„Der letzte Feind, der aufgehoben wird, ist der Tod“ (1 Korinther 15,26) – Hans Joachim Iwands Predigt auf Ostern hin

Lucas Cranach d.J. – Christus als Sieger über Tod und Teufel, 1561 (Sammlung Würth)

Da findet Hans Joachim Iwand starke Worte in seiner „Totenfestandacht“ zu 1 Korinther 15,26 aus dem Jahr 1935, die das das eigene Predigen an Ostern, am Grab oder am Ewigkeitssonntag evangelisch anregen:

Der Tod bezaubert uns in der Gestalt des Lebens. Es ist so gefügt, daß die Erkenntnis, die dem Tod seine Macht nehmen könnte, immer zu spät kommt, so spät wie die Reue, die der Über­tretung auf dem Fuß folgt. Zu spät kommende Erkenntnis verschärft aber nur die Not und Verzweiflung. Oder was nützt es dem Menschen, wenn er erkennen muß, daß es seine Schuld ist, die ihn hier bindet? Die Erkenntnis des Todes, auch die tiefste und gründlichste Erkenntnis seines Wesens, macht uns nicht frei, sondern steht selber unter dem Todeszeichen. Ja, wenn wir leben könnten, ohne uns ans Leben zu klammern, wenn wir so leben könnten, wie uns Sehnsucht und Reue noch eine Ahnung, noch einen Schimmer dieses wahren Lebens geben können –, wenn Gottes Wort uns das Leben wäre, wenn wir eher das Leben ließen als seinem Worte mißtrauen, wenn wir über unser Tagewerk schreiben könnten, was einer, der anders lebte als wir, darüber gesetzt hat: »Meine Speise ist die, daß ich tue den Willen des, der mich gesandt hat«, wenn wir nicht allesamt so ge­baut wären, daß wir die Übertretung des Willens Gottes überleben, den Verrat an seinem Wort spurlos überleben könnten, wenn wir nicht alle die seltsame Feststellung an uns machen würden: wir sterben, wenn wir kein Brot haben, aber wir sterben nicht, wenn wir Sünde tun, im Gegenteil, dann leben wir scheinbar erst recht auf – wenn Gottes Wort uns das Leben und das Leben der Gehorsam gegen sein Wort wäre, dann, ja dann hätte der Tod keine Macht über uns. Denn dann hätte Gott Macht über uns.

Aber wer kann das von sich sagen? Wem ist der Gehorsam gegen Gottes Wort seine letzte, innerste Lebensnotwendigkeit? Wer lebte nicht bald im Gehorsam und bald wieder im Unge­horsam, bald so, bald so und darum eben doch immer in einem letzten Ungehorsam gegen Gott? Wer klammert sich nicht mit aller Kraft an das Leben, auch wenn er Gottes Wort darü­ber aus den Augen verliert? Aber gerade da fängt uns der Tod. Die Kraft, mit der sich der Mensch ans Leben klammert, ist der Sieg des Todes über ihn, wie es im Wort des Herrn heißt: »Wer sein Leben lieb hat, der wirds ver­lieren.« Wir glauben dann wohl, wir hätten das Leben an uns gerissen, aber wenn wir es aufbrechen, springt der Tod aus der hohlen Schale. Für die­se Liebe zum Leben, die das Leben mehr liebt als Gott, den Schöpfer des Le­bens, tauscht der Mensch den Tod ein. Darum ist’s ein »elend, jämmerlich Ding um aller Menschen Leben von Mutterleib an bis sie in die Erde be­graben werden, die unser aller Mutter ist. Da ist immer Sorge, Furcht, Hoff­nung und zuletzt der Tod. Sowohl bei dem, der in hohen Ehren sitzt, als bei dem Geringen auf Erden; sowohl bei dem, der Purpur und Krone trägt, als bei dem, der einen groben Kittel anhat.« […]

So wie es feststeht, daß wir alle dem Tod verfallen sind, so steht auch das andere fest, daß der Tod dem verfallen ist, den wir anbeten, Jesus Christus, den Gott auferweckt hat von den To­ten. »Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangen geführt.« So gewiß, als wir dem Tod ge­hören, gehört der Tod dem, der ihn besiegt hat. So gewiß, als wir alle des Todes Beute werden, ist der Tod die Beute dessen, der ihm nichts gelassen hat als ein leeres Grab und ein paar Tüchlein. Das hat Gott getan. Er »schaut von seiner heiligen Höhe und sieht vom Himmel auf die Erde, daß er das Seufzen der Gefangenen erhöre und losmache die Kinder des Todes«. Darum nennt die Schrift Gott auch den Auferwecker und mahnt uns da, was Gott Christus getan hat, auch für uns zu glauben. Denn die Auferweckung der Toten – das ist der Machtbeweis Gottes, der am Ende der Tage steht.

Hier der vollständige Text als pdf.

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