Über die Besoldung von Pfarrern
Von Adam Smith
Zweitens führt die Politik Europas dadurch, dass sie den Wettbewerb in manchen Berufen stärker erhöht, als dies unter natürlichen Bedingungen der Fall wäre, zu einer weiteren Ungleichheit bei den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Tätigkeiten von Arbeit und Kapital.
Man hielt es für so wichtig, dass genügend junge Menschen für bestimmte Berufe ausgebildet werden, dass teils der Staat, teils fromme private Stifter zahlreiche Pensionen, Stipendien und andere Förderungen eingerichtet haben. Dadurch werden weit mehr Menschen in diese Berufe gezogen, als sie sich ohne solche Unterstützung leisten könnten.
In allen christlichen Ländern wird, soweit ich weiß, die Ausbildung der meisten Geistlichen auf diese Weise finanziert. Nur wenige müssen ihre Ausbildung vollständig selbst bezahlen. Deshalb bringt selbst eine lange, mühsame und kostspielige Ausbildung denjenigen, die sie aus eigener Tasche finanzieren, nicht unbedingt eine angemessene Vergütung ein. Die Kirche ist nämlich mit Bewerbern überfüllt, die bereit sind, für deutlich weniger zu arbeiten, als eine so aufwendige Ausbildung eigentlich rechtfertigen würde. So drückt der Wettbewerb derjenigen, deren Ausbildung subventioniert wurde, den Lohn derjenigen, die sie selbst finanziert haben.
Es wäre gewiss unpassend, einen Hilfsgeistlichen (curate) oder Kaplan mit einem Gesellen in einem gewöhnlichen Handwerk zu vergleichen. Dennoch lässt sich ihre Bezahlung durchaus mit dem Lohn eines Handwerksgesellen vergleichen. Alle drei werden für ihre Arbeit nach den Bedingungen bezahlt, die sie mit ihren jeweiligen Vorgesetzten vereinbaren.
Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts betrug der übliche Jahreslohn eines Hilfsgeistlichen oder besoldeten Pfarrers (stipendiary parish priest) in England fünf Mark – eine Summe, die ungefähr so viel Silber enthielt wie zehn Pfund zur Zeit des Autors. Das geht aus den Beschlüssen mehrerer englischer Kirchenversammlungen hervor.
Zur gleichen Zeit wurde der Tageslohn eines Maurermeisters auf vier Pence festgesetzt, was dem Silberwert eines damaligen Schillings entsprach. Ein Maurergeselle erhielt drei Pence täglich, also etwa drei Viertel davon. Unter der Annahme, dass beide regelmäßig Arbeit hatten, verdienten sowohl Maurermeister als auch Maurergeselle deutlich mehr als ein Hilfsgeistlicher. Selbst wenn der Maurermeister ein Drittel des Jahres ohne Beschäftigung gewesen wäre, hätte sein Einkommen noch immer ungefähr dem des Geistlichen entsprochen.
Ein Gesetz aus dem zwölften Regierungsjahr Königin Annes erklärte:
„Da es den Hilfsgeistlichen an ausreichendem Unterhalt und angemessener Ermutigung fehlt und deshalb viele Pfarrstellen nur unzureichend besetzt werden konnten, erhält der Bischof die Befugnis, durch eine schriftliche Verfügung ein festes Jahresgehalt zwischen zwanzig und fünfzig Pfund festzusetzen.“
Ein Jahresgehalt von vierzig Pfund gilt heute als sehr gute Bezahlung für einen Hilfsgeistlichen. Dennoch gibt es trotz dieses Gesetzes viele Stellen, die mit weniger als zwanzig Pfund jährlich vergütet werden.
In London verdienen dagegen Gesellen im Schuhmacherhandwerk vierzig Pfund im Jahr, und kaum ein fleißiger Handwerker in der Hauptstadt kommt auf weniger als zwanzig Pfund. Selbst gewöhnliche Tagelöhner in vielen Landgemeinden erreichen häufig dieses Einkommen.
Wenn der Gesetzgeber versucht hat, die Löhne von Arbeitern zu regeln, dann fast immer mit dem Ziel, sie zu senken, nicht zu erhöhen. Bei den Hilfsgeistlichen hingegen hat das Gesetz wiederholt versucht, ihre Bezahlung anzuheben und die Pfarrer zu verpflichten, ihnen mehr zu zahlen, als diese aus Not selbst bereit gewesen wären anzunehmen.
In beiden Fällen blieb das Gesetz jedoch weitgehend wirkungslos. Es konnte weder die Löhne der Hilfsgeistlichen dauerhaft erhöhen noch die der Arbeiter auf das gewünschte Niveau senken. Der Grund ist derselbe: Die Geistlichen waren wegen ihrer Armut und der großen Zahl von Mitbewerbern bereit, auch geringere Gehälter als die gesetzlich vorgesehenen zu akzeptieren. Umgekehrt waren Arbeitgeber oft bereit, Arbeitern mehr zu zahlen, weil sie sich von deren Beschäftigung Gewinn oder Nutzen versprachen und deshalb miteinander um gute Arbeitskräfte konkurrierten.
Die gut dotierten Pfarrstellen und die höheren kirchlichen Ämter bewahren trotz der bescheidenen Lage vieler einfacher Geistlicher das Ansehen der Kirche. Außerdem entschädigt das gesellschaftliche Prestige des geistlichen Berufs diese bis zu einem gewissen Grad für ihre geringe Bezahlung.
In England und in allen katholischen Ländern gleicht die Kirche einer Lotterie, bei der die Gewinnchancen in Wirklichkeit größer sind, als es nötig wäre. Das Beispiel der Kirchen Schottlands, Genfs und mehrerer anderer protestantischer Kirchen zeigt, dass in einem angesehenen Beruf, dessen Ausbildung vergleichsweise leicht zugänglich ist, bereits die Aussicht auf deutlich bescheidenere Pfarrstellen ausreicht, um genügend gebildete, anständige und respektable Männer für den geistlichen Dienst zu gewinnen.
Quelle: Adam Smith, An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Book I, Chapter X, Part 2 (1776).