Das Leben, das auf intensive Erlebnisse ist aus, endet wie das Silvesterfeuerwerk – Tristan Garcias „Das intensive Leben“, Steve Cutts Video „Happiness“ und Jesu Darstellung im Tempel

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Rembrandt – Simeon mit dem Jesuskind im Tempel (1669)

Das intensive Leben. Eine moderne Obsession“ heißt das Buch, das Tristan Garcia, ein junger französischer Philosoph und Schriftsteller, veröffentlicht hat. Es geht dabei um die Frage, was unser Leben gegenwärtig ausmacht. Wie der Titel schon andeutet, ist es für Garcia die Intensität bzw. Intensivierung der eigenen Erlebnisse. „Seit unserer Geburt und beim Heranwachsen suchen wir unausweichlich nach starken Empfindungen, die unser Leben rechtfertigen sollen. Die moderne Gesellschaft verspricht den Einzelnen nicht mehr ein anderes Leben oder ein seliges Jenseits, sondern lediglich das, was wir schon sind – mehr und besser. Was uns nun als erstrebenswertes Gut angeboten wird, ist eine Steigerung unserer Körper, eine Intensivierung unserer Freuden, unserer Liebesgefühle und Emotionen“.

 

 

Passend dazu hat Steve Cutts in seinem YouTube-Video „Happiness“ dieses intensive Leben aus der Perspektive einer Ratte in ein Großstadtszenario gesetzt. Am Ende schnappt die Falle zu: „Aus die Maus“ müsste es heißen, wenn es keine Rattenfalle wäre. Nicht das, was wir in unserem Leben für uns selbst erreichen, zählt für die Ewigkeit. Das Leben, das auf intensive Erlebnisse ist aus, endet wie das Silvesterfeuerwerk – aschgrau am Boden erloschen.

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen.“ (Lukas 2,29f) Das sind die Worte des alten, lebensgeduldigen Simeon, als er das Jesuskind bei dessen Darstellung im Jerusalemer Tempel in die eigenen Arme nimmt. Da ist er selbst im Innersten ergriffen – Jesus Christus, sein Ein und Alles: „Bin ich bei dir, so begehre ich nichts auf Erden. Mögen mein Leib und mein Herz verschmachten, der Fels meines Herzens und mein Teil ist Gott auf ewig. Mein Glück aber ist es, Gott nahe zu sein.“ (Psalm 73,25f.28)

Aus christlicher Sicht heißt die Lebensfrage nicht: Was muss oder kann ich für mich und mein Leben erreichen, sondern: Wo komme ich dem Heiland nahe und werde von ihm ergriffen. Die Orte und Momente der Jesus-Begegnung bedürfen keiner Fernreise. Im Gebet wende ich mich ihm zu; im Glauben an sein Wort lasse ich ihn an mich heran. Was für ein Glück, dass er da ist, als Ein und Alles unseres Lebens.

Hier mein Text als pdf.

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