,16; Jes.Sir.3,13), nach dem Exempel Josephs (Gen.45.46), usw.

229. Sage mir auch das Amt der Herren und Frauen gegen das Gesinde.

Sie sollen in der Haushaltung fleißig Aufsicht auf alles haben (Spr.27,23; 31,13), das Gesinde zur Arbeit anweisen (Matth.8,9; Jes.Sir.33,26; Eph.6,7.9) und in der Zucht halten mit gebüh­render Bescheidenheit (Eph.6,9), ihren treuen Fleiß und Arbeit belohnen (Jes.Sir.7,22f.) und sonderlich sie anhalten zur wahren Gottseligkeit, wie St. Paulus den Onesimus bekehrte (Philem. v.10) und Abraham seine Knechte beschnitt (Gen.17,23).

230. Wie sollen sich denn Knechte und Mägde in ihrem Dienst verhalten?

Sie sollen treu und fleißig sein in ihrer Arbeit, nicht Augendiener und den Menschen zu ge­fallen, sondern als Knechte Christi (Eph.6,5f.), ihren Herren und Frauen gehorsam in Ein­fäl­tigkeit des Herzens und mit Gottes Furcht (Kol.3,22; 1.Petr.2,18), daß sie nichts verun­treuen, sondern in allen Stücken die christliche Lehre zieren (Tit.2,10).

231. Was für Belohnung ist den Werken der christlichen Liebe versprochen?

St. Paulus schreibt (1.Tim.4,8): „Die Gottseligkeit ist zu allen Dingen nütze und hat die Ver­heißung dieses und des zukünftigen Lebens.“ Denn obwohl alle Gläubigen nach empfangener Vergebung ihrer Sünden durch den Glauben an Christum schuldig sind Gehorsam und Dank­barkeit gegen Gott (Röm.6,18; 8,12; Gal.5,13; Eph.1,4), dennoch ist Gottes Mildigkeit so groß, daß er auch seinen lieben Kindern aus lauter Gnade reiche Vergeltung verspricht und widerfahren läßt, wenn sie in seinen Geboten wandeln (Röm.8,18; 2.Kor.4,17). Solche Gna­den­belohnung geschieht in diesem und dem zukünftigen Leben.

232. Was für Belohnung haben wir in diesem Leben zu er­warten?

Gottes gnädigen Segen in unserem Beruf und daß er uns notdürftig[23] unterhalten wolle (Deut.28,1ff.; Matth.6,4.6.18.32f.; Ps.1,3; Ps.127 und 128); Gottes Hut und Wacht, daß er uns gegen alle Feinde beschützen und durch die lieben Engel bewahren wolle (Deut.32,10f.; Ps.23,4; 91,11; 121,8; Matth.28,20); Gottes Erlösung aus allerlei Kreuz und Wider­wärtigkeit (Ps.34,19f.; 91,15; Dan.6,23.28; 2.Tim.4,17f.).

Hier merke aber die notwendige und heilsame Regel, daß Gottes Ver­heißung von der zeitli­chen Vergeltung habe ihre gewisse Maß und Ordnung, daß Gott oftmals die Frommen in die­ser Welt leiden läßt und ihre völlige Belohnung einspart in die himmlische Seligkeit (Ps.119,71; Röm.8,28; 2.Kor.4,17f.).

233. Welches ist die ewige Belohnung im Himmel?

Diese wird auch ein Lohn genannt, nämlich aus Gnaden (Röm.4,4), und ist die unaussprech­liche Ehre und Herrlichkeit im himmlischen Leben; Matth.5,12: Seid fröhlich und getrost [spricht Christus zu seinen Jüngern], es wird euch im Himmel wohl belohnt werden; Röm.8,18: Ich halte es dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden. Siehe auch Dan.12,3; 1.Kor.15,40; Offb.14,13.

234. Sind die Strafen der Gottlosen auch also unterschieden?

Gott straft insgemein die Verächter seiner Gebote (Ps.7,12; Gal.6,7), zeitlich zwar, daß er ihnen entzieht seinen Segen und den Fluch dafür schickt (Deut 28,15ff.) und sich ihrer in Gna­den nicht annimmt, sondern läßt sie hinfahren wie sie verdient haben – 2.Chron.15,2: Wenn ihr ihn verlassen werdet, so wird er euch verlassen; Spr.15,29: Der Herr ist ferne von den Gottlosen; Ps.1,6: Der Gottlosen Weg vergeht – und läßt sie hilflos ver­sinken im Un­glück, Spr.1,26: Ich will lachen in eurem Unfall und euer spotten, wenn da kommt, das ihr fürchtet. Siehe denselben ganzen Spruch. Es soll aber auch hierbei die Regel in acht genom­men werden, daß oftmals die Gottlosen in diesem Leben viel Gutes von Gott empfangen, dadurch er sie zur Buße leitet. Ihre Undankbarkeit aber wird hernach desto härter gestraft (Röm.2,4; Jer.12,3; Ps.37,9.15; 73,18-20). Die ewige Strafe aber belangend, haben sie zu erwarten unaussprechliche Pein und Qual in der Hölle, daß sie, von Gottes Angesicht ver­stoßen, keine Hoffnung der Erlösung haben können ewiglich (Matth.25,41; Röm.2,9; 2.Thess.1,9; Offb.20,14f.).

235. Die ewige Belohnung der Frommen und Strafe der Gott­losen, folgt sie sobald auf den zeitlichen Tod oder aller­erst nach dem letzten Gericht?

Der Herr Christus bezeugt selbst, die im Glauben an ihn selig absterben, haben das ewige Leben (Joh.3,16; 5,24), die aber nicht glauben, werden das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihnen (Joh.3,36). Und steht Offb.14,13: „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit, denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ Also, da der arme Lazarus starb, ward er ge­tragen von den Engeln in Abrahams Schoß, der reiche Schlemmer aber fährt zur Hölle (Lk.16,22f.).

236. Es wird aber doch das allgemeine Gericht allererst am Jüngsten Tage gehalten werden?

Das bezeugt die Heilige Schrift an vielen Orten und sonderlich Matth. Kap.25, da alle Men­schen in zwei Haufen abgeteilt werden, deren der eine, der gläubigen Schäflein zur Rechten des Herrn Christi, das ewige Leben beerbt, der andere Haufe der stinkenden Böcke zur Linken des Herrn in die ewige höllische Verdammnis gewiesen wird. Denn am Jüngsten Tage werden die toten Leiber auferweckt und die Seelen wiederum mit ihnen vereinigt und alsdann zur völ­ligen Seligkeit oder Verdammnis gewiesen werden (1.Thess.4,13ff.; Dan.12,1-3; Offb.20,10.12 usw.).

237 Findet sich nicht etwa ein Mittel- oder dritter Haufe zwischen Gläubigen und Ungläu­bi­gen?

Die Heilige Schrift hat die genaue Abteilung, daß sie uns weist zu Gott und warnt vor dem Teufel; leitet uns zum Himmel und der Seligkeit, warnt vor der Hölle und der Verdammnis; lehrt uns den Glauben an Christum zur Gerechtigkeit, warnt vor Unbußfertigkeit und Unglau­ben. Daraus mehr nicht als zwei Haufen wachsen, deren der gläubige Gott an­gehört und selig wird, der ungläubige mit dem Teufel gestürzt wird zur Verdammnis. Also, die Christus zu sich nimmt, sind selig. Die er ver­stößt, sind verdammt. Und findet sich kein Mittelreich zwi­schen dem Reich Gottes und des Teufels. Wer nun im Reich Gottes nicht befunden wird und selig ist, der muß in des Satans Reich ewige Qual leiden mit den Verdammten. Wer nun be­gehrt mit Gott selig zu leben, der glaube an Christum und lebe würdig dem Evangelium.

Suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten Gottes. Trachtet nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist ver­borgen mit Christo in Gott. Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit (Kol.3,1-4).


[1] = begrenzten.

[2] in der Vorlage wörtlich gebiert.

[3] = geeignete

[4] = ohne daß Gott es verhängt.

[5] = Ankunft (im Fleisch).

[6] hier = braucht.

[7] = noch jetzt.

[8] = geeignete.

[9] = gehört zum Evangelium.

[10] = Zustimmung.

[11] = das geschichtliche Wissen von den Dingen.

[12] = Anwendung.

[13] = verlassen.

[14] = Sünde, die einen besonders bedrängt.

[15] = bestimmte, namentlich bezeichnete.

[16] = einen doppelten, sich widersprechenden Willen.

[17] = Hofbrauch, hier soviel wie Auszeichnung, Vorrecht.

[18] = übergebliebene.

[19] = notwendige.

[20] = besonderen.

[21] = untadelig.

[22] = in Ehren.

[23] = nach unserer Notdurft.

Hier das Handbüchlein als pdf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s